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18.01.12

Gesichtserkennung - Überwachung wird gesellschaftsfähig | Cicero Online

18.01.12 Gesichtserkennung - Überwachung wird gesellschaftsfähig | Cicero Online

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Überwachung wird gesellschaftsf hig

VON PA RICK BE H 27. JULI 2011

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VON PA RICK BE H 27. JULI 2011 pic re alliance Raus aus der Anonymit t

Raus aus der Anonymit t und hinein in ein System universeller Identifizierbarkeit

Gesichtserkennung findet den Weg in Soziale Netzwerke und in Foto-Programme für Privatanwender. Die müssen dafür einen Kontrollverlust über ihre persönlichen Daten in Kauf nehmen. Nebenbei helfen sie mit, die Erkennungssysteme zu verbessern wovon in erster Linie Unternehmen und Sicherheitsbehörden profitieren.

Fast immer findet Eric Schmidt die neuen Produkte und Ideen von Google fantastisch. Kein Wunder, Schmidt war schließlich lange Jahre der Konzernchef und sitzt heute im Verwaltungsrat. Aber ein einziges Mal befand er das, was seine Entwickler ihm anboten, offiziell für zu gruselig“. Es war die Fähigkeit des Google-Dienstes Goggles“, auf Fotos nicht nur die darauf abgebildeten Sehenswürdigkeiten zu erkennen – sondern auch Menschen. Ein Schnappschuss mit der Handy- Kamera, schon weiß der Fotograf, wer vor einem steht. Es wird ihm auf dem Handybildschirm angezeigt. Schmidt versicherte vor etwa einem Jahr mehrfach, dass diese Funktion nicht freigeschaltet werde. Die Bedenken gegen den möglichen Eingriff in die Privatsphäre der Menschen waren zu groß.

Doch ganz auf diese Technologie verzichten will Google nicht. Wie jetzt bekannt wurde, hat der Konzern die Firma PittPatt (Pittsburgh Pattern Recognition) gekauft, die seit sieben Jahren Gesichtserkennungs-Software entwickelt. Was genau man mit dem neuen Wissen anfangen will, hat Google bisher nicht erklärt. Möglicherweise fühlt man sich von Facebook unter Druck gesetzt. Denn das Soziale Netzwerk hat kürzlich eine Gesichtserkennung aktiviert, wie üblich standardmäßig für alle Nutzer und ohne diese gezielt darüber zu informieren. Das Prinzip: Wer Fotos bei Facebook hochlädt – und das passiert jeden Monat 2,5 Milliarden Mal – bekommt angezeigt, welche seiner Freunde und Bekannten auf diesen Bilder zu sehen sind, wenn die Facebook-Software glaubt, jemanden erkannt zu haben. Schlägt die Software den korrekten Namen vor, kann der Nutzer das

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mit einem Klick bestätigen und das Bild so beschriften. Immerhin wird der Identifizierte automatisch benachrichtigt – aber eben erst hinterher.

Auch die Foto-Management-Programme iPhoto von Apple, Live Fotogalerie 2011 von Microsoft und Picasa von Google haben bereits eingeschränkte Möglichkeiten, Gesichter zu erkennen. Die beiden erstgenannten schaffen es sogar, dieselbe Person auf Fotos wiederzuerkennen, die im Abstand von 15 Jahren gemacht wurden. Und im Frühjahr 2010 stellte die schwedische Firma The Astonishing Tribe eine Software namens Recognizr“ vor. Dabei handelte es sich um eine Gesichtserkennung mit Einverständniserklärung: Ein Nutzer hinterlegt ein Foto von sich selbst, seinen Namen und vor allem seine Profiladressen bei Facebook, Twitter oder Xing beim Anbieter. Wenn nun jemand diesen Menschen mit einem Handy fotografiert, das mit der Recognizr-Software ausgestattet ist, gleicht diese das Bild mit der Recognizr-Datenbank ab und blendet die dazugehörigen Daten und Internetadressen des Fotografierten ein.

Zum Mitmachen hätten sich also beide Teilnehmer registrieren müssen. Theoretisch. Denn das Unternehmen erklärte nicht, wie es verhindern wollte, dass jemand im Namen eines anderen ein Bild samt (echten oder gefälschten) Daten hinterlegt, ohne dass der Betreffende es merkt. Stattdessen entschied The Astonishing Tribe, die Software lieber gar nicht erst für einzelne Anwender anzubieten, sondern nur Handy-Herstellern oder anderen Firmen, die Recognizr“ weiterentwickeln sollten. Unzählige andere Firmen, aber auch Forschungsinstitute arbeiten an ähnlichen Lösungen zur Gesichtserkennung.

Es ist der Sprung einer Technologie aus dem Reich der Sicherheitsbehörden in den der Privatanwender. Pessimistisch ausgedrückt: Überwachungstechnologie wird gesellschaftsfähig. Denn der Schutz der Privatsphäre wird denen, die darauf Wert legen, zumindest erschwert. Wer bei Facebook nicht automatisch erkannt werden will, muss die Funktion selbst in seinen Einstellungen deaktivieren. Wer nicht möchte, dass sein Name in Verbindung mit seinem Foto auf Googles Server landet, muss darauf vertrauen, dass seine Bekannten ihn nicht in Picasa markieren – der Erkennungs- Dienst funktioniert nämlich nur mit hochgeladenen Bildern. Und gegen Gesichtserkennung im öffentlichen Raum helfen im schlimmsten Fall nur noch Sonnebrillen und Hüte.

Die Gefahr für die Privatsphäre ist dabei nicht einfach, dass jemand von einer Software erkannt und auf einem Foto markiert wird. Für die Mehrzahl der Fotos etwa bei Facebook ist es einfach ein praktisches Tool, dass die Vernetzung der Mitglieder untereinander weiter vorantreibt. Die Gefahr ist, dass jemand – ob nun bei Facebook oder woanders - nicht mitbekommt, dass er erkannt und markiert wurde. Dass er keine Kontrolle darüber hat. Wer nicht weiß, dass Fotos existieren, auf denen er identifiziert wurde, kann sich auch nicht dagegen wehren. Dabei sind viele Situationen denkbar, in denen Beweisfotos“ hochproblematisch sein können: Bilder von Demonstrationen oder einfach den falschen“ Partys können vom Berufsanfänger bis zum Dissidenten viele Menschen in Schwierigkeiten bringen. Wer aber damit rechnen muss, immer und überall erkannt zu werden, ändert aus Angst davor wahrscheinlich sein Verhalten. Spätestens an diesem Punkt verändert Gesichtserkennung die Gesellschaft in einem Umfang, der nicht mehr tolerierbar ist.

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Experten betrachten solche Szenarien keineswegs als Science Fiction. Constanze Kurz und Frank Rieger vom Chaos Computer Club schreiben in ihrem Buch Die Datenfresser“: Die Zeiten, in denen wir noch anonym in einem Café sitzen konnten, ohne von anderen Gästen – und sei es aus Langeweile – mit Hilfe des Mobiltelefons identifiziert zu werden, könnten uns in zehn Jahren vielleicht paradiesisch erscheinen.“ Sie verweisen auf die rasanten technischen Fortschritte und warnen: Das Ziel universeller und ubiquitärer Identifizierbarkeit jedes Menschen, egal ob im Netz oder auf der Straße, wird durchaus mit großem Nachdruck verfolgt. Um sich noch unbeobachtet und

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unidentifiziert bewegen zu können, wird man zukünftig einen gewissen Aufwand betreiben müssen.

Trotzdem preisen die Entwickler von Gesichtserkennungs-Software ihre Technologie als etwas an, das dem Privatanwender das Leben leichter macht. Und sei es nur das Verwalten der eigenen Bildersammlung. Die Frage, ob hier die Technologie wirklich den Bedürfnissen der Nutzer folgt oder ob die Nutzer ihr Verhalten den technischen Möglichkeiten anpassen, die ihnen Facebook und die anderen an die Hand geben, ist schnell beantwortet: Kein Unternehmen entwickelt etwas so Aufwendiges wie eine Gesichtserkennung, nur weil es seinen Kunden etwas Gutes tun will. Facebook hat ganz sicher keine Unmengen von Nutzeranfragen bekommen, doch bitte eine Gesichtserkennung einzuführen, damit das Beschriften von Bildern schneller geht. Jedes dieser Unternehmen will mit den Datensammlungen, die entstehen, irgendwann Geld verdienen. Das könnte auch klappen, denn die Datensätze sind für viele Abnehmer hochinteressant.

Das Profil eines potenziellen Kunden wird für Werbetreibende schließlich sehr viel aussagekräftiger, wenn er automatisch auf Fotos erkannt wird, die auch darauf schließen lassen, wann er wo war – also wofür er sich interessiert. Längst kursieren auch Überlegungen, Geschäfte mit Kameras auszustatten, die eintretende Kunden wiedererkennen. Wie bei Amazon.com, nur eben in der realen Welt. Andere Erkennungssoftware ermittelt auch die Stimmung eines Kunden, sein Alter und sein Geschlecht. Das könnte in interaktiven Schaufenstern zum Einblenden passender Werbung benutzt werden.

Doch Hauptabnehmer solcher Software ist nicht die Privatwirtschaft. Es sind die Sicherheitsbehörden. Und auch die profitieren davon, wenn Privatanwender eine Gesichtserkennung benutzen. Denn jedes korrekt erkannte oder von Hand markierte Foto hilft einem Entwickler von Erkennungssoftware, das Produkt zu verbessern.

Schon lange befürchten selbst in Deutschland manche eine schleichende Entwicklung zum Überwachungsstaat. Daran muss man nicht glauben. Aber ein Blick nach China reicht, um zu sehen, um wie viele Längen die staatliche Paranoia mitunter die private schlägt.

Um die Bevölkerung auf Schritt und Tritt zu kontrollieren, benutzt die chinesische Regierung gerne Technologien, die im Westen (weiter)entwickelt wurden. In der Stadt Chongqing sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren 500.000 Überwachungskameras aus den USA installiert werden – angeblich, um die grassierende Kriminalität zu bekämpfen. Sollte es irgendwann möglich sein, damit auch Personen automatisch zu identifizieren, könnten sich die Einwohner in besonders überwachten Bereichen kaum noch unerkannt bewegen. Zum Glück für die Chinesen sehen sie alle gleich aus.

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