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ANTIFA-MERAN.

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antifa-meran@hotmail.com  NAZIS IN SÜDTIROL
Nazis zur Zeit Hitlers
Anfang der 30er Jahre hatte Südtirol stark unter dem faschistischen Italien zu leiden: Seit 1920
offiziell annektiert, war der 1922 in Italien an die Macht gekommene Mussolini eindeutig bestrebt, die
nördlichste Provinz zur „terra italiana“ zu machen.
Da verwundert es kaum, dass das nationalsozialistische Gedankengut, welches nördlich des
Brenners seinen Aufstieg zur Staatsideologie feierte, auch nach Südtirol gelangte. Nur wenige erkann-
ten, dass sie so aus Furcht vor einer Diktatur einer anderen ins Messer liefen.
Im selben Zeitraum formierte sich der „Völkische Kampfring Südtirols“ (VKS), welcher die
„Durchdringung der Südtiroler mit der nationalsozialistischen Weltanschauung“ anstrebte. Überall im
Land formierten sich Ortsgruppen, wurde NS-Propaganda verteilt und Mitglieder angeworben.
Nach der Annexion Österreichs im Jahre 1938 steht das Dritte Reich am Brenner. Da aber Hitler
seinen wichtigsten Bündnispartner Mussolini nicht verlieren will, sieht er von seinem Ziel, alle Deut-
schen in einem Reich zu vereinen, ab und versucht mit der s.g. „Option“ einen Kompromiss.
Nachdem jedoch Mussolini 1943 entmachtet wird, marschieren deutsche Truppen in Südtirol ein:
Mit Jubel und Geschrei werden sie vielerorts empfangen, nach über 20 Jahren faschistischer Unterdrü-
ckung wähnt man die Nazis als Retter. Zwar errichtet Hitler zwei Operationszonen (Südtirol wird Teil
der OZ Alpenvorland), aber der offizielle Anschluss und somit die Wiedervereinigung Tirols bleiben
aus. Franz Hofer wird zum Gauleiter ernannt. Mit der deutschen Herrschaft kam aber auch der
deutsche Schrecken mit Mord und Vernichtung: Vor allem Juden wurden nun deportiert (60 Juden
aus Meran verschwanden Ende September 1943), und ein Jahr später wurde das Durchgangslager in
der Bozner Reschenstraße errichtet. Durch das im Volksmund genannte KZ Sigmundskron wurden
rund 10.000 Menschen geschleust. Wegen Widerstandes gegen das Naziregime werden vom 8. Sep-
tember 1943 bis Kriegsende 24 Südtiroler erschossen, 166 in Konzentrationslager verschickt und 140
ins Gefängnis gebracht. 8025 Südtiroler starben im 2. Weltkrieg.
Nach dem Krieg fiel eine Aufarbeitung der NS-Zeit in Südtirol dem Zusammenhalt gegenüber
der faschistisch angehauchten italienischen Regierung und den Autonomiebestrebungen zum Opfer
und hat auf breiter Ebene bis heute nie stattgefunden.

Neonazis heute
Immer wieder machen Gewalttaten, die von Neonazis ausgehen, oder Verhaftungswellen
Schlagzeilen, und immer wieder ist die anfängliche Empörung groß, die Konsequenzen aber mangel-
haft. So wurde im Dezember 2005 ein Neonazi-Ring im Unterland ausgehoben: Vier Mitglieder des
„Südtiroler Kameradschaftsringes“ (SKR) um den Rädelsführer Armin Sölva wurden verhaftet, gegen
weitere 33 Personen wurden Ermittlungen eingeleitet. Man warf den Vieren Verstöße gegen das Anti-
diskriminierungsgesetz, üble Nachrede und Körperverletzung vor. Im April 2008 verhafteten die
Einsatzkräfte 16 Jugendliche im Zuge einer landesweiten Razzia in 50 Wohnungen, gegen weitere 100
Jugendliche und junge Erwachsene wurde ermittelt. Den Verhafteten wurde rassistische und nationa-
listische Hetze sowie Gewalt in 20 Fällen vorgeworfen. Unter anderem unterhielten sie gute Kontakte
zu Neonazis aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.
Die Bezifferung und Lokalisierung von neonazistischen Gruppierungen sind kein leichtes Unter-
fangen, agieren sie doch meist im Verborgenen. Zudem stellt sich ein Definitionsproblem, denn wer
gilt als überzeugter Neonazi und wer ist nur Mitläufer? Dennoch kann man von einer Konzentration im
Burggrafenamt (v.a. Schenna/Verdins) mit einer Szene von rund 150-200 aktiven Mitgliedern ausge-
hen, die Anzahl der Mitläufer und Sympathisanten ist aber weit höher und reicht bis in gemäßigt
rechte Kreise. Dasselbe gilt für ganz Südtirol.
Die Mehrheit der rechtsextremen Jugendlichen kommt aus den unteren sozialen Schichten
bzw. der unteren Mittelschicht, des Weiteren spielen oft – nicht immer – familiäre Probleme und ein
niedriges Bildungsniveau eine Rolle. Aufgrund dieser Verhältnisse suchen sie den Halt und die Orien-
tierung in einer Gruppe, die teilweise die Rolle eines Familienersatzes einnimmt, aber auch Spaß,
Action und Gruppenzusammenhalt sowie Kameradschaft bietet. Ein gewichtiger Faktor ist daher die
Angst vor der Zukunft und fehlende Perspektiven, welche gerade junge Menschen anfällig für extre-
mistische Ideen machen. Zentrale Merkmale sind dabei aggressiver Nationalismus, verbunden mit
Ausländerhass und Rassismus, Militarismus, Revisionismus, Gewaltbereitschaft und Intoleranz.
Da es in Südtirol keine nationalsozialistische Partei (wie z.B. die NPD) gibt, müssen sich Südtiroler
Nazis selbst organisieren oder suchen in rechten Parteien oder Verbänden Aufnahme. Wenn nicht
klar Position bezogen wird, besteht die Gefahr eines Abrutschens aus patriotischen Kreisen in die
Naziszene oder die Bildung eines fließenden Überganges. Problematisch ist auch, dass rechte Parteien
durch Populismus ausländerfeindliche Parolen salonfähig machen.