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Befreit Jerry Seinfeld!

von James E. Miller übersetzt aus dem Englischen von Henning Lindhoff

Das Original wurde auf http://mises.org/daily/5810/Free-Jerry-Seinfeld unter der Creative Commons-Lizenz veröffentlicht.

Jeder Fan der Sitcom Seinfeld aus den 90er Jahren kennt ihr unglückliches Ende. Jerry Seinfeld und seine drei Freunde Elaine Benes, George Costanza, und Cosmo Kramer, die tragenden Säulen der Serie, sind in einem Jet von NBC auf dem Weg nach Paris. Die TV-Produktionsfirma hatte Seinfeld den Jet als Entschädigung für den Umstand ausgeliehen, dass sie Jerrys Pilotfolge fünf Jahre im Regal verstauben ließ. Während des Flugs springt Kramer, wie so oft, fahrig hin und her, stolpert schließlich in das Cockpit, woraufhin eine Notlandung in der fiktiven Stadt Latham, Massachusetts, erfolgen muss. In Erwartung auf den Restart wird das Quartett Zeuge eines Raubüberfalls auf einen übergewichtigen Mann. Anstatt jedoch einzugreifen, machen sie sich lustig über die Szene und das Opfer. Der eintreffende Polizist verhaftet sie daraufhin.

Die Schlüsselaussage im Ausspruch des Polizisten lautet: „Das Gesetz verlangt von Ihnen, jedem zu helfen, der in Gefahr schwebt, solange es vernünftig ist, dies zu tun.“ Dies ist die Essenz der „Guter Samariter“-Gesetze, welche die Bürger dazu verpflichten auf Seiten der Opfer zu handeln, wenn sie Zeugen eines Verbrechens werden.

Der Zwang dieser Gesetze sollte sofort einen empfindlichen Nerv eines jeden Libertären treffen. Walter Block stellt dazu fest, dass „Guter Samariter“-Gesetze, die dem Bürger anordnen, in Schwierigkeiten geratenen Personen zu Hilfe zu eilen, mit dem Libertarismus unvereinbar sind.

Wenn der Staat in der Lage ist, seine Bürger zum Handeln zu zwingen und ihr Nichthandeln zu bestrafen, dann besteht nur eine sehr feine Grenze zwischen Freiheit und Sklaverei.

Man könnte argumentieren, dass überhaupt kein Unterschied existiert zwischen „Guter Samariter“- Gesetzen und einer Betätigung, die unter Zwang geschieht. Die Logik hinter diesen Gesetzen basiert auf der Überzeugung, dass Mitglieder der Gesellschaft verpflichtet sind, ihren Mitbürgern zu helfen. Die Tatsache, dass eine solche Verpflichtung aus dem Lauf einer Regierungspistole kommt, bleibt unerkannt. Die Argumente der Kollektivisten ziehen selten den methodologischen Individualismus in Betracht, denn dieser würde den blockierenden Schraubenschlüssel im Räderwerk des Social Engineering bedeuten. Schließlich sind es immer Individuen und nicht Gruppen, die handeln. Aus der libertären Perspektive ist die Inhaftierung von Jerry und seinen Freunden, basierend auf dem Prinzip der Eigentumsrechte, ungerechtfertigt. Niemand sollte von einem Staat gezwungen werden, egal wie geringfügig der juristische Fall erscheint, für einen Mitmenschen handeln zu müssen. Erlösung durch Zwang ist nichtsdestotrotz Zwang. Der Schuldspruch von Richter Art Vandelay, ausgesprochen trotz der temperamentvollen Verteidigung durch den hervorstechenden Anwalt Jackie Chiles, zeigt den inhärenten Widerspruch der „Guter Samariter“-Gesetze:

„Gefühllose Gleichgültigkeit und völlige Missachtung für alles, was gut und anständig ist, erschüttert das Fundament, auf dem die Gesellschaft aufgebaut ist.“

Die Gesellschaft wird von Individuen komponiert, nicht anders herum. Güte und Anständigkeit durch den Schrecken der Inhaftierung erzwingen zu wollen, ist keinen Deut besser als z.B. die Wehrpflicht zu einer moralischen Angelegenheit zu erheben. Wie Chiles, Parodie des späten Johnnie Cochran, ironisch feststellt:

„Niemand muss hier jemandem helfen

Das

ist es, worum es in diesem Land geht.“

Chiles' Ausspruch, egal wie attraktiv für Libertäre und Objektivisten, wurde durch Jahrzehnte andauernde Regierungsmandate, einschließlich Sozialversicherung, Wohlfahrtsstaat, ewigem Krieg unter dem Deckmantel der Humanität und endlosen Bailouts auf Kosten der Steuerzahler widerlegt.

Dies bedeutet allerdings noch lange nicht, dass man niemals auf Seiten seiner Mitmenschen handeln sollte. Wenn ein Raubüberfall direkt vor Ihnen geschieht, sollten Sie eingreifen, wenn Sie dazu in der Lage sind. Das bedeutet nicht, dass man in einen Streit mit bewaffneten Männern ohne eigene Waffen zur Verteidigung gehen sollte. Die Vagheit des Begriffs "angemessen" zeigt den wahren Trugschluss der „Guter Samariter“- Gesetze, die durch den Staat auferlegt werden. Nach welchen Kriterien wird der Begriff

"angemessen" definiert? Ist es überhaupt möglich, eine solche konkrete Entscheidung zu treffen? Weil Menschen unterschiedlich denken und unterschiedliche körperliche Fähigkeiten besitzen, kann ein Staatsbeamter, der „angemessene“ Fälle der Hilfeleistunfg zu definieren versucht, nur dem Schein des Wissens erlegen sein. Während mit Jerry und seiner Crew eine geliebte neunjährige Fernsehserie im Gefängnis endet, werden die katastrophalen Auswirkungen der staatlich verordneten „Guter Samariter“-Gesetze in der letzten Folge offenkundig. Gesetze, basierend auf den subjektiven Werten fehlbarer Beamte, erschaffen mehr Komplikationen als die reine strikte Durchsetzung von Eigentumsrechten. „Guter Samariter“-Gesetze sind das Spiegelbild des Verantwortungsbewusstseins der Beamten. Sie werden mittels konfiskatorischer Steuern bezahlt, um angeblich zu „schützen und zu dienen“. Doch anstatt dieser Aufgabe gerecht zu werden, übertragen sie die Verantwortung entschädigungslos wieder zurück auf den Bürger. Das ist das Wesen des Staates: unbeabsichtigte Folgen werden durch kurzfristige und schädliche Entscheidungen der Politiker provoziert, die glauben zu wissen, wie eine Gesellschaft optimal funktionieren werde.

wissen, wie eine Gesellschaft optimal funktionieren werde. Henning Lindhoff, M.A. "Counselling and Social

Henning Lindhoff, M.A. "Counselling and Social Advocacy", Jahrgang 1982, lebt in Köln und ist von Beruf Sonderpädagoge. Er recherchiert seit März 2007 intensiv zu den Themen Geldsystem, Wirtschaft und Elitenpolitik. Als Geschäftsführer der Kölner Sektion engagiert er sich in der Partei der Vernunft. Seine Aufsätze wurden bislang auf verschiedenen Websites mit ökonomischem und politischem Themenschwerpunkt veröffentlicht. Sein erstes Buch zum Thema Betreuungsrecht erschien im Februar 2011. Er ist online erreichbar unter http://about.me/lindhoff und h.lindhoff@t-online.de.