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Der Differentialquotient (Die h-Methode und die Methode ohne h)

Die Methode „ohne h“, die h-Methode, , der Differentialquotient und

Differenzenquotient sind alle ein Teil von der wahrscheinlich größten einzelnen

Verwirrungin dem Thema Differentialrechnung. Dabei wird die

Differentialrechnung in der 11 Klasse mit diesem Monstrum eingeleitet. Mathematisch

gesehen ist das zwar nicht falsch aber da der eigentliche Sinn einer Ableitung völlig

außen

vor bleibt, ist es meiner Erfahrung nach jedes mal eine Katastrophe und der Anfang vom

Ende von vielen Versuchen das Thema zu meistern. Deswegen: unbedingt zuerst „Was

ist eine Ableitunglesen oder sogar folgende Beispiele komplett überspringen bis

ihr mit der ganzen Differentialrechnung umgehen könnt (geht halt leider nicht, weil sie es

euch gleich am Anfang reindrücken). Prüfungstechnisch ist es so, dass die h-Methode etc.

nur genau dann ausgefragt wird in dem Moment, während ihr das Thema

durchmacht, danach wird alles mit den Ableitungsregeln gemacht und ihr hört so

gut wie nie wieder davon.

Da es jedoch zeigt wie eine Ableitung wirklich zustande kommt und auch ein gutes

Arbeitsbeispiel für Limes ist, solltet ihr es auf jeden Fall in einer ruhigen Stunde mal

probieren.

Hier ist also jetzt die Erklärung um was es eigentlich geht. Wir fangen am besten da an

wo das Thema zum ersten mal auftaucht; nämlich Anfang der 11 Klasse nach der

Da wird euch am Beispiel einer Parabel etwas ausgerechnet, was Ableitung heißt.

warum „Ableitung“ nicht einfach „Steigung“ heißt

was eine „Ableitung“ ist, und

was da plötzlich am Ende der Rechnung passiert wenn sich x x 0 in 2x

verwandelt

wird

natürlich nicht erklärt . Im Gegenteil, es wird alles (vor allem der eigentliche

Sinn) auf die gewohnt großkotzige Art verschleiert, verwirrt und sozusagen aus eurer

Reichweite gehängt. Dass ja niemand auf den Gedanken kommt, man könne hier mit

schlauem Köpfchen hinter den Rock des Lehrers blicken um zu verstehen was

eigentlich abgeht ?? !!

Erstens, was eine Ableitung ist und warum sie anders als die Steigung einer

Geraden funktionieren muss, steht wie gesagt in Kapitel III: „Was ist eine Ableitung?“,

das ihr jetzt hoffentlich gelesen habt (ist ganz kurz). Zur Frage, was am Ende der

Rechnung eigentlich passiert, kommen wir hier auch; aber erklären es, es ist eines der

wichtigsten Beispiele von Limes.

i) Die Methode „ohne h“

Ihr habt also „Was ist eine Ableitung?“ gelesen und habt verstanden,

dass wir das Limes der Steigungsdreiecke brauchen um auf die Steigung

der Tangente (unsere Definition einer Ableitung) zu kommen. y-Achse f( x) ∆y f(x 0 )
der Tangente (unsere Definition einer Ableitung) zu kommen.
y-Achse
f( x)
∆y
f(x 0 )
x-Achse
x
x 0

x=x-x 0

Die zwei Punkte auf der Parabel mit den x-Werten x 0 , x haben jeweils die

Koordinaten:

 

(

x 0 , f x 0 )

und

 

(

x

, f x )

weil man denn y Wert eines Punktes durch einsetzen des x Wertes in die Funktion

erhält 1

Daraus folgt das der y Unterschied

y = f x - f x 0 ist.

1 siehe Anhang VIII:“Was ist ein Punkt?“

und der x Unterschied

x = x -

x 0 ist (siehe Bild)

Die Steigung einer Geraden zwischen zwei Punkten ist:

y Unterschied geteilt durch x Unterschied

oder m= x y

in unserem Fall heißt das also, dass die Steigung zwischen zwei Punkten auf der Parabel

mit den x Werten x 0 , x :

m= f x − f x 0 x x 0

ist.

(I)

Das Ding da nennt sich Differenzenquotienten oder Sekantensteigung

(weil eine Sekante eine Gerade durch zwei Punkte einer Kurve ist)

Wenn

f x = x 2 ergibt

sich durch ganz normales einsetzen:

f x 2 −  x 0 2

x − f x 0

x x 0   x x 0

= =

x x 0

x x 0

x x 0

= x x 0

(Dritte binomische Formel)

Also ist x x 0 die Steigung der Geraden (Sekante) zwischen zwei Punkten auf

der Parabelmit den x Werten x 0 und x

f x = x 2

So

und

jetzt kommt´s; der eigentliche Sinn der Differentialrechnung. Wir müssen

jetzt, um die Ableitung zu erhalten, wie gesagt den Limes der

heißt in diesem Fall, dass wir x immer näher an x 0 bringen (um die

Steigungsdreiecke immer kleiner zu machen).Wir schreiben:

x lim x 0 x x 0

Wenn man den Limes vom Differenzenquotienten nimmt heißt das

Differentialquotient. Für alle die bei Kapitel II (a): „Was muss ich machen um ein

Limes auszurechnen?“ schon weitergelesen haben, ist hier hoffentlich klar das wir einfach

für

x , x 0 „einsetzen“ können und damit

lim

x

x 0

x x 0 =

erhalten.

2x 0

Für die 11 Klasse machen wir eine Tabelle mit dem Beispiel:

x 0 =5

Also bringen wir x immer näher an den Wert 5:

x

x 0 x

6

11

5,5

10,5

5,1

10,1

5,01

10,01

Wie zu sehen ist nähert sich x x 0 = x 5 immer mehr dem Wert 10= 25 =

2x 0

an.

Es ist eigentlich klar, dass das für jeden Wert von x 0 gleich funktioniert und deswegen

schreiben wir :

lim

x

x 0

x x 0 =

2x 0

Zusammengefasst heißt das:

f

x = x 2 in einem Punkt x 0

ist

2x 0

.

Oder

f ´ x 0  = 2x 0

( Ableitung von

f x = x 2 in

x 0 )

(II)

Das ist übrigens genau dieselbe Formel die rauskommt, wenn wir die

Ableitungsregel x n ´ = nx n 1 benutzen.

Nochmals die Erklärung der Begriffe Differenzenquotienten und

Differentialquotient:

Der Differenzenquotienten in diesem Beispiel war:

Der Differentialquotient ist daher:

x x 0

x lim x 0 x x 0

Der Limes vom Differenzenquotienten heißt Differentialquotient

Diese Methode lässt sich auf alle Parabeln, also Funktionen der Art

f x = y = ax 2 bx c

übertragen . Es passiert immer dasselbe außer das ein paar andere Zahlen

vor den x 2 und x en herumschwirren. Zum Beispiel

f x = y = 3x 2 x 5

Differenzenquotient: f x x x f 0 x 0

3x 2 3x

2

0

x − − x 0 = 3 x 2 x 0

2 −  x x 0

x x 0

x x 0

x x 0  [ 3 x x 0  − 1 ]

x x 0

= 3 x x 0 − 1

=

=

3x 2 x 5  −  3x 0

2 x 0 5

x x 0

3 x x 0   x x 0 −  x x 0

x x 0

Differentialquotient:

lim

x

x 0

(wie oben bei

x lim x 0 x x 0 =

3 x x 0 − 1= 3 2x 0  − 1= 6x 0 1

2x 0 )

=

=

Methode „ohne h“ bei höheren Potenzen 2

Wenn manche Lehrer besonders fiese Laune haben verlangen sie von euch

dasselbe bei höheren Potenzen. Sprich etwas wie: „machen sie die Ableitung (mit dem

Differentialquotient) von:

f x = y = 5x 4 3x 3 17x 9 im Punkt x 0 =2“

(In diesem Fall geben sie für

x 0 immer einen konkreten Punkt an). Also

Differenzenquotient mit

x 0 =2 bilden:

Differenzenquotient: 52 4 32 3 172 9 −  5x 4 3x 3 17x 9

2

x

ausrechnen, zusammenfassen und dann Polynomdivision machen (leider nicht in

2 Für die h-Methode kann es sein das sie euch keinen Wert für x sagen weil es bei der h-Methode nicht zur Polynomdivision kommt. 1.Ausrechnen (viel Spaß beim ausmultiplizieren) 2.Terme mit h zusammenfassen und h ausklammern 5. mit h unten im Bruch kürzen und 6. h = 0 „einsetzen“.

dieser Ausgabe enthalten. Kommt aber bald! ) . Nach der Polynomdivision habt ihr dann

etwas wie :

5x 3 7x 2 14x 11

.

Das ist der Differenzenquotient (oder Sekantensteigung zwischen x 0 =2

und x). Ihr müsst dann einfach x=2 einsetzen(also den Limes nehmen) und ihr

habt den richtigen Wert für den Differentialquotient oder Ableitung in x 0 =2.

Die Ableitung von f x = y = 5x 4 3x 3 17x 9 im Punkt x=2 ist also 107.

ii) Die h-Methode

Die h-Methode ist vom Prinzip her ganz genau dasselbe wie die Methode „ohne

h“ wir benennen bloß die Punkte anders. Bei der Methode „ohne h“ bewegen wir x

gegen x 0 , so dass ihr Unterschied immer kleiner wird. Bei der h-Methode hingegen

haben wir unseren fixen Punkt x und der Punkt der sich bewegt wird als x+h angegeben.

Diese h stellt den winzigen Unterschied der beiden Punkte da. Die h-Methode ist

sozusagen die Mathematisch korrektere Methode weil wir den Unterschied der beiden

Punkte quantifizieren, das heißt in Zahlen genau angeben können. Das bedeutet für euch

gar nichts. Es kommt erst viel, viel später bei der Mathematisch korrekten Definition von

Limes (die ihr nie macht) vor. Auf jeden Fall ist es fast dasselbe wie die Methode

„ohne h“.

y-Achse f(x+h) ∆ y f(x) x-Achse x x+h ∆ x=h
y-Achse
f(x+h)
y
f(x)
x-Achse
x
x+h
∆ x=h

Das ist wieder der Graph der Funktion

f x = x 2 . Um erst einmal den Bruch y x

zu formen, den so genannten Differenzenquotienten, brauchen wir erst :

y =f(x+h)-f(x)

also ist

f x h  − f x

y

=

x

h

und

x =(x+h)-x =h

(wie bei der Methode „ohne h“, siehe Bild)

Der Differenzenqoutient mit der h-Methode

dann setzen wir einfach (wie bei der Methode „ohne h“) f x = x 2 ein:

f

x h  − f x

=

x h 2 x 2

 

h

h

=

2hx h 2

h⋅ 2x h

=

=

2x h

h h

=

x 2 2hx h 2 x 2

h

(3. Binomische Formel)

Das ist wieder die Steigung der Geraden zwischen den zwei Punkten auf der Parabel ,

diesmal mit den x Werten: x und x+h, also der Differenzenquotient (oder

Sekantensteigung zwischen x und x+h).

Jetzt müssen wir nur noch den Limes dieses Ausdrucks für immer kleinere h´s

nehmen (der so genante Differentialquotient), dann haben wir den Limes der

Steigungsdreiecke, oder die Ableitung in dem Punkt x.

lim

h 0

2x h = 2x

(das h

fällt einfach weg)

habt, sollte klar sein, dass ihr für h einfach 0 „einsetzen“ könnt. Sonst macht euch

eine Tabelle (wie in der Methode „ohne h“). Mit einem Beispielwert für x, und h

wird immer kleiner bis es 0 wird .

Daher ist die Ableitung ,in einem Punkt x, von f x = x 2 gleich 2x. Oder

f´(x)= x 2 ´

Dasselbe Resultat wie mit der Methode „ohne h“ (natürlich).

Das ist übrigens genau dieselbe Antwort, die rauskommt, wenn wir, wie es ab jetzt auch

immer gemacht wird, die Ableitungsregel x n ´ = nx n 1 benutzen.

Nochmals die Differenzenquotienten für die beiden Methoden:

f

x − f x 0

(Methode „ohne h“) (I)

x x 0

f

x h  − f x

h

(h-Methode)

(II)

Oft wird die h-Methode auch für diese anderen 3 Themen benutz. Oft sogar ohne sie

überhaupt erklärt zu haben. Wenn ihr jetzt verstanden habt, dass man bei beiden

Methoden einen Punkt auf der Kurve auf einen anderen zubewegt, dann sollte es

kein Problem sein die h-Methode auf die anderen Themen zu übertragen

Denkt einfach daran, dass man:

bei der h-Methode den Abstand zwischen den zwei Punkten gegen 0 gehen lässt

lim h 0

,

und bei der Methode „ohne h“ bringen wir den einen Punkt dem anderen einfach näher

lim

x x 0