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. ~ Unser Experte

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.Dr.Ingo Froböse

. Leiter

des Zentrums

für Gesundheit

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Köln

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Bewegung,

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Null Rückenschmerzen, niedriger Blutdruck, ein gesundes Herz. Deutschlands renommiertester Sportmediziner sagt, was dafür wirklich notwendig ist

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M USS ich

gesünder

Sport

treiben,

um

zu leben,

Profes-

sor Nein, 75 Prozent aller Menschen haben ohnehin einfach keine Lust darauf. Das macht auch nichts. Denn was wir für un- sere Gesundheit brauchen, sind 5x pro Woche, besser 7x 30 Minuten körperli- che Aktivität. Und so wenig Bewegung genügt? Das Wichtigste ist, dass wir körperliche Aktivität regelmäßig in den Alltag inte-

grieren. Wenn ich mich an zwei Abenden pro Woche abends im Fitnessstudio ab- mühe, dann habe ich immer noch fünf

Froböse?

Tage, an denen ich mich nicht bewege. Das ist nicht gut.

Also gilt: Je länger, desto besser?

Eben nicht. Es gibt sehr viele Menschen,

die deutlich

Marathonläufer ähneln fast Herzkranken, wenn Sie sich in den ersten vier Wochen nach dem Lauf deren Blutwerte und Ent- zündungswerte ansehen. Und wie geht es schlauer? Täglich 30 Minuten. Entscheidend ist, dass es zu keiner Überlastung kommt- und zu keiner einseitigen Belastung. Ge- rade die Mischung, die Abwechslung und Vielfältigkeit macht den Erfolg. Und

übertreiben.

Die meisten

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Fortsetzung von Seite 39

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das gilt für jeden Menschen. Ärzte raten aber doch Bluthochdruck- patienten von jeder Art von sportli- chen Belastung ab, oder? Das ist falsch. Gemäßigte Ausdauerbe- wegungen reduzieren hohen Blutdruck. Vorsicht ist nur bei Einnahme von Beta- blockern geboten. Ansonsten bewirkt Bewegung, dass das Herzökonomischer arbeitet, das heißt, dass sich die Pump- leistung verbessert. Und bei Rückenschmerzen? Gut 80 Prozent aller Rückenschmerzen sind auf eine vernachlässigte Muskulatur zurückzuführen - eine Unterforderung also. Muskelaufbau führt deshalb fast immer zur Schmerzlinderung. Aber es gibt doch sicher eine Alters-

grenze

niemand

nen, oder? Joggen ist tatsächlich keine gute Idee, das geht zu sehr auf die Gelenke. Das gilt allerdings auch für Jüngere. Was bringen denn im fortgeschritte-

-

mit 60 sollte

zum Beispiel

begin-

mehr mit dem Joggen

~ nen Alternoch kräftige Muskeln?

Effekt (s. Tabelle

~ oben) ist immer derselbe, ganz gleich, ob

~ Der gesundheitliche

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DO 21.00 MDR Hauptsachege-

sund Wie fit sind Herz, Hirn und Lunge?Der

CheckzumMitmachen

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40 I3/12 tv hören und sehen

Warum unser Herz Bewegung braucht

Bei Bewegungwird das Alarmsystem des Körpers gedämpft: Die Neben- nieren schütten geringere Mengen der Hormone Adrenalin und Norad- renalin aus. Das lässt den Blutdruck im Notfallweniger in die Höheschnel- len und reduziert die Pulsfrequenz-

auch im entspannten Zustand. All das führt dazu, dass das Herzökonomischer

arbeitet und das Infarktrisiko sinkt.

So senkt ausdauernde

Bewegung das Krankheitsrisiko

Asthma Bluthochdruck Chronische Bronchitis

Typ-2-Diabetes

Herzinsuffienz

Koronare

Herzerkrankungen

Zahl der

Krankenhaustage

-

.

Quelle: Sporthochschule

.

Köln

minus

38%

minus

30%

minus

52%

minus

62%

minus

55%

minus

67%

minus

29%

wir mit 30 oder 60 Jahren damit begin- nen. Damit kräftigen wir das Herz-Kreis- lauf- und das Immunsy~tem. Und nicht zuletzt auch unser Denkvermögen. Was meinen Sie konkret? Forschungen zeigen zum Beispiel deut- lich, dass es bei ausdauernden Bewe- gungen wie Radfahren, Spazierengehen und auch beim Schwimmen sogar im hohen Alter noch zum Wachstum von Nervenzellen kommt. Forschungen zeigen aber auch, dass eine fehlerhafte Haltung, zum Beispiel beim Brustschwimmen oder Radfah-

ren, zu Verspannungen

Sicher kann ein zu krummer

beim Fahrradfahren zu Verspannungen führen, wie auch der aus dem Wasser

herausragende Kopf beim Brustschwim- men. Jedoch stehen diese Verspannun- gen in keinem Verhältnis zu dem beinahe 70 Prozent geringeren Risiko, am Herzen oder an anderen Organen zu erkranken.

Warum

durch Bewegung so drastisch?

führt.

Rücken

sinkt

das

Krankheitsrisiko

Wird die Sauerstoffkapazität

des Körpers

durch Bewegung vergrößert, wird mehr innere Energie freigesetzt und dadurch vielen Krankheitender Nährboden entzo- gen. Wird aber die anaerobe Schwelle durch zu viel Bewegung überschritten, besteht die Gefahr einer Übersäuerung in der Muskulatur. In dem Moment wird die positive Wirkung der Bewegung komplett zunichte gemacht.

Es kommt also auf das Wieviel an?

Ja, 30 Minuten sind ideal, weil in dieser Zeitspanne der Körper nicht an seine Leistungsgrenze gebracht wird.

30 Minuten

was men, Spazierengehen oder Radfah-

ren?

tun?

Lieber

Schwim-

I

Abwechslung und Vielseitigkeit machen ~ den Erfolg. Hier ist nicht eine Bewegung empfehlenswerter als die andere. Am besten, Sie machen alles immer wieder abwechselnd.

I

Ich gehe aber am liebsten spazieren.

Kein Problem. Es wird Ihnen garantiert nicht schaden. Eine vielseitige Bewe- gung erzielt aber noch größere Erfolge. Warum? Weil sich der Körper mit der Zeit an Be- wegungsmuster gewöhnt, die sich stän- dig wiederholen. Irgendwann stellt der SpaziergangkeinerleiAufwand mehr dar, sofern Sie die Intensität des Gehens nicht ständig steigern. Die beanspruch- ten Muskelgruppen haben sich bald an die Belastung gewöhnt. Ein Radausflug oder ein paar Bahnen im Schwimmbad würden jetzt vollkommen andere Berei- che unseres Körpers fordern. Aber ich könnte auch statt anderer Bewegungen einfach längere und schnellere Spaziergänge machen? Für Ihr Herz-Kreislauf-System wäre das völlig okay. Auch eine Körperzelle weiß wirklich nicht, ob ich mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs bin; sie weiß nur, dass ich unterwegs bin, und kann dement- sprechend Energieproduzieren. Aber bei Muskeln, Sehnen und Gelenken sieht das anders aus. Wer unseren Stütz- und Bewegungsapparat möglichst optimal versorgen will, sollte entsprechend viele Bewegungsmuster anbieten. Auch Rü- cken und Hüfte profitieren vom Bewe-

gungs-Dreiklang. Dennoch darf bei aller Vielseitigkeit der Spaß nie verloren gehen - denn auch der ist wichtig für unsere

Gesundheit.

INTERVIEW:u. FACH

I

Warum jeder Besuch

im Schwimmbad

Herzinfarktrisiko senkt:

Wasser hat eine etwa tausendmal grö-

das

I

ßere Dichteals Luft. Der hoheDruckauf

den Körper presst die Blutgefäße an der Hautoberfläche zusammen und drängt

I

das Blut zurück in den Brustraum. Das

.

Herzmuss entsprechendgegendrücken

.

undmehr Blutpro Schlagtransportieren.

Die Folge nach regelmäßigem

Training:

.

Das Herzvolumenwird vergrößert, die

I Herzfrequenz sinkt, und das Herz arbei- . tet effizienter.

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I.

I Warum jeder Schritt

. den Rücken heilt:

 

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UnsergesamterKörperist von Natur

L

aus perfekt auf Gehbewegungenabge- stimmt. Davon profitiert insbesondere die Wirbelsäule.Dennjeder Schritt führt zu einer leichten Rotation zwischen Schulterachse und Becken. Das wirkt auf die Bandscheibenwie eineMassage. Zusätzlich wird die umliegendeTiefen-

I muskulatur aktiviert und gestärkt.

I Wirbelund Bandscheibenhabendadurch

I besseren Rückhalt. Außerdem beugt

I diese Bewegung Krampfadern, Throm-

I bosen, Knochenbrüchen und Schlag-

anfällen vor.

I Warum uns jeder

Meter auf dem Rad vor dem Nachlassen des Gedächtnisses schützt:

Beim Radfahren werden nahezu alle

I Muskelgruppentrainiert,undMuskelar-

beit bedeutet einestarke Stoffwechsel-

aktivität- der besteSchutzvor Alzheimer.

~ Außer Herzund Lunge,Rücken-,Rumpf-

I

und Bewegungsmuskeln profitieren auch

die Muskeln der Blutgefäße von der größeren Sauerstoffdurchflutung. Sie

.

können sich besser an Belastungen

I

anpassen. Folge:Der Blutdruck sinkt.

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