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Erlaubt der Qur´an das Schlagen

der Frau?
„Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil
Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie
von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen
die Gehorsamen und diejenigen, die (ihrer Gatten) Geheimnisse
mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr
befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!
Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht gegen sie keine
Ausrede. Wahrlich, Allah ist erhaben und groß.“ (Quran 4:34)

Wie ist dieser Vers zu verstehen?

Als erstes sollte darauf hingewiesen werden, dass es das


vorrangige Ziel einer islamischen Gesellschaft und ihrer
Mitglieder ist, ein friedliches Miteinander durch das Befolgen
der Gesetze Gottes zu erreichen. Schläge und jede andere Art
von Gewalt gehören natürlich nicht zu den grundlegenden
Bestandteilen dieser Religion. Daher ist eine exakte
Interpretation der oben genannten Worte wichtig.

Zunächst einmal die Ausgangssituation: Es herrscht zwischen


den Ehepartnern eine schwere Krise, an der die Frau die
(Haupt-)Schuld trägt. Der Mann hat nun folgende Möglichkeiten,
seine Ehe zu retten:

- Ermahnung

- Meidung

- Strafe

Die im Qur´an vorgeschriebene Reihenfolge muss eingehalten


werden; es ist keinem Mann erlaubt, die erste oder zweite Stufe
einfach außer Acht zu lassen. Dadurch haben beide Ehepartner
die Chance, über ihr Verhalten nachzudenken. Vor allem die
Frau – und in diesem speziellen Fall geht es ja um die Ehefrau
als Schuldige – kann sich ihr Verhalten in Ruhe durch den Kopf
gehen lassen und wieder zur Besinnung kommen. Auch der
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Mann wird erst einmal zur Ruhe gezwungen und kann sich seine
nächsten Schritte überlegen, ohne in erster Erregung oder Wut
zu handeln. Das, was im ersten Moment mit dem Begriff
„Schlagen“ assoziiert wird, ein zorniges Prügeln, wird also
gerade durch die islamische Vorgehensweise vermieden.

Da die ersten beiden Handlungen in diesem Text sicherlich von


untergeordneter Bedeutung sind, soll hier lediglich die dritte
erläutert werden.

Was bedeutet „Schlagen“ an dieser Stelle im Qur´an?

Die Übersetzung aus dem Arabischen spielt natürlich eine große


Rolle und es sollte immer im Hinterkopf behalten werden, das
mit einer deutschen (ungefähren) Übersetzung nicht das
Original gelesen wird. Daher unterscheiden sich manche Qur
´anübersetzungen auch voneinander.

Als nächstes muss bei der Interpretation eines Verses auch die
Sunnah hinzugezogen werden, denn diese erklärt in den
meisten Fällen den Qur´an und liefert wichtige Details, ohne die
ein Verständnis der heiligen Schrift oftmals gar nicht möglich
wäre.

So sagte der Prophet beispielsweise in diesem


Zusammenhang, dass derjenige, der die Hand gegen seine Frau
erhebt, nicht der Beste ist – er verurteilte ein solches Verhalten
also bereits im Vorfeld. Er selber hat niemals eine seiner Frauen
geschlagen und schließlich gilt der Prophet Muhammad jedem
Muslim als leuchtendes Vorbild, dem es in jeder Lebenslage
nachzueifern gilt.

Der Rahmen dieses Schlagens wurde von hohen islamischen


Gelehrten wie z. B. ibn ´Abbas (r.a.) so definiert, dass es
keinerlei Verletzungen hervorrufen darf und beispielsweise mit
einem Miswak durchgeführt werden könnte. Und ein Miswak ist
ein kleines Stück Holz, das zum Reinigen der Zähne benutzt
wird. Eine solche „Züchtigung“ hat eher psychologische
Auswirkungen (Schreck, der Ernst der Lage wird der Frau
bewusst), als körperliche.

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Ein Schlag in das Gesicht ist im Islam grundsätzlich verboten,
wie aus einem Hadith hervorgeht.

Aus diesen Gründen wird der in der oben genannten Ayah


verwendete arabische Ausdruck auch manchmal mit dem Wort
„Klaps“ übersetzt, um die Übersetzung in Einklang mit der
genauen Bedeutung zu bringen.

Oftmals kommt auch die Frage auf, was denn im umgekehrten


Fall zu tun sei und ob die Frau ihren Mann schlagen könnte, falls
er etwas Falsches macht. Es ist der Frau jedoch nicht erlaubt,
ihren Mann zu schlagen. Würde die Frau in einer ohnehin schon
angespannten Situation die Hand gegen ihren Mann erheben,
könnte der Streit eskalieren und der Mann wäre der Frau im
Ernstfall körperlich weit überlegen. Ein Kampf zwischen den
beiden würde sicherlich zuungunsten der Frau ausgehen und
die Ehe wäre noch mehr gefährdet als vorher. Da der Islam aber
zum Ziel hat ein glückliches Familienleben zu etablieren und
mögliche Streitigkeiten zwischen Eheleuten zu schlichten und
nicht, sie zu verschlimmern, kommt diese Möglichkeit nicht in
Betracht.

Die Frau hat jedoch z. B. die Möglichkeit zu einem islamischen


Gericht zu gehen und dort ihr Recht durchzusetzen. Sie ist den
Launen ihres Mannes keineswegs hilflos ausgeliefert, sondern
kann ebenfalls geeignete Maßnahmen ergreifen.

Quelle: diewahrereligion.de