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ÖSTERREICH

Foto: Gianmaria Gava für DIE ZEIT/www.gianmariagava.com

15. Dezember 2011 DIE ZEIT No 51

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Der Konkurs der Kaderschmiede
Die Imadec University war die Hohe Schule der Politikprominenz. Ihre Zulassung hat sie bereits verloren, jetzt droht das Ende VON GERD MILLMANN
s sollte eine große, würdige Feier werden: Vor zwanzig Jahren wurde die Imadec University gegründet. Eine noble private Hochschule im noblen Schloss Laudon, in der Mauerbachstraße in Wien-Penzing. Mit Champagner hätten Studiosi und Alumni bei diesem Fest angestoßen, und einige der zahlreichen Ehrendoktoren hätten vielleicht die eine oder andere Laudatio gehalten. Gaudeamus igitur. Es kam hingegen anders. Das akademische Fest wurde abgesagt: »Aufgrund der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, welche Auswirkungen auf die Terminplanung einiger unserer internationalen Gäste hatten, mussten wir den Termin für dieses Fest verschieben«, heißt es auf der Homepage der Universität. Welcher Gast gemeint sein könnte, wird wohlweislich verschwiegen. Denn der berühmteste Absolvent ist auch der berüchtigtste: Der 39-jährige Saif al-Islam al-Gadhafi, Sohn des ehemaligen libyschen Diktators Muammar al-Gadhafi. Er koordinierte den Terror gegen die Rebellen und drohte ihnen mit »Flüssen voll Blut«. Nun wartet er in einem Wüstengefängnis auf seinen Prozess. Ihm droht die Todesstrafe. Saif begann 1997 ein Wirtschaftsstudium an der Webster University, zuerst in Zürich und dann, nachdem in der Schweiz sein Visum nicht verlängert wurde, in Wien. »Aber da hat es mir nicht gefallen«, erzählte er später. Die private Imadec im schmucken Schloss war mehr nach seinem Geschmack. Zwischen 34 000 und 40 000 Euro kostet dort das Studium. Saif schaffte in gebrochenem Englisch den Einstiegstest bei Kurt Leube, Professor an der Californian State University, einer Partnerhochschule der Wiener, und graduierte in rekordverdächtigen zwanzig Monaten zum Master of Business Administration. In der

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Ende 2012 werden im Schloss Laudon die letzten Lehrveranstaltungen der Imadec stattfinden. Dann muss der Betrieb eingestellt werden

kargen Freizeit tummelte er sich im Gehege der Gesellschaftslöwen und vermittelte seinem Intimfreud Jörg Haider den Kontakt zu seinem Vater. Die Alma Mater war stolz auf ihren gelehrigen Schüler, er war der prominenteste Absolvent der exklusiven Kaderschmiede, in der auffällig viele Hoffnungsträger aus dem rechtsliberalen Lager akademischen Lorbeer erwarben. Heute ist der Ruhm verblasst. Die Imadec University darf sich nicht mehr Universität nennen und dümpelt als Veranstalterin von »Lehrgängen universitären Charakters« dahin. Ein künstliches Konstrukt, das nichtssagende akademische Titel verleiht, welche in keine Urkunde eingetragen werden dürfen. Die Lehrgänge dürfen laut Wissenschaftsministerium nur noch bis Ende 2012 durchgeführt werden. Dann erhalten die letzten Studierenden ihre Diplome: den Master ohne Wert. Früher war der Titel noch heiß begehrt. Als der Österreichische Akkreditierungsrat Imadec 2000 zur Privatuniversität erhob – vorerst auf fünf Jahre beschränkt –, hatte Christian Joksch sein ehrgeiziges Ziel erreicht. Der damals 40-jährige Versicherungsmakler und Uni-Lektor hatte die Universität 1991 gegründet und ist bis heute ihr Vorsitzender. In den 1990er Jahren hatte er das Universitäts-Akkreditierungsgesetz mitinitiiert, das die staatliche Anerkennung privater Hochschulen ermöglichte. Die schwarz-blaue Regierung setzte schließlich ihr Motto »Mehr privat, weniger Staat« auch im Bildungsbereich um – mit Rückendeckung durch die Sozialdemokratie. »Wir haben damals zugestimmt, weil wir einige Punkte wie das Finanzierungsverbot durch öffentliche Organisationen und die Ausgliederung der Akkreditierungen aus dem Ministerium durchFortsetzung auf S. 16
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Student Amon zugleich Direktor des Ressource Development seiner Universität. Rektor Joksch schuf sich so ein veritables politisches Netzwerk. »Der Unterschied zwischen einer privaten zu einer staatlichen Universität ist jener, dass wir uns die Studenten aussuchen können, wir nehmen also nur jene Personen auf, von denen wir der Meinung sind, dass wir ihnen wirklich weiterhelfen können, und die schließlich ein Bestandteil unseres Netzwerkes werden«, erläuterte Joksch kurz nach der Akkreditierung. Ein Netzwerk, das ihm zu Hilfe eilte, als Imadec 2005 die staatliche Akkreditierung als Privatuniversität verlor. Eine ganze Reihe von Mängeln wurde damals beanstandet. »Betroffen waren sowohl die Personalstruktur, die Organisations- und Entscheidungsstrukturen, das Qualitätssicherungssystem sowie die mittelfristige finanzielle Sicherung, die nicht ausreichend nachgewiesen werden konnten«, erklärt Elvira Mutschmann-Sanchez vom Akkreditierungsrat die Defizite. Die Eleven warfen sich für ihre Alma Mater ins Zeug: »Nicht nachvollziehbar und in der Wirkung höchst unprofessionell« sei diese Entscheidung, wetterte ÖVP-Bildungssprecher Amon, und Sylvia Papházy sprach von einem »unfassbaren Rückschritt im österreichischen Universitätswesen«. Rektor Joksch sah die Kriterien für die Akkreditierungs-Verlängerung »zur Gänze erfüllt«. Er sei davon ausgegangen, dass die Akkreditierung »nur noch Formalsache« sei. Trotz des heftigen Sperrfeuers der schwarzblauen Parlamentsmehrheit blieb es bei dem ablehnenden Bescheid des Rats. Die von der SPÖ eingeforderte Ausgliederung der Akkreditierung aus dem Bereich des Ministeriums hatte sich als vorausschauende Vorsichtsmaßnahme herausgestellt. Bald darauf folgte der nächste Schock für Rektor Joksch: Imadec wurde um die Möglichkeit gebracht, Ehrendoktorate zu verteilen. Im April 2006 urteilte der Verwaltungsgerichtshof, dass das Ehrendoktorat an den Finanztheoretiker Alexandre Lamfalussy – 2003 mit großem Pomp überreicht – null und nichtig sei. Die Begründung: Wie allen anderen Privat-Unis ist es auch Imadec nicht erlaubt, Honoris-causa-Titel zu verleihen. Doch gerade diese wurden stets eifrig in Umlauf gebracht: Arnold Schwarzenegger hat ebenso einen wie Wim Duisenberg, Expräsident der Europäischen Zentralbank. Auch der ehemalige SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky schmückt sich mit einem Ehrentitel der merkwürdigen Hochschule. Doch neben dem administrativen Debakel ist die Ausbildungsstätte auch ein finanzielles Desaster: Im Juni 2010 wurde am Handelsgericht Wien das Konkursverfahren eröffnet. Im August wurde ein Sanierungsplan angenommen. Demnach muss Jokschs Imadec Executive Education GmbH bis August 2012 sämtliche Schulden begleichen. Schwere Zeiten für den Rektor, der sich plötzlich öffentlichkeitsscheu gibt. Doch auf seine Freunde kann er nach wie vor zählen: Am 1. Juni 2010 erhielt er in feierlichem Rahmen im Audienzsaal des Wissenschaftsministeriums aus der Hand der ÖVP-Ministerin Beatrix Karl das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich überreicht. Joksch sei einer der Wegbereiter für das österreichische Privatuniversitätengesetz, lautet die offizielle Begründung. »Seinem Engagement verdankt die Imadec auch ihre sehr gute internationale Position.« Dass Imadec damals gar keine Universität mehr war, interessierte niemanden. Erst im Nachhinein wurde die Diskrepanz zwischen Lobhudelei und Realität dem Ministerium peinlich. Jokschs Vita – in der ursprünglichen Aussendung zwischen den ebenfalls geehrten Universitätsprofessoren Christiane Spiel und Werner Koenne zu finden – wurde auf der Internetseite des Ministeriums gelöscht. »Änderungen auf der Homepage gehören naturgemäß zur regelmäßigen technischen und inhaltlichen Wartung«, begründete Ministerin Karl in einer parlamentarischen Beantwortung die Vergangenheitsbehübschung. Den Orden durfte Joksch behalten. Wegnehmen lässt er sich ohnedies nichts. Nachdem Joksch trotz Aberkennung auf dem Universitätsstatus für seine Imadec beharrte, wandte sich der Rat an das Handelsgericht Wien und erwirkte 2007 eine Löschung des unzulässigen Firmenwortlauts »Imadec University«. Im Internet ist der Zusatz »University« weiterhin zu finden. Ein neuer Termin für die Feier zum doppelten Dezennium steht allerdings noch nicht fest. Ob der berühmte Absolvent aus Libyen demnächst mal Zeit für einen Abstecher nach Wien hat, kann auch Rektor Joksch nicht sagen.
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setzen konnten«, erinnert sich der damalige SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser. Mit der Umsetzung des Privatuniversitätsgesetzes ist er dennoch unzufrieden. So hätten die skandalgeschüttelte Umit in Hall in Tirol (ZEIT Nr. 50/10) und die Imadec die schlimmsten Befürchtungen erfüllt: schwere Mängel bei Qualität und Transparenz und der böse Verdacht, dass Abschlüsse leichter Hand vergeben oder gar verkauft wurden. Bei der Imadec seien sehr oft prominente Vortragende angekündigt worden, gehalten hätten die Vorlesungen allerdings Assistenten. »Das muss nicht schlechter sein, das gibt es auch auf staatlichen Unis, aber nicht in diesem Ausmaß«, sagt Niederwieser. Der Tiroler saß damals im Wissenschaftsausschuss des Nationalrats. Dort schilderten die Vertreter des Akkreditierungsrats ihre Leiden mit Imadec. Niederwiesers zurückhaltende Conclusio der Sitzungen: »Es ist der Eindruck entstanden, dass man bei Imadec mit Geld jedenfalls zum Abschluss kommt.« Ein Umstand, der heimischen Parteinachwuchs blauer und schwarzer Provenienz nicht verprellt haben dürfte. Gerald Mikscha zum Beispiel, Jörg Haiders langjähriger persönlicher Sekretär, erarbeitete sich hier zwischen Tennisplatz, Schwanensee und Hubschrauberlandeplatz seinen Master. Auch Theresia Zierler, ehemalige ORF-Moderatorin und zwischen 2000 und 2001 FPÖ-Generalsekretärin, sowie Ralph Vallon, bis 2000 freiheitlicher Kommunikationsverantwortlicher, verdienten sich akademische Meriten im Schloss Laudon. Ebenso Sylvia Papházy, die von 1999 bis 2002 für die Freiheitlichen im Nationalrat saß. Sie war die Lebensgefährtin von Rektor Joksch. Ideologische Meinungsverschiedenheiten dürfte das Paar kaum gehabt haben: Joksch war 1999 Kandidat auf der Liste der FPÖ für die Wahl zum Europaparlament. Er war es auch, der einst Gadhafi junior mit seinem Parteiführer Jörg Haider bekannt machte. Geadelt wurde die Business School durch den Absolventen Karl Habsburg, der sich zuvor jahrelang erfolglos mit Jurisprudenz an der Universität Salzburg abgemüht hatte. Familienoberhaupt Otto war bis zu seinem Tod im Mai dieses Jahres Ehrenpräsident der Imadec. Die endgültige Weihe zur Eliteschmiede bekam die PrivatUni durch das Studium von Werner Amon, Nationalratsabgeordneter und Bildungssprecher der ÖVP. Er schaffte den Imadec-Abschluss sogar ohne Matura oder Studienberechtigungsprüfung. Zwischen 2000 und 2001 war der
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Ringsum Elend
Ein Tiroler in Mosambik: Christian Kapfensteiner, 37, Entwicklungshelfer
Nach der Matura wurde es in den Tiroler Gebirgstälern zu eng. Über ein Austauschprogramm kam ich nach Nigeria. Ein Jahr lang war der Moloch Lagos meine Heimat. Gegen Unterkunft und Verpflegung unterrichtete ich Französisch und Turnen, bereiste das Land und fragte mich, ob ich bis zur Pension alle Länder der Erde bereisen könnte. Weil mir das Geld fehlte, brauchte ich den passenden Job. Ich besuchte das Tourismuskolleg, absolvierte ein Praktikum in Mexiko, kreuzte als Radreiseleiter durch Frankreich, Irland und Italien und staunte immer öfter, wie groß die Kluft zwischen Arm und Reich ist.

Fotos: Gianmaria Gava für DIE ZEIT/www.gianmariagava.com (o.); Zuma Press/eyevine (u.); privat

Christian Kapfensteiner stammt aus Maurach. In Maputo versucht er, die Armut zu bekämpfen

Der Zusatz »University« wurde Imadec bereits 2007 aberkannt

Saif al-Islam al-Gadhafi ist der berühmteste Absolvent der schwarz-blauen Kaderschmiede

Heute lebe ich mit meiner Frau Techa und zwei Töchtern in Maputo und bin Entwicklungshelfer. Auf meinem Weg ins Büro komme ich jeden Morgen an zwei Frauen vorbei, die, am Straßenrand sitzend, auf einer Feuerstelle Maiskolben braten. Ein Stück verkaufen sie für 30 Cent. An schlechten Tagen werden sie fünf, an guten 20 Stück los. Wir leben in jenem Teil der Stadt, in dem alles funktioniert. Strom, Wasser, Ampeln, die Müllabfuhr. Und doch ist die Armut allgegenwärtig. Die Menschen tragen zerschlissene Kleider, ihr Bildungsstandard ist beschämend niedrig. Häufig besuchen wir meine Schwiegereltern und die Geschwister meiner Frau. Sie leben seit 40 Jahren in einer der Elendssiedlungen, die im Gefolge des Bürgerkriegs entstanden. Keine halbe Stunde von uns entfernt lebt man dort in einer anderen Welt. Die Menschen sind materiell arm. Aber der entscheidende Unterschied besteht darin, dass ich zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen kann. Ich bekomme ein Visum und kann überall hinfahren. Das ist für diese Menschen keine Option.
Aufgezeichnet von ERNST SCHMIEDERER

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