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Chemnitz

Technische Universität Chemnitz

Stabilisierung der Europäischen Währungsunion und Implikationen für Private Geldanlage

„Kommt der nächste Schwächeanfall?“ – Entwicklung eines Ratingsystems und Bewertung der krisenge- schüttelten PIIGS-Staaten

Betreuender Hochschullehrer:

Prof. Dr. Friedrich Thießen

Studentische Teammitglieder:

Tudor Costin Stefan Gliesche Patrick Haubold Jonas Ludwig

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

„Kommt der nächste Schwächeanfall?“ – Entwicklung eines Ratingsystems und Bewertung der krisengeschüttelten PIIGS-Staaten

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

IV

TABELLENVERZEICHNIS

V

1 EINLEITUNG

- 1 -

2 DIE PIIGS-STAATEN

- 2 -

2.1 PORTUGAL

- 3 - - 3 - - 4 - - 5 - - 5 - - 5 - - 5 - - 6 - - 7 - - 8 -

2.1.1 WIRTSCHAFTSHISTORIE

2.1.2 AUSWIRKUNGEN DER FINANZKRISE

2.1.3 AUSGEWÄHLTE MAKROÖKONOMISCHE KENNZAHLEN

2.1.4 BESONDERHEITEN DES WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN UMFELDS

2.2 IRLAND

2.2.1 WIRTSCHAFTSHISTORIE

2.2.2 AUSWIRKUNGEN DER FINANZKRISE

2.2.3 AUSGEWÄHLTE MAKROÖKONOMISCHE KENNZAHLEN

2.2.4 BESONDERHEITEN DES WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN UMFELDS

2.3 ITALIEN

 

- 8 - - 8 - - 9 - - 10 - - 10 -

2.3.1 WIRTSCHAFTSHISTORIE

2.3.2 AUSWIRKUNGEN DER FINANZKRISE

2.3.3 AUSGEWÄHLTE MAKROÖKONOMISCHE KENNZAHLEN

2.3.4 BESONDERHEITEN DES WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN UMFELDS

2.4 GRIECHENLAND

-

11 -

2.4.1 WIRTSCHAFTSHISTORIE

- 11 -

2.4.2 AUSWIRKUNGEN DER FINANZKRISE

 

- 12 - - 13 - - 13 - - 14 - - 14 - - 15 - - 16 - - 16 - - 17 -

2.4.3 AUSGEWÄHLTE MAKROÖKONOMISCHE KENNZAHLEN

2.4.4 BESONDERHEITEN DES WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN UMFELDS

2.5 SPANIEN

2.5.1 WIRTSCHAFTSHISTORIE

2.5.2 AUSWIRKUNGEN DER FINANZKRISE

2.5.3 AUSGEWÄHLTE MAKROÖKONOMISCHE KENNZAHLEN

2.5.4 BESONDERHEITEN DES WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN UMFELDS

2.6 ZUSAMMENFASSUNG DER PROBLEMATIK DER PIIGS-STAATEN

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3 ARTEN DER LÄNDERRISIKOBEWERTUNG

18

3.1 DER „EASE OF DOING BUSINESS“- INDEX

19

3.2 DER

PEREN-CLEMENT-INDEX

20

3.3 BERI-INDEX

21

3.4 DER RATINGPROZESS NACH STANDARD & POORS

23

3.5 RATINGPROZESS NACH MOODYS

24

4

RATINGMODELLENTWICKLUNG

25

4.1 ZIELSETZUNG UND BESCHRÄNKUNGEN DES BETRACHTUNGSBEREICHES

25

4.2 KENNZAHLENDEFINITIONEN

26

4.3 RECHERCHE DER STATISTISCHEN DATEN

29

4.4 BEGRENZUNG DER ZIELLÄNDER

29

4.5 AUSFALLWAHRSCHEINLICHKEIT UND ÜBERRENDITE

30

4.6 AUSWERTUNG DER ERGEBNISSE

32

4.7 FEHLERANALYSE

35

4.7.1 EINFACHHEIT UND SUBJEKTIVITÄTSFREIES RATING

35

4.7.2 DATENERMITTLUNG UND DATENQUALITÄT

36

4.7.3 FEHLER BEI DER BERECHNUNG UND SCHÄTZUNG

36

4.8 KRITISCHE WÜRDIGUNG UND MÖGLICHE VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE

37

4.8.1 EIGENE DATENERHEBUNG

37

4.8.2 MITTELWERT, AUSFALLWAHRSCHEINLICHKEIT UND ÜBERRENDITE

37

4.8.3 GEWICHTUNG

38

5 LTE-RATING VS. MOODY’S

38

6 FAZIT UND ZUSAMMENFASSUNG

39

LITERATURVERZEICHNIS

VI

INTERNETQUELLENVERZEICHNIS

VII

ANHANG

A

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ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

CDC

Credit Default Swap

CPI

Corruption Perception(s) Index

EU

Europäische Union

EWG

Europäische Wirtschaftsgemeinschaft

EG

Europäische Gemeinschaft

BIP

Bruttoinlandsprodukt

LTE

Long-Term-European

PIIGS

Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien

S&P

Standard & Poor’s

OECD

Organisation for Economic Co-operation and Development

III

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ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1 – Verteilungsfunktion

IV

37

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TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1 – kumulative Sovereign Default Rates von Moody’s (1983-2009)

31

Tabelle 2 – Anpassung LTE-Rating und Moody’s

31

Tabelle 3 – Ausfallquoten für das LTE-Rating

32

Tabelle 4 – Überrenditen

32

Tabelle 5 – Ergebnisse des LTE-Ratings

33

V

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1 EINLEITUNG

„Es besteht aktuell die Gefahr, dass wir wieder in den alten Trott verfallen, von der übertriebenen Angst hin zu einer irrationalen Übertreibung“. (Gordon Brown, Ex-Premier von Großbritannien, Quelle: DER SPIEGEL) In Krisensituationen wird immer zuerst nach den Schuldigen für die missliche Lage gesucht, statt nach den wahren Ursachen und Wirkungen zu schauen. Aktuelle Botschaften und Nachrichten führen oft zu extremen Reaktionen und können die Lage noch verschlimmern.

Genau das passierte im März 2010 an den Finanzmärkten. Die Finanzkrise war noch nicht überstanden, schon bahnte sich eine neue Krise an, welche Eurokrise genannt wurde. Dabei wurde berichtet, dass Griechenland, als erster Staat der EU, seine Zinsen für ausgegebene Staatsanleihen nicht mehr tragen könne. Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang Ratingagenturen wie Moody's und Standard & Poor's geworden, welche mit ihren Ratings den Markt beherrschen. Dabei werden die unterschiedlichsten Anlagearten auf ihr Risiko und die mögliche Bonität des Schuldners bewertet. 1 Besonders prekär sind dabei gerade diese Ratings auf Staatsanleihen, welche mit zur Krise beitrugen. Moody's und Standard & Poor's bewerten im Rahmen ihrer Ratings mehr als 80% der Staaten auf ihre Bonität und mögliche Zahlungsausfälle. Dabei sind die Methoden in Verruf geraten. Die Ratings für die unterschiedlichen Staaten fallen oft unterschiedlich aus und viele Ratings werden, wenn sie zu schlecht ausfallen, einfach zurückgezogen. Zudem haben Ratingagenturen eine enorme Macht, welche im Verlauf der letzten Jahre immer weiter stieg. So kann das Urteil von ein oder zwei Rating Agencies die Finanzierung eines ganzen Staates beeinträchtigen und durch Spekulanten, welche die Situation des jeweiligen Staates ausnutzen wollen, sogar in eine Staatsinsolvenz treiben. 2 Ratingagenturen müssen in diesem besonderen Fall aus verschiedenen Faktoren heraus analysieren, ob und wie zahlungsfähig ein ganzes Land ist. Dabei spielen aber auch für langfristige Anleihen Faktoren eine Rolle, welche die Cash Flows in mehreren Jahren überhaupt nicht mehr beeinträchtigen. Trotzdem steigen die Risikoaufschläge für langfristige Anleihen weiterhin mit an.

1 Vgl.: o.A., Sind Ratingagenturen die Herrscher der Welt?, 2009,http://www.gegenfrage.com/sind-rating- agenturen-die-herrscher-der-welt/, Zugriff 03.03.2011

2 Vgl.: Hock, Nur jedes sechste Land ist ein erstklassiger Schuldner,2010,

http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc~EBC91645F13F64E099AD665

5596A05234~ATpl~Ecommon~Scontent.html, Zugriff 03.03.2011

-

1 -

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

Ziel der Arbeit Im Rahmen dieser Arbeit soll am Beispiel der PIIGS-Länder geklärt werden, ob unter einer langfristigen Betrachtung verschiedener Faktoren die Ergebnisse der Ratingagenturen ihre Richtigkeit behalten. Hierfür wird zuerst ein Überblick über historische Daten, die makroökonomische Lage und die Situation, welche durch die internationale Finanzkrise herrscht, aufgezeigt. Des Weiteren soll analysiert werden, was Ratingagenturen sind, wie diese arbeiten und bewerten, um welche alternativen Bewertungssysteme von Länderrisiken vorhanden sind. Zuletzt soll ein vereinfachtes, selbst erstelltes Ratingmodell eine Möglichkeit zur langfristigen Bewertung von Staatsanleihen aufzeigen und mögliche Risikoaufschläge und Ausfallwahrscheinlichkeiten für diese zu kalkulieren.

2 DIE PIIGS-STAATEN

PIIGS-Staaten - dieses Wortkonstrukt war im letzten Jahr in aller Munde. Dabei handelt es sich um eine Abkürzung, welche die Staaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien zu einem Wirtschaftsraum innerhalb der Euro-Zone zusammenfasst. Diese Ökonomien sind gekennzeichnet von besonderen Bonitäts- und Stabilitätsproblemen. Der Ursprung des Begriffes beruht auf einem satirischen Artikel eines britischen Journalisten, in welchem er ursprünglich nur Portugal, Italien, Griechenland und Spanien zu den so genannten „Pigs“-Staaten vereinte. 3 Der Autor merkte aber schon zu diesem Zeitpunkt an:

„I don’t want to upset anybody on the other side of the Irish Sea, but I should say that in some versions there are two i’s in Pigs.“ 4 Im Zuge der Finanz- und Eurokrise kam Irland schlussendlich als fünfter Staat mit möglichen Solvenzproblemen dazu. Oft wird der Begriff „PIIGS“ durch seine Ähnlichkeit mit dem englischen Wort Schwein, als abwertend angesehen, trotz allem konnte er sich seinen Weg in die Medien finden. 5 6

3 Vgl.: Smith, 2008, http://business.timesonline.co.uk/tol/business/columnists/article3998560.ece, Zugriff

04.03.2011

4 Smith, 2008, http://business.timesonline.co.uk/tol/business/columnists/article3998560.ece, Zugriff

04.03.2011

5 Vgl.: Scholz, PIIGS, Schwellenländer, Industrienationen – was Staatsanleihen bringen, 2010

http://www.dasinvestment.com/themenspecial/rentenfonds/news/datum/2011/02/25/piigs-

schwellenlaender-industrienationen-was-staatsanleihen-

bringen/?tx_ttnews[sViewPointer]=1&cHash=f7e915492e56b869c9e0f3ddcda9da4c, Zugriff 04.03.2011

6 Vgl.: Gallego-Díaz, Sentido de la realidad, 2010,

http://www.elpais.com/articulo/opinion/Sentido/realidad/elpepusocdgm/20100307elpdmgpan_6/Tes,

Zugriff 05.03.2011

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

Zum besseren Verständnis soll an dieser Stelle ein allgemeiner Überblick die Situation der einzelnen PIIGS-Staaten aufzeigt werden. Hierzu sollen die Bereiche der wirtschaftlichen Entwicklung in der Vergangenheit, wichtige makroökonomische Faktoren, die Lage durch die Finanzkrise und Besonderheiten der Länder, in Bezug auf deren Wirtschaftspolitik, betrachtet werden, um einen Überblick über die allgemeine Situation und deren Ursachen zu bieten.

2.1 PORTUGAL

2.1.1 WIRTSCHAFTSHISTORIE

Im Jahr 1974 befreite sich Portugal aus der Diktatur und wurde Republik 7 . Doch erst im Rahmen der zweiten Erweiterung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wurde die Republik an der Atlantikküste Mitglied der EWG. 8 Anfangs konnte sie von den Hilfszahlungen der EG profitieren und entwickelte sich mit hohem Tempo, trotzdem blieben viele strukturelle Probleme bestehen. Das Landesinnere war, im Gegensatz zu den Ballungsräumen an der Küste, weniger entwickelt und die Schulbildung stellte im ganzen Land ein Problem dar. 9 In den 1990er Jahren deutete sich ein kleines Wirtschaftswunder an. Die Wachstumsraten waren positiv und der Dienstleistungssektor wurde modernisiert. Portugal schüttelte das Image des Armenhauses Europas ab, auch wenn die Zunahmen größtenteils durch die EG ermöglicht werden konnten. Die Infrastruktur wurde modernisiert und die Arbeitslosigkeit war mit 4,5% eine der geringsten der EU. Viele Auswanderer kamen in das Land zurück und die Auslandsinvestitionen stiegen stark an. 10 Doch versuchte die Regierung mit hohen Zinsen die Inflation niedrig zu halten, um die Maastricht-Kriterien einhalten zu können. Darunter musste aber letzten Endes die Wirtschaftssituation leiden und das Staatsdefizit stieg immer weiter an. 11 1998 konnte Portugal schließlich die Kriterien des Maastricht-Vertrages erfüllen und schloss sich 2002 der Währungsunion an, wodurch der Euro als neue Währung in diesem Rahmen eingeführt wurde. 12 Doch war es auch Portugal, welches als erster EU-Staat den Pakt für Stabilität und Wachstum der Europäischen Union 13 verletzte. 14

7 Bekannt unter dem Namen Nelkenrevolution, näheres Vgl. Bernecker/Pietschmann Geschichte Portugals:

vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, 2.Auflage, München, 2001 S.120ff

8 Vgl.: Griller, Vom Schuman-Plan zum Vertrag von Amsterdam, keine Auflage, Wien, 2000 S. 96

9 Vgl.: o.A. , Lexikon: Portugal, http://www.spiegel.de/lexikon/54315044.html , Zugriff 06.03.2011

10 Vgl. :Schmid, Wirtschaftswunder im Armenhaus, 1992, http://www.zeit.de/1992/03/wirtschaftswunder- im-armenhaus Zugriff 06.03.2011

11 Vgl.: Zeller-Silva, Steinige Wegstrecke, 1995, http://www.zeit.de/1995/41/Steinige_Wegstrecke, Zugriff

06.03.2011

12 Vgl.: Krugman/Obstfeld, Internationale Wirtschaft: Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7.Auflage, München, 2009 S.748f

13 Dieser schreibt unter anderem ein Wachstum von nicht mehr als 3% des BIP vor.

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

Mitte der 2000er Jahre schien sich, durch die allgemeine Entspannung der Weltwirtschaft, die Wirtschaftslage zu erholen. Die OECD blickte, zwar noch mit Vorsicht, aber positiv auf die Entwicklung der Portugiesen und sagte Erfolgsjahre in 2006 und 2007 voraus. 15 Diese Erholung trat zwar ein, aber mit der internationalen Finanzkrise stand 2008 schon die nächste Krisensituation bevor.

2.1.2 AUSWIRKUNGEN DER FINANZKRISE

Portugal war nach dem Zusammenbruch Griechenlands ein weiterer Kandidat für ein

insolventes EU-Mitglied. Wie fast jedes andere Land wurde auch Portugal schwer von der Finanzkrise der vorangegangen Jahre getroffen. Die Staatsverschuldung stieg stetig und die Zinslast wurde damit einhergehend immer größer. Als Griechenland im Mai des Jahres 2010 den drohenden Staatsbankrott meldete, wurde schon wenige Monate später bekannt, dass Portugal erhebliche Probleme beim begleichen der Zinsforderungen haben könnte. Eine Insolvenz wäre die Folge gewesen. Durch den so genannten „Rettungsschirm“ der Europäischen Union konnte aber ein drohender Staatsbankrott abgewendet werden. 16 Die schwierige Situation der Anleihen Portugals lässt sich, wie auch bei den anderen PIIGS-Ländern, gut an den Risikoprämien ablesen. Durch die sinkende Bonität Portugals wurde die Prämie immer weiter erhöht. Am Ende des Jahres 2010 betrug diese schon 4,3% der Erträge bei Abschluss einer Kreditausfallversicherung (CDS auf 5 Jährige Anleihe), wohingegen er am Anfang des Jahres knapp an der 1%-Grenze schwankte. 17 Die gesamte Schuldlast der Portugiesen belief sich im Mai 2010 auf ca. 217 Milliarden Euro. Ein kleinerer Teil dieser Summe wurde in Gläubigerstaaten wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien mit einer Forderung von insgesamt ca. 91 Milliarden Euro erbracht. Das viel größere Problem ist aber, dass der iberische Nachbar Spanien - ein weiterer Wackelkandidat der Eurokrise - mit 65 Milliarden US-Dollar der Hauptgläubiger des kleinen südeuropäischen Landes darstellt. 18 Diese Problematik könnte zu einer Kettenreaktion führen, welche in der Lage ist, die ganze iberische Halbinsel in den Bankrott zu treiben. Und als weitere Konsequenz „[könnte] Das

also für die Zukunft Europas und damit auch für den

kleine Land Portugal [

]

14 Vgl.: o.A., Portugal ist Klassenletzter, 2002, http://www.stern.de/wirtschaft/news/sanktionen-portugal-ist- klassenletzter-261081.html, Zugriff 05.03.2011

15 Vgl.: OECD Wirtschaftsausblick, Ausgabe 2005/2, 2005

16 Vgl.: Hesse/Hoffmann, Zittern in Euroland , 2010, http://www.sueddeutsche.de/geld/finanzkrise-irland- und-portugal-zittern-in-euroland-1.1024188 , Zugriff 27.02.2011

17 Vgl.: Schulz/Braunberg, Kaum Handel mit Portugal und Co., 2010,

http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc~E0902896633FE457D9143789

C670F992F~ATpl~Ecommon~Scontent.html Zugriff 29.02.2011

18 Val.: Schwartz, In and Out of Each Other’s European Wallets, 2010, http://www.nytimes.com/2010/05/02/weekinreview/02schwartz.html?_r=1, Zugriff 03.03.2011

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

erfolgreichen Fortbestand der Gemeinschaftswährung Euro noch zum Zünglein an der Waage werden“. 19

2.1.3 AUSGEWÄHLTE MAKROÖKONOMISCHE KENNZAHLEN

Ähnlich wie bei Spanien kam es auch bei seinem kleinen iberischen Nachbarn zu einem Rückgang des BIP. Dieser sank 2008 (172 Milliarden Euro) zu 2009 auf das Niveau von 2007 (168 Milliarden Euro). War das Staatsdefizit in den Vorjahren eher gering, stieg dieses 2008 auf das Dreifache des Vorjahres (15 Milliarden Euro) an, was 9 % - gemessen am BIP - bedeutet. Die Staatsverschuldung stieg von 2008 bis 2009 um mehr als 10 Prozentpunkte auf 76% des BIP (127 Milliarden Euro). Somit ist zwar die Neuverschuldung geringer als in anderen südeuropäischen Ländern, doch nicht mehr mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt der EU vereinbar. 20

2.1.4 BESONDERHEITEN DES WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN UMFELDS

Portugal hatte schon vor Beginn der Finanzkrise mit Problemen durch internationalen Konkurrenzdruck zu kämpfen. Die Globalisierung und die geringe Dynamik der Wirtschaft sorgten für geringe Wachstumsraten und machten Portugal als Investitionsstandort weniger attraktiv. Im Zuge dessen erhöhten sich die Arbeitslosenzahlen, besonders für Berufseinsteiger und Langzeitarbeitslose. Die portugiesische Regierung versucht diese Defizite durch erhöhtes Technologieaufkommen, bessere Bildung bzw. Ausbildung als auch durch Investitionen in Forschung und Entwicklung auszugleichen. 21

2.2 IRLAND

2.2.1 WIRTSCHAFTSHISTORIE

Irland trat 1973, als der ärmste Staat, in die Europäische Gemeinschaft ein. 22 Nach den

desaströsen 1980er Jahren, welche von Massenarbeitslosigkeit und Auswanderungswellen gekennzeichnet waren, wurde in den 1990er Jahren der Begriff „Keltischer Tiger“ 23

19 Vgl.: Reich, Das Zünglein an der Waage, http://www.geld-magazin.info/finanzwissen/news/finanzkrise- portugal , Zugriff 12.03.2011

20 Vgl.: Allen, Zweite Datenmeldung zu öffentlichem Defizit und Schuldenstand für 2009, Eurostat- Pressestelle,2010, http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-15112010-AP/DE/2-15112010- AP-DE.PDF, Zugriff 12.03.2011

21 Vgl.: o.A., Wirtschaftspolitik, ohne Datum, http://www.auswaertiges- amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Portugal/Wirtschaft_node.html, Zugriff 28.02.2011

22 Vgl.: o.A., Irland: Land und Leute, http://www.ba-

auslandsvermittlung.de/lang_de/nn_3018/DE/LaenderEU/Irland/irland

28.02.2011

node.html

nnn=true, Zugriff

23 Analogie zu den hohen Wachstumsraten der südostasiatischen Staaten wie Südkorea und Singapur,

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

geprägt. Die Außenhandelsbilanz verbesserte sich schlagartig, wohingegen die Arbeitslosigkeit immer weiter abgebaut wurde. Das BIP stieg stark um 7,5% im Mittel an. Zwischen 1986 und 1999 wuchs das durchschnittliche Einkommen pro Kopf um mehr als 47% an und die Arbeitsproduktivität wurde deutlich erhöht. Zudem investierten immer mehr ausländische Unternehmen - besonders im Sektor der Hochtechnologie - in den lukrativen irischen Markt, eröffneten neue Produktionsstandorte und schufen somit viele neue Arbeitsplätze. Es wurden immer mehr gut ausgebildete Mitarbeiter aus anderen europäischen Staaten benötigt. Irland wurde vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland. 24 Ermöglicht wurde dieser Boom durch sehr niedrige Unternehmenssteuern, welche attraktiv auf ausländische Investoren wirkten und gut ausgebildetes Personal aus ganz Europa anzogen. 25 Bis 2007 war ein Gegentrend zu diesem Boom kaum absehbar. Irland mauserte sich sogar zum zweitreichsten Land Europas und überholte damit sogar seinen Nachbarn Großbritannien. Erst durch den Immobilienboom und die Subprime-Krise wurde dieses rasante Wachstum gestoppt. 26

2.2.2 AUSWIRKUNGEN DER FINANZKRISE

Kaum war zu erwarten, dass die Iren als erstes Land der Europäischen Gemeinschaft in eine Rezession abgleiten würden, denn bis dahin galt der Inselstaat als wachstumsstarker Wirtschaftsraum. Aber in der Mitte des Jahres 2008 geschah das vorher Unvorstellbare:

Irland gab bekannt, dass es sich in einer kontraktiven Phase - der ersten seit 25 Jahren - befand. 27

Vor der Finanzkrise boomte Irland. Die Wachstumsraten waren außerordentlich hoch und die Arbeitslosigkeit wurde immer weiter in Richtung Vollbeschäftigung abgebaut. Wo vor der Krise noch Tausende von Einwanderern aus anderen EU-Mitgliedsstaaten nach Irland drängten, um vom Wachstum der irischen Wirtschaft zu profitieren, kam es seit 2008 zu ersten Rückwanderungswellen und die Arbeitslosigkeit steigt stetig an. Zudem wurde

24

25

26

27

welche als Tigerstaaten bezeichnet wurden, Vgl. o.A., http://www.uni- protokolle.de/Lexikon/Keltischer_Tiger.html, Zugriff 11.03.2011

Vgl.: Fink , Länderanalyse Irland: Ein Erfolgsmodell auf dem Prüfstand, Internationale Politikanalyse, 2008, S. 1-2

Vgl.: o.A., Warum Irland so hart für seine Unternehmenssteuer kämpft, http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/22/0,3672,8143830,00.html, Zugriff 28.02.2011

Vgl.: Kröger, Irland rutscht als erstes EU-Land in die Rezession, 2008, http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,580464,00.html, Zugriff 28.02.2011

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

durch ein Bankenrettungsprogramm und Einlagengarantiesicherung die Staatsverschuldung weiter in die Höhe getrieben. 28 Viele Großkonzerne, welche zuvor durch ihre Investitionen zum Wohlstand des Inselstaates beitrugen, gaben die Schließung ihrer Werke aus Kostengründen bekannt. So wurde z.B. die Produktion von Dell in Irland 2009 gestoppt und die Produktionsstätte stillgelegt, um den Rationalisierungsplan des Konzerns durchzuführen und Arbeitsplätze einzusparen. 29 Ähnlich wie in Portugal stiegen auch in Irland die Risikoprämien für Kreditausfallversicherungen (CDS auf fünfjährige Anleihen) von 1 % im Januar 2010 auf 5,6% im Dezember. 30 Die irische Gesamtschuld belief sich hierbei auf ca. 870 Milliarden US-Dollar (654 Milliarden Euro), wobei Kreditgeber aus Deutschland und Großbritannien die Hauptgläubiger mit zusammen ca. 278 Milliarden Euro Gesamtforderungen waren. 31 Dieser Situation geschuldet, soll Irland den Schutz des 2010 beschlossenen „Rettungsschirms“ der EU erhalten, um eine mögliche Insolvenz zu verhindern. 32 Die Prognosen für Irland sind vage. Obwohl andere Stellen weniger zuversichtlich sind, berichtete die Deutsch-Irische-Industrie- und Handelskammer, dass das Wirtschaftswachstum „wieder einer Phase mit einem durchschnittlichen Wachstum von 4 % pro Jahr von 2011 bis 2014“ entgegensteuere. 33

2.2.3 AUSGEWÄHLTE MAKROÖKONOMISCHE KENNZAHLEN

Das kleine westeuropäische Mitgliedsland der Europäischen Union hatte wohl gesehen zur Größe der Gesamtwirtschaft die größten Einbußen zu verzeichnen. Von 2008 bis 2009 sank das BIP auf knapp 160 Milliarden Euro, wobei es im Vorjahr mit 190 Milliarden Euro errechnet wurde. Das Staatsdefizit hingegen bewegte sich gegenläufig und stieg auf 23 Milliarden Euro im Jahr 2010 an, wo noch 2006 ein Überschuss von 5 Milliarden Euro zu bilanzieren war. Der Schuldenstand erhöhte sich innerhalb von einem Jahr auf ca. 105 Milliarden Euro, also auf mehr als 65 % des BIP. Diese Erhöhung bedeutete eine neue

28 Vgl.: o.A., Wirtschaft, http://www.auswaertiges- amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Irland/Wirtschaft_node.html, Zugriff 28.02.2011

29 Vgl.: Wilkens, Dell schließt Prodution in Irland, 2009 http://www.heise.de/newsticker/meldung/Dell- schliesst-Produktion-in-Irland-195110.html, Zugriff 28.02.2011

30 Vgl.: Schulz/Braunberg, Kaum Handel mit Portugal und Co., 2010,

http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc~E0902896633FE457D9143789

C670F992F~ATpl~Ecommon~Scontent.html Zugriff 29.02.2011

31 Val.: Schwartz, In and Out of Each Other’s European Wallets, 2010, http://www.nytimes.com/2010/05/02/weekinreview/02schwartz.html?_r=1, Zugriff 03.03.2011

32 Vgl.: Hesse/Hoffmann, Zittern in Euroland, 2010,http://www.sueddeutsche.de/geld/finanzkrise-irland- und-portugal-zittern-in-euroland-1.1024188 , Zugriff 03.03.2011

33 Vgl.: AHK,Wachstum kehrt 2011 nach Irland zurück, 2010, http://irland.ahk.de/index.php?id=ahk_irland&L=0, Zugriff 12.03.2011

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Schuldlast von mehr als 25 Milliarden Euro innerhalb eines Jahres. Im Vergleich zu 2006 haben sich die Schulden des irischen Staates mehr als verdoppelt. 34

2.2.4 BESONDERHEITEN DES WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN UMFELDS

Die irische Wirtschafts- und Finanzpolitik galt lange Zeit als eine der am wenigsten regulierten in Europa und zog deswegen viele Unternehmen, Banken und Investoren in den Inselstaat. Zudem galten die Unternehmenssteuern als extrem gering gegenüber dem europäischen Durchschnitt. Somit machte sich Irland sehr stark von ausländischen Direktinvestitionen abhängig. Diese Ausrichtung der Politik, gepaart mit der Abhängigkeit von Auslandsinvestitionen, führte dazu, dass Irland am stärksten von der Krise getroffen wurde und die Wirtschaftspolitik sich in den nächsten Jahren stark ändern könnte. 35

2.3 ITALIEN

2.3.1 WIRTSCHAFTSHISTORIE

In den späten 1970er Jahren kam die italienische Wirtschaft in die Phase des Postindustrialismus. Dabei wurden drei Regionen unterschieden. Die erste Region befand sich im Nordwesten des Landes, welche hauptsächlich von Großindustrie dominiert wurde. Der Süden Italiens wurde als zweite Region bezeichnet, in diesem Areal konnte die Industrialisierung keine größere Wirkung zeigen. Der nordwestliche Bereich der Apenninenhalbinsel hingegen konnten, neben der großindustriellen Produktion, auch kleine handwerkliche Betriebe in großer Zahl überleben. In dieser Zone zeichnete sich ein kleines Wirtschaftswunder ab. Zahlreiche klein- und mittelständische Unternehmen wurden in einem Prozess der diffusen Industrialisierung 36 gegründet, welche sich hauptsächlich im Export-, Dienstleistungs-, Medizintechnologie- und Verarbeitungssektor ansiedelten. Dies führte dazu, dass in Krisenzeiten der Großbetriebe die italienische Wirtschaft mit besseren Bilanzen als andere europäische Staaten überzeugen konnte. Nach der Umstellung auf wenig energieintensive Produktionsweisen wurde die Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen zur Energiegewinnung in den 1980er Jahren deutlich reduziert. Zudem wurde ein Bauverbot für neue Atomkraftwerke erlassen und der Ausstieg aus der Atomenergiegewinnung beschlossen. Als Ausgleich wurden

34 Vgl.: Allen, Zweite Datenmeldung zu öffentlichem Defizit und Schuldenstand für 2009, Eurostat- Pressestelle,2010, http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-15112010-AP/DE/2-15112010- AP-DE.PDF, Zugriff 12.03.2011

35 Vgl.: Jungclaussen, Arbeitslos und abgebrannt in Dublin, 2009, http://www.zeit.de/2009/10/Irland, Zugriff 06.03.2011

36 Abgeleitet aus dem Italienischen von industrializzazione diffusa

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Thermalkraftwerke gefördert, um den Energiesektor unabhängiger zu machen. Anfang der 1990er Jahre erstarrte die italienische Wirtschaft zusehends. Die Bestimmungen des Maastricht-Vertrages konnten nicht mehr eingehalten werden. Auf Grund dieser Tatsache verließ Italien kurzzeitig sogar den Währungsbund, wertete den Lira ab, führte weitere Konsolidierungsmaßnahmen durch und schloss sich diesem später wieder an. Die Probleme der Wirtschaft und Struktur Italiens waren danach immer noch gravierend. Die Staatsschulden stiegen in den 1990er Jahren auf ein bedenkliches Niveau von bis zu 125% (1994). Zwar wurde der Staatshaushalt in den späten 1990 Jahren konsolidiert, dies wurde aber durch die hohen Defizite seit 2001 zu Nichte gemacht. Zudem sind die Forschungsausgaben der Italiener verschwindend gering, die Infrastruktur ist marode und andere Probleme wie Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft gestalten die wirtschaftspolitische Lage als problematisch. 37

2.3.2 AUSWIRKUNGEN DER FINANZKRISE

Auch Italien wurde durch die Finanzkrise schwer getroffen, nur ist die Wahrnehmung in der Bevölkerung, Politik und Presse eine andere. Obwohl die Börse in Mailand schwere Einbußen zu verzeichnen hatte, wurde die Konzentration auf andere Probleme gelenkt. So hat die Republik auf der Apenninenhalbinsel mit anderen Schwachstellen zu kämpfen, welche struktureller, demografischer und politischer Natur sind und deren Sachverhalte die Italiener von der Finanzkrise ablenken. Zwar wurden auch in Rom Pläne für eine Bankenrettung beschlossen, diese waren aber eher halbherzig und dienten nur zu Absicherung in Notfällen. Die Komplikationen in der italienischen Wirtschaft bleiben trotz allem bestehen. Diese rühren aber nicht von einer möglichen Insolvenz Italiens, denn die Zahlungsfähigkeit ist durchaus vorhanden, sondern vielmehr von einer Stagnation des Wachstums und den ausbleibenden wirtschaftspolitischen Konsequenzen, welche daraus folgen. 38

Der gewaltige Schuldenberg der Italiener ist zum Großteil von französischen (511 Milliarden US-Dollar) und deutschen (144 Milliarden US-Dollar) Kreditgebern finanziert worden. 39

37 Vgl.: Jansen, Italien seit 1945, Göttingen, 2007 , S . 81f

38 Vgl.: Schümer , Genies am Rande des Abgrunds, 2008,

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~ED96099105F464D4A881BA

E956AC43DF9~ATpl~Ecommon~Scontent.html, Zugriff 03.03.2011

39 Vgl.: Schwartz, In and Out of Each Other’s European Wallets, 2010, http://www.nytimes.com/2010/05/02/weekinreview/02schwartz.html?_r=1, Zugriff 03.03.2011

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Die Risikoprämie (CDS für 5-jährige Anleihen), welche für italienische Staatsanleihen gezahlt werden muss, wurde auch im Verlauf des Jahres 2010 deutlich nach oben gesetzt, konnte sich aber stabilisieren, ähnlich wie bei den spanischen Anleihen. Dadurch wurden die Anleger anfangs verunsichert und der Handel mit diesen Titeln erschwert, trotzdem blieb der Markt für italienische Government Bonds intakt. 40

2.3.3 AUSGEWÄHLTE MAKROÖKONOMISCHE KENNZAHLEN

Gemessen am BIP ist Italien – mit 1520 Milliarden Euro für das Jahr 2009 – der größte der

PIIGS-Staaten. Verglichen mit dem Vorjahr ist es nur leicht rückläufig gewesen (1580 Milliarden Euro) und sogar größer als 2006 vor der Finanzkrise (1485 Milliarden Euro). Das Niveau des Haushaltsdefizits 2009 lag mit 80 Milliarden Euro überdurchschnittlich über denen von 2008 mit 43 Milliarden Euro und 2007 mit 23 Milliarden Euro, aber gemessen am BIP mit 5% Neuverschuldung im europäischen Durchschnitt. Erwähnenswert ist der Schuldenstand Italiens, denn mit 1763 Milliarden Euro ist Italien neben Griechenland das einzige Mitglied der Europäischen Union, bei dem die Schuldquote gemessen am BIP mit 116% bei über 100% liegt. 41

2.3.4 BESONDERHEITEN DES WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN UMFELDS

Italien stellt eine Besonderheit unter den PIIGS-Staaten dar. Seine Probleme werden nicht durch die Illiquidität der Staatskasse, sondern durch verschiedene politische Faktoren hervorgerufen. Eine schwerfällige Bürokratie, ein sich herauskristallisierendes System von oligarchischen Großunternehmen, welche die Wirtschaftssektoren unter sich aufteilen und etliche Korruptions- und Politskandale sind unsichere Variablen für die Einschätzung der italienischen Wirtschafts- und Finanzsektoren. 42 43

40 Vgl.: Schulz/Ruhkamp, Risikoprämien werden in die Höhe getrieben, 2010,

http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc~E7959E865DD3149EFA4DBC3

82E2F0BB5B~ATpl~Ecommon~Scontent.html, Zugriff 11.03.2011

41 Vgl.: Allen, Zweite Datenmeldung zu öffentlichem Defizit und Schuldenstand für 2009, Eurostat- Pressestelle,2010, http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-15112010-AP/DE/2-15112010- AP-DE.PDF, Zugriff 12.03.2011

42 Vgl.: Schümer , Genies am Rande des Abgrunds, 2008,

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~ED96099105F464D4A881BA

E956AC43DF9~ATpl~Ecommon~Scontent.html, Zugriff 03.03.2011

43 Vgl.: Oddone. Italien versinkt in Korruptionsskandalen, 2010, http://www.euractiv.de/wahlen-und- macht/artikel/italien-versinkt-in-korruptionsskandalen-002765, Zugriff 05.03.2011

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2.4 GRIECHENLAND

2.4.1 WIRTSCHAFTSHISTORIE

1974 wurde Griechenland, nach der Militärdiktatur und vorherigem Bürgerkrieg, 44 zur Republik erklärt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Wirtschaft Griechenlands mit massiven Problemen zu kämpfen: Die Inflationsrate lag über 20 %, das Staatsdefizit und die Auslandsschulden waren enorm. Dazu kamen die Probleme, die aus der Ölkrise am Ende der 1970er Jahre resultierten. Diesen Umständen geschuldet, war die attische Republik zum Zeitpunkt des Beitritts in die EG 1981, eigentlich zu arm, um in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Trotzdem konnte die griechische Regierung durch Konsolidierungsmaßnahmen und andere geopolitische Faktoren den Beitritt erreichen. 45 In den 1980er Jahren sah die Wirtschaftsentwicklung durchaus positiv aus. Das Wirtschaftswachstum hatte annehmbare Werte, aber im Vergleich zu anderen Staaten Europas und unter Betrachtung der Mittel, die nach Griechenland flossen, war der Zuwachs zu gering. 1985 wurde ein Programm zu Stabilisierung der Wirtschaft beschlossen, welches zur Produktionssteigerung führen sollte. Trotzdem war die Situation desolat. Griechenland hatte gemessen am Produktionsniveau den schlechtesten Wert der OECD-Länder inne. Dazu kam eine ineffiziente Geldpolitik der griechischen Regierung, was wiederum zu hohen Inflationsraten führte. In den 1990er Jahren konnten die hohen Inflationsraten abgebaut werden, das Wirtschaftswachstum war fast immer positiv, trotzdem erreichte es nie das Niveau vieler anderer europäischen Nationen. Im Jahr 1998 wurde der Drachme in das Wechselkurssystem der EU integriert und eine weitere Strukturreform eingeläutet. Griechenland gelang es, alle Kriterien des Maastricht- Vertrages zu erfüllen und trat am 1. Januar 2001 in die Europäische Union ein, einhergehend mit der Einführung des Euro. 46 Anfang der 2000er Jahre waren die Hoffnungen, welche in Griechenland gesetzt wurden noch groß. Die Olympischen Spiele im Jahr 2004 sollten zusätzlichen Schub in die Wirtschaft bringen. 47 Das BIP konnte weiter zulegen und die Spiele in Athen brachten den erwarteten Schwung,

44 Gemeint ist der Griechischer Bürgerkrieg1946-1949, vgl. Tzermias , Neugriechische Geschichte, 3. Auflage, Tübingen, 1999, S.168ff

45 Vgl.: Antoniou, Die wirtschaftliche Entwicklung Griechenlands nach dem Zweiten Weltkrieg, ohne Ort ,2004 , S 16f

46 Vgl.: o.A. ,Die jüngere Entwicklung der griechischen Wirtschaft, http://alexschoeberl.al.funpic.de/wirtschatl.%20Entwicklung%20Griechenlands.pdf, Zugriff 05.03.2011

47 Vgl.: Karweil, Das Wunder von Athen, 2001, http://www.zeit.de/2001/48/200148_g-griechenland.xml Zugriff 06.03.2011

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wenn auch schwächer als erhofft. Trotzdem waren schon vor der Finanzkrise die Staatsverschuldung und das Haushaltsdefizit enorm und erfüllten nicht die Kriterien des Wachstums- und Stabilitätspaktes der Europäischen Union. 48

2.4.2 AUSWIRKUNGEN DER FINANZKRISE

Bereits im Januar 2010 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Bericht Unstimmigkeiten in den Daten, den Schuldenstand und das öffentliche Defizit betreffend. So soll es zu Abweichungen bei der Angabe der Werte der Institute gekommen sein und die griechische Regierung musste Stellung zu diesen nehmen. 49 Schon zu diesem Zeitpunkt waren schwere Komplikationen, die Zahlungsfähigkeit des griechischen Staats betreffend, absehbar. 50 Kurze Zeit später wurde die Kontrolle der EU übergeben und drastische Sparmaßnahmen angeordnet. Die Neuverschuldung sollte auf unter 3% des BIP gesenkt (Niveau 2009: 15,4 %) und der Europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt wieder eingehalten werden. 51 Doch Spekulanten formten für die griechische Regierung ein Umfeld, in dem die Sparzwänge schwer umsetzbar schienen. Die Risikozuschläge (CDS) für griechische Staatsanleihen wuchsen rapide und die Zinszahlungen an die Gläubiger konnten nicht mehr vom griechischen Staatshaushalt getragen werden. Diesen Umständen geschuldet, musste die griechische Regierung im April 2010 die anderen EU- Mitgliedsstaaten um Finanzhilfe bitten. 52 Die EZB akzeptierte ab dem Zeitpunkt auch Wertpapiere als Sicherheiten, welche eine niedrigere Bewertung durch Ratingagenturen bekamen, als üblicherweise vorgeschrieben. 53 Durch Verschiedene Sparmaßnahmen und Reformen sollten Einsparungen die Bonität des Landes wieder herstellen. So sollte z.B. das Renteneintrittsalter Schritt für Schritt auf 65 Jahre ab 2020 erhöht werden. Diese Reformen stießen jedoch auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung und somit kam es zu Massenprotesten und Streiks im ganzen Land. 54

48 Vgl.: o.A, Olympia 2004: Austro-Unternehmen stehen als Sieger bereits fest, 2004

http://www.wirtschaftszeit.at/startseite/startseite-detail/article/olympia-2004-austro-unternehmen-stehen-

als-sieger-bereits-fest , Zugriff 06.03.2011

49 Vgl.: Europäische Kommission , Bericht zu den Statistiken Griechenlands über das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand, KOM(2010) 1 endgültig , Brüssel,2010

50 Vgl.: Griechenland beunruhigt uns sehr, Berschens, 2009,

http://www.handelsblatt.com/politik/international/griechenland-beunruhigt-uns-sehr/3322510.html,

Zugriff 06.03.2011

51 Vgl.: Schulz, EU übernimmt Kontrolle über Griechenlands Finanzen, 2010, http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,675710,00.html, Zugriff 06.03.2011

52 Vgl.: Yasmin El-Sharif, Griechenland bittet Euroländer um Finanzspritze,2010, http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,690771,00.html, Zugriff 06.03.2011

53 Vgl.: European Central Bank, ECB announces change in eligibility of debt instruments issued or guaranteed by the Greek government, 2010, http://www.ecb.eu/press/pr/date/2010/html/pr100503.en.html, Zugriff 06.03.2011

54 Vgl.: Martens, Ein verordnetes Erdbeben, 2010

http://www.faz.net/s/Rub3ADB8A210E754E748F42960CC7349BDF/Doc~EAF71FFEE266240F38E740

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Die gesamte Schuldlast der Griechen im Mai 2010 belief sich auf ca. 236 Milliarden US- Dollar. Die Hauptgläubiger waren Kreditgeber aus Frankreich mit 75 Milliarden US-Dollar (56 Milliarden Euro) und Deutschland mit insgesamt 45 Milliarden US-Dollar (34 Milliarden Euro). 55

2011 sieht die Situation um Griechenland nicht besser aus. Die Sparmaßnahmen hemmen

das Wachstum, die Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen. Es gibt sogar erste Empfehlungen, die Griechen sollen die Drachme wieder einführen, um durch eine Abwertung der Währung wieder konkurrenzfähig zu werden. 56

2.4.3 AUSGEWÄHLTE MAKROÖKONOMISCHE KENNZAHLEN

Griechenland stellt wohl eine Besonderheit unter den PIIGS Staaten dar. Neben Italien ist

Griechenland der einzige Staat der Europäischen Währungsunion, welcher eine Schuldstandquote von mehr als 100% des BIP aufweist. Seit 1995 bewegt sich dieser Wert immer in dieser Höhe und konnte seitdem nicht unter 94% sinken. Somit konnte

Griechenland 15 Jahre in Folge nicht die vom Maastricht-Vertrag geforderte 60%-Hürde unterschreiten. 57 Das BIP des Balkanstaates sank zwar von 2008 (236 Milliarden Euro ) zu

2009 (237 Milliarden Euro) nur geringfügig, doch machte das Staatsdefizit 2009 mit mehr

als 36 Milliarden- was ca. als 15% des BIP entspricht – dem Haushalt und der Bonität der Griechen schwer zu schaffen. Die gesamte Schuldlast stieg erheblich auf 298 Milliarden Euro im Jahr 2009, dabei blieb das Wachstum der griechischen Wirtschaft aus. 58

2.4.4 BESONDERHEITEN DES WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN UMFELDS

Das massivste Problem stellt wohl das verbreitete Auftreten von Korruption und Bestechung dar. Für die Griechen ist dies bereits zum Alltag verkommen. Ärzte, Beamte, Handwerker werden bestochen, Rechnungen nicht ausgestellt, Steuern unterschlagen.

Dieses Phänomen und andere Aspekte der Schattenwirtschaft lassen sich überall in

9308D21DC14~ATpl~Ecommon~Scontent.html, Zugriff 03.03.2011

55 Vgl.: Schwartz, In and Out of Each Other’s European Wallets, 2010, http://www.nytimes.com/2010/05/02/weekinreview/02schwartz.html?_r=1, Zugriff 03.03.2011

56 Vgl.: Hofmann ,Griechenland: Krise im Schatten der Krisen, 2011,

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Schuldenkrise-Griechenland-Krise-im-Schatten-der-Krisen-

1049754, Zugriff 06.03.2011

57 Vgl.: Eurostat, Öffentlicher Schuldenstand, 2011,

http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&init=1&language=de&pcode=tsdde410&plugin=

0, Zugriff 12.03.2011

58 Vgl.: Allen, Zweite Datenmeldung zu öffentlichem Defizit und Schuldenstand für 2009, Eurostat- Pressestelle,2010, http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-15112010-AP/DE/2-15112010- AP-DE.PDF, Zugriff 12.03.2011

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Griechenland finden. 59 Dem Staat entgehen dadurch jedes Jahr ca. 20 Milliarden Euro an Steuergeldern. 60 Kritische Stimmen behaupten momentan sogar, dass Griechenland nur „Mit systematischem Betrug […] den Zugang in die Eurozone gesichert“ habe. 61

2.5 SPANIEN

2.5.1 WIRTSCHAFTSHISTORIE

Spaniens war wirtschaftlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Europa isoliert. Im Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939 wurde das Land um Jahrzehnte zurückgeschlagen. Produktionsanlagen waren zerstört und Fachkräfte flohen ins Ausland, um vor der Franco- Diktatur zu entkommen. Erst in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts konnte die Lage durch ein Autarkiemodell und die Gründung des „Staatlichen Industrie Instituts“ ein wenig verbessert werden, obwohl immer noch Getreideimporte aus Argentinien nötig waren, um die Grundbedürfnisse der Spanier zu sichern. Durch das Anbahnen des Kalten Krieges konnte sich das Blatt langsam wenden. Spanien wurde, im Gegenzug für Unterstützungsleistungen, zum Stützpunktland der USA. Das Autarkiemodell wurde gelockert und erste Handelsbeziehungen mit dem Ausland konnten aufkommen. Von 1950 bis 1958 wurde die Produktion der Industrie um 90% gesteigert. Durch den Tourismusboom in den Frühen 1960er Jahren gelang Spanien der endgültige Anschluss an die Welt. Schon im Jahr 1965 galt Spanien als global beliebtestes Tourismusland und 1973 galt der Staat auf der iberischen Halbinsel als die zehntgrößte Industrienation der Erde. Der Ölschock 1973 deutete auf ein Ende der Boomphase hin. Hohe Inflation und Arbeitslosigkeit waren die Folge. Das Ende der Franco-Diktatur bedeutete zwar politischen, aber keinen wirtschaftlichen Wandel. Auch der Anschluss an die EU Ende der 1980er Jahre brachte Spanien noch nicht den erhofften Anschluss zum Rest der OECD-Staaten. Bis 1994 gelang es nicht die Arbeitslosigkeit, welche besonders der jungen Bevölkerungsgruppe verankert war, zu senken. Erst 1995 deutete sich eine langsame Erholung der Wirtschaft, durch verschiedene Sanierungsprogramme, wie z.B. die der VW-Tochter Seat, an. Ab diesem Zeitpunkt erschien die spanische Ökonomie durchaus stabil, es konnten sogar Staatsüberschüsse erwirtschaftet werden. Die Arbeitslosigkeit war zwar leicht über dem

59 Jessen, Ein Fakelaki voller Scheine, 2010, http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,681882,00.html, Zugriff 11.03.2011

60 Vgl.: o.A., Schattenwirtschaft in Griechenland außer Kontrolle , 2009,

http://www.welt.de/wirtschaft/article4263341/Schattenwirtschaft-in-Griechenland-ausser-Kontrolle.html,

Zugriff 06.03.2011

61 Vgl.: Mallien, Ein Fall für den IWF, 2010, http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/ein-fall-fuer-den- iwf-427622/ Zugriff 06.03.2011

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Durchschnitt, aber konnte kontinuierlich gesenkt werden. 62

2.5.2 AUSWIRKUNGEN DER FINANZKRISE

Spanien war von der Finanzkrise und der darauf folgenden Eurokrise mehr betroffen als viele andere Mitglieder der Europäischen Union. Besonders Sorge bereitete die Lage, da es verglichen mit z.B. Griechenland, einen höheren Stellenwert für die Wirtschaftskraft der EU spielt. Die Insolvenz des Landes auf der Iberischen Halbinsel würde tief greifende Folgen haben. Deshalb ist eine ausreichende Bonität sehr wichtig. Zuerst wurde die Tourismusbranche vom Einbruch des britischen Pfunds schwer getroffen, da die britischen Urlauber, welche einen Großteil der Besucher ausmachten, zu vermehrt ausblieben. 63 Dazu kam der Einbruch des Immobilienmarktes und des Bausektors, von dessen Investitionen Spanien extrem abhängig war und welche für den Wachstumsschub der Vorjahre sorgten. Viele Schichten der Bevölkerung sind von den rapide steigenden Zinsen betroffen. Anders als in Deutschland wird der Bauzins nicht vorher auf die Laufzeit festgelegt, sondern mit dem Interbankenzinssatz Euribor fest verknüpft. 64 Auch für 2011 sind die Prognosen nicht besser. Die Arbeitslosigkeit, welche 2010 um die 20% lag, was bedeutet, dass jeder fünfte Erwerbstätige arbeitssuchend war, soll weiter steigen und deutlich über EU-Niveau liegen. Das Wirtschaftswachstum soll sich laut dem Internationalen Währungsfonds auf 0,6 Prozent beschränken und auch die 'Banco de Espana' rechnet für 2011 nur mit einer langsamen Erholung der spanischen Wirtschaft. 65 Der spanische Anleihensektor hatte besonders mit den Bonitätsherabstufungen der großen Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch 2010 zu kämpfen. 66 Trotzdem konnte die Risikoprämie (CDS auf fünfjährige Anleihen) sich im Vergleich zum Jahresanfang auf einem Niveau um 2,8 % halten, liegt aber trotzdem noch über der einiger Schwellenländer. Die gesamte Kreditsumme der spanischen Volkswirtschaft beläuft sich auf ca. 830 Milliarden Euro), wobei mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien hauptsächlich Gläubiger der anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union als Kreditgeber fungierten. Besonders die deutsche und französische Finanzwirtschaft wäre von einer

62 Vgl.: o.A., Spaniens Wirtschaftsgeschichte, ohne Datum, http://www.spanien- reisemagazin.de/kultur/spaniens-politik/4-spaniens-wirtschaftsgeschichte-554.html , Zugriff 28.02.2011

63 Vgl.: o.A. , http://www.studisfy.com/wirtschaft/spanien-in-der-finanzkrise-2010.html, Zugriff 28.02.2011

64 Vgl.: Müller, 2008, http://www.welt.de/wirtschaft/article2696524/Spanien-das-neue-Armenhaus- Europas.html , Zugriff 28.02.2011

65 Vgl.: O.A., Spanische Wirtschaft kommt nicht auf Touren, 2011,

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/631218/Spanische-Wirtschaft-kommt-nicht-auf-

Touren, Zugriff 28.02.2011

66 Vgl.: Mußler, Spanien hält die Anleger in Atem, 2010

http://www.faz.net/s/RubF3F7C1F630AE4F8D8326AC2A80BDBBDE/Doc~E966BE9ED98EE46358EE

7B0F0A47136C6~ATpl~Ecommon~Scontent.html , Zugriff 11.03.2011

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Zahlungsunfähigkeit Spaniens betroffen, da sie mit einer Kreditsumme von fast ca. 376 Milliarden Euro, fast die Hälfte der Kreditgeschäfte finanzierte. Aber auch Italien, Portugal und Irland gehören zu den Gläubigern der Spanier. 67

2.5.3 AUSGEWÄHLTE MAKROÖKONOMISCHE KENNZAHLEN

Die Probleme der Finanzkrise werden ersichtlich, wenn man die Entwicklung des BIP und des Staatshaushaltes näher betrachtet. Im Jahr 2008 lag das BIP noch bei 1088 Milliarden Euro, schrumpfte aber bis 2009 auf das Niveau von 2007, welches mit ca. 1053 Milliarden Euro erhoben wurde. Der Überschuss des Staatsbudgets aus den Jahren 2006 und 2007 wurde im Zuge der Subprime-Krise ein Staatsdefizit von 11,1% des BIP. Durch diese Tatsache stieg die Staatsverschuldung auf 560 Milliarden Euro im Jahr 2009 an. 68 Daraus wird aber ersichtlich, dass Spanien der einzige der PIIGS-Staaten ist, welcher die Schuldenstandkriterien des Vertrags von Maastrich für Stabilität und Wachstum i.H.v. maximal 60% des Bruttoinlandsproduktes erfüllen konnte. Mit fast 50% liegt Spanien zwar an der oberen Grenze der Maastricht-Kriterien, ist aber deutlich weniger belastet als Irland bzw. die anderen europäischen Mittelmeerstaaten. Zu erkennen ist aber auch, dass Spanien dem Trend der Neuverschuldung der anderen Staaten der Europäischen Union folgt. Ähnlich wie Frankreich, Dänemark, Ungarn und Belgien ist die Schuldenquote Spaniens seit Anfang des Jahres 2008 um mehr als 12% gestiegen. 69

2.5.4 BESONDERHEITEN DES WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN UMFELDS

Wie schon erwähnt, häufen sich in Spanien die Probleme, besonders im Arbeitsmarktsektor. Fast 40% der Spanier haben in irgendeiner Art und Weise mit der schlechten Arbeitsmarktsituation zu kämpfen. Zwar ist die Stimmung der spanischen Bevölkerung dadurch nicht schlechter, da verschiedene soziale Hilfsleistungen und die Unterstützung aus Familie ihnen über die Krise hinweghelfen, aber andere Sektoren wie die Schattenwirtschaft, werden durch diesen Umstand bestärkt. 70 Zudem ist gerade die sprichwörtliche „südländische Gelassenheit“ eine weitere Besonderheit, Gewerkschaften und Institute - genauso wie die Bevölkerung – neigen oft

67 Vgl.: o.A. , Europe's Web of Debt, http://www.nytimes.com/interactive/2010/05/02/weekinreview/02marsh.html, Zugriff 28.02.2011

68 Vgl.: Allen, Zweite Datenmeldung zu öffentlichem Defizit und Schuldenstand für 2009, Eurostat-

Pressestelle,2010, http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-15112010-AP/DE/2-15112010- AP-DE.PDF, Zugriff 12.03.2011

69 Vgl.: Breuer/Müller, Staatsverschuldung in Europa: Status quo, 2010

70 Vgl.: o.A

Wirtschaftskrise und das Risiko Spanien, ohne Datum,

http://www.studisfy.com/wirtschaft/spanien-in-der-finanzkrise-2010.html,Zugriff 28.02.2011, Zugriff

12.03.2011

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dazu, Probleme im Wirtschaftssektor zu verdrängen, statt sich ihnen entgegenzustellen. Dadurch kann es dazu kommen, dass die spanische Wirtschaftspolitik recht träge erscheinen mag und Reaktionen oft auf sich warten lassen 71 .

2.6 ZUSAMMENFASSUNG DER PROBLEMATIK DER PIIGS-STAATEN

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass bis auf Irland besonders EU-Staaten in Südeuropa von massiven Problemen betroffen sind. Die Probleme der Staaten sind keinesfalls stereotypisch, was heißen soll, dass die Ursache für mögliche Bonitätsschwierigkeiten in jedem Staat anderes definiert sind. Auch der „Rettungsschirm“, welcher von der Europäischen Union geschaffen wurde, um den strauchelnden Staaten in Notsituationen Finanzhilfe zu gewährleisten, kann nur kurzfristig für ein wenig mehr Sicherheit sorgen. Die Ursachen für die Probleme müssen von den Regierungen der Mitgliedsländer in Angriff genommen werden. Daraus ergibt sich, dass das Problem nicht kurzfristiger Natur ist, sondern einen langen Prozess von Reformen mit sich bringt, welche ihre Auswirkungen vielleicht erst in vielen Jahren zeigen könnte. Eine sichere Prognose für die Zukunft kann man nicht abgeben, dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle. Aber natürlich entstehen aus einer Krise neue Möglichkeiten, Fehler zu entdecken. Vielleicht sollten die Regierungen der PIIGS-Staaten deswegen im Geiste Konrad Adenauers handeln: „Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, so muss man erst richtig anfangen“.

71 Vgl.: Müller, Spanien verdrängt die Krise, 2010, http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-05/spanien-krise, Zugriff 28.02.2011

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3 ARTEN DER LÄNDERRISIKOBEWERTUNG

Um ein geeignetes System zur Bewertung des Länderrisikos zu finden, soll an dieser Stelle auf die am weitesten verbreiteten eingegangen werden. Dabei wollen wir deren Grundgedanken darlegen sowie Vorteile, aber auch Kritikpunkte offenbaren. Allgemein kann man die Bewertungssysteme ihrer Art, der Datengewinnung nach, in drei große Obergruppen differenzieren. Diese haben sich im Laufe der Zeit entwickelt und versuchen, die Länder in verschiedene Risikogruppen einzuteilen. Dadurch soll eine Vergleichbarkeit der einzelnen Länder, hinsichtlich des Risikos für Investoren, geben werden. Zum einen existieren so genannte Umfrageratings, bei denen in regelmäßigen Abständen eine gewisse Anzahl an Experten verschiedener Institutionen, Banken und Unternehmen befragt und mit einer Beurteilung auf einer Skala von 0 bis 100 ein bestimmtes Länderrisiko bewertet wird. 72 Wichtig ist dabei anzumerken, dass jeder Experte seine Einschätzung des Risikos zum gleichen Zeitpunkt abgibt, um mögliche Änderungen der Gegebenheiten jedweder Art zu unterbinden. Aus allen Experteneinschätzungen wird schließlich ein Mittelwert gebildet und abermals auf einer Gesamtskala dargelegt. 73 Eine zweite Art der Datenbeschaffung nutzen so genannte Wertpapierratings. Wie der Name schon vermuten lässt, werden hierbei Wertpapiere nach bestimmten Kriterien wie Cashflow, Bonitätsentwicklung oder Umsatzvolumen bewertet. Wertpapiere mit gleichen oder ähnlichen Parametern werden daraufhin zu einer bestimmten Gruppe zusammengefasst. Wichtig ist hierbei, dass die Bewertung bei dieser Art des Ratings meist auf historischen Daten beruht. Innerhalb der Einzelnen Gruppen wird dabei analysiert, wie viele der Wertpapiere bei Fälligkeit nicht bedient werden konnten. Auf diesen Daten basierend wird ein Ausfallrisiko bestimmt und den Gruppen zugeordnet, um diese rangmäßig einteilen zu können. Höher gewertete Gruppen bieten dabei ein geringeres Ausfallrisiko. Jedoch kann dieses nie gänzlich vermieden werden und ist bei Wertpapieren mit einem niedrigeren Rating die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls stets höher als bei jenen mit hohem Rating. 74 Die dritte Art des Ratings von Länderrisiken stellen die Indikatorenmodelle dar. Diese bilden für Unternehmen den wohl wichtigsten Anhaltspunkt zur Länderauswahl, da sie

72 Vgl.: o.A., Auswahl von Ländern und Märkten, ohne Datum,http://www.kiehl.de/downloads/117625/LP- 43083.pdf Zugriff am 01.02.2011

73 Vgl.: Grusler, Handbuch Finanzmanagement in der Praxis, 1. Auflage, Wiesbaden, 2004 S. 701 ff

74 Vgl.: o.A, Der Finanzglossar, ohne Datum, https://www.allianz.com/de/presse/newsdossiers/finanzmarktkrise/hintergruende/gerd_glossar_de.html Zugriff am 07.02.2011

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anhand von bewerteten Kennzahlen die Länderrisiken einschätzen und widerspiegeln. 75 Im Folgenden soll nun eine Übersicht über die wichtigsten Vertreter dieser Modelle geliefert werden.

3.1 DER „EASE OF DOING BUSINESS“- INDEX

Bei dem im Jahre 2002 gestarteten „Ease of Doing Business“- Index handelt es sich um eine Statistik der „Organisation for Economic Co-operation and Development“ (OECD), in welcher momentan 183 verschiedene Staaten dahingehend verglichen werden, wie einfach Geschäfte getätigt werden können, wie die Geschäfte reguliert sind und wie sehr das Eigentum des einzelnen geschützt wird. 76 Basis dieser Bewertung ist eine Studie, bei der über 8000 Regierungsvertreter, Akademiker, Praktiker und Autoren sowie weitere Spezialisten ihre individuellen Bewertungen zu den einzelnen Kriterien einfließen lassen. Dabei werden Kriterien wie die Regulationen für den Aufbau von Geschäftsfähigkeit, der Umgang mit Baugenehmigungen, vorhandene Eigentumsrechte, die Schwierigkeiten eventueller Kreditgewährung, der Investorenschutz innerhalb des Landes, die Höhe der eventuellen Steuerlasten, Zoll- bzw. Außenhandelsbestimmungen, die Durchsetzbarkeit von Verträgen sowie eventuelle Hindernisse beim Zustandekommen von Verträgen und letztlich auch das vorherrschende Arbeitsrecht bewertet. Voraussetzung für eine genaue und begründete Einschätzung ist dabei das Vorhandensein von Richtlinien, an denen man diese Kriterien messen kann. Je besser diese dargestellt und anwendbar sind, desto höher fallen die entsprechenden Werte bei den Kriterien aus. So sind z.B. genaue Richtlinien in Hinsicht auf Eigentumsrechte oder Regeln, die wirtschaftliche Indikatoren besser vorausschaubar machen, ein Garant für eine bessere Bewertung. Die vorhandenen Daten werden schließlich ihrer Art nach in zwei Datensätze unterschieden. Zum einen bietet der Index Daten über Gesetze und Richtlinien, d.h. das geschriebene Recht, zum anderen bietet er aber auch Zeit- und Motivationsindikatoren, welche zur Messung der Effizienz und der Komplexität der wirtschaftlichen Bedingungen dienen. Die unabhängige und an Richtlinien gemessene Bewertung ist einer der großen Vorteile des „Ease of doing business“ - Index, jedoch stehen diesem auch diverse Nachteile gegenüber. So beschränkt die Bewertung sich nur auf eine begrenzte Anzahl von

75 Vgl.: Krämer-Eis, Evaluierung hoheitlicher Länderrisiken, Friedrich-Schiller-Universität Jena, ohne Datum, S.21ff

76 Vgl.: o.A., Doing Business 2011 Data, 2011, http://www.doingbusiness.org/methodology/methodology- note, Zugriff 11.03.2011

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Wirtschaftsfeldern, wodurch die gesamte Wirtschaft nicht gemessen werden kann, da quantitativ nicht alle Einzelheiten betrachtet werden. Des Weiteren wird bei dieser Betrachtungsweise die Überprüfung der Stabilität des jeweiligen Finanzsystems völlig außer Acht gelassen, was die Genauigkeit und die langfristige Aussagekraft weiterhin beeinträchtigt. Weiterhin basiert der Index auf einem standardisierten Modell, welches nur den formalen Sektor betrachtet und vollständige Informationen voraussetzt. 77 Ein weiterer wichtiger externer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass die World Bank mit ihrem Index die Regulationen für flexible Arbeitsverträge unterstützt. D.h., je einfacher es für Arbeitgeber ist einen Arbeitnehmer aus wirtschaftlichen Gründen zu entlassen, desto höher steigt das entsprechende Land im Index. 78 So lässt sich zusammenfassen, dass die Statistik des „Ease of doing business“ - Index zwar als sinnvoll Direktinvestitionen und Projekte im Ausland erscheint, für uns jedoch ungeeignet ist, da die Finanzsysteme der Zielländer an sich und deren Stabilität nicht berücksichtigt werden.

3.2 DER PEREN-CLEMENT-INDEX

Ein Verfahren für die Messung von Länderrisiken bei Direktinvestitionen ist der Peren- Clement-Index. Neben dem BERI, auf welchen noch eingegangen wird, ist dieser einer der etabliertesten Indizes für die Einschätzung des Länderrisikos und wird oft in Verbindung einer Nutzwertanalyse verwendet. 79

Die insgesamt 18 Faktoren, die das Länderrisiko beeinflussen können, sind sehr weit gestaffelt. So gibt es Faktoren, welche sich mit den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausweisen, solche die Kosten und Produktivität des Ziellandes darstellen sollen und solche Faktoren, die sich mit dem Vertrieb und Marketing beschäftigen. Peren und Clement setzen dabei zur Bewertung ein Punktesystem an, bei welchem maximal 120 Punkte erreicht werden können. Dabei werden folgende Risikoklassen unterschieden: 80

77 Vgl.: o.A., About Doing Business: measuring for impact, ohne Datum,

http://www.doingbusiness.org/~/media/FPDKM/Doing%20Business/Documents/Annual-

Reports/English/DB11-Chapters/DB11-About.pdf , Zugriff 20.02.2011

78 Vgl.: o.A., World Bank takes major step on labour standards, 2006,http://www.ituc-csi.org/world-bank- takes-major-step-on.html?lang=de , Zugriff 20.02.2011

79 Vgl.: o.A., Peren-Clement-Index, ohne Datum, http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/152025/peren- clement-index-v5.html , Zugriff 12.01.2011

80 Vgl.: Daum/ Greifer/ Przywara, BWL für Ingenieure und Ingenieurinnen: Was man unbedingt als

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

- Über 90 Punkte = es lässt sich kein Risiko erkennen,

- 80 - 89 Punkte = das Risiko ist eher gering,

- 70 - 79 Punkte = das Risiko ist mäßig und es könnte zu Hindernissen im

täglichen Betrieb empfohlen,

kommen, Risikoabsicherungsmaßnahmen werden hier

- 60 - 69 Punkte = das Risiko ist relativ hoch, es herrscht ein schlechtes

Investitionsklima,

da Investitionsrisiken überwiegen

eine Risikoabsicherung wäre in diesem Fall unumgänglich,

- unter 60 Punkte = der Standort ist für Direktinvestitionen nicht zu empfehlen,

Alternativen

sollten gesucht werden 81

Von besonderem Nutzen sind bei der Bewertung der Faktoren so genannte „Knock-Out-

Variablen“. Sofern solche vor der Bewertung festgelegt werden und ein Land einen Wert

kleiner als zwei erhält, so gilt eine Direktinvestition in diesem Fall unabhängig vom Rest

der Bewertung als nicht empfehlenswert. 82

Da sich dieser Index aber ausschließlich mit Direktinvestitionen befasst und die

Zusammenhänge zu Zinsrisiken und Rendite von Staatsanleihen nicht direkt ableitbar sind,

gehört der Peren-Clement-Index jedoch nicht zur ersten Wahl bei der Bewertung der

Risiken und ist eher für Unternehmer geeignet, welche an einem Standort in konkrete

Projekte investieren wollen.

3.3 BERI-INDEX

Der „Business Environmental Risk Intelligence“-Index ist das derzeit am meisten

verbreitete Indikatorenmodell, welches hauptsächlich von Banken und international

operierenden Unternehmen genutzt wird, um den Risikowert bestimmter Länder zu

ermitteln. Seit 1972 wird der Index in vierteljährigen Abständen für insgesamt 45 Länder

erstellt. 83 Ein großer Vorteil dabei ist, dass BERI-Index im Gegensatz zu anderen

Instituten, alle Informationen über die Art der Berechnung offen legt und so die

Vollständigkeit aller Informationen gewährleistet. Die Möglichkeit gewisse Dinge außer

Acht zu lassen oder zu verstecken ist hierbei nicht gegeben, was die Sicherheit für die

Ingenieur in der Betriebswirtschaft wissen sollte, 1. Auflage, Wiesbaden, 2010 S.185f

81 Vgl.: o.A., Peren-Clement-Index, ohne Datum, http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/152025/peren- clement-index-v5.html , Zugriff 12.01.2011

82 Vgl.: o.A., Peren-Clement-Index, ohne Datum , http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/152025/peren- clement-index-v5.html , Zugriff 12.01.2011

83 Vgl.: o.A., BERI-Index, ohne Datum, http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/beri-index/beri-index.htm ,

Zugriff17.02.2011

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

Unternehmen erhöht und Schutz vor Befangenheit oder Abhängigkeit des Ratings bietet. Es existieren zwei verschiedene Informationsdienste, welcher BERI-Index bereitstellt. Zum einen den „Forecast of Country Risk for international Lenders“ (FORELEND), welcher spezielle Länderisikoprognosen für Kapitalgeber liefert, zum anderen den „Profit opportunity Recommendation“ (POR), welcher Informationen für an Auslandsgeschäften interessierte Unternehmen bereitstellt. Berechnet wird der BERI-Index mit Hilfe von drei Subindizes, welche zum einen die politische Stabilität, zum anderen das Geschäftsklima in den Ländern und den Rückzahlungsfaktor eines jeden Landes beschreiben. 84 Die politische Stabilität (P-Faktor) und das Geschäftsklima (O-Faktor) werden dabei basierend auf Experteneinschätzungen eines internationalen, sich ständig wechselnden Expertenpanels gewertet. Der Rückzahlungsfaktor hingegen (R-Faktor) wird mit Hilfe eines Computerprogramms ermittelt, in welchem weit über 14000 Daten miteinander verglichen werden. 85 Dieser R-Faktor zeigt letztendlich das Risiko internationaler Unternehmungen auf, da er unter anderem auch Informationen darüber gibt, in welchen Fällen Erträge oder investiertes Kapital nicht mehr retransferiert werden konnten. Werden die sich daraus ergebenden Werte additiv zusammengefasst, kann schließlich jedes Land in eine von vier möglichen Gesamtrisikoklassen eingeteilt werden. 86 Demnach lassen sich die Länder in die absteigenden Klassifizierungen

- „für Investment geeignet“,

- „für langfristige Aktivitäten geeignet“,

- „nur für Außenhandel geeignet“ und

- „wirtschaftlich nicht geeignet“ einteilen. 87

Der BERI-Index besitzt jedoch den Nachteil, dass keine branchenspezifischen Aussagen getroffen werden können. Daher eignet er sich nur zur Unterstützung individueller Entscheidungsfindungen und kann keine Entscheidungen im Vornherein vorgeben. Es müssen also stets auch branchenspezifische Analysen durchgeführt werden, um mit Hilfe des BERI-Index eine Entscheidung über Direktinvestitionsentscheidungen treffen zu können.

84 Vgl.: o.A., Länderrating, ohne Datum, http://www.economia48.com/deu/d/laenderrating/laenderrating.htm, Zugriff 11.03.2011

85 Vgl.: o.A., Auswahl von Ländern und Märkten, ohne Datum,http://www.kiehl.de/downloads/117625/LP- 43083.pdf Zugriff am 01.02.2011

86 Vgl.: o.A., BRS- Business Risk Service, ohne Datum, http://www.beri.com/brs.asp, Zugriff 11.03.2011

87 Vgl.: o.A., BERI Index Ergebnisse, ohne Datum, http://www.cobocards.com/pool/card/74780567/beri- index-ergebnisse-/, Zugriff 11.03.2011

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

3.4

DER RATINGPROZESS NACH STANDARD & POORS

Die Standard & Poor’s Corporation (S&P) ist eine Gesellschaft, welche sich mit der Bonitätsbewertung und –Analyse von Unternehmen und Gesellschaften auf Basis von Aktien und Anleihen befasst. Dem eigentlichen Rating geht dabei stets eine Konsultationsphase voran. In dieser Phase treffen sich Vertreter der Ratingagentur und des zu beurteilenden Unternehmens, um über Geschäftskonzepte, Planzahlen, Finanzdaten und weitere Faktoren zu sprechen, welche das Rating beeinflussen können. 88 Basierend auf diesen Treffen, bei denen das Unternehmen die Möglichkeit bekommt, seine Zahlen und Konzepte zu präsentieren, wird schließlich von Experten der S&P Corporation ein Rating des Unternehmens, bzw. dessen Bonität erstellt. Bevor dieses jedoch veröffentlicht wird, erhält das Unternehmen die Möglichkeit, das Ergebnis inklusive dessen Begründung einzusehen und gegebenenfalls neue oder ergänzende Informationen vorzulegen. Ist dies der Fall, so können jene Informationen das Rating erneut beeinflussen und entsprechend besser oder schlechter ausfallen lassen. Sollte dies der Fall sein, so muss das Bewertungskomitee der Ratingagentur erneut zusammentreten, um ein neues Rating basierend auf den aktualisierten Daten zu erstellen. Gemessen an dem letztlich zustande kommenden Rating werden die Anleihen der Unternehmen schließlich in Gruppen eingeteilt, die sich hinsichtlich ihrer Investmentwürdigkeit, bzw. ihres Ausfallrisikos unterscheiden. Die Einteilung erfolgt dabei beginnend bei AAA, welche für zuverlässige und stabile Schuldner höchster Qualität steht, absteigend bis hin zu C, was für eine sehr hohe Ausfallwahrscheinlichkeit spricht, bzw. D, welches für den absolut sicheren Zahlungsausfall angibt. Anzumerken ist dabei, dass mit einer höheren Ausfallwahrscheinlichkeit auch ein höherer Risikozins einhergeht. Die Gruppen AAA bis BBB gelten dabei als sicher, wodurch nur sehr geringe Risikozuschläge zu erwarten sind, die Gruppen unterhalb von BBB zeigen dabei stets höhere Zuschläge, sind jedoch wie erwähnt von einem wesentlich höherem Ausfallrisiko geprägt. Das Rating richtet sich dabei an jene Investoren, welche Anleihen oder Finanztitel erwerben möchten, weshalb die Ratinggruppen AAA bis einschließlich BBB- als „investment grade“ bezeichnet werden, während man die Gruppen schlechter als BBB- unter dem Begriff „specultative grade“ zusammenfasst. 89 Anzumerken ist bei der Betrachtung des S&P Rating, dass hierbei keine

88 Vgl: Reichling, Risikomanagement und Rating: Grundlagen, Konzepte, Fallstudie, 1. Auflage, Wiesbaden 2003, S.74

89 Vgl.: Munsch/Weiß, Externes Rating: Finanzdienstleistung und Entscheidungshilfe, 3.Auflage, Berlin 2002, S. 19

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Kaufempfehlungen gegeben werden, was schon an den beiden gerade erwähnten Ratingklassifizierungen erkennbar wird. Es werden lediglich schätzungsweise die Wahrscheinlichkeiten dafür aufgezeigt, dass ein Unternehmen oder ein Staat seinen Kapitaldienstverpflichtungen nachkommen kann oder nicht, d.h. wie wahrscheinlich es ist, dass das investierte Geld letztlich auch zurückfließt.

3.5 RATINGPROZESS NACH MOODYS

Das Rating nach Moody’s Investors Service zeigt einige Gemeinsamkeiten mit dem Rating von S&P. So wird auch hier auf Basis von Aktien und Anleihen bewertet und auf dieser schließlich ein Rating erstellt, welches dem Investor eine Entscheidungshilfe bzw. eine Investmentempfehlung liefern soll. Unterschiede sind hierbei jedoch die Vorgehensweise beim Ratingprozess sowie die Beschreibung der Ratingklassen. So werden auch bei Moody’s die Klassen per Buchstabenrating eingeteilt, jedoch existieren hier weitere Unterstufen, welche durch das Anbringen einer zusätzlichen Kennziffer von 1 bis 3 gekennzeichnet sind. So besagt die Zahl 1, dass sich ein Unternehmen im Oberen Drittel einer Ratingspanne befindet, während eine 3 für eine Position im jeweiligen unteren Drittel steht. Beim Ratingprozess erscheint der Unterschied zwischen den beiden Agenturen stärker offensichtlich zu werden. Während bei S&P das Gesamtrating in einer Stufe anhand von zuvor gesammelten Faktoren stattfindet, kann man bei Moody’s Rating eher von einer Pyramidenform der Vorgehensweise ausgehen. D.h., dass in der ersten Stufe die gröbste Form des Ratings, die Analyse des Länderrisikos stattfindet und schließlich mit jeder weiteren Stufe stärker spezifiziert wird. Im zweiten Schritt werden branchenspezifische Einflussfaktoren überprüft, wobei hier sowohl globale als auch nationale Faktoren berücksichtigt werden. Weiter verdichtet wird die Beurteilung daraufhin durch die Einbeziehung von rechtlichen Grundlagen sowie Wettbewerbsbedingungen, wobei auch hier globale und nationale Kriterien berücksichtigt werden. In einem weiteren Schritt wird schließlich die Marktposition des Unternehmens bewertet und berücksichtigt, bevor erst dann mit den quantitativen Analysen von Geschäftsberichten, Ergebnisplanung und Finanzplanung des Unternehmens begonnen wird. Ist schließlich auch dies erledigt, beginnt der letzte Punkt der Untersuchungen mit der qualitativen Analyse. Hier werden nun Faktoren wie Management, Unternehmensstrategie und finanzielle Flexibilität bewertet, bevor letztlich auf der Basis aller Faktoren ein Rating

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

erstellt werden kann und in diesem Sinne die Spitze der Pyramide darstellt. 90 Vorteil des Rating nach Moody’s sowie S&P ist, dass ein externes Rating nicht unbedingt offen gelegt werden muss, sofern dies nur für das Unternehmen selbst erstellt werden soll. Nur wenn ein Unternehmen eine Anleihe am Kapitalmarkt platziert oder in sonstiger Art und Weise auf diesem aktiv werden möchte ist dies notwendig. Demgegenüber steht jedoch der Nachteil relativ hoher Kosten, da die Agenturen je nach Größe des zu untersuchenden Unternehmens bis zu 50000 Euro veranschlagen. Weiterhin treten auch laufende Kosten während des Verfahrens auf, welche diese Kosten noch erhöhen. Momentan besitzen die Ratingagenturen in Deutschland eine deutlich geringere Bedeutung, da hier momentan nur ca. 180 geratete Unternehmen existieren. Im Vergleich dazu steht den Ratingagenturen in den USA mit weit über 8000 gerateten Unternehmen ein wesentlich höherer Stellenwert gegenüber. 91 Das Ansehen der Ratingagenturen hat im Zuge der Subprime Krise 2007/2008 stark gelitten, als offensichtlich wurde dass überwiegend als AAA geratete Unternehmen plötzlich in der Praxis nicht mehr mit ausreichender Bonität dienen konnten. Ein international bekanntes Beispiel hierfür ist der Fall „Lehmann Brothers“, in dem die amerikanische Investmentbank wenige Tage vor der Bekanntgabe ihrer Insolvenz ein Rating von A+ erhielt. Bedenklich ist auch, dass die Ratingagenturen von den Emittenten selbst beauftragt werden ein Rating durchzuführen. Daher scheint es fraglich, ob die Neutralität eines solchen Ratings wirklich vollständig gegeben sein kann. 92

4 RATINGMODELLENTWICKLUNG

4.1 ZIELSETZUNG UND BESCHRÄNKUNGEN DES BETRACHTUNGSBEREICHES

Ziel der Arbeit sollte die Entwicklung eines Ratingverfahrens sein. Allerdings benötigt solch eine Erarbeitung, insbesondere für die Bestimmung des Bewertungssystems und der Faktoren, eine gesonderte Zielsetzung. Das Ratingverfahren soll eine einfache und vor allem objektive Methode darstellen, um für Staatsanleihen mittels Kennzahlen eine Ausfallwahrscheinlichkeit zu generieren und

90 Vgl: Reichling, Risikomanagement und Rating: Grundlagen, Konzepte, Fallstudie, 1. Auflage,

Wiesbaden 2003, S.74

91 Vgl.: o.A., Externes Rating, ohne Datum, http://basel.schnell-kredit.info/externes_rating.html, Zugriff

11.03.2011

92 Vgl.: o.A., Ratingagenturen- Nur Hilfe oder auch Gefahr, 2010, http://www.boerse-am-

sonntag.de/artikel/spezial//2424_Ratingagenturen_%E2%80%93_Nur_Hilfe_oder_auch_Gefahr.html,

Zugriff 11.03.2011

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

gegebenenfalls daraus eine Überrendite abzuleiten. Im Vergleich zu den Ratingagenturen ist ausschließlich die langfristige Betrachtung Ziel der Bewertung. Der Betrachtungsbereich ist nur auf den Wirtschaftsraum Europa begrenzt. Somit kann auch die Einfachheit des Systems gewährleistet werden, da nur für einen geringen Teil der globalen Staaten Daten ermittelt werden müssen. Zudem soll zur Auswertung ein Vergleich zwischen den so genannten PIIGS-Staaten und den restlichen europäischen Staaten getroffen werden, um eventuell andere bedrohte Länder herauszufiltern. Die Repräsentativität des Ratings sollte trotz der Eingrenzung auf den Großraum Europa erhalten bleiben, weil dieser Wirtschaftsraum sowohl global bedeutende Industrienationen, aber auch schwach entwickelte Staaten, wie Bulgarien und Rumänien, enthält. Die Eingrenzung auf einen Wirtschaftsraum und die ausschließlich langfristige Betrachtung werden womöglich zu Abweichungen der Ergebnisse mit denen der Ratingagenturen führen. Im Allgemeinen kann man aber erwarten, dass der Großteil der Ergebnisse mit dem der Ratingagenturen übereinstimmen wird.

4.2 KENNZAHLENDEFINITIONEN

Um eine möglichst genaue Länderrisikoanalyse treffen und somit bewerten zu können, wie fair die Risikopauschale einer bestimmten Staatsanleihe ist, müssen die wichtigsten Faktoren betrachtet werden, die für die Kreditwürdigkeit von Bedeutung sind. Hierbei beruft sich Dr. Bruno Hake bei seiner Bewertung auf das Vorgehen des BERI-Instituts. Diese Risiko-Bewertung nennt sich „Forelend“ (Forecast of Country Risk for international Lenders) und soll eine Prognose für das Risiko der Anleihen diverser Staaten ermitteln. 93 Das BERI-Institut differenziert drei unterschiedliche Kennzahlen: die quantitative Kennzahl, die qualitative Kennzahl und die soziale Kennzahl. Die quantitative Kennzahl drückt hierbei aus, wie viel Geld ein Land erwirtschaftet, wie hohe Reserven es unterhält, wie gut die Neuverschuldung in Grenzen gehalten werden kann und wie ausgeglichen der Staatshaushalt ist. Aufgrund der Wichtigkeit dieser Kennzahl für die Sicherheit des Landes wird diese Kennzahl doppelt gewichtet. Die qualitative Kennzahl bewertet die Verteilung der Auslandsschulden, die Vorschriften bezüglich Devisentransfers, das Ausmaß der Korruption und den Umgang der Politiker mit der Auslandsverschuldung. Die soziale Kennzahl bildet die politische und ethnische Situation des Landes, das Geschäftsklima und die sozialen Verhältnisse in der Bevölkerung ab. Diese drei Kennzahlen gehen aus unterschiedlichen Teilaspekten hervor, welche einzeln

93 Vgl.: Hake, Haben die PIIGS-Länder noch eine Chance, Technologie und

Management,http://www.vwi.org/uploads/media/2010_03_Methodik_der_Laenderrisiko-Analyse.pdf,

2010, S.46f, Zugriff .10.03.2011

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

analysiert und beurteilt und je nach Bedeutung gewichtet werden. Der Zweck dieser Bewertung ist es, auf einem klar strukturierten, fundierten und nachvollziehbaren Weg eine auf dem ersten Blick ersichtliche Einschätzung abgeben zu können. Hiermit kann man ohne Weiteres erkennen, wie sicher eine bestimmte Staatsanleihe ist und durch die Unterpunkte eventuelle Unsicherheitsfaktoren problemlos sehen. Dies ermöglicht ebenso einen beliebigen Vergleich mehrerer Staaten und erleichtert somit eine Anlageentscheidung, da man sagen kann, ob eine bestimmte Rendite für das Risiko eines Landes als fair einzuschätzen ist oder nicht. Angelehnt an dieses System haben wir hierbei für unsere Bewertung des Länderrisikos drei Kennzahlen angelegt. Die aufgrund ihrer starken Relevanz doppelt gewichtete wirtschaftliche, die politische und die soziale Kennzahl. In der Summe deckt diese Unterteilung die Teilgebiete ab, die die Bonität eines Staates beeinflussen und ermöglicht uns eine detaillierte und nachvollziehbare Bewertung diverser Facetten der jeweiligen Wirtschaft. Für die wirtschaftliche Kennzahl haben wir als relevante Aspekte das Wachstum des BIP, das BIP pro Kopf, den Haushaltsdefizit beziehungsweise -überschuss, die Bruttoverschuldung und die Inflation definiert. Das Wachstum des BIP zeigt hierbei das Potential des Staates in den folgenden Jahren. Das BIP pro Kopf gibt zu erkennen, welche wirtschaftliche Produktivität die Mitglieder des Landes erarbeiten und bietet somit einen guten Blick auf die wirtschaftliche Stärke des Staates. Das Haushaltsdefizit deutet an, wie weit der Staat von einem ausgeglichenen Haushalt entfernt ist und die Bruttoverschuldung spiegelt den aktuellen Stand der Verschuldung an. Die Inflation zeigt zudem den Kaufkraftverlust des jeweiligen Staates an und wird über den HVPI angegeben. Die wirtschaftliche Kennzahl beinhaltet somit die Hauptmerkmale der wirtschaftlichen Stabilität des Staates, und bildet somit das Fundament der Bewertung seiner Sicherheit. Die politische Kennzahl haben wir in vier Unterpunkte gegliedert. Das Ausmaß der Korruption, die Einkommensverteilung, die Qualität der Demokratie und die Höhe der Sozialausgaben. Die Korruption deutet an, welche Hindernisse und Probleme ungewollt auftreten aufgrund der Bestechlichkeit einzelner Wirtschaftssubjekte, was sich immens auf einzelne ökonomische Projekte auswirken kann. Die Einkommensverteilung, wiedergegeben durch den Gini-Index, lässt somit durchblicken, welcher Anteil der Bevölkerung erheblichen Einfluss auf das Wirtschaften des Staates hat.

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Die Qualität der Demokratie legt dar, wie sehr sich die politische Lage des Staates dem westlichen Ideal der Demokratie annähert. Die Höhe der Sozialausgaben verdeutlicht die finanzielle Unterstützung des Staates für seine Bevölkerung. Dieser Bereich fasst die politische Lage des Staates zusammen und bildet somit die Hintergründe für eventuell relevante Entscheidungen der jeweiligen Regierung ab. Hier fließen jedoch auch statistisch nicht feststellbare Aspekte ein, was eine absolute Bewertung erschwert. Die soziale Kennzahl wiederum besteht aus mehreren Teilaspekten. Der Umfangreichste ist die Infrastruktur, welche in Verkehr (zusammengesetzt aus der Motorisierungsquote und dem Güterverkehrsvolumen), Gesundheit (unterteilt in Gesundheitsausgaben, Lebenserwartung und Anzahl der Krankenhausbetten) und Forschung (bestehend aus den Ausgaben für Forschung und Entwicklung) untergliedert ist. Hierbei geben Motorisierungsquote und das Güterverkehrsvolumen die Mobilität der Bevölkerung und der Ökonomie des Staates wieder. Die Punkte Gesundheitsausgaben, Lebenserwartung und Anzahl der Krankenbetten legt dar, welche finanziellen Aufwendungen der Staat aufbringt zur Aufrechterhaltung der Gesundheit, wie erfolgreich er dies tut und wie die Versorgung ist, falls jemand krank wird. Die Forschungsausgaben zeigen zudem auf, welches Potential für wirtschaftliche Innovationen die Ökonomie birgt. Der nächste Teilaspekt ist die Bevölkerung, welche sich aus dem Bevölkerungswachstum und dem Durchschnittsalter der Bevölkerung zusammensetzt. Diese Punkte sind von Bedeutung um zu erkennen, in welchem Maße sich die Anzahl der arbeitenden Bürger und somit der ökonomisch bedeutendste Teil der Bevölkerung entwickelt. Anschließend der Punkt Bildung, getrennt in die Bildungsausgaben des Staates und dem Schüler-Lehrer-Verhältnis. Hiermit wird erläutert, wie stark in dieser Wirtschaft die stärken einzelner Wirtschaftssubjekte gefördert und somit zur Produktivität der Wirtschaft genutzt werden können. Die soziale Kennzahl wird vervollständigt durch die beiden eigenständigen Punkte Arbeitslosigkeit und Armut. An diesen Gesichtspunkten lässt sich ablesen, welcher Teil der Bevölkerung, trotz der Anstrengungen der Regierung, nicht im erstrebten Ausmaß am ökonomischen Geschehen beziehungsweise den dadurch erzielten Wohlstand teilnehmen kann. Diese Kennzahl zeigt die Lebensbedingungen der Bevölkerung des Staates auf und somit die wichtigsten Einflussfaktoren auf das wirtschaftliche Gesamtpotential der Bürger. Die Leistungsbereitschaft, aber auch die Leistungsfähigkeit werden somit bewertet.

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

4.3

RECHERCHE DER STATISTISCHEN DATEN

Da unsere Länderrisikoanalyse langfristig ausgerichtet ist, trafen wir die Annahme, dass sich die Werte der unterschiedlichen Länder auf lange Sicht stets recht nahe am Mittelwert der vorhergehenden Jahre befinden würde. Deshalb zogen wir die Werte der letzten Jahre heran und gewichteten diese abfallend um somit auch einen Trend der letzten Jahre abzubilden. Für die Recherche der Daten haben wir auf mehrere Quellen zurückgegriffen. Diese gestaltete sich als recht unübersichtlich, da die gefundenen Tabellen nicht immer die gewünschten Werte für unsere gewählten Staaten und Zeiträume wiedergaben. Hierbei mussten wir feststellen, dass die gewünschten Daten nicht immer im vollen Umfang erfasst werden, was bei einer Nutzung unseres Bewertungssystems der Verbesserung bedarf. Die beiden wohl umfangreichsten Datenbanken waren hierbei Eurostat und Worldbank. Weitere Daten ließen sich auch über den Internationalen Währungsfond ergründen. Zur Vervollständigung unserer Datensätze haben wir jedoch auch auf andere Listen zurückgegriffen wie Destatis oder Statistikämter einzelner europäischer Staaten.

4.4 BEGRENZUNG DER ZIELLÄNDER

Nach Studium der statistischen Daten entschieden wir für auf eine Eingrenzung der zu vergleichenden Staaten auf eine Zahl von elf. Hierbei sollen die fünf „PIIGS“-Länder (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) betrachtet werden. Um einen guten Vergleich im europäischen Umfeld zu gewährleisten, fügten wir aus jeder wirtschaftlichen Region Europas ein repräsentativen Staat hinzu. Belgien wählten wir als Exempel für die eventuell demnächst gefährdeten Kandidaten. Zwar ist Belgien schon lange Teil der EU und war auch über Jahrzehnte hinweg kein wirtschaftlich instabiler Staat, jedoch zeigten hier die letzten Jahre eine besorgniserregende Entwicklung auf, weshalb wir hier die Ursachen ergründen. Bulgarien zogen wir als Beispiel für Osteuropa heran. Durch die Osterweiterung der EU und die geplante Erweiterung der Währungsunion gewinnt Osteuropa mehr und mehr an Bedeutung. Aus diesem Grund ist es unabdingbar, auch hier einen Vertreter in den europäischen Vergleich mit einzubeziehen. Deutschland repräsentiert in unserem Bewertungsschema Zentraleuropa, da es mit seiner über Jahrzehnte hinweg soliden und nachhaltigen Wirtschaft sehr gut das ökonomische

29

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

Verhalten ähnlicher Staaten verkörpert. Zudem wählten wir Finnland als Exempel für Skandinavien, welches mit ausgereiftem und vernünftigem Wirtschaften zu einem der Lieblinge der Anleger geworden ist. Dies hat sich auch in der Bankenkrise bestätigt, weshalb Großbritannien wurde auf Grund seiner Einzigartigkeit, da es nicht zum kontinentalen Europa zählt und trotz Mitgliedschaft in der Europäischen Union, nicht der Währungsunion angehört. Hinzu kommt Norwegen als Beispiel für die Nicht-EU-Länder. Hier ist zwar die Entwicklung naturgemäß nahe an Finnland zu einzuordnen, jedoch soll der Einfluss der EU-Mitgliedschaft und der Währungsunion herausgefiltert werden. Da die Schweiz durch ihre einmalige wirtschaftliche Struktur eher ungeeignet für einen Vergleich erschien, wurde Norwegen gewählt, welches den anderen europäischen Staaten eher ähnelt. Damit bildet unser Ländervergleich die Stärken und Schwächen der Wirtschaft Europas ab und man kann für einzelne Regionen, vertreten durch ein jeweiliges Land, spezielle Besonderheiten herausfiltern und kritisch betrachten. Dies ermöglicht es, Veränderungen einer einzelnen Wirtschaft im europäischen Kontext einzugliedern und somit abzuschätzen, welche Einflüsse diese Veränderungen auf die Gesamtwirtschaft des Staates und somit auf dessen Bonität haben könnten.

4.5 AUSFALLWAHRSCHEINLICHKEIT UND ÜBERRENDITE

Wie in der Zielstellung angesprochen, ist die Ermittlung der ex-ante Wahrscheinlichkeit, mit der ein Schuldner bzw. Anleiheemittent seiner Verbindlichkeit nachkommen kann, Ziel des Ratingverfahrens 94 . Ratingagenturen, wie Standard & Poor’s oder Moody’s, bedienen sich bei ihrer Ausfallwahrscheinlichkeitsberechnung den historischen Erfahrungswerten. Zur vereinfachten Darstellung und Erläuterung kann angenommen werden, dass 100 Unternehmen einer bereits bewerteten Nation untersucht werden. Aus historischen Daten kann die durchschnittliche Anzahl der ausfallenden Unternehmen von 100 ermittelt werden. Wenn im Mittel vier Unternehmen ausfallen, dann würde der Staat mit der Ausfallquote von 4% bewertet werden. Somit beruht die Ermittlung auf einer Art Schätzverfahren. Die Ausfallwahrscheinlichkeiten für die Bewertungsklassen wurde in Anlehnung an die kumulativen Sovereign Default Rates von Moody’s berechnet. Sovereign Default Rates

94 Vgl. Oliver Lüdicke, Ratingverfahren und –agenturen in: Risikomanagement und Rating: Grundlage, Konzepte, Fallstudie

30

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

sind

die

Ausfallquoten

für

die

Staatsanleihen

bzw.

für

Staaten

in

der

Rolle

des

für die Staatsanlei hen bzw. für Staaten in der Rolle des Tabelle 1 – kumulative Sovereign

Tabelle 1 – kumulative Sovereign Default Rates von Moody’s (1983-2009) 95

Kreditnehmers. In der Tabelle 1 sind die kumulativen Sovereign Default Rates für 1- Jahresanleihen bis 10-Jahresanleihen aufgestellt. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Ausfallquote in jedem Jahr exponentiell ansteigt. Gleichzeitig erhöht sich pro Laufzeitjahr die Quote, weil die Ausfallwahrscheinlich ansteigt. Mit längerer Laufzeit ist auch das Risiko erhöht, dass Faktoren auf den Schuldner so einwirken, dass dieser Zahlungsunfähig wird. Ein solcher Faktor kann beispielsweise die Insolvenz eines Schuldners sein. Um nun die Ausfallwahrscheinlichkeiten für das LTE-Rating zu erhalten, muss das Moody’s Bewertungssystem und das System des zu entwickelten Ratings angepasst werden. In Tabelle 2 ist diese Anpassung nachzuvollziehen. Zur weiteren Berechnung wird die Regressionsgerade über die Bewertungspunkte und die Sovereign Default Rates gelegt.

Moody’s

 

Aaa

Aa

A

 

Baa

Ba

B

C

LTE-

                         

Rating

1+

1

1-

2+

2

2-

3+

3

3-

4+

4

4-

F

Tabelle 2 – Anpassung LTE-Rating und Moody’s 96

Dies bedeutet, dass versucht wird mittels der Regression eine exponentielle Mittelwertsgerade zu bilden. Folgende Exponentialfunktion bildet die Regression der Moody’s Ausfallquoten am besten ab:

y = 0,4082e

0,3544x

Allerdings beginnt die Ausfallsquote mit dieser Funktion nicht bei 0%. Somit muss die Funktion noch um nach unten verschoben werden, da e 0 = 1 muss die Gerade um -0,3735 verschoben werden:

95 Vgl. Moody’s Investor Service: Sovereign Default and Recovery Rates (1983-2009) 96 eigene Darstellung

31

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

y =

0,4082

e

0,3544x

0,4082

Wenn man nun diese Gerade auf das aufgestellte Bewertungssystem anwendet, werden folgende Werte für die Ausfallwahrscheinlichkeit errechnet – Tabelle 3.

Bewertung

1+

1

1-

2+

2

2-

3+

3

3-

4+

4

4-

F

Ausfallquote

0,00

0,17

0,42

0,77

1,28

1,99

3,01

4,47

6,54

9,50

13,72

19,73

28,29

Tabelle 3 – Ausfallquoten für das LTE-Rating 97

Das Prinzip für die Überrenditenberechnung ist ähnlich dem, der Ausfallwahrscheinlichkeit. Zuerst werden die Renditen für mehrere globale 10-Jahres- Staatsanleihen ermittelt 98 und anschließend die passenden Bewertungen nach Moody’s herausgesucht. Nach der Einteilung und Zusammenfassung von Bewertungsgruppen, wird der Mittelwert pro Gruppe und de Differenzen zwischen den Gruppen berechnet. Nach diesem Prozess wird wieder eine Regressionsgerade, ähnlich der für die Ausfallwahrscheinlichkeit ermittelt und verschoben, damit bei null auch eine Rendite von null entsteht:

y =

0,3735

e

0,2934x

0,3735

Wenn man nun diese Gerade auf das aufgestellte Bewertungssystem anwendet, können folgende Werte für die Überrendite errechnet werden – Tabelle 4.

Bewertung

1+

1

1-

2+

2

2-

3+

3

3-

4+

4

4-

F

Überrendite

0,00

0,13

0,30

0,53

0,83

1,25

1,80

2,54

3,53

4,86

6,65

9,04

12,26

Tabelle 4 – Überrenditen 99

4.6 AUSWERTUNG DER ERGEBNISSE

Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit der Deutung der Ergebnisse und dem Vergleich der Bewertung mit den Ergebnissen von Moody’s. Im Anschluss wird die Fehlerbetrachtung im Zusammenhang mit möglichen Verbesserungsvorschlägen folgen.

97 eigene Darstellung

98 Vgl. Trading Economics – URL: http://www.tradingeconomics.com/World-Economy/Bonds.aspx

99 eigene Darstellung

32

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

 

KWi

KPo

KSoz

Gesamt

Bewertung

Moody's

Belgien

2,9

2,0

2,5

2,6

2

Aa

Bulgarien

2,9

4,0

3,6

3,3

3

Baa

Deutschland

2,5

2,3

2,5

2,4

2

Aa

Finnland

1,7

1,5

2,2

1,8

1-

Aaa

Griechenland

4,2

4,0

3,1

3,9

3-

Baa

Irland

2,1

3,3

2,8

2,6

2

Aa

Italien

3,5

3,8

2,9

3,4

2

Aa

Norwegen

1,5

2,0

2,0

1,7

1-

Aaa

Portugal

3,1

3,3

2,7

3,0

3+

Baa

Spanien

2,3

3,3

3,1

2,7

2-

A

Vereinigtes Königreich

2,5

3,5

2,5

2,7

2-

A

Tabelle 5 – Ergebnisse des LTE-Ratings 100

Wie in Tabelle 5 nochmals dargestellt, setzen sich die Endnoten, und damit die Bewertungen, aus dem wirtschaftlichen, politischen und sozialen Faktor zusammen. Die ökonomische Kennzahl geht mit 50 Prozent in das Gesamtergebnis ein, da die wirtschaftlichen Eigenschaften eines Schuldners 101 maßgeblich für die Bonität sind. Allerdings dürfen die politischen und sozialen Kennzahlen nicht außer Acht gelassen werden, da diese die Stabilität einer Nation beeinflussen kann und somit auch die wirtschaftliche Lage. Sowohl der politische als auch der soziale Faktor gehen jeweils zu 25 Prozent in die Endnote ein. Am besten ist Norwegen bewertet wurden. Es belegt unter den elf Nationen mit 1,7 den ersten Platz. Finnland, ein weiteres skandinavisches Land, belegt den zweiten Platz mit einer Gesamtnote von 1,8. Beide Nationen erreichen damit eine „1-“. Im Vergleich zu Moody’s wären beide mit „Aaa“ bewertet wurden. Prinzipiell sind alle skandinavischen Länder (Norwegen, Finnland, Schweden und Dänemark) als sehr gut bewertet und eingestuft worden. Dieses Ergebnis verwundert nicht, da allgemein bekannt ist, dass diese Staaten vor allem im Bildungs- und Sozialbereich eine Vorreiterrolle in Europa einnehmen. Auf dem ökonomischen Gebiet überzeugen die beiden Länder durch einen Haushaltsüberschuss 102 und durch geringe Bruttoverschuldungen. Die großen Wirtschaftsnationen, wie Deutschland und das Vereinigte Königreich, belegen bei dem Rating mittlere Positionen. So erreichte Deutschland eine Gesamtnote von 2,4 und Großbritannien eine 2,7. Bei dieser Bewertung würde Deutschland bei Moody’s mit „Aa“ und das Vereinigte Königreich sogar nur mit „A“ eingestuft werden. Diese Erkenntnisse können auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden. Zum einen handelt es sich bei dem vorliegenden Rating um eine langfristige Betrachtung der Dinge. Zum anderen sind bei der Erarbeitung der Kriterien nur europäische Standards angelegt worden. Des

100 eigene Darstellung

101 hier: die Länder als Emittenten der Staatsanleihen

102 Überschuss Norwegen = 13,52 % des BIP; Überschuss Finnland = 3,10 % des BIP

33

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

Weiteren sind eventuell nicht genügend Kennzahlen einbezogen wurden. Mehr dazu in der Fehlerbetrachtung. Hauptobjekte der Betrachtung sollen nun aber die PIIGS-Länder und die bedrohten Nationen im weiteren Sinne, wie Belgien und Italien sein. Wie in Tabelle 5 zu erkennen, schneiden auch in diesem Rating die Länder Griechenland, Italien und Portugal im Vergleich zu den anderen Nationen schlecht ab. Griechenland ist das am schlechtesten bewertete Land mit einer Gesamtnote von 3,9 und einer „3-“. Diese Bewertung würde noch einer Moody’s Einstufung von „Baa“ oder sogar schon „Ba“ entsprechen. Die griechische Staatsanleihe wäre somit eine spekulative Investitionsform und nur für risikofreudige Investoren geeignet, da mit dem größeren Risiko auch eine höhere Überrendite einhergeht. Bei der Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage, kann es in Griechenland zu Ausfällen kommen. Gründe für das schlechte Abschneiden können vor allem im Wirtschaftssektor gesucht werden. Sowohl beim Haushaltsausgleich, als auch bei der Bruttoverschuldung ist Griechenland ein negativer Spitzenreiter. 103 Auch in der politischen Komponente zeigt Griechenland im Bereich Korruption und Demokratiequalität 104 eklatante Schwächen auf. Das zuletzt im Blickpunkt stehende Portugal erreicht in diesem Rating den viertletzten Platz mit einer Gesamtnote von 3,0 und der Bewertung „3+“. Die entsprechende Moody’s Bewertung wäre „Baa“ bzw. „Baa1“ als Übergang zu „A“. Somit ist eine portugiesische Staatsanleihe in der langfristigen Betrachtung für Investitionen geeignet, wenn auch bei der Verschlechterung der Gesamtwirtschaft mit Problemen zu rechen ist. In allen drei Kennzahlen erreicht Portugal nur Mittelmaß. Somit ist das Ergebnis gerechtfertigt. Das dritte kritische Land aus der europäischen Währungsunion ist Italien. Mit einer Endnote von 3,4 und der Bewertung „3“ ist die südliche Alpennation das zweitschlechteste Land im Rating. Sowohl kein Wirtschaftswachstum als auch die hohe Bruttoverschuldung 105 sind Gründe für die schlechte Wirtschaftslage Italiens. Auch die politischen Kennzahlen sind in Italien ausbaufähig, so ist zum Beispiel der Korruptionswahrnehmungsindex der zweitschlechteste in ganz Europa. Im Sozialen Bereich liegt Italien dagegen im Mittelfeld, kann aber die schlechten politischen und wirtschaftlichen Ergebnisse nicht aufwiegen. Langfristig betrachtet kann die Italienische Staatsanleihe für Investitionen in Betracht gezogen werden, doch sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass es bei Schwierigkeiten in der gesamtwirtschaftlichen Lage zu Zahlungsausfällen kommen kann.

103 Bruttoverschuldung = 105,3 % des BIP; Haushaltsdefizit = -6,3 % des BIP (beides Mittelwerte)

104 Jeweils Teilnote 5 (CPI = 3,5; Demokratiequalitätsindex beruht auf Schätzungen (siehe Fehlerbetrachtung)

105 BIP-Wachstum = 0%; Bruttoverschuldung = 107,4% des BIP (beides Mittelwerte)

34

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

Auch Irland und Spanien, gehören zur Gruppe der PIIGS-Länder. Belgien kann zum erweiterten Risikokreis gezählt werden. Alle drei Staaten überzeugen mit guten Endergebnissen bei einer langfristigen Betrachtung. Dies vor allem ein Resultat aus der Bewertung mit dem Mittelwert, welche in der Fehlerbetrachtung nochmals berücksichtigt wird. Belgien und Irland sind mit einer 2,6 benotet und mit „2“ bewertet. Spanien wird mit einer 2,7 oder „2-“ eingestuft. Im Moody’s Bewertungssystem würde dies eine „Aa“ (Irland und Belgien) und ein „A“ (Spanien) bedeuten. Somit sind alle drei Staatsanleihen für die Investition geeignet. Das Ergebnis des Ratings enthält zum Teil größere Abweichungen im Vergleich zu dem Rating von Moody’s oder Standard & Poor’s.

4.7 FEHLERANALYSE

In diesem Abschnitt wird nun die Umsetzung der Zielstellung analysiert. Des Weiteren sollen mögliche Fehlerquellen analysiert, erläutert und gegebenenfalls mit Verbesserungsvorschlägen unterlegt werden.

4.7.1 EINFACHHEIT UND SUBJEKTIVITÄTSFREIES RATING

Das Ratingverfahren besteht aus genau 21 Kennzahlen, welche mittels statistischer Ämter oder anderen Institutionen ermittelt werden können. Ein einfacheres Verfahren dürfte neben einer puren Schätzung nicht existieren. Die Werte für die Einordnung in die Kriterien werden mit dem arithmetischen Mittel berechnet. Die schwierigste Berechnung im Rating ist die Ermittlung der Ausfallwahrscheinlichkeit und der Überrendite. Doch auch diese Berechnung der Regressionsfunktion ist im Vergleich zur Schätzung mittels historischer Daten, einfach gehalten. Somit ist die Einfachheit im Verfahren gewährleistet und ein Teilziel umgesetzt. Das zweite Teilziel war die Gewährleistung von Objektivität bzw. eine Subjektivitätsfreiheit. Das Ratingsystem greift nur auf quantitative Kennzahlen zurück. Qualitative Aussagen über die Politik, die Wirtschaft oder das Sozialsystem eines Landes werden nicht mit in das Verfahren eingebunden. Somit ist das Rating zumindest auf Datenebene frei von Subjektivität. Eine endgültige Befreiung ist allerdings nicht möglich. Jedes Bewertungsverfahren ist teilweise subjektiv. Die Gewichtung der Kennzahlen oder die Kriterienvergabe pro Kennzahl sind subjektive Handlungen, die durch die Betrachtungsweise beeinflusst sind. Bei einigen Kennzahlen 106 waren nicht für jede Nation Daten vorhanden, so dass die Noten mittels Schätzverfahren ermittelt werden mussten.

106 Vgl. Demokratiequalitätsindex

35

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

Auch eine Schätzung ist eine subjektive Handlung. Somit konnte das zweite Teilziel nicht eingehalten werden, jedoch kann ein subjektivitätsfreies Ratingverfahren aufgrund der genannten Vorbehalte nicht existieren.

4.7.2 DATENERMITTLUNG UND DATENQUALITÄT

Bei der Ermittlung der Daten, war man auf die Dienste Dritter angewiesen. Somit sind verschiedene Kriterien für eine sehr gute Qualität der Daten womöglich nicht gewährleistet. Die Kriterien für gute Daten sind Aktualität, Vollständigkeit, Genauigkeit und eine seriöse Datenerhebung. Der Großteil der Zahlen war nur bis zum Jahr 2009 verfügbar. Da nur wenige bis 2010 zur Verfügung standen und andere wiederum noch nicht einmal bis 2009 ist die Eigenschaft der Aktualität nicht 100% erfüllt. Zudem waren nicht alle Datentabellen vollständig, dass heißt, dass zu einigen Ländern keine Daten angegeben waren. Ob die Zahlen genau und die Daten auf einem seriösen Weg erhoben worden sind, konnte nicht erschlossen werden, da man keinen Einblick in die Erhebungsverfahren der statistischen Institutionen hat und bekommt. Da diese Einrichtungen sowohl auf europäischer, als auch auf nationaler Ebene führend sind, kann man davon ausgehen, dass die Datenerhebung ordnungsgemäß und die Daten genau sind. Zum Teil fehlende Daten mussten allerdings geschätzt werden, wie zum Beispiel bei dem Demokratiequalitätsindex oder auch bei der Ausfallwahrscheinlichkeit und der Überrendite. Der Demokratiequalitätsindex für Griechenland konnte anhand der Daten für Großbritannien abgeschätzt werden, da die griechische Nationen in allen Belangen schlechter einzuschätzen war als Großbritannien. Eine breitere Quellenvielfalt hätte dieses Problem eventuell beheben können.

4.7.3 FEHLER BEI DER BERECHNUNG UND SCHÄTZUNG

Die Länder wurden anhand des Mittelwertes in die einzelnen Notenstufen eingeordnet. Dieser Mittelwert wurde über die Zeit von zehn Jahren gebildet. Somit war die Qualität des Durchschnittwertes von der Vollständigkeit der Daten abhängig. Um mit dem arithmetischen Mittel eine noch genauere Aussage tätigen zu können, muss

über die Durchschnittswerte eines Landes eine Glockenkurve bzw. Verteilungsfunktion gelegt werden. Somit kann ein gewisser Prozentsatz in den Extrembereichen der Verteilung ausgeschlossen werden und der Mittelwert wird nicht von statistischen „Ausreißern“ verzerrt. Außerdem kann die Standardabweichung und damit die Varianz der Ergebnisse minimiert werden.

36

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

Wie schon bei der Erläuterung der Ausfallwahrscheinlichkeit und der Überrendite angesprochen, konnten beide nur schätzungsweise berechnet werden, da die historischen Daten von Moody’s oder anderen Ratingagenturen gefehlt haben. Die Korrektheit der Regressionsfunktionen ist abhängig von der Qualität der Daten. Außerdem ist die Genauigkeit der Regressionsfunktion fragwürdig, da diese nur eine Art Mittelwertschätzung darstellt.

4.8 KRITISCHE WÜRDIGUNG UND MÖGLICHE VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE

4.8.1 EIGENE DATENERHEBUNG

Die Ungewissheit über die Vollständigkeit, Aktualität und Genauigkeit der Zahlen ist das Hauptproblem des Ratings. Eine eigene Datenerhebung würde dieses Problem möglicherweise minimieren und qualitativ hochwertige Daten gewährleisten. Möglichkeiten zur Minimierung sind Auswertungen der wichtigsten Unternehmen einer Nation oder eigene Berechnungen der Kennzahlen. So kann zum Beispiel das BIP- Wachstum oder das BIP pro Kopf selber berechnet werden. Für andere Kennzahlen, wie dem Korruptionswahrnehmungsindex, können eigene Erhebungen durch Umfragen oder die Erstellung eines unabhängigen Indexes, die Vollständigkeit und Aktualität garantieren.

4.8.2 MITTELWERT, AUSFALLWAHRSCHEINLICHKEIT UND ÜBERRENDITE

Wie in der Fehlerbetrachtung angesprochen, kann die Mittelwertberechnung durch extreme

Zahlen verzerrt worden sein. Eine mögliche Lösung, wäre der Ausschluss der Extremwerte

y Durchschnittsmenge
y
Durchschnittsmenge
wäre der Ausschluss der Extremwerte y Durchschnittsmenge Extremwerte Abbildung 1 – Verteilungsfunktion 1 0 7 x

Extremwerte

Ausschluss der Extremwerte y Durchschnittsmenge Extremwerte Abbildung 1 – Verteilungsfunktion 1 0 7 x durch eine

Abbildung 1 – Verteilungsfunktion 107

x

durch eine Verteilungs- bzw. Glockenfunktion, wie in Abbildung 1 dargestellt. Somit ist es

107 eigene Darstellung

37

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

möglich einen gewissen Prozentsatz sowohl auf der linken, als auch auf der rechten Seite der Funktion auszuschließen. Dies würde die Varianz der Ergebnisse minimieren und den Mittelwert „entzerren“. Für die Ausfallwahrscheinlichkeit und die Berechnung der Überrendite könnten detailreichere Daten herangezogen werden, um die Quoten zu ermitteln bzw. zu schätzen. Hierfür könnten Umfragen ein probates Mittel darstellen. Allerdings würde dies die Einfachheit des Verfahrens zerstören, womit die allgemeine Zielstellung verletzt werden würde.

4.8.3 GEWICHTUNG

Ein großer Einflussfaktor auf die Endergebnisse sind die Gewichtungen der 21 Kennzahlen. Wie bereits beschrieben, gab es gute (subjektive) Gründe die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Faktoren mit den angegebenen Gewichtungen eingehen zu lassen. Jedoch würden wahrscheinlich andere subjektive Herangehensweisen das Ergebnis entscheidend verändern.

5 LTE-RATING VS. MOODYS

Als abschließenden Punkt soll nun das LTE-Rating mit dem Verfahren von Moody’s verglichen werden. Der Vergleich folgt aus der teilweisen Verwendung von Daten und dem Bewertungsabgleich mit Moody’s. Zu erkennen ist, dass die Daten des Ratings im Bezug auf Moody’s sehr gestaucht sind. So wird Deutschland im Moody’s-Verfahren mit einem „tripple A“ (Aaa) bewertet und Griechenland mit „B1“. In dem entwickelten Rating gelingt Deutschland nur ein „Aa“ und Griechenland erreicht ein „Baa“, welches auf der Kippe zu „Ba“ steht. Somit wurde Deutschland unterbewertet und Griechenland überbewertet. Ein möglicher Grund dafür, ist die langfristige Betrachtung, in der aktuelle Trends nicht berücksichtigt sind. Durch eine Gewichtung der 10-Jahreswertung, könnte aktuellere Daten zu einem größeren Teil in die Bewertung einfließen und das Ergebnis maßgeblich beeinflussen. Ein weiterer Grund, vor allem für das schlechte Abschneiden Deutschlands, ist die rein europäische Betrachtung der Kriterien, dass heißt im Moody’s-Verfahren werden die Kriterien und Gewichtung nicht nur auf europäische Staaten, sondern global abgestimmt. Bei einem weltweiten Rating werden auch wirtschaftsschwache Nationen aus Teilen Afrikas oder Asiens mit einbezogen. Die Benotungskriterien, werden somit weitestgehend darauf angepasst. In einem globalen Bewertungsmodus schneidet Deutschland somit besser ab und Griechenland schlechter. Es ist daher auch anzunehmen, dass dieser Unterschied in der

38

Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

Bewertung Auswirkungen auf das Rating der anderen Nationen hat. Die Ausfallwahrscheinlichkeiten des LTE-Ratings stimmen erwartungsgemäß mit denen von Moody’s überein, da der Berechnung die Daten von Moody’s zugrunde liegen. Der Vergleich der Überrenditen ist nur wage abzuschätzen, da für das Moody’s Rating keine Daten zugrunde liegen. Die Renditen wurden von Trading Economics 108 übernommen und die Nationen nach der Moody’s Bewertung eingeordnet. Da die Renditen weitestgehend mit denen der gehandelten Staatsanleihen übereinstimmen, sollten die errechneten Überrenditen schätzungsweise kongruent mit denen von Moody’s sein.

6 Fazit und Zusammenfassung

Ziel der Arbeit war es ein einfach strukturiertes und subjektivitätsfreies Ratingverfahren zu erstellen. Da sich das Bewertungsverfahren nur auf quantitative Kennzahlen stützt und die Daten mittels verschiedener statistischer Institutionen ermittelbar sind, ist die Zielsetzung der Einfachheit erreicht worden. Die gezielte Auswahl von objektiven und damit quantitativen Kennzahlen sollte die Subjektivität einschränken bzw. stark minimieren. In der Nachbetrachtung muss jedoch eingeräumt werden, dass eine vollständige Eindämmung der Subjektivität nicht möglich ist, weil sowohl die Auswahl der Kennzahlen, die Gewichtungen und die notwendigen Schätzungen einer subjektiven Auffassung unterlagen. Jedes Ratingverfahren hat somit einen subjektiven Anteil, den man nur minimieren, aber nicht ausschließen kann. In Bezug auf die PIIGS-Staaten kann festgehalten werden, dass diese auch in diesem Ratingverfahren als Risikonationen enttarnt worden sind, jedoch ist das Risiko bei der langfristigen Betrachtung bei weitem nicht so hoch eingeschätzt worden, wie bei den Ratingverfahren führender Ratingagenturen. Die beeinflussenden Gründe sind in der Auswertung hinreichend dargelegt worden. Abschließend ist zu sagen, dass, trotz der unterschiedlichen Betrachtungsweise, Länder, wie Griechenland, Italien und Portugal, ein nicht zu verachtendes Risiko bei der Anlage in Staatsanleihen bergen. Der aktuelle Trend zeigt auch, dass Irland, Belgien und Spanien risikobehaftet sind, jedoch im langfristigen Mittel Stabilität aufweisen. In dem entwickelten Ratingverfahren kann keine generelle Aussage über die Bonitäten der bewerteten Länder getroffen werden, jedoch kann eine tendenzielle Aussage über die Ausfallwahrscheinlichkeiten und die Bonität der Nationen abgelesen werden.

108 Vgl. Trading Economics – URL: http://www.tradingeconomics.com/World-Economy/Bonds.aspx

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Beitrag zum Postbank Finance Award 2011

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