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León W. Schönau

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2007-08-11

Kolumne

ZEITUNG

Fliegende Weine: zum Weinen.

Bis zum 5. November 2006 war alles im roten bzw. weißen Weinbereich. Nein, es wurde nicht wirklich geheult bei den jeweiligen Abflügen aus dem kanarischen Paradies in die antikanarische kühle, matschige oder nieselige deutsche Ankunftslandschaft mit Hauptstadthintergrund. Ein paar Tränen, na klar. Dennoch zugleich ein Lächeln. Vorfreude! Mit mir flogen nicht nur die schönsten Erinnerungen an Insel und Leute sondern auch „ el sabor puro“. In der überwiegend 0,7 Liter glücksverheißenden gläsernen Umhüllung- botellas muy importantes. Das Beste, was man sich neben Sonne, Musik und Natur auf einer der sieben Inseln der Glückseligen einfangen und daheim ins Ferienerinnerungsglas entlassen kann: Kanarischer Wein. Einfach ins Handgepäck. Was sonst? Mal „Malvasia Dulce 95“, mal „Teneguia tinto“, mindestens zwei edle „El Grifo blanco“ und nicht zu vergessen den guten „Hoyo mazo“– aber genug der Weinwerbung. Ab hier darf wirklich geweint werden. Denn ab dem 6. November ist nun dank der EU-Verordnung VO 1546/2006 Schluss mit dem Wein an meiner Seite im Flieger. Natürlich: Nine-Eleven. Und natürlich auch ist nichts ganz ausgeschlossen, denn 100 ml Wein könnten es wohl sein und das im durchsichtigen klettverschlossenenen Plastiktütchen (bis zu einem Liter!). Nicht was Sie denken – habe ich überhaupt nicht versucht. Der EU-Verordnungstext spricht von Flüssigkeiten als von Gels,

Pasten, Lotion, aber eben auch von „Getränken“. Könnte man ja wirklich mal

und Babynahrung dürfen frei wie immer mitgeführt werden. Wein ist ja auch eine Art

Medizin, könnte man ja mal wirklich

Vor allem, wenn alles „an den Kontrollstellen belegt“ werden muss. Mir liegen noch die klagenden Weinbauern und Kellermeister in den Ohren. Preisverfall der teuren Tropfen. Der Weinverkaufsstau von La Palma bis Lanzarote, von Teneriffa bis Gran Canaria. Schon 50 %

des Weinumsatzes inselweit sollen wegen des Flaschenhalses bei den Flugkontrollen in den Weinkeller gegangen sein, sagt die Weinstatistik. Wenn das Urlauberhandgepäck weiterhin weinleer bleibt, werden die Bodegas vor Fässern und Flaschen platzen. Wer oder was hilft? Duty –Free- Shops neu entdecken und mit diversen plombierten Weintragtaschen in die Touristensessel fallen? Weinverkaufsstände gleich hinter den strengen Flüssigkeitskontrollsystemen? Alles höchst aufwändig. Und der Weinpreis schnellt sowieso wieder weiter oben. Weinlos- und damit wesentlich erinnerungsloser aus dem Urlaub nach Hause? Das darf nicht sein! Schon wird von der Weinwirtschaft nach der Ausnahmereglung gerufen. Aber nur für kanarischen Wein! (Denn die Mojoproduzenten wollen auch schon

eine). Das kann dauern

bereits gefunden: Mein kleiner Extra-Weinkoffer der doppelt gepolsterten Art ist mein neues Accessoire im Kanaren-Fluggepäck. A su salud!

Medikamente

In Babyflaschen allerdings? Schändlicher Gedanke!

Ich habe deshalb meine bescheidene Weingepäckzwischenlösung