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498 H. J. BUTTERWECK: ANREGUNG ELEKTROMAGNETISCHER WELLENLEITER

A.E.ü.Band16

[1962], Heft 10

Ober die Anregung elektromagnetischer Wellenleiter*

von HANS-JÜRGEN BUTTERWEOK

Mitteilung aus dem Institut für Hochfrequenztechnik der Technischen Hochschule Aachen

(A.E.ü. 16 [1962], 498-514; eingegangen am 27. März 1962)

DK 621.372.81

Es wird das elektromagnetische Feld im Inneren eines v\Tellenleiters (Hohlleiter, abgeschirmte Doppelleitung) berechnet, der von Dipolen und Leitungssträmen im Inneren sowie. elektrischen

Tangentialkomponenten auf dem Mantel angeregt wird.· Mit Hilfe VOll Reihenentwicklungen der elektromagnetischen Felder nach geeigneten orthogonalen Funktionensystemen werden die :M:ax~ >vellschen Gleichungen auf ein System unendlich vieler gewöhnlicher Differentialgleichungen reduziert, die als "verallgemeinerte Leitungsgleichungen" bezeichnet werden. Die dabei gewonne- nen Ergebnisse lassen sich unmittelbar auf viele praktische Anregungsprobleme (z. B. Loch- kopplung) anwenden. The electromagnetic field inside a guide (waveguide, shielded two-wire transmission line) is calculated which is excited by dipoles and conduction currents in the interior as weIl as by tau· gential electrical components on the shell. With the aid of series expaJlsions of the electromagnetic fields in terms of suitable orthogonal function systems the Maxwell equations are reduced to aJl infinite set of ordinary difl'erential equatiolls whieh are termed "generalized transmission-line equations". The so gained results can be applied direct to many practica.l excitation problems (e.g. hole coupling).

1. Einleitung

Die Theorie der Ausbreitung elektromagnetischer Wellen in zylindrischen Rohren, die mit einem homogenen, verlustfreien Dielektrikum gefüllt sind 'und deren Wände unendlich gut leiten, ist schon lange bekannt [1]. Die vielfachen Anregungsmöglich. keiten elektromagnetischer 'Vellen in solchen "Wellenleitern" sind dagegen erst in letzter Zeit theoretisch behandelt worden. Von HONERJÄCER[2] wurde die Anregung dureh elektrische und magneti- sche Dipole untersucht, die in einer Querschnitts- ebene flächenhaft verteilt sind. MARCUVITZ und SCHWINGER [3] sowie SCHELKUNOFF [4] lösten das Anregungsproblem bei einer beliebigen räumlichen Dipolverteilung im Wellenleiter. Die vorliegende Arbeit knüpft an die beiden zuletzt genannten Arbeiten an und bedient sich insbesondere der darin ent,vickclten Methode der "verallgemeinerten Lei- tungsgleichungen". Sie stellt die theoretischen Grundlagen zur Lösung der Anregungsprobleme ausführlich zusammen und entwickelt die bisher bekannte Theorie in einigen Punkten weiter. Wir beschränken uns in der Theorie auf die An- regung abgeschirmter, zylindrischer Leitungen (z. B. Koaxialleitnngen, Hohlleitnngen). Offene Leitungen (z. B. Eindrahtleitungen, dielektrische Leitungen), Leitungen mit ortsabhängigem Quer- schnitt (mit Ausnahme einer geringfügigen Quer- schnittsänderung) sowie gekrümmte Leitungen sind von unseren Betrachtungen ausgeschlossen. Das Dielektrikum sei Luft, gekennzeichnet durch die Stoffkonstanten j.lo und ca. Bei einem anderen, homogenen, isotropen Dielektrikum, gekennzeichnet durch die Dielektrizitätskonstante c = cr ca, ist in allen Gleichungen ca durch cr cO zu ersetzen. Ist der Wellenleiter nur teilweise mit einem solchen Werkstoff gefüllt oder auch mit einem vVerkstoff,

* Bei der Fakultät für Elektrotechnik der Technischen Hochschule Aachen eingereichte Habilitationsschrift.

dessen elektrisches oder magnetisches VerhaUen anisotrop ist (z. B. Ferrit), so betrachten wir die in seinem Inneren induzierten elektrischen oder ma- gnetischen Dipole als Anregungszentren des im übrigen Inftgefüllten Wellenleiters nnd führen dieses Problem somit auf die ursprüngliche Fragestellung zurück. Die Anregung von TVellenleitern kann grundsätz- lich anf folgende Arten erfolgen:

1.

Anregung von außen

a)

durch elektrische oder/und magnetische Trans- versalfelder in ein oder zwei Querschllittsebenen,

b)

dnrch tangentiale elektrische Felder anf dem Mantel.

2.

Anregung von innen

a)

dnrch elektrische Dipole (gekennzeichnet durch die Polarisation P),

b)

durch magnetische Dipole (gekennzeichnet durch die Magnetisierung M),

c)

durch Leitungs. oder Konvektionsströme (ge, kennzeichnet durch die Stromdichte S).

Bei allen Anregungsarten werde ein zeitlich sinus, förmiger Verlauf der anregenden Größen voraus- gesetzt. Anregungen mit beliebigem zeitlichem Ver- lauf lassen sich gegebenenfalls mit Hilfe des Fourier- Integrals auf sinusförmige Vorgänge zurückführen. Bei der Anregung gemäß 1 a) wird ein Leitungs- stück endlioher Länge betrachtet: das durch zwei Querschnittsebenen Zl und Z2 begrenzt ist (Bild 1). :Mit Ausnahme des hier nicht näher zu betrachten- den ResonanzfaUes gilt für ein solches Leitungs- stück der Satz, daß das elektromagnetische Feld im Inneren eindeutig bestimmt ist, wenn das elektrische Transversalfeld oder das magnetische Transversal, feld in den beiden Abschlußebenen Zl und Z2 vorge- geben ist. Ebenso ist der gesamte Feldzustand ein- deutig bestimmt: wenn das magnetische und das elektrische Transversalfeld in einer der beiden Quer~

500 H. J. BUTTERWEC[C ANREGUNG ELEKTROMAGNETISCHER WELLENLEITER

A.E.Ü. Band 16 [1962J, Heft 10

komponente von allen Entwicklungskoeffizienten abhängt. Anf der rechten Seite der Diiferential- gleichungen (1) steht also eine Linearkombination aller Entwicklungskoeffizienten. Daraus folgt, daß die Differentialgleichungen der Entwicklungskoef- fizienten miteinander verkoppelt sind. Diese Ver- kopplung der verschiedenen Feldtypen, die kenn-

zeichnend für die gesteuerte Anregung ist und bei der eingeprägten Anregung nicht auftritt, erschwert die Bereohnung der einzelnen. Entwicklungskoef~ fizicnten. Nur in Sonderfällen (z. B. schwache Kopplung) läßt sich noch eine einfache Lösung des

Systems gekoppelter Differentialgleichungen finden.

2. Die Differentialgleichungen des elektromagneti- schen I~'eldes im angeregten "Tellenleiter und ihre Reduktion auf veraUg'cmcinerte Leitungsgleichungen

2.1. Vorbe-rnerkungen

WiT bedienen uns bei der Behandlung von Wellen- leiterproblemen kartesischer Koordinaten x,y, z, wobei die z-Achse mit der Leiterachse zusammen- fällt (Bild 2). x und y sind aiso die Querschnitts- koordinaten, z ist die "Leitungskoordinate<l. Die Einheitsvektoren in X-, y" bzw. z-Richtung werden mit €x, €y bzw. ez bezeichnet.

z-Richtung werden mit €x, €y bzw. ez bezeichnet. Bild 2. Koordinatensystem im VVellenleiter. Einen beliebigen

Bild 2. Koordinatensystem im VVellenleiter.

Einen beliebigen Vektor A (x, y, z) zerlegen wIT zweckmäßig in eine z-Komponente (longitudinale

Komponente) ezA z

nente At:

und eine transversale Kompo-

(2)

mit

Für rein transversale Vektoren At gelten die folgen- den, leicht einzusehenden Regeln:

A

~ e,A, + At

folgen- den, leicht einzusehenden Regeln: A ~ e,A, + At Der Vektor e z X At

Der Vektor e z X At geht aus At durch cine Drehung um 90° um die z-Achse hervor. Die Drehung erfolgt im Uhrzeigersinn, wenn wrrin +z-Richtung blicken (Bild 3),

(3)

e, X

(e, X"A t ) ~

-

At.

(4)

(Bild 3), (3) e, X (e, X"A t ) ~ - At. (4) Bild 3. Zur

Bild 3. Zur Erläuterung der cn. (3).

Außer den ge\välmlichen, dreidimensionalen Dif- ferentialoperationen benutzen wir noch rein t'rans- versale Differentialopcrationen, die folgendermaßen definiert werden:

grad

, aep

({!

=

ex

-

ox

+ e

y

aep

-,

oy

div' A

~

aA x

ox

--L

I

aA y

oy

rot

'A

,

LI.

ep ~

=

e x

aA,

-- -

oy

e

a 2 ep

ax 2

+

a 2

rp

a y 2

y

'

(}2A

32A

LI.'A=- +-

ox2

oy2

,

aA,

--

e

(aA

y

-- -

uxlZox

--L

.

(5)

(6)

(7)

aA x)

--

oy'

(8)

(9)

Diese Operationen gehen aus den gewöhnlichen. Operationen grad, div, rot, ß dadurch hervor, daß überall die partiellen Ableitungen nach z fort~ gelassen werden. Für den Sonderfall, daß die Felder cp bzw. A nur 'von x und y abhängen, führen die transversalen und die gewöhnlichen Operationen zu dem gleichen Ergebnis. Außer den bekannten Regeln für die gewöhnlichcn Operationen gelten bei den transversalen Operationen noch folgende Regeln:

 

div' A

~ div' At,

(10)

rot'(e,

X At)

~ e,div' At,

(11)

div' (e, X At)

 

-

e,· rot' At,

(12)

 

LI.'A t ~ exß'Ax + eyLl.'A y

(13)

2.2. Aufstellung der DitJerentialgleichungen

Den Ausgangspunkt für die Berechnung des elektromagnetischen Feldes in einem Wellenleiter, der durch beliebig verteilte, vorgegebene elektrische und magnetische Dipole (gekennzeichnet durch die Polarisation P bzw. die Magnetisierung M) sowie durch Ströme (gekennzeichnet duroh die Strom- dichte S) angeregt wird, bilden die Maxwellschen Gleichungen 4:

(14)

(15)

In Komponentenschreibweise erhalten "riT für die Rotation

rotH~jwcoE+S+jweoP,

rotE =

-jw{'oH -

jw{'oM.

rot H ~ e x (eH, _ eH y

ay

az

') + e y (MIx

az

_

Nach GI. (7) ist,

+

ez (DH y

ax

_

und

e,

( 'eIl"

-- -

, cx

aHx)

--

ay

oH z

e x -,-

üy

-

---

e

y

aH z

-,--

G'X

=

3H z )_

=

ay

rot

I

,

H t

rot (ezH z ).

aH,) +

ax

4 Hier ist z. B. E der "Vektol'zcigcr" der elektrischen Feldstärke. Di.c Augenblicksgräßen folgen durch Multi- plikation mit eJOJt und Realteilbildung. L::. ß. ist der Augen- blickswert der x-Komponente der elektrischen Feld."Jtärke gleich Re(Exe,iwt). 'ViI' bedienen uns bei den komplexen Größen aus Gründen der Übersichtlichkeit keiner anderen Schreibweise als bei den reellen Größen.

bei den komplexen Größen aus Gründen der Übersichtlichkeit keiner anderen Schreibweise als bei den reellen Größen.

502 H. J. BUTTERWECL ANREGUNG ELEKTROMAGNETISCHER WELLENLEITER

A.E.ü.Dand16

[1962J, Heft 10

Beweis:

Es gilt die Vektoridentität

div' (gttt div' gty - +gtj.l x rot' gtv -

gtv div' gttt -+

gtv

X röt l gtj.l) =gtf-l' Li.lgtv -

gtv' b,.'gtf.l'

Wir integrieren diese Beziehung über den gesamten Leiter~ querschnitt und wandeln das Integral über die linke Seite nach dem Gaußsehen Satz in ein Integral über den Rand

um:

(gtp, div l gtv

~

+ gtf.l X rot' gtv

-

-

=

!(gtf,l' .6,'gt1' -

gtv div' gtf.l +

gtv X rot' gttt) . n ds_=

gtv' j,,'gt/l) dA.

Alle vier Terme des Handintegrals verschwinden ,vegen der

Randbedingungen (25b) und (250) der Eigenfunktionen und der Identität

(gtf{ X rot' gtv) . n

=

(n X gtu) . rot'gtl··

Unter Berücksichtigung von GI. (25 a) formen wir die rechte Seite um:

f (gt/l . Li'gt11-

gtv . /').'gt/.l) dA =

(p~-

p;) Jgtp' gtv dA.

Für P/.l =I=- pp, d. h. nicht entartete Eigenwerte, folgt daraus die Orthogonalität gemäß GI. (26).

Da die GI. (25) linear und homogeu sind, ent- halten die Eigenlösungen gtl' noch einen unbestimm- ten Amplitudenfaktor, über den in folgender Weise willkürlich verfügt wird 7 ("Normierung"):

(27)

Jgr, dA ~ 1.

A

Aus GI. (27) folgt, daß die Dimension von gt, (IJänge)-l ist. Durch GI. (27) sind die Eigenfunktionen bis auf das Vorzeichen eindeutig bestimmt. Diese nor- mierten Eigenfunktionen haben die bemerkenswerte Eigenschaft, daß sie stets reell sind. "Vir beweisen diesen Satz sowie die Reellität der Eigenwerte Pi! im Anhang I. Eine weitere wichtige Eigenschaft der Eigen- funktionen gtl' besteht darin, daß sie ein "vollständi- ges Funktionensystem" bilden, d. h., daß ein be- liebiges transversales Vektorfeld At{x, y) in eine Reihe nach den Funktionen gtl' entwickelt werden kann: 8

=

(28)

Die Eigenfunktionen gtl' werden dabei naeh steigen- den Eigenwerten geordnet; die Eigenfunktion gtl ist also die mit dem niedrigsten Eigenwert PI . Wegen der Orthogonalitätsbeziehung GI. (26) und der Normierung gemäß GI. (27) lassen sich die Ent-

7 Diese Normierung bedeutet nicht eine Spezialisierung der elektromagnetischen Felder, da die Amplituden und Phasen der Wellen durch den komplexen Faktor A noch frei wählbar sind.

8 Zum Beweis dieses Sa,tzes siehe P. MORSE undH. FESH- BACH, Methods of theoretica.l physics; McGraw-Hill Book Co., New York 1953, S. 738, sowie R. COLLIN,-Field theory of guided waves; McGraw-Hill Book Co., New York 1960, S. 204. Für einfache Querschnitte (Rechteck, Kreis) lassen sich die Eigenfunktionen explizit bereclmen. Die Voll~ ständigkeit der dabei auftretenden Funktionensysteme ist seit langem bekannt. Im übrigen gilt dieser Satz nur für die (bei den meisten physikalischen Anwendungen vorkommen- den) quadratintegrablen Felder At.

wicklungskoeffizienten Al' der Reihe einfach da- durch bestimmen, daß GI. (28) mit den gt, multi- pliziert und über den Leitungsquerschnitt integriert

wird:

A, ~

J

At' gt,dA.

(29)

A

Anmerkungen zur Reihenentwicklung GI. (28):

LApg tp konvergiert .vie die Fourierreihe im

"quadratischen Mittel" gegen das Vektorfeld At. Das be- deutet, daß bei ·Wahl der Entwicklungskoeffizientengemäß GI. (29) das mittlere Fehlerquarn'at

1. Die Reihe

I f (

A

)2

At -p~iApgtr dA

N

A

bei geeigneter vVahl von N kleiner als eine beliebige Größe gemacht werden kann. At kann ein beliebiges Vektorfeld sein und braucht innerhalb des Querschnitts A nicht stetig zu sein. 2. Dic zu entwickelnde Funktion At. braucht nicht den gleichen Randbedingungen unterworfen zu sein .",ie die Eigenfilllktionen gtv gemäß GI. (25b) und (25c). D. h. es brauchen auf dem Rande nicht die Bedingungen div' At = 0 und At X n = 0 erfüllt zu sein. Falls die Funktion inner. halb des Querschnitts stetig ist, konvergiert die Reihe LApg tw im Inneren des Quersclmitts unter Ausschh~ßeines beliebig kleinen Randstreifens sogar gleichmäßig. In un- mittelbarer Nähe des Randes sowie auf dem Rande selbst

wird die Reihe dagegen unbrauchbar 9 • Auch darf eine solche Reihe in det Regel nicht mehr differenziert werden. Insbesondere gelten die Gleichungen

und

sogar im quadratischen Mittel im allgemeinen nicht. Da aber die skalaren Funktionensysteme div'gtpund eZ'rot' gtv wieder vollstän<;lig sind, lassen sich div l At und rot' At durch- aus in Reihen nach diesen Funktionen entwickeln:

div' At = L Apdiv'gtr

rot' At =

L Aprot' gtr

div' At = L B p div' gtv,

rot' At =

L

Oprot' gtt·.

'Vir wollen die im allgemeinen von A p verschiedenen Ent- wicklungskoeffizicnten B p und ep jedoch erst später be~ stimmen.

Nachdem wir zwei Eigenschaften der vektoriellen Eigenfunktionen gty, ihre Orthogonalität und ihre Vollständigkeit, kennengelernt haben, untersuchen wir nun die Quellen und W i'fbel der Funktionen gty. Es liegt nahe, diese Funktionen in folgender Weise zu klassifizieren:

Klasse

1:

div' gty = 0

0

,

,

,

rot' gtl'

=

0,

Klasse

Klasse

2:

3:

div' gtl' =1= 0 div' gtv =

rot' gtl' = 0,

rot' gtl'

=1= 0,

Klasse 4:

div' gty =1= 0,

rot' gtv

=1=

O.

9 Man vergleiche diese Erscheinung z. B. mit der Dar~ stellung einer Rechteckschwingung durch eine Fourierreihe :

j(x) = ~(SinX-+-+sin3X+-~-Sin5X ).

Obwohl alle Einzelfunktionen sin x, sin 3x, bei x = 0 und x = rc verschwinden, konvergiert die Reihe im Inter~ 'lall 0 < x < IT im quadratischen Mittel gegen den v'iTert eins.

Tabelle I. Eigenwerte und normierte Eigenfunktionen in Hohlleitern

on

~ a e,. Kreis 1. Geometrie ~Y Rechteck ,[ ~ Q p z e e,
~
a
e,.
Kreis
1.
Geometrie
~Y
Rechteck
,[
~
Q
p
z
e
e,
r
?:
1
:-<
2_ Feldty;
-
E mn
H mn
E mn
H mn
c
'"
I
----
2
"'
3. Eigenwert pI', daraus
Grenzwellenlänge
p(H)~ Y;"n
11m2
n
p(E) =
Ymn
;;j
(E) _
(H) _
I
m, n
=
1, 2, 3,
I Pmn
-
-
n
(Z2 + 1)2
mn
a
mn
a
P mn
I
;
Acv =
2n/pv
bei 11 -Typen
aber nicht m =
auch moder n gleich Null,
n
o.
=
Ymn bzw. Y;nn ist die n-te Nullstelle bzw. der n-te Extremwert der Bessel M
sehen Funktion m-ter Ordnung; Nullstellen bzw. Extremwerte im NullM
punkt werden dabei nicht mitgezählt.
(0
~
I
1-,---
-------- ---------,-
~
4. Skalare Eigen-
funktionen t[Jv bzw. 'PI'
A
mnx
.
nny
nny
~
Y;"ne)
Ymne)
'"
'Pmn =
mn SIn . -a-- sm --b-
B mn cos -a- mnx
cos- b
-
A
<P mn =
mn
J
m
--a-
cos mfJJ
'P
J
P mn =
mn =
B mn
m
--a-
cosmrp
g
(
(
'"
2 V
"
5. Konstante
1
1/0
Bmn~
I
1/5-
A mn =
'"t;;
B mn =
~
1
mn
-- (m2
n2
)
V-;-
A
~ Ymn J m +l (Ymn)
Jm(Y~n)V(Y~n)2-m2V n
ab
(l2 + b2
tj
a= Jlfürm=O
Jlfürm=O
pO
C(=
Ausnahme: m ?der n =
bel H~Typen:
0
_
1
1/ 2a
o
2b
BOn~_1_1/
t2fürm:+O
t2fürm:+O
.-:
B mo
-
mn
V b'
V a
nn
:>-
~
6. Vektorielle
g(E)
_
(H)
_
(H)
_
'"
g(E)
_
Eigenfunktionen
t,mn-
gt,mn -
t,mn -
gt,mn -
::l
gtv =
grad' t[Jv bzw.
'"
mn
mrr:x.
nny
nn
mnx.
nny
A
YmnJ' (Ymne)
m
(Y;"ne).
@
ez X grad' 'PI'
ea; -b- cos -a-- sm --b- +
ea; -- cos --- sm -"--
--
{
A mn
mn
ee
B
{
er;;> e
Jm
-a-
sm mep +
{
B mn
'In --a-
cosmtp-
{
a
mn
a
a
b
'"
pO
.,
y
nn
.
mft'x
nn
}
mn
.
1Unx
nn y
}
(Ymne).
}
m
+ey --sm -- cos--
+ e p y: J~(Y~~nQ) cosmep}
-
e y -- sm ---- cos ---
-ePOJm -a-
smmrp
b
a
b
a
a
b
~
I
-
I
7.
Bemerkungen
'"
Für m, n:+ 0 sind alle Eigenwerte P mn zweifach entartet (p~~~= p~).
Eine Entartung tritt zwischen den Eigenwerten pi~)und den Eigenwerten
§
Die Eigenfunktionen g~~~nund g~~~nsind ein zugehöriges orthogonales
Funktionenpaar. Außerdem können zufällige Entartungen auftreten,
wenn das Quadrat (a/b)2 des Verhältnisses der Seitenlängen rational ist.
Dann führen nämlich unter Umständen mehrere 'Vertepaare m, n zum
gleichen Eigenwert
Pb~) auf (wegen Yln = y~n)' Die zugehörigen Feldtypen vom EM und
H-Typ sind ein orthogonales Funktionenpaar. Außerdem sind alle Eigen-
werte P~~ und P;~ mit m :+ 0 wegen des willkürlichen Anfangspunktes
der ep-Zählung zweifach entartet. Die zu ,den oben angegebenen Eigen M
funktionen orthogonalen Funktionen zum gleichen Eigenwert erhält
man, indem man _cos mep durch sin mep und sin mtp durch - cos mep
'"
pO
0>
~~
~~
lr:;;;ß-~
n
V""ä2 + b2
I ersetzt.
'"'"
." -"
-~ ~~
00

506 H. J. BUTTERWECK: ANREGUNG ELEKTROMAGNETISCHER

WELLENLEITER

A.E. ü. Band 16 [1962], Heft 10

sonderer Bedeutung ist. Es gilt nämlich für zwei

verschiedene

Eigenlösungen W p

und

q; f.l mit den

Eigenwerten p, nnd Pp (p, cF pp) die Beziehung

J<lJ,<lJpdA~O (VcF,u).

A

Beweis:

(40)

Es gilt die Vektoridentität

div'(Wvgrad'W.u -

lP.u grad' P v ) =

Pvß'tPj.t- tPjt!::J.'tPp •

Wir integrieren diese Beziehung über den gesamten Lei~ tungsquerschnitt und wandeln das Integral über die linke Seite nach dem Gaußsehen Satz in ein Integral über den Rand um:

~(<p, ~'"::-

<Pp aa~) ds ~J(<P, Ö'<Pp -

<Pp!'.'<P,) dA.

Das Randintegral versch"Windet wegen der Randbedingung GI. (38b). Unter Berücksichtigung von GI. (38a) formen WIT die rechte Seite um:

J(<P,!'.'<P p - <Pp !'.'<P,) dA ~ (p~- p~)J<p. <P,dA ~ O.

A

A

Für Pp *- pI', d. h. nicht entartete Eigenwerte, folgt daraus die Orthogonalität gemäß GI. (40).

Weiter gilt für die Eigenflllktionen W v , daß sie

ein vollständiges Funktionensystem bilden, d. h., daß

eine beliebige skalare Funktion f (x, y) in eine Reihe nach den W v entwickelt werden kann gemäß

f(x, y) ~ LA,<lJ,(x, y).

1'=1

(41)

Die Koeffizienten A v bestimmen wir durch Multi- plikation von GI. (41) mit einer Eigenfunktion <lJ, und IntegTation über den Querschnitt. Wegen der Orthogonalität erhalten wir

J f<lJ,dA ~ A, J <lJ;dA. (42)

A

A

Das Integral Jf/J; dA läßt sich nun nicht zu eins

A

normieren, da die Normierung gemäß

J gf,dA = J (grad' <lJ,)2dA = I

A

A

(GI. (27)) bereits festgelegt ist. Aus dieser Normie- rung folgt vielmehr

(43)

J <lJ;dA ~ Ijp;

bzw.

A

J (p,<lJ,)2dA ~ I,

A

(44)

woraus mit [P,] ~ cm- 1 folgt, daß die Eigen- funktionen f/J v dimensionslos sind.

Beweis der GI. (43):

Es gilt die Vektoridentität div'(Wvgrad'tP v ) =

W1'ß'W 1' + (grad'W J ,)2.

\Vir integrieren diese Beziehung über den Querschnitt und wandeln die linke Seite nach dem Gaußsehen Satz in ein Integral über den Rand um, das wegen der Randbedingung W v = 0 verschwindet. Es gilt daher

J (grad' <P,)2 dA =

A

-

J <P,!'.'<P, dA ~ p; J <P;dA.

A

A

Die letzte Beziehung folgt aus GI. (38a).

Aus GI. (42) nnd GI. (44) folgt somit für die Ent- wicklungskoeffizienten A v die Beziehung

(45)

A, ~ p; J f<lJ,dA.

A

Heiden Eigenlösungen der Klasse 3 istdiv'gtv=O. Wir befriedigen diese Gleichung durch den Ansatz 14

gt, =

e, X grad' 1jJ"

denn naeh GI. (12) ist

div'(e z X grad''lfJv) = -e z ' rot'grad''lfJv

(46)

== O.

Aus GI. (25a) folgt unter Benutzung der Vektor- identität

ß' (e z X grad' 'lfv)

die Beziehung

=

e z X grad' ß' 'lfJv

e,xgrad'(Ll'1jJ, + P;1jJ,) =0,

Ll'1jJ,+p;1jJ,~G.

(47)

Die Randbedingung GI. (25 b) ist bei den Lösungen der Klasse 3 von selbst erfüllt. Aus GI. (25 e) folgt

a1jJ,

an

~

0

(48)

d. h. die Ableitung von 'lfv in der Richtung senk- recht zum Rand muß versch"winden. vVir führen

hier wieder ein skalares Feld P

um die Konstante Cfp; unterscheidet:

v

ein, das sich von1jJv

lp, =

1jJ, _

Gjp;.

(49)

Die GI. (47) und (48) ergeben dann für 'l', die Glei-

chungen Ll''l', + p; 'l', ~ 0 im Inneren,

(50a)

a'p,

an

=

0 auf dem Rand.

(50b)

Aus GI. (46) folgt

(51)

Die GI. (50) stellen wieder ein skalat·es Eigenwe1"t- p1"oblem dar und unterscheiden sieh von den GI. (38) nur in der Randbedingung. Das mechanische An~ alogon ist wieder eine schwingende Membran, die jedoch am Rande frei schwingt. Auch hier sind die

Lösungen für einige einfache Querschnittsformen bekannt (siehe Tabelle I). Ehenso gilt für das System der Eigenfunktionen die Orthogonalität

gtv =

e z X grad' Pp .

J'l', 'l'pdA ~ 0 (v cF,u). (52)

A

Der Be"\veis verläuft ähnlich wie bei den Funktionen f/J v Außerdem "bilden die lJI v ein vollständiges Funktionensystem, d. h., eine beliebige skalare

in eine Reihe nach den lJI v

entwickelt werden gemäß

Funktion g (x, y) kann

g(x, y)

=

~ L B, 'P,(x, y).

1'=1

(53)

14 Die Frage der Eindeutigkeit der ska.laren Funktion 1jJv bei mehrfach zusammenhängenden Querschnitten er~ ledigt sich hier nicht so einfach wie bei den Eigenfunktionen der Klassen 1 und 2. vVie im Anhang II gezeigt wird, ist aber 1jJP tatsächlich immer" eindeutig.

508 H. J. BUTTERWECL ANREGUNG ELEKTROMAGNETISCHER WELLENLEITER

A.E.ü.Band16

[190-2], Heft 10

eI.'gibt sich daraus Cz und damit die Eigenfunktion g~;)gemäß GI. (57 a). Aus den GI. (59) und (61) er- halten wir e3 und C4 und damit die Eigenfunktion g~;). Daraus folgt, daß sich zu jeder normierten Eigenfunktion g~~)eine dazu orthogonale, normierte Eigenfunktion gi;-) angeben läßt, Es gibt also bei einem entarteten Eigenwert unendlich viele ortho- gonale Funktionenpaare. Diese Paare sind unter~ einander durch sogenannte "orthogonale Trans-

formationen" verknüpft 18 • Für die

lung eines beliebigen transversalen Vektorfeldes At

nach den Eigenfunktionen gtJJ gemäß At = L Avgtl' (GI. (28)) eignet sich bei entarteten Eigenwerten jedes Paar orthogonaler Eigenfunktionen. Welches Paar ausgewählt wird, ist nur eine Frage der Zweckmäßigkeit 19. Zur Veranschaulichung dieser Überlegungen be- trachten wir ein besonders einfaches Beispiel, näm- lich den H 11-Feldtyp im Hohlleiter mit Kreisquer- schnitt. Die zugehörige Eigenfunktion gtv gehört nach den vorausgegangenen Ausführungen zur Klasse 3, ist also quellenfrei. Die Struktur der Funktion g" geht aus dem in Bild 4 dargestellten Feldlinieubild hervor.

Reihenentwick-

Bild 4 dargestellten Feldlinieubild hervor. Reihenentwick- Bild 4. Bild 5. Zur Entartung des lJll-Fcldtyps im runden

Bild 4.

Bild 5.

Zur Entartung des lJll-Fcldtyps im runden Hohlleiter.

vVegen der Symmetrie des Kreisquerschnitts ist aber auch die um einen beliebigen Winkel (J. ge- drebte Feldkonfiguration (siehe Bild 5) eine Eigen- lösung zum gleichen Eigenwert. "Tir bezeichnen diese Eigenlösung mit gg;) und die in Bild 4 dar- gestellte mit ggl. Alle übrigen Feldkonfigurationen mit anderen Dreh\vinkeln (J.' lassen sich als Linear- kombination der beiden Funktionen gi~)und gi;) dar- stellen, so daß der Eigenwert Pv zweifach entartet ist. Wir suchen nun die Gesamtheit aller ortho- gonalen Funktionenpaare, die aus GI. (59) hervor- gehen. ~Iit den Normierungen

f (g~~))2dA =

A

A

f (g~;))2dA =

1

ergibt sich nach kurzer Rechnung 20 für das Integral f g~~).gf;'dA der Wert cos c<, und aus GI. (59) folgt

A

gf;'dA der Wert cos c<, und aus GI. (59) folgt A 18 R. COURANT und D.

18 R. COURANT und D. HILBERT [7], Band 1, S. 13. Über die Analogie zwischen Vektoren und Fullktionen- systemen 1. c., S. 39ff. 19 ·Wenn z. B. der Eigenwert Pi zweifach entartet ist, tritt in der Reihenentwicklung L Avgtv an die Stelle des Summanden A; gti der Ausdruck A}l)giP + A}2) gi~). 20 Für die Rechnung eignen sich Polarkoordinaten (h er (Q Abstand vom Mittelpunkt, rp vVinkelkoordinate gemäß Bild 4). Die :Feldkomponentcn lassen sich dann darstellen durch die Gleichungen

Ue =

h (Q) cos rp,

Urp = fde) sin er·

Nach Division durch C2C4 ergibt sich

bzw.

Cl C3

(Cl

--+1+ -+- C08c< = 0

(3)

C2

C4

C2

C4

C,

l+-cosCl.

C2

C,

- + COSrx

(62)

C2

Wir können also der Größe C1/e2 beliebige Werte geben und erhalten auf Grund von GI. (62) jeweils einen zugehörigen Wert für C3/C4.

QID +

'"

gtv

® Wal

'"

glv

®

oder

·0

u,

gtv

®

-1:cosex

@

gl41

tv

-cosex:1

Bild 6. Zur Konstruktion der orthogonalen Hll-Funktions- paare.

Für die beiden Fälle C1/C2 ~ 0 (entsprechend

C3!C4 ~ -l/cos C<) und C1/C2 ~ 00 (entsprechend

die

funktionen gf~) und gi;) in Bild 6 dargestellt. Wir

erkennen, daß die Orthogonalität der Eigenfunktio- . nen in dem einfachen Fall der H 11~Entartungmit der räumlichen Orthogonalität der Feldlinienbilder zusammenfällt. Eine genauere Untersuchung der GI. (62) zeigt, daß wir die Gesamtheit aller ortho- gonalen Funktionenpaare . dadurch erhalten, daß wir eines der orthogonalen Paare in Bild ß als Ganzes um einen beliebigen vVinkel verdrehen. Bei einer Entartung können grundsätzlich zwei

Fälle auftreten. Entweder gehören beide Eigen- funktionen nach unserer Klassifizierung zur gleichen Klasse oder zu verschiedenen Klassen. Bei den Lösungen der Klasse 1, die den L~Typen entsprechen, kann nur der erste Fall vorkommen, weil diese Lö- sungen zum Eigenwert p = 0 gehören, der bei den

nicht möglich ist 21 . Die Entartung

des Eigenwertes p = 0 tritt bei einem Wellenleiter mit mehreren Innenleitern (einer abgeschirmten "Mehrfachleitung") auf. Physikalisch bedeutet diese Entartung, daß die Spannungen der n Innenleiter gegenüber dem Außenleiter willkürlich gewählt werden können und dabei n linear unabhängige Feldverteilungen entstehen. Wir wollen diesen Fall im folgenden nicht näher betrachten. Von besonderem Interesse ist eine Entartung, bei der die eine EigenflUlktion gi;] der Klasse 2 an- gehört, die andere Eigenfunktion gi;) der Klasse 3 22.

übrigen Klassen

C3/C4 =

-

cos a)

sind

resultierenden

Eigen~

21 Bei dem Eigen-wertproblem Cl. (50), dessen Lösungen zur Klasse 3 gehören, ist zwar auch der Eigemvert p = 0

möglich. Zu ihm gehören aber die trivialen Eigenfunktionen

lJI p =

22 Charakteristische Beispiele sind die Entartung zwi·

Rechteckhohlleiters

und Hon-Typen des

sehen den E mn - und Hmn-Typen des (m, n"* 0) sowie zwischen den E1w runden Hohlleiters.

const und gtp =

O.

510 H. J. BUTTERWECK: ANREGUNG ELEKTROMAGNETISCHER WELLENLEITER

A.E.ü.Band16

[1962], Heft 10

U 1 = I U11 e j 30 0 in Verbindung mit der ersten Skizze

in Bild 7, daß zum Zeitpunkt rot = _30" das elek- trische Transversalfeld E t gerade die dort dar~ gestellte Richtung und den maximalen Betrag hat. Eine halbe Periode später (rot ~ + 150°) hat E t die entgegengesetzte Richtung und wieder den Maximal~ wert. Im Fall der Koaxialleitung gelangen wir zu den gleichen Aussagen, wenn wir einen vom Innen- zum Außenleiter weisenden Bezugspfeil der Span-

nung angeben.

@

gtlIL-Typ)

@

gt2 iH 11 J

®

g{~JIH11J

©

ggl(H 21 J

@

gf1 I (I-/ 11 )

~

gi 1 lll-l o1 )

@

gt2([01)

@

g~2~[E11J

------

@

gi~IH211

©

g~LIE11J

[[[]

gt1 lH lO)

~

gi~IE

11 )

§

Bt2 (H Oi )

[[]I]

gu( H 20 J

~

gi~IH 1j )

Bild 7. Stilisierte Feldlinienbilder der Eigenfunktionen gt'v fÜl' gebräuchliche Querschnitte und die niedrigsten Eigemverte.

Durch das Feldlinienbild für gtv ist auch e z X gtv vorzeichenmäßig festgelegt, d. h., der Bezugspfeil für den Strom ist nicht mehr frei wählbar. Dieser ergibt sich vielmehr derart, daß nach Abschnitt 4 die in +z-Richtung von der 'V-ten Teilwelle trans- portierte Wirkleistung gerade den Wert

P ~~Re(U,l;)

hat. Es sei noch bemerkt, daß bei den Lecherwellen auf Wellenleitern mit Innenleiter (z. B. Koaxial- leitung) die zugehörige Spannung U 1 und der Strom 1, gemäß GI. (63) bzw. (64) nicht mit den üblich definierten Größen Spannung und Strom überein- stimmen. Sie unterscheiden sich von diesen um konstante Faktoren, die von den Abmessungen der Leitung abhängen. Die hier gewählten Definitionen

führen stets zu einem Wellenwiderstand (Verhältnis

U I /I I bei einer in +z-Riehtung fortschreitenden

Welle) der Größe Zo ~ 377 Q. Wir kommen darauf im Abschnitt 3.1 noch zurück. Mit Hilfe von GI. (63) und (64) können wir aus

den Spannungen U,(z) und den Strömen l,(z) die

Transversalfelder E t (x, y, z)

nen. Mit GI. (29) können wir auch umgekehrt die

Spannungen und Ströme an einer Stelle z aus den

uud H t (x, y, z) berech-

Transversalfeldern berechnen:

U,(z) ~.rE t gt,dA,

l,(z) =

(,)

.r H t · (e, X gt,) dA.

('I

(69)

(70)

Die Integrationen sind über den durch die Ko~ ordinate z gekennzeichneten Querschnitt zu er- strecken. Wir wollen nun aus den Differentialgleiohungen des elektromagnetischen Transversalfeldes GI. (22) und (23) Beziehungen zwischen den Spannungen und Strömen herleiten. Zu diesem Zweck multi- plizieren wir zunäohst GI. (22) mit einer beliebigen Eigenfunktion gtv und integrieren den gesamten Ausdruck über eine Querschnittsebene (z):

jro BO JE t · gt,dA ~ :z J(e, X H t gt,dA-

(z)

(z)

-

-

1_

]ro,uo.

[rot' rot' E t . gt, dA +

(71)

(,)

+ .r[- rot' (e, 111,) -

(vi

5 t

-

j ü) co Pt] . gt, dA -

Das Integral auf der linken Seite ist gleich U, (z), das erste Integral auf der rechten Seite ist wegen

(e, X H t ) . gt, =

-

H t . (e, Xgt,)

gleich - Iv (z). Das zweite Integral der rechten Seite wird umgeformt mit Hilfe der Ideutität

div' (E, X rot' gt, -

g" X rot' ~t) ~

= -

E t . rot'rot' gtv + gtv' rot' rot' E t ·

Durch Integration über den Querschnitt und An- wenden des Gaußschen Satzes erhalten wir

.r gt,· rot' rot' E t dA =

(z)

.r E t rot'rot' gt, dA +

(z)

+ ep (E t X rot' gt, -

(vi

gt, X rot' Etl· nds.

Das letzte Integral ist über den Rand des Quer- schnitts zu erstrecken. Hier verschwindet wegen

(gt, X rot' Etl . n

~

-

rot' E t (gt, X n)

und

ersten Term schreiben wir um auf die Form

0 (GI. (25c)) der zweite Term. Den

gt, X n

=

ep -

(,,

(E t X n) . rot'gt,ds.

Bei der Auswertung des ersten Integrals der

rechten Seite ist zu berücksichtigen, weloher der drei Klassen die Eigenfunktion angehört. Bei den Eigenfunktionen der Klassen I und 2 (L- bzw. E-Typen) versohwindet das Integral wegen rot' gtv

Klasse 3

(H-Typen) gilt wegen div' gt, ~ 0 die Beziehung

=

O.

Bei

den

Eigenfunktionen

der

rot' rot' gtv = grad' div' gtv -

ß'gtv = -ß'gtv

und unter Berücksichtigung von GI. (25a)

-ß'gtv =

p;gtv.

512 H.

.I. BUTTERWECL ANREGUNG ELEKTROMAGNETISCHER WELLENLEITER

A.E.Ü.Band16

[1962], I-Ieft 10

( -j W,uO -~)

J W So

I,(z)

~

~

-d d

z

U,(Z) -

~E,gt,· nds-

(,)

-f (~+ J W p,) div' gt,dA +

cO

(,)

+ j w,uo JMt· (e, X gt,) dA.

(,)

(75)

Für L- und H .Typen ergibt sich dagegen mit div'gt, = 0:

-jw,uoI,(z)~:ZU,(Z)-ctE,gt,·nds+ (76)

+ j w,uo JMt· (ez X g,,)dA.

(z)

Gl (75) bzw. (76) ist die zweite Beziehung (neben GI. (72) bzw. (73)) zwischen U, und I,. Wir haben also für jeden Feldtyp (gekennzeichnet durch den Index v) zwei gekoppelte Differentialgleichungen für die Spannung Uv und den Strom I v vor uns.

Ihre Lösung bei vorgegebenen Anregungsgrößen

S, P, M sowie E tang wird uns im nächsten Abschnitt beschäftigen. Wir stellen hier nur fest, daß sich die

komplizierten vektoriellen, partiellen Differential- gleichungen des elektromagnetischen Feldes (GI. (22) und (23)) durch die Reihenentwicklungen nach Orthogonalfunktionen auf skalare, gewöhnliche Differentialgleichungen reduziert haben. "Venn die Anregungsgrößen vorgegeben sind ("eingeprägte Anregung") und nicht von den Feldern im Inneren der Leitung hervorgerufen werden L,gesteuerte An- regllllg"), so sind die Differentialgleichungspaare für die verschiedenen Feldtypen untereinander ent~ koppelt, d.h. in jedem Gleichungspaar kommen nur Spannung und Strom eines Feldtyps vor. Dadurch wrrd ihre Lösung außerordentlich vereinfacht. Wegen der Ahnlichkeit mit den bekannten Glei- chungen angeregter Doppelleitungen bezeichnen wrr diese gewöhnlichen Differentialgleichungen als verallgemeinerte Leitungs- oder Telegraphenglei- chungen 26. Auf die Analogie zur Leitungstheorie kommen wir im nächsten Abschnitt ausführlich zurück, wenn wir diese Differentialgleichungen lösen. Der Übersichtlichkeit halber stellen wir für die verschiedenen Feldtypen diese Gleichungen noch einmal zusammen. VVir benutzen dazu die Ab- kürzungen:

 

(77)

 

J

eo #0

(z)

P'2(Z)

 

-

JjyI,e,· rot' gt,dA,

cz)

(78)

 

P,,(z)

-

J(S, + jw eoPt)· g"dA,

(79)

 

cz)

Q,,(Z)

~ ~Ezgt,·nds,

(80)

26

(z)

nach S. A. SCHELKUNOFF [4].

Q'2(Z) = r(~ +P,) div' g"dA,

Q'3(Z)

~

cz)

-

JeoEo

j w,uo JMt· (e, X gt,) dA.

cz)

(81)

(82)

Die GI. (72), (73), (75) und (76) gehen dann über in die Gleichungen:

für L-Typen

jW80U,(Z)~-:z I,(Z) + P,,(Z) ,

(83a)

jw,uoI,(z) ~ -

:z U,(Z) + Ql1(Z) + Q13(z); (83b)

für E-Typen

jweo U,(z) ~ -

(~ I,(z)

+ P,,(z) ,

(84a)

(jw,uo+ j~;8JI,(z)~

(84b)

~

-

d -d U,(z) + Q,,(Z) + Q'2(Z) + Q,,(z);

z

für H-Typen

( j w 80 + ~L.)U,(z)

JeoJ.lo

~

(8"

oa

)

~

-

d dz I,(z) + P,,(Z) + P'2(Z) + P'3(Z) ,

jw,uoI,(z) ~-

:z U,(z) + Q,,(Z) + Q,,(z). (85b)

Die in GI. (77) bis (82) definierten Größen P,,(z) und Q,; (z) sind ein Maß für die in der Einleitung be- sprochenen, verschiedenen Anregungsarten. Die An- regung gemäß 1b (tangentiale elektrische Felder) ·wird durch die Ausdrücke Pd und Qj1l beschrieben, und zwar enthält P:vl die transversale Komponente

von

Die Anregung gemäß 2 a und 2 c (elektrische Dipole und Ströme) wrrd dUTch die Ausdrücke P:v3 (Trans- versalkomponenten von Sund P) und Q:v2 (z-Kom- ponenten von Sund P), die Anregung gemäß 2 b (magnetische Dipole)wrrd durch die Ausdrücke P:v2 (z-Komponente von M) und Q:v3 (Transversal- komponente von M) beschrieben. Die Anregung gemäß 1a (elektrische/magnetische Transversalfelder) drückt sich dagegen inden Differentialgleichungen nicht aus. Jedoch sind die Randbedingungen der Differentialgleichungen von den in einer oder zwei Querschnittsebenen auf- geprägten Transversalfeldern abhängig. Geben ,viI- z. B. das elektrische und magnetische Transversal~ feld E t bzw. H t in einer Querschnittsebene Zl vor, so lassen sich daraus mit Hilfe der GI. (69) und (70) alle Spannungen U:v und Ströme Iv an der Stelle zi berechnen. Odor geben wir das elektrische Trans~ versalfeld in zwei Querschnittsebenen ZI und Z2 vor,

E tang 27 und Q:vl dic z-Komponente von E tang .

27

E t x

n

=

Ettang x n.

Die

E t gibt keinen Beitrag zu Et X n.

Normalkomponente

von

514 H. J. BUTTERWECIC ANREGUNG ELEKTROMAGNETISCHER WELLENLElTER

A.E.ü.Band16

[1962], Heft 10

Q,,(Z) ~ ~E,grad''1',·(n X e,)ds ~

=

(,)

J,

':YE, iJ8 ds ~ -

0'1',

(z)

(100)

J, oE,

':Y iJ8 '1',ds,

(z)

0/08 bedeutet die Ableitung in Richtung des Tan·

genteneinheitsvektors (n X ez),

Q,s (z) =

-

j co!'o J '1', div' Mt dA +

(,)

+ jco!,o ~'1', Mt . nds.

(,)

(101)

Nachdem wir die Transversalkomponenten E t und

ent·

die Koeffizienten U 11 und 1 11 dieser

Reihen gewisse Differentialgleichungen hergeleitet haben, verbleibt nun noch die Aufgabe, auch

für

Reihenentwicklungen anzugeben. Nach den Aus- führungen des vorigen Abschnittes stehen uns für die Entwicklung solcher skalarer Funktionen zwei orthogonale Funktionensysteme, nämlich die CPpund P v , zur Verfügung. Im einzelnen machen wir die für unsere Zwecke geeigneten Ansätze

H t des elektromagnetischen Feldes in Reihen

wickelt und für

die

longitudinalen Komponenten E z

und

Hz

E,(x,y,z) ~ L,F,(z)<P,(x,y),

11~' 1

=

Hz(X, y, z) ~ L, G,(z) '1',(x, y),

11 ,= 1

(102)

(103)

,vobei sich die Entwicklungskoefflzienten gemäß GI. (45) bzw. (56) aus den Gleichungen

F,(z) = p; J E,<P,dA,

(104)

(,)

G,(z) =

p; J Hz '1', dA

(z)

(105)

berechnen lassen. Wir werden nun zeigen, daß die Koefflzienten F p (z) in enger Beziehung zu den

Strörnen der E.Typen und die Koeffizienten G, (z)

in enger Beziehung zu den Spannungen der H-Typen stehen. Zu diesem Zweck führen wir zunächst in GI. (104) die Beziehung (20) ein:

J<p,ez' rot' HtdA -

(z)

_

F,(z)

~

. p;

J w Co

(10

p; J(~+P,) <P,dA.

J0) So

6)

Mit der Identität

div'(e, <P, X H t ) ~Ht' rot'

(z)

(e, <P,) -

H t · (grad' <P, xe,) -

~

(ez <P,). rot' Ht~ (e, <P,). rot' H t

und der Bedingung (pp = 0 auf dem Rande erhalten wir für das erste Integral

I <P, e,' rot' H t dA

(:z)

~ J H t · (grad' <P, X e,) dA.

(z)

Dieses Integral stellt aber bei E.Typen mit gt,

= grad'(P'/l gerade den negativen Strom - I'/I(z) des v·ten Feldtyps dar. Aus GI. (106) folgt also

F,(z) =

-

. p;

I,(z) -

p; J(~+pz)<p,dA

Jweo

und mit GI. (94):

(z)

Jweo

p;

F,(z) = --. -I,(z) + Q"(z).

J W cO

(107)

(108)

Entsprechend führen wir in GI. (105) die Beziehung (21) ein:

G'/I (z) =

-

p2

-.--'- f lJf ll ez . rot' E t dA -

J CtJ /ho

(z)

-

p; J lvI, '1', dA .

(z)

Mit der Identität

(109)

div' ('1', e,

X E,) =

Et 'rot' (ez '1',) -

(ez '1',) . rot'

E t =

~Et' (gmd''1', Xe,)

-(e,'Jf,) . rot'

E t

erhalten wir für das erste Integral

J '1',e,' rot' EtdA

(z)

~ JEt· (grad' '1', X ez) dA -

(z)

- ~'1',(e, X E t )· nds ~

(z)

~ - I Et'(e,xgrad''1',)dA+

Das Integral

(,)

+ ~E t ' (e, X n) '1',ds.

(z)

JEt' (e, X grad' '1',) dA

(z)

stellt aber bei H-Typen gerade die Spannung U'/I des v·ten l<'eldtyps dar, so daß wir aus GI. (109) die Be,

ziehung p;

G,(z) ~

jw!,o

U,(z) -

(110)

-~ ~Et'(e, X n)'1',ds-p;j 1lI,'1',dA

J W /ho

(z)

(z)

und mit GI. (97) und (98) die Beziehung

G,(z) =

~

2

J w 1'0

U,(z) -

P,,(Z) -

P,2(Z) (lll)

gewinnen.

Aus den GI. (108) und (lll) folgt, daß wir die z-Komponente der elektrischen und magnetischen :Feldstärke berechnen können, wenn wir die Span~ nungen und Ströme im vVellenleiter kennen, d. h. die Differentialgleichungeu (83) bis (85) gelöst haben. In Verbindung mit deu GI. (63) und (64) ist dann das gesamte elektromagnetische :Feld im Inneren der Leitung bekannt.

(Die Arbeit wird im Heft 11 fortgesetzt.)