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Otto-von-Guericke-Universit at¨ Magdeburg Fakult at¨ f ur¨ Naturwissenschaften

Harald B ottger¨

HARMONICES MUNDI“

Abschiedsvorlesung

gehalten am 27. Januar 2005

Harald B ottger¨

Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.“ (Jorge Luis Borges)

HARMONICES MUNDI“

— uber¨

Kepler, Physik, Musik und Alchemie

Abschiedsvorlesung

anitzo mit sonderbahrem Fleiß compilieret und mit vilen newen Additionibus und Anmerckungen vermehret“

Mai 2005

Inhalt

Theorienbildung

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6

Weltharmonik

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16

Johannes Kepler .

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27

Physik und Musik

 

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44

Der Dreiklang der Sch opfung¨

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61

Quintessenz

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70

Epilog

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72

Abbildungen

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75

Keplerus, (Joann) einer derer vornehmsten

Astronomorum

(Zedlers Universal-Lexikon, 1732–1754)

.“

Wer an die Straßen baut

der soll sich nit an der Leute

Reden st oren.Ҭ

(Johannes Kepler)

Magnifizenz, liebe Kollegen, liebe Gaste,¨ meine sehr geehrten Damen und Herren!

Nach dem heute Gehorten¨ und Erlebten hatte¨ ich guten Grund die ge- samte mir zur Verfugung¨ stehende Redezeit fur¨ Dankesworte zu nut- zen. Da Sie aber, der Einladung entsprechend, von mir jetzt eine Abschieds- vorlesung zum Thema Harmonices mundi“ erwarten, muß ich meine Danksagung auf wenige S¨atze beschranken.¨

Ich freue mich, hier heute mit Ihnen zusammensein zu durfen¨ . Ich dan- ke Ihnen fur¨ Ihr Kommen und Ihre Gluckw¨ unsche.¨ Meinen Vorrednern danke ich fur¨ ihre freundlichen, ja herzlichen Worte. Meiner Frau Tochter danke ich fur¨ ihr feines Cellospiel. Und nicht zu- letzt danke ich meiner Sekretarin¨ fur¨ die umsichtige organisatorische Vorbereitung unseres heutigen Zusammenseins.

Harmonices mundi“ ist der Titel von Johannes Keplers (1571–1630)

Planetenbewegung und

Sph arenharmonie¨

dieses Werkes, unter dem Titel Weltharmonik“, entliehen aus der Bi- bliothek der Universit at,¨ liegt seit Jahren auf meinem Sch reibtisch, als eine Art Heiligtum (Abb. 2). Harmonices mundi“ habe ich als Uberschrift f ur¨ meine Abschiedsvor- lesung gewahlt,¨ zum einen schon des Wohlklanges der Worte wegen, zum anderen klingt dieses Harmonices mundi“ doch so sch on¨ gelehrt,

gewichtigem Werk aus dem Jahre 1619 uber¨

(Abb. 1). Ein Exemplar der deutschen Ubersetzung

¨

¨

und nicht zuletzt l¨aßt Harmonices mundi“ ganz gut erahnen, wor uber¨

ich hier heute sprechen m ochte:¨

Theorienbildung in der Physik

und nicht zuletzt auch uber¨

Kepler und andere große Physiker, uber¨

Physik und Musik, ub¨ er Johannes

uber¨

Alchemie.

Theorienbildung

Lassen Sie mich beginnen mit einem Blick in die Werkstatt des Theore- tischen Physikers. Nach Albert Einstein (1879–1955) gibt es f ur¨ den Theoretis chen Physi- ker zwei Aufgaben, zwei Aufgabenbereiche. Zum einen gilt es f ur¨ ihn, allgemeine Prinzipien aufzusuch en und zum anderen, aus diesen Prinzipien fließende Folgerungen zu ent wickeln.

Das Gros der Theoretischen Physiker widmet sich Aufgaben von der zweiten Art. Fur¨ die Erf ullung¨ dieser Aufgaben erh alt¨ de r Theoretische Physiker, wie Einstein sagt, an den Schulen ein treffliches R ustzeug“.¨ Hier, bei den Aufgaben von der zweiten Art, hat er festen Bode n unter den Fußen.¨ Hier ist er t atig¨ ahnlich¨ wie ein Handwerker.

Hingegen, der vom Schicksal begnadete Theoretische Physiker, der bef ahigt¨ ist, sich erfolgreich mit Aufgaben von der ersten Art zu

besch aftigen,¨ zu deren L osung¨ es keine lehr- bzw. erlernbaren Metho-

den gibt, ist, in gewisser Weise, eher wie ein Kunstler¨

des Kunstlers¨ Werk ist sein Produkt, das allgemeine Prinzip, wie Ein- stein sagt, eine freie Erfindung“, geleitet durch Intuition, gegebenen-

falls mitgeformt durch asthetische¨ Kriterien (wie Elegan z, Sparsamkeit, Symmetrie), oder auch inspiriert durch die Realit at,¨ durch experimen- telle Befunde. Jedoch anders als des Kunstlers¨ Werk ist das Werk des Theore ti- schen Physikers an bestimmte Selektionskriterien gebunde n, wie logi-

t at¨ ig. Ahnlich wie

¨

¨

sche Richtigkeit bzw. Widerspruchsfreiheit, experimente lle Uberpr uf-¨

barkeit, Reproduzierbarkeit, Allgemeingultigkeit¨ etc.

Die Erfindung“ des Theoretischen Physikers ist wahr, wenn sie die

¨

Wirklichkeit beschreibt, wenn sie der experimentellen Uberpr ufung¨

standh alt,¨ anderenfalls ist sie eine bloße Phantasterei.

Ein ber uhmtes¨ Beispiel f ur¨ die N utzlichkeit¨ asthetisc¨ her Kriterien bei der Formulierung grundlegender Gleichungen der Theoretis chen Phy- sik ist Einsteins Theorie der Brownschen Bewegung, der Diff usion von Molekulen,¨ aus dem Jahre 1905, seinem Annus mirabilis“, sei- nem wunderbaren Jahr, in dem er neben seiner gewichtigen Arbeit zur Brownschen Bewegung noch zwei weitere grundlegende Arbeiten ver offentlichte,¨ zur Speziellen Relativit atstheorie¨ u nd zum Photoeffekt; f ur¨ letztere erhielt er spater¨ den Nobelpreis f ur¨ Physik.

Doch 1905 war der sechsundzwanzigjahrige¨ Einstein in Fach kreisen noch weitgehend unbekannt. Da bekam er Post von einem Experimen- talphysiker, einem Nobelpreistr ager,¨ zu seiner Arbeit zu r Brownschen Bewegung. Der schrieb: Sehr geehrter Herr Einstein! Ich habe Ihre Theorie uberpr¨ uft¨ mit meinen Meßger aten¨ und muß Ihnen le ider sa- gen, daß sie falsch ist.“ Einstein schrieb zur uck:¨ Sehr geehrter Herr Nobelpreistr ager!¨ Ich habe die Theorie noch einmal angeschaut. Die Gleichungen sind so sch on,¨ so symmetrisch. Ich bin zufrieden damit, sie m ussen¨ richtig s ein. Pr ufen¨ Sie doch bitte noch einmal nach.“ Eine Woche spater¨ kam die Antwort. Verehrter Herr Einstein! Sie haben recht: Die Messungen waren falsch, aber Ihre Zufriedenheit war wohl zutreffend.“

Auf der Suche im Internet nach einem hier zum Zeigen geeignet en Por- tr at¨ Einsteins fand ich eine Photographie aus dem Jahre 1930, die Ein- stein zusammen mit Rabindranath Tagore (1861–1941) (Abb. 3) zeigt, dem großen indischen Dichter, Schriftsteller und Philosophen, Nobel- preistr ager¨ f ur¨ Literatur, Verfasser des Textes der indischen National- hymne, die er auch selbst vertont hat, wie auch eine Vielzahl seiner eigenen Gedichte, — dem großen Experten f ur¨ das Mahabharat a, spe- ziell f ur¨ die Bhagavadgita, uber¨ die er gewichtige, vielzitierte Abhand- lungen schrieb.

Ich habe diese Photographie ausgewahlt¨ und mit Anmerkunge n zu Ta- gore versehen aus zweierlei Gr unden:¨ Zum einem zum Zwecke e ines vorgesehenen Wiedererkennungseffektes, kommt in meiner Vorlesung doch an spaterer¨ Stelle noch einmal Indien und die Bhagavad gita vor,

und zum anderen aus einem inhaltlichen Grunde: Tagore ist mir seit fr uhester¨ Kindheit, seitdem ich lesen kann, wohl vertraut , hing doch uber¨ dem Bette meines Großvaters, wohlgerahmt und sch on¨ geschrie- ben, ein Spruch Tagores, der mich tief beeindruckt hat, so daß ich, wurde¨ ich nach ihm gefragt, Tag oder Nacht, zu beliebiger St unde, ihn aufsagen konnte.¨ Aber allein schon des Dichters Name, Rabindranath Tagore, der unter dem Spruche stand, faszinierte mich, beflugelte¨ meine Phantasie, ließ in mir das Bild eines Weltweisen entstehen, vom Ausse- hen etwa des Lieben Gottes“, streng aber gutig,¨ etwa so wie Tagore — wie ich jetzt auf der Photographie sehe — in Wirklichkeit aus sah.

Der Tagore-Spruch:

Ich schlief und tr aumte,¨

das Leben ware¨ Freude.

Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und siehe, die Pflicht war Freude.“

Als ich, mit Blick auf meine Abschiedsvorlesung, den Tagore -Spruch kurzlich¨ erneut las, kam mir die Idee zu folgendem Gedanken spiel, das mir, mit etwas Augenzwinkern, manch Element der Theorienbildung, des Auffindens grundlegender Prinzipien, zu illustrieren gestattet.

Vorausgeschickt sei eine Anmerkung zur Entstehung des Homo sapi- ens. Wie ich vor kurzem las, entstand die den Homo sapiens aus zeich- nende F¨ahigkeit zu abstraktem und symbolischem Denken vor etwa 50 000 Jahren. Die dazu n otigen¨ anatomischen Voraussetzun gen des Gehirns sollen jedoch schon seit ca. 150 000 Jahren existieren. D.h., so der Anthropologe, nicht ein anatomischer, sondern ein kultu- reller Ausloser¨ bewirkte die Entstehung unseres außergewohnlichen¨ Denkverm ogens.¨ V ollig¨ im Dunkeln liegt jedoch die Natur d es besag- ten kulturellen Auslosers.¨

Nun meine Idee, und damit zur uck¨ zu meinem Gedankenspiel: Der ge- suchte kulturelle Ausloser¨ war, mit Tagore gesprochen, die Entdeckung unserer Vorfahren, daß Handeln die Pflicht zur Freude werden l¨aßt, d.h. Handeln, T atigkeit,¨ Pflichterf ullung¨ bewirkten Kom munikation,

Entstehung der Sprache, bef orderten¨ die Entwicklung des abstrakten und symbolischen Denkens, machten uns zu dem, was wir sind. Damit habe ich m oglicherweise¨ ein grundlegendes Prinzip im Sinne Einsteins gefunden, das nat urlich¨ noch weiter durchdacht und insbe- sondere auch experimentell uberpr¨ uft¨ werden muß.

Aber zuerst einige Anmerkungen zur Genesis meiner neuen The orie, meiner Pflicht-Theorie“.

Die Vorstellung, daß Handeln Pflicht zur Freude werden l¨aßt , ist mir offenbar eingeboren, war in potentia in meinem Unbewußten verborgen; denn sonst h atte¨ der Tagore-Spruch mich ja nicht schon als kleines Kind so fasziniert. Das Lesen, vor kurzem, eines Artikels uber¨ die Entstehung d es Homo sapiens, sowie das erneute Lesen des Tagore-Spruches ließe n nun in meiner Seele die Idee aufleuchten, daß Handeln und Freude durch Pflich- terf ullung¨ der gesuchte Ausloser¨ f ur¨ die Entwicklung zu m Homo sapi- ens gewesen sein konnten.¨

Johannes Kepler schreibt uber¨ den Erkenntnisprozeß: Erkennen heißt,

das außerlich¨

das uns au-

ßen Begegnende uns erinnern macht an das, was wir vorher wußt en, so

locken die Sinneserfahrungen, wenn sie erkannt werden, die intellektu- ellen und innen vorhandenen Gegebenheiten hervor, so daß sie dann in der Seele aufleuchten, wahrend¨ sie vorher wie verschleiert in potentia

werden nicht etwa diskursiv

gen und ihre Ubereinstimmung beurteilen

Wahrgenommene mit den inneren Ideen zusamme nbrin-

¨

Wie n amlich¨

dort verborgen innen aufgenommen

Alle Ideen

sondern sind mit eingeboren

.“

Wolfgang Pauli (1900–1958) (Abb. 4), der uber¨ Kepler einen hoch inter- essanten Essay mit dem Titel Der Einfluß archetypischer Vorstellun- gen auf die Bildung naturwissenschaftlicher Theorien bei Kepler“ ver-

faßt hat, dem ich ubrigens¨ f ur¨ meine Abschiedsvorlesung v iel N utzli-¨ ches entnommen habe, schreibt uber¨ den Erkenntnisprozeß:

Theorien werden nicht durch zwingende Schlusse¨ aus Protokoll- buchern¨ abgeleitet. Theorien kommen zustande durch ein von empiri-

schem Material inspiriertes

Der Vorgang des Verstehens

der Natur

ten inneren Bildern der menschlichen Psyche mit außeren¨ Objekten und ihrem Verhalten zu beruhen.“ Letzteres entspricht ganz dem von Kep- ler Gesagten. Soviel zur Genesis meiner Pflicht-Theorie“, meiner Theorie zur Er- kl¨arung der Entstehung des Homo sapiens. Aber vielleicht ist die Trag- weite dieser Theorie weit gr oßer¨ als bisher gedacht. Vielleicht ist mei- ne Theorie gar eine T.O.E., eine Theory of everything“, eine Theorie, die — wenigstens im Prinzip — alles zu erkl¨aren vermag.

scheint auf einem Zur-Deckung-Kommen von pr a¨ existen-

nannte man solch eine universelle Theorie, solch Me chanismus,

der die Welt im Gange h alt,¨ Machina mundi“ oder, nach Werner Hei- senberg (1901–1976) (Abb. 5), Weltformel“.

Fr uher¨

Doch bevor ich diesen Gesichtspunkt vertiefe, einige Anmer kungen zur Frage, wie das menschliche Gehirn die Welt abbildet. Unter d en Philo-

sophen und Hirnforschern gibt es eine nicht kleine Fraktion , die meint, die Welt, die Wirklichkeit, werde im wesentlichen im Gehirn konstru- iert, d.h. unser Gehirn sei ein informatorisch weitgehend abgeschlosse- nes System, dessen Zustands anderungen¨ nur von eigenen Ope rationen abh angen,¨ und auf das Signale aus der Umwelt lediglich als e ine Art St orung¨ wirken, ohne wirklich ein dominierender Faktor zu sein. Ganz in diesem Sinne sagt Schopenhauer (erster Satz aus sein em Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung“): Die Welt ist meine

.“, und Heisen berg: Bei

dem Naturbild der exakten Naturwissenschaft handelt es sich nicht um

.“,

ein Bild der Natur, sondern ein Bild unserer Beziehung zur Natur

und Markus Fierz (Pauli-Sch uler):¨ Vom psychologischen Standpunkt

aus gesehen projizieren Physiker

archetypische Formen auf die Na-

tur.“, und Meister Eckhart (um 1260–1328): W are¨ ich nicht, so ware¨ Gott nicht — ich bin die Ursache meiner selbst und aller Dinge .“

im abstrakten Bewußtsein

Und nun wieder zur uck¨ zu meiner Theorie: Da diese beansprucht, erkl¨aren zu konnen,¨ wie das abstrakte Bewußtsein zustand e kam, n amlich¨ durch Handeln und Freude an der Pflichterf ullung,¨ und, da nach dem Konstruktivismus, das abstrakte Bewußtsein die We lt im

Kopfe konstruiert, d.h. alles, was wir zu beschreiben in der Lage sind, im Gehirn erzeugt wird, kann, so gesehen, meine Pflicht-Theorie“ alles erkl¨aren, und sie ist somit eine T.O.E.

Bevor ich jedoch auf Anerkennung meiner Theorie in der Fachwelt hof-

¨

fen kann, bedarf die Theorie noch der experimentellen Uberpr ufung.¨

konnte¨ zum Beispiel dadurch erfolgen, daß,

und dem Politiker sollte dies, wie jungste¨ einschl¨agige E xperimente zei- gen, unschwer m oglich¨ sein, im Alltag Pflicht durch Spaß ers etzt wird, m oglichst¨ global. Und dann fragen wir mit Sienkiewicz: Sapientia, quo vadis?“

Eine solche Uberpr ufung¨

¨

Schwindet die Sapientia wider Erwarten nicht, so ist meine T heorie wohl nicht richtig. Aber schwindet sie, vielleicht schon in zwei oder drei Gener ationen, dann ist sie richtig, dann ist sie wahr. Vielleicht merkt jed och im letz- teren Falle der Mensch gar nicht, daß ihm das Attribut sapiens“ nicht mehr zusteht. Dann wird es wohl wieder 50 000 Jahre, vielleicht gar 150 000 Jahre dauern, bis

Die Versuchung ist f ur¨ mich groß, das Thema Pflicht“ noch etwas zu vertiefen, sind doch neben den heute st andig¨ beschworenen Rechten der Menschen auch die Pflichten, nicht minder als die Rechte, wichtig f ur¨ die ethische und soziale Ordnung, f ur¨ die Harmonie in d er Gesell- schaft, f ur¨ die Musica humana“.

Man mag des Physikers Kompetenz in Fragen der Anthropologie , phi- losophischen Ethik etc. bezweifeln. Vielleicht gar zu Rech t. Anderer-

seits ist aber nach des Physikers Selbstverst andnis,¨ und d ies seit Ga- lilei, sein beanspruchter Zust andigkeitsbereich¨ praktisch unbegrenzt. Mit diesem Anspruch befindet sich der Physiker ja in guter Ges ell- schaft. Auch der Theologe beansprucht, daß sein Zust andig¨ keitsbereich praktisch unbegrenzt ist. Dar uber¨ hinaus ist sowohl der Theologe als auch manch Physiker der

¨

festen Uberzeugung, daß es eine T.O.E. gibt bzw. geben sollte, mit d em

Unterschied, daß der Theologe meint, die T.O.E. schon gefun den zu

haben, wahrend¨ ist.

der Physiker noch auf der Suche nach einer solchen

Einer, der da bis vor kurzem eifrig gesucht hat, ist Stephen H awking (Abb. 6). Mitte der siebziger Jahre hatte er verkundet,¨ in zehn, spate-¨ stens zwanzig Jahren werde er eine T.O.E. gefunden haben. Vo r nicht allzu langer Zeit sagte er, die 20 Jahre beginnen erst jetzt. Hawking suchte seine T.O.E. im Rahmen einer Elementarteilchentheo- rie, genauer, einer Stringtheorie. Ein String ist eine Sait e, wie die Sai- te eines Cellos, nur winzig klein. Die Schwingungsanregungen dieser Saite liefern die Elementarteilchen. Die Strings sind 10 35 mal kurzer¨ als eine Cello-Saite. W aren¨ sie 10 10 mal kurzer,¨ waren¨ sie so klein wie ein Atom und man konnte¨ sie mit einem geeigneten Elektronenmikroskop sehen. Aber sie sind noch 10 25 mal kleiner als ein Atom. Strings sind nicht nur winzig, sie schwingen auch anders als Cello-Saite n, nicht im ublichen¨ dreidimensionalen Raum, sondern in einer zehndimensiona- len Raumzeit, wobei die zus atzlichen¨ sechs Raumdimension en winzig klein, wie man sagt, kompaktifiziert sind.

Hawkings Bestreben war nicht der erste Versuch, eine T.O.E. zu finden, wie ein Blick in die Wissenschaftsgeschichte zeigt. So glau bte schon Heisenberg, vor nunmehr knapp einem halben Jahrhundert, ku rz vor der Formulierung einer T.O.E. zu stehen. In einem Radiointe rview (im Jahre 1958) kundigte¨ er an, daß er zusammen mit Pauli in Kur¨ ze ei- ne Weltformel auf der Grundlage einer Spinortheorie, einer Theorie der Elementarteilchen, ver offentlichen¨ werde, es m ußte¨ n nur noch ei-

nige technische Details gekl¨art werden. Als Pauli von dem h eisenberg- schen Interview h orte,¨ war er sehr ver argert,¨ hatte er sich innerlich von dem gemeinsamen Weltformel-Projekt schon losgesagt, war ihm des- sen prinzipielle Undurchf uhrbarkeit¨ doch bewußt geworde n. Seinen

zum Ausdruck, so auch in einem

Arger brachte er unmißverst andlich¨

Brief (Abb. 7), den er an George Gamow, einen bekannten amerika- nischen Elementarteilchentheoretiker russischer Herkun ft, sandte. Der Brief enth alt¨ eine Skizze, auf der ein leeres Rechteck zu se hen ist, ver- sehen mit folgendem Kommentar:

Das soll der Welt zeigen, daß ich wie Tizian malen kann. Es feh len nur

¨

die technischen Details.“

Gestatten Sie mir, noch etwas bei Pauli zu verweilen, bevor ich, tiefer in die Wissenschaftsgeschichte zur uckschreitend,¨ mich d er Weltharmo- nie widme, der Weltharmonie als Machina mundi, als T.O.E., als Ord- nungsprinzip in Natur, Gesellschaft, Musik etc.

Nach Expertenmeinung war Pauli als Physiker vom Range Einst eins, hinsichtlich seiner allgemeinwissenschaftlichen und philosophischen Kompetenz jedoch Einstein gar noch uberlegen.¨ In einer Tischrede — auf einem Bankett anl¨aßlich der Nobelpreisverlei- hung an Pauli (im Jahre 1945) — bezeichnete Einstein Pauli als seinen geistigen Sohn“ und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, in ih m sei- nen Nachfolger in Princeton, am renommierten Institute for Advanced Studies“, gefunden zu haben.

Paulis weitgef achertes¨ fundamentales Wissen fasziniert mich seit eh und je, — Paulis Wissen, das von der Physik uber¨ Biologie, Ps ychologie, Mystik, Alchemie, Kabbala hin bis zur Parapsychologie reichte und sei- nen Niederschlag u.a. in einem umfangreichen uber¨ 5000 Dru ckseiten umfassenden wissenschaftlichen Briefwechsel gefunden hat, von dem einige B ande,¨ aus der Universit atsbibliothek¨ entliehen , seit Jahren auf meinem Schreibtisch liegen, neben Keplers Weltharmonik“, nicht als Heiligtum, sondern als Lekt ure¨ f ur¨ Zeiten der Muße.

Pauli war nicht nur bef ahigt¨ grundlegende Prinzipien zu formulie- ren, wie das nach ihm benannte Ausschließungsprinzip der Qu anten- mechanik, f ur¨ das er den Nobelpreis erhielt, oder seine ebe nfalls no- belpreiswurdige¨ Neutrinohypothese, sondern er hat sich auch stets mit dem Vorgang der Herausbildung naturwissenschaftliche r Begriffe und Theorien besch aftigt,¨ zeitweise im engen wissenschaf tlichen Ge- dankenaustausch mit dem Tiefenpsychologen Carl Gustav Jun g (1875– 1961) und dessen Mitarbeitern. Dabei interessierte ihn bes onders die Frage nach der m oglichen¨ Existenz von Strukturelementen im Unbe- wußten — von Archetypen, pr aexistierenden¨ Bildern, Reson anzstruk- turen — die, so die Vermutung, als Regulatoren Vorstellunge n anord- nen bzw. das Wahrgenommene mitbestimmen konnen.¨

In seinem oben erwahnten¨ Kepler-Essay hat Pauli am historischen Bei- spiel der Theorien Keplers, der ubrigens¨ selbst den Begriff des Archety- pus, wie er die Archetypen nannte, ausgiebig und regelm aßi¨ g verwen- det hat, n amlich¨ als Urbild, als mathematische Urintuition, die Wirk- samkeit von Archetypen bei der Bildung naturwissenschaftlicher Theo- rien aufgezeigt. Mit diesem Essay hatte Pauli, der zu Jung ur spr ung-¨ lich (im Jahre 1931) als Patient gekommen war, einen wichtigen Bei- trag im Geiste der Jungschen Schule geleistet. Bei Jung und d essen Mit- arbeitern, insbesondere dessen weiblichen Mitarbeitern, war Pauli zu- nehmend zum Experten f ur¨ naturwissenschaftliche Fragen geworden, spatestens¨ seit 1948, wie in der einschl¨agigen Literatur zu lesen ist.

R uckblickend¨ schreibt Pauli uber¨ den Beginn seines Kontaktes zu

C. G. Jung: Dies kam so, daß ich

gen gewisser neurotischer Erscheinungen bei mir, die unter anderem auch damit zusammenh angen,¨ daß es mir leichter ist, akadem ische Er-

folge als Erfolge bei Frauen zu erringen. Da bei Herrn Jung eh er das Umgekehrte der Fall ist, schien er mir ganz der geeignete Man n, um mich zu behandeln.“

Herrn Jung konsultiert hatte we-

Kurz vor Beginn seines Kontaktes zu C.G. Jung war Pauli von se iner Frau, einer T anzerin,¨ verlassen worden, was wohl seine neurotischen Erscheinungen“ mit ausloste.¨ In diese Zeit f allt¨ auch die Abfassung seines ber uhmten¨ Br iefes, aus Z urich,¨ an die Teilnehmer einer Physikertagung in T ubing¨ en im Jahre

1930, denen er seine (epochale) Neutrinohypothese schrift lich mitteilte,

infolge eines in der Nacht vom 6. zum 7. Dezember in Z uric¨ h

stattfindenden Balls hier unabkommlich¨

da er

.“ war.

Das Thema Weib bzw. Anima (weibliches Element im Unbewußten

¨

des Mannes, nach Jung) klingt in Paulis spekulativen Außerungen und Schriften immer wieder an. So entdeckte er ein seltsames Naturge- setz“:

Die Regel, daß bedeutende Philosophen unverheiratet waren und daß Frauen in ihrem Leben eine h ochst¨ untergeordnete Rolle spielen, hat kaum Ausnahmen. Dies gilt unabh angig¨ vom psychologischen Typus

bei so verschiedenen Pers onlichkeite¨ n wie z.B. Pla-

to, Ficino, Descartes, Leibniz, Spinoza, Newton, Kant, Sch openhauer.

Man kann fast von einem Naturgesetz sprechen.“ Offenbar, so vermutet der in zweiter Ehe glucklich¨ verheiratete Pauli, hat das philosophische

des Philosophen

System

oft die Funktion einer Ersatz-Frau.“

Auch ist es eine Anima“, eine Klavierspielerin, die in Paulis Die Kla- vierstunde — eine aktive Phantasie uber¨ das Unbewußte“ (au s dem Jahre 1953) dem Physiker, der nach der Verbannung der Seele ins Sub- jektive durch Descartes, die Welt zwar“, so Pauli, beschreiben aber nicht verstehen kann“, mit ihrem Klavierspiel den Zugang zu m Ge- heimnis des Seins, den Sinn der Dinge erfassen l¨aßt, birgt d och das Kla- vierspiel, neben aller der Harmonik zugrunde liegenden Mat hematik, auch irrationale, emotionale Elemente, die die Seele ansprechen und so auch das Verstehen der Dinge erm oglichen.¨

Nach Pauli bilden Vollst andigkeit¨ und Objektivit at¨ ein komplemen- t ares¨ Gegensatzpaar (wie in der Quantenphysik Wellen- und Teilchen- charakter eines Objektes, die sich nur alternativ, je nach e xperimenteller Fragestellung, manifestieren konnen,¨ nicht aber gleichzeitig), d.h. man mag zwar, wie auch Pauli selbst, die Verbannung der Seele ins Subjek- tive bedauern, aber nur so ist moderne Naturwissenschaft m oglich.¨

Und zur praktischen Seite wissenschaftlicher T atigkeit¨ s agt Pauli: [Es gilt] eine Sache immer wieder vorzunehmen, uber¨ den Gegens tand nachzudenken, dann wieder beiseite zu legen, dann neues empirisches Material zu sammeln, und dies, wenn n otig,¨ durch viele Jahre fortzu- setzen. Auf diese Art und Weise wird das Unbewußte durch das B e- wußtsein angekurbelt und, wenn uberhaupt,¨ kann nur so etwas dabei herauskommen. Ich glaube, man kann Wissenschaft nicht nebe nbei be- treiben.“

Doch jetzt, wie angekundigt,¨ zur Harmonie, Weltharmonie, Sph aren-¨ harmonie — als universellem Ordnungsprinzip, als Machina m undi, als T.O.E. — von Pythagoras (570 bis 480 v. Chr.) bis ins 17. Ja hrhundert, bis in die Zeit Keplers.

Weltharmonik

Zum Zusammenhang zwischen Mathematik und Musik schreibt Je an- Philippe Rameau (1683–1764), der gewichtige Musiktheoret iker und Komponist der Barockzeit: Trotz aller Erfahrungen, die ich durch den langen Umgang mit der Musik erlangt habe, muß ich zugeben, daß mir erst mit Hilfe der Mathematik meine Ideen klar werden“, und Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) sagt: Die Musik ist die Freude, die der menschliche Geist erf ahrt,¨ wenn er zahlt¨ ohne sich des Z a¨ hlens bewußt zu sein“, und er sagt auch: Wenn die Seele auch nicht merkt, daß sie rechnet, so f uhlt¨ sie doch die Wirkung dieser unbewußten Re chnung, sei es als Freude am Zusammenklang, sei es als Bedr uckung¨ am Miß- klang.“ Daß Mathematik und Musik miteinander zusammenh angen,¨ hat te schon Pythagoras gefunden, durch das Studium der Beziehung zwi- schen Tonh ohe¨ und Saitenl¨ange an einem einfachen Musikin strument, dem Monochord, bestehend aus einer uber¨ einen Resonanzko¨ rper ge- spannten Saite, deren L ange¨ bei gleichbleibender Saitens pannung mit Hilfe eines beweglichen Steges ver andert¨ werden kann. Er f and, daß harmonische Intervalle durch ganzzahlige Proportionen ch arakterisiert sind. So ergibt sich die Oktave bei Verkurzung¨ der L ange¨ de r Saite auf die H alfte,¨ die Quinte auf zwei Drittel, die Quarte auf drei Viertel usw. So hatten sich T one¨ als verkorperte¨ Zahlen herausgestellt, qualitati- ve Unterschiede waren auf quantitative zur uckgef¨ uhrt¨ worden. Die- sen Befund ubertrug¨ Pythagoras auf die Ordnung im Kosmos, auf die sich, nach seiner Vorstellung, in der regelm aßigen¨ Bewegu ng der Him- melskorper¨ manifestierende Sph arenharmonie¨ und, nachf olgend bzw. nachbildend, auf die ethische und soziale Ordnung. Und so kam er zu dem Schluß: Alles ist Zahl. Die Zahl ist das Weltprinzip. Die durch Zah- len regierte Harmonie ist das Ordnungsprinzip f ur¨ die Dinge in der Welt, ist die Machina mundi.

Und in diesem Sinne sagt der Pythagor aer¨ Philolaos von Krot on (Ende des 5. Jh. v. Chr.): Und in der Tat hat ja alles, was erkannt wird, Zahl; denn, daß sich ohne diese irgend etwas denken oder erkennen laßt,¨ ist nicht m oglich“,¨ und Proclus Diadochus (5. Jh. n. Chr.) schreibt: Fur¨ die

Betrachtung der Natur leistete die Mathematik den gr oßten¨ Beitrag, in- dem sie das wohlgeordnete Gef uge¨ der Gedanken enth alt,¨ nach dem

und die einfachen Urelemente in ihre m ganzen

harmonischen und gleichm aßigen¨ Aufbau darlegt, mit dem de r ganze

Himmel begr undet¨ wurde monik“).

das All gebildet ist

.“ (so zitiert von Kepler in der Welthar-

Der Gedanke der mathematischen Bedingtheit der Harmonie, d er Ge- danke, daß die Ordnung in der Welt aus zugrunde liegenden mat he- matischen Strukturen resultiere, bestimmte in der Antike d as Denken der griechischen Philosophen, pr agte¨ das Bestreben der gr iechischen Naturphilosophie und Naturwissenschaft, die Welt und das Weltge- schehen allein mit Mitteln des Verstandes ohne Bezug auf Myt hen und gottliches¨ Wirken zu verstehen.

Zu Pythagoras und zur Bedeutung der pythagor aischen¨ Denkweise f ur¨ die moderne Naturwissenschaft sagt Heisenberg: Der Gedanke [der sinnstiftenden Kraft mathematischer Strukturen] tritt zu m ersten Mal

deutlich entgegen in den Lehren der Pythagor aer,¨ und ersch ließt sich diesem Kreis durch die Entdeckung der mathematischen Bedin gtheit der Harmonie. Diese Entdeckung geh ort¨ zu den st arksten¨ Im pulsen menschlicher Wissenschaft uberhaupt,¨ und wer den Blick einmal f ur¨ die gestaltende Kraft mathematischer Ordnung erkennt, erkennt ihr Wirken in der Natur

die mathematische Struk-

Wenn in einer musikalischen Harmonie

tur als Wesenskern erkannt wird, so muß auch die sinnvolle Ordnung

in der uns umgebenden Natur ihren Grund in dem mathematische n

die ganze

Kern der Naturgesetze haben

mathematische Naturwissenschaft auf dieser Denkweise.“ Dazu noch Galilei: Das Buch der Natur ist in der Sprache der Mathe- matik abgefaßt“, und Kant: In jeder reinen Naturlehre ist nur so viel an eigentlicher Wissenschaft enthalten, als Mathematik in ih r angewandt werden kann.“

Letzten Endes beruht

Aber pythagor aische¨ Zahlenspekulationen gelangten auch in die My- stik des Mittelalters, insbesondere auch in die Kabbala, die judische¨ Ge- heimlehre, die auf einer h ochst¨ komplizierten Zahlenmyst ik aufgebaut

ist, die davon Gebrauch macht, daß die Buchstaben (Konsonan ten) des

hebr aischen¨

Alphabets gleichzeitig Zahlzeichen sind.

In diesem Zusammenhang sei noch eine Pauli-Anekdote eingef ugt,¨ die

ich gelegentlich auch in einer meiner Vorlesungen erzahlt¨ habe, eine Anekdote die Zahl 137 betreffend, deren Kehrwert dem Physiker als

Sommerfeldsche Feinstrukturkonstante (genauer: 1/137, 035 999

)

bekannt ist, und die die ganze Quantenelektrodynamik regie rt. Pauli

¨

war der festen Uberzeugung, daß es eine wesentliche Aufgabe kunf-¨ tiger theoretisch-physikalischer Forschung sei, diesen Z ahlenwert zu erkl¨aren. Aber die Zahl 137 hatte f ur¨ Pauli, der, wie erwahnt,¨ auch wohlbewan- dert auf den Gebieten Mystik, Kabbala, Alchemie etc. war, nicht nur eine rationale physikalische, sondern auch eine irrationale magisch- symbolische Bedeutung, hatte er doch herausgefunden, daß e ntspre- chend dem genannten Zusammenhang zwischen Buchstaben und Z ahl, dem Wort Kabbala (korrekt geschrieben: QABALAH, und mit den Zah- lenwerten: Q = 100, B = 2, L = 30, H = 5) der Zahlenwert 137 entspricht.

Als Pauli nach plotzlicher¨ Erkrankung im Dezember 1958 in d as Rot- kreuzspital in Z urich¨ eingeliefert wurde, wies er seinen ihn besuchen- den Mitarbeiter beunruhigt auf die Nummer seines Zimmers, d ie Num- mer 137, hin und außerte¨ die Gewißheit, daß er hier sterben werde. Und so geschah es dann auch.

Doch zur uck¨ zu Pythagoras und zur pythagor aischen¨ Lehre.

Pythagoras gilt als legend are¨ Gestalt, auf die griechisch e Denker der ersten vorchristlichen Jahrhunderte wohl auch manche Leis tung pro- jizierten, die erst aus spaterer¨ Zeit stammte oder auch gar nichtgrie-

chischen

solide historische Wurzeln des eigenen Denkens verweisen zu konnen.¨

Pythagoras hat keine schriftlichen Aufzeichnungen hinter lassen, und somit l¨aßt sich auch wenig Verl¨aßliches uber¨ seinen eige nen Beitrag zur Lehre der Pythagor aer,¨ seiner Schule, sagen.

) Ursprungs war, um so auf

( agyptischen,¨ babylonischen

¨

Ahnliches gilt auch f ur¨ Biographisches zu seiner Person. E rnst Bloch (1885–1977) hielt es gar f ur¨ m oglich,¨ daß Pythagoras ein Kollektivp-

seudonym war, ahnlich¨ wie im 20. Jahrhundert das Kollektiv pseud- onym Nicolas Bourbaki f ur¨ eine Gruppe gewichtiger franzo¨ sischer Ma- thematiker.

Heraklit (um 550–480 v. Chr.) und Empedokles (um 494–434 v. C hr.)

hielten Pythagoras f ur¨ einen Eklektiker. So schreibt Heraklit: Pythago-

widmete sich am meisten von allen Menschen der Forsch ung,

und indem er daraus dies herausgriff, machte er sich daraus e ine ei-

gene Weisheit: Vielwisserei, kunstvolle Gaunerei“, d.h. n ach Heraklit bestand Pythagoras’ Forschung einfach darin, Kenntnisse, die er bei

anderen fand, auszuwahlen¨

und idiosynkratisch auszuwert en. Ahnlich

außerte¨ sich auch Empedokles uber¨ Pythagoras.

ras

¨

Pythagoras wirkte in Griechenland und im s uditalienische¨ n Kroton, wo er Kopf eines Geheimbundes, eines Ordens, einer Sekte war. Von seinen Zeitgenossen wird er als Wundermann“ beschrieben, von dem berich- tet wird, daß allein ihm es m oglich¨ gewesen sei, den Gesang d er Plane- ten, die Sph arenmusik¨ zu h oren.¨ Seine Sch uler,¨ die Pythagor aer,¨ bilden bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. eine einflußreiche Philosophe nschule in Unteritalien.

Nach der pythagor aischen¨ Lehre regierten ganzzahlige Verh altnisse¨ die Welt, entsprechend dem am Monochord gefundenen Zusammenhang zwischen Tonh ohe¨ und Saitenl¨ange. In dieser Lehre gab es keinen Platz f ur¨ irrationale Zahlen. Als der Pythagor aer¨ Hippasos von Metapont (5. Jh. v. Chr.) entdeckte, daß im Pentagramm, dem pythagor aischen¨ Erkennungszeichen, eine irrationale Zahl (der Goldene Sch nitt, die irra- tionalste der irrationalen Zahlen) verborgen ist, drohte d as Weltbild der Pythagor aer¨ zusammenzubrechen. Sie losten¨ das Problem wie folgt:

Hippasos von Metapont wurde als Verr ater¨ ge achtet,¨ aus de r Gemein- schaft der Pythagor aer¨ ausgestoßen und im Meer ertr ankt.¨ Damit war das Weltbild gerettet. Dies ist ein ber uhmtes¨ Beispiel daf ur,¨ wie asthe-¨ tische Kriterien nicht nur in die Irre, sondern auch gar zu In toleranz f uhren¨ konnen.¨

Ein anderes wohlbekanntes Beispiel f ur¨ eine Fehlleistung auf Grund

einer asthetischen¨

einer fiktiven Gegenerde

Norm ist die Einf uhrung¨

durch Philolaos von Kroton, in dessen Weltsystem die heilige Zahl zehn f ur¨ die Anzahl der um ein Zentralfeuer kreisenden Himmelskorper¨ da- durch erhalten wurde, daß zu Erde, Mond, Sonne, den f unf¨ ub¨ rigen da- mals bekannten Planeten und dem Fixsternhimmel noch eine Ge gen- erde hinzugesellt wurde, die sich auf der Bahn der Erde, aber immer diametral zu dieser, bewegen sollte.

Aber, wie der eingangs zitierte Einstein-Briefwechsel aus dem Jahre 1905 zeigt, gibt es auch sehr sch one¨ Beispiele daf ur,¨ daß in der Physik asthetische¨ Normen sehr hilfreich beim Auffinden grundlegender Prin- zipien sein konnen.¨ Zu diesen Beispielen geh oren¨ auch die Allgemeine Relativit atstheorie¨ und das Standardmodell der Elementarteilchen, das auf dem Prinzip der Invarianz unter lokaler Eichtransformation, einer Symmetrieforderung, beruht.

Noch eine Anmerkung zu Philolaos von Kroton. Von ihm existie ren heute noch einige authentische Fragmente, die aus erster Hand Ein- blicke in pythagor aisches¨ Denken erlauben. — Nach Diogene s Laertius (3. Jh. n. Chr.) hatte Philolaos seine Lehre in einem einzige n Buche nie- dergelegt, das ger uchteweise¨ nach seinem Tode von seinen Verwand- ten an Platon verkauft wurde, der daraus den Timaios“ zusammenge- schrieben habe. — Der Timaios“ gilt heute als wichtige Quelle uber¨ pythagor ais¨ ches Den- ken, legt doch in ihm der (fiktive?) Pythagor aer¨ Timaios seine Ansich- ten uber¨ Weltentstehung, Menschwerdung und Harmonik dar.

Unter den Pythagor aern¨ hatten sich zwei Richtungen des Den kens herausgebildet: die Akusmatiker und die Mathematiker. W a¨ hrend die Akusmatiker ( akusmata“: geh orte¨ Dinge) sich der Befolgung bzw. Pflege bestimmter pythagor aischer¨ Maximen und Prinzipien ver- pflichtet f uhlten,¨ so der Harmonie als grundlegendem, univ ersellem Ordnungsprinzip, widmeten sich die Mathematiker ( mathemata“:

Lehrf acher)¨ den pythagor aischen¨ Lehrf achern¨ Arithmet ik, Geometrie, Musik und Astronomie.

Pythagoras hatte, entsprechend der der Zahl zuerkannten he rausragen- den Bedeutung, die vier Mathemata in die Ausbildung seiner J unger¨

aufgenommen, und Platon (428–348 v. Chr.), f ur¨ den die Math ematik eine wichtige Hilfe auf dem Wege zum Verst andnis¨ der Ideen im Rah- men seiner Ideenlehre war, verlangte die vier Mathemata f u¨ r die Aus- bildung der Fuhrungskr¨ afte¨ seines Idealstaates. Die vier Mathemata fanden Eingang in das allgemeine Bildungs- und Erziehungssystem der Griechen und spater¨ auch der R omer.¨

Auch im Mittelalter, an den Dom-, Stifts- und Klosterschule n und spater¨ an den Artistenfakult aten¨ der Universit aten,¨ waren die vier Ma- themata wichtiger Bestandteil der Ausbildung, im Rahmen de r sieben Artes liberales, der sieben freien Kunste,¨ die die drei Gru nddisziplinen (Trivium) Grammatik, Rhetorik und Dialektik (Logik) sowie die wei- terf uhrenden¨ vier Mathemata (Quadrivium) umfaßten.

Hervorzuheben ist, daß in der Antike und im Mittelalter die M usik zu den vier mathematischen Wissenschaften gezahlt¨ wurde, gem aߨ der Tatsache, daß die Musik ihrer Struktur nach reine Mathematik ist, sind doch Harmonie, Rhythmus, Metrum etc. mathematische Abl¨au fe.

In Griechenland wurde auch der Musikpraxis hoher Wert f ur¨ E rzie- hung und Bildung beigemessen, so sagt Platon: Darum ist die Musik der wichtigste Teil der Erziehung. Rhythmus und T one¨ dringen am tief- sten in die Seele und ersch uttern¨ sie am gewaltigsten. Sie m achen bei richtiger Erziehung den Menschen gut, anderenfalls schlecht.“ Und Cicero (106 bis 43 v. Chr.) schreibt: H ochste¨ Bildung lag nach dem Urteil der Griechen in der Beherrschung des Saitenspiels un d Gesanges alle suchten Musik zu lernen, und niemand galt f ur¨ recht gebildet, der sich nicht auf sie verstand.“

Im Mittelalter, vor dem Aufkommen der Universit at¨ im 12. Jh ., stand unter den F¨achern des Quadriviums die Musik an erster Stelle, ins- besondere wegen ihrer Bedeutung f ur¨ die Gestaltung der lit urgischen Ges ange¨ im Rahmen des Gottesdienstes.

Der pythagor aische¨ Ansatz der Musiktheorie war im fr uhen¨ Mittelalter in Vergessenheit geraten, bis er im 9. Jahrhundert wiederen tdeckt und von da an auch weiterentwickelt wurde.

Angemerkt sei, daß der Begriff Quadrivium von Ancius Manliu s Se- verinus Boethius (480 bis 524) gepr agt¨ wurde, dem gewichtigen Philo- sophen und Musiktheoretiker der Spatantike,¨ der Kanzler d es Konigs¨ Theoderich war, aber in politische Intrigen verwickelt und , unter An- schuldigung des Hochverrates, ins Gef angnis¨ geworfen (wo er sein ber uhmtes¨ Werk Trost der Philosophie“ schrieb) und schließlich hin- gerichtet wurde. Im Mittelalter war Boethius die Autorit at¨ in Sachen der auf Zahlen und Proportionen gegr undeten¨ Musiktheorie der Antike. Die von ihm ver- faßten f unf¨ B ucher¨ De institutione musica“ waren bis in die fr uhe¨ Neu- zeit hinein die einflußreichste musiktheoretische Schrift . Ganz im Sinne der Pythagor aer¨ gliederte Boethius die speku lative und h orbare¨ Musik hierarchisch (vgl. Abb. 8), in Musica mundan a (Sph aren-¨ harmonie, Gleichmaß der Bewegung der Himmelskorper),¨ Mus ica hu- mana (Zusammenspiel von Korper¨ und Seele des Menschen und in den Beziehungen der Menschen untereinander), und Musica instrumentalis (h orbare¨ Musik der Stimmen und Instrumente), wobei die Mus ica hu- mana und Musica instrumentalis in bezug auf die Musica mundana als nachahmend bzw. nachsch opferisch¨ betrachtet wurden, bzw. wie Plo- tin (205 bis 270) sagt: Alle Musik, wie sie auf Melodie und Rhythmus beruht, ist der irdische Stellvertreter der himmlischen Mu sik, die sich im Rhythmus der urspr unglichen¨ Idee bewegt.“

Die hierarchische Dreiteilung der Musik, mit der Sph arenm¨ usik an der Spitze, widerspiegelt den universell-musikalischen H armoniebe- griff der pythagor aischen¨ Lehre als Ausdruck der gottlic¨ hen Ordnung der Welt. Sie wurde bis Ende des 13. Jh. auch von den Musiktheoretikern allge- mein akzeptiert, als allgemein-philosophisches Konzept, jedoch ohne praktisch-kompositorische Konsequenzen.

Die Lehre vom klingenden Kosmos, von den t onenden¨

g¨anzlich aus des Menschen Ged achtnis¨ mer wieder dessen Phantasie beflugelt,¨

Sph aren¨ , ist nie

geschwunden, sonde rn hat im-

bis in die jungste¨

Z eit.

So schreibt der Theoretische Physiker Arnold Sommerfeld (1868–1951),

Doktorvater von Pauli und Heisenberg, im Vorwort zu seinem B uche Atombau und Spektrallinien“ (1931):

Was wir heutzutage aus der Sprache der Spektren heraush ore¨ n, ist ei- ne wirkliche Sph arenmusik¨ des Atoms, ein Zusammenklingen ganz- zahliger Verh altnisse,¨ eine bei aller Mannigfaltigkeit zunehmende Ord-

Alle ganzzahligen Gesetze der Spektrallinien

nung und

und der Atomistik fließen letzten Endes aus der Quantentheor ie. Sie ist das geheimnisvolle Organon, auf dem die Natur die Spektr almusik

spielt und nach dessen Rhythmus sie den Bau der Atome und Kern e regelt.“

Zu dieser Sicht Sommerfelds sagte Pauli in seiner Nobelpreisrede (1946), im R uckblick¨ auf die zwanziger Jahre, auf die Zeit d er Heraus- bildung der durch das Plancksche Wirkungsquantum regierte n neu- en Atomphysik: Es gab damals zwei Wege, auf denen man sich den schwierigen mit dem Wirkungsquantum verkn upften¨ Problemen

n ahern¨ konnte. Der

eine Deutung der Spekt ralgeset-

prinzips. Sommerfeld dagegen zog

[mit Hilfe des] Bohrschen Korre spondenz-

ze mit Hilfe ganzer Zahlen vor, indem er, wie einst Kepler bei seiner

Untersuchung des Planetensystems, einem inneren Gef uhl¨ f ur¨ Harmo-

nie folgte

.“

Kepler schreibt in seiner Weltharmonik“: Es sind also die Himmels- bewegungen nichts anders als eine fortwahrende¨ mehrstimm ige Mu- sik (durch den Verstand, nicht das Ohr faßbar), eine Musik, d ie durch dissonierende Spannungen, gleichsam durch Synkopen und Kaden- zen hindurch (wie sie die Menschen in Nachahmung jener nat u¨ rlichen Dissonanzen anwenden) auf bestimmte, vorgezeichnete je se chsglied- rige [entsprechend der zu Keplers Zeit bekannten Zahl der Planeten] (gleichsam sechsstimmige) Klauseln lossteuert und dadurch in dem un-

ermeßlichen Ablauf der Zeit unterscheidende Merkmale setzt. Es ist da- her nicht mehr verwunderlich, daß der Mensch, der Nachahmer seines Sch opfers,¨ endlich die Kunst des mehrstimmigen Gesanges, die den Al-

ten unbekannt war, entdeckt hat

.“

Nach Kepler sind, ganz im Sinne Pythagoras’ bzw. Boethius’, die realen musikalischen Harmonien nicht mehr als eine materielle Realisierung

der Sph arenharmonie,¨

das Studium der Planetenbewegung zu beweisen suchte, und die ihm, nach seiner Vorstellung, Einblick in Gottes Gedanken er of¨ fnete.

an deren Wahrheit Kepler glaubte, die er durch

Doch bevor ich n aher¨ auf Kepler eingehe, noch einige Zitate und An- merkungen zur pythagor aischen¨ Idee der Sph arenharmonie¨ :

Im Prolog im Himmel“, den er seinem Faust“ voranstellt, sagt Goethe

(1749–1832):

Die Sonne t ont¨ nach alter Weise

in Brudersph aren¨

und ihre vorgeschriebne Reise, vollendet sie mit Donnergang.“

Wettgesang,

in der 31.

Strophe des 30. Gesanges des Purgatoriums ( Ubersetzung von Karl

Streckfuß):

Und Dante (1265–1321) sagt in der Gottlichen¨

Kom odie,Ҭ

¨

So war ich ohne Seufzer, ohne Z ahren,¨ bevor die Engel sangen, deren Sang nur Nachklang ist vom Lied der ewigen Sph aren“,¨

und in der 42. Strophe des 6. Gesanges des Paradieses:

Verschiedene T on’¨ erzeugen s ußen¨

Klang;

so bilden hier die Harmonie der Sph aren¨ die lichten Kreise von verschiednem Rang.“

¨

Uber den harmonischen Zusammenklang der kreisenden Gestir ne auf den himmlischen Sph aren¨ (vgl. Abb. 9, Miniatur aus dem 9. Jh .) — auf der außersten¨ die Fixsterne und nach innen folgend Satu rn, Jupi-

ter, Mars, Sonne, Venus, Merkur, Mond und in der Mitte, unbeweglich, die Erde — schreibt Cicero in Der Staat“, 6. Buch, Der Traum Scipi- os“: Das ist der Klang, der — zusammengesetzt aus unterschiedlichen,

aber doch in einem wohl

abgestimmten Verh altnis¨ stehen den Inter-

vallen — durch Schwung und Bewegung der Sph aren¨ selbst erze ugt

wird und, das Hohe mit dem Tiefen mischend, verschiedene Akkorde gleichm aßig¨ hervorbringt

Jene acht Bahnen aber, von denen zwei den gleichen Charakter haben, bringen sieben durch Intervalle voneinander getrennte T o¨ ne hervor, ei- ne Zahl, die die Verkn upfung¨ fast aller Dinge darstellt. Das haben die

klugen Menschen mit Saitenspiel und Gesang nachgebildet

.“

Es ist Scipio Africanus der J ungere¨ (um 185–129 v. Chr.), de r hier

tr aumt,¨ sich im Traum im Bereich der Sph are¨ der Fixsterne s ieht — auf die kreisenden Bewegungen der anderen Gestirne herabblickend und deren Gesang lauschend — sich im Gespr ach¨ sieht mit seinem Großva-

¨

ter, Scipio Africanus dem Alteren (um 235–183 v. Chr.), der seinerzeit, im zweiten Punischen Krieg (218–201 v. Chr.), in der Schlach t von Zama (202 v. Chr.), Hannibal schlug, und der ihm jetzt (149 v. Chr. ) prophe- zeit, daß er in K urze,¨ im dritten Punischen Krieg (149 bis 14 6 v. Chr.), Karthago vernichten wird.

Angemerkt sei, daß das antike Bild des Gesanges der kreisend en Ge- stirne, wie es hier von Cicero beschrieben wird, von den Kirchenv atern¨ ubernommen¨ und verchristlicht wurde, durch Ansiedelung d er En- gelsch ore¨ jenseits aller Sph aren,¨ wo sie stets Gottes Angesicht sehen und ihm ohne Ende lobsingen konnten, wie ja auch in der oben zitierten Strophe Dantes anklingt, und so konnte die Weltharmonie als Hinweis, ja als Beweis, f ur¨ den Sch opfer¨ ausgelegt werden.

Ein Kleinod in der Literatur zur Sph arenharmonie¨ ist das Kosmische Monochord“ (Abb. 10) des englischen Arztes, Theologen und H erme-

tikers Robert Fludd (1574–1637), aus dessen Schrift Metaphysica

(1619). Wie zu sehen, ist die Saite des Monochords eingeteilt in zwei Oktaven und diese sind jeweils, symmetrisch angeordnet, in Quinte und Quarte unterteilt. Auf den Intervallen bewegt sich das obere lichte Prinzip hinab in die dunkle Materie, mit der Sonne als Zentru m: oben das Empyreum, die Region der Engel, dann das Sonnensystem mit den t onenden¨ Planetensph aren,¨ und schließlich unten die vie r Elemente der Erde. Gottes Hand, aus den Wolken greifend und das Instrumen t stim- mend, sorgt f ur¨ die Harmonie des Weltgeschehens.

.“

Kepler und Fludd befehdeten sich hinsichtlich ihrer Vorste llungen von der Weltharmonie. So ist nach Kepler Fludds Kosmisches Monochord“

untauglich, das Weltgeschehen zu erfassen, da in ihm Gr oße¨ n verschie- dener physikalischer Dimension miteinander vermengt und e mpirisch belegte Sachverhalte ignoriert werden (vgl. Anhang zum V. B uch der

Weltharmonik“).

Zu versicht,

daß das Weltgeschehen letztlich durch Harmonie bestimmt se i? Viel- leicht projiziert sein Hirn Harmonie in die Welt?

Fragt sich, woher kommt des Menschen unersch utterliche¨

Betrachten wir z.B. die allegorische Darstellung der Musik nach Boe- thius (Abb. 8), speziell das Teilbild zur Musica humana, dan n sehen wir, daß offenbar schon um 1300 eine Konsensgesellschaft od er gar der ewige Friede, im Bereich des M oglichen¨ oder wenigstens W u¨ nschens- werten, gelegen zu haben schien. Wie weit man damals davon en tfernt war, wissen wir heute sehr wohl.

Aber wie gesagt, vielleicht ist ja des Menschen Harmonie-Zu versicht

¨

eine gehirnbedingte Orientierungs- und Uberlebensstrategie. So schrieb Kepler in den Wirren des Dreißigjahrigen¨ Kriege s: Wenn der Sturm rast und der Staat vom Untergang bedroht ist, konn¨ en wir nichts W urdigeres¨ tun, als den Anker unserer friedlichen Studien in den Grund der Ewigkeit zu senken.“

Nach Kepler sind die harmonikalen Verh altnisse¨ dem Mensch en als Ur-

bilder eingeschrieben. Eine geeignete Proportion in Sinnesdingen auf-

¨

finden heißt die Ahnlichkeit der Proportion mit einem bestimmten, in-

nen im Geist vorhandenen Urbild [harmoniae archetypus qui intus est anima] ans Licht bringen.“

In diesem Zusammenhang ist ein neuerer Befund aus der Hirnfor- schung (P. Janata et al., Science 298, 2167 (2002)) nicht uninteressant:

Mittels funktionaler Kernspintomographie wurde die Hirnaktivit at¨ beim Abspielen eines tonal komponierten und mittels diaton ischer Mo- dulation durch alle 24 Dur- und Moll-Tonarten gef uhrten¨ Mu sikst ucks¨ studiert und gefunden, daß tonale Musik nur in einer ganz bes timm-

ten Hirnregion, dem rostromedialen pr afrontalen¨ Cortex ( Abb. 11) ver- arbeitet wird, einer Hirnregion, in der Erinnerungen gesam melt und Informationen aufgefrischt werden. Falsche T one,¨ Disson anzen, hinge- gen, bewirken Hirnaktivit aten¨ in den Schl¨afenlappen, die allgemein f ur¨ Klangverarbeitung zust andig¨ sind. Somit sind Musikalit at¨ und Harmonie-Pr aferenz¨ m oglich¨ erweise ein Produkt der Evolution und harmonikale Verh altnisse,¨ wie Kepler spe- kuliert, wirklich dem Menschen eingeboren“.

Ob die genannten Befunde der Hirnforschung etwas mit Archet ypen im Sinne Keplers, Jungs etc. zu tun haben, sei dahingestellt . Dies zu entscheiden, ist Sache der einschl¨agigen Experten.

Nach orientierenden Recherchen in der Literatur (Kihlstrom, Sch ußler,¨

) stellt sich mir der hier anklingende Fragenkomplex

wie folgt dar: Dem Unbewußten wird heute, auch seitens der Ne urobio- logen und Kognitionswissenschaftler, eine wichtige Bedeu tung zuer- kannt, f ur¨ seelische Prozesse, f ur¨ das gesamte Denken und Handeln — aber die Freudsche Triebtheorie ist wohl obsolet. Das Thema Archety- pen ist offenbar zu kompliziert, als daß es (gegenwartig)¨ Gegenstand der Hirnforschung sein konnte.¨ Ob das kollektive Unbewußt e angebo- ren oder sozial bedingt ist, ist umstritten. Nicht zuletzt, da bewußte und unbewußte Prozesse schwer von einan- der getrennt werden konnen,¨ ist auch das Problem der Willen sfreiheit noch nicht gekl¨art, obgleich es bei den Hirnforschern eine nicht unbe- deutende Fraktion gibt, die die Willensfreiheit in Frage st ellt. Fur¨ den oben erwahnten¨ Konstruktivismus sieht die gegenwartige¨ Forschung- und Meinungslage nicht schlecht aus, und damit auch nicht f ur¨ Scho- penhauers Die Welt ist meine Vorstellung“, und somit auch nicht f ur¨ eine Theorie der Theorienbildung im Sinne Keplers, Paulis, Heisen- bergs

Singer, Libet

Johannes Kepler

ein opulenter

Band, der f unf¨ f ur¨ die neuzeitliche Physik grundlegende Werke in sich

Von Stephen Hawking herausgegeben, erschien kurzlich¨

¨

vereinigt: Uber die Kreisbewegungen der WeltkorperҬ

nibus“ (1543)) von Nicolaus Copernicus (1473–1543), Galileo Galileis (1564–1642) Unterredungen uber¨ zwei neue Wissenszweige“ ( Discor- si“ (1638)), das f unfte¨ Buch der Weltharmonik“ ( Harmonices mun- di“ (1619)) Johannes Keplers (1571–1630), die B ucher¨ I und III von Is- sac Newtons (1643–1727) Die mathematischen Prinzipien der Physik“ ( Principia“, 1687) und wichtige Artikel Albert Einsteins (1879–1955) zur Speziellen (1905) und Allgemeinen (1916) Relativit at¨ stheorie.

( De revolutio-

In diesem Band wird mit Hilfe der Originaltexte die Entwicklung un- seres Weltbildes nachgezeichnet, von der revolution aren¨ Behauptung des Nicolaus Copernicus, die Erde umkreise die Sonne, bis zu der eben- so revolution aren¨ Theorie Albert Einsteins, nach der Raum und Zeit durch Masse und Energie gekr ummt¨ und verzerrt werden. Es is t eine faszinierende Geschichte, weil Copernicus wie Einstein die Auffassung von unserem Status in der Ordnung der Dinge tiefgreifend ver andert¨ haben“, so Hawking.

Zu Kepler und dessen Werk schreibt Hawking:

von dessen Arbeiten er sich inspirieren ließ, war auch Keple r ein zu- tiefst religioser¨ Mensch. Sein fortwahrendes¨ Studium de r universellen Eigenschaften begriff er als Christenpflicht, als Erf ullu¨ ng der frommen Aufgabe, das Universum zu verstehen, das Gott geschaffen hat Sein Werk Harmonices mundi“ war die erste eindeutig kopernika- nische Arbeit, seit Copernicus sein eigenes Werk De revolutionibus“ ver offentlicht¨ hatte Obwohl er nie den Bekanntheitsgrad von Galilei erreicht hat , hinter- ließ Kepler ein Werk, das sich f ur¨ professionelle Astronom en wie New- ton als außerordentlich n utzlich¨ erwies, weil sie in seine n Schriften ei- ne Fulle¨ von wissenschaftlich exakten Details fanden. Joh annes Kep- ler war ein Mensch, der asthetische¨ Harmonie und Ordnung u¨ ber alles liebte, und alles was er entdeckte, war unaufloslich¨ verkn upft¨ mit sei- ner Vorstellung von Gott.“

Wie Copernicus,

Hinzugef ugt¨ sei: Kepler entdeckte die Gesetze der Planete nbewegung, die drei Keplerschen Gesetze“, deren drittes Newton den Weg zur Ent- wicklung des Gravitationsgesetzes wies. Kepler war Wegbereiter der

Astrophysik und der wissenschaftlichen Optik, und mit den Rudolfi- nischen Tafeln“ schuf er, auf der Grundlage von Tycho Brahes Beobach- tungsdaten und umfangreicher eigener Berechnungen, ein von Astro- nomen, Astrologen und Seefahrern hochgesch atztes¨ Standardwerk der Planetenbewegungen und -positionen. Kepler lieferte auch wichtige Beitr age¨ zur reinen Mathematik, so zur Entwicklung der Infi nitesi- malrechnung (Berechnung des Volumens von Rotationskorpe¨ rn) und zum Problem der dichtesten Packung von Kugeln. Seine Hypoth ese, ei- ne pyramidenf ormige¨ Kugelpackung habe die h ochstm¨ ogli¨ che Dichte, konnte erst kurzlich,¨ 400 Jahre nach Kepler, computergest utzt,¨ bewie- sen werden.

Kepler wurde zum Wegbereiter der Astrophysik, da er — anders als die Astronomen vor ihm, f ur¨ die die Bewegung der Himmelsko¨ rper ein rein kinematisches Problem war — die kausale Rolle der Sonne f ur¨ die Planetenbewegung erkannte und so die Beschreibung der Plan etenbe- wegung zu einem physikalischen Problem werden ließ, auch we nn er die Dynamik dieser Bewegung nicht korrekt erfassen konnte, war ihm doch die Natur der von der Sonne auf die Planeten ausge ubten¨ Kraft noch nicht bekannt. Kepler ben otigte¨ f ur¨ die Erkl¨arung der Bewegung auf eine r gekr umm-¨ ten Bahn eine treibende und eine stabilisierende Kraft, wa¨ hrend New- ton spater¨ in seinem Werke Principia“ zeigte, daß die Gravitationskraft allein vom Abstand zwischen Sonne und Planeten abh angt,¨ un d mit einer solchen Kraft, zusammen mit seinem Tr agheitsgesetz¨ , die Plane- tenbewegung korrekt beschrieben werden kann. Damit hatte N ewton gezeigt, daß die Gesetze der Physik in gleicher Weise f ur¨ irdische und himmlische Ph anomene¨ gelten, was ihn zum Begr under¨ der As trophy- sik, der modernen Astronomie machte.

Die physikalische Natur der gravitativen Kraft wirklich zu er- kl¨aren vermochte jedoch weder Kepler noch Newton, was Frie d- rich W. J. Schelling (1775–1854) in seinen Ideen zu einer Philosophie der Natur“ (1797) wie folgt beschreibt: Lange vor Newton hatte Kep- ler, dieser sch opfrische¨ Geist, in poetischen Bildern ges agt, was New- ton nachher prosaischer ausdr uckte.¨ Als jener zuvor von Se hnsucht, die

Materie gegen Materie triebe, dieser von Anziehung zwische n Korper¨ und Korper¨ sprach, dachte keiner von beyden daran, daß dies e Aus- dr ucke¨ ihnen selbst oder anderen je f ur¨ Erkl¨arungen gelten sollten. Denn Materie und anziehende und zur uckstoßende¨ Kraft war ihnen Eins und dasselbe — Beyde nur zween gleichgeltende Ausdr ucke¨ derse lben Sa- che, die Eine f ur¨ die Sinne, die andere f ur¨ den Verstand gu¨ ltig.“

Eine Erkl¨arung, im Sinne von Zur uckf¨ uhrung¨ auf ein unive rselles phy- sikalisches Konzept, wird die Gravitationskraft wohl erst im Rahmen einer Theorie der Quantengravitation finden, zu der gegenwartig¨ zwei Zug¨ange, die Stringtheorie und die Schleifen-Quantengravitation (die zu einer diskreten Raumzeit f uhrt),¨ intensiv verfolgt werden.

Wegbereiter f ur¨ solch eine Theorie war Einstein mit seiner Allgemei- nen Relativit atstheorie,¨ nach der Raum und Zeit dynamisch e Gr oßen¨ sind — und damit auch der Quantentheorie unterliegen, zu deren Ent- wicklung Einstein ja ebenfalls wesentliche Beitr age¨ geliefert hat.

Angemerkt sei hier, daß, im Zusammenhang mit der Quantengravitati- on, Hawking, in der Einleitung zu dem oben erwahnten¨ Sammelband von gewichtigen Originalarbeiten von Klassikern der Physik, auf das

anthropische Prinzip zur uckgreift,¨ das uns wieder die zentrale Stel- lung einr aumt,¨ die einzufordern uns unsere Bescheidenheit seit der

, nach dem wir keine Fragen uber¨

Zeit des Copernicus verboten

die Natur des Universum stellen wurden,¨ wenn das Universum kei- ne Sterne, Planeten und chemischen Elemente enthielte, den n [entspre- chend der Quantentheorie, die nur Wahrscheinlichkeitsangaben liefert] hat das Universum selbst jede m ogliche¨ Form und Geschichte [und wir beobachten die Dinge in dem Universum, in dem sich Leben entwickeln konnte].“

Doch zur uck¨ zu Kepler (Abb. 12), seinem Denken und Wirken: Ganz im Geiste des anthropischen Prinzips sagt Kepler: Ich glaube, daß die Ursachen f ur¨ die meisten Dinge in der Welt aus der Liebe Gott es zu den Menschen hergeleitet werden konnen.“¨

auch Newton — hat Gott die Naturgesetze ge-

schaffen mit dem Ziel, Ordnung in der Natur walten zu lassen. Und so

Nach Kepler — ahnlich¨

ist das Studium der Natur f ur¨ Kepler nichts anders, als die Gedanken Gottes nachzudenken, Einblicke in das Wirken Gottes zu erlangen. Kepler glaubte erkannt zu haben, daß Gott bei der Erschaffun g der Dinge zwei wesentliche Prinzipien befolgt hat, ein geometr isches, das der Kugelform eine exzeptionelle Bedeutung beimißt, und ein harmo- nisches, das die Sph arenmusik¨ erklingen l¨aßt.

Die Kugel ist f ur¨ Kepler, den tief-religiosen¨ Protestant en, ein Symbol der Dreifaltigkeit, der Trinit at.¨ In seinem Jugendwerk Mysterium cos- mographicum“ (1596) sagt er: Das Abbild des dreieinigen Gottes ist in der Kugel(flache),¨ n amlich¨ des Vaters im Zentrum, des Sohnes in der Oberflache¨ und des Heiligen Geistes im Gleichmaß der Bezogen- heit zwischen Punkt und Zwischenraum (oder Umkreis).“

Geometrische Figuren“ waren f ur¨ Kepler Gottes Gedanken“, und er war, wie schon gesagt, uberzeugt¨ von der Wahrheit der Sph a¨ renharmo- nie. Geometrie und Harmonie waren Keplers eingeborene Ideen“ bzw. Archetypen. Nach Pauli ging bei Kepler das symbolische Bild der Formulie rung ei- nes Naturgesetzes voran: Die symbolischen Bilder und archetypischen Vorstellungen sind das, was ihn zum Suchen nach Naturgesetzen ver- anlaßt. Deshalb sehen wir auch Keplers Anschauung der Entsprechung der Sonne und der sie umgebenden Planeten mit seinem abstrakten sph arischen¨ Bild der Trinit at¨ als prim ar¨ an: Weil er Sonn e und Plane- ten mit diesem archetypischen Bild im Hintergrund anschaut , glaubt er mit religioser¨ Leidenschaft an das heliozentrische Syste m — und nicht etwa umgekehrt, wie eine rationalistische Auffassung irrigerweise an- nehmen konnte.“¨

In seinem Werk Mysterium cosmographicum“ pr asentiert¨ Kepler — seine Idee verwirklichend, daß das Universum nach geometrischen Prinzipien aufgebaut sei — als Modell f ur¨ das Sonnensystem ein Kon- strukt aus ineinander verschachtelten platonischen Korp¨ ern mit ein- geschriebenen bzw. umspannenden Sph aren.¨ Die platonisch en Korper¨ werden durch das luckenlose¨ Zusammenf ugen¨ gleichm aßig¨ er Vielecke gebildet (Abb. 13). Kepler betrachtet sie als bestm oglich¨ das Sph ari-¨ sche nachahmend“. Die Tatsache, daß es genau f unf¨ platonis che Korper¨

gibt, und sich somit in dem Konstrukt sechs Sph aren¨ unterbr ingen las- sen, genauso viele wie nach damaliger Kenntnis Planeten existierten, nahm Kepler als Beweis f ur¨ die Richtigkeit seines Modells, lieferte dies ja auch, bis auf wenige Prozent, die richtigen Werte f ur¨ die mittleren Abst ande¨ zwischen den Planeten und der Sonne. Die Idee zu dem verschachtelten Polyedermodell (Abb. 14) war Kep- ler gekommen, als er — in Graz als Mathematiklehrer wahrend¨ einer Geometrievorlesung — an der Wandtafel ein gleichseitiges Dreieck in einen Kreis einzeichnete und einen weiteren Kreis innerhalb des Drei- ecks — und ihm auf einmal klar wurde, daß das Verh altnis¨ der Kreise dem Verh altnis¨ der Bahnen von Saturn und Jupiter entsprach .

Es waren also asthetische¨ Gr unde,¨ vor allem das Prinzip de r Symme- trie, der Vollkommenheit, ja Gottlichkeit¨ der Sph are,¨ die Kepler dazu brachten, durch Verschachtelung platonischer Korper,¨ ein Modell des Sonnensystems zu konstruieren. Durch die Entdeckung weite rer Plane- ten (Uranus (1781), Neptun (1846), Pluto (1930)) wurden jed och grund- legende Voraussetzungen des keplerschen Modells hinf all¨ ig.

D.h., obgleich das keplersche Modell bestimmte Dinge (mitt lere Ab- st ande)¨ richtig zu beschreiben vermag, ist es doch falsch: ein beein- druckendes Beispiel f ur¨ die Falsifizierung einer an sich fe inen Theorie durch das Experiment bzw. die Beobachtung.

Himmelsmechanik ist auch heute noch ein interessantes Teilgebiet der Theoretischen Physik. Das fundamentale Problem der Himmelsmecha- nik ist das N-Korperproblem,¨ d.h. die Vorhersage der Bahne n von N miteinander wechselwirkenden Korpern¨ auf der Grundlage d es New- tonschen Tr agheitsgesetzes,¨ bei Vorgabe von Positionen u nd Geschwin- digkeiten der Korper¨ zu einem bestimmten Zeitpunkt (Anfan gszeit- punkt). Newton hatte das Zweikorperproblem¨ (N = 2) (z.B. Sonne und ein Pla- net) gelost¨ und so die Keplerschen Gesetze f ur¨ die Planete nbewegung in analytischer Weise best atigt.¨

Aber schon das Dreikorperproblem¨ (N = 3) (z.B. Sonne, Erde, Mond) ist bis heute nicht voll verstanden, kann doch schon dieses Problem nicht

mehr exakt gelost¨ werden. Wie zuerst von Henri Poincar´e (1854–1912) gezeigt, konnen¨ sich f ur¨ N 3 sehr interessante Bewegungsabl¨aufe, z.B. Bahninstabilit aten,¨ ergeben, wof ur¨ auch jungste¨ Beobachtungen an ei- nem extrasolaren Planetensystem sprechen (E.B. Ford et al., Nature 434, 873 (2005)). Bislang ist nicht verstanden, weshalb sich bei der Entstehu ng unseres Planetensystems — vor ca. 4,5 Milliarden Jahren — als stabile Plane- tenbahnen gerade die herausgebildet haben, die wir heute vorfinden. D.h. die Newtonsche Theorie kann nicht ohne weiteres erkl¨aren, was Kepler mit seinem Modell verschachtelter Polyeder konnte: die mittle- ren Abst ande¨ zwischen Sonne und Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn.

Erwahnt¨ sei hier der Laplacesche D¨amon, eine T.O.E. auf de r Grund- lage der Newtonschen Mechanik, eine Metapher f ur¨ das deter ministi- sche Weltbild auf der Grundlage des Newtonschen N-Korperp¨ roblems. Pierre-Simon Laplace (1749–1827) beschreibt im Vorwort se ines Werkes Essai philosophique sur les probabilit´es“ (1814) besagte n D¨amon, ein intelligentes, rechnendes Wesen, dem zu einem beliebigen Z eitpunkt alle im Kosmos wirkenden Kr afte¨ sowie Positionen und Gesch windig- keiten aller Teile (Korper)¨ bekannt sind. Diesem Wesen wa¨ re es nach den Gesetzen der Newtonschen Mechanik m oglich,¨ die Entwicklung des Weltalls — sowohl in die Zukunft voraus, als auch in die Ve rgan- genheit zur uck¨ — zu berechnen. Auf die Frage Napoleons, dem Laplace ein Exemplar seines Werkes uberreicht¨ hatte, nach dem Plat ze Gottes in seiner Theorie, antwortete Laplace: Diese Hypothese ben otige¨ ich nicht.“ D.h., wahrend¨ Kepler und auch noch Newton Gott eine n wich- tigen Platz im Weltgeschehen einr aumten,¨ hat Laplace Gott aus dem Weltgeschehen eliminiert.

Keplers Polyedermodell ist Ausdruck finalen, teleologisch en Denkens:

Eine Zweckursache, Gottes Idee von der Idealgestalt der Kugel, be- stimmt die Sachverhalte, d.h. die Frage wird nach dem Warum“ ge- stellt und nicht nach dem Wie“, wie im Falle kausalen Denkens, wenn nach physikalischen Wirkursachen gesucht wird.

Auch die Ellipsenform der Planetenbahnen, wie sie sich zwin gend

aus den Beobachtungsdaten Tycho Brahes ergibt, hat nach Kepler eine

Zweckursache, n amlich¨

netengesang, wie schon in der Uberschrift zu dem f unften¨

Weltharmonik“ anklingt: Die vollkommene Harmonie in den himm- lischen Bewegungen und die daher r uhrende¨ Entstehung der E xzentri- zit aten,¨ Bahnhalbmesser und Umlaufszeiten.“

Buch der

den von Gott gewollten mehrstimmigen Pla-

¨

An kausales Denken gewohnt,¨ h atte¨ man erwartet, daß Keple r seine ge- fundenen harmonischen Intervallproportionen als Folge de r Ellipsen- form der Planetenbahnen betrachtet, und nicht umgekehrt. Aber kau- sales Denken, auch Kepler nicht unbekannt, setzte sich im Be reich der exakten Naturwissenschaften erst ab dem 18. Jh. allgemein d urch, im Zusammenhang mit der Etablierung der Newtonschen Mechanik als Grundlage physikalischer Forschung.

Keplers Weltharmonik“ liest sich uber¨ weite Strecken wie ein Buch d er Musiktheorie. Das dritte Buch der Weltharmonik“ nennt Kepler das eigentlich harmonische Buch“. In ihm erarbeitete er eine um fassende Theorie der Musik. Dabei geht er auch ausf uhrlich¨ auf das mu siktheo- retische Werk Vincenzo Galileis (1520–1591), des Vaters von Galileo Ga- lilei, ein. Musik“, so Kepler, soll ihm behilflich sein, den Plan der Sch opfung¨ zu erkennen“.

Im f unften¨ Buch der Weltharmonik“ bringt Kepler kosmische bzw. physikalische Harmonien in Zusammenhang mit musikalische n Har- monien. Dazu betrachtet er im Aphel (sonnenfernster Punkt auf einer ellipsenf ormigen¨ Planetenbahn) und Perihel (sonnenn ac¨ hster Punkt) die Tagesbogen¨ (Winkel der pro Tag von einer gedachten Verbindungs- linie (Fahrstrahl) zwischen Sonne und Planet uberstriche¨ n wird) und stellt fest, daß ihre Verh altnisse¨ harmonischen musikalischen Interval- len entsprechen. So ergibt sich, mit einem Fehler im Prozent bereich, f ur¨ den Saturn ein Verh altnis¨ 4:5 (große Terz), Jupiter 5:6 (kleine Terz), Mars 2:3 (Quinte) usw. Die gefundenen Intervalle bringt Kepler — anders als Pythagoras durch Saitenl¨angenverh altnisse¨ — mit an den f unf¨ platoni- schen Korpern¨ (Abb. 13) identifizierten geometrischen Proportionen in Verbindung.

Kepler untersucht auch Harmonien von zwei, drei Planeten, d ie im Un- terschied zur Harmonie, erzeugt durch einen Planeten, auch zu einem bestimmten Zeitpunkt entstehen konnen,¨ und bringt diese in Zusam-

menhang mit mehrstimmigem, sogenanntem figuriertem Gesang

der eine Erfindung der letzten Jahrhunderte ist

,

.“.

Zur m oglichen¨ Harmonie aller sechs damals bekannten Plane ten sagt er: Wenn es nun eine einzige sechsfache Harmonie oder unter mehre-

ren eine besonders ausgezeichnete g¨abe, so konnte¨ man in d ieser zwei-

fellos die Konstellation bei der Erschaffung der Welt erblicken

.“

Zur Entstehungsgeschichte der Weltharmonik“ schreibt Kepler (1619):

Als ich vor 24 Jahren auf diese Betrachtungen [geometris ch be- dingter harmonischer Proportionen] verfiel, habe ich zuers t untersucht, ob die Planetensph aren¨ um gleiche Betr age¨ voneinander abstehen Schließlich kam ich zu den f unf¨ r aumlichen¨ [platonischen ] Figuren. Hier ergab sich eine Zahl der Planetenkorper¨ und eine Gr oߨ e der Abst ande,¨ die nahezu richtig war Die Astronomie wurde nun in den vergangenen 20 Jahren vervoll- kommnet [durch Beobachtungsdaten Brahes]; aber siehe da, d ie Ab- st ande¨ stimmten immer noch nicht mit den [durch die] r auml¨ ichen Fi- guren [ uberein],¨ auch zeigten diese keine Ursachen f ur¨ die in so unglei- cher Weise auf die Planeten verteilten Exzentrizit aten¨ So kam ich allm ahlich,¨ insbesondere in den letzten drei Jah ren, auf die Harmonie, indem ich kleine Abweichungen der r aumlichen¨ Figuren duldete. Dazu bestimmte mich einerseits der Gedanke, daß die Har- monien die Rolle der Form spielten, die die letzte Hand anlegte, die Fi- guren dagegen die Rolle der Materie, die in der Welt die Zahl d er Plane- tenkorper¨ und die rohe Ausdehnung der r aumlichen¨ Bereich e ist. An- dererseits lieferten die Harmonien auch die Exzentrizit a¨ ten, welche die r aumlichen¨ Figuren nicht einmal in Aussicht stellten. Ode r: die Harmo- nien gaben der Statue Nase, Augen und die ubrigen¨ Glieder, wahrend¨ die r aumlichen¨ Figuren nur die außere¨ Gr oße¨ der rohen Mas se vorge- schrieben hatten.“

Idee de r himm-

lischen Harmonien“ Leitgedanke seiner Forschungen. Dabei versuch-

So war f ur¨ Kepler die Wahrheit der pythagor aischen¨

te er seine eigenen Entdeckungen zum Planetengesang durch Umdeu- tung des pythagor aischen¨ Begriffs der Sph arenmusik¨ zu st utzen.¨ Die Planetengesetze waren gleichsam Nebenprodukt von Keplers Untersu- chungen zur Sph arenmusik.¨

¨

Sicherlich ist es Kepler nicht leicht gefallen, sich der Uberzeugungs- kraft der Beobachtungsdaten Brahes zu beugen und f ur¨ die Planeten- bahnen anstelle von Kreisen, der nach seiner und seiner Zeit genossen Meinung vollkommensten geometrischen Figur, Ellipsen anzunehmen. Aber, so Kepler: Wenn die errechneten Werte nicht [mit Beobachtungs- daten] ubereinstimmen,¨ war unsere ganze Arbeit vergeblich.“ D.h. uber¨ die Richtigkeit einer Theorie entscheidet, f ur¨ Kepler, de r Vergleich mit der Beobachtung, mit dem Experiment, auch wenn die experime ntel- len Daten mit Autorit atsmeinung,¨ mit jahrtausendealten Dogmen im Widerspruch stehen. So sagt Kepler auch: Auf die Meinungen der Heiligen uber¨ diese nat urlichen¨ Dinge antworte ich mit einem einzigen Wort: In der Theo- logie gilt das Gewicht der Autorit at,¨ in der Philosophie aber das der Vernunftsgr unde.“¨ Diese Denkweise und Haltung machten Kepler zu einem der wich tig- sten Begr under¨ der modernen Naturwissenschaften. Dies sei verdeutlicht durch einen kurzen Blick auf die geist ige Situation der Zeit Keplers und auf deren Vorgeschichte.

Wie Pauli bemerkt, hat Kepler in einer Zeit gelebt, die als ei- ne merkwurdige¨ Zwischenstufe zwischen der fr uheren¨ magisch- symbolischen und modernen quantitativ-mathematischen Naturbe-

schreibung [charakterisiert werden kann]. In [dieser] Zeit

Weltbild noch nicht in ein religioses¨ und ein wissenschaft liches aus-

ist das

einander gefallen. [Und so finden sich bei Kepler] religios¨ e Betrachtun- gen, ein beinahe mathematisches Symbol der Trinit at,¨ mode rne opti-

sche Lehrs atze¨

im selben Buch

.“

Bis ins spate¨ Mittelalter, ja nahezu bis in Keplers Zeit, hatten die Schrif- ten der Alten, der Kirchenv ater,¨ der Großen der griechisch en und r omi-¨ schen Antike, der Hermetiker, f ur¨ den mittelalterlichen Gelehrten im

allgemeinen h ohere¨ Beweiskraft als jegliche sinnliche Er fahrung. Der Gelehrte des Mittelalters verstand Wissenschaft vornehmlich als Er- kl¨arungsversuch mittels aristotelischer Auffassungen ohne Anspruch auf eine Beschreibung der Wirklichkeit auf Grund sinnliche r Erfahrung, war doch nach Aristoteles die Wirklichkeit auch durch reine s Denken, durch Logik, zu erkennen.

Vermittelt durch arabische und judische¨ Gelehrte wie Aver roes (1126– 1198) und Maimonides (1135–1206) hatte Aristoteles im 12. J h. wieder Eingang in das Denken des Abendlandes gefunden und war so zum zentralen Philosophen der christlichen Scholastik (9.–15. Jh.), der ver- nunftsm aßigen¨ Begr undung¨ christlichen Glaubens, geworden. Der da- mals bedeutendste christliche Aristoteleskommentator war der Domini- kaner Albertus Magnus (1193–1280), einer der Wegbereiter m odernen naturphilosophischen Denkens.

Die Wiederentdeckung Platons f ur¨ das Abendland im 15. Jh. ist hin- gegen byzantinischen Gelehrten zu verdanken. Sie war ganz wesent- lich auch das Verdienst des ber uhmten¨ Philosophen der Renaissance

Marsilio Ficino (1433–1499), der in lateinischer Sprache d en ganzen Pla- ton herausgab, aber auch das Corpus Hermeticum“, ein Konvolut re-

Traktate der Hermetik, zugeschrieben der

im alten Agypten angesiedelten Kunstfigur des Hermes Trismegistos (Abb. 15) — dem legend aren¨ Begr under¨ der Alchemie — aber ve rfaßt von verschiedenen Autoren aus dem Umkreis der Gnosis in den e rsten nachchristlichen Jahrhunderten.

ligios-naturphilosophischer¨

¨

Die Zeit Keplers war auch die hohe Zeit der Alchemie, jener speku- lativen Naturerkenntnis, die erst im 17./18. Jh. sukzessiv e durch die moderne Chemie und Pharmakologie abgelost¨ wurde. Noch Newton, siebzig Jahre nach Kepler, war hoch engagierter Alchemist, der nicht weniger Zeit der alchemistischen Labort atigkeit¨ und der h ermetischen Philosophie widmete als seinen mathematisch-naturwissen schaftlichen Forschungen. — Der Alchemist“, so C.G. Jung, projiziert seine Empfindungen, W un-¨ sche und Erwartungen in den beobachteten alchemistischen P rozeß“,

der so, auf dem Hintergrund der hermetischen Philosophie, zum uberw¨ altigenden¨ Gesamterlebnis, zum Selbstbefreiungs prozeß wird, zum Erlebnis, in dem sich der Alchemist in Harmonie mit sich s elbst f uhlt.“¨ So schwingen im alchemistischen Prozeß, im hermet ischen Den- ken, Gef uhle¨ und Seele mit, sind hier Seele und Denken nicht getrennt.

Kepler, der, wie auch Ren´e Descartes (1596–1650), als eine r der ersten modernen Denker die Grenzlinie erkannt hat zwischen objekt iv meßba- ren und mathematisch beweisbaren Fakten einerseits und subjektiven Ideen und Spekulationen andererseits, außert¨ sich reserv iert bis ableh- nend zur Alchemie und Hermetik, wie folgende Passagen aus de m An- hang zum f unften¨ Buch der Weltharmonik“ zeigen: Man sieht, daß er [der Hermetiker Robert Fludd] seine Hauptfreude an unverst andlichen¨ R atselbildern¨ von der Wirklichkeit hat, wahrend¨ ich darauf ausgehe, gerade die in Dunkel geh ullten¨ Tatsachen der Natur ins helle Licht der Erkenntnis zu r ucken.¨ Jenes ist Sache der Chymiker, Hermet iker, Para- zelsisten, dieses dagegen Aufgabe der Mathematiker“, und an anderer Stelle sagt Kepler: Ich hasse alle Kabbalisten.“

All dies machte Kepler zu einem der Begr under¨ der modernen N atur- wissenschaften. Aber er war auch noch Kind seiner Zeit, wie f olgende Tatsachen belegen:

Im Zedlerschen Universallexikon (1732–1754) ist uber¨ Keplerus, (Jo-

ann) einer der vornehmsten Astronomorum

le seiner Meynungen waren seltsam, sonderlich da er der Sonn e, de-

nen Sternen und Planeten nicht nur ein Leben, sondern auch Se elen zu- schrieb und von der Erde vornehmlich behaupten wollte, daß s ie durch Ausblasung der Winde und D¨ampfe aus denen Bergen und unterirdi- schen H olen¨ atmete. Indessen war er in der Mathesi sehr geschickt Als aber Tycho Brahe zu Kayser Rudolpho II. nach Prag kam, sch rieb er an Keplern, und brachte es bey ihm so weit, daß er sich anno 1600

mit seiner gantzen Familie auch dahin wandte

an die Hand [als Assistent] gehen konnte, wie se lbiger es

[damit er] d em Ty-

cho Brahe

Vie-

.“ u.a. zu lesen:

wunschte;¨ wie denn auch Brahe ziemlich geheim gegen ihn war, und ihm eben nicht alles communicirte Nach dessen Tode, der anno 1601 erfolgte, bekam Kepler den Titel ei-

nes Kayserlichen Mathematici, und machte sich durch seine Schriften

bekannt

Im folgenden Jahre [1601] wurde er [Brahe] den 13 Oct. von dem von Rosenberg zu einem Gastmahl eingeladen, da er aus Schamh aftig-

keit nicht aufstehen wollte, das Wasser zu lassen, wor uber¨ er in eine

Kranckheit fiel, und den 24 Oct. im 55. Jahr seines Alters star b

Und Kepler notierte: [Brahe hielt] sein Wasser uber¨ Gebuhr¨ der H oflichkeit¨ zur uck.“¨ Brahe soll an geplatzter Blase gestorben sein. Wie dem auch sei, besagter von Rosenberg war Peter Wok von Ro- senberg (1539–1611), der letzte des m achtigen¨ bohmische¨ n Adelsge- schlechts derer von Rosenberg, mit dem Stammsitz in Krumau, mit einer f unfbl¨¨ attrigen Rose als Familienwappen, auch heut e noch in Sudb¨ ohmen¨ allgegenwartig,¨ und offenbar mit Tischsitte n, die es un- geh orig¨ erscheinen ließen, wahrend¨ des Essens von der Taf el aufzuste- hen, um sich zu erleichtern“. Was dem einen sein Uhl, ist dem anderen sein Nachtigall.“ So war Brahes Mißgeschick f ur¨ Kepler Gluck¨ im Ungluck,¨ denn jet zt erhielt er, nun als kaiserlicher Mathematiker und Hofastronom Rudolfs II., den ihm bislang verwehrten ungehinderten Zugang zu Brahes exze llentem Beobachtungsmaterial, das ihm ein sorgf altiges¨ Studium d er Planeten- bahnen erm oglichte¨ und so den Weg zu den Gesetzen der Planet enbe- wegung wies.

¨

“ Uber den Tod Brahes ist im Zedler zu lesen:

.“

¨

Ahnlich befremdlich wie Keplers Annahme der Existenz einer Seele der Gestirne und des Entstehens der Winde durch Atmen der Erd e er- scheint uns heute auch Keplers intensive Besch aftigung¨ mit Astrologie und dem Erstellen von Horoskopen. Ber uhmt¨ sind Keplers Horosko- pe f ur¨ Wallenstein und Kaiser Rudolf II. Fur¨ die Nachwelt interessant sind in diesen weniger die Prophezeiungen, etwa daß Wallens tein im siebzigsten Jahre an einem viert agigen¨ Fieber sterben werde, sondern eher die Charakterbilder, die von den Bestellern der Horoskope gege- ben werden. So schrieb 1608 Kepler dem damals 25jahrigen¨ Wallen- stein: Gewaltsam er auch sein wird, umbarmherzig, ohne br uderlic¨ he und eheliche Lieb, niemand achtend nur sich und seinen Wollusten¨ er- geben, hart uber¨ die Untertanen, an sich ziehend, geizig, betr uglich¨

auch streitbar, unverzagt weil Sonne und Mars beisammen, wie wohl Saturnus die Einbildung verderbt, sodass er oft vergeblich Furcht hat.“ Wallenstein gefiel sein Horoskop und er bewahrte es zeitlebe ns sorg- sam auf, ja er ließ es 1625 von Kepler aktualisieren und macht e diesen 1628 zum Hofastronomen in seinem schlesischen Herzogtum Sagan. Kepler war sich seiner Grenzen als Astrologe durchaus bewußt. So ant- wortete er auf Wallensteins Fragen sein Schicksal betreffe nd: Ich ant- wortte auf diese und alle dergleichen fragen erstlich haubt s achlich¨ wie bißhero: Welcher Mensch gelehrt, oder ungelehrt, Astrologus oder Phi- losophus in er ortterung¨ dieser fragen die augen von des Gebornen eig- nen WillChur abwendet, oder sonsten von seinem Verhalten un d Qua- liteten gegen den Politischen Umbst anden¨ betrachtet, und will diß alles bloß allein aus dem Himel haben, es sey gleich jezo Zwangs ode r nur Inclinations und Naigung weiß, der ist wahrlich nie recht in die Schul gegangen, und hat das Licht der Vernunft, daß ihme Gott angezundt,¨ noch nie recht gepuzet; [und] wann er der Sachen nur mit Vleiß nach- sinnet, wurdt¨ er befinden, das diese fragen baides zu er ort¨ tern, und auch f urzulegen¨ eine rechte unsinnige weiß seyen. Ich mein s theills sa- ge Gott danckh, das ich die Astrologiam so vill gestudirt, das ich nun- mehr von diesen Fantaseyen welche in der Astrologorum B uch¨ er heuf- fig zueffinden gesichert bin.“

Kurz gesagt, Kepler war der Ansicht, daß man vergeblich ein Gluck¨ von oben herab wunsche“,¨ f ur¨ das im Charakter keine Anleitung“ vor- handen ist.

Fur¨ Kepler bot das Erstellen von Horoskopen eine willkomme ne zus atzliche¨ Einnahmequelle, denn, zwar stand er in des Kaisers Diensten, sein Gehalt bekam er jedoch nur recht unregelm aߨ ig gezahlt. Zeitlebens hatte Kepler nicht nur finanzielle sondern auch arge fami- li¨are Sorgen, so uberlebten¨ von seinen 11 Kindern, aus zwe i Ehen, nur f unf¨ ihre Kindheit. Auch war die Zeit, in der er lebte, alles andere als gunstig¨ f ur¨ eine ungest orte¨ wissenschaftliche T atigk¨ eit. Es war die Zeit der Gegenreformation und des Beginns des Dreißigjahrigen¨ Krieges. Dreimal wurde er, der uberzeugte¨ und unangepaßte Protestant, aus re- ligiosen¨ bzw. politischen Gr unden¨ von den Orten seines Le bens und

Wirkens — Graz, Prag und Linz — vertrieben.

Doch all die Widrigkeiten der außerlichen¨ Lebensumst and¨ e konnten seine wissenschaftliche Schaffenskraft nicht brechen, dank seiner see- lischen und charakterlichen Konstitution, die er in einem Selbsthoro- skop“, erstellt im Alter von 26 Jahren, wie folgt beschreibt :

Dieser Mensch hat in jeder Hinsicht Hundenatur. Er ist wie ein

verwohntes,¨ gezahmtes¨ H undchen.¨ 1.) Der Korper¨ ist beweglich, d urr,¨ wohlproportioniert. Er freut sich,

Er ist

sogar mit dem Geringsten zufrieden. 2.) Auch der Charakter ist sehr ahnlich.¨ Zun achst¨ schmeichelt er sich st andig¨ bei den Vorgesetzten ein, er h angt¨ in allem von and eren ab,

an Knochen und harten Brotkrusten zu nagen, er ist gefr aßig¨

er dient ihnen, er zurnt¨ ihnen nicht, wenn er getadelt wird, er versucht

auf jede Weise sich auszus ohnen¨

gr ußt¨ die, die h aufig¨ ins Haus kommen, nicht anders als ein H und. So- bald ihm jemand das Geringste entreißt, knurrt er, wird heiß, wie ein

Hund

Er ist ungeduldig im Ges pr ach¨ und

.“

Kepler erstellten umfangreich en Fami-

lienhoroskop heißt es: Uber die Geburt Johannes Keplers. Ich bin der

Frage meiner Zeugung nachgegangen, die im Jahre 1571 am 16. M ai,

morgens 4.37 erfolgte. Meine Schwachlichkeit¨ bei der Gebu rt wider- legt den Verdacht, meine Mutter sei bei ihrer Verheiratung, die am 15.

Ich kam also vorzeitig zur

Mai stattfand, bereits schwanger

Welt, mit zweiunddreißig Wochen, nach 224 Tagen, zehn Stund en

Und in einem vom 25jahrigen¨

¨

.“

Und noch etwas zu Kepler: Kurz vor Vollendung der Weltharmonik“ (1619) hatte das Heilige Offizium“ in Rom, das oberste Inquisitionsge- richt, die Verbreitung der kopernikanischen Lehre verbote n (1616), was Kepler bef urchten¨ ließ, daß dadurch der Verkauf seines neu en Werkes in Italien auf arge Schwierigkeiten stoßen wurde.¨ Aber ein italienischer Bekannter beruhigte ihn mit den Worten: B ucher¨ von hervorragenden deutschen Verfassern werden, auch wenn sie verboten sind, in Italien heimlich verkauft und um so eifriger gelesen.“

Dieses Verboten-und-um-so-eifriger-Gelesen l¨aßt in meiner Seele“ Er- innerungen aufleuchten“, Erinnerungen an eine Zeit, da mein gelieb- tes Klavier noch den Firmennamen Schiller“ (ehemalige ostberliner Firma) trug, und nicht wie jetzt Bechstein“, ausger ustet¨ mit einem elektronischen Zusatz von Yamaha“, einem Kleinod zur Bef orderung¨ der Liaison von Physik und Musik, das mir jetzt das Spiel auch zu spater¨ Stunde erlaubt, ohne St orung¨ der n achtlichen¨ Ruh e anderer — Erinnerungen an eine Zeit, da ich gebunden war an ein Weltsys tem, das

sich fest gef ugt¨ und ewig wahnte¨ durch die Gemeinschaft der Interes-

sen und Ziele und die gemeinsame Ideologie

.“, — an eine Zeit, da an-

derenorts die Political correctness“ noch nicht erfunden war als St utz-¨ korsett f ur¨ die Musica humana“, wohl aber hierzulande jeder wußte, daß politisch korrekt sein heißt, an den Sieg des Sozialismu s zu glau- ben, zumindest so zu tun, als ob man glaubte, jedenfalls Zweifel, ob eingeborene“ oder erworbene, f ur¨ sich zu behalten, es sei d enn, man hatte keinerlei berufliche Ambitionen.

In dieser Zeit war f ur¨ mich und andere am Sieg des Sozialismu s Zwei- felnde das Buch des gewichtigen Experten des Westens f ur¨ die Ideolo- gie des Ostens, des Jesuiten und Professors an einem Institu t des Va- tikans in Rom, Gustav A. Wetter, Sowjetideologie heute — Dialekti- scher und historischer Materialismus“, in einschl¨agigen Kreisen kon- spirativ“ von Hand zu Hand gereicht, ein Buch der Erbauung, — wur-

de doch in ihm die staatstragende wissenschaftliche Weltanschauung“ einer scharfsinnigen Kritik unterzogen, wurde z.B. gezeigt, daß der len- insche Materiebegriff, das Fundament der ganzen Ideologie , eine Tau- tologie ist, definiert er doch die Materie in Bezug auf das Bewußtsein, das Bewußtsein aber in Bezug auf die Materie. Das Buch Wetters war hervorragend f ur¨ die Vorbereitungen auf Pr ufungen¨ uber¨ Marxismus und Leninismus geeignet, so auf Pr ufun-¨ gen im Rahmen des Promotions- und Habilitationsgeschehens , vermit- telte es doch dem Pr ufling¨ Wissen, das diesem dem Pr ufenden¨ ge-

gen uber¨

das Gef uhl¨ der Uberlegenheit verlieh, nur mußte er, um den

Ausgang der Pr ufung¨ und damit seinen beruflichen Werdegang nicht zu gef ahrden,¨ die Wahrheit wohlweislich f ur¨ sich behalte n, den Pr ufen-¨ den in Unwissenheit belassen. Aber vielleicht kannten ja be ide, Pr ufling¨

¨

und Pr ufer,¨ die Wahrheit, zogen es aber vor, ganz im Sinne spaterer¨ Ge- danken Rortys (Richard Rorty: Wahrheit und Fortschritt“, Suhrkamp, 2000), der Zweckm aßigkeit¨ den Vortritt vor der Wahrheit zu lassen. Wie auch immer, Gustav A. Wetter, und damit auch der Vatikan, haben mir geholfen meine Straßen zu bauen“ und so hier und heute meine Abschiedsvorlesung halten zu konnen.¨

Doch zur uck¨ zu Kepler und dem Heiligen Offizium. Keplers Weltharmonik“ wurde, wider Erwarten, nicht vom Heiligen Offizium auf den Index der verbotenen B ucher¨ gesetzt, wohl aber sein Lehrbuch Grundriß der kopernikanischen Astronomie ( Epitome astronomiae copernicanae“ (1618–1621)).

¨

Arger als Kepler hatte mit dem Heiligen Offizium

sein ber uhmter¨ Zeitgenosse Galileo Galilei (1564–1642) ( Abb. 16), der, wie ein Briefwechsel mit Kepler aus dem Jahre 1597 belegt, schon fr uh¨

mit dem kopernikanischen System sympathisierte, was er jed och lange nicht publik machte. Seine kopernikusfreundliche Haltung war jedoch ein offenes Geheimnis.

Weitaus gr oßeren¨

Ausgelost¨ wurde Galileis Konflikt mit der Katholischen Kirche im Jah- re 1613 durch einen Brief an seinen Sch uler,¨ den Benediktin er Bene- detto Castelli, in dem Galilei seine Vorstellungen uber¨ das Verh altnis¨ der Bibel zum heliozentrischen System schilderte und die Ne uinterpre- tation der Heiligen Schrift forderte. Im Jahre 1616 wurde Galilei von der Katholischen Kirche ermahnt, die kopernikanische Lehre in keiner Weise zu verteidigen, und 1633 wurde er, der R uckf¨ allige,¨ von selbi- ger schließlich offiziell verurteilt und unter lebenslange n Hausarrest gestellt.

Zum Verh angnis¨ wurde Galilei, in seiner Auseinandersetzu ng mit der Katholischen Kirche, wohl weniger seine kopernikanische Weltsicht, als vielmehr der Verdacht, Anh anger¨ der Hermetik in Nachfolge Giorda- no Brunos (1548–1600) zu sein, der angeklagt und schließlich verbrannt worden war, weil er in der Hermetik die vormalige, wahre Philoso- phie“ gesehen hatte. Die Hermetik wurde von der Katholische n Kirche

als gef ahrlich¨ eingestuft, da sie Gotteserkenntnis durch eigene Anstren- gung lehrte, zu eigenst andigem¨ Denken und Handeln ermutigte, Dok- trinen und Dogmen ablehnte.

Unter den Anh angern¨ der Hermetik finden sich neben Bruno und Ga-

lilei

Des Paracelsus (1493–1541) Motto: Sei keinem anderen Knecht, wenn Du Dein eigener Herr sein kannst“, l¨aßt erahnen, daß die Kirche in der Hermetik den Kein der Aufm upfigkeit¨ gegen Autorit at¨ und Dogmen witterte und entsprechend allergisch reagierte. Aber wer sich noch der Zeit der Diktatur des Proletariats“ erinnert,

sich erinnert der Furcht derer Protagonisten vor H aresien¨ (Trotzkismus,

Maoismus, Eurokommunismus, demokratischer Sozialismus

h aretischem¨ Gedankengut (Revisionismus:

, die darauf gerichtet ist, den revolution aren¨ Geist de s Marxismus-

burgerliche¨ Ideologie

) und

auch Paracelsus, Newton, Leibniz, Goethe, Schelling, Novalis

Leninismus

zu untergraben“), kann der Katholischen Kirche sei-

¨

nerzeitige Angste vor hermetischer Philosophie leicht nachempfinden, aber auch die Tatsache verstehen, daß Galileis Abschworen¨ der koper- nikanischen Lehre und sein der Kirche versprochenes Wohlve rhalten ihn vor dem Scheiterhaufen bewahren konnten, geht es autorit aren¨ Re- gimen doch vorrangig um strikte Befolgung von verordneten Verhal- tensnormen und weniger um das, was im Kopfe des Einzelnen vor sich geht, vorausgesetzt, dieser beh alt¨ seine Gedanken f ur¨ sich.

Physik und Musik

In seiner bekannten Typologie musikalischen H orens¨ unter teilt Theo- dor W. Adorno (1962) die H orer¨ in Gruppen unterschiedliche n Mu- sikverst andnisses,¨ vom musikalisch-naiven emotionalen H orer“,¨ f ur¨ den die Musik Mittel zum Zweck seiner Triebokonomie“¨ ist, uber¨ de n Bildungskonsumenten“ und guten Zuh orer“¨ bis hin zum des struk- turellen H orens¨ f ahigen¨ Experten“, der dem Verlauf auch verwickelter Musik spontan zu folgen und das Geh orte¨ hinsichtlich Harmonik, Viel- stimmigkeit und Sinnzusammenhang sofort zu durchschauen v ermag. Ob es dem adornoschen Experten“ auch wirklich gelingt, jedwe-

des Werk, insbesondere der kompositorischen Avantgarde, s pontan zu durchschauen, sei dahingestellt, macht doch beispielsweise Iannis

Xenakis (1922–2001) in seinen Kompositionen auch von mathe mati- schen, geometrischen, architektonischen und philosophis chen Prinzipi- en Gebrauch, wobei selbst Elemente der Wahrscheinlichkeit srechnung, mathematischen Spieltheorie, Chaostheorie, Mengentheor ie, Boolschen Algebra etc. Verwendung finden. Aber wer nun beim Lesen von Adornos musiksoziologischer Stu die sich in einer der Gruppen geringeren musikalischen Sachver standes wiederfindet — z.B. in der Gruppe des Bildungskonsumenten“, der

nach Adorno vornehmlich viel uber¨

Außerlichkeiten des Musikge-

schehens weiß und mit geschmacklicher Willkur¨ urteilt — un d jetzt den Ehrgeiz entwickelt, durch fleißiges Studieren in die n a¨ chst h ohere¨

Gruppe zu gelangen — im betrachteten Falle in die Gruppe des gu- ten Zuh orers“,¨ der Musik etwa so versteht, wie wenn man die eige- ne Sprache versteht, auch wenn man von ihrer Grammatik und Syn- tax nichts oder nur wenig weiß“ — dem wurde¨ ich als ersten Sch ritt

empfehlen, zu einem elementaren Physikbuch zu greifen, z.B . zum Ta- schenbuch der Physik“ von H. Kuchling, mittlerweile in 17. Auflage erschienen, und dort das Kapitel Akustik“ zu lesen (Abb. 17). Hier findet er N utzliches¨ uber¨ Schallerzeugung (schwinge nde Saite,

), Schallwelle n, Schallaus-

breitung

Grundton, Obert one,¨ Klang,

, aber auch uber¨ Tonleitern und Intervalle (diatonische Ton-

leiter, chromatische Tonleiter, gleichm aßig¨ temperiert e Tonleiter, kon-

sonante und dissonante Intervalle

¨

).

Doch zun achst¨ einige Anmerkungen zur Geschichte der Akust ik:

Wie schon erw ahnt,¨ Pythagoras (um 570 bis 480 v. Chr.) war de r er- ste Forscher“ auf akustischem Gebiet. Er fand, durch Untersuch ungen am Monochord, daß konsonante Intervalle durch ganzzahlige Propor- tionen der Saitenl¨ange bestimmt werden: Oktave 1:2, Quinte 2:3, Quar- te 3:4. Jedoch anders als von Pythagoras angenommen, gelten diese Proportionen nicht, wenn der Zusammenhang zwischen konson anten Intervallen und Proportionen der Saitenspannung und des Saitenquer-

schnitts betrachtet wird, wie Galilei in seinen Discorsi“ (1638) bemerkt:

dieselbe L ange¨ und Dicke [der Saite] be i und

Behalten wir

m ochten¨ wir sie zum Aufstieg in die Oktave durch vermehrte Span- nung bringen, dann gen ugt¨ es nicht, sie um das Doppelte zu spannen, sondern es bedarf des Vierfachen.“

Den Beitrag des Aristoteles-Sch ulers¨ Aristoxenos (um 350 v. Chr.) zur Akustik bzw. Musiktheorie beschreibt Xenakis wie folgt: Aristoxenos entwickelt in der Theorie eine vollst andige¨ gleichtemper ierte chromati- sche Tonleiter mit dem zwolften¨ Ton als Modulus [d. h. er unt erteilt die Oktave in zwolf¨ gleiche Teile]. Parallel dazu wird die Arbe it an der mul- tiplikativen (geometrischen) Sprache der Saitenl¨ange fortgesetzt, was de facto eine Umsetzung der additiven Tonh ohensprache¨ bed eutet [An- merkung: Die Tonh ohenempfindung¨ entspricht dem Logarithm us der Frequenz]. Daher deklariert die Musiktheorie die Entdecku ng des iso- morphen Verh altnisses¨ zwischen Logarithmus (musikalische Interval- le) und der Exponentialfunktion (Saitenl¨ange) mehr als 15 Jahrhunder- te vor der Mathematik; noch dazu wird eine Vorahnung der Gruppen- theorie von Aristoxenos ausgesprochen.“

Anmerkung: In der Neuzeit wurde die Aufteilung der Oktave in zwolf¨ gleiche Teile — d.h. ein Halbtonintervall mit dem Frequenzv erh altnis¨ zwolfte¨ Wurzel aus 2 (vgl. Abb. 17) — von dem Mathematiker un d In- genieur Simon Stevin (1548–1620) vorgeschlagen.

Doch noch einmal kurz zur uck¨ zur Antike. Bereits in der Antike wur- de der Wellencharakter des Schalls vermutet, so von dem grie chischen Philosophen Chrysippos (um 240 v. Chr. ) und dem r omischen¨ A rchi- tekten und Ingenieur Vitruv (1. Jh. v. Chr.). Chrysippos erkannte die Analogie zwischen Wellen auf einer Wassero- berflache¨ und der Schallausbreitung. Damit erfaßte er bere its die Aus- breitung des Schalls als Ph anomen¨ r aumlich¨ und zeitlich oszillierender Dichteschwankungen ohne Materietransport. Vitruv diskut ierte Schall in Amphitheatern, insbesondere in Hinblick auf Nachhall un d Reflexi- on.

Die Geschichte der modernen Akustik begann am Anfang des 17. Jahr- hunderts. Die h orbaren¨ T one¨ sowie ihre Intervalle und Kon sonanzen

wurden jetzt nicht mehr durch L angenverh¨ altnisse¨ (von Saiten), son- dern durch Frequenzen (Oszillationen pro Sekunde), d.h. ein zeitliches Maß, erkl¨art. Die absoluten Frequenzen h orbarer¨ T one¨ konnten gemes- sen werden. Es konnte experimentell gezeigt werden, daß ein vibrie- render, einen Ton erzeugender Korper¨ die umliegende Luft zu einer oszillatorischen Bewegung der gleichen Frequenz anregt. Und es konn- te gezeigt werden, daß die Klangfarbe eines musikalischen Tones bzw. Klanges durch den Spektralgehalt des schallerzeugenden Ereignisses, d.h. durch den Beitrag der Obert one,¨ bestimmt wird.

Einen H ohepunkt¨ fand die Entwicklung der Akustik mit Hermann von Helmholtz (1821–1894) und seinem ber uhmten¨ Werk Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage f ur¨ die T heorie der Musik“ (1863), in dem u.a. die Obertonstruktur des Klanges analy- siert und gezeigt wird, daß das Geh or¨ wie ein Fourieranalys ator arbei- tet, d.h. wie ein Instrument, das die spektrale Zerlegung de s Klanges vornimmt. Noch einige Fakten aus der neuzeitlichen Geschichte der Aku stik: Ma- rin Mersenne (1588–1648): Messung der Schallgeschwindigkeit, Quan- tifizierung der Tonh ohe¨ als Frequenz, Frequenz einer schwingenden Saite in Abh angigkeit¨ von L ange,¨ Spannung, Durchmesser; Erah- nen“ der Obert one¨ einer schwingenden Saite; Robert Hooke ( 1635– 1703): Tonerzeugung und Tonfrequenzmessung mittels rotie render Zahnr ader;¨ Christian Huygens (1629–1695): Schall als Wellenph ano-¨ men gedeutet; Formulierung des Prinzips der Sekund arwell¨ en; An- wendung von Logarithmen auf musikalische Intervallberech nung; Ro- bert Boyle (1627–1691): Nachweis, daß Schall Luft zur Fortpflanzung braucht (Wecker im Vakuum); Joseph Sauveur (1653–1716): Un tersu- chung der Obert one¨ einer schwingenden Saite, Anstoß zum Su per- positionsprinzip; Isaac Newton (1643–1727): Berechnung d er Schallge- schwindigkeit, jedoch unter der Annahme isothermer Prozes se, anstatt, wie korrekt, adiabatischer; Leonhard Euler (1707–1783): B eschreibung der Klangentstehung (Grundschwingung mit Obert onen)¨ in P feifen, Aufstellung der Wellengleichung f ur¨ Schall; Jean-Baptis t d’Alembert (1717–1783) und Joseph Louis Lagrange (1736–1813): Weiterentwick- lung der theoretischen Beschreibung der Wellenausbreitun g; Ernst Flo-

rens Friedrich Chladni (1756–1827): Schwingungsformen von Platten; Jean Baptiste Joseph Fourier (1768–1830): Fourieranalyse“, d.h. Dar- stellung der Schwingungsform eines beliebigen Klanges als Superposi- tion von Beitr agen¨ von Grundton und Obert onen.¨

Dieser kurze Abriß der Fr uhgeschichte¨ der Akustik enth al¨ t viele klang- volle Namen, was die Tatsache widerspiegelt, daß die Akustik, ins- besondere die Untersuchung des Schwingungsverhaltens ein er Saite, Wegbereiter der neuzeitlichen Physik war — Paradigma war f ur¨ ei- ne auf sorgf altig¨ durchdachten Experimenten beruhenden q uantitativ- mathematischen Naturbeschreibung, einer Naturbeschreibung auf der Erde, analog zu der im Bereiche der Astronomie durch Brahe un d Kep- ler. Gelegentlich spricht man gar von einer gemeinsamen Ges chichte von Physik und Musik bzw. davon, daß die Musik das urspr ungl¨ iche mathematische Modell f ur¨ die Physik bzw. die Naturwissens chaften war. Ausdruck findet die Verzahnung“ von Physik und Musik auch in musiktheoretischen Untersuchungen und Schriften — vorn ehmlich zur Harmonik und musikalischen Temperatur — von Kepler, Des car-

tes, Newton, Leibniz, Euler, d’Alembert

von Vincenzo Galilei und dessen Sohn Galileo.

, aber auch in de m Wirken

Vincenzo Galilei (1520–1591) war, wie schon gesagt, Musikt heoretiker und Lautenspieler, Sch uler¨ des bedeutenden Musiktheoret ikers und Komponisten von Madrigalen Gioseffo Zarlino (1517–1590), der als er- ster das Wesen der konsonanten Harmonie (Dur- und Moll-Akkord) de- finierte, die dann uber¨ Jahrhunderte, bis zu Wagner und Sch onberg,¨ die abendl¨andische Musik in mehr oder weniger starkem Maße beh errsch- te, und die insbesondere Mehrstimmigkeit erm oglichte.¨

Vincenzo Galilei liebte jedoch nicht die Mehrstimmigkeit, die Polypho- nie. Sie erschien ihm zu kompliziert, zu schwulstig.¨ Und so wandte er sich ab von Zarlino, insbesondere ab von der temperierten St immung, und widmete sich der antiken bzw. pythagor aischen¨ Monodie (Ein- zelgesang mit sparsamer Instrumentalbegleitung) und expe rimentierte mit dem Monochord, ganz wie seinerzeit Pythagoras.

Vincenzo Galileis Streben nach Einfachheit und Durchschau barkeit —

bei der musiktheoretischen Fragestellung, bei dem Experim entieren mit dem Monochord, bei der theoretischen Beschreibung der B efun- de — ist offenbar von seinem Sohn Galileo tief verinnerlicht worden, und ließ diesen — des Vaters Prinzip der Vereinfachung und Re pro- duzierbarkeit auf das zu untersuchende physikalische Ph a¨ nomen, z.B. die Rollbewegung auf der schiefen Ebene oder die Pendelbewe gung, ubertragend¨ — zum Erfinder“ des physikalischen Experiments und — in seinem Bestreben die experimentellen Befunde auch quant itativ- mathematisch zu erfassen — auch zum ersten Theoretischen Ph ysiker werden.

Und so gilt heute Galileo Galilei, neben Newton, als Vater des mo- dernen, auf einem abstrahierenden Idealisierungsprozeß beruhenden, physikalischen Denkens, eines Denkens, dessen Wurzeln bis in die An- tike zur uckreichen,¨ bis zu Platon — nach dem die durch reine s Denken sich erschließenden Ideen das Reich der wahren Wirklichkeit bilden, wohingegen die Welt der wahrnehmbaren Dinge nur ein unvolls t andi-¨ ges Abbild des ewigen Reichs der Ideen ist. So gesehen ist Platon ge- wissermaßen der Großvater des modernen physikalischen Denkens. Nach Platon ist Wissenschaft auch praktisch n utzlich,¨ und zwar um sich in der sinnlichen Welt besser zurechtfinden, nicht um dort etwas bewirken zu konnen.¨

Eine originelle Verbindung von Physik und Musik wird von Galileo Galilei berichtet. Fur¨ seine Experimente zur Mechanik h a¨ tte er eigent- lich eine mechanische Pr azisionsuhr¨ ben otigt.¨ Aber solche Uhren gab es noch nicht zu seiner Zeit. Und so mußte er sich — in Analogie zu r Mes- sung von Intervallverh altnissen¨ am Monochord — mit der Mes sung von Zeitverh altnissen¨ begn ugen,¨ mit Hilfe von Wasseruhren, oder auch durch Z ahlen¨ des Puls- bzw. Herzschlags, sowie durch Singe n eines Liedes, gegebenenfalls eines Psalms, wie fr uher¨ ublich¨ in den Klostern.¨

Nicht uninteressant ist Newtons Verh altnis¨ zur Musik. An d er Auff uh-¨ rung von Musik hatte Newton (Abb. 18) offenbar wenig Interes se, wohl aber besch aftigte¨ er sich intensiv mit Musiktheorie, insbesondere mit der diatonischen Tonleiter mit sieben T onen¨ und der chromatischen

Tonleiter mit zwolf¨ T onen,¨ und hier besonders mit der musikalischen Temperatur, erkannte er doch diese als wichtig f ur¨ die musikalische Praxis. Die sieben T one¨ der Notenskala fanden als sieben Spektralfar- ben auch ihren Widerhall in Newtons Theorie des weißen Licht es. Aber, wie schon gesagt, f ur¨ reale Musik hatte Newton wenig Sinn. So

war er in der Oper nur ein einziges Mal. Hier h orte¨ er den ersten Akt mit Vergn ugen,¨ der zweite strapazierte bereits seine Gedu ld, und beim dritten lief er weg.“ Auch h orte¨ Newton H andel¨ spielen, fand aber außer der Gelenkigkeit von dessen Fingern nichts bemerkens wert.“ Reichlich befremdlich ist Newtons Behauptung, daß Pythagoras’ Sph arenmusik¨ eine versteckte Darstellung des von ihm, Newton, ent- deckten quadratischen Gesetzes der gravitativen Anziehun g enthalte. Mit Blick auf Pythagoras’ Untersuchungen mit dem Monochord , f uhr-¨ te Newton zur Begr undung¨ seiner Behauptung an, daß eine ges pannte Saite denselben Ton erzeugt, wenn bei Verl¨angerung der Saite um einen beliebigen Faktor gleichzeitig die Spannung der Saite um das Quadrat eben dieses Faktors erh oht¨ wird. Aber, wie schon erwahnt,¨ war nach Galileo Galilei dieser Zusammenhang Pythagoras noch unbekannt. Er war erst durch die beiden Galileis und Mersenne entdeckt worden.

¨

Die genannte Behauptung ist jedoch Ausdruck der festen Uberzeugung

Newtons, daß praktisch all seine Entdeckungen den Alten (Pythagoras,

) schon bekannt gewesen seien. Die se h atten¨ ih-

re Befunde jedoch in symbolischen Darstellungen verschlu¨ sselt, so wie das Gravitationsgesetz im Bilde von der Sph arenharmonie,¨ damit sie dem P obel¨ vorenthalten blieben. Das Verderbnis, der Niede rgang der Wissenschaft, setzte — so Newton — jedoch ein, als solche Sym bole fehlgedeutet bzw. nicht mehr verstanden wurden.

Aristoteles, Platon,

Newton war der Auffassung, daß auch das heliozentrische Weltbild den Alten schon vertraut gewesen sei: Es fand seinen symbolischen Ausdruck in den vestalischen Tempelzeremonien, wo ein zent rales Feu- er die Sonne im Zentrum darstellte. Das gleiche Symbol fand s ich in der judischen¨ Stiftsh utte,¨ in der ein zentrales Feuer von sie ben Lampen, die die sieben Planeten symbolisierten, umgeben war. Die siebe n T one¨ der diatonischen Tonleiter und die von Newton postulierten sie ben Farben des Spektrums des weißen Lichtes hatten denselben zahlenmystischen

Bezug.

Nach Newtons Meinung hatte sich die Weisheit der Alten in den alche- mistischen Schriften der hermetischen Tradition am reinst en erhalten. Allerdings galt es noch diese Prisca sapientia“ (uralte Weisheit) durch sorgf altiges¨ Studium des einschl¨agigen Schrifttums und durch Anwen- dung der Mittel der modernen experimentellen Wissenschaft en zu de- chiffrieren. Newtons alchemistisches Denken war stark mitgepr agt¨ word en durch die Schriften des bekannten Arztes und Alchemisten Michael Maier (1569–1622), der ubrigens¨ in den Jahren 1608–1610 Leibarzt Rudolfs II., eines großen Liebhabers der Alchemie, war, zu einer Zeit, da auch Kep- ler am Hofe Rudolfs II. in Prag weilte. Maier vertrat die, spater¨ von Newton geteilte, Ansicht, daß die Mythen der Antike in Wahrh eit al- legorisch verschlusseltes¨ naturkundliches Geheimwisse n einer Prisca sapientia“ seien. Neun der zahlreichen alchemistischen Schriften Mai- ers befanden sich in Newtons Nachlaß. Ber uhmt¨ ist Maiers Fu gen- sammlung Atlanta fugiens“ (1618) (Abb. 19, 20), in der er zugleich her- metische Symbolik und Philosophie musikalisch verarbeite t. Erwahnt¨ sei, daß Maier in Magdeburg gestorben ist, wo er auch seine beiden letz- ten Lebensjahre verbracht hat.

Newton trennte sorgf altig¨ private Besch aftigung¨

Sein Interesse an der Alchemie verbarg er vor der Offentlichkeit. So hat er auch keine Arbeiten zur Alchemie publiziert. Er hat aber e ine Viel- zahl von Manuskripten zur Alchemie der Nachwelt hinterlass en, die seine spateren¨ Nachfahren im Jahre 1936 in einer Auktion be i Sothe- by’s in London versteigern ließen, und von denen fast die H a¨ lfte (121 Manuskripte) von John Maynard Keynes (1883–1946), dem bekannten englischen Nationalokonomen¨ und großen B uchersammler,¨ erworben und anschließend dem King’s College in Cambridge geschenkt wurde, und die seitdem der Forschung zug¨anglich sind.

und of¨ fentliche Lehre.

¨

Nach Pauli war Newton mit dem ganzen Komplex alchemistischer

Schriften wahrscheinlich besser vertraut als irgend jeman d vor ihm

und nach ihm

.“

Newton fand die Behauptung der Alchemisten glaubhaft, daß ihre Symbolik eine fundamentale Wahrheit verberge. Er war uber¨ zeugt, daß sich aus den uberlieferten¨ alchemistischen Texten ein zusam- menh angendes¨ Begriffssystem herleiten ließe, von dem er s ich eine Entschlusselung¨ der Sprache der Alchemisten versprach un d sich so den Zugang in die Reihen der in die Geheimnisse der Alchemie E in- geweihten erhoffte. Zu diesem Zwecke erstellte er u.a. Lexika und

W orterb¨ ucher¨ zur Alchemie, u.a. eines mit mehr als 5000 Se itenver- weisen unter fast 900 Stichwortern.¨ Auch exzerpierte er od er schrieb gar wortwortlich¨ ab, oft mehrfach, ihm wichtig erscheinen de Werke der Alchemie, stets besorgt, daß durch Nichtbeachtung eine s Details ihm eine wichtige Information verborgen bleiben bzw. entge hen konn-¨ te (Abb. 21).

f ur¨ eine extensive Besch aftig¨ ung mit Al-

chemie wird unter Wissenschaftshistorikern noch ger atse¨ lt. Vielleicht erhoffte Newton sich von der Alchemie neue Einblicke in Stru ktur

und Wesen der Materie, insbesondere in das Geheimnis der lebenden Materie, vielleicht strebte er eine Synthese von okkult-alchemistischer und exakt-naturwissenschaftlicher Forschung an, oder er wollte wirk- lich den Stein der Weisen finden, um Macht und Einfluß zu gewinn en, Ebenburtigkeit¨ mit den adlig Geborenen. Wie dem auch sei, d ie Verbin- dung von exakter Wissenschaft und magischen Denkformen ent sprach noch dem Geist des 17. Jahrhunderts, auch wenn diese Geistes haltung bei Newton zu finden, aus heutiger Sicht, verwundern mag.

Uber Newtons Beweggr unde¨

¨

Ger atselt¨ wird in einschl¨agigen Fachkreisen auch uber¨ Ursache und Folgen einer gewissen mentalen Labilit at,¨ unter der Newton offenbar zeitlebens litt, mal mehr, mal weniger stark, so insbesonde re im Jahre 1693, in seinem 51. Lebensjahr, als er eine Art geistigen Zus ammen- bruch erlitt und John Locke (1632–1704), der große Philosoph, eines Ta- ges von Newton einen Brief folgenden Inhalts erhielt: Sir, in der Mei- nung, daß Sie bem uht¨ waren, mich mit Frauen und anderen Meth oden zu verwirren, war ich dermaßen betroffen, daß ich, als man mir erzahl-¨ te, Sie seien kr anklich¨ und wurden¨ nicht mehr lange leben, antworte- te, besser ware¨ es, Sie seien tot. Es ist nun mein Verlangen, daß Sie mir diese mangelnde Liebenswurdigkeit¨ vergeben. Denn ich bin uberzeugt,¨

Ich bitte auch um Verzeih ung daf ur,¨

daß ich gesagt oder gedacht habe, Sie hatten die Absicht, mir ein Amt anzudrehen oder mich zu verwirren. Ich bin — Ihr untert anig¨ ster und unglucklichster¨ Diener Is. Newton.“

daß Sie richtig gehandelt haben

In dem bekannten, ja ber uhmten¨ Buch Genie, Irrsinn und Ruhm“ von Wilhelm Lange-Eichbaum (1928) ist uber¨ Newton zu lesen: Nach 50. Jahr Psychose. Unzusammenh angende,¨ bizarre Reden. Depre ssion, pa- ranoide Verfolgungsideen. Sein Werk Chronologie‘ mit psychotischen Symptomen. Wohl Spatschizophrenie.“¨

Bevor ich, vor dem Hintergrund von Newtons Psychose, auf den ber uhmt-ber¨ uchtigten¨ Priorit atsstreit¨ zwischen Newt on und Leibniz zu sprechen komme, in dem Newton mit befremdlicher Verbisse nheit Leibniz des Plagiats bezichtigte, noch eine kurze biograph ische Notiz zu Newton: In seiner Biographie lassen sich drei ganz unters chied- liche Lebensabschnitte erkennen: 1643–1669, Newtons Juge nd; 1669– 1687, Newton als Lucasian-Professor in Cambridge (derzeit besetzt S. Hawking diese Professur), wissenschaftlich und alchemist isch hoch- produktive Phase; 1687–1727 (fast die H alfte¨ seines Leben s), Newton als hochbezahlter Staatsbeamter (Direktor der M unze,¨ ab 1703 Pr asi-¨ dent der Royal Society), wenig Interesse an wissenschaftlicher und al- chemistischer T atigkeit.¨

Und nun zum Streit zwischen Newton und Leibniz (Abb. 22) um die Priorit at¨ an der Entwicklung des Infinitesimalkalkuls:¨ N ach dem der- zeitigen Stand des Wissens, wurde dieser Kalkul¨ zuerst von Newton 1665–1666 entwickelt, von Leibniz 1675, unabh angig¨ von Ne wton, des- sen Untersuchungen bis dahin nicht publiziert worden waren bzw. vor 1677 Leibniz nicht zur Kenntnis gekommen sein konnten. Leibniz pu- blizierte seine Differentialrechnung 1684, Newton seine Fluxionsrech- nung“ 1687, dabei erwies sich Leibniz in der Wahl seiner Bezeich- nungen glucklicher¨ als Newton, was die Verbreitung der leibnizschen Theorie, vor allem auf dem Kontinent, bef orderte¨ und m ogl¨ icherweise den Neid Newtons weckte“. Die Kontroverse um die Priorit at¨ am Infinitesimalkalkul¨ begann im Jah- re 1700 und wurde nicht nur von den beiden Protagonisten sond ern

auch von deren Anh angern¨ gef uhrt.¨ Ihren H ohepunkt¨ erreichte sie in den Jahren 1710 bis 1713, als Newton durch die Royal Society e ine unparteiische Kommission“ zur Kl¨arung des Priorit atsst¨ reits einsetz- te und selbstgeschriebene Pamphlete unter dem Namen von Kollegen erscheinen ließ und den selbstgeschriebenen Bericht der Kommission ver offentlichte,¨ der, wie nicht anders zu erwarten, den St reit zu Gun- sten von Newton entschied. Newton und seine Anh anger¨ f uhr¨ ten den Priorit atsstreit¨ noch weit uber¨ Leibniz’ Tod (1716) hinaus.

Aber schon Platon hat den Zustand der Mania“ als Geschenk der Gotter,¨ das Kunstler¨ zu ihrem Werk“ bef ahigt¨ bezeichnet . Und wie das oben zitierte Werk von Lange-Eichbaum, mittlerweile (1985–1996) von anderen Wissenschaftlern uberarbeitet¨ und auf 11 B ande¨ angewachsen, zeigt, litten viele der Großen — ob Kunstler,¨ Politiker, Ph ilosophen oder Wissenschaftler — unter seelischen St orungen¨ verschiede ner Art, unter ihnen Beethoven, Darwin, Freud, Galilei, Goethe, Kepler, M endel, Sar- tre, Schopenhauer

Zu Goethe, speziell zu dessen Farbenlehre in Opposition zu N ewtons Farbenlehre: In der einschl¨agigen Literatur wird die Theorie (des Psy- choanalytikers Kurt R. Eissler) diskutiert, Goethe habe sich mit sei- ner Farbenlehre einen Nebenschauplatz geschaffen, um eine Psychose auszuagieren, wahrend¨ er als Dichter und Mensch erstaunlich gesund und kreativ blieb.“ Newton, nach dem im weißen Licht alle Farben potentiell vorh anden sind, wurde ja bekanntlich von Goethe scharf attackiert, en tstehen doch nach dessen Meinung die Farben aus einer Vermischung von Licht und Finsternis, ganz im Sinne des alchemistischen Farbkonzept s, entspre- chend dem die Entstehung des bunten Gewebes aus der Brechung des gottlichen¨ Lichts in der Finsternis der unteren Gewas¨ ser“ erfolgt. Newtons Perspektive ist die des Wissenschaftlers, Goethes eher die des Kunstlers.¨

Der spate¨ Goethe legte auf seine naturwissenschaftlichen Studien, ins- besondere seine Farbenlehre, mehr Wert als auf seine Dichtu ngen, wie folgendes Zitat von Eckermann belegt: Auf alles was ich als Poet ge- leistet habe‘, pflegte er wiederholt zu sagen, bilde ich mir gar nichts

ein. Es haben treffliche Dichter mit mir gelebt, es lebten noch Treffliche- re vor mir, und es werden ihrer nach mir seyn. Daß ich aber mein em Jahrhundert in der schwierigen Wissenschaft der Farbenleh re der Ein- zige bin, der das Rechte weiß, darauf thue ich mir etwas zu gut e, und ich habe daher das Bewußtseyn der Superiorit at¨ uber¨ Viele .‘ “

Doch zur uck¨ zu Newton. Bei seinem Tode (1727) galt Newton un be- stritten als gr oßter¨ Wissenschaftler und m achtigster¨ Wissenschaftspoli- tiker seines Landes. Bei Newtons Begr abniszeremonie¨ wurd e sein Sarg in einem feierlichen Leichenzug von zwei Herzogen,¨ drei Gr afen und dem Lord Chancellor getragen. Voltaire, der die Begr abnis¨ zeremonie verfolgte, schreibt: Er wurde begraben wie ein Konig,¨ der beim Vol- ke sehr beliebt war.“ Noch heute gilt Newton als einer der gan z Großen der Physik, der zusammen mit Galilei und Kepler im 17. Jahrhu ndert — durch einen Bruch mit Aristoteles — die moderne Physik begr undete,¨ und dessen Konzepte von Raum und Zeit, Tr agheitsgesetz,¨ Gr avitati- onskraft etc. die Physik uber¨ zwei Jahrhunderte, bis zum Be ginn des 20. Jahrhunderts, bis zur Entwicklung der Relativit atsth¨ eorie und der Quantenmechanik, pr agten.¨

William Blake (1757–1827), hoch eigenwilliger Kupferstecher, Maler und Dichter, Mystiker, Hauptvertreter der Fr uhromantik¨ in der eng- lischen Kunst, verehrte und haßte Newton zugleich, zeichne te Newton als Halbgott (Abb. 23), nackt und muskulos,¨ tatkr aftig,¨ besessen, getrie- ben von seinen Ideen, seinem Werk. Blake beschuldigte Newton der Verdr angung¨ der Imagination zugun- sten des Verstandes, der Freiheit zugunsten des Gesetzes, d es Besonde- ren zugunsten des Allgemeinen, der Entzauberung des Garten s Eden, der Umweltzerst orung¨ durch Bef orderung¨ von Industrialisierung und Mechanisierung: Viele R ader¨ seh’ ich, Rad ohne Rad, mit tyrannischen Radzahnen,¨ einander durch Druck und Zwang bewegen, nicht wie jene in Eden, die Rad in Rad, in Freiheit, Harmonie & Frieden sich d rehen.“ Blake warf Newton vor, uber¨ den Zweifel zum Wissen gefunden zu haben: Die Vernunft sagt Wunder, Newton sagt Zweifel. Jawohl, so schafft man die gesamte Natur aus Zweifel, Zweifel & glaubt n icht ohne Experiment.“

Und er beschuldigte ihn der Einseitigkeit in Weltsicht und Wahr- heitssuche: Gott verh ute,¨ daß die Wahrheit auf mathematische Be- weisf uhrung¨ beschr ankt¨ werde.“

Aber jetzt zu Newton (1643–1727) und Johann Sebastian Bach ( 1685– 1750) (Abb. 24), zur Frage nach einer m oglichen¨ Parallele zwischen bei- den, und damit zur uck¨ zum Thema Physik und Musik“. Newton und Bach waren Zeitgenossen, wenn auch Bach um eine Generation junger¨ war als Newton, und sie geh oren¨ beide zu den ganz Großen ihre r jewei- ligen Zunft: Newton geh ort¨ zu den bedeutsamsten Naturforschern al- ler Zeiten“, und Bach war einer der gr oßten¨ Tonkunstler¨ aller Zeiten“, so ist im Brockhaus (1929) zu lesen. Christoph Wolff, der große Bach-Experte, vergleicht in seiner Bach- Biographie (erschienen 2000) Bach und Newton: Bach erscheint als Uni- versalist, der seine Kunst als Wissenschaft versteht. Er is t, wie Newton, Wegbereiter und Gesetzgeber. Wolff zitiert den Dichter und Musikwissenschaftler Christ ian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791): Was Newton als Weltweiser war, war Se- bastian Bach als Tonkunstler“,¨ kommentiert diesen Satz: Mit anderen Worten: wie Newton die Welt der Naturwissenschaften von Gru nd auf ver anderte¨ und neue Prinzipien schuf, so ver anderte¨ Bach die Welt der Musik, gleichermaßen im Blick auf Komposition wie Auff uhr¨ ung“, und verweist auf die Allgemeine musikalische Zeitung“, zu deren Abon- nenten auch Beethoven geh orte,¨ die im Jahre 1801 im Sinne Schubarts schrieb: Hoch und her strahlt der Name Johann Sebastian Bachs vor allen deutschen Tonkunstlern¨ in der ersten H alfte¨ des vor igen Jahrhun- derts. Er umfaßte mit Newtons Geist alles, was man bisher ub¨ er Har- monie gedacht und als Beyspiel aufgestellt hatte, durchwu¨ hlte ihre Tie- fen so ganz und so glucklich,¨ dass er mit Recht als Gesetzgeber in der achten¨ Harmonik, die bis auf den heutigen Tag gilt, anzuseh en ist.“

Jedoch Wolffs Satz: Bachs Musik — seine Suche nach Wahrheit — war mehr als die irgend eines anderen Musikers seiner Zeit teils bewußt,

teils unbewußt gepr agt¨ von der sich ausbreitenden Kultur d es Newto- nianismus und dem der Wissenschaftlichen Revolution folge nden Ent-

.“, und die diesem Satz zugrunde liegende Ann ahme,

deckergeist

daß in Deutschland um 1750, speziell auch in Leipzig, Bachs Ort sei- nes Wirkens, der Geist Newtons das Denken gepr agt¨ habe, lo¨ sten har-

sche Kritik (D. Shavin (2001)) aus. Wolff wird Unkenntnis im Priorit ats-¨ streit zwischen Newton und Leibniz vorgeworfen, der auch noch Mitte des 18. Jahrhunderts die Gem uter¨ bewegte, und in dem Bach die Partei Leibniz’ einnahm, und er somit wohl schwerlich als vom Geist e New- tons durchdrungen betrachtet werden darf. Zu Bachs Leistungen schreibt Wolff: Eine Liste von Bachs wichtigsten Leistungen in seiner musikalischen Wissenschaft zeigt, wie entschie- den und konsequent er das Prinzip des Kontrapunkts anwandte , d.h. des dynamischen Miteinander melodisch und rhythmisch unte rschied- licher Stimmen, woraus sein einzigartiger Kompositionsst il resultiert.

: Fuge und Kanon ( Die Kunst der

Eine solche Liste schließt

Fuge‘), Dur/Moll-Tonalit at¨ ( Das Wohltemperierte Clavier‘), erweiterte Harmonik ( Chromatische Fantasie und Fuge‘)

Was Bachs Musikerwesen dar uber¨ hinaus auszeichnete,

waren seine

unverzichtbaren Beitr age¨ zum Verst andnis¨ der Wechselbe ziehung zwi- schen Musik, Sprache, Rhetorik, Poetik und Theologie Wenn Bach tats achlich¨ eine Revolution‘ ausgelost¨ hat, dann in seiner Kompositionslehre, in der er die bisher getrennt behandelt en Prinzipi- en von Generalbaß, Harmonik und Kontrapunkt zusammenf uhr¨ te Schon bald nach 1750 kam es in der deutschen Musiktheorie — un d ein halbes Jahrhundert spater¨ in ganz Europa — zu einer Neuorientie-

rung, f ur¨ die in erster Linie der dominierende Einfluß der Bach-Schule‘

verantwortlich war

ein

.“

Pythagoras’ Idee der Sph arenharmonie,¨ der Ordnung in den Dingen durch zugrundeliegende Mathematik, war offenbar auch noch in der Zeit Bachs lebendig, so auch in Leipzig in Bachs philosophis chem Um- feld, das mitgepr agt¨ wurde durch die Societ at¨ der musicalischen Wis- senschaften“ (1738–1761) seines Sch ulers¨ Lorenz Christoph Mizler, zu deren Mitgliedern Bach (seit 1747) geh orte,¨ aber auch u.a. H andel,¨ Te- lemann, Graun. Wolff schreibt: Sowohl die pythagor aische¨ Philosophie als auch die mittelalterliche Theologie vertraten die Lehre, daß die Harmonie der Sph aren¨ konsonante (wenngleich unh orbare)¨ Musik erzeuge, welche

die Vollkommenheit der himmlischen Welt, des gesamten Kosm os wi-

zu den wenigen gultig¨ en Grund-

wahrheiten, die zu Bachs Zeit von Philosophen und Theologen glei-

Georg Venzky, ebens o wie

Bach Mitglied von Mizlers Societ at¨ der musicalischen Wissenschaften‘, formulierte: Gott ist ein harmonisches Wesen. Alle Harmonie r uhret¨

chermaßen aufrechterhalten wurden

Sie zahlte¨

auch

¨

Wo keine Uberein-

stimmung ist, da ist auch keine Ordnung, keine Sch onheit¨ un d keine

und Vollkommenheit beste het in der

Ubereinstimmung des Mannigfaltigen.‘ “ In diesem Zusammenhang sei auf das Buch Johann Sebastian Bachs Kunst der Fuge‘ — Ein pythagor aisches¨ Werk und seine Verwir kli- chung“ (2000) des Cellisten und Musikwissenschaftlers Han s-Eberhard Dentler hingewiesen, in dem der Einfluß pythagor aischen¨ De nkens auf Mizler und dessen Societ at¨ sorgf altig¨ er ortert¨ und die Kunst der Fu- ge“ als ein Werk im Geiste Pythagoras’ — gepr agt¨ durch Zahle nmystik, Ordnung durch Mathematik, H oren¨ mit geistigem Ohr — darges tellt wird. Die von Dentler in seinem Buch verfolgte Argumentation ist arg kritisiert worden. Auch enth alt¨ das Buch wenig Handfestes uber¨ Bachs Beziehung zu Pythagoras. Dennoch ist das Buch durchaus lese nswert, vermittelt es, gewurzt¨ mit vielen Literaturhinweisen, doch einen recht guten Einblick in pythagor aisches¨ Denken.

Vollkommenheit. Denn Sch onheit¨

von seiner weisen Ordnung und Einrichtung her

¨

Lesenswert ist auch das Buch (Abb. 25) Das Lied des Gr unen¨ L o-¨ wen — Musik als Spiegel der Seele“ (2004) von J org¨ Rasche, Facharzt f ur¨ psychotherapeutische Medizin, uber¨ eine gewisse Analogie zwi- schen Musik und Alchemie, ganz im Sinne von Spekulationen C.G. Jungs und Paulis, nach denen der Musik im Unbewußten angesie delte Muster zugrunde liegen, die gelegentlich identisch sind mit strukturel- len Abl¨aufen ganzer mythologischer Erzahlungen,¨ sowie m it struktu- rellen Abl¨aufen des alchemistischen Opus magnum, bei dem e s dar- um geht, aus einem geeigneten Ausgangsmaterial, der Prima m ate- ria, durch eine Reihe von Operationen eine transzendente, wunderbare Substanz, den Stein der Weisen, zu schaffen. Am Beispiel von Bachs Passacaglia in C-Moll illustriert Rasche diese Analogie: Das musika- lische Thema ist die Prima materia.‘ Es kommt ins L osungsmittel‘¨ —

das Reich des Gr unen¨ L owen¨ (Variationen 1,2), wird verflu¨ ssigt (Va- riationen 3, 4), fragmentiert (Variation 5) und so fort. Das Thema wird

sozusagen erhitzt, gekocht, zerst uckelt,¨ gerinnt wieder, es wird mit et- was Neuem, das aber aus ihm selbst kommt, zusammengesetzt ( Co- niunctio‘ der Alchemisten, ein musikalischer H ohepunkt¨ d es St ucks¨ in den Variationen 10, 11). Dann stirbt es gewissermaßen, imme r noch auf heißer Flamme‘ ( Nigredo‘). Die Musik verfluchtigt¨ sich nach oben (Va- riationen 14, 15), so wie bei den Alchemisten die Seele der ze rkochten

und zu Asche gewordenen Substanz nach oben entweicht

Aus den

Wehen‘ von Variationen 19 und 20 wird die Fuge geboren

Bei der

Geburt‘ der Fuge wird allerdings die zyklische Form der Variationen aufgebrochen, es ist ein Zerbrechen des Gef aßes‘:¨ Vertreibung aus dem Paradies — und Sch opfungsakt.“¨

Rasche schreibt: Bach und Beethoven selber d urften¨ von Alchemie we- nig gewußt haben, doch das tut offenbar nichts zur Sache. Sie verfah- ren mit ihrem musikalischen Material nicht anders als der Alchemist mit seinen Substanzen und sie strukturieren damit nicht nur ihre che- mischen oder musikalischen Kompositionen, sondern auch ih re Psy-

che

.“

In einer anderen Arbeit zur Rolle des Unbewußten in der Musik schreibt Rasche: Nat urlich¨ weiß ein Komponist genau, was er tut, aber

er kann es kaum erkl¨aren, allenfalls nachtr aglich.¨ Ein Be ispiel ist Ar- nold Sch onberg:¨ Seine Sch uler¨ mußten nachtr aglich¨ die t hematischen Reihen, die der Komposition zugrunde liegen, herausfiltern und analy- sieren. Bei einer Fuge sind, wie Max Reger einmal seufzend be merkte, das Entscheidende und Schwierige nicht die thematischen sondern die freien Stimmen. Da habe der Komponist eine gewissermaßen fu rchtba-

re Freiheit

.“

Und dazu noch ein Zitat von Schopenhauer, der sich, ganz im Ge iste

¨

der Romantik, gegen eine Uberbetonung von Maß und Zahl in der Mu- sik (f ur¨ die Zuordnung der T one¨ und die Ordnung im Tonraum) aus- spricht: Die Musik steht ganz abgesondert von allen anderen Kunsten¨ , wir erkennen in ihr nicht die Nachbildung, Wiederholung irgendeiner

Idee der Wesen der Welt; dennoch ist sie eine große und ubera¨ us herr- liche Kunst, sie wirkt so m achtig¨ auf das Innerste des Menschen, wird

dort so ganz und so tief verstanden als eine ganz allgemeine Sprache, deren Deutlichkeit sogar die der anschaulichen Welt ubert¨ rifft, daß wir gewiß in ihr mehr zu suchen haben, als ein exercitium arithme ticae oc- cultum nescientis se numerare animi [‘Musik ist eine geheim e arith-

Geistes‘], wof ur¨ sie Leibniz

ansprach.“

metische Ubung des unbewußt zahlenden¨

¨

Harmonie/ Sph arenharmonie/¨ universelle Harmonie — das ze ntrale Thema meiner Abschiedsvorlesung — hat auch ihren Platz in de r Al- chemie: Soll der Stein der Weisen wirksam sein — ob als Wunder mittel, das unedle Metalle in Gold verwandeln kann, ob als Lebensele xier, das Gesundheit, Jugend, Unsterblichkeit verspricht — muß er in Harmo- nie mit der Welt sein. Dabei verwandelt sich der Stein der Weisen in geistige Materie“, in die sogenannte Quintessenz“, der, im Falle einer Transmutation in Gold, die F¨ahigkeit zugeschrieben wird, in dem zu transmutierenden unedlen Metall die Summe aller Eigenschaften des Goldes bilden zu konnen.¨

Nach der Warnungs-Schrifft des Authoris/ seine Experimenta betref - fend“ aus Magnalia medico-chymica continuata, oder Fortsetzung der

hohen Artzney = Feuerkunstigen Geheimnissen

.“ von Johan ne His-

kia Cardilucio, N urnberg¨ (1680), sind die Erfolgsaussich ten einer Gold- herstellung mittels Opus magnum jedoch wohl eher bescheide n:

Ich hab gearbeitet in Schwefel und Vitrol/Welchen die Th oren

den gr unen¨

den/Auf schwachem principio bestund meine Anhebung/Darum war

am Ende ein Betrug der Schluß/Meine Kleider waren schmutzig/der Magen schwach/ Und solcher Gestalt verwandelte ich mein Gut in

Rauch

nennen/In arsenic und auripigment, fort mit bey-

L owen¨

.“

Die Magnalia medico-chymica continuata“ sind Teil eines Konvoluts von uber¨ 1300 Seiten, f ur¨ mich Alchemie mit Physik verbind end, ha- be ich doch diese bibliophile Kostbarkeit, vor nunmehr knapp f unf-¨

zehn Jahren, in M unster,¨ wahrend¨ der ersten gesamtdeutschen Phy- sikertagung nach 1989 — seinerzeit ein bewegender Akt der Mu sica humana — gekauft, von einem meiner ersten Geh alter¨ in westlicher W ahrung.¨ Der Kauf war f ur¨ mich ein erster, wenn auch besche idener Beitrag zu dem Opus magnum der deutschen Wiedervereinigung, ein Beitrag, der mich mit einem Gef uhl¨ der Genugtuung erf ullt¨ e, konnte ich mit meinem Kauf doch zur ausgleichenden Gerechtigkeit beitra- gen, suchte man ja vor der politischen Wende von 1989 in ostde utschen Antiquariaten vergebens nach solch feinen B uchern,¨ wurde n doch die- se, wie ganz allgemein feine Antiquit aten,¨ vom ostdeutsch en Teilstaat nach Westdeutschland exportiert, zwecks Devisenbeschaff ung. Heute wurde¨ ich mich freuen, ein Buch zu finden, ob im Buchhan del oder in einer Bibliothek, uber¨ die Ideengeschichte von Physik und Mu- sik, uber¨ deren gemeinsame Wurzel in der Antike, in Pythagoras, und deren parallele und teilweise verzahnte Entwicklung bis in die spate¨ Antike und seit der fr uhen¨ Neuzeit, gekennzeichnet durch N amen wie Zarlino, Mersenne, Rameau, Bach, Wagner, Sch onberg¨ einer seits und Copernicus, Galilei, Kepler, Newton und Einstein anderers eits. Aber vielleicht muß ein solches Buch erst noch geschrieben werde n.

Der Dreiklang der Schopfung¨

Eine Planetenkonstellation, die eine sechsfache Harmonie“ erzeugt, war f ur¨ Kepler die Konstellation bei der Erschaffung der Welt“.

Und in Joseph Haydns Die Sch opfung“,¨ Text nach John Milton (1608– 1674), heißt es: Vollendet ist das große Werk, des Herrn Lob sei un-

Aus Rosenwolken bricht, geweckt durch s ußen¨ Klang, der

Morgen jung und sch on.¨ Vom himmlischen Gewolbe¨ str omt¨ re ine Har-

monie zur

ser Lied!

.“

Heute jedoch, anderes als fr uher,¨ sind Weltentstehung und Harmonie eher verschiedene Dinge. Allein das Wort Urknall“, zur Bezeichnung des Beginns der Entwicklung des Universums, nach dem Standardmo- dell der Kosmologie, l¨aßt kaum eine Assoziation mit dem Begriff Har- monie“ aufkommen.

Zischen, Fauchen, Kr achzen¨ sind zu h oren¨ in einer akustis chen Aufbe- reitung der physikalischen Prozesse nach dem Urknall mitte ls Compu- tersimulation (im Internet zu finden unter:

http://www.astro.virgina.edu/˜dmw8f), wobei die auftre tenden Fre- quenzen in den h orbaren¨ Bereich verschoben wurden, nach oben um 50 Oktaven, und die betrachtete Zeitspanne von 100 Millione n Jahren auf 20 Sekunden komprimiert wurde.

Und dennoch sehen — seit einigen Jahren — die Astrophysiker in der Anisotropie der kosmischen Hintergrundstrahlung, dem Nachglim- men des Urknalls, ein harmonisches Ph anomen,¨ einen Dreiklang der Sch opfung“.¨ Dieser Dreiklang besteht aus einem Grundton u nd zwei Obert onen¨ — verursacht durch akustische Dichteschwankun gen in der Baryon-Photon-Flussigkeit¨ des fr uhen¨ Kosmos. Er wurde kurz nach dem Urknall erzeugt, durch die Inflationsphase, und ert onte“¨ uber¨ 300 000 Jahre lang, bis der Kosmos aufh orte¨ flussigkeits¨ a¨ hnlich zu sein, und die akustischen Dichteschwankungen erstarrten und sich so in der Anisotropie der kosmischen Hintergrundstrahlung verewigten. Erinnert sei in diesem Zusammenhang daran, daß bei einem Blasin- strument die Klangfarbe durch die Obert one¨ bestimmt wird u nd da- mit durch das Material, aus dem das Instrument gefertigt wurde. Ganz ahnlich¨ liefert im Falle des Dreiklangs der Sch opfung“¨ eine Analyse der Anisotropie der Hintergrundstrahlung, eine Analyse de s Klan- ges“, Aussagen uber¨ die gefundenen Obert one¨ und damit Aus sagen uber¨ Energie- und Materieverteilung im fr uhen¨ Kosmos.

Bevor ich diese Dinge noch etwas vertiefe, einige Anmerkungen zur neueren Geschichte der Kosmologie. Newton hatte mit seiner Mecha- nik und seinem Gravitationsgesetz die Voraussetzungen f u¨ r eine Un- tersuchung der dynamischen Struktur des Universums, f ur¨ e ine Kos- mologie, geschaffen. Er formulierte auch das sogenannte kosmologi- sche Prinzip: Das Universum ist homogen und isotrop. Es war schon immer so, und es wird auch immer so bleiben.“ D.h. das Univers um bietet, lokale Unregelm aßigkeiten¨ ausgenommen, zu jedem Zeitpunkt von jedem Punkt aus den gleichen Anblick.

Newton hat selbst kein eigenst andiges¨

kosmologisches Mod ell ge-

schaffen, nicht zuletzt, wußte er doch nicht so recht, wie in einem solchen Modell ein durch wechselseitige gravitative Anzie hung der Himmelskorper¨ verursachter Kollaps des Universums h att¨ e vermieden werden konnen.¨ Immanuel Kant (1727–1804) machte sich Newtons Vorstellungen von Raum, Zeit, Mechanik und Gravitation zu eigen und formulier te ein kosmologisches Modell unter der Annahme eines primordiale n Cha- os und, zur Vermeidung eines Gravitationskollapses, unter Annahme einer Abstoßungskraft zwischen den Himmelskorpern.¨ Kant s Theorie gilt heute als erste wissenschaftlich ausgearbeitete Kosm ologie, unge- achtet der Tatsache, daß sie recht spekulativ war und in vielen Punkten nicht richtig ist. Die Kosmologie als eigenst andiger¨ Zweig der Wissenschaft entstand erst mit Einsteins Allgemeiner Relativit atstheorie¨ (1916), nach der die Materie dem Raum sagt, wie er sich kr ummen¨ muß, und der Raum d er Materie sagt, wie sie sich zu bewegen hat“ (John A. Wheeler). Allgemeine Relativit atstheorie¨ und kosmologisches Prin zip sind zwei wichtige Grundpfeiler der modernen Kosmologie. Aufbauend auf die- sen beiden Grundpfeilern hat Alexander Friedmann Anfang de r zwan- ziger Jahre die Expansion des Universums, verbunden mit ein em An- fangsurknall, theoretisch vorhergesagt, Jahre bevor Edwin Powell Hub- ble (1929) auf Grund astronomischer Beobachtungen das spa¨ ter nach ihm benannte Gesetz fand, nach dem das Universum expandiert und die Fluchtgeschwindigkeit einer Galaxie von einem gegeben en Punkt proportional zum Abstand von diesem Punkt ist.

An dieser Stelle eine kurze Abschweifung zu Raum und Zeit: Ne wton (1687) f uhrte¨ die Idee des absoluten Raumes und der absolut en Zeit ein, die beide von ihm als Emanation (Ausstr omung)¨ Gottes v erstan- den wurden. Newton: Die absolute, wahre und mathematische Zeit

¨

fließt aus sich selbst heraus ohne Bezug zu etwas Außerem gleichm aßig¨ dahin.“ Im Sinne Newtons kann man sich uberall¨ im Universum Uh- ren aufgestellt denken, die stets synchron laufen. Und den R aum kann man sich als unendlich großen Kasten vorstellen, mit Euklid ischer Geo- metrie, in dem die physikalischen Prozesse ablaufen, ohne d en Raum irgendwie zu beeinflussen.

Die newtonsche Idee von Raum und Zeit bestimmte das Denken de r Physiker und Philosophen uber¨ mehr als 200 Jahre, bis Einst ein —

mit seiner Speziellen Relativit atstheorie¨ (1905) und Allgemeinen Relati- vit atstheorie¨ (1916) — sie verworfen bzw. ihren Gultigke¨ itsbereich stark eingeschr ankt¨ hat. Nach Einsteins Spezieller Relativit atstheorie¨ haben Raum und Zeit nur relativ zu einem speziellen Bezugssystem ( Inerti- alsystem) Bedeutung, wodurch, beispielsweise, je nach Bezugssystem, Ereignisse in verschiedenen Raumpunkten als gleichzeitig oder nicht gleichzeitig festgestellt werden. Die absolute Bedeutung von Raum und Zeit ist somit aufgehoben. Und in der Allgemeinen Relativit ats-¨ theorie wird die Schwerkraft, die Gravitation, ber ucksic¨ htigt und geo- metrisiert, d.h. alle Eigenschaften der Gravitation und ih rer Einwir- kung auf physikalische Vorg¨ange werden auf die Eigenschaf ten eines Riemannschen Raumes abgebildet. Die Geometrie der Raumzeit, die Kr ummung¨ der Raumzeit, wird so durch die Massen- und Energiever- teilung bestimmt. So gehen Uhren, die sich in einem Gravitat ionsfeld bewegen langsamer, und am Rande eines Schwarzen Loches bleibt die Zeit gar gleichsam stehen. Mit Bezug auf Newtons Vorstellung von Raum und Zeit, als Eman ation

daß Newton Raum und Zeit quasi zur rech-

Gottes, bemerkt Pauli:

ten Hand Gottes gesetzt hat und zwar auf den leer gewordenen P latz des von dort vertriebenen Gottessohnes. Bekanntlich hat es dann ei- ner ganz außerordentlichen Anstrengung [Einstein!] bedur ft, um Raum

und Zeit aus diesem Olymp herunterzuholen. Diese Arbeit wurde noch kunstlich¨ erschwert durch Kants philosophischen Versuch , den Zugang

zu diesem Olymp f ur¨ die menschliche Vernunft zu versperren

.“

Angemerkt sei, daß in der schon erwahnten¨ Schleifen- Quantengravitation, der Vereinigung von Allgemeiner Relativit ats-¨ theorie und Quantentheorie, auch die Kontinuit at¨ von Zeit und Raum in Frage gestellt und durch die Vorstellung entsprechender diskreter, gequantelter, Gr oßen¨ ersetzt wird. So gibt es dieser Theor ie zufolge keine Zeitspanne, die kleiner als die Planckzeit von 10 43 Sekunden ist.

Doch zur uck¨ zum Urknall und zur kosmischen Hintergrundstr ahlung.

der Theorie des heißen Urknalls war George Ga-

Gamow schon im Zusammenhang mit Pau-

lis Tizian“-Bild, Abb. 7). Seine Theorie des Urknalls beruhte auf dem Friedmann-Modell des Universums und der seinerzeitigen Elementar- teilchentheorie.

mow (1948) (ich erwahnte¨

Einer der Begr under¨

Sie enth alt¨ auch die Voraussage einer kosmischen Hintergrundstrah- lung, einer Schwarzkorperstrahlung¨ als Relikt des Urknalls. Erstmals beobachtet wurde solch eine Strahlung von Arno Penzias und R obert Wilson im Jahre 1965. Fur¨ die Entdeckung der Hintergrundst rahlung erhielten die beiden 1978 den Nobelpreis. Gamow ging bei der Nobel- preisverleihung leer aus. Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnis ereignete sich de r Urknall vor ca. 13,7 Milliarden Jahren. Anfangs waren Dichte und Tem pera- tur unvorstellbar hoch im Kosmos. Doch schon nach etwa einer Se- kunde war die Bildung der Bausteine der Materie weitgehend abge- schlossen. Durch die Expansion des Kosmos war dessen Temper atur auf 10 10 K (Grad Kelvin) gefallen. Als der Kosmos ungef ahr¨ 300 000 Jahre alt und durch weitere Expansion seine Temperatur auf e twa 3000 K gesunken war, konnten die durch primordiale Nukleosynthe se ent- standenen Atomkerne Elektronen einfangen und neutrale Was serstoff-, Helium- und Lithiumkerne bilden. Dadurch hatten die Photon en keine Streupartner mehr. Die Photonen trennten sich von der Mater ie und das thermische Gleichgewicht zwischen Strahlung und Materie geriet ins Wanken. Das Universum wurde durchl¨assig f ur¨ Photonen, f ur¨ Strah- lung. Seit den letzten Streuereignissen, etwa 380 000 Jahre nach d em Urknall, passiert die beobachtete kosmische Hintergrundstrahlung ungehindert das Universum. Sie kommt zu uns, nach einer Laufzeit von 13,7 Milli- arden Jahren, von einer Kugelflache¨ aus einer Entfernung von 13,7 Mil- liarden Lichtjahren. Dank der endlichen Geschwindigkeit d es Lichtes ist es so den Astronomen m oglich,¨ weit in die Geschichte des Weltalls zur uckzublicken,¨ bis in die Zeit etwa 380 000 Jahre nach dem Urknall.

¨

Ahnlich wie die kosmische Hintergrundstrahlung, die Mikrowellen- Hintergrundstrahlung, sollte es nach der Erwartung der Ast ronomen

auch eine Gravitationswellen-Hintergrundstrahlung gebe n, d.h. peri- odische Dehnungen und Stauchungen der Raumzeit des fr uhen¨ Kos- mos, erzeugt durch die Bildung supermassereicher Schwarze r L ocher,¨ kurz nach dem Urknall (Abb. 26). Eine Beobachtung dieser Str ahlung, so die Erwartung der Astronomen, wurde¨ eines Tages ein Zur uck-¨ blicken in die Geschichte des Weltalls bis in die Zeit etwa 10 bis 20 Sekunden nach dem Urknall gestatten. Doch noch einige Anmerkungen zur kosmischen Hintergrundst rah- lung: Sie zeigt das fast perfekte Intensit atsprofil¨ eines s chwarzen Korpers¨ mit einer Temperatur von durchschnittlich 2,73 K, und sie

ist hochgradig isotrop. Eine schwache Anisotropie, von der Gr oße¨ 10 5 K, wurde erstmals 1989 im Rahmen der satellitengest utzten¨ Missi- on COBE (Cosmic Background Explorer) beobachtet. Seitdem wird die Anisotropie mit Hilfe von Satelliten- und Ballonexperimen ten einge- hend studiert, liefert sie doch außerst¨ interessante phys ikalische Aus- sagen, so uber¨ statische Dichteschwankungen (Vorl¨aufer der Galaxien, Galaxienhaufen), dynamische Dichteschwankungen ( Dreiklang der Sch opfung“)¨ und die Existenz Dunkler Energie in dem fr uhe¨ n Kosmos, aber auch uber¨ die Raumkr ummung¨ des heutigen Kosmos. Danach ist heute der Kosmos flach, d.h. nicht gekr ummt,¨ und das Licht l¨auft zu uns auf geraden Bahnen, seit 13,7 Milliarden Jahren. Die hochgradige Isotropie der Hintergrundstrahlung sowie die Flach- heit des Raumes konnen¨ im Standardmodell der Kosmologie, d em Friedmann-Modell, nicht erkl¨art werden. Dies f uhrte¨ Alan Guth (1981) zu der Hypothese, daß in einer Inflationsphase, kurz nach dem Urknall,

Zeit um einen gewaltigen Faktor (10 30 bis

sich der Kosmos in kurzester¨

10 50 ) aufgebl¨aht hat, verursacht durch einen Ubergang aus einem ener-

getisch metastabilen in einen stabilen Zustand. Dieses Auf bl¨ahen ließ den Kosmos flach werden, ahnlich¨ wie ein Luftballon um so flacher er-

scheint, je st arker¨ er aufgeblasen wird. Und die Winzigkeit des Kosmos vor Einsetzen der Inflation garantierte in ihm ein thermisch es Gleichge- wicht bzw. einen kausalen Zusammenhang, wodurch sich die hochgra- dige Isotropie der Hintergrundstrahlung erkl¨aren l¨aßt. Nach der Infla- tionsphase expandierte der Kosmos weiter wie durch das Frie dmann-

¨

¨

Modell beschrieben: mit einer strahlungsdominierten Ara, gefolgt von

¨

einer materiedominierten Ara.

Im Inflationsmodell werden quantenmechanische Dichteflukt uationen im Kosmos vor der Inflation zu Keimen f ur¨ die spateren¨ großr aumi-¨ gen Strukturen im All, wie sie sich in der Anisotropie der Hin tergrund- strahlung manifestieren. Durch die Inflation bl¨ahen sich d ie quanten- mechanischen Fluktuationen zu makroskopischer Gr oße¨ auf und blei- ben so f ur¨ alle Zeiten erhalten.

Zur Klumpung der gewohnlichen¨ Materie, der baryonischen M aterie, am Ende der Inflationsphase ist Dunkle Materie, nicht-baryonische Ma- terie, erforderlich. Dunkle Materie, wie schon ihr Name bes agt, wech- selwirkt nicht mit Strahlung. Eine durch zuf allige¨ Verteilung und Gra- vitation bewirkte Klumpung Dunkler Materie wird somit nich t durch Strahlungsdruck behindert. Gebiete erh ohter¨ Dichte Dunkler Materie bef ordern¨ nun auch durch gravitative Anziehung eine Klumpung ba- ryonischer Materie, und somit statistische Dichteschwankungen in der Baryon-Photon-Flussigkeit.¨ Dar uber¨ hinaus verursacht das Wechsel- spiel zwischen gravitativer Anziehung und Abstoßung durch Strah- lungsdruck akustische Dichtewellen in der Baryon-Photon- Flussigkeit,¨ verursacht den Dreiklang der Sch opfung.¨ Die Natur von Dunkler Materie und Dunkler Energie ist weitge hend ungekl¨art. Man kennt nur wichtige Eigenschaften von Dunkler Materie und Dunkler Energie. Dunkle Materie ist hauptverantwortlich f ur¨ die Strukturbildung im Kosmos, f ur¨ die Bildung von Galaxien un d Gala- xienhaufen, und Dunkle Energie treibt, wie Untersuchungen an junge-¨ ren Supernovae zeigen, seit etwa 7,5 Milliarden Jahren das Weltall er- neut beschleunigt auseinander. Nach dem derzeitigen Erken ntnisstand sind von der Gesamtenergie des Kosmos etwa 73 % Dunkle Energie, 22 % Dunkle Materie und 5 % gewohnliche,¨ baryonische, Mater ie.

Kandidaten f ur¨ Dunkle Materie sind exotische, hypothetis che Ele- mentarteilchen, wie supersymmetrische Teilchen, aber m o¨ glicherwei- se auch Neutrinos, wenn auch letztere nur Bruchteile eines P rozents Dunkle Materie liefern konnten.¨

Dunkle Energie wird mit einem skalaren Feld, einem Higgs-Fe ld, for-

mal ahnlich¨

dem in der Theorie der kosmischen Inflation und in der

Theorie der elektroschwachen Wechselwirkung, in Zusammen hang ge- bracht, aber auch mit der kosmologischen Konstante aus Eins teins All-

gemeiner Relativit atstheorie.¨ Dieses Feld, quantisiert, f uhrt¨ zu neuen Teilchen, mit ein er Masse min- destens 10 39 mal kleiner als die des Elektrons, und damit zu einer neu-

¨

en Kraft, Quintessenz genannt, die das Aquivalenzprinzip, die Grund- lage der Allgemeinen Relativit atstheorie,¨ verletzt, nach dem Korper¨ mit gleicher Masse aber verschiedener Zusammensetzung im Vakuum gleich schnell fallen, wie seinerzeit zuerst von Galilei ge funden. Die neue Kraft hat ihren Namen in Anlehnung an die Quinta essentia“ des Aristoteles erhalten. Doch wahrend¨ die Quinta essentia ein f unftes¨ Element — neben Feuer, Wasser, Erde, Luft — war, ein Element, das die Himmelskorper¨ bilden und auf ihrer Bahn halten sollte, so ist jetzt die Quintessenz eine f unfte¨ Kraft , neben der gravitativen, elektromagneti- schen, schwachen und starken Kraft.

Mit der Quintessenz der Alchemie wird die Quintessenz der he utigen Kosmologie wohl nichts zu tun haben. Aber, wie dem auch sei, alle drei Quintessenzen, die der heutigen und der antiken Kosmologie und die der Alchemie, sind h ochst¨ geheimnisvoll.

Das Modell des inflation aren¨ Universums wird gegenwartig¨ mehr und mehr zum Standardmodell der Kosmologie — wenn auch das Konze pt der Inflation immer noch hinterfragt, ja auch in Frage gestellt wird. So hat es m oglicherweise¨ nicht nur eine inflation are¨ Expansion gegeben, sondern eine Vielzahl inflation arer¨ Expansionen (Andrei L inde, 1983), wobei jede zu einem neuen Universum f uhrte,¨ und so ein unend liches Geflecht sich aufbl¨ahender kosmischer R aume¨ entstand, ein sogenann- tes Multiversum. Vorstellbar ware,¨ daß die Physik im Multiversum sich von Universum zu Universum unterscheidet, und wir gerade in einem solchen dieser Universen leben, wo Leben m oglich¨ ist (anth ropisches Prinzip). In diesem Falle f ande¨ auch Paulis Frage, weshalb die Sommer- feldsche Feinstrukturkonstante den Wert 1/137 hat, eine An twort: Weil dann die St arke¨ der elektromagnetischen Wechselwirkung ( im Verh alt-¨ nis zu den anderen Kr aften)¨ so ist, daß Leben m oglich¨ ist. Ganz in diesem Sinne meinte kurzlich¨ Mario Livio, Experte f ur¨ Dunkle

Energie, auf die Frage, ob hinter den 73 % Dunkle Energie sich viel- leicht eine neue Naturkonstante verberge: Die Werte einiger Natur-

konstanten sind m oglicherweise¨ eher zuf allig¨ als fundam ental“, und

er verglich den angesprochenen Sachverhalt mit Keplers Bes chreibung

des Sonnensystems mit Hilfe eines Modells verschachtelter Polyeder (Abb. 14): Keplers Mathematik war hervorragend, aber er ging von v ollig¨ falschen Voraussetzungen aus. Er nahm an, daß den Bahnen und der Zahl der Planeten fundamentale Naturkonstanten zugrun de lie- gen — und nicht, daß sie zuf allig¨ entstanden sind, weil im Sonnensy- stem eben bestimmte Bedingungen herrschten.“

W are¨ das Multiversum-Konzept schon 1944 bekannt gewesen, als Jor-

ge Luis Borges (1899–1986) seine spater¨ ber uhmt¨ geworden e Erzahlung¨

Die Bibliothek von Babel“ schrieb, h atte¨ er seine fiktive Bibliothek ver- mutlich nicht mit einem Universum, sondern einem Multivers um iden- tifiziert, aber so heißt es: Das Universum (das andere die Bibliothek nennen) setzt sich aus einer unbegrenzten und vielleicht un endlichen

Von jedem Sechseck aus kann

Zahl sechseckiger Galerien zusammen

man die unteren und oberen Stockwerke sehen: ohne Ende Auf jede Wand jeden Sechsecks kommen f unf¨ Regale; jedes Regal faßt

zweiunddreißig B ucher¨ gleichen Formats; jedes Buch beste ht aus vier- hundert Seiten, jede Seite aus vierzig Zeilen, jede Zeile au s etwa acht-

zig Buchstaben

[S¨amtliche] B ucher,¨ wie verschieden s ie auch sein

m ogen¨ [bestehen] aus den gleichen Elementen: dem Raum, dem Punkt, dem Komma, den zweiundzwanzig Lettern des Alphabets. In der un-

geheuer weitr aumigen¨ Bibliothek gibt es nicht zwei identische B ucher.¨ ihre Regale [verzeichnen] alle irgendm oglichen¨ Kombinationen der

mithin alles, was

zwanzig und so viele orthographischen Zeichen

sich irgend ausdr ucken¨ l¨aßt: in s amtlichen¨ Sprachen. Alles: die bis

, den getre uen Kata-

ins einzelne gehende Geschichte der Zukunft,

log der Bibliothek, Tausende und Abertausende falscher Kat aloge, den

Nachweis ihrer Falschheit, den Nachweis der Falschheit des echten Ka-

talogs

.“

Mag sein, vielleicht ist das Multiversum-Konzept gar f ur¨ d ie Vertreter

von der Idee von de r Welt im

des Konstruktivismus, f ur¨ die Anh anger¨

Kopfe, ein n utzliches¨ Denkmodell, unterscheiden sich doch die Para- meter von Kopf zu Kopf nicht unbetr achtlich.¨

Anmerkung: Reisen durch das Universum, vielleicht auch durch das Multiversum, Kontakt mit fremdem Leben, fremden Zivilisat ionen; Zeitreisen, Abkurzungen¨ des Weges zwischen weit voneinan der ent- fernten Raumzeitpunkten unter Ausnutzung von Effekten der Allge- meinen Relativit atstheorie,¨ uber¨ Einstein-Rosen-Br u¨ cken bzw. durch Wurmlocher¨ hindurch — alles Dinge aus der Science-Fiction Litera- tur, als deren Begr under¨ Johannes Kepler gilt, der eine phantastische, m archenhafte¨ Erzahlung¨ hinterlassen hat, an der er uber¨ vierzig Jahre gearbeitet hatte, uber¨ eine Reise zum Mond — zwecks Abkurz¨ ung des Weges bei Neumond im Erdschatten — ver offentlicht¨ postum v on sei- nem Sohn Ludwig im Jahre 1734 unter dem Titel Somnium, seu opus posthumum de astronomia lunaria“ ( Traum, oder postumes Werk uber¨ die Astronomie des Mondes“).

Quintessenz

Die modernen Naturwissenschaften seien antihistorisch aber hoch ef- fizient hinsichtlich Erkenntnisgewinn und Anwendungsrele vanz, ganz im Gegensatz, beispielsweise, zur Alchemie — so las ich kur¨ zlich in ei- nem Artikel uber¨ Hermetik und Alchemie. Zweifellos, die modernen Naturwissenschaften sind hoch effizient, und zwar in erster Linie, weil sie, mit Descartes, die Seele ins Subjektive verbannt haben und sich auf das Objektive und Reproduzierbare beschr anken.¨ Zweifellos, sie sind auch antihistorisch in dem Sinne, daß f ur¨ die Forschungst atigkeit¨ eines Naturwissenschaftlers ein zu großes Maß an Wissen uber¨ die Geschich- te seines Faches und an Erinnerungen an Fehlschl¨age und Irr wege im allgemeinen eher hinderlich als n utzlich¨ ist. Und so schreibt auch Paul Dirac (1902–1984), einer der große n Theoreti- schen Physiker des 20. Jahrhunderts, daß der forschende Physiker, der eine Entdeckung gemacht hat, vielmehr darum besorgt ist, sich auf dem neu gewonnenen Standpunkt zu behaupten und das vor ihm liege nde Feld zu uberblicken.¨ Seine Frage lautet: Wo gehen wir jetzt hin? Wo sind

die Anwendungen dieser neuen Entdeckung? Wie weit werden wir da-

mit die Probleme aufkl¨aren konnen,¨ die noch vor uns liegen ?

halb wunsche¨ der Physiker, lieber den Weg zu vergessen, auf dem er zu dieser Entdeckung gelangte. Er hat einen m uhevollen¨ Pfad zur uck-¨

gelegt, war falschen F¨ahrten gefolgt und sein Wunsch ist es , nicht mehr

daran zu denken

.“ Des-

.“

Die Verbannung der Seele ins Subjektive bzw. ihre Eliminierung aus der naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise schwingt auch in fol- gender Einstein-Anekdote mit:

Ja, glauben sie denn“, wurde Einstein gefragt, daß sich einfach al- les auf naturwissenschaftliche Weise wird abbilden lassen konnen?“¨ — Ja“, meinte Einstein, das ist denkbar, aber es h atte¨ doch keinen Sinn. Es ware¨ eine Abbildung mit inad aquaten¨ Mitteln, so als ob m an eine Beethoven-Symphonie als Luftdruckkurve darstellte.“

Und so kann man sich lebhaft vorstellen, was beispielsweise eine Ab- bildung eines Gedichtes mit naturwissenschaftlichen Mitt eln ergeben wurde,¨ insbesondere vor dem Hintergrund des folgenden Zit ats der russischen Dichterin Marina Zwetajewa (1892–1941): Das Leben als

solches liebe ich nicht, f ur¨ mich gewinnt es erst Bedeutung, d.h. Sinn

und Gewicht, wenn es verwandelt ist, d.h. in der

als solche liebte ich nicht.“ (vgl. Abb. 27) Somit sind dem Gultigkeitsbereich¨ und dem Nutzen einer von manch einem Elementarteilchenphysiker angestrebten Weltforme l bzw. Theo- ry of everything (T.O.E.) wohl enge Grenzen gesetzt, selbst auf dem Gebiet der Physik, speziell dem Gebiet der kondensierten Materie, wo gerade in jungster¨ Zeit Indizien f ur¨ Organisationsprinzipien auf meso- skopischer Ebene, sogenannte Quantenprotektorate (Rober t B. Laugh- lin, David Pines et. al (2000)), erneut Zweifel an der univer sellen N utz-¨ lichkeit einer potentiellen T.O.E. aufgeworfen haben. Philip W. Ander- son, Nobelpreistr ager¨ und gewichtiger Experte f ur¨ die Th eorie der kon- densierten Materie, h alt¨ den Anspruch der Vertreter einer T.O.E. f ur¨ ar- rogant ( More Is Different“, Science 177, 393 (1972)) und illustriert seine Sicht, daß die Natur hierarchisch strukturiert ist und Komplexeres nicht v ollig¨ auf Einfacheres reduziert werden konne,¨ mit einer Anekdote, ei-

Die Sache

nem Dialog, aus den zwanziger Jahren in Paris, zwischen den d amals noch relativ unbekannten Schriftstellern F. Scott Fitzger ald und Ernest Hemingway: Fitzgerald: The rich are different from us. Hemingway:

Yes, they have more money“, und Anderson weist auch auf das marx- sche Umschlagen quantitativer Ver anderungen¨ in qualitat ive hin ( ob- jektiv wirkendes allgemeines Grundgesetz der materialist ischen Dia- lektik“, Philosophisches W orterbuch,¨ Leipzig, 1969), dabei offenbar auf die Suggestivkraft marxscher Worte bauend, waren ja seiner zeit, 1972, marxsche Worte hierzulande Dogma und andernorts, in weiten Krei- sen, Verheißung letzter Wahrheiten.

Aber selbst Stephen Hawking, bis vor Kurzem noch exponierte r Fursprecher¨ einer T.O.E., glaubt heute nicht mehr an die M oglichkeit¨ einer T.O.E., und zwar auf Grund des Godel-Theorems,¨ der Un voll- st andigkeit¨ formaler Systeme, nach dem kein Teil eine vollst andige¨ Aussage uber¨ das Ganze machen kann, also hier der Mensch, als Teil der Natur, keine vollst andige¨ Aussage uber¨ die Natur als Ganzes. Das ist das bekannte Kreter-Paradoxon: Alle Kreter sind L ugner“,¨ sag- te der Kreter Epimenides von Knossos (6. Jh. v. Chr.). — L osb¨ ar ist das Paradoxon nur durch einen Nicht-Kreter. Und so kommt — nun auch nach Hawking (2004) — die Forschung wohl niemals zu einem Ende.

Epilog

Eingangs hatte ich — anhand eines Gedankenspiels, mit Bezug auf einen Spruch Tagores — Merkmale einer Theorienbildung und e iner T.O.E. illustriert. Als ich mir seinerzeit diese Dinge durch den Kopf gehen ließ, erinnerte ich mich der Begegnung mit einem amerikani- schen Kollegen indischer Herkunft, in Albuquerque, USA, nach der po- litischen Wende 1989, als ich — die gewonnene Reisefreiheit nutzend, großzugig¨ von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unte rst utzt¨ — ein halbes Jahr durch die USA und Israel reiste, und so viele v on de- nen besuchte, die mich in der Vergangenheit eingeladen hatt en, aber deren Einladung ich vor der Wende nicht nachkommen konnte. B esag-

ter Kollege indischer Herkunft war, wie sich zeigte, auch ein großer Kenner der Bhagavadgita, uber¨ die er damals gerade ein Buch schrieb. Er freute sich, in mir einen interessierten Zuh orer¨ in Sach en Bhaga- vadgita gefunden zu haben. Als ich mich jetzt seiner erinner te, kam mir der Gedanke, doch im Internet nachzusehen, ob er denn mit tler- weile sein Bhagavadgita-Buch ver offentlicht¨ hat. Zwar fand ich nichts dar uber,¨ wohl aber fand ich auf seiner Home Page unter dem St ich- wort Miscelleanous“ eine lange philosophische Betrachtung, die mit folgenden Worten schloß: I was born Hindu. One may therefore ask me if in my next life I would want to become, again, a Universit y Pro- fessor mentoring Ph.D. students: Yes, I certainly would.“

Dem kann ich nur hinzufugen:¨ Ich wurde nicht als Hindu geboren, son- dern als Christ. Insofern glaube ich nicht an eine Wiedergeburt. Aber, falls ich doch wiedergeboren werden sollte, mochte¨ ich auch gerne wie- der Professor werden, fur¨ Theoretische Physik, am besten in Magde- burg, an der Otto-von-Guericke-Universitat.¨

Und falls auch Sie, liebe Gaste,¨ liebe Zuhorer,¨ wiedergeboren werden, und wir uns gar eines Tages zu einem Anlaß, wie dem heutigen, wie- der treffen sollten, dann erzahle¨ ich Ihnen noch all das, was mir jetzt noch auf der Zunge liegt, ich aber aus Zeitgrunden¨ nicht mehr erzahlen¨ kann.

Ich danke Ihnen fur¨ die Aufmerksamkeit. Herzlichen Dank!

Nachtrag: Die mit dem Wiedergeburtsszenario verbundenen n icht un- betr achtlichen¨ Imponderabilien waren f ur¨ mich Anlaß, Ze it und M uhe¨ nicht zu scheuen, die Noch-auf-der-Zunge-liegenden Dinge vorsorg- lich aufzuzeichnen und in den Text meiner Abschiedsvorlesu ng ein- zuf ugen,¨ was zu dem vorliegenden, nun vielleicht etwas spr oden,¨ Trak- tat gef uhrt¨ hat.

Abbildungen

Abbildung 1: Johannes Kepler ” Harmonices mundi“ (1619), Titelblatt (aus: ” Weltharmonik“, R. Oldenbourg

Abbildung 1: Johannes Kepler Harmonices mundi“ (1619), Titelblatt (aus:

Weltharmonik“, R. Oldenbourg Verlag Munchen¨ freundlicher Genehmigung des Verlags)

1997, c mit

¨ Abbildung 2: Deutsche Ubersetzung des Titelblatts von Johannes Keplers ” Harmonices mundi“ (1619) (aus:

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Abbildung 2: Deutsche

Ubersetzung des Titelblatts von Johannes Keplers

Harmonices mundi“ (1619) (aus: Weltharmonik“, R. Olden-

bourg Verlag Munchen¨ 1997, c mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

Abbildung 8: Musica mundana, humana und instrumentalis. Allegorische Darstellung aus einer Notre-Dame-Handschrift um 1300

Abbildung 8: Musica mundana, humana und instrumentalis. Allegorische Darstellung aus einer Notre-Dame-Handschrift um 1300 (Biblio- theca Laurenziana, Florenz). ( c mit freundlicher Genehmigung Verlag Merseburger Berlin GmbH)

Abbildung 10: Kosmisches Monochord. Aus: Robert Fludd ” Metaphysica .“ (1619) ( c mit freundlicher

Abbildung 10: Kosmisches Monochord. Aus: Robert Fludd Metaphysica

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(1619) ( c mit freundlicher Genehmigung Verlag Merseburger Berlin GmbH)

Abbildung 13: Die funf¨ regularen¨ platonischen Korper¨ 89

Abbildung 13: Die funf¨ regularen¨

platonischen Korper¨

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Abbildung 17: Auszuge¨ aus dem ” Taschenbuch fur¨ Physik“ von Horst Kuch- ling (Fachbuchverlag Leipzig,

Abbildung 17: Auszuge¨ aus dem Taschenbuch fur¨ Physik“ von Horst Kuch-

ling (Fachbuchverlag Leipzig, 2004) ( c mit freundlicher Ge- nehmigung Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, Fachbuch-

verlag Leipzig)

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Abbildung 27: Interferenzmuster von Gardinen in kunstlerischer¨ Manier ver- wandelt zu einem ” Klang der

Abbildung 27: Interferenzmuster von Gardinen in kunstlerischer¨

Manier ver-

wandelt zu einem Klang der Farben und Strukturen“

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