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Schule der Zukunft

- Ein Konzept -

Gliederung

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Kritik an Staatsschulen

2.2 Was uns PISA zeigt

2.3 Konzept Zukunftsschule

2.3.1 Freude am Unterricht

2.3.2 Schulpflicht

2.3.3 Lerngruppen

2.3.3.1 Größe und Zusammensetzung

2.3.3.2 Stoffplan

2.3.3.3 Noten

2.3.3.4 Spielend lernen

2.3.3.5 Lehrer: zurückgenommene Beobachter

3. Zusammenfassung

4. Quellen

Eure Kinder sind nicht Eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht. Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen. Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern. Ihr seid die Bögen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden. Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen. Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein. Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt Er auch den Bogen, der fest ist.“ 1

Diese Worte verfasste Khalil Gibran, ein libanesischer Maler, Philosoph und Dichter, bereits im Jahre 1923. Trotzdem ist den meisten Menschen unseres Landes die Bedeutung bisher verschlossen geblieben. Warum sonst gibt es heute Schulen, die Menschenmaterial heranzüchten, nicht glückliche, freie und tolerante Mitmenschen?

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Warum sonst zwingt man tatendurstige Kinder an Schreibtische und trichtert ihnen Wissen ein, das größtenteils nutzlos ist? Dass es auch andere Wege gibt, nachfolgenden Generationen etwas beizubringen, möchte ich auf diesen Seiten versuchen zu zeigen. Seitdem ich vor 4 Jahren das erste Mal einen Schüler einer Reformschule kennen lernte, war ich von dem Thema wie hypnotisiert. Ich hatte ein langes Gespräch mit ihm über Unterrichtsmethoden, Klassen und alles, was an dieser Schule anders war. Danach ließ mich der Gedanke nicht mehr los, dass es auch Schulen geben konnte, wo der Unterricht Spaß macht, wo man morgens gern hingeht und trotzdem etwas lernt. Seit diesem Tag mache ich mir viele Gedanken darüber, wie eine perfekte Schule aussehen sollte. Ich habe mich über verschiedenste Reformschulen wie Summerhill, Waldorf-, Montessori- oder Jenaplanschulen informiert, die mir zwar alle Anregungen gaben, aber von denen mir keine vollkommen zusagte. Heute, im Rahmen dieser Deutschhausaufgabe, ist der Tag gekommen, an dem ich endlich all meine Gedanken und Vorstellungen über Schulen der Zukunft aufschreiben kann.

Wir alle wissen, dass sich in Deutschlands Schulen dringend etwas ändern muss. Bei der zweiten weltweiten PISA Schulstudie hat Deutschland insgesamt erneut schlecht abgeschnitten, wir landeten wieder nur im unteren Mittelmaß. Aber was läuft nun eigentlich so schlecht in Deutschland? Was ist es, dass Deutsche Schüler nicht mehr richtig lesen und schreiben können? Während meiner Recherchen stieß ich auf ein passendes Zitat von Mantague Ashley:

"In den Fabriken, die man Schulen nennt, werden die Kinder gezwungen, Unmassen mechanisch gelernter Fakten in sich hineinzustopfen; und zu bestimmten Zeiten werden sie einer feierlichen Folter, Prüfung genannt, unterworfen und sollen die Fakten auf einem leeren Blatt Papier wieder von sich geben - worauf ihr Kopf dann wieder so leer ist wie zuvor. Diejenigen, die es am besten verstehen, Gepauktes wieder auszuspeien, gelten als die Auserwählten, die den höchsten Lohn verdienen; und sie bekommen auch unverzüglich das Etikett des Klügsten und Begabtesten angeheftet, obwohl sie sich, dank der genossenen Schulbildung, allzu oft nur auszeichnen durch Mangel an klarem Verstand und lebendigem Gefühl." 2

In heutigen Staatsschulen wird meiner Meinung nach zu viel Wert auf das Auswendiglernen gelegt. In viel zu vollen Klassen wird dem Schüler versucht, Wissen zu vermitteln. Frontalunterricht ist dafür aber der denkbar schlechteste Weg. Man merkt sich Lernstoff viel besser, wenn man ihn selbst recherchiert und ihn in verschiedenen Projekten aufarbeiten kann. Außerdem hat der Schüler zu wenig Wahlmöglichkeiten. Wenn ein Schüler schon Jahre vor seinem Abitur weiß, was er später machen will und dafür keine weiterführende Mathematik braucht, wozu muss er dann in der Oberstufe Integralrechnung lernen, das überhaupt keinen praktischen Wert für das Leben dieses Schülers hat? Es ist ja nicht so, dass in der Oberstufe noch viel Allgemeinwissen vermittelt wird. Beispiel Biologie: Alle Themen, die in Klasse 12 und 13 behandelt werden, hatte man schon in den Jahren davor. Der einzige Unterschied zu dem Stoff ist, dass er nun viel

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ausführlicher dargestellt wird und man nun jedes Enzym, das beim Stoffwechsel eine Rolle spielt, lernen muss. Dass die Blätter grün sind, weil die Zellen Chlorophyll enthalten, weiß jeder Schüler spätestens nach der 7.Klasse. Aber muss man nun wirklich wissen, welche genauen chemischen Reaktionen dabei ablaufen? Die Wissenschaft ist heute schon so weit, dass man kaum all das lernen kann, was irgendwer einmal irgendwann herausgefunden hat! Der, den es interessiert, kann sich ja immer noch damit beschäftigen, aber die anderen vergessen den Stoff sowieso wieder nach der nächsten Arbeit. Im Laufe meiner Hausaufgabe werde ich noch auf mehr Kritikpunkte unserer Schulen eingehen, wenn ich erläutere, wie man sie ändern sollte.

Seit der Veröffentlichung der ersten PISA Studie 2000 wurden in Deutschland die Rufe immer lauter unser Schulsystem den Spitzenreitern anzupassen. Dabei fielen immer wieder die Länder Japan und Finnland. Doch was ist dran an diesen Schulsystemen? In der PISA-Studie hat Japan das beste Ergebnis unter den großen Industrienationen eingefahren: Spitzenplatz bei den mathematischen Fähigkeiten, Platz zwei in den Naturwissenschaften und ein achter Rang in Sachen Textverständnis. Allerdings verschweigt die OECD-Studie die triste Realität des japanischen Schulalltags: Lerndruck, mechanisches Pauken und Prüfungsangst. Die autoritären Methoden, die in Japan angewendet werden, sind in Deutschland heute nicht mehr denkbar und gehören zu Recht der Vergangenheit an. In diesem Land gibt es nicht ohne Grund die weltweit höchste Selbstmordrate unter Schülern. Das wird von den meisten Experten auf das Schulsystem und den gesellschaftlichen Leistungsdruck zurückgeführt. Die Kritiker der PISA-Studie führen außerdem an, dass soziale Kompetenzen, die für den späteren Erfolg im Beruf wichtig sind, etwa Kreativität und Teamfähigkeit, in der Studie nicht erfasst würden. Viele Experten sagen, dass dadurch schlechte Führungskräfte entstehen, die mit den Aufgaben des echten Wirtschaftsmarktes überfordert sind. Finnland ist da schon ein besseres Beispiel. In den 70er Jahren haben die Finnen ihr Schulsystem reformiert und sie dabei stark an dem der DDR orientiert. Die Kinder gehen die ersten sechs Jahre alle in dieselbe Schule und haben während dieser Zeit immer denselben Klassenlehrer. In der siebten Klasse wird der enge Klassenverband aufgelöst, die Schüler können Fächer wie Musik und Französisch ab- oder dazu wählen. Erst nach neun Jahren teilen sich die Schüler auf und gehen, je nach Notendurchschnitt, auf ein Oberstufenkolleg oder in die Berufsschule. Erst hier spezialisieren sie sich, erst hier bietet beispielsweise der Handy-Hersteller Nokia Sonderkurse für Mathematikbegabte an. In der Berufsschule wird sehr praxisorientiert direkt auf einen Beruf hin ausgebildet, das Oberstufenkolleg bereitet die Schüler auf das Studium an der Universität vor. Es gibt keine standardisierten Tests und eigentlich so gut wie keine Leistungsabfragen im herkömmlichen Sinn. Die Schüler werden individuell bewertet. Bis zur siebten Klasse sind Zensuren gar nicht vorgesehen, sitzen geblieben wird nicht. Ich denke, wenn sich Deutschland in näherer Zukunft erst mal an diesem System orientiert, würde es deutschen Schülern schon besser gehen.

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Aber eine langfristige Lösung ist das für mich noch nicht. Deshalb werde ich jetzt erläutern, welche Punkt unbedingt in ein Konzept für zukünftige Schulen aufgenommen werden sollten.

Als Erstes möchte ich dazu das Ziel einer solchen Schule definieren. Für mich steht dabei nicht die bloße Wissensvermittlung im Vordergrund, sondern der einzelne Mensch, seine Gefühle, seine Wünsche und die Überzeugung, dass glückliche Kinder das, was sie fürs Leben brauchen, aus eigenem Antrieb zu der für sie richtigen Zeit lernen werden. Schule wird heute viel zu einseitig gesehen, Aufgaben wie Erziehung oder soziale Integration werden stark vernachlässigt. Schulen sollten aus ihren Schülern glückliche Menschen machen, sie auf das Leben vorbereiten, das sie kreativ und in Eigenverantwortung bewältigen sollen. Emotionen sind dabei sehr wichtige und dynamische Elemente für das Leben und Lernen. Wenn Erziehung nicht auf Freiheit begründet ist, werden Gefühle ignoriert, und die Resultate sind Aggressionen und Hass. A.S. Neill, Begründer der Summerhill Schule in England sagte einmal, dass er seine Schule lieber "einen glücklichen Straßenfeger hervorbringen sehe als einen neurotischen Gelehrten". 3 Da ich von der Überzeugung ausgehe, dass jeder Mensch selber weiß, was ihn glücklich macht, sollte Kindern die Möglichkeit gegeben werden den Beruf auszuüben, den sie selbst vorschlagen, nicht den ihre Eltern wollen.

Das Wichtigste auf dem Weg zu diesem Ziel ist für mich die Freude am Unterricht. Sie ist der Schlüssel zum gesamten Lernverhalten. Lernt ein Schüler den Stoff gern, behält er ihn dadurch auch viel besser. Dass Schüler durchaus Interesse am vermittelten Stoff besitzen, beweist folgende Geschichte:

Wim, Schüler einer Jenaplangrundschule in Amsterdam wechselt ans Gymnasium:

Der Lehrer Woudsen erteilt Unterricht in "Natur und Technik" und stellt die Frage:

"Warum können Flugzeuge fliegen, obwohl sie zum großen Teil aus Aluminium bestehen?" Wim nimmt die Frage ernst und möchte auf seine eigene, natürliche Weise eine schnelle Antwort. "Herr Woudsen, das möchte ich unbedingt auch wissen. Ich laufe mal schnell ins Sekretariat und ruf' am Flughafen an. Die wissen dort sicher Bescheid."4 Diese Geschichte zeigt, dass Wissen auch praxisorientiert vermittelt werden kann. Wenn man nämlich später in einem Beruf recherchiert, muss man sich auch eigene Gedanken machen, wo man seine Informationen herbekommt. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus bin ich der Meinung, dass Kinder am Ende des Unterrichts auch tatsächlich mit ihren Aufgaben fertig sein sollten um ihre Freizeit in vollen Zügen genießen zu können. Das ständige schlechte Gewissen, wenn ein Schüler zu Hause seine Aufgaben nicht fertig gebracht hat, fehlt dann. Trotzdem steht auch die Förderung der Leistung, der individuellen Fähigkeiten wie der sozialen Kompetenzen im Mittelpunkt. Indem jeder seinen Begabungen entsprechend gefördert und gefordert wird, lässt sich auch hochbegabten wie Förderkindern gerecht werden. Rückschläge werden produktiv genutzt und Fehler nicht als Mängel der Person, sondern als besondere Anlässe für effektives Lernen behandelt.

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Denn was ist schlecht daran, wenn Kinder gerne zur Schule gehen und ganz ohne Leistungsdruck zum Lernen motiviert sind?

Ein weiteres wichtiges Thema, das heute leider fast gar nicht zur Diskussion steht, ist die Schulpflicht. Sie ist eines der Mittel, mit dem Kinder zum Unterricht gezwungen werden und gehört unbedingt abgeschafft! Da ich von einem positiven Menschenbild ausgehe, bei dem Kinder wissbegierig sind und auch freiwillig lernen, ist sie vollkommen überflüssig. Wir brauchen doch keinen Zwangsapparat um Kindern etwas beizubringen. Ein ganz einfaches Beispiel belegt das: Der Großteil der Schüler findet es langweilig im Klassenverband ein Museum zu besuchen. Da kann diese Einrichtung noch so viele Spiele oder Anschauungsobjekt parat haben, es reicht der bloße Fakt des Gezwungenwerdens, dass es einem von vorneherein nicht gefällt. Wenn man nun aber freiwillig in ein Museum geht, sieht man es völlig anders, auf einmal wirkt es spannend und interessant. Man erkennt das auch gut bei kleinen Kindern, die einen mit Fragen zu allen Themen der Welt löchern. Ich empfinde es auch nicht als problematisch, dass Schüler mittleren Alters oft dem Unterricht fern bleiben werden, weil ich davon ausgehe, dass man dann, wenn man konkrete Ziele im Leben hat, das Lernen auch wesentlich ernsthafter betreibt und dann den Stoff sehr schnell nachholen kann. Und manchmal gibt es eben wichtigere Dinge im Leben eines Jugendlichen als Schule.

Auch die herkömmlichen Klassenverbände werden in meiner Vorstellung einer Schule der Zukunft abgeschafft. Es werden ganz verschiedene Kurse angeboten, von der Bruchrechnung bis zur Atomphysik, in der sich jeder Schüler der Schule eintragen kann. Dabei werden dann natürlich auch Kinder gemischt, die sich zwar vom Alter unterscheiden, aber nicht viel von ihrem Reifegrad, da sie ansonsten nicht denselben Kurs gewählt hätten. Denn ein ganz wichtiger Grundsatz ist, dass Reife nicht vom Alter abhängt! Ich kenne zum Beispiel einen Jungen, der bereits mit 12 Jahren das kommunistische Manifest gelesen und verstanden hat das übersteigt in meinen Augen deutlich den Reifegrad anderer 12-jähriger. Die Kursgrößen sollten bei maximal 15 Schülern liegen, damit der Lehrer sich auch auf jeden einzelnen konzentrieren kann. Die Diskussionen finden meist im Kreis statt, wo jeder jeden sieht und niemand dominiert wird. Neben der Übung des freien Sprechens kommt dem Kreisgespräch vor allem eine soziale Funktion zu: Die Kinder können ihre Freude oder Ängste zum Ausdruck bringen, tauen auf und können sich unbeschwert auf den Unterricht einlassen.

Jeder Schüler erstellt seinen individuellen Lehrplan, in dem die Lernfortschritte dokumentiert und in Absprache mit den Lehrern weiterentwickelt werden. Der Unterricht soll von Themen handeln, die man selbst lernen will und nicht über Dinge, von denen die Lehrer denken, man sollte sie wissen.

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Durch diese Individualität der Kurse braucht man auch kein dreigliedriges Schulsystem mehr. Ein Kind an einer Förderschule kann zwar in Sprachen eine Niete sein, aber ist dafür vielleicht ein Genie in Naturwissenschaften. Nur an einer gemeinsamen Schule ist die Förderung in diesen Fächern trotzdem gewährleistet.

Viele Schüler gehen momentan jeden Tag mit Angst zur Schule. Mit Angst vor nicht gemachten Hausaufgaben, vor strengen Lehrern, vor Klassenarbeiten oder vor schlechten Noten. Noten sind das Druckmittel von Lehrern, die überfordert sind. Es ist oft der letzte Weg, einen Schüler zum Unterricht zu zwingen. Wie oft hört man im Schulalltag „Wer seine Hausaufgaben nicht abgibt, bekommt eine 6.“ oder „Für jede unentschuldigte Fehlstunde trage ich euch eine 6 ein.“ Schüler sollen von allein lernen und zum Unterricht kommen nicht aus Angst. Das ist auch gar nicht so schwer, wie manche Lehrer glauben. Ich hatte zum Beispiel in der 9. Klasse einen fantastischen Lehrer in Geographie. Meine damalige Klasse hat eigentlich nie viel mitgearbeitet, nur dieser eine Lehrer hat es geschafft, dass fast die gesamte Klasse ihren Arm oben hatte, wenn er eine Frage gestellt hat und das hat er nicht mit Druck geschafft, sondern mit anschaulichem, interessanten Unterricht und mit: Lob! Im Schulalltag hört man kaum einen Lehrer loben, was sehr schade ist, weil es unheimlich motiviert. Viele Lehrer haben Angst davor, dass sie die Klasse nicht mehr unter Kontrolle haben, wenn Noten fehlen, aber wenn der Unterricht gut ist, arbeiten die Schüler trotzdem mit.

Zu einem guten Unterricht gehören in meinen Augen auf jeden Fall auch Spiele. Diese sollen einen festen Platz im Unterrichtsalltag bekommen. Gerade weil der Schüler, eingefangen vom Spiel, sich als ganzes Lebewesen hineinversetzt, nimmt er es umso tiefer und fester auf und lernt dadurch auch um so besser. Außerdem stärkt er durch Gemeinschaftsspiele seine sozialen Kompetenzen.

Wer kennt diese Situation nicht? Der Lehrer muss kurz den Unterricht verlassen, weil er noch Materialien vergessen hat oder telefonieren ist und kaum dass er den Raum verlassen hat, bricht das blanke Chaos aus. Die Schüler nutzen diese kurzen Momente, um aufzustehen, sich zu unterhalten oder einfach nur Unsinn zu machen. Das muss aber nicht so sein. Wenn man als Lehrer auch Vertrauensperson ist und nur Helfer, nicht Besserwisser, kann auch eine freundliche Atmosphäre in der Lerngruppe zur Normalität werden. Das verdeutlicht ein Erfahrungsbericht eines Staatschulen-Lehrers, der einen Montessori-Kindergarten besuchte:

"Während sonst immer Lärm toste, war hier plötzlich Ruhe, der eine putzte Schuhe, der andere schrieb, der dritte machte wieder etwas anderes. Auf den ersten Blick ein komplettes Durcheinander ohne Anleitung von außen und ich sah keinen Erwachsenen. Da krabbelt eine Frau unter dem Tisch hervor und sagt Entschuldigung, ich musste dem kleinen Fritz Mathematik erklären, unterm Tisch, weil er dort intensiver arbeiten kann." 5

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Lehrer sollen keine Pauker sein, sondern ein freundschaftliches Verhältnis zu den Schülern pflegen. Die einzige Forderung, die ein Kind stellt, heißt: "Hilf mir, es selbst zu tun". Und meint damit: Zeig mir, wie es geht. Aber tue es nicht für mich, ich kann und will es selbst tun.

Der letzte Punkt, auf den ich noch aufmerksam machen will, ist die Notwenigkeit, dass diese entworfene Schule nicht eine neue Privatschule, sondern die Staatschule von morgen sein soll. Ich will, dass jeder Schüler die Möglichkeit hat, eine solche Schule zu besuchen, ohne dass er dafür mehrere tausende Euros im Jahr zahlen oder 100km weit fahren muss. Dabei ist auch sehr wichtig, dass diese Punkte alle umgesetzt werden müssen. Es nützt nichts, wenn man nur die Schulpflicht abschafft und der Rest bestehen bleibt, weil bei dem momentanen Schulsystem kaum jemand freiwillig zur Schule kommt. Genau so unnütz schätze ich auch die Bestrebungen unserer Landesregierung ein, die nur ein gemeinsames Lernen bis zur 7. Klasse ermöglichen will, aber nicht die Klassenstärke, sodass der Lehrer noch weniger Möglichkeiten hat, zwischen den Schülern zu differenzieren und sie einzeln zu fördern.

Ich bin mir natürlich darüber im Klaren, dass meine Vorstellungen einen kompletten Umbau unserer Schulen erfordern und immense Summen verschlingen würden. Aber ich denke, dass unsere Kinder es uns wert sein sollten. Sie sind es schließlich, die die zukünftigen Geschicke des Landes in die Hand nehmen müssen und brauchen dafür auch die richtigen Voraussetzungen. Ich hoffe sehr, dass wir doch irgendwann einmal zu meiner Traumschule kommen werden. Dass es irgendwann einmal eine Schule geben wird, die schülergerecht gemacht worden ist, nicht die Schüler schulgerecht.

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Quellen

-http://www.br-online.de/wissen-bildung/thema/reformpaedagogik/idee-

jenaplan.xml

-http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/news/73248/

-http://www.freenet.de/freenet/jobs_und_bildung/schule_studium/

reformschulen/summerhill/

-http://de.wikipedia.org/wiki/Summerhill

-http://summerhill.paed.com/summ/diplom/inhalt.htm

-http://www.hasi.s.bw.schule.de/lehr132.htm

- Summerhill: Antiautoritäre Pädagogik heute; Peter H. und Ludwig; Beltz Verlag Weinheim und Basel,1997

Zitatnachweise:

1 http://summerhill.paed.com/summ/diplom/inhalt.htm

2 Heart; Montague Ashley; 1971; S.46f

3 Neill, A.S.; Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung: Das Beispiel Summerhill; Rowohlt Taschenbuch Verlag; Hamburg; 1969, S.23

4 http://www.br-online.de/wissen-bildung/thema/reformpaedagogik/idee-

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5 http://www.br-online.de/wissen-bildung/thema/reformpaedagogik/

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