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Der Glaube versetzt Berge Eine junge ehemalige Kommunistin aus Serbien erzählt über ihre Reise von
Der Glaube versetzt Berge
Eine junge ehemalige Kommunistin
aus Serbien erzählt über ihre Reise
von der Indoktrination zum Glauben
Von Natasha A. Jevtovic

Es könnte gut sein, daß manche Leser dieser Zeitschrift nicht mal an die Existenz Gottes glauben und ihre Exemplare einfach nur deshalb annehmen, um ihre Deutschkenntnisse aufzubessern. So habe ich vor einigen Jahren auch gedacht. Aber nicht lange.

Ich bin in einer kommunistischen Gesellschaft aufgewachsen, wo der Besuch einer Kirche oder einer Moschee verboten war. Meine Lehrer in der Schule brachten mir bei, es gäbe keinen Gott. Abergläubische Menschen hätten ihn erfunden, um sich Naturkatastrophen und Unheil wie Gewitter, Erdbeben und Tod erklären zu können. Mit wenigen Ausnahmen sind die meisten Leute hier nach wie vor davon überzeugt.

Mir wurde auch beigebracht, die Religion stünde im Widerspruch zu den Naturwissenschaften, und die Menschen stammten vom Affen ab. Alle meine Lehrer vertraten die Theorie von Charles Darwin. Infolgedessen erhielt ich keinerlei Informationen über religiöse Fragen -- abgesehen von dem, was ich in den Geschichtsbüchern las. Dort erfuhr ich von der Existenz eines Buddha, Mose, Jesus und Mohammed, aber sie wurden ausschließlich als politische Reformer dargestellt.

Kein System, in dem die Menschen zu einseitigem Denken gezwungen werden, kann jemals richtig funktionieren. Man kann die Menschen, die nicht so denken wie man selbst, zwar in Gefängnisse stecken oder in Konzentrationslager schicken, man kann ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen und sich ihrer Häuser und Ländereien bemächtigen, aber man kann ihnen niemals vorschreiben, was sie denken sollen. Nur Gott weiß, was in den Köpfen der Menschen vor sich geht.

In der Theorie ist der Kommunismus eine recht gut durchdachte Philosophie: Sie strebt eine gerechte Gesellschaft an, in der alle Menschen gleich sind. Ein solches System ist weitaus besser als eines, in dem die Reichen auf Kosten der Armen leben. Aber es läßt sich kaum in die Praxis umsetzen, weil es Gott ablehnt.

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Waren die Begründer des Kommunismus vielleicht gar nicht ernsthaft an Gleichheit und Gerechtigkeit interessiert? Bestand ihr eigentliches Ziel vielmehr darin, den Glauben in den Herzen der Menschen zu ersticken, um sie leichter manipulieren und mit jedweder Philosophie indoktrinieren zu können, die ihren politischen Absichten entgegenkam? Vielleicht werden wir das nie ergründen.

Als ich sechs Jahre alt war, starb unser Kommunistenführer -- Marschall Tito. Die ganze Nation trauerte. Ich erinnere mich an den Abend, als die Lichter ausgingen und die ganze Familie still wurde. Der Nachrichtensprecher im Fernsehen sagte: "Tito ist tot." Das versetzte mir einen Schock. "Was hat der Mann gesagt, Mama? Wie kann der so eine Lüge im Fernsehen verbreiten? Tito kann nicht sterben!" Ich weiß nicht mehr, wie klar mir die Vorstellung von einem Gott war, aber ganz bestimmt -- Tito war mein Gott. So wie man von ihm geredet und was ich im Fernsehen von ihm gesehen hatte, konnte ich ihn mir gar nicht anders vorstellen. Erst heute, nach so vielen Jahren, erkenne ich, daß es pure Götzenverehrung war, die sich um so schrecklicher anhört, wenn sie aus Kindermund kommt.

Früher oder später beginnt sich jeder Mensch zu fragen, woher er kommt, wohin er geht und worin der Sinn seines Lebens besteht. Ibn Tufayl hat ein wunderbares Buch mit dem Titel The Living Son of the Eternal geschrieben: Die Handlung spielt in der Epoche der arabischen Herrschaft über Spanien und erzählt die Geschichte eines Jungen, der auf einer verlassenen Insel lebte und von einer Gazelle aufgezogen wurde. Dieser Junge sah all die Wunder der göttlichen Schöpfung um sich herum und kam zu der Erkenntnis, daß es einen Schöpfer all dieser Vollkommenheit gibt. Und ihm wurde klar, daß es Gott war.

Doch dann kam ein Philosoph auf die Insel und traf dort auf den jungen Mann. Diese Begegnung war emotionsgeladen und mühsam, denn der junge Wilde sprach keine menschliche Sprache und trug keine Kleider auf seinem behaarten Körper. Nach einer Weile hatte der Philosoph dem Wilden das Sprechen beigebracht und unternahm nun den Versuch, ihn zum Islam zu bekehren und dessen wichtigste Botschaft zu vermitteln: Es gibt nur einen Gott. Der Wilde lächelte und sagte, daran glaube er schon seit langer Zeit. Dieses berühmte Buch hat nicht nur Daniel Defoe zu seinem Roman "Robinson Crusoe" angeregt -- es lehrt uns auch, daß Gott gerecht ist und daß er keinen Menschen ohne Wegweisung allein läßt, selbst wenn dieser im entferntesten Winkel der Erde lebt.

Der Mensch ist auf den Glauben hin angelegt, wie Paulus schreibt (Röm. 1:18-20): " Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, so daß sie keine Entschuldigung haben."

Ich erinnere mich an eine wunderschöne Perle kindlicher Weisheit: Der berühmte serbische Dichter Miroslav Antic hatte ein paar kleine Kinder zu verschiedenen Themen befragt und ihre Antworten in einem Buch verarbeitet. Auf die Frage, was es von Gott wisse, hatte eines der Kinder geantwortet: "Gott gibt es nicht, aber der straft einen immer, wenn man böse ist." An dieser Aussage ist deutlich zu erkennen, daß die Kinder in

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meinem Land dahingehend indoktriniert wurden, Gottes Existenz zu leugnen; aber der ihnen innewohnende Glaube an Gott, die Furcht vor seiner Strafe und die Hoffnung auf seine Gnade sind letztlich ans Tageslicht gekommen und haben die solchermaßen auferlegte Denkschablone durchbrochen.

Als ich älter wurde, erfuhr ich, daß der Glaube an Gott im ehemalig kommunistischen Jugoslawien Gefängnis bedeuten konnte. In Bosnien und Herzegowina beispielsweise gab es eine Bewegung, die sich "Junge Muslime" nannte und für Glaubensfreiheit kämpfte. Die meisten Anhänger dieser Bewegung landeten im Gefängnis, unter ihnen der heutige bosnische Staatspräsident Alija Izetbegovic.

Doch nicht nur die Religion konnte einen hinter Zuchthausmauern bringen -- man brauchte nur in die falsche Richtung zu denken, und sie dann äußern! Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus verbesserten sich die Lebensumstände in meinem Land insofern, als religiöse Informationen nicht mehr mit einem Embargo belegt waren. Die Verfassung der Bundesrepublik Jugoslawien läßt heute Glaubensfreiheit sowie die öffentliche und private Ausübung religiöser Gebräuche zu (Artikel 43). Die Schlacht ist gewonnen, aber nur halb. Die Menschen in Serbien gehen immer noch höchstens ein- bis zweimal im Jahr zur Kirche und betrachten das Tragen des Kreuzes als "neumodisch". Fünfzig Jahre Ungläubigkeit haben schreckliche Narben in meinem Volk hinterlassen. Heute sehen viele junge Mädchen außereheliche Geschlechtsbeziehungen und Abtreibung als rechtmäßig an. Die Folge ist, daß mehr Menschen sterben, als neue geboren werden.

Im Alter von achtzehn Jahren fühlte ich eine gewisse innere Leere und begann darüber nachzudenken, ob es überhaupt ein ewiges Leben und ewige Liebe gebe. Ich fragte mich, ob das Leben einen Sinn habe und wenn ja, wie man den finden könne. Und dann begann ich instinktiv, Gott im Gebet zu bitten, mir den Weg zu zeigen. Kurz darauf nahm er mir in seiner Güte mein steinernes Herz weg und gab mir ein fleischernes Herz (Hes. 36:26).

Die Macht des Gebets ist groß genug, um Berge zu versetzen. Mit der Zeit lernte ich diese Macht zu schätzen, und seither nutze ich sie, wann immer ich niedergeschlagen oder in Schwierigkeiten bin und keinen Ausweg mehr weiß. Gott ist nicht "da oben im Himmel", fern von seiner Schöpfung. Er ist uns näher als unsere Halsschlagader, und darum sollten wir uns an ihn wenden, damit wir die Freude und Erregung der wirklichen Liebe erfahren, die niemals aufhört (1. Kor. 13:8).

Mit Gott an meiner Seite fühle ich mich sehr stark, denn: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? (Röm. 8: 31). Das spürte ich besonders deutlich, als ich einmal einem Freund versprochen hatte, ich würde zu ihm kommen und ihm helfen; dazu mußte ich mich aber an einen Ort begeben, der von meinem damaligen Standort noch eine halbe Stunde weit entfernt war. Die Straßenbahnen standen plötzlich alle still, weil eine davon mit einem Defekt liegengeblieben war und weitere Wagen nicht mehr durchkamen; die Bushaltestelle war zu weit weg, und für ein Taxi hatte ich kein Geld. Auch ein Dauerlauf oder Fußmarsch kam nicht in Frage, da wir mitten in einem Schneesturm waren. Ich sah keine konkrete Möglichkeit, rechzeitig bei meinem Freund zu sein, und das bedeutete,

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daß ich mein Versprechen nicht halten konnte. Ich begann zu beten -- in der Gewißheit, daß Gott die Macht hätte, mir sogar einen Engel zu schicken, der mich im Nu dorthin bringen würde. In dem Augenblick, als ich aus der Straßenbahn stieg, kam ein Taxi vorbei, und ein Mädchen, das ich von der Universität her kannte, fragte mich vom bequemen Rücksitz aus, ob ich nicht mitfahren wollte. Muß ich noch hinzufügen, daß sie genau dorthin fuhr, wohin auch ich wollte?

Es gibt noch Wunder. Vielleicht meinen Sie, das war purer Zufall. Doch Leute wie ich erleben solche Situationen immer wieder. Viele Zweifler und Skeptiker meinen, Jesus Christus sei für unsere Erlösung nicht wichtig. Doch er ist die Grundlage des Glaubens an Gott; er ist uns das Zeichen auf dem Weg, damit wir nicht vom rechten Pfad abkommen. Deshalb ist er auch für manche Menschen der Stein des Anstoßes, über den sie stolpern. Wenn Sie zu denen zählen, die nicht an Christus glauben oder ihn und seine Botschaft völlig mißverstehen, dann beten Sie zu Gott, er möge Ihnen helfen. Fordern Sie ihn heraus -- Sie könnten überrascht sein. Wenn Sie sich seiner Existenz nicht sicher sind, bitten Sie ihn, daß er Ihnen ein Zeichen geben möge. Wenn Sie an der Bibel zweifeln, fragen Sie ihn, ob die Bibel das sei, was er offenbart hat. Sie können ihm alles sagen, was Sie in Ihrem Herzen fühlen -- in Ihrer Muttersprache --, und aufmerksam darauf warten, daß ein Wunder geschieht. Ich habe in einem Buch ein wunderschönes altes Gebet gefunden, das ich mir immer wieder vorsage, weil ich mich darin so sehr angesprochen fühle:

"Im Namen des gnädigen und barmherzigen Gottes! Gott sei Lob, dem Herrn allen Seins, dem All-Gnädigen, dem All-Barmherzigen,

dem Richter am Tag des Gerichts.

Dir allein dienen wir; von Dir allein erbitten wir Hilfe. Führe uns den rechten Weg, den Weg derer, die Du gesegnet hast, nicht den Weg derer, denen Du zürnst, und nicht den Weg derer, die irregegangen sind."

Ich habe den Weg zu Gott gefunden. Vielleicht werden Sie einmal einen erhellenden Traum haben. Oder Sie werden mal einen Ihrer alten Freunde besuchen, die irdischen Genüssen erlegen sind und zum Beispiel Alkoholika konsumieren oder Drogen nehmen, und plötzlich werden Sie merken, daß Sie dort nicht hingehören. Oder Ihre Probleme werden mit Hilfe des besten Psychiaters, den es gibt, allmählich eine Lösung finden. Er wird Ihr Los erleichtern, wenn Sie ihm Ihr Leben widmen.

Jesus hat gesagt, daß wir kraft unseres Glaubens und durch unser Gebet Berge versetzen und auf dem Wasser gehen können.

Wagen wir den Versuch!

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