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Physikalische und mathematische Grundlagen der magnetischen Hysterese Magnetische Hysterese ist ein Phänomen, das bei ferromagnetischen

Materialien auftritt, die sich in einem veränderlichen Magnetfeld befinden. Aus Sicht der Werkstofftechnik und Werkstoffprüfung interessiert uns die Hysterese von Ferromagneten z.B. bei der Herstellung von Dauermagneten oder bei der Magnetpulver- bzw. Wirbelstromprüfung. Zu den ferromagnetischen Werkstoffen gehören u.a. Kobalt und seine Legierungen, Nickel und seine Legierungen sowie Eisen und seine Legierungen (z.B. Stähle). Im ersten Teil dieses Blogbeitrages werden wir die magnetische Hysterese ausschließlich auf der Grundlage physikalischer Überlegungen diskutieren. Im zweiten Teil des Blogbeitrages werden wir vor allem die Mathematik zur Hilfe nehmen, um die Hysterese und die Hysteresekurven noch besser zu verstehen. Für die physikalische und noch mehr für die mathematische Erklärung der Hysterese ist es hilfreich, zunächst einmal zu fragen, was denn das Wort Hysterese bedeutet. Hysterese kommt vom griechischen Wort hysteros und bedeutet „Verzögerung“ oder „Verzug“. Für das Verständnis der Hysterese ist es sehr hilfreich, diese einfache Übersetzung im Hinterkopf zu behalten …

Beschreibung der magnetischen Hysterese Ein unmagnetischer Ferromagnet ist ein Material, das das Potential hat, ein Dauermagnet zu werden, aber noch keiner ist. Diesen Ferromagneten platzieren wir in einem Magnetfeld – z.B. indem wir ihn in eine stromdurchflossene Spule legen. Das äußere Magnetfeld H erzeugt im Werkstoff ein zweites magnetisches Feld, die magnetische Flussdichte B. H ist gewissermaßen die äußere „Kommandogröße“ und B die Reaktion des Werkstoffs auf dieses Kommando. Die magnetische Hysterese beschreibt den Zusammenhang zwischen den beiden Größen magnetische Feldstärke und magnetische Flussdichte.

Abb. 1: Neukurve und Hysteresekurve

Wollen wir eine Hysteresekurve experimentell ermitteln, so platzieren wir einen unmagnetischen Ferromagneten in einer Spule, die zunächst stromlos ist. Das bedeutet, H und B sind Null, und wir befinden uns in Abb. 1 im Koordinatenursprung. Erhöhen wir nun die Stärke des äußeren Feldes H (indem wir die Stromstärke des Spulenstromes erhöhen), so ändert sich B zunächst sehr wenig (dies wird in der Abb. 1 nicht deutlich), steigt dann aber sehr schnell an und erreicht ab einer
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+HC. B ändert sich nun kaum noch. +BR. indem wir den Stromfluss in der Spule umkehren). ihm seine Remanenz BR zu „verleihen“. -HS. was übrig bleibt“. Reduzieren wir H wieder. 2: Hysteresekurven eines Weichmagneten (links) und eines Hartmagneten (rechts) Ferromagnetische Werkstoffe liefern unterschiedliche Hysteresekurven (Abb. die nachfolgend beantwortet werden sollen:  Warum wird zunächst die Neukurve durchlaufen und später nur noch die Hysteresekurve?  Wie ist das Sättigungsverhalten zu erklären?  Wieso umschließt die Hysteresekurve eine Fläche und welche physikalische Bedeutung hat diese Fläche?  Warum haben Ferromagnete einmal schmale Hysteresekurven (kleine umschlossene Flächen) und ein anderes Mal breite Hysteresekurven (große umschlossene Flächen)? I.-BR. Das bedeutet.-HC. sondern folgen der eigentlichen Hysteresekurve (schwarze Punkte. Bei einer bestimmten Feldstärke -HC. Bei der Analyse der magnetischen Hysterese stellen sich einige Fragen. und wir messen für H = 0 eine von Null verschiedene Flussdichte +BR. Durch Umkehrung der Richtung von H und Änderung der Größe von H kann man nun auf der Hysteresekurve zwischen den Punkten +HS. Abb.Poschmann Physikalische und mathematische Grundlagen der magnetischen Hysterese Seite 2 von 9 . Remanenz kommt vom lateinischen remanere und bedeutet „das. Das lateinische Wort coercere bedeutet „in die Schranken verweisen“. die nötig ist. Diesen Kurvenverlauf nennen wir Neukurve (graue Punkte. auch wenn H weiter erhöht wird. so erreichen wir einen weiteren Sättigungspunkt (-HS). Erhöhen wir H weiter. um B in seine „Schranken zu verweisen“ (B = 0 zu erzwingen).gewissen Feldstärke +HS eine Sättigung. Jeder Dauermagnet „lebt“ von seiner Remanenz. das ist die Remanenz. so laufen wir nicht etwa auf der Neukurve zurück. 2). BR ist also die Flussdichte. Einen Ferromagneten zu magnetisieren und ihn zum Dauermagneten zu machen bedeutet. Die Hysteresekurven von Hartmagneten sind breit und durch vergleichsweise große Remanenzen sowie Koerzitivfeldstärken gekennzeichnet.+HS umlaufen (schwarze Pfeile).Die Neukurve tritt nur bei zunächst unmagnetischen Ferromagneten auf. Die Hysteresekurven von Weichmagneten sind schmal und durch vergleichsweise kleine Remanenzen sowie Koerzitivfeldstärken gekennzeichnet. erhöhen H wieder und beobachten B. Jetzt ändern wir die Richtung des äußeren Feldes H (z.B. der Koerzitivfeldstärke. die im Ferromagneten übrig bleibt. grauer Pfeil). wenn das äußere Magnetfeld H ausgeschaltet ist. HC ist also die Feldstärke. messen wir B = 0. schwarze Pfeile).

so erreichen wir Sättigung mit umgekehrter Feldorientierung. aber kein Dauermagnet. Nun wird ein äußeres Magnetfeld H angelegt und die magnetischen Momente beginnen sich nach dem äußeren Feld auszurichten . 4. 3. 3 ist schematisch ein Werkstoff mit vier Weißschen Bezirken dargestellt. I. Ist das Feld nur stark genug. Kristallbaufehler) zu überwinden. Es wird klar. Drehen wir das Feld um. dass wir wieder einen Zustand wie in Abb. dass sich die magnetischen Momente im Werkstoff nur dann drehen (und zum Teil auch verschieben) können. Diese Bereiche gleicher Orientierung der magnetischen Momente nennen wir Weißsche Bezirke. desto mehr werden die magnetischen Momente in seine Richtung gezwungen.B. Je stärker das äußere Magnetfeld H wird. 2. Um diese inneren Widerstände zu überwinden.ebenso. 6. Eine weitere Verstärkung des Feldes H ändert nichts mehr an dieser Ausrichtung – das kennzeichnet die Sättigung. wenn es ihnen gelingt. Abb. 3 werden nachfolgend erläutert: 1. so folgen auch die Weißschen Bezirke. das geht nicht). Die magnetische Flussdichte B beschreibt etwas vereinfacht gesprochen das Verhalten der Weißschen Bezirke unter dem Einfluss eines äußeren Magnetfeldes H. 3: Ausrichtung der Weißschen Bezirke in einem äußeren Magnetfeld H Allerdings folgen die Weißschen Bezirke und damit auch die magnetische Flussdichte B dem äußeren Feld H nicht sofort. innere Widerstände (z. 3. Das liegt daran. Die sechs Teilbilder der Abb. müssen sie zunächst Energie „sammeln“ – das braucht Zeit und erklärt die zeitliche Verzögerung (Hysterese) zwischen H und B. sondern mit einer zeitlichen Verzögerung. desto mehr Energie muss gesammelt werden und desto größer ist die zeitliche Verzögerung zwischen H und B. Das kennzeichnet den Verlauf der Neukurve. Je mehr und je größere innere Widerstände vorhanden sind.Poschmann Physikalische und mathematische Grundlagen der magnetischen Hysterese Seite 3 von 9 . Teilbild 1erhalten (vier unterschiedliche Richtungen der magnetischen Momente in einem äußeren Feld mit einer festen Orientierung. 5. Der Werkstoff ist folglich zwar ferromagnetisch. dass bei Feldumkehr auf der Neukurve zurückgelaufen wird. Schließlich sind alle magnetischen Momente mehr oder weniger perfekt in Richtung des Feldes H ausgerichtet. Die Weißschen Bezirke eines unmagnetischen Ferromagneten sind in alle beliebigen Richtungen orientiert und heben sich dadurch in ihrer magnetischen Wirkung auf. dass eine einfache Umkehrung des Feldes H niemals dazu führen kann.Physikalische Grundlagen der Hysterese Ferromagnetische Werkstoffe zeichnen sich durch ein kollektives Verhalten der Atome aus – die magnetischen Momente vieler tausender Atome sind in dieselbe Richtung orientiert und bilden so einen winzigen Dauermagneten. Es ist also schlichtweg nicht möglich. In Abb. wie es ein Kompass tun würde. Anfangs sind die magnetischen Momente in alle Richtungen orientiert und heben sich dadurch in ihrer magnetischen Wirkung gegenseitig auf – der Ferromagnet ist nach außen unmagnetisch.

Poschmann Physikalische und mathematische Grundlagen der magnetischen Hysterese Seite 4 von 9 . desto mehr Energie muss gesammelt werden. der Primär. folglich haben sie eine schmale Hysteresekurve. die durch die Hysteresekurve umschlossen wird. das man auf einen Teppich legt. ist ein Maß für die Energie. die den Werkstoff hart machen.  Welche Stähle sind hart? Z. beginnt das Gewicht sich zu bewegen – aber nicht langsam und allmählich. Die breiten Hysteresekurven von Hartmagneten mit einer relativ großen umschlossenen Fläche können wir also wie folgt erklären:  Warum heißt ein Hartmagnet „Hartmagnet“? Weil er hart ist. Stähle mit wenig Kohlenstoff) setzen der Umorientierung einen geringen Widerstand entgegen. außer den Werkstoff hart machen? Er behindert die magnetischen Momente am Umorientieren. Hartmagnete haben also deshalb eine breite Hysteresekurve. Diese schnelle Änderung ist auch der Grund für die etwas „viereckige“ Form der Hysteresekurve – das wird im zweiten Teil dieses Blogbeitrages genauer betrachtet. Ein Beispiel ist der Dauermagnet – der soll seiner Ummagnetisierung/Entmagnetisierung einen großen Widerstand entgegen setzen (er soll ja ein Dauermagnet bleiben). zunächst Energie für den Drehprozess zu sammeln. um die inneren Widerstände zu überwinden. das ist nichts anderes als die Fläche. was seine Zeit braucht (Verzögerung). um die Haftreibung zwischen Teppich und Gewicht zu überwinden. solche mit einem hohen Kohlenstoffgehalt. Ein Beispiel ist der Kern eines Transformators.  Was macht der Kohlenstoff (ob als einzelnes Atom oder in Form von Karbiden) noch. die Drehung der magnetischen Momente behindern. die die Hysteresekurve umschließt. in unserer Hysteresekurve wieder? Ja. Weichmagnete (z. ein Gummiseil daran befestigt und dann am Seil zieht. Verschieben) der Weißschen Bezirke verloren gehen soll. wo der Werkstoff sich möglichst schwer ummagnetisieren lassen soll. die für das Drehen der Weißschen Bezirke notwendig ist. Je rauer der Teppich. Das macht es erforderlich.Findet sich die Energiemenge. Im Gummiseil muss zunächst genug Energie gespeichert werden.B. und desto größer ist folglich die zeitliche Verzögerung. Werkstoffe mit schmalen Hysteresekurven – also Weichmagnete – finden dort technische Anwendung. Werkstoffe mit breiten Hysteresekurven – also Hartmagnete – finden dort technische Anwendung. Die Breite der Hysteresekurve und die Größe der Verzögerung zwischen Feldstärke H und Flussdichte B haben also etwas damit zu tun. Die Fläche. Zunächst passiert … nichts .und Sekundärspule miteinander „verbindet“. wo beim Ummagnetisieren möglichst wenig Energie durch das Drehen (bzw. Ist genügend Energie vorhanden.B. Ist genügend Energie gesammelt.selbst wenn das Gummiseil bereits gespannt ist. sondern schnell. Der ganze Prozess des Drehens der magnetischen Momente der Weißschen Bezirke ist vergleichbar mit dem Verhalten eines Gewichtes. die für diese Umorientierung benötigt wird. weil dieselben Prozesse. dann erfolgen die Drehungen der Weißschen Bezirke und damit die Änderung der magnetischen Flussdichte B sehr schnell. Das Gewicht folgt also dem „Kommando“ des Gummiseiles mit zeitlicher Verzögerung. wie viel Energie zur Verfügung gestellt werden muss. I.

I. Nimmt H ab. wollen wir nun außerdem noch die Mathematik zu Hilfe nehmen. erhöht sich auch B. dem äußeren Magnetfeld nur dann folgen können. Alle Bilder in diesem Blogbeitrag wurden übrigens mit Hilfe einer ExcelTabelle erstellt.und Hartmagnete Für die Erzeugung einer Hysteresekurve benötigen wir ein magnetisches Feld H. … Wir „laufen“ also einfach auf einer geneigten Linie hoch und runter (schwarzer Pfeil). kennengelernt. Verzug) darauf zurückzuführen ist. 4: sinusförmiger Verlauf von H und B ohne Phasenunterschied (ohne zeitliche Verzögerung) In Abb. wenn ihnen genügend Energie zur Verfügung steht. Das können wir durch eine wechselstromdurchflossene Spule erzeugen – das Feld H hat dann einen sinusförmigen Verlauf. liegen beide Sinuskurven aufeinander. weil die Weißschen Bezirke im Ferromagneten. um die Eigenschaften von Hysteresekurven genauer zu analysieren. Ein gutes mathematisches Modell sollte uns folgendes liefern und erklären:  Form und Verlauf der Neukurve  Form und Verlauf der Hysteresekurve  Hysteresekurven unterschiedlicher Breite für Weich. dass der Begriff Hysterese (griechisch hysteros: Verzögerung. 1. Wir gesehen. dass die Flussdichte B den „Kommandos“ der Feldstärke H umgehend (also ohne Verzug) folgt und daher einen sehr ähnlichen Verlauf hat.Magnetische Hysterese – etwas Mathematik Wir haben bisher die magnetische Hysterese ferromagnetischer Werkstoffe als das Ergebnis des Zusammenspiels eines äußeren Magnetfeldes H und der magnetischen Flussdichte B. Mathematisch bedeutet das: H = Ho  sin(t) und B = Bo  sin(t) Abb. Das passiert. deren Änderung die Flussdichte beschreibt. um innere Widerstände zu überwinden. Rechts ist die Flussdichte B über der Feldstärke H aufgetragen und wir finden einen linearen Zusammenhang: Erhöht sich H. dass die Flussdichte B der äußeren Feldstärke H zeitlich verzögert folgt. Ist H maximal. Wir starten mit Abb. ist es auch B. Das hat nichts mit Hysterese zu tun. 4 ist links der Zeitverlauf von H und B dargestellt. die die Vorgänge im Inneren des Ferromagneten beschreibt. das seine Größe und Richtung ändert. die uns die Neukurve und die Hysteresekurve eines Ferromagneten zeigt. Wir nehmen zunächst einmal an. Da für H und B der Einfachheit halber eine identische Skalierung angewendet wurde. nimmt auch B ab.Poschmann Physikalische und mathematische Grundlagen der magnetischen Hysterese Seite 5 von 9 . Nachdem wir die Hysteresekurve im ersten Teil physikalisch erklärt haben.

Die Entstehung der magnetischen Hysterese hat in der Tat damit zu tun.Jetzt bauen wir die zeitliche Verzögerung zwischen magnetischer Flussdichte B dem Magnetfeld H in unsere Formeln ein. 2 ms. 1/10 Periode.. Weich. 5 und 6 liefern uns jetzt in der Tat Hysteresekurven. Bezogen auf eine 50Hz-Wechselgröße (Periodendauer 20 ms) bedeuten diese Werte eine zeitliche Verzögerung der „Reaktion“ der Flussdichte B gegenüber den „Kommandos“ der Feldstärke H von 1 ms bzw.. Die Abb. 1. so erkennen wir zwei Sachverhalte wieder:  Wir haben in allen drei Fällen Hysteresekurven. 5 und 6 mit Abb. 6: sinusförmiger Verlauf von H und B mit einer Phasenverschiebung  von 1/10 Periode I. hartmagnetisches Verhalten lässt sich also berechnen. dass die magnetische Flussdichte B dem äußeren Magnetfeld H zeitlich verzögert folgt (Phasenverschiebung ). 5: sinusförmiger Verlauf von H und B mit einer Phasenverschiebung  von 1/20 Periode Abb. 5 und 6 zeigen den Zusammenhang von H und B für Phasenverschiebungen von 1/20 Periode bzw.Poschmann Physikalische und mathematische Grundlagen der magnetischen Hysterese Seite 6 von 9 . die die Flussdichte B wegen der Hysterese benötigt. Abb. Abb.also Kurven. die eine Fläche umschließen. desto breiter werden offensichtlich die Hysteresekurven.bzw.  Je größer die zeitliche Verzögerung zwischen B und H. auch wenn sich die Kurvenformen unterscheiden. Vergleichen wir Abb. indem wir in die Sinusfunktion für das B-Feld eine Phasenverschiebung (Zeitverschiebung)  einfügen: H = Ho  sin(t) und B = Bo  sin(t + ) Die Phasenverschiebung  ist die „Zusatzzeit“. Allerdings sehen diese ellipsenförmig aus und nicht „viereckig“ – das „ändern“ wir weiter unten noch .

5: NK) inklusive des Sättigungsverhaltens wieder. solange nicht genügend Energie für die Drehung der Weißschen Bezirke vorhanden ist. Soll unser mathematisches Modell nun Hysteresekurven erzeugen. Wenn I. 3t. dreieckige. Abb. kreisförmige. B5. 8 und 9 zeigen den Zusammenhang von H und B wieder für Phasenverschiebungen von 1/20 bzw. Mathematisch machen wir das. Wir nehmen für B einen eher „kastenförmigen“ Verlauf an (Abb. …) kombinieren. Abb. 7: Verlauf von H (sinusförmig) und B („kastenförmig“) ohne Phasenunterschied  Zur Erklärung von Neukurve und Sättigung haben wir keinen Zeitverzug zwischen H und B benötigt. um den dargestellten (und recht gut gelungenen) „Kasten“ zu erzeugen – vier hätten dafür nicht gereicht. 1/10 Periode. 5t. Auf eine Phasenverschiebung  können wir zunächst verzichten: Man kann je nach Art und Anzahl der Sinusfunktionen beliebige Formen „erzeugen“: kastenförmige. …) und unterschiedlicher Amplituden (B1. warum die Flussdichte B einen derart „kastenförmigen“ Verlauf hat. An dieser Stelle wollen wir klären und begründen.Poschmann Physikalische und mathematische Grundlagen der magnetischen Hysterese Seite 7 von 9 . die den „wirklichen“ Hysteresekurven nahekommen. Betrachten wir die Darstellung von B über H (Abb. indem wir 5 Sinus-Funktionen verschiedener Ordnung (t. dann finden wir in guter Näherung unsere Neukurve(Abb. dass die magnetische Flussdichte B ebenso wie die Feldstärke H einen sinusförmigen Verlauf hat.. Warum wurden hier gerade fünf Sinusfunktionen verwendet? Weil die Fünf ausreichend waren. 8 und 9. B3. 7) – diese Annahme wird einige Absätze weiter unten begründet. Weil sich die Weißschen Bezirke und damit auch die Flussdichte B zunächst nicht ändern. so müssen wir die zeitliche Verzögerung zwischen H und B und den „kastenförmigen“ Verlauf von B miteinander kombinieren: Die Phasenverschiebung beschreibt wieder die zeitliche Verzögerung zwischen Feldstärke H und Flussdichte B.Magnetische Hysterese – etwas mehr Mathematik Wollen wir die Neukurve und das Sättigungsverhalten erklären. Das entspricht dem horizontalen Verlauf von B in den Abb. so müssen wir uns von dem Gedanken trennen. 7.. . rechts) – und dort speziell den oberen rechten Teil.

Um diese Energie zu sammeln. die sich in der Hysteresekurve verbirgt) in ihre einzelnen Sinusfunktionen und ordnen bestimmten Werkstoffeigenschaften bestimmte Sinusfunktionen zu.genügend Energie zur Verfügung steht. 8 und 9 haben wir Sinusfunktionen verschiedener Ordnung miteinander kombiniert. 10 deutlich sichtbar. Das entspricht dem nahezu vertikalen Verlauf von B in den Abb. Ist dies nur eine mathematische Spielerei oder hat das auch werkstofftechnischen „Nährwert“? Dazu betrachten wir die Hysteresekurve in Abb. Die ist durch dieselbe Kombination von Sinusfunktionen entstanden wie die in Abb. sie messen die Hysteresekurve eines „GutWerkstoffes“. Werden nun andere Proben dieses Werkstoffes untersucht und finden sich Veränderung in den Hysteresekurven (z. 9. 8: Verlauf von H (sinusförmig) und B („kastenförmig“) mit einem Phasenunterschied  von 1/20 Periode Je größer die inneren Widerstände im Werkstoff. Abb. 10. aber mit einer Ausnahme: Die Amplitude B9 der letzten Sinusfunktion wurde ein klein wenig verändert – und die Auswirkungen sind in Abb.Poschmann Physikalische und mathematische Grundlagen der magnetischen Hysterese Seite 8 von 9 . dann geschieht die Änderung sehr schnell. Wie nutzen Werkstoffwissenschaftler so etwas? Nun. die sich hinter dieser Sinusfunktion „verbirgt“.B. 8 und 9. I. desto mehr Energie wird für die Drehung der Weißschen Bezirke benötigt. die wir mit der Phasenverschiebung  beschreiben. die für die Drehung benötigt werden. Wir haben nun „nahezu perfekte“ Hysteresekurven konstruiert. dann kann man diese Änderung einer ganz bestimmten Sinusfunktion zuordnen und so Rückschlüsse auf die konkrete Werkstoffeigenschaft ziehen. zerlegen diese (oder genauer die Flussdichte B. braucht es „Extrazeit“. Eine große Phasenverschiebung produziert eine breite Hysteresekurve und beschreibt damit mathematisch die großen Energien. Zusammen ergibt das den „kastenförmigen“ Verlauf. eine Änderung der Amplitude B9). Unsere Zutaten waren:  sinusförmiger zeitlicher Verlauf der magnetischen Feldstärke H  „kastenförmiger“ Verlauf der magnetischen Flussdichte B  Phasenverschiebung  zwischen H und B Magnetische Hysterese – Oberwellenanalyse Für die Konstruktion der Hysteresekurven in den Abb.

Warum Oberwellenanalyse? Dazu betrachten wir noch einmal die Formel: Die erste Sinusfunktion (sin(t)) nennt man Grundschwingung (oder auch Grundwelle) und alle anderen Sinusfunktionen (sin(3t).werkstoff-blog. ob ein Ton harmonisch klingt oder eher dissonant (also unharmonisch). Materialien. Dissonanzen werden u. Wir hören sofort. was jeder Mensch praktisch jeden Tag durchführt. Werkstoff Service GmbH in Essen [NRW] | http://www.de Stichworte: hysterese. Diese werden der Oberwellenanalyse unterzogen. oberwelle. Mittels Oberwellenanalyse von Hysteresekurven lassen sich also die Materialeigenschaften ferromagnetische Werkstoffe prüfen. Zitieren nur nach Rücksprache mit dem Autor und schriftlicher Erlaubnis. Jedes Feedback ist dort willkommen. Abb. sin(5t). oberwellen. physikalische.a.de kommentiert & diskutiert werden. Die Oberwellenanalyse ist übrigens etwas. Was fehlerfrei ist. Was fehlerhaft ist. I.Abb. nehmen wir als unangenehmen Klang wahr.werkstoff-service. magnetfeld. Unser Gehirn analysiert dazu die Oberwellen akustischer Töne. werkstoffkunde. werkstofftechnik. …) werden Oberwellen genannt. durch „fehlerhafte“ Oberwellen verursacht. phasenverschiebung.S.Poschmann Physikalische und mathematische Grundlagen der magnetischen Hysterese Seite 9 von 9 . magnetischen. 10: Verlauf von H und B mit Phasenunterschied von 1/10 Periode und „Störung“ von B Author: Dr. ferromagnetischen. Dieser Artikel kann auch auf dem www. Ingo Poschmann | W. das „klingt gut“. 9: Verlauf von H (sinusförmig) und B („kastenförmig“) mit einem Phasenunterschied  von 1/10 Periode Das ganze Verfahren nennt man Oberwellenanalyse.