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Die Neu-Erfindung der LINKEN als zukunftsfähige Mitgliederpartei – ein existenzielles Projekt

Kurzfassung des Essays als Thesenpapier (18.01.2012)

von Daniel Förster

Die Diskussion ist ein Austausch von Gedanken, bei der stets die Gefahr besteht, überzeugt zu werden. In diesem Sinne möchte ich mit einem kurzen Thesenpapier, welches einen Überblick über das ursprüngliche Essay unter gleicher Überschrift vom 1. November 2011 gibt (es aber nicht ersetzen kann), solche Diskussionen vereinfachen. Notwendigerweise wird es meine Perspektive auf die Probleme und möglichen Lösungen noch holzschnittartiger und pointierter – und in diesem Sinne undifferenzierter – machen, als dies bereits im knapp gehaltenen Essay der Fall war. Dafür bitte ich vor allem in der innerparteilichen Diskussion um Verständnis. Weitergehende Begründungen und Untermauerungen von Thesen sind im Originaltext nachzulesen und in der Diskussion mit mir und anderen zu entdecken.

Große Herausforderungen für ein linkes Gesellschaftsprojekt liegen vor uns

Ein Politikwechsel hin zu mehr Gerechtigkeit und Solidarität im Sinne der LINKEN ist in Deutschland nicht absehbar, was unter anderem auch mit Selbstbeschäftigung und politischer Ohnmacht einhergeht. Diese Perspektivlosigkeit wird v.a. vom schon seit Jahren mangelnden Einfluss der Bürger auf die Politik im Allgemeinen, ebenso wie von der schwindenden Verankerung aller Parteien in der Gesellschaft beeinflusst. Parteienverdrossenheit, Wähler- und vor allem Mitgliederschwund in einem demokratiegefährdenden Ausmaß sind das Resultat für das deutsche politische System.

Die damit einhergehenden Probleme treffen auch die LINKE in ihrer bestehenden Parteiorganisation. Sie kann ihrer zentralen Rolle als Kernprojekt einer gesellschaftlichen „Mosaik-Linken“ immer weniger entsprechen, da ihr die mobilisierenden Kräfte schwinden – es finden sich immer weniger aktive Parteimitglieder und ungebundene Freiwillige (Sympathisanten), die politisch wirksam werden wollen. Somit steht die politische Wirkmächtigkeit der gesamten gesellschaftlichen Linken ernsthaft auf dem Spiel; die verschärfte Fortsetzung neoliberaler Dominanz droht sich ohne ernstzunehmenden politischen Gegner letztlich durchzusetzen.

Grundsätzlich scheinen es jedoch weniger die Inhalte, als vielmehr die Politikformen zu sein, die ein ernsthaftes Engagement für unsere Ideale unattraktiv machen und aufgrund von Zeitnot hinter als wichtiger erachteten Dingen zurücktreten lassen. Die Aufgabe einer wirkmächtigen LINKEN, die ihre große Verantwortung für die gesamtgesellschaftliche Linke wahrnimmt, besteht unter den heutigen Umständen daher im Schaffen einer attraktiven Mitgliederorganisation mit ansprechenden Strukturen, in denen sich Menschen gern engagieren und ihnen dies trotz widriger gesellschaftlicher Umstände auch ermöglicht wird. Dies erfordert jedoch im Gegensatz zu den meist weniger ambitionierten Ansätzen eine radikale Ergänzung und einen teilweisen Umbau unserer Parteiorganisation, da deren Strukturen ihren Aufgaben bspw. in der Mitgliedergewinnung und – betreuung aufgrund allgemeiner gesellschaftlicher Entwicklungen nicht mehr gerecht werden können.

Die Gesellschaft ist eine andere geworden…

Die Formen bisheriger politischer Arbeit waren nicht falsch. Die Bedingungen, unter denen politische Arbeit heute stattfindet, haben sich allerdings im Vergleich mit der ursprünglich auf die BRD der Nachkriegszeit ausgerichteten Partei- und Politikorganisation radikal verändert. Um die Diskrepanz zwischen der heutigen Parteiorganisation und den Ansprüchen der Mehrzahl moderner Freiwilliger an ihr politisches Engagement zu erkennen, müssen folgende Entwicklungen bedacht werden:

Wir erleben eine Krise der politischen Repräsentanz. Parteienverdrossenheit, Misstrauen und Indifferenz prägen das Verhältnis der Bürger zu ihren theoretischen Repräsentantinnen. Kleine, von einer umfassenden Lobbymaschinerie beeinflusste Gremien werden so Teil einer Entdemokratisierung der Gesellschaft.

Der Umbau der Arbeitsgesellschaft verwirft traditionelle Lebensmodelle. Die Arbeitsbelastungen sind gestiegen, die Löhne stagnieren. Die klassische Arbeiterschaft ist politisch marginalisiert. Auch die Berufsbilder haben sich verändert: Das ganze Leben wird immer mehr als Abfolge von Projekten begriffen. Flexibilität, Soft Skills und Netzwerke zählen im Vergleich sehr viel mehr als Bildungszertifikate und fachliche Kompetenzen. Anstatt Geld ist heute Zeit die wichtigste persönliche Ressource.

Ein Wertewandel und die massive Individualisierung haben unser politisches Denken verändert. Neben traditionellen Werten wie Sicherheit und Wohlstand haben echte Freiheit und Lebensqualität eine immer größere Bedeutung. Neben Links und Rechts hat sich eine neue, in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zunehmend gleichberechtigte politische Dimension gebildet: Libertäre oder autoritäre Politikmodelle. Ergebnis ist die ebenso hohe Relevanz neuer Themenfelder wie bspw. Bürgerrechte und Umweltschutz.

Politisches Engagement findet in einer sozial gespaltenen Gesellschaft statt. Vor allem sozial Bessergestellte und formal Höhergebildete engagieren sich auch politisch, während sich sozial Benachteiligte und Prekarisierte immer weiter aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Wer sich engagiert, hat deshalb sowieso schon eher wenig Zeit. Das wirft die alte Frage zwischen Kümmerer- und Mitmach-Partei neu auf.

Das Internet erweitert grundlegend die politische Welt, indem es die Art und Weise unseres Denkens, unserer Kommunikation und unserer Methoden, Wissen zu erlangen, revolutioniert. Das Netz ist keine rein virtuelle Realität, sondern Erweiterung und Abbild unserer realen Welt. Sekundenschnelle Kommunikation über alle Entfernungen birgt enormes politisches Potential. Der für uns erfassbare Wissensraum weitet sich mit dem Netz tendenziell gen unendlich aus, wodurch die Interessen des Einzelnen zum absoluten Maßstab der Wissensvermittlung bspw. in der politischen Bildungsarbeit werden. Zudem tobt ein ideologischer Kampf zwischen Verfechtern des Internets als gemeinschaftlichem Ort freien Wissenstransfers – und der kommerziellen Durchdringung ebenso wie der Zensur und Überwachung durch Staat und wirkmächtige Medien.

…und die LINKE hat sich noch nicht an die veränderten Bedingungen angepasst.

Die Misere der Parteien, auch der LINKEN, liegt in einer ganzen Reihe unattraktiver Strukturen, die freiwilliges Engagement unter den Einflüssen politischen Misstrauens, der Prekarität moderner Arbeitsverhältnisse, dem Zeitmangel und dem Wertewandel extrem abschrecken. Nur die Allerwenigsten sind Mitglied einer politischen Partei, noch viel weniger aktiv. Weil Parteistrukturen und die in den letzten Jahrzehnten gewachsenen Ansprüche Freiwilliger an ihr Engagement nicht

mehr zusammen passen, erleben wir einen dramatischen Mitgliederschwund und die Erosion unserer gesellschaftlichen Verankerung. Folgende Probleme stellen sich, wenngleich es durchaus bereits Lösungsansätze und gute Beispiele gibt – diese bleiben jedoch in der Minderheit.

Das Parteileben ist an der Motivation der meisten Menschen vorbei organisiert. Wir haben es mit modernen Freiwilligen und konservativen Strukturen zu tun. Das Parteileben orientiert sich am Ideal des Parteisoldaten: V.a. Menschen mit viel Zeit und einem hohen Maß an Idealismus, Disziplin und Veränderungswillen können sich erfolgreich engagieren. Ansprüche an das eigene Engagement wie Spaß, Geselligkeit, Sachbezogenheit, angenehme Debatten- und Sitzungskulturen, Selbstverwirklichung, echte Partizipation, Verantwortung übernehmen und wirkliche Anerkennung sind insgesamt nicht genug ausgeprägt. Potentiell Engagierte werden sich nicht der Organisation anpassen, deshalb muss es andersherum geschehen. Die Parteistruktur ist jedoch weitestgehend hierarchisch. Politische Arbeit wird fast immer mit einem Parteiamt verbunden. AG-Strukturen funktionieren selten und sind wenig bekannt. Die Mitgliederbetreuung ist nicht besonders gut, da Interessierte nicht aktiv eingebunden werden, sondern selbst in einer für sie vollkommen fremden und unbekannten Organisation aktiv werden müssen. Die meisten Vorstände und fast alle Basisorganisationen sind vom Politikbildungsprozess in den Parlamenten ausgeschlossen.

Der Umgang mit dem politischen Nachwuchs fördert den „stromlinienförmigen Berufspolitiker“. Einerseits wird der Nachwuchs teilweise extrem schnell an verantwortungsvolle Aufgaben herangeführt und kann aufgrund geringer Konkurrenz und Mangel an politischem Personal kometenhaft aufsteigen. Andererseits gibt es in vielen Fällen regelrechte Blockaden gegen neue, unkonventionelle Ideen, die bis zur Ausgrenzung führen. Entscheidungsträger sind nur selten bereit, dem politischen Nachwuchs inhaltliche und strukturelle Zugeständnisse zu machen. Diese Kombination fördert generell Anpassung und Entpolitisierung – Widerstand und Unbeirrtheit im Engagement benötigen im Lichte dieses Weges, der mit Hoffnung auf mehr Einfluss für die eigenen Ideen verbunden ist, eine sehr starke Persönlichkeit. Diese strukturellen Fehlanreize sind jedoch v.a. deshalb problematisch, weil sie in Kombination mit allgemein schlechten Arbeitschancen, keiner oder geringer Berufserfahrung, und daraus hervorgehendem Mangel an erfolgsversprechenden beruflichen Perspektiven, Abhängigkeiten zwischen Person und Partei bzw. Entscheidungsträgern erzeugen. Dies ist nicht nur im Sinne innerparteilicher Demokratie, sondern v.a. auch hinsichtlich der selbstbestimmten Entwicklung des Einzelnen unverantwortlich.

Machtstrukturen und Mechanismen der Kandidatenauswahl belohnen Loyalität und aufopferndes Engagement statt Leistung und Eignung. Der Erfolg der politischen Laufbahn hängt von der Pflege eigener Unterstützernetzwerke ab. Wenige Einflussreiche entscheiden faktisch über den Erfolg von Kandidaturen, während die Parteibasis nur geringen Einfluss ausübt. Die Auswahlmechanismen für politische Karrieren und damit verbundener Einfluss auf Veränderungen sind intransparent und deshalb kaum plan- und greifbar.

Der Jugendverband wird einer seiner Kernaufgaben, der Heranführung junger Menschen an die Partei, nicht gerecht. Dessen Mitglieder sind oft besonders kritisch, können aber nur selten erkennen, dass die LINKE Politik macht und nicht nur den Status Quo verwaltet. Darüber hinaus schreckt bereits die allgemeine Unattraktivität der Parteipolitik ab.

Die innerparteiliche Kultur ist teilweise extrem schlecht und ihrerseits für mangelnden Zusammenhalt und persönliche Verwerfungen auf allen politischen Ebenen verantwortlich. Die Debattenkultur ist in vielen Situationen schlecht, inhaltliche Auseinandersetzungen

werden regelmäßig zu Machtproben über Wahrheit und Verrat. Unliebsame oder einfach nur andere Perspektiven auf politische Sachverhalte werden des Öfteren als geringwertig eingeschätzt oder gar nicht erst abgefragt. Ideen werden regelmäßig mit einem „Das haben wir immer schon so gemacht“ o.ä. abgetan. Viele Sitzungen sind ineffizient, unproduktiv, machen nicht einmal Spaß und erscheinen zum Teil als Zeitverschwendung.

Informelle Netzwerke sorgen für Intransparenz politischer Entscheidungsprozesse und das Gefühl, dass Fragen schon vor offiziellen Debatten und Abstimmungen entschieden sind. Initiativen, Beschlüsse und Personalfragen werden bereits im Vorfeld im kleinen Kreis „ausgemacht“. Für eine erfolgreiche eigene Interessenvertretung ist die Mitgliedschaft in solchen Netzwerken beinahe unerlässlich, da Durchsetzungsmacht anscheinend nur noch so erzeugt werden kann.

Die LINKE ist eine netzpolitische Wüste. Unsere technischen Standards im Netz entsprechen dem Jahr 2000. Beteiligungsmöglichkeiten sind kaum zu finden. Soziale Netzwerke werden wenig genutzt. Linker Lifestyle im Internet? Fehlanzeige. Blogs und andere Diskussionsmöglichkeiten werden kaum wahrgenommen. Möglichkeiten zu Debatten oder echter Partizipation an Parteileben und politischer Arbeit werden trotz enormer Reichweite, Flexibilität und geringen Kosten nicht genutzt.

In mehreren Schritten zum Erfolg – Strategien für eine Neu-Erfindung einer LINKEN des 21. Jahrhunderts

Die Attraktivität der LINKEN für politischen Nachwuchs hängt mit sehr vielen verschiedenen Aspekten der Parteiorganisation zusammen. Fundamentale Verhaltensmuster des politischen Systems werden von der problematischen Situation in Frage gestellt. Entweder verweigern sich die Parteien weiter notwendigen Strukturreformen und setzen den Demokratieverlust fort. Oder die LINKE erneuert sich und kann Menschen tatsächlich wieder Mut zu politischen Veränderungen geben, um mit ihnen hier und heute dafür zu streiten. Die folgenden Punkte sind Strategien, die erst unter Beachtung der jeweiligen Situation in konkreten Maßnahmen münden können –Debatten darüber sind in der gesamten Partei nötig, und die so gefundenen Wege können nur gemeinsam gegangen werden.

Nach außen und in der Gesellschaft müssen wir uns deshalb für folgende Punkte einsetzen:

Mehr Demokratie sollte in diesem Sinne ein Mittelpunkt unserer Arbeit in der Gesellschaft sein. Von Entscheidungen Betroffene müssen realen Einfluss über diese Entscheidungen erlangen, nicht nur alle paar Jahre wählen dürfen. Sie sollen selbst ihre Geschicke in die Hand nehmen, wofür sie jedoch zur Initiative und Beteiligung motiviert und eingeladen werden müssen. So werden sie auch wieder mehr selbst Politik verändern wollen. Dezentrale Demokratie und hohes Maß an echter Partizipation sollen deshalb in jedem Bundesland und jeder Kommune gelebt werden. Mögliche Beispiele derartiger Initiativen sind: Direkte Demokratie, Volksbegehren mit geringen Hürden, E-Government.

Bürgerschaftliches Engagement stärken und anerkennen. Anerkennung (Ehrungen, Dankveranstaltungen) und Vorteile (Vergünstigen für Bibliothek, ÖPNV, kulturelle Einrichtungen etc.) im ehrenamtlichen Engagement motivieren, sich für gute Zwecke einzusetzen.

Verankerung in der Gesellschaft wieder stärken. Die LINKE ist bei weitem nicht mehr so verankert in Vereinen, Verbänden und in der Bürgerschaft wie noch vor 10 Jahren – dies war ein Markenzeichen der PDS. Politik für die Menschen bedeutet, ihre Wünsche aus erster

Hand zu kennen und konkret im Leben zu diskutieren. Die Partei muss sich insgesamt öffnen:

Einladende und beteiligungsorientierte Veranstaltungsformate sind nötig, mit denen nicht nur informiert und angehört wird, sondern Menschen selbst Politik mit der LINKEN gestalten können. Eine regelmäßige Kommunikation über Veranstaltungen und zivilgesellschaftliches Engagement muss stattfinden, auch außerhalb von Wahlen.

Wir müssen jedoch auch und vor allem unsere innere Organisationsstruktur und –kultur verändern:

Tradition und Modernisierung nicht gegen einander ausspielen. Um als Vorbild in die Gesellschaft auszustrahlen, sind moderne und beispielhafte Strukturen und Verhaltensweisen unverzichtbar. Gleichzeitig ruft das Gegeneinander unterschiedlicher Vorstellungen teilweise Konflikte hervor. Wir brauchen angemessenen Platz für ein „Sowohl Als Auch“, wenn es um klassische Veranstaltungsformate, Selbstorganisation der Basisgruppen oder traditionelle Kommunikationswege geht. Den verdienten GenossInnen darf nicht „ihre Partei“ weggenommen werden. Entsprechend müssen sie in die Verlagerung der Gestaltungs- und Willensbildungsprozesse hin zu einer progressiven Parteiorganisation und –kultur einbezogen werden.

Echte Anerkennungskultur gegenüber Personen, Inhalten und Arbeitsmethoden schaffen. Diese Kultur muss gemeinsam entwickelt und getragen werden, anhand der unterschiedlichen persönlichen Motivlagen vor allem von den Ehrenamtlichen und Freiwilligen. Bausteine für diese Kultur sind u.a.:

1. Intensives Kommunizieren und Betreuen auf Augenhöhe

2. Aktives Fördern von Fähigkeiten und Fertigkeiten

3. Gemeinsames Beraten über Interessenfelder und konkretes, projektbezogenes Engagement

4. Verantwortung und Autonomie zugestehen

5. Persönliche Wertschätzung zeigen

Attraktive Angebote zum politischen Engagement formulieren. Ein professionelles System der Aktivierung, Einbindung, Betreuung, Entwicklung und Anerkennung von Freiwilligen etablieren. Aktive Angebote zum Mitmachen anstatt weitgehende Selbstorganisation, die überwiegend in Inaktivität oder Austritt mündet. Konkrete, projektbasierte Angebote mit umfassenden Anforderungsprofil, motivierenden Aufgabe(n) und Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung formulieren und bekanntmachen. Effektive Bewerbung der Angebote auch außerhalb der Partei. Intensive Erstgespräche durch geschulte (!) Pateimitglieder bei Neumitgliedern, Freiwilligen und bisher Inaktiven, um beste Möglichkeiten zu erkennen, wie sie sowohl ihre eigenen Ansprüche an ihr Engagement verwirklichen als auch die „linke Sache“ allgemein bzw. in konkreten Themenstellungen bereichern können. Kontinuierliche Mitgliederbetreuung, bspw. auch per Mentoring.

Die LINKE zu einem gesellschaftlichen Kulturprojekt machen. Eine entscheidende Stärke der Arbeiterbewegung war, dass sie auch ein kulturelles Projekt war, das im Alltag der Menschen wurzelte. Solch ein Selbstverständnis fehlt uns, wir müssen jedoch „den Sozialismus aus dem Alltag der Menschen heraus entwickeln“. Welche Rolle spielt der Alltag überhaupt in unserem politischen Denken?

Ansprüche an unsere Nachwuchsarbeit müssen anhand unserer Ideale formuliert werden. Über diese müssen wir uns aber erst selbst verständigen und klar werden. Welche Werte, welche Qualifikationen und Kompetenzen wollen wir dem politischen Nachwuchs mitgeben

und welche erwarten wir von ihm? Dies ist auch eine Frage der Politischen Bildung und der innerparteilichen Kultur.

Politische Bildung an die Ansprüche der Freiwilligen anpassen, in der Reichweite verbreitern und mit Praxis verknüpfen. Neue Formate sind nötig, um auf individuelle Interessen und Ansprüche der Lernenden eingehen und ihre Gedanken produktiv zu machen. Qualifiziertes Personal muss auch bekannt und abrufbar sein, weshalb eine entsprechende (freiwillige, interne) Datenbank sinnvoll ist. Weiterbildung ist auch Identitätsbildung in einer linken Partei. Lernende müssen auch aktiv in politische Prozesse eingebunden werden, ebenso wie aktive Politiker nicht aufhören dürfen, zu lernen.

Innerparteiliche Mitbestimmung und Partizipation ausbauen. Wichtige Debatten zu zentralen Fragen müssen so breit wie möglich diskutiert werden. Echte Partizipation bedeutet Mitbestimmung. Delegiertenprinzip ist zu überdenken, Mitgliederentscheide und Vorwahlen sollten eingeführt werden. Mehr Demokratie bedeutet, Steuerungsverluste von Vorständen und Fraktionen gegen politische Wirkmächtigkeit einzutauschen. Partielle Öffnung innerparteilicher Entscheidungen, um in Gesellschaft zu wirken und neue MitstreiterInnen zu finden. Unterstützung dieser aufwändigeren Verfahren durch elektronische Abstimmungsformen, Diskussionsportale und Umfragen. Information und Transparenz maximieren, Informationsflut minimieren – zielgruppengerechte Information gewährleisten. Den Kommunikationsfluss zwischen Basis(organisationen) und Vorständen durch offene Einladungen, Sofortinformationen, Online-Mitschnitte etc. verbessern.

Mit einer modernisierten Parteiorganisation zurück in die Zukunft – zurück in eine Zeit, in der die sozialistischen Parteien Parteien des Fortschritts waren.

Diese Thesen sollen wachrütteln für die Gründe der strukturellen Krise der LINKEN als Mitgliederpartei. Sie sollen verstehen helfen, weshalb sich die LINKE in dieser Krise befindet, aber auch mit einer Auswahl möglicher Lösungsstrategien Mut zur Erneuerung machen.

Viele Menschen denken bereits intensiv darüber nach, wie man die jetzige Parteiorganisation und – kultur verbessern kann. Konkrete Ideen müssen in Diskussionen vor Ort und angesichts konkreter Umstände gefunden und umgesetzt werden – gemeinsam. Die notwendige Erneuerung ist eine existenzielle Frage für die LINKE, denn ohne die Unterstützung durch aktive Mitglieder und Interessierte, die am linken Gesellschaftsprojekt in der Partei mitwirken wollen, wird sie als Kern dieser gesamtgesellschaftlichen Gerechtigkeitsbewegung langsam und leise in sich zusammenfallen.

Es gibt bereits viele positive Beispiele, vielleicht schon in DEINEM (Nachbar-)Kreisverband. Lasst uns alle gemeinsam, egal welche Position oder welches Alter, diese positiven Beispiele weiter verfolgen und die Ideen von Gerechtigkeit und Solidarität wieder tief in der Gesellschaft verankern! Wir wissen, was es dafür braucht: Eine starke, eine attraktive, eine erneuerte LINKE.