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Schweiz 3,50 sFr., Österreich € 2,00, Benelux € 2,20, Frankreich € 2,50, Italien € 2,50, Portugal (cont.) € 2,60, Spanien € 2,50, Kanaren (Luftfracht) € 2,70, Griechenland € 2,90, Ungarn Ft 730, Slowenien € 2,50Fotos:

imago, Witters (2), defodi, firo, Ulmer, Getty Images, Schmidt

Nr. 5 / 2. Woche 12. Januar 2012 € 1,80 Deutschland KAMPF UM DIE KINDER
Nr. 5 / 2. Woche
12. Januar 2012
€ 1,80
Deutschland
KAMPF UM DIE KINDER
13-Jährige
im Visier
Die kicker-Spielerumfrage
DAS SAGEN DIE PROFIS Feldspieler: Trainer: Reus klar vor Götze Torhüter: Neuer knapp vor Leno
DAS SAGEN
DIE PROFIS
Feldspieler:
Trainer:
Reus klar
vor Götze
Torhüter: Neuer
knapp vor Leno
Favre der
Gewinner
Torhüter: Neuer knapp vor Leno Favre der Gewinner SCHALKE Huntelaar: „Natürlich können wir Meister

SCHALKE

Neuer knapp vor Leno Favre der Gewinner SCHALKE Huntelaar: „Natürlich können wir Meister werden“

Huntelaar:

„Natürlich können wir Meister werden“

Huntelaar: „Natürlich können wir Meister werden“ GLADBACH Dante: „Mein Berater regelt, ob ich bleibe“
Huntelaar: „Natürlich können wir Meister werden“ GLADBACH Dante: „Mein Berater regelt, ob ich bleibe“

GLADBACH

Dante:

„Mein Berater regelt, ob ich bleibe“

GLADBACH Dante: „Mein Berater regelt, ob ich bleibe“ HSV Drobny: „Adler ist nicht mein Thema“ Der
HSV Drobny:
HSV
Drobny:

„Adler

ist nicht

mein

Thema“

Der Weltfußballer im Interview Messi: „Die Leidenschaft verliere ich nie“

Der Weltfußballer im Interview

Messi: „Die Leidenschaft verliere ich nie“

2

BUNDESLIGA

kickerinfografik

EINWURF VON KLAUS SMENTEK Der kicker-Chefredakteur zur Spieler-Umfrage und der Frage nach dem schwächsten
EINWURF
VON KLAUS SMENTEK
Der kicker-Chefredakteur zur Spieler-Umfrage und
der Frage nach dem schwächsten Schiedsrichter
Das Votum der Profis hat
ein besonderes Gewicht
H eute veröffentlichen wir zum
24. Mal die kicker-Umfrage un-
ter den Erstliga-Profis. Wir be-
danken uns herzlich bei allen 228
Spielern, die mitgemacht haben!
Es ist hochinteressant, die Mei-
nung der Spieler zu erfahren. Für
alle Beteiligten ist es eine besondere
Wertschätzung, von den Profis eine
positive Rückmeldung zu bekom-
men. Und es stimmt den einen oder
anderen natürlich nachdenklich,
wenn er schlecht wegkommt.
In die Diskussion geriet im No-
vember unsere Frage „Wer ist der
schwächste Schiedsrichter?“ Nach
dem Selbstmordversuch Babak
Rafatis wurde das Thema „Druck“
für die Referees kontrovers dis-
kutiert. Rafati hatte bei unserer
Umfrage viermal als Schwächster
abgeschnitten, zuletzt im Sommer
2010. Schiedsrichterchef Herbert
Fandel ereiferte sich – ausgerechnet
in dem Blatt, das den Schiris gerne
mal Tomaten auf die Augen mon-
tiert: „Diese Wahl ist demütigend
– sie gehört sofort abgeschafft. Hier
werden Schiedsrichter vorgeführt,
ihre Persönlichkeit beschädigt.“
Dieser Argumentation schließen
wir uns nicht an. Wir halten es zu-
dem für absolut überzogen, einen
Zusammenhang zwischen Babak
Rafatis verzweifelter Handlung und
den Umfrageergebnissen herstel-
len zu wollen.
Dennoch haben wir bei der
aktuellen Umfrage auf diese Fra-
ge verzichtet. Weil wir der ernst-
haften Auseinandersetzung mit
diesem Thema Rechnung tragen
möchten. Aber auch, weil wir die
Spieler wegen der Rafati-Diskus-
sion nicht in Konflikte bringen
wollten. Und auch, weil wir den
gesamten Fragebogen nach Sai-
sonende einmal auf den Prüf-
stand stellen werden.
Etliche Profis haben sich zum
Verzicht auf diese Frage kritisch
geäußert: „Bei Spielern und Trai-
nern fragt ihr weiter nach den
Absteigern, bei den Schiedsrich-
tern nur nach den Besten. Das ist
schwer nachvollziehbar.“ Ein be-
rechtigter Einwand. Dass wir bei
den Spielern nach den Absteigern
fragen, stört die übrigens nicht.
Falls wir die Umfrage weiter-
führen, werden wir auch bei den
Schiedsrichtern nicht nur nach
dem Besten fragen können. Die
Referees stehen (freiwillig) im
Rampenlicht und müssen mit
Bewertungen leben. Diese, und
das ist weitaus existenzieller für
sie, bekommen sie auch von ih-
ren Beobachtern – und zwar nach
jedem Spiel.

!

Die Grafik der Woche

René Adler und Diego – die Seriensieger vergangener Jahre

 
Sie drückten unserer Spielerumfrage in den letzten Jahren ihren Stempel auf: Leverkusens Schluss- mann René

Sie drückten unserer Spielerumfrage in den letzten Jahren ihren Stempel auf: Leverkusens Schluss- mann René Adler (links) wurde von seinen Profi- kollegen viermal zum besten Torhüter gewählt, der Brasilianer Diego dreimal zum besten Feldspieler.

von seinen Profi- kollegen viermal zum besten Torhüter gewählt, der Brasilianer Diego dreimal zum besten Feldspieler.

Die besten Torhüter:

 

Die besten Feldspieler:

 

Sommer 2011

Neuer

70,0%

Sommer 2011

Sahin

46,1%

Winter 10/11

Neuer

54,2%

Winter 10/11

Sahin

32,6%

Sommer 2010

Neuer

30,0%

Sommer 2010

Robben

71,2%

Winter 09/10

Adler

34,7%

Winter 09/10

Özil

38,1%

Sommer 2009

Enke

18,9%

Sommer 2009

Dzeko

25,8%

Winter 08/09

Adler

61,6%

Winter 08/09

Ribery

54,1%

Sommer 2008

Adler

40,7%

Sommer 2008

Ribery

57,8%

Winter 07/08

Adler

35,8%

Winter 07/08

Diego

44,9%

Sommer 2007

Neuer

26,3%

Sommer 2007

Diego

50,7%

Winter 06/07

Enke

37,1%

Winter 06/07

Diego

49,6%

06/07 Enke 37,1% Winter 06/07 Diego 49,6% UMFRAGE 2011/12 Wer ist der beste Torhü A ller
UMFRAGE 2011/12
UMFRAGE
2011/12
37,1% Winter 06/07 Diego 49,6% UMFRAGE 2011/12 Wer ist der beste Torhü A ller guten Dinge

Wer ist der beste Torhü

Diego 49,6% UMFRAGE 2011/12 Wer ist der beste Torhü A ller guten Dinge sind – vier.

A ller guten Dinge sind – vier. Zum vierten Mal in Serie wurde Nati-

onaltorhüter Manuel Neuer von sei- nen Kollegen zum besten Schluss- mann der Liga gewählt. So knapp wie diesmal freilich war’s noch nie:

Nachdem der 25-Jährige vor einem halben Jahr, nach seiner letzten Halbserie im Trikot von Schalke 04, noch 70 Prozent der Stimmen ein- geheimst hatte, sprachen sich nun nur noch 27,7 Prozent der Spieler

für den inzwischen zum FC Bayern gewechselten Neuer aus. Zwei auf- strebende, jüngere Torhüter liefer- ten ihm einen harten Kampf: Bernd Leno und Marc-André ter Stegen. Der zunächst vom VfB Stuttgart an Bayer Leverkusen nur ausgeliehene Leno bewältigte den Umstieg von der 3. in die 1. Liga mit einer fast schon unglaublichen Leichtigkeit, ter Stegen hatte großen Anteil am sensationellen Mönchengladbacher

kicker, 12. Januar 2012

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Fotos: imago (2), getty images

Das sagt die Bundesliga

Gut eine Woche vor Rückrundenbeginn melden sich die BUNDESLIGAPROFIS zu Wort:

228 Spieler beteiligten sich diesmal an unserer großen Umfrage. In Teil 1 küren sie den besten Torhüter, Feldspieler und Schiedsrichter der Hinrunde, Gewinner und Verlierer unter den Trainern und sie verraten, ob sie Angst vor Gewalt haben.

ter der Hinrunde?

Neuer Leno 27,7% 20,5% ter Stegen andere 18,6% 19,2% Ulreich 9,5% Weiden- feller 4,5%
Neuer
Leno
27,7%
20,5%
ter Stegen
andere
18,6%
19,2%
Ulreich
9,5%
Weiden-
feller 4,5%

Höhenflug. Der Schlussmann, der in dieser Saison den Sprung zu Jo- achim Löw schaffte, landete nicht unter den ersten zehn: Hannovers Ron-Robert Zieler, der beim 3:3 in der Ukraine sein Länderspieldebüt feierte, erhielt nur zwei Stimmen.

Der letzte Gewinner

Der letzte Gewinner

Sommer 2011:Manuel Neuer 70,0%

Wer ist der beste Feldspieler der Hinrunde? I n unserer Sommer-Umfrage erhielt er noch keine
Wer ist der beste
Feldspieler der
Hinrunde?
I n unserer Sommer-Umfrage erhielt
er noch keine einzige Stimme. In
der abgelaufenen Hinrunde aber
startete Marco Reus durch und
zeigte überragende Leistungen;
der 22-jährige Mönchengladba-
cher erzielte selbst zehn Tore,
stürmte mit der Borussia völlig
überraschend in die Spitzen-
gruppe der Bundesliga und gab
im Oktober 2011, beim 3:1-Erfolg
gegen die Türkei in Istanbul, sein
Länderspieldebüt. Fast logisch
also, dass ihn mehr als ein Drittel
der Profis zum besten Feldspieler
des Halbjahres wählte. Sein künfti-
ger Dortmunder Mannschaftskollege Mario Götze
konnte seinen zweiten Platz aus dem Sommer –
damals hinter dem zu Real Madrid abgewander-
ten Nuri Sahin – knapp verteidigen, wird jedoch
von einem prominenten Münchner Quartett hart
bedrängt: Franck Ribery, Bastian Schweinsteiger,
Mario Gomez und Toni Kroos belegen geschlos-
sen die Ränge 3 bis 6.
Reus
Götze
35,7%
12,7%
Ribery
12,2%
andere
Schwein- 22,3%
steiger
Gomez
9,0%
8,1%
Der letzte Gewinner
Sommer 2011:
Nuri Sahin 46,1%
8,1% Der letzte Gewinner Sommer 2011: Nuri Sahin 46,1% andere Barcelona 3,7% 54,4% Real 16,3% Bayern
andere Barcelona 3,7% 54,4% Real 16,3% Bayern 25,6%
andere
Barcelona
3,7%
54,4%
Real
16,3%
Bayern
25,6%

Wer gewinnt 2012 die Champions League?

W enn das keine Überraschung ist. Nein, verblüffend ist weni- ger, dass mehr als die Hälfte der Bundesligaprofis Titelver-

teidiger FC Barcelona auch in der aktuellen Champions-League-

Saison als Top-Favoriten ansieht, als vielmehr die Tatsache, dass rund ein Viertel der Spieler dem FC Bayern den großen Coup zutrauen – den Sieg im Finale am 19. Mai 2012 in der heimischen Allianz-Arena. Auch Barcas spanischem Erzriva- len Real Madrid werden gute Chancen auf den Gewinn des begehrtesten Titels im europäischen Klubfußball eingeräumt.

4

BUNDESLIGA

kicker, 12. Januar 2012

Fotos: firo, imago/Team 2, imago/Cremer

Wer ist der Gewinner unter den Trainern? Favre V om Fast-Absteiger zum Spitzenklub – die
Wer ist der Gewinner
unter den Trainern?
Favre
V om Fast-Absteiger zum Spitzenklub – die wun-
dersame Wandlung der Mönchengladbacher
67,6%
Borussia binnen weniger Monate schreiben die
Profis in erster Linie Trainer Lucien Favre zu, der
andere
diese Wahl mit gewaltigem Vorsprung gewann.
Auch der Zweitplatzierte Thorsten Fink verdiente
sich seine ersten Trainersporen in der Schweiz;
als neuer HSV-Trainer scheint er den Bundesliga-
Dino wieder in die Spur zu bringen. Und Jürgen
Klopp mischt mit der Dortmunder Borussia im
Jahr eins nach der Meisterschaft wieder oben mit.
6,7%
Heynckes
Fink
Der letzte Gewinner
4,9%
9,5%
Stevens
Sommer 2011: Jürgen Klopp 40,4%
Klopp
5,4%
5,9%

Wer ist der Verlierer unter den Trainern?

D iese Titelverteidigung wird ihn kaum erfreu- en. Der Wolfsburger Felix Magath gilt für die

Bundesligaspieler nun schon zum dritten Mal in Folge als der große Verlierer unter den Trainern; mehr als die Hälfte der Profis schrieb seinen Na- men auf ihren Stimmzettel. Doch auch der beim Hamburger SV geschasste Michael Oenning, der Mainzer Thomas Tuchel, Leverkusens Robin Dutt und der kürzlich in Freiburg entlassene Marcus Sorg büßten an Ansehen ein.

Magath 55,7% andere 7,1% Oenning 13,8% Sorg 6,7% Der letzte Verlierer Dutt Tuchel 8,1% Sommer
Magath
55,7%
andere
7,1%
Oenning
13,8%
Sorg
6,7%
Der letzte Verlierer
Dutt
Tuchel
8,1%
Sommer 2011: Felix Magath 34,2%
8,6%
Dutt Tuchel 8,1% Sommer 2011: Felix Magath 34,2% 8,6% Wer ist der beste Schiedsrichter der Hinrunde?

Wer ist der beste Schiedsrichter der Hinrunde?

Meyer Kircher 25,1% 22,3% Gräfe andere 17,3% 21,4% Brych 8,9% Kinhöfer 5,0%
Meyer
Kircher
25,1%
22,3%
Gräfe
andere
17,3%
21,4%
Brych
8,9%
Kinhöfer
5,0%

K napp war’s, am Ende aber war der Hattrick perfekt. Florian Meyer wurde von den Bun- desligaspielern zum dritten Mal in Folge zum besten Schiedsrichter gekürt; immerhin

jeder vierte Profi sprach sich für den Burgdorfer aus. Auch die Namen auf den Plätzen hinter Meyer blieben fast die gleichen. Thorsten Kinhöfer, Felix Brych und Manuel Grä- fe tauchten auch im Sommer schon ganz oben auf, damals auf den Rängen 3, 4 und 5. Lediglich der Zweitplatzierte unserer letzten

Umfrage, Wolfgang Stark, fiel diesmal aus den ersten fünf heraus; seinen Platz als Nummer 2 unter den deutschen Schiedsrichtern schnappte sich der Rottenburger Knut Kircher.

Der letzte Gewinner

Der letzte Gewinner

Sommer 2011: Florian Meyer 34,3%

Haben Sie Angst vor Fan-Ausschreitungen

und einer zunehmenden Gewalt rund um den Fußball?

D ie Zahlen lassen sich so und so lesen. Natürlich kann man es so sehen: 77,5 Prozent der Profis, die klare Mehrheit also, haben keine

Angst vor zunehmender Gewalt rund um den Fußball. Aber man kann’s auch so sehen: Fast jeden vierten Spieler überkommt beim An- blick der Bilder von prügelnden Hooligans und bengalischen Feuern auf den Rängen ein mulmiges Gefühl. „Nur auswärts“ habe er Angst, schrieb ein Profi auf seinen Fragebogen, „nur, wenn es eskaliert“ zwei andere. Das Verhindern einer solchen Eskalation, darin sind sich alle einig, wird zu den vordringlichsten Aufgaben des deutschen Profifuß- balls in den kommenden Monaten und Jahren gehören.

Ja 22,5% Nein 77,5%
Ja
22,5%
Nein
77,5%
AM NÄCHSTEN MONTAG IM KICKER:
AM NÄCHSTEN
MONTAG
IM KICKER:

Teil 2 der großen Umfrage. Die Profis küren den Auf- und Absteiger der Hin- runde, sagen Meister, Ab- steiger und Europameister voraus und sprechen über Depression und Burn-out.

kicker, 12. Januar 2012

BUNDESLIGA

5

kicker, 12. Januar 2012 BUNDESLIGA 5 Foto: Baumann Schlechte Karten für Kapitän Delpierre men werden.“
Foto: Baumann
Foto: Baumann
kicker, 12. Januar 2012 BUNDESLIGA 5 Foto: Baumann Schlechte Karten für Kapitän Delpierre men werden.“

Schlechte Karten für Kapitän Delpierre

men werden.“ Ursprünglich sollte es im Trainingslager so weit sein, nun dauert es eben etwas länger. Mäuser weiter: „Wir sind um eine langfristige Lösung bemüht.“ Heißt:

Bobic soll bis 2016 verlängern. Ähn- liches gilt für Bobics Kollegen Jo- chen Schneider (41). „Die beiden sind ein sehr gutes Team, aber die Gespräche laufen natürlich separat ab“, sagt Mäuser. Die Pläne über das Saisonende hinaus sind Zukunftsmusik, aktuell legt Labbadia die Grundlagen, um von Platz acht aus noch weiter in der Tabelle nach oben zu kommen. „Wir haben es verpasst, die Aus- gangslage in der Vorrunde so zu gestalten, dass wir nur nach oben schauen können. Die Bundesliga ist aber so extrem geworden, dass wir leider in beide Richtungen gucken müssen.“ Trotzdem herrscht Zuver- sicht, auch wegen der Flexibilität, die der Kader hergibt. Labbadia ließ viel im 4-4-2 mit zwei Sechsern und zwei offensiven Außenbahnspielern üben. Gut möglich, dass Cacau (30) und Julian Schieber (22) künf- tig das Sturmduo bilden werden, auch wenn noch ein Neuzugang kommen soll. Auf den Außen ist Martin Harnik (24) rechts gesetzt, links kämpft sich Timo Gebhart (22) heran. „Wir werden variieren, die Mannschaft kann das“, fordert der Trainer seine Stürmer, aber auch die Mittelfeldspieler. Neben dem

Endspurt für den VfB

und BRUNO LABBADIA (46)

in Belek. Neben der Fitness geht es auch um Personalplanung.

4-4-2 schwebt ihm das gewohnte 4-2-3-1, aber auch ein 4-1-3-2 vor. Am besten sieht Labbadia die Innenverteidigung aufgestellt. Ser- dar Tasci (24) und der Mexikaner Maza (30) haben eine gute Hinrun- de gespielt, Georg Niedermeier (25) hat sich wieder herangekämpft und auch Matthieu Delpierre (30, Foto) ist fit. Das Problem des Ka- pitäns? Er braucht nach fast acht Monaten Verletzungspause ohne Einsatz Spielpraxis, die kann ihm Labbadia aber nicht geben. „Er ist körperlich so gut drauf wie lan- ge nicht. Aber ob man spielt oder nicht, liegt nicht immer nur an der eigenen Leistung“, lässt Labbadia durchblicken, dass er weiterhin Tasci und Maza vertraut. Delpierre soll möglicherweise Spielpraxis in der 2. Mannschaft in der 3. Liga sam- meln. Also keine guten Karten für den Franzo- sen, dessen gut dotierter Ver- trag im Sommer ausläuft.

sen, dessen gut dotierter Ver- trag im Sommer ausläuft. AUS STUTTGARTS TRAININGSLAGER IN BELEK BERICHTET FRANK

AUS STUTTGARTS

TRAININGSLAGER

IN BELEK

BERICHTET

FRANK LINKESCH

D as Ende ist in Sicht. Nach ei- ner letzten, knackigen Einheit im Fitnessbereich geht es am

Freitag zum Flughafen und zurück in die Heimat. Dort wartet als Be- lohnung ein freies Wochenende auf den Kader von Trainer Labbadia. Fredi Bobic (40) verließ die Mannschaft bereits am Mittwoch. Zuvor hatte er sich mit dem seit Montag in Belek weilenden Präsi- denten Gerd Mäuser (53) über die Verlängerung seines auslaufenden Vertrages als Sportdirektor unter- halten. Bobic möchte gerne blei- ben, will aber auch eine vernünftige Perspektive aufgezeigt bekommen, den nicht auf Rosen gebetteten Verein nach vorne zu bringen. Der Präsident ist zuversichtlich, dass man sich einigen wird: „Ich bin optimistisch, dass wir im Februar zu einem positiven Abschluss kom-

Bundesliga

Sp.

g.

u.

v.

Tore

Diff.

Pkt.

1.

(1) Bayern München

17

12

1

4

43:10

+33

37

2.

(2) Borussia Dortmund (M)

17

10

4

3

35:12

+23

34

3.

(3) FC Schalke 04 (P)

17

11

1

5

38:22

+16

34

4.

(4) Bor. Mönchengladbach

17

10

3

4

25:11

+14

33

5.

(5) Werder Bremen

17

9

2

6

30:31

- 1

29

6.

(6) Bayer Leverkusen

17

7

5

5

22:22

0

26

7.

(8) Hannover 96

17

5

8

4

20:24

- 4

23

8.

(7) VfB Stuttgart

17

6

4

7

23:20

+3

22

9.

(9) 1899 Hoffenheim

17

6

4

7

19:19

0

22

10.

(10) 1. FC Köln

17

6

3

8

27:35

- 8

21

11.

(11) Hertha BSC (N)

17

4

8

5

24:26

- 2

20

12.

(14) VfL Wolfsburg

17

6

2

9

23:34

- 11

20

13.

(13) Hamburger SV

17

4

7

6

21:27

- 6

19

14.

(12) 1. FSV Mainz 05

17

4

6

7

22:29

- 7

18

15.

(16) 1. FC Nürnberg

17

5

3

9

17:28

- 11

18

16.

(15) 1. FC Kaiserslautern

17

3

7

7

13:21

- 8

16

17.

(17) FC Augsburg (N)

17

3

6

8

15:28

- 13

15

18.

(18) SC Freiburg

17

3

4

10

21:39

- 18

13

18. SPIELTAG

VfL Wolfsburg – 1. FC Köln

 

(3:0)

Freitag, 20. Januar (20.30 Uhr) Mönchengladbach – FC Bayern

(1:0)

Samstag, 21. Januar (15.30 Uhr) FC Schalke 04 – VfB Stuttgart

(0:3)

1. FC Nürnberg – Hertha BSC

(1:0)

SC Freiburg – FC Augsburg

(2:2)

1899 Hoffenheim – Hannover 96

(1:2)

Samstag, 21. Januar (18.30 Uhr) Kaiserslautern – Werder Bremen (0:2) Sonntag, 22. Januar (15.30 Uhr) Hamburger SV – Borussia Dortmund (1:3) Sonntag, 22. Januar (17.30 Uhr) Bayer Leverkusen – 1. FSV Mainz 05 (0:2)

Wolfsburgs Stürmer ist der Wunschkandidat

Lakic-Deal ist schon weit gediehen

1Srdjan Lakic (28, Foto) heißt der Wunschkandidat des VfB Stuttgart für den Angriff. Der beim VfL Wolfsburg ausgemusterte Angreifer und die Schwaben sind nach kicker-Infor- mationen sehr weit in ihren Ver- handlungen. Perfekt ist der Transfer freilich noch nicht, auch eine Eini- gung mit dem VfL Wolfsburg steht aus. Während Lakics Berater den VfB unter den Interessenten offen als Favoriten bezeichnet, sagt VfB- Präsident Gerd Mäuser zum The- ma Neuzugänge: „Wir sind absolut

Gerd Mäuser zum The- ma Neuzugänge: „Wir sind absolut handlungsfähig.“ Ein wichtiger Satz, besitzt Lakic in

handlungsfähig.“ Ein wichtiger Satz, besitzt Lakic in Wolfsburg doch ei- nen sehr gut dotierten Vertrag, wird also auch für den VfB keine Billig- Lösung. Lakic, der vergangene Saison für Kaiserslautern 16-mal traf, gilt als kopfballstarker Stürmer, der auch Bälle mit dem Rücken zum Tor verarbeiten kann. Für Trainer Bruno Labbadia wäre Lakic die ge- wünschte Alternative zu Cacau, Juli- an Schieber und Pavel Pogrebnyak. Der Russe allerdings wird sich spä- testens im Sommer verabschieden, sein Vertrag läuft aus und wird nicht verlängert.

6

BUNDESLIGA

Schweinsteiger bald wieder auf Topniveau

Es läuft richtig rund bei BAYERN MÜNCHEN. Nach dem Trainingslager in Doha und der Testspielreise nach Indien ist der Herbstmeister wieder daheim. Die wichtigsten Erkenntnisse der bisherigen Vorbereitung auf einen Blick.

A m Montag der Flug von Doha nach Neu-Delhi, einen Tag spä- ter das Testpiel gegen die indi-

sche Nationalmannschaft (4:0) und am Mittwoch der Rückflug Neu-De- lhi-München: Der Bayern-Tross hat zum Abschluss seiner Trainings- tournee noch mal kräftig Meilen gesammelt. Aber die Spieler durften nur am Mittwoch nach der Rück- kehr kurz verschnaufen. Bereits am heutigen Donnerstag bittet Jupp Heynckes wieder zum Training. Hoch konzentriert setzen die Bay- ern ihre Vorbereitung auf die Rück- runde fort. Der Münchner Coach zeigte sich sehr zufrieden mit der Wiederaufnahme des Trainings- betriebs seit dem 2. Januar. „Man kann mit sehr viel Optimismus nach Hause fahren“, sagte er. Ab morgen hat der Trainer des Herbst- meisters noch eine Woche Zeit, den Rückrundenauftakt in Mön- chengladbach vorzubereiten. Die wichtigsten Erkenntnisse bisher:

nur um ein Spiel, das ist okay, aber dann geht es wieder in die Mitte“, so Kroos.

Anatoliy Tymoshchuk (32) wird wohl in

Gladbach den Part neben Schwein- steiger ausfüllen. Der Ukrainer hat derzeit Vorteile gegenüber Luiz Gustavo (24). Beide müssen aber fürchten, dass Heynckes bei Anwe- senheit aller Akteure Kroos mögli- cherweise als „Zwischenspieler“ auf ihre Position stellt. Breno (22), der sich durchaus vor- stellen kann, bei Bayern über den Sommer hinaus zu bleiben, ist zwar in den täglichen Trainingsprozess eingegliedert worden, aber derzeit ist es noch nicht denkbar, dass er sofort der Mannschaft helfen kann. Er braucht Spielpraxis, doch da er nicht für die Amateure spielen darf, sind die Möglichkeiten dafür nicht so üppig. Ivica Olic (32) hat bewiesen, dass er seinen Torinstinkt (7 Tore in zwei Testspielen) nicht verloren hat. Dazu hat er seine Fitness wie- der, die für sein laufinten- sives Spiel so wichtig ist.

Bastian Schweinsteiger (27, Foto) und Arjen Robben (27) sind gesund ins neue Jahr gestartet. Bislang
Bastian Schweinsteiger (27, Foto) und
Arjen Robben (27) sind gesund ins
neue Jahr gestartet. Bislang sind
bei beiden keine schwerwiegenden
Probleme an Schulter oder Leiste
aufgetaucht, so dass Heynckes fro-
hen Mutes ist, dass die zwei bald
(nach den ersten Spielen) wieder
auf Topniveau
sind.
Nils
(nach den ersten Spielen) wieder auf Topniveau sind. Nils Toni Kroos (22) wird in Gladbach Franck

Toni Kroos (22) wird in Gladbach Franck Ribery auf der linken Seite ersetzen. „Ich kenne

Petersen (23)ist

momentan sehr weit weg von der Stam- melf. Der Ex-Cott- buser hat Elan und Selbstsicherheit vom Beginn der Saison verloren. Heynckes:

„Nils braucht ein- fach ein wenig mehr Zeit, um sich oben zu akklimatisieren und auf einem ganz hohen Niveau zu spielen.“

die Position aus Leverkusen“, so Kroos, der die Rolle aber ganz anders interpretiert als der Franzose. „Wenn ich links spiele, spiele ich ja nicht links, sondern eher zentral“, sagt er. Das hat Folgen. Lahm muss verstärkt die Linie entlang- wetzen, Müller verstärkt auf links ausweichen. „Kroos ist kein Bandenspieler, der Eins- gegen-eins-Situationen an der Bande spielt“, erklärt Heynckes. Der Natio- nalspieler fühlt sich mittig am wohls- ten. „Mich zieht es einfach in die Mitte und man hat ja auch im Test gegen Kairo gese- hen, dass das was bringt.“ Doch sehr lange will und wird er nicht auf links aushelfen. „Es geht

Franck

Ribery (28)

ist motiviert wie lange nicht mehr. „Er hat überragend gear- beitet und trainiert, mit ei- ner Wahnsinnsklasse“, lobt Heynckes. Auffällig: Der Franzose ist auf dem Weg, in der mannschaftlichen Hier- archie eine wichtige Rolle zu übernehmen.

MOUNIR ZITOUNI

archie eine wichtige Rolle zu übernehmen. MOUNIR ZITOUNI MÜNCHEN: Der Nerlinger: „Ich 1 Natürlich wird die

MÜNCHEN: Der

Nerlinger: „Ich

1Natürlich wird die Frage auch in den kommenden Wochen und Monaten brandaktuell bleiben. „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist das stärkste Team im ganzen Land?“ Für die Spieler und Verant- wortlichen des FC Bayern muss man für die Antwort nicht nur auf die Tabelle schauen, wo derzeit der Rekordmeister vorne liegt. „Es liegt letztlich immer an uns, wie die Titel entschieden werden. Wir wissen, dass Dortmund eine gute Mannschaft hat, aber ich denke, dass Bayern immer eine qualitativ bessere Mannschaft haben wird“, sagte beispielsweise Nationalspie- ler Bastian Schweinsteiger forsch im Trainingslager der Bayern. Das Selbstverständnis der Münchner hat sich über die Jahre nicht ver-

kicker, 12. Januar 2012

7

Foto: DeFodi

kicker, 12. Januar 2012 7 Foto: DeFodi „Das Risiko gehe ich ein“ Nach seinem doppelten Kieferbruch

„Das Risiko gehe ich ein“

Nach seinem doppelten Kieferbruch greift SVEN BENDER (22) wieder an, wird seinen Stil nicht ändern – und hofft auf die EM.

AUS DORTMUNDS TRAININGSLAGER IN LA MANGA BERICHTET THOMAS HENNECKE

kicker: Vor sieben Wochen brach Ihr Kiefer doppelt. Stürzen Sie sich jetzt wieder ohne Angst ins Getümmel, Herr Bender? Sven Bender: Gegen Lüttich habe ich mich bei den Standards noch zurückgehalten. Aber das ist jetzt vorbei. Irgendwann muss ich mir die Sicherheit wieder holen. Außerdem hatte ich beim Training am Montag den ul- timativen Test. kicker: Wie sah der aus? Bender: Ich habe einen deftigen Schlag ab- bekommen. Und der Kiefer hat gehalten. Durch die ganzen Trainingseinheiten und die Zweikämpfe, die ich bestritten habe, bin ich vom Kopf her wieder frei. kicker: Werden Sie trotzdem das eigene Risiko zu vermindern versuchen? Bender: In keiner Weise. Mich so ins Spiel zu verbeißen, das ist doch das, was ich sehr ger- ne mache und was mich auszeichnet. Würde ich anders reingehen, würde mir selber das gute Gefühl eines gewonnenen Zweikampfes fehlen. Das dabei vorhandene Risiko gehe ich gerne ein. kicker: Die Statistik weist in dieser Saison wettbewerbsübergreifend immerhin fünf Tor-Beteiligungen für Sie aus. Spüren Sie jetzt auch den Stürmer in sich? Bender: Ich habe auf jeden Fall mehr Offen- sivdrang als in den Jahren zuvor. Dass ich of-

fensiver agieren möchte, hatte ich schon im Sommer angekündigt. Die Sicherheit, auch mal mit nach vorne zu gehen, habe ich jetzt einfach. Und wenn dabei dann ein Tor oder eine Vorarbeit herauskommt – umso besser. kicker: In der Vorrunde gab es die unter- schiedlichsten Zusammensetzungen auf Dortmunds „Doppel-Sechs“. Bietet die Ausrichtung mit zwei defensiv denkenden Sechsern wie Sebastian Kehl und Ihnen die besten Erfolgschancen? Bender: Selbst mit Sebastian und mir war die Ausrichtung doch gar nicht so defensiv, wie das vielleicht rüberkam. Kehli ist ein Spieler, der mit viel Tempo in den Strafraum geht, wenn er sich darauf verlassen kann, dass er entsprechend abgesichert wird. In dieser Konstellation können wir genau so offensiv sein wie in anderen Formationen auch. kicker: Und Mats Hummels eröffnet das Spiel von hinten? Bender: Er hat inzwischen einen großen Anteil an der Spieleröffnung. Seit dem Weggang von Nuri Sahin beteiligen sich viel mehr Spieler am Aufbau. Ich habe doch an mir selbst gemerkt, dass ich auf einmal viel mehr Bälle hatte als zu Zeiten von Nuri. Natürlich ist es so, dass Mats mittlerweile den richtig guten, tödlichen Ball spielen kann. Diese Waffe nut- zen wir gerne. kicker: Sie stehen noch immer bei nur einem Länderspiel. Welche Erwartungshaltung haben Sie in Bezug auf die Nationalmann- schaft?

haben Sie in Bezug auf die Nationalmann- schaft? Entspannt: Reporter Thomas Hennecke. Sven Bender mit kicker-

Entspannt:

Reporter Thomas Hennecke.

Sven

Bender

mit

kicker-

Bender: Da bin ich relativ entspannt. Ich weiß doch, was für Spieler Joachim Löw zur Ver- fügung stehen. Es ist nicht so einfach, da reinzurutschen. Für mich ist es schon schön zu wissen, dass ich auf dem Zettel des Bun- destrainers stehe. Ich bin ja nicht in Verges- senheit geraten. kicker: Wer fährt mit zur EURO? Sven und Lars Bender, Sven oder Lars Bender – oder keiner von beiden? Bender: Das werden wir sehen. Mein Bruder und ich werden auf jeden Fall so viel Gas ge- ben, dass es die Möglichkeit gibt, nominiert zu werden. kicker: Sie laufen mit 12,3 km nach Shinji Kagawa im Schnitt am meisten, haben die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit. Wä- ren Sie ein guter Mittel- oder Langstreckler? Bender: Ich weiß nicht. Die Position verlangt es eben von mir, so viel zu laufen. Ich bin ein Spieler, der gerne viel in Bewegung ist. Ein Marathon wäre nichts für mich. kicker: Und die 10 000 Meter? Bender: Da laufe ich lieber zwei Kilometer mehr und spiele Fußball.

Tabellenführer beschäftigt sich intensiv mit dem ärgsten Verfolger

freue mich auf die Kraftprobe mit Dortmund“

ändert: Die einzige Konstante auf Spitzenniveau ist der FC Bayern. Das denkt auch Trainer Jupp Heyn- ckes. „Der FC Bayern wird immer eine so kompetitive Mannschaft haben, dass wir nicht nur in der Bundesliga dominieren, sondern

Foto: Sampics/Matzke
Foto: Sampics/Matzke

„Dortmund macht einen guten Job“ – sagt Christian Nerlinger.

auch auf der europäischen Ebene Erfolg haben können.“ Das Zeug dafür haben nur wenige, glauben sie in München. „Wir gehören zu den fünf Teams in Europa, die die Champions League gewinnen kön- nen“, sagt Schweinsteiger. Dort- mund gehört für ihn da nicht dazu. Bei den Bayern ein weiteres Indiz für ihren Führungsanspruch, auch wenn Schweinsteiger es einfach nur „schade“ findet, dass der BVB aus der Königsklasse ausgeschieden ist. Großzügig hört sich das an, wenn so ein Satz vom ärgsten Konkurrenten kommt. Interpretationen, dass das Ende der Doppelbelastung für den BVB ein Vorteil wäre, widerspricht Trainer Jupp Heynckes. „Dass man im großen Fußball nicht dabei ist, ist psychologisch ein großer Nach-

teil für Dortmund. Ich kenne das Innenleben einer Mannschaft“, ent- gegnet er. Doch auch wenn die Westfalen nicht mehr europäisch spielen, der Respekt vor der sportlichen Stär- ke des Klubs, seiner Philosophie und seinem wirtschaftlichen Haus- halten ist in München groß. Der aktuelle Meister wird von allen als der „große Rivale“ in den nächsten Jahren wahrgenommen. Dass der Gladbacher Marco Reus ausgerech- net dorthin wechselte, fuchst die Bayern. „Dortmund macht einen guten Job, aber jetzt muss man ab- warten, wie lange sie sich auf dem Niveau bewegen“, sagt Heynckes. Und Sportdirektor Christian Ner- linger erhöht den Druck auf den Meister: „Der BVB hat es in den

?

FRAGE

 

DER

WOCHE

 

Dortmund – auf Dauer auf Augenhöhe mit den Bayern?

Ja

52,9%

Nein

 

47,1%

22 567 Teilnehmer

www.kicker.de

letzten Jahren sehr erfolgreich mit seinem Understatement verstan- den, die Dinge zu verfolgen. Das ist mit diesem Transfer vorbei, das ist schon ein neuer Schritt. Ich freue mich auf die Kraftprobe.“ Bayern kontra Dortmund – in den nächs- ten Monaten dürfte es noch mehr

davon geben. MOUNIR ZITOUNI

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BUNDESLIGA

„Natürlich können wir Meister werden“ 15 Tore hat KLAAS JAN HUNTELAAR (28) für Schalke in
„Natürlich können
wir Meister werden“
15 Tore hat KLAAS JAN HUNTELAAR (28) für Schalke in
der Hinrunde erzielt. Er spricht über seinen Klub,
seinen Vertrag – und über den Gewinn des Titels.
AUS SCHALKES
TRAININGSLAGER
IN DOHA
BERICHTET
THIEMO MÜLLER
kicker: Sie betonen stets, alles ge-
winnen zu wollen. Spüren Sie die-
se Mentalität auch im Team, Herr
Huntelaar?
Klaas Jan Huntelaar: Wir haben Spie-
ler mit dieser Mentalität, ja. Ich
denke da etwa an Papadopoulos
und Jones. Und wir haben er-
fahrene Profis wie Raul und
mich, Metzelder, Schober.
Gleichzeitig haben wir
auch eine junge Mann-
schaft. Es ist unsere Auf-
gabe, die Winner-Mentalität
der ganzen Truppe zu vermit-
teln. Dann können wir etwas Schö-
nes erreichen auf Schalke. Vielleicht
schon in den nächsten sechs Mona-
ten, vielleicht später.
kicker: Kann Schalke schon diese
Saison Meister werden?
Huntelaar: Natürlich können wir
Meister werden. Wir sind nach der
Hinrunde punktgleich mit dem BVB
und nur drei Punkte hinter Bay-
ern. Das zeigt, dass wir über vie-
le Spiele hinweg stabil gepunktet
haben. Also haben wir die Chan-
ce – wenn wir so weitermachen.
Dann kann ein positiver Flow
entstehen.
kicker: Andersherum: Welches Ab-
schneiden wäre eine Enttäuschung?
Huntelaar: Enttäuscht wäre ich, wenn
wir am Ende Fünfter würden.
kicker: Sie zählen als Führungsspie-
ler nicht zum Mannschaftsrat.
Huntelaar (lacht): Dafür bin ich nicht
der richtige Typ. Da musst du Poli-
tiker sein und Verhandlungen füh-
ren können. Ich will immer sofort
Resultate sehen.
kicker: Wie passt Gelb-Rot beim Po-
kal in Gladbach zum Winnertypen
Huntelaar, als Sie dem Linienrichter
nach korrekter Entscheidung den
Vogel zeigten?
Huntelaar: Na ja, es war für mich
so eine 50-50-Szene, ob der Ball
wirklich aus war. Und ich hatte
mich vorher schon mal geärgert.
Ein bisschen Emotion gehört eben
auch dazu. Aber mein Verhalten
war nicht schlau, und die Schuld
dafür muss ich nur bei mir suchen,
bei keinem anderen.
kicker: Trainer Stevens hat Sie knall-
hart öffentlich kritisiert: Sie hätten
für Schalke das Spiel verloren.
Huntelaar: Das finde ich nicht knall-
hart, es ist einfach die Wahr-
heit. Ich habe kein Problem
damit, dass der Trainer
das auch öffentlich sagt.
Es ist mir lieber, als wenn
um etwas herumgeredet
wird.
kicker: Haben Sie also die
Geldstrafe bereitwillig gezahlt?
Huntelaar: Nein, eine Geldstrafe gab
es nicht. Aber eine Spende für einen
guten Zweck. Wofür genau, ist noch
offen.
kicker: Sie erklärten mehrfach Ihre
Gesprächsbereitschaft zur Vertrags-
verlängerung über 2013. Ist diese
für Sie wirklich vor der EM vorstell-
bar, wo Sie sich voll ins Rampen-
licht spielen könnten?
Huntelaar: Ich habe gesagt, dass ich
gelesen habe, Schalke wolle verlän-
gern. Und dass es mir hier sehr gut
gefällt. Über alles Weitere öffentlich
zu reden, bringt nichts, bevor die
Gespräche begonnen haben.
kicker: Ist Horst Heldts Hoffnung
berechtigt, dass Sie nach den ne-
gativen Erfahrungen bei Real und
Milan nicht mehr zu solchen ganz
großen Klubs wollen?
Huntelaar: Das stimmt so nicht. Auch
dass ich jetzt in Holland wohnen
kann, ist für mich nicht entschei-
dend. Ich bin nach Madrid gezo-
gen und nach Mailand. Ich bin kein
Typ, der damit Probleme hat.
kicker: Was ist für Sie entscheidend?
Huntelaar: Wertschätzung und Sta-
bilität, ich will spielen. Und Titel
gewinnen.
Fotos: firo

kicker, 12. Januar 2012

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SCHALKE

Holtby droht lange Pause

1„Die Ziele, die wir uns gesetzt haben, sind erreicht“, behauptete Huub Stevens (58) am Mittwoch zum Abschluss des Trainings- lagers in Doha/Katar. Zufrieden wirkte Schalkes Coach allerdings keineswegs. Denn: Die Besetzung des defensiven Mittelfelds stellt ihn vor Probleme. Jermaine Jones (30) ist sechs Spiele gesperrt, bei Lewis Holtby (21) brach die alte Kapsel- verletzung am linken Sprunggelenk erneut auf. „Vielleicht hat er zu früh angefangen“, sagt Stevens. Nach der Rückkehr am heutigen Donnerstag soll eine Kernspintomografie Auf- schluss über die Schwere der Bles- sur geben. „Es kann länger dauern“, fürchtet Holtby, womöglich sogar sechs bis acht Wochen. Kyriakos Papadopoulos (19) und Joel Matip (20) sollen weiter das Abwehrzentrum bilden, keiner der beiden ins Mittelfeld vorrü- cken. Aber: „Ob wir das hinkriegen, wird man sehen“, rätselt Stevens. Im Test gegen Al Sadd (1:2) wurde Sechser-Kandidat Christoph Mo- ritz (21) nach einer halben Stunde ausgewechselt. „Taktisch bedingt“, wie Stevens glaubhaft versichert. Bessere Karten scheint Marco Hö- ger (22) zu besitzen. Aber: Nach dem geplatzten Sofort-Transfer von Gladbachs Roman Neustädter (23, kommt im Sommer ablösefrei) schließt Vorstand Horst Heldt (42) Verstärkungen plötzlich nicht mehr aus: „Es wäre idiotisch, sich jetzt festzulegen. “ THIEMO MÜLLER

LEVERKUSEN: Michael Ballack zu Messi, Barca und Bayers Ziele

„Das ist eine Einstellungssache“

Barca und Bayers Ziele „Das ist eine Einstellungssache“ AUS LEVERKUSENS T R A I N I
Barca und Bayers Ziele „Das ist eine Einstellungssache“ AUS LEVERKUSENS T R A I N I

AUS LEVERKUSENS T R A I N I N G S L A G E R IN LAGOS BERICHTET S. VON NOCKS

1Wenn der designierte DFB- Präsident Wolfgang Niersbach am Freitag bei den Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag von Bayern- Präsident Uli Hoeneß mit Michael Ballack spricht, dürfte der große Schritt zur Versöhnung zwischen dem 98-maligen Nationalspieler und Bundestrainer Joachim Löw vonseiten des 35-jährigen Profis ausbleiben. „Sicherlich wird man in der nächsten Zeit, zeitnah, in ein paar Wochen, ein paar Monaten oder auch gar nicht reden – darüber möchte ich mich aber jetzt nicht

äußern“, erklärte Ballack vieldeutig im Trainingslager. Allerdings fügte er zu den Bemühungen der Bayer- Bosse um einen ordentlichen Ab- schied Ballacks eher gleichgültig an:

„Wenn man meine Karriere in der Nationalmannschaft sieht, wenn man sieht, was ich geleistet habe in den letzten Jahren und Jahrzehnten, dann ist es aus meiner Sicht nur selbstverständlich, dass der eine oder andere versucht, für mich ei- nen würdigen Abschied zu finden.“ Dabei stellte er aber klar: „Das hat mit meiner Sichtweise aber nichts zu tun. Das sind persönliche Din- ge von Rudi Völler und Wolfgang Holzhäuser. Das lassen wir mal so stehen.“ Keine Bewegung Richtung Löw also? Ballack, der zum Saisonende Bayer verlassen wird, legt den Fokus auf seinen Klub: „Mein Job ist jetzt Bayer Le- verkusen. Da will ich all meine Kraft reinlegen.“ Wohin er im Sommer wechselt, lässt er offen. Konkreter wird der Ex-DFB- Kapitän bei ande- ren Themen:

Foto: KSmedianet.de
Foto: KSmedianet.de

Top versorgt: Michael Ballack nach einem leichten Trainingsunfall, der folgenlos blieb.

REAL-TRAINER JOSÉ

„Ich

habe unter ihm in Chelsea sehr viel gelernt, wie ein Trainer eine Mannschaft pu-

MOURINHO:

shen und motivieren kann. Im takti- schen Bereich hat er große Stärken.“

MESSIS WAHL ZUM WELTFUSSBALLER:

„Das ist mehr als verdient. Er ist mit seiner Genialität der Spieler, der weltweit die Aufmerksamkeit auf sich zieht.“

DIE CHAMPIONS-LEAGUE-SPIELE GEGEN

BARCELONA: „Da werden nicht nur meine Augen leuchten. Das ist es einfach wert, sich hier im Trainings- lager zu quälen.“

DIE ZIELE MIT BAYER 04: „Wir sind

Sechster – das entspricht nicht unseren Ambitionen. Letztes Jahr waren wir Zweiter. Wir wollten mindestens das Gleiche erreichen – wenn nicht sogar mehr. Wir wol- len in der Tabelle klettern, im Op- timalfall wieder in die Champions League.“

DIE PROBLEME BEI BAYER 04: „Wir

müssen wieder Fußball spielen, guten Fußball, attraktiven Fußball. Wir müssen unseren Anspruch nicht nur formulieren, sondern auch umsetzen. Wir müssen im Training noch mehr tun, noch mehr die Grenze ausloten, im Fitness-Bereich auf einem Tople- vel sein. Gerade nach Spielen in der Champions League müssen wir die Motivation hochhalten. Das ist einzig eine Einstellungssa- che.“

DIE ZWEI JAHRE BEI BAYER 04: „Es gab

Verletzungen und Schwierigkeiten. In kürzester Zeit wurde ich aber auch in der Öffentlichkeit verschie- den gesehen. Das hat mir einiges gezeigt. Es war relativ viel los. Die- se Erfahrungen möchte ich nicht missen.“

Aliaksandr Hleb (30) als Trainings- gast in Augsburg – das weckt Fan- tasien. Der zuletzt
Aliaksandr Hleb (30) als Trainings-
gast in Augsburg – das weckt Fan-
tasien. Der zuletzt von Barcelona
nach Wolfsburg ausgeliehene
Mittelfeldstar will sich beim Auf-
steiger fit machen für ein neues
KICKER-KULISSE
WDR-Intendant hatte zum Ende
der TV-Sendung „Hart aber fair“
am Montag augenzwinkernd Uli
Hoeneß (60) als Bundespräsidenten
vorgeschlagen. Interessant daran:
NOTIERT VON SEBASTIAN WOLFF
Engagement, Jan-Ingwer Callsen-Bra-
cker (27) indes verhehlt nicht, dass
sich die FCA-Profis mehr vorstel-
len könnten: „Wenn er hier eine
Weile mit uns trainiert und merkt,
was für eine tolle Truppe wir sind
– wer weiß…?“ Hleb indes betont
nach seinem Kurz-Gastspiel unter
Felix Magath (58), dass es weder
um einen Vertrag in Augsburg
noch um Konditionbolzen geht:
2
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Wolfsburg genug
„Für mich ist es wichtig, dass ich
hier wieder fußballspezifisch trai-
nieren kann. Gelaufen bin ich in
Das Trainingslager seines Ex-Klubs
FC Basel in Marbella hat HSV-Trai-
ner Thorsten Fink (44) noch selbst ge-
plant. Seit Montag sind die Schwei-
zer nun in Spanien und trainieren
nicht nur in Rufweite ihres früheren
Chefs, sie werben auch noch mit
Fink. Auf dem Baseler Mannschafts-
bus prangt unverändert ein großes
Foto des Blondschopfs. Dass der
seinen Job auf dem Schleudersitz
in Hamburg schon wieder los sei,
war indes nur ein Scherz seines Me-
diendirektors Jörn Wolf (35). Mitten
in einen Fan-Abend mit Fink war
nämlich Peter Neururer (56) geplatzt.
Wolfs Ansage, „Thorsten, du kannst
jetzt gehen, das ist unser neuer
Trainer“, erwies sich jedoch als halt-
los. Marbella-Urlauber Neururer
wollte lediglich seinen langjährigen
Freund und Fink-Assistenten Frank
Heinemann (47) besuchen.
Hoeneß hatte tatsächlich unlängst
im kicker-Interview Christian Wulff
(52) kritisiert, und: Pleitgen outete
sich während der Diskussion als
Dortmund-Fan
Macht dagegen Fritz Pleitgen (73)
ernst, oder war sein Denkanstoß
nur ein Versuch, den FC Bayern
zu schwächen? Der langjährige
Wolfsburgs Brasilianer Chris (33) will
Deutscher werden. Das hat er nun
im Dubai-Trainingslager verraten.
„Ich bin seit neun Jahren in diesem
Land, habe mir die Sprache selbst
mit Büchern beigebracht. Noch in
diesem Jahr will ich den Einbür-
gerungstest machen.“ Da behaup-
te noch einer, der VfL setze nicht
ausreichend auf deutsche Spieler…

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BUNDESLIGA

10 BUNDESLIGA AUS GLADBACHS TRAININGSLAGER IN BELEK BERICHTET JAN LUSTIG kicker: Der Rückrundenstart gegen

AUS GLADBACHS

TRAININGSLAGER

IN BELEK

BERICHTET

JAN LUSTIG

kicker: Der Rückrundenstart gegen Tabellenführer München rückt nä- her. Wie sehr ärgert es Sie, dass Sie sich noch eine Gelbsperre eingefan- gen haben und den Auftakt somit verpassen, Dante? Dante: Es ärgert mich gewaltig, weil es jedes Mal ein Traum ist, gegen den FC Bayern zu spielen. Aber okay, dann drücke ich den Kollegen eben die Daumen, dass sie ein gutes Spiel machen. kicker: Im Hinspiel landete die Bo- russia mit dem 1:0-Sieg einen Sen- sationserfolg. Ist dieser Coup zu wiederholen? Dante: Es ist immer besser, gleich am ersten Spieltag gegen die Bay- ern zu spielen. Vielleicht haben sie da noch nicht ihr höchstes Niveau. Wir müssen auf jeden Fall eine Top- Leistung abliefern, wenn wir etwas holen wollen. kicker: Wird Sie Roel Brouwers ge- wohnt zuverlässig vertreten? Dante: Natürlich, ich habe das volls- te Vertrauen. Er kann auch gerne wieder mal ein Tor machen – aber vielleicht nicht gerade zwei, sonst sitze ich die Woche danach nur auf der Bank. kicker: Was ist wahrscheinlicher:

Dass Gladbach über die Liga oder über den Pokal in den Europacup einzieht? Dante: Im DFB-Pokal geht es we- sentlich schneller. Mit zwei Siegen sind wir schon in Berlin. Deshalb wollen wir im Viertelfinale bei der Hertha unsere Chance nicht leicht- fertig verspielen. kicker: Igor de Camargo sagt, dass die Mannschaft die Qualität für Eu- ropa besitze. Sie auch? Dante: Ja, das glaube ich auch. Das heißt allerdings nicht, dass wir den Europacup tatsächlich erreichen. Wir müssen immer auf dem Bo- den bleiben, die Spiele – wie im Abstiegskampf – als Endspiele be- trachten und auch Rückschläge einkalkulieren. kicker: Teile der Anhänger träumen sogar vom Einzug in die Champions League. Dante: Unsere Fans dürfen ruhig von der Champions League träu- men. Ist doch schön, solange sie dann nicht enttäuscht sind, wenn es nicht klappt. kicker: Sind zehn Punkte Vorsprung auf Platz sieben ein komfortabler Vorsprung? Dante: Das ist viel, aber keine Garan- tie. Auch wenn es die Leute immer noch für Understatement halten:

wenn es die Leute immer noch für Understatement halten: Abwehrchef DANTE (28), gelbgesperrt beim Auftakt, warnt

Abwehrchef DANTE (28), gelbgesperrt beim Auftakt, warnt vor zu hohen Ansprüchen, hat aber den großen Traum von Europa.

„Mein Berater regelt, ob ich bleibe“

Wir kommen aus einer ganz, ganz schwierigen Situation in der vergan- genen Saison. Das dürfen wir nie vergessen. Trotzdem: Ich spüre den Hunger in der Mannschaft, etwas erreichen zu wollen. kicker: Der Wechsel von Marco Reus löste viel Wirbel aus. Beeinträchtigt das die Mannschaft und die Vorbe- reitung? Dante: Nein. Wir mussten ja damit rechnen, dass er uns verlässt. Ich sehe es als Vorteil, dass er die Sache so früh entschieden hat und nicht am 30. Juni. Sonst hätten sich die Spekulationen monatelang hinge- zogen. Und er per- sönlich ist jetzt frei

im Kopf. kicker: Trauen Sie ihm zu, dass er sei-

ne Leistungen aus der Hinrunde noch einmal toppen kann? Dante: Natürlich. Ich bin sicher, dass sich Marco im Sommer mit einem Europapokalplatz verab- schieden will. Dafür wird er alles tun. kicker: Können Sie seine Ent- scheidung nachvollziehen oder hätten Sie ihm geraten, lieber doch noch ein Jahr in Gladbach

zu bleiben? Dante: Im Fußball ist es schwer, den richtigen Zeitpunkt für solche Entscheidungen abzupassen. Sein

Herz, sein Verstand hat ihm gesagt, dass es jetzt soweit ist. Persönlich bin ich natürlich enttäuscht. Es ist einfach geil, mit Marco Fußball zu spielen. Er ist überragend, nicht erst seit dieser Saison. Aber wir müssen ihn verstehen. kicker: Fürchten Sie, dass mit dem Weggang von Reus und Roman Neustädter die Borussia zerbrechen könnte oder bauen Sie darauf, dass mit den 17 Millionen Euro Trans- fererlös der Kader sehr gut verstärkt wird? Dante: Ich bin Spieler, nicht der Manager. Ich sage auch nicht: Jetzt

gehe. Aber ich bin geblieben und sehr zufrieden. Ich fühle mich wohl und bringe wie der Rest der Mannschaft meine Leistung. Mein Berater regelt, ob ich blei- be oder nicht. Ich weiß nur, dass mein Vertrag in Gladbach bis 2014 läuft und konzentriere mich auf

meinen Job. kicker: In Ihrem Vertrag existiert eine Klausel, wonach Sie für rund fünf Millionen Euro gehen können. Dante: Da müssen Sie andere Perso- nen fragen. kicker: Die Europacup-Teilnahme und eine starke Mannschaft in der nächsten Saison –

wären das Argumen- te für Sie zu sagen:

Ich sehe eine Pers- pektive, ich bleibe

gerne. Dante: Eins ist klar: Ich will nicht gegen den Abstieg spielen. Ich habe hohe Ziele, und die möchte ich auch erreichen. Dafür arbeite ich jeden Tag. Außerdem will doch jeder Profi um Titel spielen, oder? kicker: Schaffen Sie 2012 den Sprung in die brasilianische Nationalmann- schaft? Dante: Das kann nur unser Natio- naltrainer beantworten. Ich weiß, dass es schwer wird, aber ich bin ein positiv denkender Mensch und hoffe weiter darauf.

INTERVIEW: JAN LUSTIG

„Eins ist klar: Ich will nicht gegen den Abstieg spielen. Außerdem will doch jeder Profi um Titel spielen, oder?“

muss der Klub drei Stars holen. Wir werden sehen, wie es sich entwi- ckelt. kicker: Bleiben Sie bei der Borussia? Dante: Meine Erfahrung sagt mir:

Ich spiele besser, wenn ich mir über solche Dinge keine Gedanken ma- che. Das heißt: Nicht viel über die Zukunft reden, sondern auf dem Platz Gas geben und Leistung brin- gen. So habe ich das auch in der vergangenen Saison gehandhabt. kicker: Und dann wollten Sie im Sommer weg. Dante: Ja, ich dachte, dass ich

kicker, 12. Januar 2012

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Foto: Getty Images/Bongarts

kicker, 12. Januar 2012 11 Foto: Getty Images/Bongarts Starker Neuzugang Ring ist beeindruckt und braucht Geduld

Starker Neuzugang

Ring ist beeindruckt und braucht Geduld

1Es gibt Spieler, die neu zu einem Verein kommen und sich an die neue Umgebung gewöhnen müs- sen. Und es gibt Alexander Ring (20). Der Finne legt in Belek gerade- zu einen Katapultstart hin. Doppel- pack beim 3:2 gegen Nürnberg, ein Treffer beim 3:2 gegen Darmstadt – der flinke Mittelfeldspieler beein- druckt nach wenigen Tagen. „Er zeigt, dass er vor dem Tor Selbst- vertrauen besitzt. Das ist wichtig“, lobt Trainer Lucien Favre (54). Vor einer Woche war Ring in die Türkei nachgereist. Gladbach lieh den Nationalspieler bis 2013 von HJK Helsinki und sicherte sich eine Kaufoption. Sein Ziel: „Ich bin nicht gekommen, um mir nur alles anzu- schauen und nur Spaß zu haben. Ich will möglichst oft spielen.“ Ring braucht trotzdem etwas Geduld. Die Erfolgself steht. Und durch den Verbleib von Roman Neustädter (23), der ab Sommer bei Schalke spielt und dort einen Vier- jahresvertrag erhält, wird auch kein Platz auf seiner Lieblingsposition im Mittelfeldzentrum frei. Schalkes Versuch, Neustädter schon jetzt zu verpflichten, wurde abgeblockt. jan

MAINZ: Die EM ist das Ziel, doch kein Argument für Tuchel

Polanski drängt auf Einsätze

kein Argument für Tuchel Polanski drängt auf Einsätze AUS DEM MAINZER TRAININGSLAGER AUF MALLORCA BERICHTET UWE

AUS DEM MAINZER TRAININGSLAGER AUF MALLORCA BERICHTET UWE RÖSER

diverser deutschen Junioren-Aus- wahlmannschaften vermisst „das Quäntchen, noch etwas mehr zu tun, den Gegner so lange zu bear- beiten, bis er keinen Bock mehr hat, mir hinterherzulaufen“. Für Polanski könnte demnach alles gut sein. Ist es aber nicht. In der vergangenen, so erfolgreichen Spielzeit noch Schlüsselspieler, verbrachte er den zweiten Teil der Hinserie meist auf der Bank. Oder wegen einer Rotsperre auf der Tri- büne. Polanski war schon besser in Form als in dieser Halbserie, das weiß er selbst. „Er hat sport- lich darunter gelitten, dass wir viel mit Raute gespielt haben und sich Kirchhoff mit seiner Präsenz und der damals besseren Form den Platz geschnappt hat“, erläutert Tuchel, der ihn auf der Dop- pelsechs ideal aufgeho- ben sieht. „Pola hatte ein paar unglückliche Spiele und individuelle Fehler und konnte sich auf dem Spielfeld danach nicht so frei machen, wie wir das ge- wohnt waren. Er hat viel gegrübelt und wurde zum Ende der Saison wieder ein bisschen freier.“ Anfangs hat Polanski nicht ver- standen, warum er nicht spielte. Mittlerweile glaubt er es zu wis- sen. Er wollte in der Phase, als die Mannschaft nicht funktionierte, an allen Ecken helfen und hat sich dabei etwas verheddert. Er wollte schlichtweg zu viel. Die Fehlerquo- te stieg, die Passquote sank. Wäh- rend seines Reservistendaseins gab es keine öffentlichen Aussagen von ihm. „Pola hat es sehr professio- nell hingenommen“, lobt Tuchel.

Foto: imago
Foto: imago

Die Zeit drängt: Eugen Polanski, Mittelfeldspieler der 05er.

Stattdessen arbeitete er an seiner Fitness, schob während seiner Rot- sperre unzählige Zusatzschichten mit Reha-Trainer Axel Busenkell und trainierte so viel und so gut wie lange nicht mehr. Als er nach abgelaufener Sperre trotzdem ge- gen Köln draußen bleiben musste, empfand er dies als Keulenschlag. Und in drei von vier Spielen nach Ablauf der Sperre auf der Bank zu sitzen als schwer nachvollziehbar. Für den polnischen National- spieler steht viel auf dem Spiel. Im Sommer findet die Europameister- schaft in seiner Heimat statt. „Das ist ein extrem wichtiges halbes Jahr für mich. Deshalb muss ich die nächsten fünf Monate spie- len. Ich brauche Spielpraxis und will nicht dabei sein, um auf der Bank zu sitzen“, sagt Polanski. Sein Trainer hat registriert, dass er auf dieses Ziel „total konzentriert und fokussiert ist und dem räumen wir auch Gewicht ein. Es kann aber kein ausschlaggebendes Argument sein, weil jeder Spieler individuelle Ziele hat. Seines erreicht er nur Schritt für Schritt.“

1Wieder böse sein und unange- nehm. Auch fies und einschüch- ternd. Sich wehren, das Gefühl bekommen, etwas verteidigen zu müssen. All diese Eigenschaften hat sich Mainz 05 für die Rück- runde in einer langen Sitzung im Trainingslager auf Mallorca vor- genommen. Der fußballerische Ansatz, den Gegner über Ballbe- sitz zu dominieren, soll nicht auf- gegeben werden. Aber er ist eine Zugabe. Man kann es auch eine Akzentverschiebung nennen. Jan Kirchhoff (21) formuliert es so:

„Die Gegner müssen wieder merken, dass Mainz eine Drecksmannschaft ist, die läuft, ackert und extrem unangenehm zu spielen ist. Gegen uns darf es keinen Spaß machen.“ Zurück zu jenen Tugenden also, die den Vierzehnten in den ersten beiden Spielzeiten unter Thomas Tuchel (38) ausgezeich- net haben und die zuletzt etwas untergegangen sind. Den Ballbesitz beibehalten und gleichzeitig ein rohes, rot- ziges Element draufpacken, die- ser Ansatz scheint wie gemalt für Eugen Polanski. Weil der 25 Jahre alte Mittelfeldspieler einer- seits ein totaler Verfechter der Tuchel’schen Ballbesitzlehre ist, dank derer sich Mainz spielerisch enorm weiterentwickelt hat. Aber auch weil Polanski durch seine Körpersprache ebenjenes ag- gressive Element einbringt, das nun gefordert ist. Er hasst es zu verlieren, selbst im Training. Und Niko Bungert (25) imponiert es, dass ihm ebendiese Wut im Spiel anzusehen ist. Kirchhoff findet „seine sehr aggressive Art abso- lut mitreißend“. Diesen absoluten Willen hat allerdings noch nicht jedes Mitglied dieser jungen Mannschaft verinnerlicht. „Wir haben manchmal ein Gegenpres- sing, das wünsche ich keinem. Der Gegner ist an einem von uns vorbei und dann stehen dort schon die nächsten drei“, erzählt Polanski. Aber eben nur manch- mal. Und sobald einer aus der Gruppe ausschert, funktioniert es nicht mehr. Der einstige Kapitän

ausschert, funktioniert es nicht mehr. Der einstige Kapitän Ausgebooteter Müller will Klarheit „Bonus für Wetklo –

Ausgebooteter Müller will Klarheit

„Bonus für Wetklo – warum?“

1Die Ausbootung von Heinz Mül- ler (33) erfolgte nach Spieltag zehn. Wegen „fehlenden Matchglücks“ hatte Thomas Tuchel dessen Kon- trahenten Christian Wetklo (32) den Vorzug gegeben. Nun äußerte sich der Torhüter erstmals öffentlich. „Anfangs war der Frust groß, aber ich habe ihn in Motivation umge- münzt. Ich denke, ich stehe in ab- sehbarer Zeit im Tor“, sagte Müller. Dass der Trainer verkündete, Wet- klo werde auch in der Rückrunde das Tor hüten, „hat mich über- rascht. Als ich die Nummer 1 war,

rief der Trainer stets ein Duell aus. Nun ist der Spieß umgedreht und Wetklo erhält einen Bonus. Keine Ahnung, warum.“ Ein Gespräch mit Tuchel oder Manager Christian Heidel gab es noch nicht. Davon macht Müller, dessen Vertrag im Sommer endet, wenn er eine gewisse Einsatzzahl nicht erreicht, seine Zukunft ab- hängig. „Ich warte auf den Schritt des Vereins. Kommt der nicht, hat sich das hier erledigt. Das Paket des nächsten Vertrages muss passen. Ich sehe mich klar als Nummer 1.“

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BUNDESLIGA

ORESTE LEONE: Seit 1998 für den BVB am Herd

Götze und Co. lieben seine Nudeln

Der

Meister-

Koch

1Andere in seinem Alter träumen vom Ruhestand. Oreste Leone ist 65, es wäre Zeit für die Rente, für Rot- wein oder Grappa, für ein paar ru- hige Jahre in Alassio/Ligurien, seiner italienischen Heimat. Aber Leone denkt gar nicht daran, sich in den Schaukelstuhl zurückzuziehen, er ist mit Leib und Seele Koch. Und er ist Fußball-Fan, ein lei- denschaftlicher dazu. Zu Hause jubelt er Juventus Turin zu, in Deutschland gehört Borussia Dortmund sein Herz. „Solange es Spaß macht“, sagt Leo- ne, werde er weiter für den BVB kochen. Seit 1998 macht er das schon, in allen Winter-Trainingslagern wie gerade erst wieder im spanischen La Manga und bei den Dortmunder Europapokal-Reisen steht er am Herd, seine Spaghetti sind die besten auf diesem Planeten, behaupten die Spieler. Ex-Trainer Michael Skibbe gewann Leone für die Borussia; der Ex- perte für Nudeln, Fleisch (ohne Sauce) und Fisch hat Stefan Reuter, Jürgen Kohler, Andreas Möller und Julio Cesar bekocht, die aus Italien ins Ruhrgebiet kamen, und jetzt sind es Mats Hummels, Mario Götze

kamen, und jetzt sind es Mats Hummels, Mario Götze oder Marcel Schmelzer, die sich von ihm

oder Marcel Schmelzer, die sich von ihm verwöhnen lassen. „Sie sind nett zu mir, und ich versuche, nett zu ihnen zu sein“, sagt Leone. Im heute, Donnerstag, zu Ende gehenden Trainingslager in La Manga

arbeitete der Koch in zwei Schichten, die erste von 8.30 bis 14 Uhr, die zweite von 17 bis 21.30 Uhr. Das ist gar nicht so viel anders als sein normaler Tagesablauf in Duisburg, wo sein Restaurant „Mam- ma Leone“ in seiner Abwesenheit von Ehefrau Gudrun sowie den beiden Söh- nen Oreste und Martin geführt wird. Seit vorigen Mittwoch schon mussten sie ohne den Chef aus- kommen: Leone fliegt immer einen Tag vor der Mannschaft – um die Hotelküche zu inspizie- ren und sich dem Kü- chenchef vorzustellen. Aus gutem Grund: „Ich kann nicht irgendwo hinkommen und die Leute kommandie-

ren.“ THOMAS HENNECKE Schöpfkelle statt Schaukelstuhl: BVB-Koch Oreste Leone. Foto: DeFodi
ren.“
THOMAS
HENNECKE
Schöpfkelle statt
Schaukelstuhl:
BVB-Koch
Oreste Leone.
Foto: DeFodi
und fünf weitere Spezialisten Während die Profis im TRAININGSLAGER schwitzen, sorgen Experten für das Wohl
und fünf weitere
Spezialisten
Während die Profis im
TRAININGSLAGER schwitzen,
sorgen Experten für das Wohl
der Fußballer und einen
reibungslosen Tagesablauf.
Der kicker hat ihnen vor Ort
über die Schulter geschaut.
das Wohl der Fußballer und einen reibungslosen Tagesablauf. Der kicker hat ihnen vor Ort über die

kicker, 12. Januar 2012

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Foto: Witters
Foto: Witters

Doppeljobber: Miro Zadach ist auch Zeugwart.

MIRO ZADACH

Busfahrer ohne Bus

1Sein Hauptarbeitsgerät ist ausnahmsweise in Hamburg ge- blieben. Der HSV-Bus. „Norma- lerweise“, sagt Miro Zadach (51), „fahre ich ein, zwei Tage vor der Mannschaft mit unserem Bus und sämtlichem Trainingsmaterial an den jeweiligen Ort und empfange die Jungs.“ In Marbella aber ist alles anders. „Ich hätte für die 3000 Kilometer drei Tage vorher losfahren müssen.“ Denn: Zadach benötigt vor Ort immer noch einen Tag Vorlauf. Der gebürtige Danziger ist nämlich nebenbei auch erster Zeugwart. Und darum in Spanien auch ohne Bus gut beschäftigt. Ganz ohne Fahren vergeht sein Tag in Marbel- la nicht. Zadach kutschiert die Trainingsutensi- lien. Zweimal am Tag steuert er den VW-Trans- porter die rund 15 Kilometer vom „Gran Hotel Guadalpin“ zum „Marbella Football Center“, hat zudem im Blick, dass die Wäsche pünktlich fertig ist. Um sieben Uhr beginnt sein Tag. Und der Feierabend? „Wenn ich mit Mario mein Bierchen aufmache, so gegen 22 Uhr.“ Mario ist Mario Mosa (44), der zweite Zeugwart. „Ein Pole und ein Italiener“, sagt Zadach grinsend, „das passt.“ Ganz im Gegensatz zu seiner Vergangenheit:

Zadach, seit 2005 beim HSV, fuhr zuvor acht Jahre die Profis des Stadtrivalen FC St. Pauli. Der für einen Spieler brisante Transfer hatte für ihn einen simplen Grund. „Mein Vertrag bei

St. Pauli galt nur für die 1. und 2. Liga. Nach dem “

Abstieg 2003 war ich sozusagen ablösefrei Der HSV griff zu und ist zufrieden mit Zadach. „Bislang hat sich noch kein Trainer beschwert.“ Dann ein schelmisches Grinsen und der Nach-

satz: „Es ist ja nicht so, dass seit 2005 nicht genug

dagewesen wären

ist ja nicht so, dass seit 2005 nicht genug dagewesen wären “ SEBASTIAN WOLFF Foto: nordphoto

SEBASTIAN WOLFF

Foto: nordphoto
Foto: nordphoto

Fanversteher: Julia Ebert (l.) undTill Schüssler.

JULIA EBERT & TILL SCHÜSSLER

Duo für 100 Anhänger

JULIA EBERT & TILL SCHÜSSLER Duo für 100 Anhänger 1 „Sebastian, da steht das Geburtstags- kind!“

1„Sebastian, da steht das Geburtstags- kind!“ Kurze Aufforderung, kurzer Blick- kontakt – und Sebastian Prödl weiß Be- scheid. Der Werder-Profi erfüllt artig die Bitte der beiden Fanbetreuer. Er steuert auf Lisa Broig zu, die an diesem Tag 23 wird. Ein Glückwunsch und ein Foto mit dem Idol als Ge- schenk für die Anhängerin aus Lüdenscheid, die zur Bremer Fangruppe im Trainingslager zählt. Julia Ebert (33) und Till Schüssler (27) regis- trieren die Szene mit Wohlwollen. Es sind diese kleinen Episoden, die den Alltag in ihrem Job ausmachen. Das Duo, seit August 2010 im Ein- satz, betreut in Belek knapp 100 Anhänger. Etwa 65 haben die offizielle Fanreise mitgemacht, die der Klub angeboten und bezuschusst hat. „Viele alte Bekannte sind dabei“, sagt Ebert, die Lei- terin der Abteilung. „Gut die Hälfte sind sozu- sagen Stammgäste.“ Rund um die Uhr sind die hauptamtlichen Fanbetreuer für die Kunden da, sind Ansprechpartner, helfen in jeder Hinsicht. „Werder zum Anfassen“ wollen sie bieten. Fahr- ten zum Training und zu den Spielen, ein Aus- flug nach Antalya. Höhepunkt ist ein Besuch im Mannschaftshotel, Gespräche mit Manager Allofs und den Profis inklusive. Ebert war zuvor Mitarbeiterin des SPD-Bun- destagsabgeordneten Garrelt Duin, hat Politik studiert und ein Zeitungsvolontariat absolviert. Ihr Kollege Schüssler ist Sozialarbeiter, studiert noch in Bremen. Sie bilden ein gutes Gespann. Schüssler betreut das Fanprojekt um die Ultras. „Zum Glück ein geringes Gewaltpotenzial“, sagt er, verweist auf eine Anti-Diskriminierungs-AG. Und in der Türkei sind die Fans ohnehin alle

friedlich.

HANS-GÜNTER KLEMM

Foto: firo
Foto: firo

Kameramann: Lars Kornetka filmt die Profis.

LARS KORNETKA

Mann für Videobeweise

fi lmt die Profi s. LARS KORNETKA Mann für Videobeweise 1 Nach dem Trainingsspiel ist Lars

1Nach dem Trainingsspiel ist Lars Kornetka (33) im Schalker Camp der gefragteste Mann. Vorstand Horst Heldt, Coach Huub Stevens, Assis- tenztrainer und Betreuer – alle scharen sich um den Videoanalysten. Kurz zuvor hat ein Zwei- kampf zwischen Timo Hildebrand und Chine- du Obasi für Debatten gesorgt: Elfmeter oder nicht? Kornetka hat die Szene sofort auf dem Schirm. Und der zuvor als Schiedsrichter einge- teilte Co-Trainer Markus Gisdol darf aufatmen:

Hildebrand hatte Obasi am Fuß getroffen, der verhängte Strafstoß war korrekt. Episoden wie diese sind ein hübscher Neben- effekt von Kornetkas eigentlicher Aufgabe. Der Diplom-Sportwissenschaftler, von Ex-Trainer Ralf Rangnick vergangenen Sommer aus Hoffenheim geholt, filmt jede Schalker Übungseinheit und jedes Spiel und erstellt besonders prägnante Se- quenzen für die taktische Schulung von Raul und Co. Vor jeder Einheit präsentiert Kornetka in Zu- sammenarbeit mit Stevens die entsprechenden Szenen. Welches Standing er sich intern inzwi- schen erarbeitet hat, belegt, dass Kornetka nach Absprache mit Stevens immer wieder auch unter vier Augen Spieler zur Seite nimmt, um ihnen visuell bestimmte taktische Verhaltensweisen zu verdeutlichen. „Sozusagen auf kameradschaftli- cher Ebene“, sagt Kornetka, „ich gehöre zwar zum Trainerstab, bin aber kein Vorgesetzter.“ Nach dem Studium mit dem Schwerpunkt Medien hatte Kornetka als freier Mitarbeiter bei der Sportschau angefangen, Ex-Hockey-Bundes- trainer Bernhard Peters entdeckte ihn dann fürs Projekt Hoffenheim. Der Zugang zum „wahren Traumjob“ für Kornetka. THIEMO MÜLLER

zum „wahren Traumjob“ für Kornetka. THIEMO MÜLLER DR. ANDREAS AUST: Im Trainingslager ist sein

DR. ANDREAS AUST: Im Trainingslager ist sein Improvisationstalent gefordert

Anruf um 3 Uhr nachts: „Doc, darf ich Viagra nehmen?“

1Der Arbeitstag von Dr. Andreas Aust (40) im Trainingslager des SC Freiburg im andalusischen Costa Ballena beginnt um kurz vor 8 Uhr. Spätes- tens im Frühstücksraum will Trainer Christian Streich (46) vom Mannschaftsarzt wissen, wie es um das Befinden der angeschlagenen und verletzten Sorgenkinder bestellt ist. Von früh morgens bis zur Nachtruhe um 23 Uhr arbeitet die medizinische Abteilung, zu der neben dem Arzt die drei Physiotherapeuten Uwe Vetter, Tor- ge Schwarz und Markus Behrens zählen, durch. „Trainingslager organisieren heißt auch im- provisieren“, sagt Dr. Aust. In knapp acht Jahren als Team-Doc gab es schon manchmal Situa- tionen, die Improvisationstalent erforderten.

„Einmal haben wir kurzfristig einen Kieferchirurgen benötigt, weil nach einer Weisheitszahn-OP eine Ent- zündung auftrat“, erinnert er sich. Dieses Malheur war 2008 Torhüter Alexander Walke widerfahren. Für die Alltagsfälle braucht die medizinische Abteilung des Sport- clubs indes keine fremde Hilfe. In „etlichen großen Kisten“ (Dr. Aust) ließ der Verein mobile Geräte für Elektrotherapie, Tiefenwärme, Verbands- und Tapematerial so- wie zahlreiche Medikamente (von der Kopfschmerztablette bis zum

Foto: Schön
Foto: Schön

Koffer:

Teamarzt Dr.AndreasAust.

Mediziner

mit

Durchfallmittel) nach Andalusi- en transportieren. Zudem ist Dr.Aust, der bei der Uniklinik Freiburg angestellt ist, Hauptverantwortlicher für die Einhaltung der Dopingricht- linien. Weshalb sein Handy das ganze Jahr auf Empfang steht. „Einmal rief ein Spieler um 3 Uhr nachts an und fragte: ‚Doc, darf ich Viagra nehmen?‘“ Die Bestimmungen sprachen nicht dagegen – und da es nicht im Trainingslager war, auch der Doc

nicht.

MICHAEL EBERT

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BUNDESLIGA

kicker, 12. Januar 2012

AUS HAMBURGS TRAININGSLAGER IN MARBELLA BERICHTET SEBASTIAN WOLFF Hamburgs TORHÜTER ist weiter in Top-Form. Das
AUS HAMBURGS
TRAININGSLAGER
IN MARBELLA
BERICHTET
SEBASTIAN WOLFF
Hamburgs TORHÜTER ist
weiter in Top-Form.
Das Werben des Klubs
um den Bayer-Keeper
ist für ihn kein Thema.
Im Training explodiert
er: Hamburgs Torwart
Jaroslav Drobny.
Drobny: Adler lässt ihn kalt
Foto: Witters

E igentlich ist alles wie immer. Wenn Jaroslav Drobny (32) Pause hat, dann geht der Tsche-

che nicht, er schlurft. Vom Trai- ningsplatz. Durch die Lobby des Gran Hotel Guadalpin Banus. Nur zwischen den Pfosten explodiert er. In jeder Einheit, in jedem Test- spiel, jüngst mehrfach am Dienstag beim 2:1 gegen Den Haag. Auch das ist ein gewohntes Bild vom Hin- runden-Ende. Thorsten Fink (44) konstatiert deshalb trocken: „Er ist richtig gut drauf. Aber ich bin nichts anderes von ihm gewohnt.“ Den- noch naht das Ende des Status der Unantastbarkeit. Der Grund: René Adler (26, der kicker berichtete). Drobny antwortet auf die Frage

nach dem im Sommer ablösefreien Leverkusener so unaufgeregt wie

auf alles. „Es ist nicht mein Thema.“ Still hat er sich in der persönlichen Krise zum Saisonstart verhalten, ru- hig war er nach seinem Aufschwung geblieben, sparsam bleibt er auch jetzt mit Worten. „Zu Beginn der Serie, als es nicht lief, brauchte ich ein wenig Ruhe. Jetzt, da es läuft, will ich mich nicht gleich hinstel- len und den Lautsprecher machen.“ Teamintern steht der Keeper hoch im Kurs, ist im Kreise der Kolle- gen deutlich kommunikativer als in der Öffentlichkeit. Die Verant- wortlichen registrieren ebenso den Formanstieg und die Ausstrahlung Drobnys auf seine Mitspieler. Den Kontakt zu Adler aber haben sie geknüpft, als der Ex-Herthaner be- denklich gewackelt hat. Nun geht es um die Zukunft: Drobnys Vertrag

endet 2013, Adler ist fünfeinhalb Jahre jünger, könnte auf Dauer die Torwart-Position in Hamburg be- setzen. Milliardär Klaus-Michael Kühne soll zwar wieder einsteigen an der Elbe, eher aber im Sommer Finks Wunschspieler Granit Xha- ka (19, FC Basel) ermöglichen. In der Personalie Adler ist der Un- ternehmer und HSV-Fan offenbar keine Triebfeder, vielmehr spielt nach kicker-Informationen HSV- Ausrüster und Adler-Partner Adidas eine große Rolle bei dem geplanten Transfer. Konkrete Gespräche zwischen HSV-Sportchef Frank Arnesen (55) und dem Nationalkeeper sowie dessen Berater Jörg Neubauer sind verbrieft, abgeschlossen ist der Deal noch nicht, eine vorzeitige Verkün-

dung soll zudem den Aufschwung von Drobny nicht gefährden. Der aber wirkt ohnehin gefestigter denn je. „Am Anfang wollte ich zu viel. Jetzt mache ich einfach nur mei- nen Job. Viel mehr zu sagen habe ich nicht. Ich will die Leute ja nicht langweilen.“

Foto: firo
Foto: firo

Im Juli ablösefrei: René Adler.

Problemzone Doppel-Sechs: Kacar ist angeschlagen und hinkt hinterher – die Chance für Tesche

Finks Suche nach dem Partner für „Fighter“ Rincon

1Den Titel Gewinner des Trainerwechsels hatte Tomas Rincon (23) bereits vor dem Abflug nach Marbella errungen. In Spanien nun untermauer- te der resolute Mittelfeld-Abräumer seine Positi- on. Der Venezolaner präsentiert sich unverändert griffig und widerborstig, ist bei Thorsten Fink gesetzt. „Tomas ist ein Spieler, der mich über- rascht hat. Er hat das Herz am rechten Fleck, ist ein echter Fighter, mit ihm kann ich mich identifizieren“, lobt der Coach. Probleme bereitet ihm nur die Suche nach Rincons Partner auf der Doppel-Sechs. Ab dem kommenden Sommer soll möglichst Basels Granit Xhaka (19) die Rolle als spielstarker Nebenmann von Kampfmaschine Rincon ein- nehmen, kurzfristig fahndet Fink noch nach der passenden Lösung. Klar ist: Den abwanderungs- willigen Ex-Kapitän David Jarolim (32) sieht er aufgrund ähnlicher Vorzüge und Defizite als Rin- con-Ersatz, nicht aber als dessen Partner. Gojko

Kacar (24), unter dem neuen Coach bislang ge- setzt, avancierte derweil zum Verlierer des am heutigen Donnerstag endenden Trainingslagers. Grund: Wegen einer Fußprellung verpasste der Serbe sämtliche wichtigen Testspiele – angesichts

Foto: Witters
Foto: Witters

Der Gewinner des Trainerwechsels: Tomas Rincon (rechts) ist bei Thorsten Fink gesetzt.

des Umstands, dass er ohnehin seit Monaten um die nötige Fitness ringt, ein aktuell schier unein- holbarer Rückstand. Fink nüchtern: „Für Gojko ist die Situation nicht glücklich.“ Nutznießer ist derzeit Robert Tesche (24). Dem bescheinigte bislang jeder HSV-Trainer das nötige Potenzial, aber eben auch ein gewisses Phlegma. Fink stuft den Ex-Bielefelder, immerhin schon im dritten Jahr bei den Hanseaten, ganz offensichtlich ähnlich ein. „Gegen Den Haag“, lobte er nach dem 2:1 im letzten Härtetest von Marbella, „ist Robert aus sich rausgegangen. Das muss er jetzt dauerhaft zeigen.“ Gegen die Holländer überzeugte Tesche tatsächlich mit in- telligenter Spieleröffnung, war deutlich sichtbar um Präsenz bemüht und unterstreicht seinen Anspruch: „Natürlich will ich die Chance nut- zen und spielen.“ Zumindest zum Saisonstart bekommt er Gelegenheit dazu und vorerst den letzten freien Platz in Finks Startelf.

kicker, 12. Januar 2012

BUNDESLIGA

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Ohne Naldo: Notplan mit Sokratis

AUS BREMENS Und sieht sich und seine Kollegen in der Pflicht: TRAININGSLAGER IN BELEK BERICHTET
AUS BREMENS
Und sieht sich und seine Kollegen in der Pflicht:
TRAININGSLAGER
IN BELEK
BERICHTET
H.-G. KLEMM
Der Abwehrchef ist
verletzt. THOMAS SCHAAF (50)
muss improvisieren.
„Verteidigen fängt schon vorne an.“
Hinten ist Schaaf gezwungen zu improvisieren
– auch durch die Zwangspause für Naldo (29,
Foto). Mit einer Außenbanddehnung am linken
Knie fehlte dieser ebenso wie der Kreativspieler
Aaron Hunt (25, Adduktoren) in der Vorberei-
tung. „Es geht mir besser. Am Freitag werde ich
untersucht“, berichtet Naldo. Dann entscheide
sich, wann er einsteigen kann.
„Ärgerlich“, sagt Manager Klaus Allofs (55)
über die Ausfälle, „wenn man etwas probie-
ren will.“ Also wurde der Notfall geprobt:
S eine Anweisungen drangen bis auf die Fan-
Tribüne vor, die eigens auf dem Trainings-
gelände der Bremer in letzter Sekunde
errichtet worden ist. „Wenn wir so vertei-
digen, ist es okay“, hielt Thomas Schaaf
eine kurze Ansprache an seine Spieler
bei einer der vielen Unterbrechungen des
Übungsbetriebs, „im Spiel nach vorn können wir
es ohnehin.“ Originalton Schaaf in Belek. Mehr
Lob als Tadel verteilte der Sportlehrer an seine
Schützlinge. Im Gespräch mit dem kicker beim
Fazit des achttägigen Aufenthalts in der Türkei
brachte der Perfektionist zwar nicht Worte der
Zufriedenheit über seine Lippen, doch er wür-
digte Engagement und Lernwillen seiner Truppe:
„Es gefällt mir, wie die Spieler es angingen und
umsetzten, was wir im Defensivverhalten verbes-
sern wollen. Wir haben die Zeit genutzt.“
Verteidigen stand auf dem Stundenplan. Ab-
wehrarbeit in allen Mannschaftsteilen. Auto-
matismen wurden eingeübt, zudem Disziplin
und Verhaltensformen, damit die Ordnung nicht
verloren geht, wie bei den hohen Niederlagen
in Gladbach oder Schalke. Die Werder-Profis
wissen, dass sie in dieser Hinsicht enormen
Nachholbedarf haben. „Wir haben vie-
le taktische Fehler gemacht, die uns
viele Gegentore gekostet haben“, sagt
Claudio Pizarro (33). Der Führungs-
spieler aus Peru versteht daher, dass
es Nachhilfe in Sachen Defensive gab.
Sokratis (23) im Zentrum neben Prödl (24),
Fritz (31) als rechter Verteidiger. Ob Sokratis
die neue Rolle gefällt? „Innen habe ich schon
immer gespielt, auch in der Nationalelf“, sag-
te der Grieche. Ob er diesen Part bevorzuge,
wollte er nicht sagen. „Der Mister entscheidet.“
Mit „Mister“ meint er Schaaf. „Ich bin nicht
so fixiert“, ließ dieser vieles offen, wenngleich
es durchaus sein könnte, dass Sokratis neben
einem gesunden Naldo die Zentrale der Abwehr
bilden könnte. Das neue Bollwerk gegen die Flut
an Gegentoren, sage und schreibe 31 Stück in der
ersten Halbserie. Einem würde dies nicht schme-
cken: Sebastian Prödl, im Sommer ablösefrei.
Er bestätigte Kontakte zu italienischen Klubs,
zu Lazio Rom und zu AC Florenz. Doch noch ist
die Zukunft offen beim Österreicher, den Allofs
schätzt: „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir
mit ihm weiterarbeiten.“
Gesprächsstoff genug in der Werder-Deckung,
der Schaaf nach dem Test gegen Alkmaar „gute
Stabilität“ bescheinigte. Vor fast genau vier Jah-
ren hatten die Norddeutschen zuletzt in Belek
gewonnen, danach begann der Belek-Fluch, der
am Mittwoch endete: 2:1 gegen den niederlän-
dischen Spitzenreiter, bei dem der junge Tom
Trybull (18) sich bewährte. Endlich wieder ein
Erfolgserlebnis auf türkischem Boden, das die
Zuversicht von Hans Schulz, Ex-Profi aus dem
Aufsichtsrat und Berobachter vor Ort, nährte:
„Ich habe viele positive Dinge gesehen.“
Foto: nph/Kokenge

NEUSTART I: Boenisch spielt auf Bewährung

„Ich will auch rechts Gas geben“

1Auch Profi-Fußballer können sich mitunter freuen wie kleine Kin- der. Bei Sebastian Boenisch (24), seit September 2010 auf der Kran- kenliste wegen seiner Knieproble- me, ist dies der Fall – erst recht nach seinem Comeback gegen Alkmaar nach 16 Monaten Pause. „Ich bin ganz einfach happy“, drückt der Abwehrspieler seine Glücksgefüh- le aus, „dass ich wieder dabei bin.“ Für ihn sei es ein „Neustart, weil ich lange draußen war“. Nun hofft er, „dass mein Knie hält“. Natürlich horcht der polnische Nationalspie-

ler, der auf die EM-Teilnahme hofft, genau hinein in sein lädiertes Ge- lenk: „Alles ganz auszublenden, dies gelingt nicht.“ Der Anfang fiel schwer. Die Jun- gen hätten viel Tempo drauf. Wäh- rend der Tage in der Türkei wollte er den Grundstein legen, um sich heranzuarbeiten. „Ich will Gas ge- ben, auch auf rechts.“ Notfalls will er dort verteidigen. „Von Haus aus bin ich Rechtsfüßer.“ Dass er um einen Vertrag spielt, somit auf Be- währung, ist ihm bewusst. „Normal, dass ich auf dem Prüfstand stehe.“

NEUSTART II: Ekici zeigt nun mehr Aktivität

„Ich will zum Stammspieler reifen“

1Alles auf null. So sieht Mehmet Ekici (21) seine Situation zum Jah- reswechsel. Der Deutsch-Türke will in der zweiten Halbserie einen Neu- start hinlegen: „Ich will bei Werder zum Stammspieler reifen. Ich habe das Ziel und den Anspruch, zu ei- nem großen Spieler zu werden.“ Ganz oben auf seinem Wunsch- zettel steht die Bitte um Gesund- heit. Im Sommer zwickte die Leis- te. Ekici musste das Trainingslager abbrechen. Nun in Belek, in sei- ner Heimat, lief es besser, er übte ohne Probleme. Und trumpfte auf.

Sonderlob von Trainer Schaaf: „Er zeigte Aktivität und war effektiver.“ Nur 14 Einsätze, keinen über die volle Distanz, nur ein Tor, kicker- Note 3,93 bislang. Als Flop wurde er eingestuft. „Damit beschäftige ich mich nicht. Ich habe noch vier Jahre Vertrag.“ Mit Werder will er in die Champions League. Auch in der türkischen Nationalelf hofft er auf einen Neubeginn unter dem Neu- Coach Avci. Dieser sandte sei- ne Assistenten Tayfun Korkut und Orkan Buruk nach Belek, um Kon- takt aufzunehmen.

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BUNDESLIGA

Wichtig: Nürnbergs Innenverteidiger Maroh (links) und Wollscheid. Foto: imago
Wichtig: Nürnbergs
Innenverteidiger
Maroh (links)
und Wollscheid.
Foto: imago

Maroh

Die Abwehr bereitet

DIETER HECKING (47)

Sorgen. Alternativen zu den beiden gesetzten Innenverteidigern hat der Trainer derzeit nicht.

gesetzten Innenverteidigern hat der Trainer derzeit nicht. AUS NÜRNBERGS TRAININGSLAGER IN BELEK BERICHTET FRANK

AUS NÜRNBERGS

TRAININGSLAGER

IN BELEK

BERICHTET

FRANK LINKESCH

1Dienstende nach 45 Minuten ge- gen de Graafschap (4:1), Dominic Maroh durfte zum Duschen. Eine Vorsichtsmaßnahme, der Hüftbeu- ger zwickte etwas. Danach vertei- digte Timmy Simons (35) neben Philipp Wollscheid. Der etatmäßi- ge Sechser als Notlösung, der am Dienstag seinen Vertrag bis 2014 verlängerte (kicker online berich- tete). Vier gelernte Innenverteidi- ger stehen im Kader. Alternativen hat Trainer Dieter Hecking aktuell nicht. Und im Sommer gibt es si- cher Veränderungen. Ein Überblick:

Philipp Wollscheid (22): Die einfachste

Ein Überblick: Philipp Wollscheid (22): Die einfachste HANNOVER: Kein Neuer, Absagen auch aus Wolfsburg –

HANNOVER: Kein Neuer, Absagen auch aus Wolfsburg – Belastungsprobe für das Duo

Slomka drängt – Schmadtke beruhigt

AUS HANNOVERS TRAININGSLAGER I N V. N. DE C ACE L A BERICHTET M. RICHTER TRAININGSLAGER I N V. N. DE C ACE L A BERICHTET M. RICHTER

1Auch am achten Tag an der por- tugiesischen Algarve war bei 96 kein neuer Sürmer in Sicht. Das Ringen um Verstärkung für den Angriff ge- rät in Hannover mehr und mehr zur Belastungprobe der Hauptver- antwortlichen, Mirko Slomka (44) und Jörg Schmadtke (47). Verständlich erscheint der Ruf des Trainers nach mehr Stabilität durch zusätzliches Personal. Nach der Verletzung und dem vorüber- gehenden Ausfall von Moa Abdella- oue (26, Adduktoren), den deutlich sichtbaren Defiziten von Artur So- biech (21) und in Abwesenheit von Didier Ya Konan (27, Afrika-Cup) ist die Spielerdecke qualitativ wie quantitativ für Slomka zu dünn.

Seinem Drängen, einen (Bundes- liga-)erfahrenen Mann zu holen, um in der Liga die oberen Plätze wirklich attackieren und in der Europa League weiterzukommen, wollte Jörg Schmadtke grundsätz- lich durchaus nachkommen. Selbst wenn der Manager betont: „Ich ma- che nur Sachen, die vernünftig sind und bei denen es nicht so viele Fra- gezeichen gibt.“ Auf dem deutschen Markt aber blitzte Schmadtke mehrfach ab: „In der Bundesliga geht nichts, einige Spieler wollte der Trainer nicht.“ Und als ob er die Schwierigkeiten verdeutlichen wollte, riet Schmadt- ke Slomka, sich doch selbst einen Einblick zu verschaffen – etwa auf der Wolfsburger Abschussrampe mit zunächst noch Srdjan Lakic (28) oder Patrick Helmes (27). Tatsäch- lich telefonierte Slomka Sonntag und Dienstag mit seinem VfL- Kollegen Felix Magath (58). „Aus

unterschiedlichen Gründen gibt Wolfsburg keine Spieler an Han- nover ab“, berichtete der 96-Coach und kündigte an, sich nach klarer Formulierung seiner Anliegen nun- mehr zurückkhalten wolle. Aber auch Spieler wie etwa Jan Schlaudraff (28) betonen, dass fri- sches Blut und neue Qualität dem Kader guttäten. Jörg Schmadtke unterdessen hofft, dass sich die aktuelle Aufregung wieder legt. Er beruhigt: „Reden wir über Fakten. Wie lange fehlt ein Moa Abdellaoue noch verletzt? Nur noch ein paar

Foto: imago/DeFodi
Foto: imago/DeFodi

Gelassen: Manager Schmadtke.

Tage.“ Und Ya Konan? Schmadtke kritisch: „Er hat keine gute Hin- runde gespielt! Jetzt klingt es so, als sei er der wichtigste Spieler.“ Wenn der Ivorer von seinen Län- derspielen zurück sei, habe man „den identischen Kader wie vor der Winterpause zusammen“. Einen Ka- der, mit dem Hannover sich in der Bundesliga und international in der Hinrunde ordentlich verkaufte. Um dessen Aufstockung es nun jedoch einigen Zündstoff gibt. Und weitere Bemühungen über den bekannten Top-Kandidaten Mushaga Bakenga (19, Trondheim) hinaus. Mittwochnachmittag nahm Schmadtke den 320-Kilometer-Trip von Vila Nova de Cacela nach Lis- sabon in Kauf, um vielleicht beim Pokalspiel Sporting gegen Nacional Funchal fündig zu werden. Damit aus der Belastungsprobe keine Zerreißprobe für die 96-Obe- ren wird.

kicker, 12. Januar 2012

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mit Perspektiven

Personalie. Er ist gesetzt in seinem letzten halben Jahr beim Club, ehe er nach Leverkusen wechselt. „Ich will mich erfolgreich verabschie- den, wir werden nicht absteigen“, verspricht er. Dominic Maroh (24): Die kurioseste Personalie. Lange außen vor, ohne Perspektive, wollte er nur noch weg. Doch als Timm Klose patzte, er- hielt Maroh seine Chance und wird auch zum Rückrunden- auftakt spielen: „Ich muss meine Chance beim Schopf packen. Spielen wir als Mannschaft gut, dann gibt es auch keinen Grund, mich wieder rauszunehmen“, sagt Maroh, dessen Vertrag ausläuft. Eine Ver- längerung galt beiderseits lange als nahezu ausgeschlossen, doch die Situation hat sich verändert: „Es ist alles offen, man muss die nächsten Wochen abwarten. Ich lebe und liebe diesen Verein.“ Allerdings hat Maroh nicht vergessen, dass er lan- ge das vierte Rad am Wagen war. Und seine Verhandlungsposition gegenüber dem Club und anderen Vereinen hat sich mit den Einsätzen schlagartig verbessert. „Ich glaube, dass man nach dreieinhalb Jahren in Nürnberg weiß, was man an

mir hat und was ich kann“, sagt er selbstbewusst. Timm Klose (23): Hecking setzte lan- ge auf den Schweizer, der sogar in der Nationalelf debütierte. Doch dann verursachte er die Niederlage gegen Freiburg (1:2) in der Schluss- minute. Nach dem Schlusspfiff flossen öffentlich Tränen. Seitdem sitzt Klose draußen, nun verpasst er wegen eines Muskelfaserris- ses zumindest die ersten zwei Spiele. „Meine Pläne haben anders ausgesehen.“ Per Nilsson (28): Der Schwe- de spielte wegen einer Achil- lessehnen-OP in dieser Saison noch keine Minute. In Belek tastet er sich wieder an die Mannschaft. „Ich fühle mich gut, es wird im- mer besser.“ Vor Mitte Februar ist ein Einsatz jedoch unrealistisch. Hecking baut mittelfristig auf ihn und zieht einen Vergleich zu Bre- mens Naldo: „Der war noch länger verletzt, dann hat er ganz schnell wieder seine Form gefunden.“ Und wenn alle Stricke reißen, gibt es ja noch den unverwüstlichen Simons. Oder die Option, noch je- manden zum Ende der Transferpe- riode zu verpflichten, ausgeschlos- sen ist das nicht.

riode zu verpflichten, ausgeschlos- sen ist das nicht. NÜRNBERG: US-Nationalspieler ist verletzt Heckings Kritik

NÜRNBERG: US-Nationalspieler ist verletzt

Heckings Kritik an Chandler

1Am Mittwochabend traf Javier Pinola von Buenos Aires via Paris in Belek ein. Nach einer Scham- beinentzündung geht es dem Linksverteidiger besser, mit einem Comeback ist dennoch erst Mitte, Ende Februar zu rechnen. Im Ge- päck hat er eine Anfrage des ar- gentinischen Ex-Meisters CA Lanus. „Da ist nichts dran. Es gibt immer wieder Anfragen aus der Heimat, aber dafür fühlt sich Pino noch zu jung, er will beim FCN bleiben“, dementiert sein Berater Marcelo Carracedo. Sein Pendant auf rechts, Timo- thy Chandler, sitzt im ersten Rück- rundenspiel gegen Hertha BSC das letzte seiner drei Spiele Sperre ab. Zudem verletzte sich der US- Nationalspieler im Test gegen de Graafschap am linken hinteren Oberschenkel. Eine Einblutung, auch ein Muskelfaserriss konnte am Mittwoch nicht ausgeschlossen werden. Richtig in Form präsen- tiert sich Chandler derzeit ohnehin nicht, auch Dieter Hecking zeigte sich in den Tagen von Belek eher unzufrieden mit ihm. „Der Trainer erwartet mehr von mir, das versuche ich umzusetzen“, sagt Chandler, der sich eine länge- re Winterpause gewünscht hätte:

Foto: Zink
Foto: Zink

Erste Hilfe: Chandler mit Dr. Brem.

„Ich habe fast immer 90 Minuten gespielt, dazu die Reisen mit der Nationalmannschaft.“ Über das Angebot des VfB Stutt- gart mache er sich derzeit keine Gedanken. Trotzdem gut möglich, dass es ihn im Sommer gen Schwa- ben zieht, auch wenn der Club mit einer Ausdehnung des Vertrages um zwei Jahre bis 2015 lockt und ihn nicht für weniger als 2,5 Milli- onen Euro gehen lassen dürfte. Für den Fall eines Abgangs sieht sich der FCN um, nach kicker-Informa- tionen soll Stefano Celozzi (23) ein Kandidat sein. Dessen Vertrag beim VfB Stuttgart läuft am Saisonende aus.

Vertrag beim VfB Stuttgart läuft am Saisonende aus. BERLIN: Die ersten Eindrücke nach der Schnupperphase mit

BERLIN: Die ersten Eindrücke nach der Schnupperphase mit dem neuen Trainer

Skibbe gibt sich als Gute-Laune-Onkel

AUS HERTHAS

TRAININGSLAGER

IN BELEK

BERICHTET

H.-G. KLEMM

1Die Schnupperphase ist vorbei. Neun Trainingstage, erste Test- spiele, viele Gespräche, somit eine Menge Eindrücke, die Michael Skib- be (46) in seiner ersten Arbeitswo- che bei seinem neuen Arbeitgeber gewinnen konnte. Der Neu-Trainer der Berliner Hertha gibt sich in je- der Hinsicht als Gute-Laune-Onkel, wenn er rund um das Luxus-Hotel Cornelia seinen Job verrichtet. Im- mer ansprechbar für Akteure und Anhänger, auch für die Medien. „Ich bin in vielerlei Hinsicht be- stätigt worden“, sagte Skibbe dem kicker, befragt zu den ersten Ein- drücken. „Der Kader ist gut besetzt. Die Elf spielt homogen, steht kom- pakt.“ Viele neue Erkenntnisse, gibt

der Coach zu, habe er noch nicht gewinnen können. Was nicht von Nachteil sein muss: Sein Bild von der Hertha, das er mit an die Spree gebracht hat, hat sich bewahrhei- tet. Der Babbel-Nachfolger kann als neuer Kapitän weitgehend den Kurs beibehalten, mit dem der Aufsteiger in der Hinrunde mehr als erfolg- reich durch die erste Liga segelte. Keine gewaltige Kurskorrektur durch Skibbe, aber doch schon leichte Akzentverschiebungen, die im Mannschaftskreis aufmerksam registriert werden. Der neue Vor- gesetzte mache „Lust auf Mehr“, be- tont Peter Niemeyer, wenn er über die Anfänge der Zusammenarbeit spricht. Skibbe und Babbel – erste Vergleiche zwischen den beiden Vorarbeitern werden angestellt. Die Differenz, die alle Beobachter des Treibens bei der Berliner Hertha ansetzen und die auch von den Pro- fis bestätigt wird: Babbel war mehr

der Beobachter, Skibbe ist nicht nur dabei, sondern mittendrin. Er mischt sich ein, greift mehr ein, lei- tet die Übungsstunden. Dieses unterschiedliche Erschei- nungsbild hat auch Änis Ben-Hatira (23) gewonnen, der ansonsten die- ses Urteil fällt: „Beide lassen viel mit dem Ball arbeiten und machen einen ruhigen Eindruck.“ Der Offen- sivspieler zählt zu den Hertha-Ak- teuren, die sich einen Aufschwung durch den neuen Coach erhoffen. Wie Fabian Lustenberger (23), wie Tunay Torun (21), wie Ronny (25),

Foto: imago/Camera4
Foto: imago/Camera4

Gut drauf: Michael Skibbe.

unter Babbel nicht erste Wahl. „Alle fangen wieder bei null an“, glaubt der Deutsch-Tunesier nach dem Wechsel. „Natürlich hoffen einige, dass sie nun zum Zuge kommen – ich auch.“ Eine Personalfrage hat Skibbe derweil schon geklärt: Ein neuer Innenverteidiger wird im Winter nicht geholt, was nach der Verlet- zung von Maik Franz zumindest diskutiert worden ist. Skibbe stuft die Hertha in diesem Bereich als „gut besetzt“ ein. Auch die Lage bei den angeschlagenen Spielern stellt sich aus Skibbes Sicht mo- mentan nicht dramatisch dar. Zu- letzt absolvierten Andre Mijatovic (32, Sprunggelenk), Pierre-Michel Lasogga (20, Probleme am Syndes- moseband), Christian Lell (27, Wa- denverhärtung) und Thomas Kraft (23, Rückenbeschwerden) nur ein reduziertes Programm. Keine Ge- fahr, dass sie lange ausfallen.

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BUNDESLIGA

kicker, 12. Januar 2012

Foto: imago/Simon

Magaths Kampf um Mandzukic

Begehrter Torjäger: Wolfsburgs MARIO MANDZUKIC (25) steht bei einigen Topklubs auf dem Einkaufszettel. Der Stürmer aber signalisiert, dass er seinen Vertrag gerne verlängern würde. Der VfL gibt deshalb Gas.

AUS WOLFSBURGS T R A I N I N G S L A G E

AUS WOLFSBURGS T R A I N I N G S L A G E R IN DUBAI BERICHTET THOMAS HIETE

entgangen sein, dass er sich auf die Einkaufszettel anderer Vereine gespielt hat. Allen voran Totten- ham Hotspur ist heiß auf den Stürmer. Der kicker

Beobachter auf der VfL-Tribüne, auch in den Play-off-Spielen der Kroaten gegen die Türkei (3:0, 0:0) wurde Mandzukic in- tensiv unter die Lupe ge-

„dann weiß ich, dass ich etwas gut gemacht habe.“ In den vergangenen Mona- ten hat er sogar sehr viel gut ge- macht. Mit seinen Treffern be-

D as erste Trainingslager-Testspiel des VfL Wolfsburg am Dienstag in Dubais Nachbar-Emirat Abu

weiß: Am letzten Hin- rundenspieltag gegen Stuttgart (1:0) saß ein

nommen. „Natürlich freut mich das, wenn Interesse besteht“, sagt Mandzukic,

wahrte er den Klub zunächst vor dem Abstieg, nicht auszudenken, wo Wolfsburg nun ohne die acht Mandzukic-Tore in der Hinrunde

Dhabi gegen Al Jazira Club (3:1) verfolgte Mario Mandzukic (25) et- was überraschend von der Tribüne aus. Dabei handelte es sich jedoch weder um eine Strafaktion oder ei-

 

stehen würde. Obendrein schoss er Kroatien zur Europameisterschaft. Dort sieht er im Sommer seinen vorläufigen Karrierehöhepunkt. „Das wird mein erstes großes Tur-

nen Denkzettel für den Stürmer, sondern vielmehr um eine Belohnung. „Mario ist konditionell sowieso top“, erklärte Trainer Felix Magath (58)

nier. Ich bin jetzt Stammspieler in der Nationalmannschaft, die- sen Platz will ich behalten.“ Und mit Wolfsburg? Da will er hoch hinaus, natürlich. Das interna-

die

Pause für Mand-

tionale Geschäft bleibt

zukic, der bei den in- tensiven Einheiten in der Hitze Dubais wie immer einen enorm fit- ten Eindruck hinterließ. Einen Verzicht auf seinen

 

sein Ziel, mit den Winter- Verstärkungen sieht er sei- nen Klub nun besser aufgestellt. „Ich lebe jeden Tag im Glauben, dass wir die internationalen Plätze noch erreichen können.“ Und wenn

Torjäger kann und will sich

 

Wolfsburgs

nicht? „Schwer zu sagen …“ Der VfL

der

VfL sowieso nicht erlauben.

Torgarant:

Wolfsburg täte wohl gut daran, Leis-

Im

Gegenteil: Magath, gleichzei-

Mario

tungsträger Mandzukic noch län-

tig

auch der Manager, bemüht sich

Mandzukic.

ger an sich zu binden. Nicht, dass

um eine Vertragsverlängerung mit dem Kroaten. Denn es ist bekannt:

 

dieser noch auf andere Gedanken kommt …

Längst buhlen zahlreiche interna- tionale Topklubs um die Dienste des Angreifers (der kicker berichte- te). Der VfL aber hat offenbar gute Chancen. Mandzukic sendet posi- tive Signale: „Ich fühle mich wohl

in Wolfsburg, ich will hier bleiben.“ Die Gefahr für den VfL sind je- doch die Ambitionen des Kroaten. Mandzukic macht keinen Hehl dar- aus, dass er lieber heute als morgen international spielen möchte. Kann ihm Wolfsburg das bei derzeit sechs Punkten Rückstand auf Platz sechs in der nächsten Saison bieten? Und was ist, wenn sich Mandzukic im Sommer bei der EM noch mehr in den Blickpunkt europäischer Spit- zenklubs spielt? Deswegen gibt Fe-

lix Magath Gas, könnte schon zu

Rückrundenbeginn eine Verlänge- rung des 2014 auslaufenden Kon- trakts Mandzukics inklusive Anhe- bung dessen Gehalts ausgehandelt haben. „Wenn der Trainer meint, dass wir das machen sollen, dann freut mich das“, sagt der Torjäger in Dubai im Gespräch mit dem kicker. Gleichwohl dürfte auch ihm nicht

WOLFSBURG: Klarheit auch bei Pilar

Rodriguez ist gelandet

1Das zähe Ringen zahlt sich aus. Der VfL Wolfs- burg schlägt wie erwar- tet noch einmal auf dem Transfermarkt zu und ver- pflichtet die voraussichtlich letzten beiden Spieler dieses Winters. Geeinigt hat sich Trainer-Manager Felix Ma- gath mit dem FC Zürich über einen Transfer von Linksver- teidiger Ricardo Rodriguez (19). Die Schweizer kamen dem VfL in ihren Forderungen entgegen, sodass sich die Transfersumme nun auf rund 7,5 Millionen Euro beläuft. Rodriguez soll am heutigen Donnerstag im VfL-Teamhotel in Dubai seinen bereits ausgehandel- ten Vertrag bis 2016 unterschreiben. „Bei Wolfsburg hatte ich das Gefühl, dass man mich unbedingt will. Zu-

dem war die Bundesliga ein Traum von mir“, sagte Rodriguez dem Blick vor seinem Abflug in Richtung VfL. Der Schweizer Nationalspieler war Wolfsburg kurz vor Weihnachten angeboten worden. Zahlreiche Vereine, unter anderem Paris St.- Germain, buhlten um das Talent, das beim VfL aufgrund der hohen Ablöse als Vorgriff auf den Sommer gesehen wird. Deutlich billiger, nämlich 1,5 Millionen Euro, ist dagegen Vaclav Pilar (23). Der Tscheche er- hält einen Vertrag bis 2015, seine Klubs Hradec Kralove und Viktoria Pilsen, wohin der offensive Außen- bahnspieler verliehen ist, haben sich geeinigt. Am Mittwoch waren die Verträge vorbereitet, Pilar wird VfL-Neuzugang Nummer neun in diesem Winter.

kicker, 12. Januar 2012

BUNDESLIGA

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-Starschnitt

Kapitän findet Konzept

Mit der Taktik von Stale Solbakken (43) tat sich GEROMEL (26) anfangs schwer. Jetzt will Kölns Spielführer wieder der Alte werden.

Jetzt will Kölns Spielführer wieder der Alte werden. AUS KÖLNS T R A I N I

AUS KÖLNS

T R A I N I N G S L A G E R

IN PORTIMAO

BERICHTET

S TE PHAN V. NO CKS

1Seit dem Sommer ist er FC-Ka- pitän – und erlebte wie einst Yous- sef Mohamad mit der Übernahme des Amts einen Leistungseinbruch. Eine Meniskusoperation sorgte zu- dem dafür, dass Pedro Geromel, der 2008 zum FC kam, zum zweiten Mal wie zuvor im Sommer 2010 nicht in der kicker-Rangliste auftauchte. Sein Wellental erklärt er mit der taktischen Umstellung unter Stale Solbakken: „Alle diese neuen Din- ge und das neue Konzept waren schwierig für mich. Man hat viel gedacht. Wir hat- ten anfangs große

Probleme damit, aber jetzt ist es au- tomatisiert“, gibt sich der Abwehr-

chef optimistisch. „Wir können auf dem nächsten Level arbeiten, werden eine gute Rückrunde spielen.“ Trotz der Probleme bewertet er die Kapitänszeit positiv: „Ich habe mehr Verantwortung. Das war wichtig für meine Entwicklung.“ Die des FC soll kommende Spielzeit Richtung Europacup-Plätze gehen. „Das kann nächste Saison das Ziel sein. Der FC hat alles für einen gro- ßen Klub.“ Der er (noch) nicht ist. Will Geromel (Vertrag bis 2014), der im September 27 wird, den Sprung zu einem Spitzenklub schaf- fen, muss dieser bald erfolgen. „Das ist klar“, weiß der Brasilianer, „aber ich muss in der Gegenwart arbei- ten.“ Um wieder der Alte zu sein, dem nur dann mit seinem Potenzial viele Türen offenstehen würden. Sollte er wechseln, würde der FC nicht die komplette Ablöse kas- sieren, da Franz-Josef Wernze bei der Finanzierung des Technikers mitwirkte. Eine weitere Beteiligung des Investors scheiterte: Als der FC im Sommer für den Kauf von Sa- scha Riether und Mato Jajalo Geld

Auftaktspiel fraglich

Podolski: „Ich habe einen Bänderanriss“

1Eine Verletzung, nach FC-Angaben an der Haltestruktur der Strecksehne des Fu- ßes, bremst Lukas Podolski (26). kicker: Herr Podolski, wann können Sie wieder spielen? Lukas Podolski: Ich habe einen Bänder- anriss. Ich habe das Ziel, gegen Schalke wieder richtig fit zu sein. kicker: Haben Sie also den Rückrunden- auftakt in Wolfsburg abgehakt? Podolski: Nein, natürlich lässt man sich ein Hintertürchen offen. kicker: Sie trainierten bislang nicht mit dem Team. Wie problematisch ist dies? Podolski: Ich hoffe, dass ich bald wieder mit der Mannschaft trainieren kann. Wann ich wieder einsteige, ist aber nicht so wichtig. Ich habe nicht viel verloren. Aber es ist mein linker Fuß, mit dem ich alles mache. Da muss ich vorsichtig sein. Ich kann der Mannschaft nur helfen, wenn ich fit bin.

Foto: Bopp
Foto: Bopp

Optimistisch: Pedro Geromel (r.), im Duell mit Kevin McKenna.

benötigte, hatte der Klub dem Un- ternehmer ein Angebot zugeschickt. Dieses wurde von Wernze nicht un- terschrieben. Und so zog der FC sechs Monate später die Offerte

per Brief, der nun öffentlich wurde, ohne Rücksprache mit Wernze zurück,

der sich dazu kri- tisch äußerte.

Hauptgeschäfts-

führer Claus Horst-

mann, der das Ver- säumnis des Telefonats einräumt, erklärt: „Die Reaktion ist irritie- rend.“ Und fügt an: „Handschlagge- schäfte kann ich in meinem Bereich nicht abschließen.“ Wernze, auch bei den Transfers von Lukas Podol- ski und Slawomir Peszko engagiert, sieht den Ablauf kritisch: „So be- endet man keine angedachte Hilfe. Das ist eine Frage des Stils.“ Ein wei- teres Engagement schloss das Mit- glied des Verwaltungsrats dennoch nicht aus: „Darüber habe ich noch nicht nachgedacht, aber ich habe das nicht für Herrn Horstmann,

sondern für den FC gemacht.“ Nicht mitfinanzieren soll Wern- ze den neuen Stürmer. Dies würde auch für Stefano Okaka (22) gelten, ein Talent, das beim AS Rom um den Durchbruch kämpft. Berater Giampero Pocetta nennt Köln für den schnellen Dribbler „eine sehr interessante Option“. Doch Okaka „steht noch nicht in der engeren Wahl“, so Sportdirektor Volker Fin- ke. So gut wie fix dafür: Stürmer Alexandru Ionita (22) wird bis Juli an Rapid Bukarest verliehen.

I O N P T - Das ist Kult! R M ats Hummels (23) und
I
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P
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Das
ist Kult!
R
M ats Hummels (23) und Thomas Müller (22) in
Lebensgröße. Der kicker macht’s möglich.
In der Montag-Ausgabe vom 19. 12. fiel der
Startschuss, da gab es den ersten Star-Point.
Heute und in den nächsten drei
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Am 16., 19. und 23. Januar.
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zum Sammeln:
S
5

„Handschlaggeschäfte kann ich nicht abschließen.“

CLAUS HORSTMANN

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BUNDESLIGA

kicker, 12. Januar 2012

KAMPF um die KINDER Mit 13 von Argentinien zu Barcelona: Lionel Messi. Mit 13 von
KAMPF
um die
KINDER
Mit 13 von
Argentinien
zu Barcelona:
Lionel Messi.
Mit 13 von Berlin
nach Hoffenheim:
Nico Franke.
Hoffenheim holt NICO FRANKE (13), Wolfsburg
ALEXANDER LAUKART (13). Mit harten Bandagen
wird um immer jüngere Talente gestritten.
Die DFL will dem Treiben ein Ende setzen.
Fotos: pixathlon (2), Träber

N ico Franke von TeBe Berlin nach

Hoffenheim, Alexander Laukart

Spieler“, pflichtet ihm der Bremer Kollege Klaus Allofs bei, „allerdings würde ich meinen Sohn mit 13 nicht in eine andere Stadt geben.“ Bei Nico Franke handele es sich um „einen ganz speziellen Fall“, argumentiert Tanner, der zugleich gesteht: „Eigentlich ist das zu früh, denn eine seriöse Aussage über die sportliche Entwicklung lässt sich in dem Alter überhaupt noch nicht treffen.“ Auch nicht von anderen Bundesligisten. Dennoch bemüh- ten sich einige um den jungen Stür- mer, der zuletzt für TeBe Berlin in neun Spielen 19 Tore schoss. „Nico war je-

weils eine Woche bei

Wolfsburg

Hoffenheim,

dann drei Tage beim

HSV“, erzählt seine Mutter Kerstin, eine alleinerzie- hende Frau von vier Kindern aus Berlin-Spandau, „in Hoffenheim hatte er das beste Gefühl. Hier kann er sich ganz auf Schule und Fußball konzentrieren.“ Wegen der Verlo- ckungen und Gefahren in der Groß- stadt bat sie die Hoffenheimer gar, ihren Sohn nicht erst wie zunächst vereinbart im Sommer 2013, son- dern bereits jetzt im TSG-Internat aufzunehmen. Dort ist der Hype enorm, als er

am Dienstag erstmals mit seinen neuen Kollegen aus der C-Jugend trainierte. Gleich drei Kamera- teams filmten jede Bewegung des Buben, der nun bei einer Gastfa- milie wohnt, die bereits drei Nach- wuchskräfte der TSG umsorgt. In der Sinsheimer Theodor-Heuss- Hauptschule soll er in den kom- menden eineinhalb Jahren seinen Abschluss machen. Nur Unter- kunft, Verpflegung und regelmä- ßigen Heimfahrten zahle man dem

im Sommer von St. Pauli nach

Wolfsburg. Zwei Transfers 13-jähri- ger Talente, die die Diskussion um Sinn und Unsinn solcher Maßnah-

men wieder neu befeuern. Ist es zu vertreten und zu verantworten, Kinder aus ihrem sozialen Umfeld

zu reißen? Dazu in einem Alter, das selbst eine halbwegs zuverlässige Karriere-Prognose nicht zulässt? Diese Kernfragen seien grund- sätzlich zu verneinen, betont DFB- Sportdirektor Matthias Sammer, „eine heimatnahe Ausbildung ist klar

zu bevorzugen, man kann nur ge- gen eine solche Entwicklung sein“.

Einzelfälle seien noch hinnehmbar, „wird es zur Re- gel, wäre das eine Katastrophe“. In der Einzelfallprüfung etwa am Beispiel des Nico Franke fällt zunächst auf, dass die in den Me- dien zitierten kritischen Stimmen (Babbel/Hieronymus) bereits zehn Monate alt sind. Seinerzeit hatte Hoffenheim gleich zwei 15-Jährige von Hertha BSC abgeworben. Also nur ein Berliner Reflex? In der Bran- che ist die TSG 1899 Hoffenheim als durchaus resoluter Mitbewerber be- kannt. Gut ein Dutzend Talente im Alter von 15 bis 18 Jahren holte Hof- fenheim vorigen Sommer aus der gesamten Republik in seine schmu- cke Nachwuchsakademie, was bei der Konkurrenz für mächtig Ärger und sogar ein Hausverbot bei der Hertha sorgte. „Andere Klubs ma- chen das doch haargenau so. Nur bei uns ist der Aufschrei jedes Mal

riesengroß“, verteidigt sich Manager Ernst Tanner. „Man muss aggres- siv sein, sonst bekommt man keine

„Wird es zur Regel, wäre das eine Katastrophe.“

MATTHIAS SAMMER

Bayern,

und

Jungen, darüberhinaus fließe kein Geld, beteuert Tanner „wir haben keinerlei vertragliche Bindung“. Wäre auch nicht zulässig, denn sogenannte Förderverträge dürfen

derzeit erst mit 16-Jährigen abge- schlossen werden. Was es auch für den heimatnahen Verein erschwert, die Talente in der Region zeitig an sich zu binden. Für Andreas Ret- tig eine Möglichkeit, regulierend in den Markt einzugreifen. Ebenso etwa ein Mindestalter für vertragli- che Bindungen an Spielerberater. Wie DFL-Boss Holger Hieronymus wäre auch dem Vorsitzenden der „Kommission Leistungszentren“ der DFL ein generelles Abwerbever- bot zwischen allen Nachwuchsleis- tungszentren der Lizenzvereine am liebsten. Doch solcherlei Maßnah- men sind juristisch nicht durchsetz- bar. „Man kann weder Eltern noch Jugendlichen die freie Wahl des Vereins verwehren“, erklärt Tanner. „Wenn Spieler tat- sächlich gut sind und sie vielleicht schon mit 17 oder 18 in den Profika- der kommen, muss man sie rechtzeitig holen, um sie auszubilden“, erklärt Wolfsburgs Trainer Felix Magath, „ich weiß nicht, was jetzt diese Heuche- lei wieder soll. Die Ent- scheidung ist von allen getroffen worden, dass man Leistungszentren einrichtet und auf die Jugend setzt. Und das ist die Konsequenz.“ Die einzige Möglich- keit wäre eine freiwilli- ge Selbstbeschränkung aller Profiklubs. Genau

daran wird derzeit ge- feilt. „Ich bin optimis-

tisch, dass wir eine Lösung finden“, sagt Hieronymus, „die große Mehr- heit ist ohnehin dafür.“ Derzeit ar- beitet die Kommission daran, „den kleinsten gemeinsamen Nenner“, so Rettig, zu formulieren, um ein neu- es Gentlemen’s Agreement zu ver- abschieden. Ende Februar treffen sich dazu erneut die Leiter der Nachwuchsleistungszentren. Selbst Klubs wie Bayern Mün- chen, Werder Bremen oder Borussia Dortmund, die eine bereits beste- hende Übereinkunft 2005 aufkün- digten, haben offenkundig wieder Kooperationsbereitschaft signali- siert. Das damalige Argument, aus- ländische Klubs würden das inner- deutsche Abwerbeverbot dankend ausnutzen und sich in Deutschland bedienen, hat sich relativiert. „Seit- her hat sich viel getan, die Wertig- keit der Ausbildung hierzulande ist stark gestiegen“, erklärt Rettig. Wer heute seinen Sprössling zur fußballerischen Ausbil- dung ins Ausland schi- cke, sei eher am schnel- len Geld interessiert, so Leverkusens Mana- ger Michael Reschke. Traumkarrieren wie die des Lionel Messi, der mit 13 aus Argentini- en zum FC Barcelona kam, bleiben Ausnah- men von Ausnahme- talenten. Meistens läuft es anders. Dennis Krol köderte Barca mit 14 aus Leverkusen. Vier Jahre später war der Traum ausgeträumt. Heute spielt Krol in der Regionalliga bei Fortu- na Düsseldorf II.

MARTIN

MICHAEL PFEIFER

GRUENER ,

der Regionalliga bei Fortu- na Düsseldorf II. MARTIN MICHAEL PFEIFER GRUENER , Mit 14 von Bayer

Mit 14 von Bayer zu Barca: Dennis Krol.

kicker, 12. Januar 2012

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FREIBURG: Das Schlusslicht steht vor einem Haufen personeller Probleme

Streich bremst die Euphorie von Dufner

personeller Probleme Streich bremst die Euphorie von Dufner AUS FREIBURGS TRAININGSLAGER IN ROTA BERICHTET MICHAEL EBERT
personeller Probleme Streich bremst die Euphorie von Dufner AUS FREIBURGS TRAININGSLAGER IN ROTA BERICHTET MICHAEL EBERT

AUS FREIBURGS

TRAININGSLAGER

IN ROTA

BERICHTET

MICHAEL EBERT

1Dem SC Freiburg ist in der Winterpause ein Neuanfang ge- lungen. Zumindest in den Köpfen der Spieler und Verantwortlichen. Personell steht das Bundesliga- schlusslicht zehn Tage vor dem Kel- lerduell gegen den FC Augsburg vor großen Problemen. Bei zwei von drei Neuzugängen sind die Ver- träge nicht unterschrieben, Papiss Demba Cissé (26) und Garra Dem- belé (25) weilen beim Afrika-Cup (bis 12. Februar), zu den Rekonva- leszenten Mensur Mudjza (27, Mit- telfußbruch) und Oliver Barth (32, doppelter Bänderriss im Knöchel) kommen die Ausfälle von Julian Schuster (26, Reizung im Knie) und Jan Rosenthal (25, grippaler Infekt), die deswegen in Costa Ballena (An- dalusien) keine Trainingseinheit mit der Mannschaft absolvierten. „Wir haben turbulente Zeiten hinter uns, dementsprechend war es unheimlich wichtig, aus Freiburg raus zu kommen. Es war eines der besten Trainingslager, die wir in den vergangenen Jahren hatten“, wirkte Sportdirektor Dirk Dufner (43) am Ende regelrecht euphorisiert. Was vermutlich auch daran lag, dass die Sportclub-Führung ziemlich unter

Foto: Heuberger
Foto: Heuberger

Realist: Freiburgs neuer Trainer Christian Streich mal nachdenklich. Seine Ansprache an die Spieler ist laut und deutlich.

Druck steht, ob sich die einschnei- denden Maßnahmen auszahlen. Schließlich wurden in der Winter- pause Trainer Marcus Sorg (46) und sechs Spieler (Butscher, Bastians, Nicu, Yano, Salz, Abdessadki) frei- gestellt. „Das Training war sehr in- tensiv mit vielen, lauten, guten An- sprachen von Christian Streich (46). Das haben die Spieler unheimlich gut angenommen“, befand Duf-

ner. Während des einwöchigen Aufenthalts in Spanien trafen drei vermeintliche Neuzugänge ein. Wo- bei allerdings nur der Wechsel von Innenverteidiger Fallou Diagné (22, FC Metz) perfekt ist. Bei Linksver- teidiger Michael Lumb (23, Zenit St. Petersburg) und dem defensiven Mittelfeldspieler Karim Guedé (27, Slovan Bratislava) sind noch letzte Details zu klären.

Angesichts von nur 13 Hinrun- denpunkten blickt der Sportdirek- tor ungewohnt optimistisch in die Zukunft: „Ich bin überzeugt, dass die Qualität im Kader ausreicht, um in der Liga zu bleiben.“ Die Rück- kehr der Afrika-Cup-Starter und der verletzten Spieler sei absehbar, da- rüber hinaus zeigten im Trainings- lager einige Nachwuchsspieler, dass sie den Etablierten Druck machen können. „Da spielt es auch keine Rolle, ob wir im Abstiegskampf sind oder nicht – auch das ist ein Stück weit SC Freiburg“, betonte Dufner. Am nächsten dran am Profikader scheint Rechtsverteidiger Oliver Sorg (21, nicht verwandt mit dem Ex-Trainer). Der neue Chefcoach Christian Streich zog am Ende des einwöchi- gen Trainingscamps ein differen- ziertes Fazit. „Die Ausgangssituati- on war schwierig und ist schwierig.“ Gleichwohl sei die Mannschaft eindeutig wieder enger zusam- mengerückt. Diese ursprüngliche Stärke der Freiburger hatte in der Hinrunde gelitten, was unter ande- rem zur Trennung von sechs Spie- lern und dem Trainer führte. Der neue Teamspirit beim Sportclub ist bereits so weit entwickelt, dass Streich demnächst die Mannschaft den Kapitän wählen lassen will – vor dem Trainingslager sollte er noch vom Trainerteam bestimmt werden.

sollte er noch vom Trainerteam bestimmt werden. HOFFENHEIM: Stanislawski nimmt seinen Star in die Pflicht

HOFFENHEIM: Stanislawski nimmt seinen Star in die Pflicht – Abschied von Ibertsberger?

„Babel packe ich mehr auf die Schultern“

1Eine kleine Finte, schon war Ryan Babel (25) an zwei Mann vorbei. Auch beim ersten Hoffen- heimer Testspiel des Jahres, dem eher müden 2:2 gegen den FSV Frankfurt, deutete er wieder mal an, welch große Fähigkeiten er be- sitzt. Sein explosiver Antritt hob ihn gegen den Zweitligisten in ei- nigen Szenen ebenso hervor wie seine exzellente Ballbehandlung. Nun nimmt ihn sein Trainer für die Rückserie besonders in die Pflicht. „Ihm packe ich mehr auf die Schultern als den anderen“, sagt Holger Stanislawski, „bei seinen Qualitäten muss er diese Last auch tragen können.“ In der Hinserie allerdings ließ der vielseitige Of- fensivmann diese Qualitäten zu oft

Foto: APF
Foto: APF

Hohe Erwartungen: Ryan Babel.

ungenutzt. Nach starkem Start und vier Toren in sechs Spielen tauchte der oft recht nachdenkliche Nieder- länder immer mehr ab, nur noch zwei Assists kamen hinzu. „Dieser Abschwung ist ein echtes Rätsel“, grübelt Manager Ernst Tanner. Auch nach einem kompletten Jahr in Hoffenheim mit insgesamt 32 Bundesligaspielen wirkt Babel

noch immer nicht so stabil, um sein Team auch in schwachen Momen- ten mitzureißen. Den Sonderstatus, den ihm der Coach zuschieben will, gibt Babel ohnehin gleich weiter:

„Ich habe keine besondere Rolle, sondern bin immer auch auf die an- deren im Team angewiesen.“ Dabei hat er körperlich enorm aufgeholt, seit er zuvor in Liverpool nur selten auf dem Platz stand. „Spielpraxis und Fitness sind jetzt optimal. Also hoffe ich schon, dass wir in der Ta- belle noch klettern werden.“ Und im Sommer bleibt Babels Ziel die EURO. In Hollands Nati- onalelf hatte er es via Hoffenheim nach einem Jahr Pause wieder ge- schafft. „Es liegt an mir, ob ich wei- terhin nominiert werde“, sagt Babel,

„aber natürlich möchte ich bei der Revanche gegen Deutschland für das 0:3 dabei sein.“ Auf Hoffenheims Defensiv-All- rounder Andreas Ibertsberger (29) hingegen warten demnächst wo- möglich ganz andere Aufgaben. Der Österreicher ist seit Sommer 2008 bei der TSG, hatte dabei aber immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, zuletzt zwickte der Rücken. 83-mal spielte er ins- gesamt für die TSG, doch in der Hinserie hat ihn Stanislawski nur ein einziges Mal eingesetzt; eine Verlängerung des im Sommer endenden Vertrags scheint aus- geschlossen. Nun soll ein Zweit- ligist intensiv um Ibertsberger

buhlen.

MARTIN GRUENER

22

Bundesliga

kicker, 12. Januar 2012

„13 Tore werden nicht reichen“ Trainer MArco Kurz (42) identifiziert sich voll und ganz mit
„13 Tore werden
nicht reichen“
Trainer MArco Kurz (42) identifiziert sich voll
und ganz mit dem 1. FC Kaiserslautern. auch
mit seinen geringen finanziellen Mitteln.
Foto: GES/Prang
mit seinen geringen finanziellen Mitteln. Foto: GES/Prang AUS LAUTERNS TRAININGSLAGER IN CAMPOAMOR BERICHTET ULI GERKE

AUS LAUTERNS

TRAININGSLAGER

IN CAMPOAMOR

BERICHTET

ULI GERKE

kicker: Herr Kurz, der FCK muss bes- ser werden.Wie ist das möglich bei fast gleichem Personal? Marco Kurz: Jeder muss sich steigern. Wir haben genügend luft nach oben, viele spieler, die in der Hin- runde ihr leistungsvermögen nicht komplett abgerufen haben. kicker: Konkret, von wem erwarten sie eine deutliche steigerung? Kurz: Von allen. im deckungsverhal- ten, was gegentore betrifft, sind wir viel stabiler geworden gegenüber der Hinrunde 2010. Häufig aber fie- len gegentore durch leichtsinnig- keiten, grobe Fehler. und wir müs- sen torgefährlicher werden. Klar ist:

13 Tore werden nicht reichen, um die liga zu halten. kicker: gegen gent und algier ließen sie 4-4-2 spielen. ein Zugeständnis an itay shechter, damit seine stär- ken besser zum Tragen kommen? Kurz: itay fehlt gegen Bremen und in

augsburg gesperrt. Mit einer spitze hatten wir zuletzt eine tolle Raum- aufteilung, ein klares Chancenplus. aber nicht die effektivität beim ab- schluss. Zwei spitzen stehen nicht zwangsläufig für mehr Torgefahr. Wir halten das system offen. kicker: shechter rackert, bereitet

Tore vor, trifft aber nicht, nicht ein- mal per elfmeter. er wirkt nach der

Roten Karte gegen Hannover gefrus- tet. Was macht er

falsch? Kurz: stürmer brauchen erfolgser- lebnisse. Bei den Chancen, die er gegen algier hatte, muss er eine ganze anzahl von Toren erzielen. kicker: sie kritisierten, was er an Chancen vergab, war kein Pech. Kurz: Bei den Chancen, die er hatte, darf man auch Tore erwarten. itay muss im abschluss dominanter werden. und sich in solchen spie- len mit Toren sicherheit holen. kicker: shechter sah Rot in der liga, dorge Kouemaha im Test gegen gent. ein Zeichen von Frust, weil sie nicht treffen?

Kurz: ich glaube nicht. aber es ist nicht gut, wenn wir in zwei spielen undiszipliniertheiten zeigen. auch wenn beiden Fällen klare Fouls vorausgingen. da muss ich mich schlauer anstellen und darf mich nicht provozieren lassen. das ist grob fahrlässig. kicker: Wie wirken sie auf spieler ein?

Kurz: ich habe der Mannschaft erklärt, dass es ganz wich- tig ist, im abstiegs-

kampf kühlen Kopf zu bewahren. Vor allem mental müssen wir stärker als der gegner sein. das darf uns in der liga nicht passieren. Weil wir diese Qualität an spielern nicht ersetzen können. kicker: Zur abwehr. ist Jan simunek schon eine alternative?

Kurz: Jans leidenszeit war enorm. nun steht er keinem abwehrspieler nach. ich denke, simunek kämpft um einen startplatz gegen Bremen. kicker: Was versprechen sie sich vom 19-jährigen swierczok? Kurz: Jakub haben wir nicht geholt, weil wir glauben, dass er uns mit

„Simunek kämpft um einen Startplatz gegen Bremen.“

seinen Toren die liga erhält. Wir trauen ihm aber zu, uns zu helfen. kicker: im sommer wollte der FCK Jan Morawek behalten. nun ver- stärkt er augsburg, einen Konkur- renten im abstiegskampf. Hätte lautern nicht zugreifen müssen? Kurz: Wir brauchen nicht zu jam- mern, denn wir hatten nicht die Möglichkeit, Jan zu verpflichten. kicker: nicolai Jörgensen und swier- czok sind Talente. nürnberg ver- pflichtete den erfahrenen Balitsch. Wäre Routine im abstiegskampf nicht wichtiger? Kurz: schon. aber die muss finan- zierbar sein. Wir versuchen alles, müssen in manchen Fällen aber erfahren, dass wir noch nicht konkurrenzfähig sind. Balitsch wäre für uns schwer zu stemmen gewesen. kicker: Oft fällt der name srdjan la- kic, der in Wolfsburg ausgemustert ist. Wäre es keinen Versuch wert, ihn zur Rückkehr zu bewegen? Kurz: das ist finanziell nicht reali- sierbar. selbst wenn wir es wollten:

das sind dimensionen, in denen wir nicht mitspielen können.

Für Klubchef Kuntz ist Kaiserslauterns abschlussschwäche nicht nur ein stürmerproblem

Jörgensen und Swierczok sind Alternativen für den Auftakt

1 am dienstag war stefan Kuntz bis spät in den abend unterwegs. sonderschicht in sachen spieler- suche. „es waren sehr gute ge- spräche.“ der Klubchef ist zuver- sichtlich, bald einen abschluss vermelden zu können. Klar ist, es wird neben nicolai Jörgensen (20) und Jakub swierczok (19) weitere neuzugänge geben.

ein Heilsbringer für den angriff lässt auf sich warten. das dilem- ma abschlussschwäche ist in den täglichen einheiten und Testspie- len auch in spanien im Trainings-

Foto: imago
Foto: imago

Neuzugang: Nicolai Jörgensen.

camp Campoamor gegenwärtig. am Mittwoch war es beim Üben einmal mehr wie so oft zuvor. Bestens von alexander Bugera oder Konstanti- nos Fortounis vorbereitete Chancen

konnten die Kollegen nicht in Tore umsetzen. Mal war es Olcay sahan, der über das Tor zielte, mal dorge Kouemaha. Jeweils freistehend. itay shechter, adam nemec oder Richard sukuta-Pasu stellen sich vor dem Tor kaum besser an. angst vor dem ab- schluss. die muss lautern schnells- tens verlieren, sonst … nur wie? Kuntz nimmt, was das Toreschie- ßen angeht, alle Profis in die Pflicht:

„es ist nicht nur ein stürmerprob- lem. aus dem Mittelfeld haben wir nicht mehr so klare assists und Tor-

gefahr. und auch nach standards gelingt uns kein Kopfballtor.“ soforthilfe von den neuen ist nicht zu erwarten. Bei Jörgensen will Trainer Kurz gegen eindhoven testen, ob er die elf als zweite spitze oder auf der linken außenposition bereichen kann. die sprunggelenkb- lessur ist auskuriert. Jörgensen: „ich habe ein gutes gefühl.“ swierczok fällt durch unbekümmertheit auf, könnte von shechters Zwangspause profitieren und bereits eine alterna- tive im angriff beim auftakt gegen Weder Bremen sein.

kicker, 12. Januar 2012

BUNDESLIGA

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Foto: imago

AUGSBURG: Callsen-Bracker nennt acht Gründe

„Darum steigen wir nicht ab“

1Sein vergangene Woche bis

2013 verlängerter Vertrag beim FC Augsburg gilt zwar auch für die 2. Liga, doch Jan-Ingwer Callsen-Bracker ist „felsenfest davon überzeugt, dass wir den Klas- senerhalt schaffen“. Hier nennt der 27-Jährige Gründe:

Die Spielweise: „Wir haben viel mehr Stabilität in unser Spiel bekommen. Das Pressing funktioniert viel bes- ser, wir agieren jetzt mehr, egal ob zu Hause oder auswärts. Anfangs haben wir oft nur reagiert.“

Das Selbstvertrauen: „Wir brauchten

einige Zeit, um uns an die Liga zu gewöhnen. Aber zuletzt lieferten wir richtig gute Spiele ab. Unser Glau- be an uns ist enorm gewachsen.“ Das Personal: „Wir haben unser Ver- letzungspech schon abgearbeitet. In der Hinserie mussten wir vie- le wichtige Ausfälle verkraften:

Jentzsch, de Jong, de Roeck, Ver- haegh, Ndjeng, Rafael, Oehrl, Hain, Bah, Bellinghausen, Möhrle, Sin- kala. Oder auch durch Sperren wie bei Langkamp und Oehrl. Jetzt sind alle wieder fit, zudem haben wir mit Jan Moravek eine Verstärkung bekommen.“

haben wir mit Jan Moravek eine Verstärkung bekommen.“ Der Start: „In den wichtigen ers- ten vier

Der Start: „In den wichtigen ers- ten vier Spielen gegen Freiburg, Kaiserslautern, Hoffenheim und Nürnberg holten wir im ersten Versuch nur zwei Punk- te, da haben wir in der Rückrunde viel Luft nach oben.“ Der Spielplan: „Wir haben noch neun Heimspiele, allein fünf gegen direk-