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Jenseits von Hoffnung und Angst:

Lernen, die Gebete zu lieben


Datum 04/Apr/2007

Frage von Nura :

Salamu `alaikum wa rahmatullah

Bitte helfen Sie mir. Mal bete ich die Salah- Gebete, mal nicht. Können Sie mit bitte sagen,
was mit jenen passiert, die ihre Gebete verlassen? Der wichtigste Grund, warum ich immer
wieder zum Gebet zurückkomme ist, dass ich Allah fürchte, aber dann werde ich schwach.
Ich bringt mich innerlich um und ich fühle mich so traurig. Könnten Sie mir bitte einige
Hinweise geben?

Möge Allah Sie belohnen.


Salamu alaikum.

* Diese Antwort wurde freundlicherweise von Bruder Tarek Ghanem zur Verfügung
gestellt, einem Mitglied des Ask About Islam Redaktion:

Salam, liebe Schwester.

Ich bete, diese Antwort findet dich in bester Verfassung, Allahs Segnungen
genießend.

Als erstes möchte ich meine Hochachtung ausdrücken für den Sinn von Ehrlichkeit
und Reinheit, den man zwischen den Zeilen deiner Frage lesen kann. Möge Allah
mir helfen, zu antworten und, noch wichtiger, es mir ermöglichen, der Frage gerecht
zu werden trotz meiner Unzulänglichkeit und Fehler.

Die Angst in den richtigen Kontext bringen

Gebete ausfallen zu lassen ist leider etwas Gewöhnliches unter vielen Muslimen.
Wie du erwähnt hast, ist der Grund, warum viele, viele Muslime wieder
zurückkehren zu den Gebeten gleichwohl die Angst, richtigerweise, vor Allah,
Hoheitsvoll in Seinem Lob. In seinen endlosen Stufen ist der Glaube anfangs mit
Furcht verbunden; und das erreicht und ist gut für jemanden ohne einen festen
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Grund in der Religion.

Imam Abu Hamid Al-Ghazali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erhellt dieses
Thema, indem er eine Parallele zieht zwischen diesem Status und dem eines Kindes.
Es ist so, wie das Kind lernt, Feuer nicht anzufassen. Oder, wenn das Kind es so oder
so macht, wird es bestraft, um seine Lektion richtig zu lernen.

Ich überlasse es der Weisheit unseres geliebten Propheten (Friede sei mit ihm), deine
Frage zu beantworten, was mit jenen passiert, die das Gebet ausfallen lassen.
Besorge dir das Buch Riyad As-Salihin (Gärten der Tugendhaften) von Imam
An-Nawawi und lies den Abschnitt "On the Command to Persevere in the
Prescribed Prayers and the Strongest Prohibition Against Abandoning Them." Wenn
du keine Ausgabe des Buches finden kannst, findest du hier:

http://islamische-datenbank.de/Riyad-us-Salihin eine online Ausgabe.

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Was die Furcht angeht, sagte unser Führer und Prophet, basierend auf seinem
unvergleichlichem Wissen über Allah und Spiritualität, „Wahrlich, ich bin der
Gottesfürchtigste unter euch,“ trotz seiner unvergleichlichen Gewissenhaftigkeit und
obwohl ihm Allahs äußerste Liebe und Zufriedenheit gewährt wurde.

Das ist noch nicht alles. In der Tat sollte für Gläubige das Wesentliche des Glaubens
nicht einfach auf Furcht beruhen. Es ist eine Stufe, ein Element, eine Funktion, die für
viele vielleicht zentral ist, wie für mich, auf unserem Weg zu Allah; der Natur
unseres Egos, unserer Psyche und Weltlichkeit bewusst. Die menschliche Seele ist
mit grundlegender Furcht geschaffen worden und damit sollte man umgehen und
sie verwenden, um die Seele zu klären, um zu Allah zu gelangen.

Nachdem das gesagt wurde, Hoffnung sollte immer die Furcht überwiegen.
Zunächst, wie Imam Al-Ghazali erwähnt, führt die andauernde Abhängigkeit von
Furcht zu Verzweiflung. Zu jedem Zeitpunkt sollte man immer mehr Hoffnung als
Furcht haben.
Taten, die auf Hoffnung aufgebaut wurden, sind so viel besser als die, die auf Furcht
basieren. Deshalb sagen die traditionellen Gelehrten des Islam auch, dass Muslime
während ihres Lebens nicht denken sollen, dass sie für die Errettung und das
Paradies bestimmt seien; aber wenn sie auf dem Sterbebett liegen, sollten Muslime
anders denken – Allah wird zufrieden sein und wird sie ins Paradies lassen.

Dennoch, weder Furch noch Hoffnung sind die höchsten Ziele, nach denen die
Gläubigen streben sollten. Ihsan (Excellenz), so wie von unserem geliebten
Propheten erklärt, ist „Allah zu dienen, als ob man Ihn sieht“ (Muslim). Dies ist die
höchste Form von Anbetung. Sie besteht aus viel mehr Aspekten als nur Furcht oder
Hoffnung: Liebe, Zufriedenheit, absolute Unterwerfung unter Allah, grenzenlose
Gewissheit und dem Ziel der Nähe.

Praktische Lösungen für ein echtes Problem

Nachdem die Furcht in Verbindung mit dem Auslassen von Gebeten in einen
Kontext gebracht wurde, (fragen wir), was sind die praktischen und funktionalen
Wege, um mit diesem Problem umzugehen?

Erstens gibt es keine Lösung ohne sofort zu bereuen, ohne eine Sekunde
Verzögerung. Trotz aller Tricks, die unser Ego und Satan uns spielen, gibt es keinen
Unterschied Reue von genau dieser Sekunde zu einer anderen, die noch kommt, zu
verzögern. Die spirituelle Realität, in der wir leben, ist die gleiche; Allah ist Allah,
ewig der absoluten Anbetung würdig. Es sind nur satanische Tricks, sie uns
ermüden, ablenken und uns daran hindern, endlich ein liebender, gehorsamer
Diener von Allah, dem Allerhöchsten zu sein.

Zweitens kann niemand so einfach überzeugt und stark im Ausüben einer solch
großen Aufgabe (die vorgeschriebenen Gebete einzuhalten) sein, ohne einen
Ansporn dazu. Gebete sind eine Angelegenheit, die es verlangen, dass man sich
fünfmal am Tag darauf einlässt, dass man in der Morgendämmerung aufsteht, sich
wäscht, die Gedanken klärt, etc. Das ist auch eine bessere Antwort auf deine Frage,
was jenen passiert, die nicht beten, zusammen mit den Stufen und Belohnungen für
jene, die es tun.

Hier ist etwas Praktisches, dass die Dinge einfacher machen sollte. Niemand kann
solch eine große Aufgabe erfüllen, ohne zu wissen, was sie wert ist. Lies das Kapital
über Gebete aus dem Buch Ihya' `Ulum Ad-Din (The Revival of Islamic Sciences) by
Imam Abu Hamid Al-Ghazali, einem Buch von unglaublichem Nutzen. Wenn du es
nicht hast, kann kaufe es dir. Es ist am besten, du liest es auf Arabisch; wenn das
nicht geht, gibt es online Übersetzungen, die du verwenden kannst.

Durch das Lesen dieses Kapitels, das auf dem aufschlussreichem Verständnis vieler
Gelehrter basiert, das von dem Vers *{obwohl Allah euch und das, was ihr gemacht
habt, erschaffen hat?}* (As-Saffat 37:96) herrührt und dem Hadith des Propheten:
„Das Herz des Gläubigen ist zwischen zwei Fingers des Barmherzigen“ (Muslim),
neben vielen anderen Beweisen, wirst du in der Lage sein, zu bereuen und die
Bedeutung des Betens verinnerlichen.

Drittens, danach solltest du viele, wiederholte aufrichtige Bittgebete von Herzen an


Allah richten, die dein Bedürfnis nach Allahs Leitung ausdrücken, damit Er dir hilft.

Viertens, viele der Gelehrte, mit denen ich die Ehre hatte zu studieren, geben die
folgenden Ratschläge basierend auf dem Vers:

*{Und da kündigte euer Herr an: ""Wenn ihr dankbar seid, so will Ich euch wahrlich
mehr geben; […]"}* (Ibrahim 14:7)

Immer, wenn Allah den Gläubigen einen Akt des Gottesdienstes erlaubt, sollten sie
Allah dankbar dafür sein. Ich rate, dass du, zumindest am Anfang, jeden Tag
einhundert Mal „alhamdulillah“ (alles Lob gebührt Allah) sagst, bis Allah dir Erfolg
im regelmäßigen und rechtzeitigen Beten gewährt.

Fünftens, einer der Methoden, die Scheich Nuh Keller beschreibt, um dieses Problem
so lösen – eine Methode, die auch traditionell befolgt wurde – beruht auf dem Genie
der göttlich inspirierten prophetischen Weisheit in der Überlieferung „"whoever prays
to Allah 40 days catching the first Takbir [the opening invocation] in a group would have two
clearances; a clearance from Hell and a clearance from hypocrisy" Wer an 40 Tagen zu
Allah betet und den ersten Takbir in einer Gruppe macht, wird von 2 Dingen befreit:
von der Hölle und von der Heuchelei. (At-Tirmidhi).

Diese Lösung bietet sich auch laut zahlreichen Ahadith an, die von der Fortsetzung
eines Aktes des Gottesdienstes über diese Zeitspanne berichten und diese Zeitspanne
wird auch im Koran als Moses’ (as) Zeit des spirituellen Rückzugs genannt. Die
menschliche Natur kann mit Gewohnheiten brechen und mit einer neuen beginnen,
wenn man diese für 40 aufeinander folgende Tage praktiziert. Versuch dir selbst das
Versprechen zu geben, das Gebet 40 Tage zu verrichten, ohne eins zu verpassen.
Jedes Mal, wenn du unterbrichst, beginne von vorne.

Für die Männer ist auch das Gemeinschafstgebet (Juma’a) – mit all seinen
Belohnungen und spirituellem und psychologischem Nutzen – eine tolle Methode,
um dieses Problem zu lösen.

Was du auch tun könntest, ist dein Ego mit ansteigenden Maßnahmen bestrafen.
Zum Beispiel, wenn du ein Gebet verpasst, bete es und danach 2 Rakat extra. Wenn
es wieder passiert, bete vier, dann acht, dann sechzehn, etc. (Alles in Zweiergruppen
von Rakat). Auf diese Weise wird dein Ego gezügelt, abhängig davon, wie viel
Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit wir dabei aufbringen, wenn wir es so machen.

Schließlich, ob in den vorgeschriebenen Gebeten oder anderen, behandle sie wie


etwas, was du mit Liebe tust, nicht mit Angst, nicht nur Pflichterfüllung oder Zwang.
Trage deine besten Sachen, verwende Raumduft, perfektioniere deine Waschung
(wudu), lerne die Bittgebete des Propheten für die verschiedenen Teile des Gebets,
bete an deinem Lieblingsort, lass dir Zeit, mach anschließende freiwillige (Nafila-)
Gebete und Bittgebete und lösche alle weltlichen Angelegenheiten aus, wenn du vor
Allah den Allmächtigen trittst; bete mit ganzen Herzen.

Das Wesentliche unserer Religion, das vor vielen verborgen bleibt, ist Liebe; Haben
wir nicht den heiligen Hadith gehört, der sagt "Mein Diener nähert sich Mir nicht mit
etwas, das Ich mehr liebe, als das, was Ich ihm als Pflicht auferlegte." (Al-Bukhari)
Und nichts ist wichtiger in dieser Religion als das Gebet, speziell wenn es pünktlich
verrichtet wird.

Möge Allah uns und allen Muslimen helfen, unsere Gebete zu perfektionieren.

Bitte bleib mit uns in Verbindung.

Salam.

Quelle: http://discover.islamonline.net/

Originaltitel: Beyond hopes and fear: Learning to love prayer

Thema Aspects of Worship, Heart & Soul


Name des Beraters AAI Redaktion