Die Koalition für die ländlichen Räume hat 2008 ein umfangreiches und immer noch lesenswertes Papier

zur zukünftigen Gestaltung der ländlichen Räume vorgelegt. Dieses Papier ist immer noch aktuell und immer noch lesenswert. Es umfasst viele gute Idee und Anregungen, von denen die meisten noch der Umsetzung harren. Das Thema Bildung steht dabei ganz an erster Stelle und seine Bedeutung wird noch dadurch unterstrichen, dass die zuständige Arbeitsgruppe nach Veröffentlichung des Papiers entschieden hat: Wir machen weiter! Ergebnis waren seither eine Reihe von Veranstaltungen, zentral und dezentral, die sich mit der Zukunft der Bildung in verschiedenen Facetten beschäftigen: Wie kann die Bildungsqualität gerade auch im ländlichen Raum gesteigert werden? Wie können Übergänge besser gestaltet werden? Wie sollen Strukturen weiter entwickelt werden? Ein kurzer Blick in das Papier und seine Aussagen zur Bildung zeigen, wie aktuell die Thesen sind. Eine Übersicht über die Stichworte beweist das.  Die Koalition spricht sich für einen Ausbau und die Förderung offener und gebundener Ganztagsschulen aus, da sie längere Betreuungszeiten und den Bildungsansprüchen im ländlichen Raum gerecht werden. Gewünscht werden eine starke Verknüpfung von Schule und Wirtschaft bzw. Schule und Praxis. Gerade in der praktischen Erfahrung des Arbeitslebens bekommt die schulische Bildung einen konkreten Kontext, der deutlich macht, worauf hin und wofür es sich zu lernen lohnt. Die Forderung, Beratung und Schulsozialarbeit auszubauen, ist bereits politisch auf fruchtbaren Boden gefallen. Es gibt erste Familienzentren in Schleswig-Holstein, die Schulsozialarbeit soll ebenfalls ausgebaut werden. Das Petitum der Koalition kann hier insofern unterstrichen werden, dass der ländliche Raum bei solchen Projekten nicht aus dem Blick geraten soll, weil man vielleicht zunächst ein Städte und Stadtteil mit schwacher Sozialstruktur denkt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist sowohl eine Anfrage an die Betreuungseinrichtungen aber auch eine Anfrage an die Betriebe bzgl. einer bedarfsgerechten Flexibilisierung der Arbeitszeiten der Mitarbeiter/Innen.

Die Forderung nach einem Weiterbildungsfinanzierungsgesetz wie es in anderen Bundesländern existiert ist ebenfalls verzeichnet, und muss als uneingelöste Forderung angesehen werden, da der jetzige Entwurfe eines Weiterbildungsgesetzes, der dem Parlament vorliegt, lediglich eine Novellierung des BFQGs darstellt und den Anforderungen eines wirklichen Weiterbildungsgesetztes nicht genügt (was für den ländlichen Raum eigentlich auch eine Notwendigkeit darstellen würde, da über ein solches Gesetz das flächendeckende Angebot von Weiterbildung gesichert werden könnte). Die zentrale Aussage der Koalition ist die eines wohnortnahen Bildungsangebotes. Dieses stellt einen Standortfaktor für die Unternehmen im ländlichen Raum dar, leistet einen Beitrag zur Lebensqualität und zur Sozialstruktur.

Angesichts der Jahreszeit und des Themas kann die Bedeutung der Bildung im ländlichen Raum verglichen werden mit einer gut beheizten Kate in der winterlichen Marsch. Draußen stürmt und schneit es, die Wellen schlagen an den Deich. Innerhalb der Kate ist es warm und hell. Ihre Ausstrahlung hat im wahren Sinne des Wortes drei Dimensionen. Für die Bewohner bietet sie Heimat und ein vertrautes Umfeld, das sie auch, solange Licht und Wärme funktionieren, nicht verlassen wollen. Warum auch? Dies ist ihre Kate und ihr Zuhause. Für Wanderer, die trotz des schlechten Wetters unterwegs sind – oder gar da hinein geraten sind – verspricht die Kate einen sicheren Aufenthalt, Helligkeit und ebenfalls die Möglichkeit, sich am Kamin aufzuwärmen. Für die Marschgegend an sich bedeutet die bewohnte Kate eine Sicherung ihrer Struktur. Wo Menschen wohnen, wird die Kulturlandschaft gepflegt, wird auf die Deiche geachtet, werden Wege instand gehalten. Die Gegend bleibt attraktiv, was wiederum zu weiteren Wanderern und Bewohnern führt. So verhält es sich auch mit der Bildung im ländlichen Raum. Ihr Angebot hat ebenfalls drei Dimensionen. Bildungsangebote tragen zur Lebensqualität der heimatlichen Umgebung bei. Junge Familien suchen nach attraktiven Bildungsangeboten für ihre Kinder, Kindertagesstätten und Schulen mit einer qualitativ hochwertigen Pädagogik und guten Strukturen. Kultur und Weiterbildungsangebote werden gerne angenommen, warum in die Ferne reisen, wenn das Gute so nah liegt. Das ist die warme Innenseite der Kate. Für Wanderer, kleine und mittelständische Unternehmen, die auf der Suche nach einem guten Standort sind, spielen Infrastruktur und kompetente MitarbeiterInnen eine wichtige Rolle. Ein bildungsaktiver ländlicher Raum ist Anziehungspunkt für die Wirtschaft, hier finden sich die notwendigen Fachleute und maßgeschneiderte Betreuungs- und Weiterbildungsangebote für das Unternehmen. Nicht zuletzt muss es unsere Aufgabe sein, den ländlichen Raum nicht veröden zu lassen. Bildung ist hier eine wesentliche Ressource, sorgt sie doch für Aktivitäten, die zur Verlebendigung des Ländlichen Raumes beitragen. Die Lebensbedingungen sind unterschiedlich. Eine gute Sozialraumanalyse erkennt, welcher Bedarf wo entsteht. Auf die unterschiedlichen Kontexte vermag Bildung eine präventive Antwort zu geben. Hier kann gezielt in der Förderung gegen gesteuert werden, sei es bei Weiterbildungsprogrammen oder aber besonderen Angeboten für Kinder und Jugendliche. Angesichts der demographischen Veränderungen mag es auch sinnvoll sein, ein besonderes Augenmerk auf Bildungsangebote für Senioren zu legen, um so die Lebensqualität vor Ort zu halten bzw. zu steigern. Eine regionale Bildungsplanung kann hier gezielt eingreifen und über die Vernetzung der Einrichtungen sinnvolle Angebote komplementär konstruieren.

Glaubt man den Zahlen der Bertelsmann-Stiftung, wird das Durchschnittsalter in den nächsten 15 Jahren in weiten Landstrichen ansteigen. Die Herausforderung liegt dann darin, für die Menschen die Wohnorte lebenswert zu gestalten. Zu dieser Gestaltung gehört ein sozial und kulturell geprägtes Bildungsangebot unbedingt dazu. Ein Wegfallen von „Bildung“, gerade im ländlichen Raum, wird dramatische Folgen haben: Wer also langfristige und vorausschauende Regionalplanung betreibt, kommt um die Bildungsplanung nicht herum. Es muss unsere – Politik, Verwaltung und Bildungsleute – gemeinsame Aufgabe sein, für gute Bildungsangebote im ländlichen Raum zu suchen. Profitieren werden letztlich alle davon, denn ein gut entwickelter ländlicher Raum, angesichts seiner großen Fläche bei uns im Land, ein starkes Rückgrat für eine gute Zukunft Schleswig-Holsteins.

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