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Deutscher Bundestag

17. Wahlperiode

Protokoll Nr. 17/39

Nur zur dienstlichen Verwendung

Sportausschuss

Kurzprotokoll

39. Sitzung

Berlin, den 26.10.2011, 14:30 Uhr Sitzungsort: Berlin Sitzungssaal: 4.800, Paul-Löbe-Haus

Vorsitz: Dagmar Freitag, MdB

TAGESORDNUNG:

 

Seite

Vor Eintritt in die Tagesordnung

5-9

Tagesordnungspunkt 1

10-11

Gesetzentwurf der Bundesregierung

Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung eines aktiven Schutzes von Kindern und Jugendlichen (Bun- deskinderschutzgesetz - BKiSchG)

BT-Drucksache 17/6256 Ressortvertreter/in:

Tagesordnungspunkt 2

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

12-18

Gutachtliche Beratung über die Sportfördermittel des Bundes im Entwurf zum Haushalt 2012

Arbeitsunterlage:Ausschussdrucksache-Nr. 17(5) 83, 17 (5) 87, 17 (5) 88, 17 (5) 92, 17 (5) 93, 17 (5) 94

Tagesordnungspunkt 2a

12-16

Beratung und Abschluss Einzelplan 06 Bundesministerium des Innern

Ressortvertreter/in:

Bundesministerium des Innern

Tagesordnungspunkt 2b

16-17

Beratung und Abschluss Einzelplan 11 Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Ressortvertreter/in:

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Tagesordnungspunkt 2c

17-18

Beratung und Abschluss Einzelplan 14 Bundesministerium der Verteidigung

Ressortvertreter/in:

Bundesministerium der Verteidigung

Sportausschuss, 39. Sitzung, 26.10.2011

Tagesordnungspunkt 3

Seite

19-22

Antrag der Abgeordneten Martin Gerster, Sönke Rix, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, weiterer Ab- geordneter und der Fraktion der SPD

Rechtsextremistische Einstellungen im Sport konsequent bekämpfen - Toleranz und Demokratie nachhaltig fördern

BT-Drucksache 17/5045 Ressortvertreter/in: Bundesministerium des Innern

Tagesordnungspunkt 4

23-42

Stand der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Sportbereich

Bericht:

Bundesministerium für Arbeit und Soziales Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der behinderten Menschen Deutscher Behindertensportverband Special Olympics

Tagesordnungspunkt 4neu

43-45

Antrag der Abgeordneten Klaus Riegert, Eberhard Gienger, Stephan Mayer (Altötting), weiterer Ab- geordneter und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten Joachim Günther (Plauen), Dr. Lutz Knopek, Gisela Piltz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP

Klima- und Umweltschutz im und durch den Sport stärken - Für eine verantwortungsvolle Sportent- wicklung in Deutschland

BT-Drucksache 17/5779 Ressortvertreter/in:

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Die ursprünglichen Tagesordnungspunkte verschieben sich entsprechend

Tagesordnungspunkt 5

Verschiedenes

46

Sportausschuss, 39. Sitzung, 26.10.2011

Anwesenheitsliste*

Mitglieder des Ausschusses

Ordentliche Mitglieder des Ausschusses

Stellv. Mitglieder des Ausschusses

CDU/CSU

Gienger, Eberhard Heil, Mechthild Mayer, Stephan Riegert, Klaus Steffel, Frank, Dr. Stier, Dieter Strenz, Karin

Dobrindt, Alexander Fischer, Dirk Grindel, Reinhard Knoerig, Axel Kolbe, Manfred Stetten, Christian Freiherr von Wichtel, Peter

SPD

Bätzing-Lichtenthäler, Sabine Fograscher, Gabriele Freitag, Dagmar Gerster, Martin

Lambrecht, Christine Marks, Caren Schäfer, Axel Zypries, Brigitte

FDP

Günther, Joachim Knopek, Lutz, Dr. Piltz, Gisela

Luksic, Oliver Reinemund, Birgit, Dr. Volk, Daniel, Dr.

DIE LINKE.

Kunert, Katrin

Seifert, Ilja, Dr.

Petermann, Jens

Tempel, Frank

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Cramon-Taubadel, Viola von Wagner, Daniela

Klein-Schmeink, Maria Roth, Claudia

______________________________________ *) Der Urschrift des Protokolls ist die Liste der Unterschriften beigefügt.

Sportausschuss, 39. Sitzung, 26.10.2011

Bundesregierung

Bundesrat

Fraktionen und Gruppen

Sportausschuss, 39. Sitzung, 26.10.2011

Vor Eintritt in die Tagesordnung

Die Vorsitzende begrüßt die Anwesenden. Sie sehe eine Wortmeldung zur Geschäftsordnung des Kollegen Klaus Riegert. Kollege Riegert habe das Wort.

Abg. Riegert (CDU/CSU) führt aus, da man heute aufgrund der Plenarsitzungen keine Ge- legenheit gehabt habe, ein Obleutegespräch durchzuführen, beantrage er nach § 69 der Geschäftsordnung die Nichtöffentlichkeit her- zustellen, weil man gerne über die Arbeit des Ausschusses diskutieren wolle, und zwar nichtöffentlich.

Die Vorsitzende weist darauf hin, dass nach § 69 Absatz 1 der Geschäftsordnung des Deut- schen Bundestages in Verbindung mit Artikel 42, Absatz 1, Satz 3 GG die Abstimmung über einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit bereits nicht öffentlich zu erfolgen habe. Sie bitte deshalb alle Anwesenden den Sitzungssaal zu verlassen, die nicht Mitglieder des Hauses, oder Vertreter der Bundesregierung, oder einer Landesregierung, oder Mitarbeiter einer Frak- tion, oder MdB-Mitarbeiter oder Mitarbeiter des Ausschusssekretariates seien. Sie bitte darum, für einen Moment vor der Tür zu war- ten.

Die Nichtöffentlichkeit sei hergestellt, sie rufe die Kollegen zur Abstimmung auf und bitte um das Handzeichen, wer dem Antrag auf Her- stellung der Nichtöffentlichkeit zustimme.

Abg. Petermann (DIE LINKE.) bittet vor der Abstimmung um eine Begründung.

Die Vorsitzende bemerkt, erst müsse man über diesen Geschäftsordnungsantrag abstimmen und sie denke, dann werde der Kollege Riegert begründen, warum das so sein solle. Dann lasse sie jetzt über den Antrag abstimmen, die Nichtöffentlichkeit herzustellen. Der Aus- schuss beschließt Annahme mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen die Stimmen der drei Oppositionsfraktionen.

Abg. Riegert (CDU/CSU) führt aus, die Re- gierungskoalition habe sich in einer Halbzeit- bilanz Gedanken darüber gemacht, was die Effektivität und die Arbeit des Sportausschus- ses anbelangt und man sei zum Ergebnis ge- kommen, dass die geübte Praxis, die im Übri- gen außer dem Sportausschuss kein anderer Ausschuss des Deutschen Bundestages prakti- ziere, nämlich ständig Öffentlichkeit herzu- stellen, sich nicht bewährt habe. Weder sei der Ausschuss öfter in der Öffentlichkeit gewesen, noch sei positiv über den Sportausschuss dis- kutiert worden. Er dürfe nur die Überschrift des Deutschlandfunks in der Online-Version der vergangenen Woche vorlesen. Da heiße es, das mute schon sehr merkwürdig an, was Be- obachter bei den Sportausschusssitzungen in Berlin immer wieder erlebten. Mal würde am PC gedaddelt, mal ein Nickerchen gehalten, diesmal würden Desinteresse und Disziplinlo- sigkeit der Abgeordneten an den lichten Reihen erkennbar. Das sei für ihn die Spitze des Eis- berges gewesen, dass offensichtlich Leute, die

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aus seiner Sicht besonderes Wohlwollen gehabt hätten, tatsächlich bei den Sitzungen anwesend sein zu dürfen – auf anderen Homepages gebe es noch sehr viel krassere Beispiele – in dieser Weise kommentieren würden. Ein weiteres Beispiel wolle er noch anfügen. Als der Aus- schuss kürzlich auf Anmerkung der Staatsan- waltschaft München, dass sie Aussagegeneh- migungen nur für eine nichtöffentliche Sitzung erteilen könne, nicht öffentlich getagt habe, habe sich die Sportausschussvorsitzende rechtfertigen müssen, warum man Nichtöffent- lichkeit herstelle.

Die Koalition habe sich beraten und sei ein- deutig zu dem Schluss gekommen, dass es unmöglich sein könne, dass wir uns wegen parallel tagender Ausschüsse oder Terminen von mehreren Kollegen beim Bundespräsiden- ten und anderem mehr zwischen 18.00 Uhr und 18.30 Uhr über die Präsenz rechtfertigen müs- sen. Das halte er für völlig unangemessen und unser eindeutiger Beschluss sei der, dass man für die Zukunft grundsätzlich die Nichtöffent- lichkeit des Ausschusses, wie es in der Ge- schäftsordnung vorgesehen sei, beantragen und beibehalten wolle. Nur auf Antrag und nur bei bestimmten Themen solle die Öffentlichkeit hergestellt werden, so wie es in allen anderen Ausschüssen Brauch sei und er beantrage hiermit, am Ende dieser Debatte darüber abzu- stimmen.

Abg. Gerster (SPD) dankt der Vorsitzenden und führt aus, der Antrag stoße bei ihm auf völliges Unverständnis, das müsse er ehrlich sagen. Man habe seit Jahren eine gute Traditi-

on, hier öffentlich zu tagen und das verschaffe natürlich auch die Transparenz, die man brau- che und die man als Politiker auch immer wieder einfordere und die von den Bürgerinnen und Bürgern erwartet werde. Er glaube des- wegen auch, dass es ein gutes Signal sei, öf- fentlich zu tagen, was im Übrigen inzwischen zwei Ausschüsse täten. Es sei halt nicht wahr, dass nur der Sportausschuss öffentlich tage, auch der Europaausschuss tue das regelmäßig und im Übrigen sei es jedem selbst überlassen, sich hier im Ausschuss entsprechend zu ver- halten und ggf. präsent zu sein. Er glaube, der Antrag habe letztendlich nur eine Wurzel und das sei der Ärger über die eigene Nichtpräsenz in der letzten Sitzung. Es sei auch absehbar gewesen, dass es Ärger über schlechte Be- richterstattung geben würde, er finde aber, schlechte Presse rechtfertige es noch lange nicht, dass man sich einigele und die Türen zumache. Mit dem Argument, dass der Abg. Klaus Riegert hier vorgetragen habe, könne man jede Plenarsitzung nur noch nichtöffent- lich führen, weil es auch dort so sei, dass immer wieder Zeitungen und Medien schrieben, wie leer der Plenarsaal sei und mit welchen Dingen sich Kolleginnen und Kollegen zuweilen ne- benbei beschäftigten. Mit dieser Argumentati- on könne man die Herstellung von Nichtöf- fentlichkeit kaum begründen.

Er sei durchaus bei gegebenem Anlass dafür, auch mal zu sagen, hier sei Nichtöffentlichkeit geboten. Dies habe man auch im Einvernehmen mit den Obleuten bereits praktiziert. Aber grundsätzlich nicht öffentlich im Sportaus- schuss zu tagen, halte er für einen Skandal und

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er glaube, dass auch die Presse und die Medien entsprechend kommentieren würden, was die wahren Motive seien. Die SPD habe in der letzten Sitzung sogar auf die Abstimmungen ihrer Anträge verzichtet, weil vorher gesagt worden sei, die Union und die FDP habe Prä- senzprobleme und deshalb habe man gemäß Verabredung im Obleutegespräch keine Ab- stimmung in dieser Sitzung gehalten. Besser sei es, Präsenz bei den Koalitionsfraktionen her- zustellen als jetzt zu argumentieren, Nichtöf- fentlichkeit müsse her, damit nicht mehr ent- deckt werde, wie tatsächlich schwach die Prä- senz bei den Koalitionsparteien sei.

Abg. von Cramon (BÜNDNIS 90/DIE

GRÜNEN) schließt sich der Argumentation des Kollegen Gerster an. Wenn man das Image als Sportpolitiker aufpolieren wollte, sollte man dies durch bessere Diskussion tun, durch gute Beiträge und interessante Themen und durch interessante Inputgeber oder Referenten. Sie sei noch nicht so lange dabei und könne daher nicht die ganze Historie mitbringen, aber der Euro- paausschuss tage immer öffentlich, außer es würde genauso wie hier, aus dem einen oder anderen Grund beantragt, nichtöffentlich zu tagen. Von daher sei der Sportausschuss nicht der Einzige, der regelmäßig öffentlich tage. Alles andere sei von Herrn Gerster schon ge- nannt worden.

Abg. Petermann (DIE LINKE.) ergänzt, er plädiere dafür, sich von außen nicht treiben zu lassen. In Thüringen sage man zu einem sol- chen Verhalten, man spiele jetzt die beleidigte Leberwurst und dies sei nicht zielführend. Man

wisse voneinander, dass alle viel arbeiteten, dass sie auch in verschiedenen Ausschüssen und Gremien säßen, die häufig parallel tagten. Dies habe zur Folge, dass auch die Präsenz bei der einen oder anderen Veranstaltung nicht so gewährleistet werden könne, wie sie gewähr- leistet werden sollte. Man solle auch souverän mit dieser Pressekritik umgehen, dazu könne man ja vielleicht eine Pressemitteilung machen, aber diese Reaktion fände er auch überzogen und sie sei aus der konkreten Situation heraus vielleicht sogar ein Stück weit nachvollziehbar, aber er würde empfehlen, einfach noch eine Nacht darüber zu schlafen und keine Hau-Ruck-Aktion daraus zu machen.

Abg. Günther (FDP) betont, der Kollege Riegert habe bereits darauf aufmerksam ge- macht, dass dieses Thema in der Koalition abgestimmt sei. Er glaube auch nicht, dass man sich treiben lasse oder das man man aus einem Affekt heraus handele. Natürlich gebe es An- lässe, darüber immer wieder zu diskutieren. Als der Ausschuss in dieser Legislatur das erste Mal zusammengekommen sei, habe man da- rüber abgestimmt, dass man weiterhin öffent- lich tage, wenngleich es auch da schon Dis- kussionen und unterschiedliche Meinungen gegeben habe. Es sei also nicht neu und nicht aus dem Affekt heraus geboren, wenn man jetzt zum Verfahren der Geschäftsordnung zurück- kehre. In der vergangenen Woche sei es beim Haushalt um die Anberatung von Anträgen gegangen, es sei also nicht die Frage gewesen, ob man auf Abstimmungen verzichte, sondern dies habe von vorneherein so fest gestanden. Wenn parallel das Plenum tage und wichtige

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Abstimmungen, z.B. über den Euro, anstünden, oder wichtige Ansetzungen, wie Beratung der Landesgruppenvorsitzenden oder ähnliches stattfände, müsse man dort hingehen. Das kenne jeder aus seiner eigenen Fraktion, des- halb sehe er dies nicht als einen kritikwürdigen Punkt an. Er sei der Meinung, man solle im Moment so verfahren wie Klaus Riegert dies so vorgeschlagen habe und im Bedarfsfall zu einzelnen Themen die Öffentlichkeit herstellen.

Abg. Schäfer (SPD) bemerkt, er selbst pendele zwischen Europa und Sport hin und her. Es ginge ihm um bestimmte parlamentarische Erfahrungen. Er komme aus dem Europäischen Parlament, bei dem generell alle Ausschüsse öffentlich tagten. Da gebe es Situationen, die im Bundestag völlig undenkbar seien, dass nämlich der Chef der Europäischen Zentral- bank in den Ausschuss eingeladen werde und dort berichte. Das gebe es hier normalerweise nicht, dass der Chef der Deutschen Bundesbank Berichtspflicht im Deutschen Bundestag habe, jedenfalls habe er das noch nie gehört. In den Europäischen Verträgen sei eine entsprechende Berichtspflicht fest verankert. Die Erfahrung, die damit gemacht werde, sei insgesamt bei aller Abwägung eine positive.

Was die Situation im Sportausschuss anbelan- ge, habe die Koalition sicherlich eine schwie- rige Konstellation, die er durchaus verstehe, denn sie müsse regieren und die Ausschüsse, die parallel tagten, besetzen. Dies habe im Europaausschuss dazu geführt, dass nachmit- tags getagt werde und nicht mehr vormittags. Dazu habe es dort auch lange Debatten geben.

Aber es gebe im Bundestag keinen vernünfti- gen Grund, Ausschussarbeit hinter verschlos- senen Türen zu machen, es sei denn, eine Fraktion beantrage ausnahmsweise, nichtöf- fentlich zu tagen. Es gebe keinen vernünftigen Grund in einer parlamentarischen Demokratie dafür und es wäre in der Frage nach mehr Transparenz eine verheerendes Signal, wenn man jetzt als Ausschuss das tradierte Verfahren zurückdrehe. Als Sportausschuss verlange man mehr Transparenz von Verbänden – jeder wis- se, welche er meine - und man könne jetzt nicht anfangen, hier die Schotten dicht zu machen. Das sei für ihn ein völlig unvorstellbarer Vor- gang, der hier gerade ablaufe und er bitte alle Kolleginnen und Kollegen wirklich herzlich, dies noch einmal zu überlegen. Das generelle Signal des Parlaments in Zeiten der eher zu steigernden Transparenz wäre fatal.

Die Vorsitzende führt aus, sie habe jetzt keine weiteren Wortmeldungen. Sie frage die Koali- tion, ob es noch Beratungsbedarf auf ihrer Seite gebe? Dies sei offenbar nicht der Fall. Sie komme dann zur Abstimmung.

Der vorläufig mündlich gestellte Antrag der Koalition ziele darauf, den Beschluss dieses Ausschusses, den man am 25.11.2009 be- schlossen habe, nämlich grundsätzlich öffent- lich zu tagen, mit der Folge aufzuheben, dass der Sportausschuss künftig gemäß § 69, Absatz 1, Satz 1 der Geschäftsordnung des Bundesta- ges wieder nichtöffentlich tage. Für die Zulas- sung der Öffentlichkeit bedürfe es danach dementsprechend künftig eines Ausschussbe- schlusses.

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Der Ausschuss stimmt dem Antrag der Koalitionsfraktionen mit den Stimmen der Koalition gegen die Stimmen der drei Op- positionsfraktionen zu.

Sie bitte den Ausschusssekretär entsprechend der Vereinbarung mit den Obleuten, die War- tenden vor der Tür zu informieren, damit es dort nicht zu größeren Diskussionen komme, denn sie denke, man solle die Sitzung jetzt fortsetzen. Sie komme zurück zu Tagesord- nung.

Sitzungsbegleitend stehe Herr Parlamentari- scher Staatssekretär Dr. Bergner zur Verfü- gung, der allerdings gleich ins Plenum müsse. Sie begrüße ebenso herzlich Herrn Böhm und Herrn Bernhard sowie alle übrigen Ressort- und Ländervertreter.

Die Obleute schlügen vor, mit Punkt 2 - Haushaltsberatungen - zu beginnen, weil jetzt der Parlamentarische Staatssekretär noch zur Verfügung stehen könne. Zunächst gebe es aber noch eine Wortmeldung des Kollegen Jens Petermann zum Ablauf der Tagesordnung.

Abg. Petermann (DIE LINKE.) regt an, die Frage der heute verkündeten Information zu den Standorten der Bundeswehr mit auf die TO zu nehmen. Davon betroffen seien nach erster Durchsicht auch einige Sportfördergruppen mit insgesamt rund 200 Dienststellen. Es gebe dazu keine weiteren Informationen. Die Vorsitzende schlägt vor, die Frage der Bundeswehrstandorte gegebenenfalls im Zu-

sammenhang mit der Einzelplanberatung des entsprechenden Haushaltes anzusprechen. Man müsse sich jetzt über den Ablauf verständigen und deswegen bitte sie um das Votum, ob Ei- nigkeit darüber bestehe, Punkt 2 – Haushalts- beratungen – vorzuziehen. Das scheine ein- vernehmlich der Fall zu sein. Dann werde sie so verfahren.

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Tagesordnungspunkt 1

Gesetzentwurf der Bundesregierung

Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung eines aktiven Schutzes von Kindern und Jugendli- chen (Bundeskinderschutzgesetz - BKiSchG)

BT-Drucksache 17/6256

Die Vorsitzende begrüßt die Ressortvertrete- rin Frau Angela Wodsak. Der federführende Ausschuss habe das mitberatende Votum für heute angefordert. Hierzu seien ein Ände- rungs- und ein Entschließungsanatrag der Fraktion der CDU/CSU und FDP im feder- führenden Ausschuss auf den Ausschuss- drucksachen 17(13)135 und 17(13)136 verteilt worden.

Abg. Fograscher (SPD) fragt zum Füh- rungszeugnis für Personen, die mit Jugendli- chen zu tun hätten und bittet in diesem Zu- sammenhang um Erläuterung, um welche Personengruppe es ginge, was dies für Eh- renamtliche bedeute und was es mit der Ge- bühr für dieses Führungszeugnis auf sich habe.

Frau Wodsak (BMFSFJ) antwortet, geregelt werde derzeit im Kinderschutzgesetz aus- schließlich der Bereich des SGB VIII, das heiße, es gehe nur um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bzw. Ehrenamtler im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Für Ehrenamtliche bedeute es konkret, dass die jeweiligen örtli- chen Kinder- und Jugendhilfeträger Verein- barungen mit dem Freien Träger darüber schlössen, welche konkreten ehrenamtlichen Tätigkeiten ein Führungszeugnis erforderlich machten. Das weitere Ehrenamt sei derzeit

noch im Anschluss an den Runden Tisch „Sexueller Missbrauch“ in Diskussion. Es gebe noch keine Entscheidungen, wie hierüber verfahren werde, es berühre aber auch Län- derkompetenzen. Zur Frage der Kosten solle es ein neues Merkblatt von der Justizbehörde geben, zu dem die Ressortabstimmung noch laufe.

Abg. Gerster (SPD) bittet um Auskunft zu einem konkreten Beispiel. Man habe einen Übungsleiter, der mit seiner Mannschaft für zehn Tage ein Trainingslager plane. Benötige er ein Führungszeugnis?

Frau Wodsak (BMFSFJ) antwortet, Nein, der hier angesprochene Bereich sei in der Regel nicht der der Kinder- und Jugendhilfe. Wenn Jugendarbeit zufällig den Sportbereich abdecke, käme dies in Frage, bei Sportvereinen aber in aller Regel nicht.

Abg. Gerster (SPD) fragt nach. Vielleicht sei es von ihm missverständlich ausgedrückt worden. Aber er habe verstanden, es sei der Jugendbereich betroffen, aber nicht ,wenn ein Sportverein betroffen sei.

Frau Wodsak (BMFSFJ) führt ergänzend aus, wenn der Sport als Bereich der Kinder- und Jugendhilfe im Sinne des SGB VIII be- troffen sei, gelte dies auch hier. Dies sei aber in der Regel nicht der Fall. Nur wenn es sich um Jugendverbandsarbeit handele, könne der Sport darunter fallen. Der Sportbereich sei ansonsten nicht erfasst, weil er in aller Regel nicht als Kinder- und Jugendhilfeleistung

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angeboten werde.

Die Vorsitzende bittet um ein Votum, ob eine Vorstellung der Änderungs- bzw. Entschlie- ßungsanträge durch die Antragsteller ge- wünscht werde. Das sei nicht der Fall, dann lasse sie abstimmen.

Der Ausschuss stimmt dem Änderungsan- trag der Koalitionsfraktionen auf Aus- schussdrucksache 17(13)135 einstimmig zu.

Der Ausschuss stimmt dem Gesetzentwurf der Bundesregierung auf Bundestags- drucksache 17/6256 in der der soeben ge- änderten Fassung mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen bei Enthaltung der drei Oppositionsfraktionen zu.

Der Ausschuss stimmt dem Entschlie- ßungsantrag der Koalitionsfraktionen auf der Ausschussdrucksache 17(13)136 mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen ge- gen die Stimmen der drei Oppositionsfrak- tionen zu.

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Tagesordnungspunkt 2

Gutachtliche Beratung über die Sportför- dermittel des Bundes im Entwurf zum Haushalt 2012

Die Vorsitzende informiert, man berate un- ter den Tagesordnungspunkten 2a bis 2c die Einzelpläne des Bundesinnenministeriums, des BMAS und des BMVg abschließend. Beratungsgrundlage seien die Aus- schuss-Drucksachen 17(5)83, 17(5)87 und 17(5)88 sowie die hierzu verteilten Ände- rungsanträge. Sie rufe Tagesordnungspunkt 2a auf.

Tagesordnungspunkt 2a

Beratung und Abschluss Einzelplan 06 –

Bundesministerium des Innern

Die Vorsitzende begrüßt die Ressortvertre- ter, die zu diesem Tagesordnungspunkt zur Verfügung stehen. Das seien neben Herrn Dr. Bergner und Herrn Böhm Frau von Wahl und für den Entwurf zum Haushalt des BiSp, Herrn Jürgen Fischer, Direktor des Bundes- institutes für Sportwissenschaften und Herr Dr. Karl Quade, ebenfalls vom Bundesin- stitut für Sportwissenschaften. Zu diesem Tagesordnungspunkt lägen Änderungsan- träge der SPD-Fraktion auf Aus- schuss-Drucksache 17(5)93 und 17(5)94 und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Ausschuss-Drucksache 17(5)92 und 17(5)102 sowie der Fraktion DIE LINKE. auf Ausschuss-Drucksache 17(5)100 vor, die man heute ebenfalls abstimme.

Abg. Fograscher (SPD) führt aus, sie habe die Anträge beim letzten Mal bereits vorge- stellt und bleibe dabei, dass die Aufstockung der Mittel für die NADA um 1 Million Euro und für die WADA um die Summe von 12.000 Euro beantragt werde.

Abg. Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-

NEN) führt aus, sie beantrage, die Mittel- kürzung für den Sportstättenbau zu verrin- gern und den Mittelansatz nur um 2 Millio- nen Euro zu reduzieren, da die Sportstätten allgemein veraltet seien, energetisch nicht saniert sowie teilweise nicht mehr praxis- tauglich seien. Sie sei der Meinung, dass schon in den letzten Jahren beim Sportstättenbau viel eingespart worden sei, aber es sei jetzt zu viel des Guten und des- halb beantrage sie, die Mittel nur um 2 Mil- lionen zu reduzieren.

Abg. Petermann (DIE LINKE.) führt aus, er müsse feststellen, dass die Zuwendungen für die Errichtung, Ausstattung und Bauun- terhaltung von Sportstätten, insbesondere auch im Hochleistungssport, weiter reduziert würden und es sollten jetzt 3 Millionen Euro weniger sein. Dagegen setzte DIE LINKE. ihren Antrag, denn man wisse, dass es einen erheblichen Sanierungsbedarf bei den Sportstätten gebe, es wurde sogar von ge- schätzten 42 Milliarden Euro gesprochen. Es gebe ein riesiges Problem beim barrierefreien Ausbau der Sportstätten, das unbedingt angegangen werden sollte. Dazu gebe der von der Bundesregierung vorlegte Ansatz leider keine Antwort, deswegen DIE

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LINKE. einen eigenen Entschließungsantrag eingebracht habe, der zunächst für das nächste Jahr einen Betrag von 50 Millionen Euro vorsehe, um den Ausbau und Erhalt der Sportstätten, insbesondere aber auch ihre Sanierung, sicherzustellen.

Abg. von Cramon (BÜNDNIS 90/DIE

GRÜNEN) bemerkt, zur Gegenfinanzierung ihres Antrags könnten Mittel aus den An- sätzen für die periodisch wiederkehrenden Sportereignisse verwendet werden, die ver- doppelt worden seien. In der Vergangenheit seien diese Mittelansätze immer sehr groß- zügig ausgefallen, so auch bei den letzten Olympischen Spielen in Peking und Athen. Es habe sich gezeigt, dass das Geld im Grunde nicht ausgeschöpft worden sei. Diese Mittel wolle sie in den Sportstättenbau in- vestieren. Man hätte die Notwendigkeit zum zweiten Antrag, den man gestellt habe, hin- reichend diskutiert. Sie wolle, dass die WADA, wie gewünscht und angefragt, die Mittel um 2 % erhöht bekomme und dass der deutsche Beitrag nicht eingefroren werde und damit auch nicht der Automatismus in Kraft trete, dass auch alle anderen nationalen Beiträge eingefroren würden, was für die WADA fatale Folgen im internationalen Antidopingkampf hätte. Die Mittelaufsto- ckung sei gerechtfertigt und sie würde sich freuen, wenn über die 10.880 Euro zustim- mend abgestimmt würde.

Abg. Riegert (CDU/CSU) bemerkt, die meisten Anträge seien hier im Ausschuss schon diskutiert worden. Zum Punkt

WADA-Mittelerhöhung bekräftige er erneut, dass es weniger um die Frage, ob man 10.000 oder 12.000 Euro aus einem laufenden Haushalt finanzieren könne, sondern um eine Absprache im Europarat. Man habe festge- stellt, das die europäischen Vorschläge we- der zu Personen, zum Sitz oder bei der Durchführung des Datenschutzes berück- sichtigt worden seien und man wünsche sich einen größeren Einfluss. Deswegen wolle man gemeinsam davon absehen, bereits jetzt Geld zu bewilligen, sondern man erwarte, dass der Businessplan komme und das die europäische Stimme auch gehört werde. Wenn diese Bedingungen erfüllt würden, sei man auch bereit zu zahlen.

Große Sympathie habe er für den Antrag, den Sportstättenbau nicht so sehr zu kürzen, denn auch er habe das über viele Jahre kriti- siert. Man habe in den 90er Jahren noch 70 Millionen D-Mark in diesem Titel gehabt. Die Kolleginnen und Kollegen von der SPD würden nicht überrascht sein, dass das ins- besondere in ihrer Regierungszeit am stärksten gekürzt worden sei, besonders, wenn Geld in anderen Bereichen gefehlt habe. Die Gegenfinanzierung scheine ihm nicht ganz seriös und fraglich, ob dies mit den periodischen Sportveranstaltungen wirklich zu machen wäre.

Zum Antrag „Goldener Plan“ der Fraktion DIE LINKE. werde es nicht überraschen, dass man dies ablehne. 50 Millionen Euro herbeizuzaubern sei völlig illusorisch, zumal der Bund hier auch keine Zuständigkeit ha-

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be.

Was die 1 Million für die NADA anbelange, bleibe festzuhalten, dass der Bund von den 13 Millionen Stiftungskapital bisher 11 Mil- lionen eingebracht habe. Man wolle ein Signal setzen, um den Ländern zu zeigen, dass man nicht auf Dauer immer wieder Geld nachlegen werde. Die NADA gehöre noch viel stärker im Stiftungskapital ausgestattet, aber aus grundsätzlichen Erwägungen setze man das Signal, das Stiftungskapital dieses Mal nicht zu erhöhen.

Abg. Günther (FDP) führt aus, er habe es als letzter Redner einfacher. Was der Kol- lege Riegert zur WADA gesagt habe treffe zu und dem sei nichts hinzuzufügen. Viel- leicht könne man sich im Laufe des Jahres darüber verständigen, diese 10.000 Euro hinzuzufügen, wenn entsprechende Be- schlüsse gefasst worden seien. Er wolle zur Sanierung von Sportstätten noch zwei Sätze sagen und die Bundesregierung auch konkret in dieser Richtung fragen. Unterstellt, die für periodische Veranstaltungen angesetzten Summen würden nicht ausgeschöpft, wel- cher Teil könne davon dann noch für Sportstättenbau eingesetzt werden? Er fände es richtig, noch einmal zu prüfen, ob es Möglichkeiten gebe, für den Nachholbedarf bei Sportstätten umzuschichten.

PSts Dr. Bergner (Bundesministerium des

Innern) führt aus, was den Sportstättenbau und die Entwicklung der Mittel für den

Sportstättenbau angehe, solle man nicht ganz

außer Acht lassen, dass aktuell noch ein bisschen vom Konjunkturprogramm profi- tiert werde, bei dem ein beträchtlicher Teil in die Sportstätten geflossen sei. Der jetzige Titelansatz sei die Entscheidung der Parla- mentarier bei der Beratung des Bundes- haushaltes 2011 gewesen. Die Kürzung, die jetzt gekommen sei, entspreche einem lang- fristigen Sanierungskonzept und man sehe durchaus auch die Probleme, die in der Kumulation der parlamentarischen und der jetzt hinzugekommenen Beschlusslage be- stünden. Gleichwohl müsse man sagen, dass der Gegenfinanzierungsvorschlag auf Prob- leme stoße. Er mache darauf aufmerksam, dass die 4,845 Millionen für periodisch wiederkehrende Sportveranstaltungen zum gegenwärtigen Soll ein Aufwuchs um 2,4 Millionen Euro aufweisen. Wie immer bei diesem Titel, sei dies von den jeweiligen aktuellen Ereignissen abhängig. Man habe als einen wesentlichen Posten die Entsen- dekosten der Olympiamannschaft für Lon- don 2012 mit 2,9 Millionen Euro, die Vor- bereitungs- und Entsendekosten der Paralympischen Spiele, der Deaflympics und der Specialolympics mit 1,3 Millionen ver- anschlagt. Für das Internationale Turnfest habe man die Vorbereitungs- und Durch- führungskosten mit 500.000 Euro und die Entsendekosten für die Makkabi-Spiele mit 100.000 Euro im Ansatz. Wenn er sich diese Auflistung ansehe, könne er leider nicht er- kennen, wo hier Luft wäre, aus der 1 Million Euro gewonnen werden könnte. London sei im Übrigen auch vom Preisniveau für Olympische und Paralympische Spiele ein

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relativ teures Pflaster. Er sehe auch deshalb die Einsparreserve nicht, wenn man bei den vorgesehenen Entsendungsunterstützungen bleiben wolle.

Abg. von Cramon (BÜNDNIS 90/DIE

GRÜNEN) bemerkt, man könne ihr Popu- lismus unterstellen, aber nach der Berichter- stattung der letzten Woche habe man gelernt, dass beispielsweise in Russland aufgrund geschickter Verhandlungen des Deutschen Ski-Verbandes eine Reduktion des Kosten- voranschlages um die Hälfte möglich ge- worden sei. Vielleicht sei dies in London nicht der Fall, dennoch fände sie, dass man die Entsendekosten, die für das nächste Jahr sehr hoch angesetzt seien, noch einmal nachrechnen könne, um ggf. Mittel für den Sportstättenbau zu gewinnen.

PSts Dr. Bergner (Bundesministerium des

Innern) entgegnet darauf, er mache auf eine Schwierigkeit aufmerksam. Natürlich lasse sich nie auf den Cent auskalkulieren, was an Entsendekosten benötigt würde. Man habe allerdings das Problem, dass die Haushälter beim letzten Mal beschlossen hätten, die Deckungsfähigkeit innerhalb der Titelgruppe für den Sportstättenbau aufzuheben. Man

könne jetzt nicht mehr eingesparte Mittel für die Sportstättenförderung verwenden. Wenn der Ausschuss den Haushältern auf den Weg mitgeben wolle, die Deckungsfähigkeit wieder herzustellen, was allerdings gegen die fraktionsübergreifende Tendenz des Haushaltsausschusses ginge, könne man noch etwas mobilisieren.

Abg. Petermann (DIE LINKE.) erwidert auf die Ausführungen des Kollegen Regiert, er gebe ihm völlig Recht, dass die föderale Struktur nicht gerade hilfreich sei, wenn man bestimmte Initiativen ergreifen wolle. Am Ende sei es eine politische Entscheidung, ob man sich dazu durchringen könne, den Sportstättenbau voranzubringen und in der Vergangenheit sei auch viel von Schutz- schirmen die Rede gewesen. Warum solle es nicht auch einen Schutzschirm für Sport- stätten geben, deswegen nenne seine Frak- tion den Ansatz „Goldener Plan 3.0“ und dieser gelte auch nicht nur für den Osten, sondern für das gesamte Bundesgebiet.

Die Vorsitzende ruft, da weitere Wortmel- dungen nicht vorliegen, zu den Abstim- mungen auf.

Der Ausschuss lehnt den Antrag auf Ausschussdrucksache 17 (5) 93 mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen sowie den Stimmen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gegen die Stimmen von SPD und der Fraktion DIE LINKE. ab.

Der Ausschuss lehnt den Antrag auf Ausschussdrucksache 17 (5) 94 mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen die Stimmen der drei Oppositionsfrakti- onen ab.

Der Ausschuss lehnt den Änderungsan- trag der Fraktion DIE LINKE. auf Aus- schussdrucksache 17 (5) 100 mit den

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Stimmen der Koalitionsfraktionen, der

terin

die

Abteilungsleiterin Brigitte

Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Lampersbach.

sowie der Fraktion der SPD gegen die Stimmen der Fraktion DIE LINKE. ab.

Abg. Seifert (DIE LINKE.) schlägt vor, den

Der Ausschuss lehnt den Änderungsan- trag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Ausschussdrucksache 17

Titel, bei dem es um die Eingliederung be- hinderter Menschen beim Sport gehe, um 130.000 Euro zu erhöhen, weil man festge- stellt habe, dass im nationalen Aktionsplan

(5) 92 mit den Stimmen der Koalitions-

zur

Umsetzung der

fraktionen und der Fraktion der SPD ge- gen die Stimmen der Fraktionen BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE. ab. Der Ausschuss lehnt den Antrag auf Ausschussdrucksache 17 (5) 102 mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen sowie der Fraktion der SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN bei Enthaltung der Fraktion DIE

UN-Behindertenrechtskonvention die Ver- antwortung des Arbeits- und Sozialministe- riums ausdrücklich auch dafür festgeschrie- ben sei. Hierdurch könnten viele positive Effekte erzielt werden und es sei sinnvoll, diesen Ansatz zu erhöhen, zumal es sich darum handele, die beiden vorgesehenen Kürzungen von 50.000 und 80.000 Euro nicht vorzunehmen, so dass der alte Stand, der vorgesehen war, wieder erreicht werde.

LINKE. ab.

Die Vorsitzende ruft zur Abstimmung auf.

Der Ausschuss stimmt dem Regierungs- entwurf zu den Sportfördermitteln des Einzelplanes 06 des Bundesministerium des Innern für das Haushaltsjahr 2012 auf Ausschussdrucksache 17 (5) 83 im Rahmen der gutachtlichen Stellungnahme an den Haushaltsausschuss mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen

Tagesordnungspunkt 2b

Der Ausschuss lehnt den Änderungsan- trag der Fraktion DIE LINKE. auf Aus- schussdrucksache 17 (5) 101 mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und der Fraktion DIE LINKE. ab.

die Stimmen der drei Oppositionsfrakti- onen zu.

Die Vorsitzende ruft den Regierungsentwurf zu den Sportfördermitteln im Einzelplan 11 des BMAS für das Haushaltsjahr 2012 auf

Beratung und Abschluss Einzelplan 11 Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Ausschussdrucksache 17 (5) 83 zur Ab- stimmung auf.

Die Vorsitzende begrüßt als Ressortvertre-

Der Ausschuss stimmt dem Entwurf mit

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den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen die Stimmen der drei Oppositions- fraktionen zu.

Tagesordnungspunkt 2c

Beratung und Abschluss Einzelplan 14

Bundesministerium der Verteidigung

Die Vorsitzende begrüßt als Ressortvertre- ter Herrn Oberstleutnant Frank-Peter Tho- mas vom BMVg.

Abg. Riegert (CDU/CSU) bittet um Aus- kunft, ob es durch die Standortentscheidun- gen der Bundeswehr hinsichtlich der Sport- fördergruppen Auswirkungen mit Haus- haltsrelevanz für 2012 gebe.

Oberstleutnant Frank Peter Thomas

(BMVg) führt dazu aus, nach seinem Kenntnisstand blieben alle 15 Sportförder- gruppen erhalten. Man habe eine Verände- rung in der Sportfördergruppe Altenstadt, die verlegt werde von Altenstadt nach Olden- burg, weil die dazugehörige Institution ebenfalls nach Oldenburg verlegt werde. Man bleibe nach der gegenwärtigen Planung bei 15 Sportfördergruppen und derzeit auch bei den 744 Förderplätzen für Spitzensport- ler, die man für 2012 zugesagt habe.

Abg. Petermann (DIE LINKE.) weist da- rauf hin, das in dem vorgestellten Papier zur Neustrukturierung und zu den Standortent- scheidungen natürlich Stellenreduzierungen vorgesehen seien. Das seien teilweise Hal- bierungen der vorgesehenen Dienstposten.

Ab welchem Zeitraum sei mit der Reduzie- rung zu rechnen und wann werde sie voll- zogen, wolle er wissen. Gebe es Ideen oder Aktivitäten, um die Ziele, die mit der Sportförderung an sich verbunden seien, dennoch zu erreichen oder sei es vorgesehen, dies im Rahmen einer zivilen Sportförderung zu kompensieren?

Oberstleutnant Frank Peter Thomas

(BMVg) antwortet darauf, wenn man sehe, dass an bestimmten Standorten reduziert würde, hieße das nicht unbedingt, dass es ausschließlich auf die Sportfördergruppe zu beziehen sei, es sei immer auf den gesamten Standort zu beziehen. Man ginge jetzt über in eine sogenannte Feinausplanung und hier werde man auch im Einzelnen zu verhandeln haben. Dazu könne er aber über noch keinen Sachstand berichten, weil ihm dazu noch

nichts bekannt sei. Man bleibe jedenfalls bei 744 Förderplätzen und das beträfe auch das dazugehörige Regiepersonal sowie das Per- sonal für die Militärsportarten. Weitere Veränderungen seien im Moment nicht vorgesehen.

Abg. Gienger (CDU/CSU ) fragt, ob es zwischen den Standorten und Stützpunkten ggf. Verschiebungen gebe, also etwa Sport- arten von Tauberbischofsheim nach Frank- furt gingen oder umgekehtt.

Oberstleutnant Thomas (BMVg) erläutert dazu, das dies zutreffe, es beträfe allerdings nur Altenstadt und hier nur die Fallschirm- springer.Bei den anderen Sportfördergrup-

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pen habe man darauf gedrungen, in dieser Region zu bleiben, weil die Bundesleis- tungszentren, Olympiastützpunkte und auch die Außenstellen dort regional vertreten seien. Das einzige, was sich verändere, seien truppendienstliche Unterstellungen im Rahmen der Organisation der Bundeswehr. Dies habe aber keine Auswirkungen auf den Spitzensport oder auf die Spitzensportför- derung. Sie würden nur anders unterstellt, für den Sportler habe dies keine Auswirkungen.

Abg. Riegert (CDU/CSU) betont, er wolle die Haushaltsplanberatung gerne zum Anlass nehmen, den zweitwichtigsten Haushalt für den Sport, nämlich den der Bundeswehr, noch einmal hervorzuheben und der Bun- dewehr herzlich für die Anstrengungen im Bereich des Sports zu danken und er ver- knüpfe dies mit der Bitte, den Sportaus- schuss über Pläne und Veränderungen so rechtzeitig zu unterrichten, dass er in der Lage sein werde, seinen politischen Einfluss im Haus geltend zu machen. Er danke hierfür herzlich.

Die Vorsitzende ruft die Abstimmung zu den Sportfördermitteln des Einzelplanes 14 auf. Sie bitte um das Votum für den Regie- rungsentwurf zu den Sportfördermitteln im Einzelplan 14 des BMVg für das Haus- haltsjahr 2012 auf Ausschussdrucksache 17 (5) 83.

Der Ausschuss nimmt den Regierungs- entwurf mit den Stimmen der Koaliti- onsfraktionen gegen die Stimmen der

Oppositionsfraktionen an.

Die Vorsitzende schließt die gutachtlichen Beratungen zu den Sportfördermitteln im Haushaltsentwurf der Bundesregierung für das Haushaltsjahr 2012.

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Tagesordnungspunkt 3

Antrag der Abgeordneten Martin Gerster, Sönke Rix, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD

Rechtsextremistische Einstellungen im Sport konsequent bekämpfen - Toleranz und De- mokratie nachhaltig fördern

BT-Drucksache 17/5045

Die Vorsitzende begrüßt als zusätzliche Res- sortvertreterin des Bundesinnenministeriums Frau Plücken-Opolka.

Abg. Gerster (SPD) erklärt, das Thema Rechtsextremismus und Sport sei ein Thema, das tatsächlich auf der Tagesordnung stehe, und zwar nicht nur im Sportausschuss, sondern auch im Alltag. Man stelle fest, dass Grup- pierungen nicht nur im Bereich des Profifuß- balles versuchten, den Fußball als Vehikel zu nutzen, um ihre Parolen zu transportieren, sondern man stelle es vor allem auch im Brei- tensport fest. Immer wieder würden Vereine unterwandert, störende Aktivitäten rund um den Fußballplatz oder auch in Hallen fänden statt und deswegen beantrage er mit dieser Initiative ganz konkret acht Maßnahmen. Er verzichte darauf, diese im einzelnen nochmals vorzustellen. Es seien Sachen dabei, wo er denke, hier könnte die Regierungsfraktion ruhig mitgehen, zum Beispiel sollte im Bericht der Bundesregierung über den Sport ein Ka- pitel zum Thema Extremismus und Sport, insbesondere Rechtsextremismus im Sport, eingefügt werden. Er bitte um Zustimmung zum Antrag seiner Fraktion hier im Ausschuss.

Abg. Riegert (CDU/CSU) entgegnet, man sei sich natürlich darüber einig, dass Rechtsex- tremismus ein aktuelles Problem unserer Ge- sellschaft darstelle, welches die Grundfeste unserer Demokratie bedrohe. Deshalb sehe man eine gemeinsame gesamtgesellschaftliche Aufgabe darin kontinuierlich und konsequent gegen jegliche rechtsextremistische Erschei- nungsform vorzugehen. Gleichwohl denke man, dass der Antrag der SPD nicht berück- sichtige, was die Bundesregierung in dem Feld bereits mache. Deshalb begrüße man auch die Kampagne des DOSB und des DFB gemein- sam mit der Bundesregierung gegen den Rechtsextremismus für Toleranz, Respekt und Menschenwürde. Viele dieser im Antrag an- gesprochenen Ziele seien bereits auf dem Weg. Er bitte das BMI kurz über diese Kampagne zu berichten. Worum gehe es im einzelnen? Er glaube, dass der Antrag ein Stück weit überholt sei, seine Ablehnung zeige nicht, dass man Rechtsextremismus im Sport nicht bekämpfen wolle, sondern dass Teile dieses Antrag schon umgesetzt seien und dass man gemeinsam über den Rechtsextremismus hinaus auch alle an- deren Gewaltformen im Sport ablehne. Des- halb werde seine Fraktion mit diesen Anmer- kungen den Antrag ablehnen.

Abg. von Cramon (BÜNDNIS 90/DIE

GRÜNEN) erklärt, man könne die Ziele teilen, natürlich sei es notwendig, die rechtsextre- mistischen Einstellungen, die es im Sport ohne Zweifel gebe, auch zu bekämpfen. Ihre Frak- tion habe vor zwei Jahren schon einen ähnli- chen Antrag eingebracht. Vieles finde sich jetzt im SPD-Antrag wieder, das sei löblich.

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Man habe allerdings die Befürchtung, dass der Sport niedrigschwellige Angebote brauche, die mehr auf die Region zugeschnitten sein sollten. Durch die Maßnahmen des Antrages könne es häufig zu bürokratischen Hürden kommen, so dass viele Vereine mit diesen Maßnahmen überfordert seien. Deswegen sagen wir, im Grunde gut, man habe sich damals zum Bei- spiel für jährliche Fankongresse eingesetzt, für Fonds für Projekte für Respekt und Toleranz, für eine stärkere Kooperation zwischen der Bundespolizei und den Fanprojekten, und vor allem eine dauerhafte Ombudsstelle. Ihre Fraktion werde sich von daher bei diesem Antrag enthalten, aber grundsätzlich sehe man die Notwendigkeit eines stärkeren Engage- ments.

Abg. Petermann (DIE LINKE.) betont, für seine Fraktion könne er erklären, diesen An- trag mitzutragen und ihm zuzustimmen. In der Vergangenheit sei es bei Sportveranstaltungen leider immer wieder zu Vorfällen gekommen, auf denen Rechtsextremisten ihre „Bühne“ gefunden hätten, um ihre menschenfeindliche Gesinnung und Gewaltinhalte zu verbreiten. Deswegen sei dieser Antrag notwendig, die bisher erbrachten Leistungen, die für die Bundesregierung erklärt wurden, seien sicher gegeben, aber seine Fraktion halte sie nicht für ausreichend und werde diesem Antrag zu- stimmen.

Abg. Dr. Knopek (FDP) entgegnet, natürlich sei es sinnvoll, wichtig und richtig, Rechtsex- tremismus im Sport zu bekämpfen. Politische Gewalt habe im Sport überhaupt nichts zu

suchen. An diesem Antrag störe ihn aber, dass er an die Bundesregierung kaum realisierbare Forderungen stelle. Die Unterstützung, die inhaltlich im Antrag gefordert werde, müsse vielmehr aus dem Sport selber kommen und auch von ihm getragen werden. Was die For- schung und Förderung, die eingefordert werde, betreffe, sei Vieles seit geraumer Zeit schon auf dem Weg, deshalb halte er das Ganze für einen Schaufensterantrag, den seine Fraktion nicht unterstützen werde.

Abg. Gerster (SPD) erwidert, vom Kollegen Riegert seien Dinge angesprochen worden, nach dem Motto, die Bundesregierung habe schon Vieles in die Wege geleitet, in der Tat gab es im Januar die Ankündigung, ein Güte- siegel einzuführen. Er bitte ein Dreivierteljahr später um Auskunft von der Bundesregierung, wie dieses Gütesiegel aussehe und ob Vereine dieses Gütesiegel schon bekommen hätten.

MinDir Böhm (BMI) antwortet, er begrüße es als Vertreter der Bundesregierung sehr, dass dieser Entschließungsantrag die Initiative der Bundesregierung, die am 18. Januar gestartet wurde, grundsätzlich positiv bewertet werde. Man habe von Seiten des BMI für die Bun- desregierung auch großen Wert darauf gelegt, dass die Sache von Seiten des Sports von höchster Stelle mitgetragen und unterstützt werde und damals Herrn Bach, den DOSB-Präsidenten und Herrn Zwanziger als Präsidenten des DFB dazu gebeten. Auch von dieser Seite sei Unterstützung da. Auf Seiten des DOSB wird es maßgeblich von der Deut- schen Sportjugend vorangetrieben. Ihm er-

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scheine so eine gemeinsame Kampagne vor allem deshalb erfolgversprechend, weil sie von den Akteuren insgesamt mitgetragen und eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Sport und der Politik damit auch zum Ausdruck gebracht werde. Das sei ein wichtiges politi- sches Anliegen und ein wichtiges Ziel. Es stehe zwar die Bekämpfung von Rechtsextre- mismus im Vordergrund, aber bei unserer Initiative gehe es insgesamt um mehr. Sie richte sich gegen Extremismus und jegliche Form von Diskriminierung im Umfeld des Sports und lege auch einen großen Schwer- punkt auf die Prävention. Man habe sich oft genug über die Potenziale des Sports und darüber unterhalten, welche gesellschaftspoli- tische positive Wirkung erreicht werden kön- ne. Das solle man aufgreifen und das versuche man mit dieser Kampagne. Aber dass der Sport bei dieser Angelegenheit Unterstützung brau- che, sei ebenso offenkundig. Das Ganze könne man natürlich nicht nur in Geld bemessen, obwohl den Vereinen auch Geld fehle. Aber die verantwortlichen Vereine müssen natürlich auch ermutigt werden, sich mit diesen Themen zu befassen. Je mehr Vereine sich in diese Kampagne einbinden ließen und desto stärker das an der Basis verankert werde, umso eher werde dies zum Erfolg führen. Darüber hinaus seien Vorbilder sehr wichtig, die diese Kam- pagne mittragen und deswegen habe man gemeinsam mit dem Sport versucht, promi- nente Spitzensportler für diese Kampagne zu gewinnen und erfreulicherweise seien auch eine ganze Reihe von Spitzensportlern bereit, das zu tun. Ariane Friedrich sei ein promi- nentes Beispiel sowie Spielerinnen der Frau-

enfußballnationalmannschaft, die unterstützen dies. Wichtig sei auch, was Herr Knopek ge- sagt habe, die Bekämpfung von Extremismus und Diskriminierung könne man den Vereinen natürlich nicht verordnen. Es könne nur er- folgversprechend sein, wenn es vom Sport selbst komme. Das sei der Ansatz dieses Pro- gramms und auch des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ für die neuen Länder, das im September 2010 gestartet wurde und es sei präventiv und nachhaltig ausgerichtet und vor allem für die ostdeutschen Landessportbünde gedacht. Insgesamt gesehen könne man so etwas nicht von heute auf mor- gen machen, man habe am 18. Januar die Ini- tiative mit einer relativ breiten Beteiligung gestartet und sei mit dem Sport zusammen dabei, diese Initiative zu verstetigen und weiter zu entwickeln. Was die einzelnen Punkte an- gehe, zu denen die Bundesregierung aufgeru- fen sei, könne er etwas sagen, wenn es ge- wünscht werde. Was das Sportsiegel angehe, nach dem Herr Gerster gefragt habe, das sei eine sehr kostenintensive Angelegenheit. Man sei überzeugt, dass es eine gute Sache sei und man sei auch in engem Kontakt mit Professor Pilz. Derzeit werde geprüft, ob man nicht eine Übernahme das Gütesiegels, welches es auch vom DFB gebe, durch eine enge Zusammen- arbeit erreichen könne, um das Ganze schneller und auch kostengünstiger zu großer Verbrei- tung zu führen. Das sei aber noch im Fluss. Es sei ein schwieriges Thema und man müsse auch immer alle Beteiligten an einen Tisch bringen, um die Sache voranzutreiben. Das mache man mit Nachdruck. Wenn es ge- wünscht sei, könne er auch zu den einzelnen

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Punkten berichten.

Abg. Gerster (SPD) fragt nach, im Januar war angekündigt, es werde ein Gütesiegel einge- führt. Jetzt sei es neun Monate später. Sie sagten, das Ganze sei noch im Fluss. Das hei- ße, es sei noch nichts Konkretes passiert, noch kein Verein habe dieses Gütesiegel bzw. die Kriterien stünden noch nicht fest, nach denen dieses Gütesiegel vergeben werden solle. Sei das so?

MinDir Böhm (BMI) antwortet, das sei rich- tig. Es sei noch nicht definitiv entschieden. Dazu gebe es zwischen allen Beteiligten dieser Kampagne auch eine Arbeitsgruppe, die sich damit befasse und es sei auch eine Finanzie- rungsfrage. Man versuche, mit Blick auf das DFB-Gütesiegel, welches es schon gebe, die- ses nutzbar zu machen. Ein Gütesiegel sei positiv, aber er frage, ob zu viele Gütesiegel die Sache verbessern. Man prüfe das aber sehr ernsthaft.

Abg. Gerster (SPD) fragt ergänzend, ob es eine Zeitzielmarke gebe, bis wann die Krite- rien stehen sollten?

MinDir Böhm (BMI) antwortet, eine konkrete Zielmarke gebe es nicht. Man kündige viel an, man mache aber auch viel. Er könne kein Datum nennen, was nicht eingehalten werden könne. Aufgrund der Vielzahl der Beteiligten müsse auch mit allen abgestimmt werden und es müsse vom Sport kommen, sonst werde es nicht getragen.

Die Vorsitzende ruft zur Abstimmung der BT-Drs. 17/5045 auf.

Der Antrag wird abgelehnt mit den Stim- men der Koalitionsfraktionen bei Zustim- mung der Fratkion der SPD und der Frak- tion DIE LINKE. bei Enthaltung der Frak- tion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

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Tagesordnungspunkt 4

Stand der Umsetzung der

UN-Behindertenrechtskonvention im Sport- bereich

Die Vorsitzende bittet die Sachverständigen herein. Sie begrüße folgende Sachverständige sehr herzlich. Den Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbandes, Herrn Friedhelm Julius Beucher sowie seinen Vizepräsidenten, Herrn Reinhard Schneider, zuständig für den Bereich Rehabilitationsprävention und Brei- tensport im Deutschen Behindertensportver- band. Sie begrüße ebenso herzlich den Präsi- denten von Special Olympics Deutschland, Herrn Gernot Mittler sowie Herrn Dr. Bern- hard Conrads, Vizepräsident Special Olympics Deutschland. Kollege Hüppe sei wieder da, wie sie zu ihrer Freude sehe. Der frühere Kollege Hüppe sei heute hier als Be- auftragter der Bundesregierung für die Be- lange behinderter Menschen. Vom Bundes- innenministerium stehe Herr Böhm und Frau Renate Plücken-Opolka zur Verfügung. Zu diesem Tagessordnungspunkt seien die Aus- schussdrucksachen 17(5)95, 17(5)96 und 17(5)99 verteilt worden. Sie dürfe um ein kurzes Eingangsstatement bitten und schlage vor, dass der Präsident des Deutschen Be- hindertensportverbandes, der frühere Kollege Beucher, beginne.

Friedhelm Julius Beucher (Präsident

Deutscher Behindertensportverband) führt aus, vor über zweieinhalb Jahren sei die UN-Behindertenrechtskonvention vom Deut- schen Bundestag ratifiziert und damit zu Na-

tionalem Recht geworden. Seit diesem Zeit- punkt seien die Diskussionen um gleichbe- rechtigte, selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderung wieder intensiver geworden. Viele hätten erst im Laufe dieser Diskussion erkannt, dass es bei der Umset- zung dieser Konvention um weit aus mehr gehe, als zunächst vermutet. Das habe sich auch immer wieder auf den verschiedenen Veranstaltungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gezeigt, das verschiedene Veranstaltungen zum Nationalen Aktionsplan durchgeführt habe. Diese Veranstaltungen des Ministeriums sowie der Nationale Aktions- plan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention würden vom DBS ausdrücklich begrüßt. Für den DBS sei es daher von grundsätzlicher Bedeutung, dass ein Prozess in Gang gesetzt worden sei, der immer zu interessanten Diskussionen, nicht nur auf Bundesebene, sondern auch auf Landes- und Kommunalebene führe. Man habe in den vergangenen Monaten immer wieder die Möglichkeit gehabt, auch über das Thema „UN Konvention und Sport“ zu spre- chen, sei es auf der Sportministerkonferenz oder vor dem Sportausschuss des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Um so mehr freue ihn, dass er heute hier sprechen könne. Bevor sein Präsidiumskollege Reinhard Schneider gleich tiefer in die Materie ein- steige, wolle er sich bei denen bedanken, die das Thema Sport außerhalb dieses Ausschus- ses oder auch außerhalb des Bundesministe- riums des Innern im Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention mit trans- portierten. Hierzu gehöre das Bundesministe-

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rium für Arbeit und Soziales, das mit Herrn Staatssekretär Fuchtel und Abteilungsleiterin im BMAS, Frau Gitta Lampersbach, zwei Menschen habe, die um die Funktion des Sports von Menschen mit Behinderung wüssten. Auch das persönliche Engagement des Behindertenbeauftragten der Bundesre- gierung über das „von Amts wegen gebotene Muss“ hinaus, wolle er nicht unerwähnt las- sen. Der Deutsche Behindertensportverband, als Spitzenverband für den Breiten-, Präven- tions-, Rehabilitations- und Leistungssport für Menschen mit Behinderung im Deutschen Olympischen Sportbund, befasse sich intern sehr intensiv mit der Thematik „Inklusion“. Neben regelmäßigen Treffen einer Arbeits- gruppe aus Präsidiumsmitgliedern, Vertretern der Landesverbände und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des DBS, werde man am kommenden Samstag eine Verbandskonferenz durchführen, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäfti- gen werde und die die im Positionspapier des Deutschen Behindertensportverbandes zur UN-Konvention festgeschriebenen Positionen mit Leben füllen werde. Das Papier sei bereits zur Vorbereitung der heutigen Sitzung zur Verfügung gestellt worden. Die vielen Initia- tiven und Events zu diesem Thema, das wolle er auch nicht unerwähnt lassen, zeugten von einem starken Engagement für die Sache an sich. Hier sei (unter vielen anderen) das Pro- jekt EISs (Erlebte Integrative Sportschule) des Bayerischen Behinderten- und Rehabilitati- onssportverbandes zu nennen, das sicherlich ein erster Schritt in die richtige Richtung sei. Bei der EISs gehe es darum, Vereine zu mo-

tivieren im Kinder- und Jugendbereich inklu- sive Sportgruppen zu gründen. Diese Initiative sei so angelegt, dass die Gruppen nach Been- digung der Fördergruppen weiterlaufen sol- len, was auch bisher gelungen sei. Dieses Projekt zeige, dass man auf die langwierige Bewusstseinsbildung setze und nicht aus- schließlich auf Blitzlichter mit Eventcharak- ter. Man habe in diesem Bereich eine 60jährige Erfahrung, denn auch bisher schon seien ihre Angebote für Menschen ohne Be- hinderung offen, und seien, wenn er sich z. B. an Rollstuhlbasketball erinnere, intensiv ge- nutzt worden. Dies sei natürlich auch bei anderen Sportarten so. Ihm sei es wichtig festzuhalten, dass man sich als Verband um alle Menschen mit Behinderung, um chro- nisch Kranke und auch um deren Angehörige im organisierten Sport kümmere. Hier pflege man eine Gemeinsamkeit mit anderen Ver- bänden, auch wenn er heute niemanden vom Gehörlosenverband in dieser Runde sehe. Es würde ihn freuen, wenn man den Verband bei dieser Aufgabe, der nachhaltigen Bewusst- seinsbildung bei Menschen ohne Behinde- rung, aktiv unterstütze.

Die Vorsitzende bemerkt zum Ex-Kollegen Beucher, alter Tradition folgend, wolle sie Herrn Schneider das Wort erteilen. Auch wenn man jetzt nichtöffentlich tage, bleibe die Zeitnot, die sie in der Vergangenheit auch geplagt habe. Sie bitte Herrn Schneider, bei seiner Präsentation auch ein wenig auf die Uhr zu schauen.

Herr Schneider (Vizepräsident im Deut-

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schen Behindertensportverband) sagt, er bedanke sich auch, dass er Gelegenheit habe, über den Stand der UN-Behindertenrechts- konvention im Bereich Sport, wie es in der Überschrift heiße, kurze erläuternde Worte zu geben. Man unterhalte sich über die Behin- dertenrechtskonvention und der Sport sei in Artikel 30 besonders erwähnt. Entscheidend seien aber die Grundsätze, die die UN-Behindertenrechtskonvention begleiteten. Da heiße es im Artikel 3, er zitiere: „Die Grundsätze dieses Übereinkommens sind unter anderem die Achtung vor der Unter- schiedlichkeit von Menschen mit Behinde- rung und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt und Mensch- lichkeit.“ Wenn Begrifflichkeiten dabei seien, wie Achtung und Akzeptanz, könne man Achtung und Akzeptanz anderen gegenüber nur dann erbringen, wenn man über deren Belange wisse, wenn man wisse, worum es ginge, welche Bedarfslagen bestehen, welche Interessen, welche Begehrlichkeiten bestehen. Da habe der Behindertensport in seiner 60jährigen Geschichte, die man mittlerweile habe, erhebliche Beiträge von Anfang an geleistet.

Die UN-Behindertenrechtskonvention wende sich vielmehr an den Staat, an den Staat in der Form, dass entsprechende gesetzliche und regelnde Grundlagen geschaffen würden, um die Teilhabe von Menschen mit Behinderun- gen in unserer Gesellschaft zu forcieren. Aber Gesellschaft und Staat seien wir alle, also auch die Menschen mit Behinderung. Hier sehe man ihren Ansatz, dass man die Men-

schen mit Behinderung auch begleite und „fit mache“ für die Belange in unserer Gesell- schaft. Es gebe zwei Aspekte, das eine sei, dass man im Rahmen des Rehabilitations- und Breitensports eine große Palette sportlicher Aktivitäten für Menschen mit Behinderung anbiete, und zwar für alle Menschen mit Be- hinderung, die von ihnen aktiv angenommen seien und den Menschen mit Behinderung helfen, ihre eigene Leistungsfähigkeit und Fertigkeiten aufzuzeigen, sich zu beweisen, auch ihre eigenen Grenzen zu erfahren und damit auch ihre eigene Behinderung entspre- chend positiv zu bewältigen. Das vermittele ein Selbstvertrauen, ein Selbstverständnis dieser Menschen, das eine ganz andere Dar- stellung und auch Auftreten in der Gesell- schaft ermögliche. Die Gesellschaft habe es dann leichter, die Menschen mit Behinderung als Menschen mit ihrer individuellen Leis- tungsfähigkeit und ihrer Lebensfreude wahr- zunehmen. Dazu zähle auch, wenn man an den Außeneffekt denke, eine sehr positive Be- richterstattung im Zusammenhang mit den Paralympics, die nächstes Jahr in London sein werden. Das bedeute auch hier die Darstellung der Menschen mit Behinderung in ihrer Leis- tungsfähigkeit und ihrer Lebensfreude und in sofern trage der Sport wesentlich zur Inkludierung von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft bei. Man habe auch die Aufgabe, im Artikel 30 sei es niedergelegt, dass es darum gehe sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderung die Möglichkeit haben sollten, behinderungsspezifisch Sport und Erholungsaktivitäten zu organisieren – er sage ganz bewusst selbst zu organisieren. Das

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sei etwas, was es im Deutschen Behinderten- sport in seiner 60jährigen Geschichte ausma- che, dass es Menschen mit Behinderungen selbst waren und seien, die ihre Geschicke in die Hand nehmen und sich auch entsprechend organisierten. Das sei nicht selbstverständlich. Es werde viel über Menschen mit Behinde- rung gesprochen aber bei ihm stehe vielmehr die Eigenorganisation, was auch in der UN-Behindertenrechtskonvention gewünscht werde, im Vordergrund. Dabei gelänge es ihnen als Behinderte immer wieder, auch engagierte und sehr motivierte, Nichtbehin- derte in unseren Reihen zu inkludieren und sein Präsident sei dafür das beste Beispiel. Zum Stand: Sie seien im eigenen Auftrag seit ihrem Bestehen auf dem Wege der Inkludierung. Die UN-Behindertenrechtskon- vention bedeute für sie aber eine besondere Herausforderung, wenn man an die Zukunft denke, weil es nicht nur im behüteten Rahmen gehe, im Behindertensport etwas zu tun, son- dern die Teilhabe der Menschen mit Behin- derung durch die UN-Behindertenrechtskon- vention in allen Bereichen gefordert werde, insbesondere in den Bereichen der Nichtbe- hinderten und da in den Bereichen des Sports. Man freue sich darauf, dass auch Menschen mit Behinderung zunehmend Aufnahme in Nichtbehinderten-Organisationen des Sportes finden werden und werde jederzeit auch Un- terstützung und Hilfe anbieten und auch das Know-how, welches sie um die Belange von Menschen mit Behinderung im Sport ge- wonnen hätten, auch an andere weiterzutra- gen. Bevor aber die Frage komme, der Be- hindertensport könne sich irgendwann einmal

auflösen, dies werde aus seiner Sicht nicht der Fall sein, weil es darum gehe, den Menschen mit Behinderung eine Wahlmöglichkeit in allen Bereichen zu geben, ihren Fähigkeiten, Fertigkeiten und Interessen entsprechend, tätig zu werden. Wenn jemand als Behinderter im Nichtbehindertenbereich auch im Sport tätig sein wolle, sei das etwas, was sie auf jeden Fall unterstützen werden, aber man werde auch nach wie vor Menschen mit Be- hinderung ermöglichen, dass sie auch unter Gleichbetroffenen ihren Sport in Zukunft ausüben könnten und insofern sei ihm um die Zukunft des Behindertensportes nicht Bange. Zum Schluss möchte er kurz die UN-Behindertenkonvention zitieren, welche Bereiche betroffen seien, habe man dem Po- sitionspapier schon entnommen. Er komme noch einmal auf den Artikel 8 mit der Über- schrift „Bewusstseinsbildung“ zu sprechen, da heiße es, die Vertragsstaaten verpflichten sich, sofortige wirksame und geeignete Maßnah- men zu ergreifen, um, es gehe weiter, zu den Maßnahmen gehörten die Einleitung und dauerhafte Durchführung wirksamer Kam- pagnen zur Bewusstseinsbildung in der Öf- fentlichkeit mit dem Ziel, die Aufgeschlos- senheit gegenüber den Rechten der Menschen mit Behinderung zu erhöhen und eine positive Wahrnehmung von Menschen mit Behinde- rung und ein größeres gesellschaftliches Be- wusstsein ihnen gegenüber zu fördern. Wenn es Aufgabe des Staates sei, dann könnten die Anstrengungen primär nicht besser eingesetzt werden als im Rahmen des Behindertenspor- tes, weil der Behinderungssport die Grundlage dafür biete, dass solche Maßnahmen auch

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sinnverändernd in der Öffentlichkeit zum Tragen kämen.

Die Vorsitzende bittet Herrn Mittler, sich mit seinem Vize zu verständigen, ob er sich den Zeitrahmen von zehn Minuten freundschaft- lich aufteilen wolle.

Herr Mittler (Special Olympics Deutsch-

land) entgegnet, das hätten sie schon ge- macht. Er freue sich, am heutigen Tage die Möglichkeit zu haben, erstens den Beitrag von Special Olympics Deutschland zur Umset- zung der UN-Behindertenrechtskonvention sowie zweitens die Position und Bewertung von Special Olympics in Bezug auf den Ak- tionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der Konvention aus der Sicht von Menschen mit geistiger Behinderung darzustellen. Man hätte in Deutschland 450.000 Menschen mit geistiger Behinderung, das sei eine große Gruppe, die spezifische Anforderungen auf- wiesen und auch interessante Ansätze zur Verwirklichung des Inklusionsgedankens bieten würden. Angeregt durch die momen- tane Debatte hätte man sich in den letzten Monaten selbstverständlich ebenfalls kritisch mit ihren eigenen klassischen Positionen und Aktivitäten auseinandergesetzt. Was leiste SOD (Special Olympics Deutschland) zur Realisierung der Inklusion? Wie sehen Be- strebungen in den anderen Nationen aus, in denen Special Olympics aktiv sei? Führen die speziellen Angebote von Special Olympics möglicherweise zur Segregation und stünden damit möglicherweise im Widerspruch zur angestrebten Inklusion? Er wolle deren

Selbstverständnis in Kürze darstellen. Seit Gründung von Special Olympics International bzw. Special Olympics Deutschland 1968 bzw. 1991, also seit Jahrzehnten und lange vor Verabschiedung der Konvention, sei es die Philosophie von Special Olympics, dass Menschen mit Behinderung selbstbestimmt entscheiden könnten, wann, wo, wie und mit wem sie ihren Sport betreiben. Im Zentrum würden also selbstbestimmte Wahlmöglich- keiten für Menschen mit Behinderung bei Sportangeboten stehen. Dies reiche von wettbewerbsfreien Angeboten über behinde- rungsspezifische bis hin zu inklusiven Ange- boten, z. B. in Sportvereinen. Inklusion be- deute Teilhabe, Wahlrecht, Selbstbestim- mung, Partizipation an Entscheidungsprozes- sen aber es bedeute auch, dass Veränderungen und Öffnungen der Strukturen außerhalb des Behindertenbereiches erfolgen müssten, dass sich auch die Sportorganisationen, die Vereine öffnen müssten. Was die Änderungen von Strukturen und die Öffnung von Vereinen angehe, dies zu ändern werde wohl nur in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund, den Sportverbänden und Vereinen auch im Verbund mit dem Deutschen Behindertensportbund möglich sein. Schon seit geraumer Zeit arbeite man auf vielfältige Weise mit dem organisierten Sport zusammen, dabei gehe es um gemeinsame Projekte und die Zusammenarbeit bei Sport- veranstaltungen in der Wissenschaft oder dem Volunteering. Beispielhaft wolle er nur einige Aktivitäten darstellen. Zum Artikel 8 zur Bewusstseinsbildung: Dass geistig behinderte Menschen mit Freude Sport treiben, verändere

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ihr Ansehen in der Bevölkerung. Special Olympics Deutschland habe in den letzten zehn Jahren circa 15.000 Schüler ohne Be- hinderung im Umgang mit Menschen mit geistiger Behinderung fortgebildet. Artikel 24 Bildung: Bildungsangebote für Menschen mit geistiger Behinderung und freiwilligem En- gagement – bei der Frauen-WM seien an jedem Spieltag in jedem Stadion Special Olympics Athletinnen und Athleten als Voluntieers im Einsatz gewesen, völlig selbstverständlich mit nichtbehinderten Volunteers tätig. Oder Artikel 25 zum Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit ohne Diskriminierung. Diesbezüglich ver- weise er auf das Healthy Athletes ®-Programm und die Zusammenarbeit von Special Olympics Deutschland aufgrund der Vereinbarungen mit der Bundesärztekammer, der Zahnärztekammer und dem Zentralver- band der Optiker. Nicht zuletzt, was die Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Er- holung, Freizeit und Sport im Bereich des Unified Spords ®-Programm angehe, so ar- beite man zum Beispiel mit der Sepp-Herberger-Stiftung schon intensiv zu- sammen. Man habe in diesem Jahr die ersten nationalen Spiele für Unified-Mannschaften gehabt, an denen behinderte Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit jungen Leuten aus Vereinen aus fünf Bundesländern und inzwi- schen 30 Vereinen tätig seien. Letzte An- merkung. Inklusion von Menschen mit Be- hinderung werde nachhaltig nur gelingen, wenn Barrieren abgebaut würden, auf Bür- gersteigen, in Häusern und vor allen Dingen in Köpfen und dazu wolle der Aktionsplan der

Bundesregierung beitragen, wozu mein Kol- lege Dr. Conrads etwas sagen werde. Vielen Dank.

Dr. Conrads (Special Olympics Deutsch-

land) führt aus, er wolle, was sein Präsident bezogen auf den Aktionsplan gesagt habe, zusammenfassen. Man habe sehr positiv wahrgenommen, dass die Bundesregierung die Zivilgesellschaft so stark in die Entwick- lung des Aktionsplanes eingebunden habe und er bedanke sich, dass auch Special Olympics dazu gehöre. Was wünsche er sich vom Ak- tionsplan? Schlichtweg ein Stück mehr Konkretisierung, mehr Beispiele, mehr Dinge, die voll aus dem Leben kämen. Er wünsche sich, dass die Funktion des Sports für die Schaffung einer inklusiven Gesellschaft deut- licher werde. Behinderte Menschen und geis- tig Behinderte im Besonderen litten am al-

lermeisten unter Vorurteilen. Sport helfe, Vorurteile abzubauen und abgebaute Vorur- teile seien der Schlüssel für eine inklusive Gesellschaft. Man wünsche sich, dass im Aktionsplan zum Ausdruck komme, dass das Thema Inklusion im regulären Sportverein ankomme als eine Wahlmöglichkeit. Das Wort Wahlmöglichkeit sei ein Zauberwort. Er wolle, dass behinderte Menschen zwischen den unterschiedlichen Sportangeboten, so- wohl behinderungsspezifische als auch inklu- sive Angebote, auswählen könnten, etwa im lokalen Sportverein. Die Förderung und der Ausbau von breitensportlichen Wettbewerben auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene solle vorangetrieben werden. Er wünsche sich, dass die Kultusministerkonferenz Hand-

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lungsempfehlungen zum Schulsport für Menschen mit Behinderungen aufgreife und auch durch inklusive Schulprojekte im und durch Sport – gerade die Schulinklusion sei ein heißes Thema und gerade der Sport sei ein wunderbarer Hebel – diesen Gedanken in die Schulpolitik mit einbringe. Er wisse, dass das Länderhoheit sei, aber sie könnte dafür etwas tun. Er wünsche sich, dass der DOSB und seine Mitgliedsverbände eingebunden wür- den. Er wünsche sich Kooperationen zwischen Schulen auf der einen Seite und Einrichtungen und Dienste auf der anderen Seite, z.B. mit Werkstätten. Die Zusammenarbeit sollte ge- fördert werden, lokale Sportstrukturen sollten dazu ausgebaut werden. Er wünsche sich, dass auch im Sport die Förderung von Selbstver- tretung Platz greife. Im Bereich der geistig behinderten Menschen sei das nicht selbst- verständlich. Man habe ein System der Athletensprecherinnen und -sprecher einge- führt und er wolle, dass erkannt werde, dass Sport ein wichtiges Instrument für weitere Handlungsfelder in der inklusiven Arbeit sei. In einem nächsten Schritt entstünden nun in vielen Bundesländern Aktionspläne. Auch hier und bei den Kommunen solle sich der Sport wiederfinden und die Mitglieder des Sportausschuss hätten als Wahlkreisabge- ordnete vor Ort gewissen Einfluss. Man habe mit großer Zustimmung vernommen, dass das Präsidium des DOSB das Thema Inklusion in seinen Arbeitsplan aufgenommen habe und für die deutsche Sportfamilie müsse Inklusion vom Rand ins Zentrum gerückt werden. Da- mit Inklusion gelinge, müsse man gemeinsam alle Beteiligten gewinnen, denn Inklusion

komme Menschen mit und ohne Behinderung zu Gute und es gebe einen wunderbaren ein- fachen Satz, der auch hier greife: Behinder- tengerecht sei menschengerecht. Was für behinderte Menschen getan werde, komme auch ganz vielen anderen Menschen, die nicht behindert seien, zu Gute, ob Kinder oder alte Leute und hieran über den Hebel des Sports mitzuwirken, sei ihr großer Wunsch.

Herr Hüppe (Beauftragter der Bundesre- gierung für die Belange behinderter Men-

schen) sagt Dank für dieses Thema, die UN-Konvention, andere Ausschüsse seien bei diesem Thema nicht immer so schnell. Er wünsche sich, dass sich mehr Ausschüsse dieses Themas annähmen. Die UN-Behindertenrechtskonvention sei eben kein soziales Thema, sondern gehe in alle politischen Fachbereiche hinein. Artikel 30 sei

genannt worden. Aus seiner Sicht gebe es vier wichtige Punkte, die im Artikel 30 für Men- schen mit Behinderung in der Behinderten- rechtskonvention festgelegt seien:

  • 1. Menschen mit Behinderung zu ermutigen, am Breitensport auf allen Ebenen teilzu- nehmen und diese Teilhabe auch zu för- dern

  • 2. angemessenes Angebot von Anleitung, Training und Ressourcen für behinder- tenspezifischen Sport; Das sei etwas au- ßergewöhnlich, Behindertensportarten seien aber anerkannt, was die Ausübung behinderungsspezifischer Sportarten für Nichtbehinderte nicht ausschieße, wie z. B. Sledge-Hockey, Rollstuhlbasketball u.a.

  • 3. Sicherstellung des Zugangs zu Sportstätten

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(Barrierefreiheit)

  • 4. Sicherstellung von Schulsport

Er sage dies deswegen, weil der Gedanke der Teilhabe früher nur unter den gesundheits- politischen Aspekten des Sport beachtet wurde, als die ersten Übertragungen der Pa- ralympics im Gesundheitsmagazin „Praxis“ liefen. Erst heute sei das anders. In den Ein- richtungen höre man oft, man mache thera- peutisches Reiten, therapeutisches Turnen. Auf die Frage, ob deren Bewohner vielleicht auch einfach nur reiten oder einfach nur tur- nen wollten, werde man schon etwas seltsam angeschaut. Bei den Schutzräumen frage er sich: Wer schützt wen vor wem? Er glaube auch nicht, dass es eine Frage sei, die Insti- tutionen zu schützen, sondern es werde sich ergeben, ob sie notwendig seien oder nicht. Die entscheidende Frage sei die Zukunft des Sports für Menschen mit Behinderung. Mit ein paar Anregungen wolle er Punkte konkret machen, um politische Veränderungen her- beizuführen. Er fange beim Spitzensport an, weil man die Vorbildfunktion von Athleten für die Förderung des Breitensports brauche, wie es bei Nichtbehinderten auch sei. Die Frage sei tatsächlich, ob man Paralympics und die Olympiade nicht in irgendeiner Form zusammenführe. Es müsse nicht sein, dass die selben Medaillen verteilt würden, aber eine Zusammenführung zum Beispiel im Olympischen Dorf wäre nicht schlecht. „Ju- gend trainiert für Paralympics oder für Olympia“, das seien ja Schulwettbewerbe. Auch da sei die Frage, ob man nicht ge- meinsame Veranstaltungen in dem Zusam- menhang mache. Gerade wenn man über

Inklusion spreche, wäre es gut, wenn sich

Jugendliche begegneten. In dem Zusam- menhang weise er darauf hin, dass beides Schulwettbewerbe seien, sowohl Jugend trainiert für Olympia und Paralympics. Be- hinderte Kinder, die im Regelschulsystem unterrichtet würden, hätten aber keine Chance teilzunehmen. Man verliere damit den Anspruch, an den Paralympics teilzu- nehmen. Inklusiver Unterricht – die Praxis zeige immer noch, dass oft da, wo gemein- samer Unterricht beginne, körperliche Unfä- higkeit beim Sport ausgeschlossen sei. Es sei zu überlegen, Formen von inklusivem Sportunterricht zu schaffen. Das bedeute auch, die Ausbildung von Sportlehrern und Sportstudenten dementsprechend auch um die behindertenspezifischen Sportarten zu ergänzen. Vielleicht kämen sogar Menschen mit Behinderung als Trainer, Sportlehrer oder Übungsleiter in Frage. Das könne vielleicht für sinnesgeschädigte Menschen zutreffen. Auch bei Special Olympics gebe es sehr gute Ansätze beim Versuch, Behinderte und Nichtbehinderte zusammenzubringen. Noch gestern habe der FC Bundestag gegen eine gemischte Gruppe der Lebenshilfe gespielt, es seien behinderte und nichtbehinderte Fußballer als schönes Zeichen des Bundes- tages dabei gewesen. Es sei für Menschen, die keiner Werkstatt oder keinem Wohnheim angehörten, schwierig, einen Verein zu fin- den, indem sie bei Special Olympics mitma- chen könnten. Man könne die Gewinnung von Regelvereinen suchen, die Möglichkei- ten des Sports für diese Menschen schafften. Barrierefreiheit sei Voraussetzung. Das gelte

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nicht nur für das aktive Tun, sondern auch für die Zuschauer – auch das sage die Konven- tion – . Es gehe nicht nur darum, dass es Plätze für den Rollstuhl gebe, es gelte auch für Übertragungen für Seh- und Hörbehin- derte. Wie schaffe man Bewusstsein, die Menschen zusammen zu bringen, wie schaffe man Regelungen, dass Behinderte und Nichtbehinderte miteinander spielen können? Bei den Bundesjugendspielen gebe es zwar auch die Möglichkeit der unterschiedlichen Bundesjugendspiele, seit 2009 könne man Bundesjugendspiele für Menschen mit Be- hinderung machen. Seine Erfahrung sei, dass es die absolute Ausnahme sei, dass Menschen mit Behinderung an Bundesjugendspielen teilnehmen können, zumindest da, wo Men- schen an Regelschulen mit Behinderung sind. Bewusstsein bedeute aber auch, bei all den Dingen, die man überlege, gerade wenn es um Neubauten von Sportstätten gehe, nicht über Menschen mit Behinderung zu sprechen, sondern sie mit einzubeziehen.

MinDir Böhm (BMI) betont, er freue sich für die Bundesregierung, dass die Sachver- ständigen heute wieder Gelegenheit hätten, ihre berechtigten Anliegen vorzutragen und sei mit ihnen auf einer Linie. Mit der UN-Konvention verpflichte sich Deutsch- land, in allen Lebenslagen geeignete Bedin- gungen für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu schaffen. Er wolle nicht den Vorbericht, den Herr Dr. Bergner den Gästen hat zukommen lassen, nochmals vorlesen. Er kürze ab und greife ein paar Punkte heraus. Was bedeute der Stand

der Umsetzung für den Bereich des Sports? Man fange ja nicht bei Null an. Seit langem habe man Rehabilitationssport für Menschen mit Behinderung gefördert und sich für die Belange der Menschen mit Behinderung in allen Bereichen eingesetzt. Das sei das for- male. Das andere sei, der Athlet mit Behin- derung müsse nicht nur den Sport in der Sportstätte ausüben können, er müsse auch da hinkommen. Er müsse mit dem öffentlichen Personennahverkehr da hinkommen, die hy- gienischen Einrichtungen der Sportanlagen müssen stimmen und alle Dinge drum herum, die man auf den ersten Blick nicht sehe. Welche Maßnahme habe das BMI unter- nommen, um der Umsetzung im Sportbereich nachzukommen. Man wisse, dass seit 2005 im Leistungssportprogramm des BMI eine Gleichbehandlung der Menschen mit und ohne Behinderung festgeschrieben sei, man versuche, den Leistungssport von Menschen mit Behinderung genauso, nach den gleichen Grundsätzen und mit gleichem Nachdruck zu fördern, wie es auch für den Nichtbehinder- tenbereich getan werde. Dazu gehöre die Förderung von Leistungssportpersonal, Jah- ressportplanung, Organisationskosten, nati- onale, internationale Veranstaltungen, Übernahme von Entsendekosten und Vieles mehr. Insgesamt seien beim BMI ungefähr 5,1 Millionen Euro für diesen Bereich vor- gesehen und es sei auch in keiner Weise da- ran gedacht, zu kürzen. Das Gegenteil sei von der Zielstellung der Fall. Insgesamt habe man bei der Bundesregierung einen Betrag von ungefähr 20 Millionen Euro für den Bereich vorgesehen. Die Abgeordneten selbst seien ja

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schon häufiger bei Spielen der Paralympics im In- und Ausland gewesen, hätten sicher auch Spiele von Special Olympics besucht und gesehen, was mit verhältnismäßig wenig Gelde dort erreicht worden sei, wie viel Le- bensfreude, wie viel Unterstützung dort vermittelt werde. Das sei auch für die Bun- desregierung Ansporn und Verpflichtung, mehr zu tun. Den Vorbildcharakter habe Herr Hüppe schon angesprochen. Mit dem Bereich „Jugend trainiert für Olympia“ habe man den seit Jahren von der Bundesregierung geför- derten Bereich, obwohl es eher Schul- oder Länderzuständigkeit sei. Seit zwei Jahren gebe es den Bereich „Jugend trainiert für Paralympics“, der zunächst als Projekt zwei Mal durchgeführt worden sei. Dafür seien 200.000 Euro im Haushalt eingestellt. Der Sport sei ein stark geeignetes Medium, um die Inklusion auch in den Köpfen voranzu- bringen. Dafür spreche Sympathie, Solidari- tät und große emotionale Kraft. Neben den genannten Punkten erinnere er noch einmal daran, der Bundesregierung sei wichtig, den Sport der Menschen mit Behinderung zu fördern. Deshalb habe man auch im Bereich der dualen Karriere bei den Sportförderplät- zen des Bundes zehn Stellen für Behinder- tensportler eingerichtet. Das sei ein Kampf gewesen und mit Unterstützung des BMF sei es gelungen, auf unkonventionelle Art und Weise die Anbindung eines solchen Plafonds an einer neutralen Stelle, weil das BMF den Bundeshaushalt verwalte, anzusiedeln. Das Projekt laufe sehr gut. Spitzensportler hätten Anstellung über normale, bestehende Stellen außerhalb dieses Plafonds, gefunden. Das sei

ein großer Erfolg und wichtiger Schritt zur Überschreitung einer Schwelle. Die Bundes- regierung versuche wirklich, Unterstützung für die Anerkennung des Behindertensports auch in der Öffentlichkeit zu geben. Er erin- nere an Veranstaltungen von SOD zum Auf- takt des Torch Run vor dem Reichstagsge- bäude. Es seien auch einige Kolleginnen und Kollegen des Bundestages vor dem Reichstag zusammen mit dem Präsidenten des Deut- schen Bundestages und auch den Mitgliedern des Ausschusses dabei gewesen. Das seien Gelegenheiten, die wichtig seien, dass die Politik den Menschen zeige, dass sie mitten in die Gesellschaft gehörten und dass man das auch sehe. Er frage, inwieweit das Projekt „Gold“ bekannt sei. Es sei immer mal darüber gesprochen worden, dass zwischen den gro- ßen Sportveranstaltungen bei den Menschen mit Behinderung die Öffentlichkeit keine großen Wahrnehmungsmöglichkeiten habe und in den Medien nicht viel berichtet werde. Da gebe es ein Projekt, einen Dokumentati- onsfilm, der bis 2013 in die Kinos komme, er werde von Seiten des BMI und des BKM unterstützt. Das sei eine gute Sache. Es würden drei internationale paralympische Spitzensportler – eine ist Kirsten Bruhn – gezeigt, wie sie leben, arbeiten, trainieren, wie die Möglichkeiten seien und wie ihr Weg zu Paralympischen Spielen sei. Auch so könne man solche Dinge begleiten.

Die Vorsitzende dankt Herrn Böhm. Sie habe Wortmeldungen aller fünf Fraktionen. Sie beginne mit Kollegen Eberhard Gienger.

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Abg. Gienger (CDU/CSU) dankt zunächst den Gästen und Experten für die ausführliche Berichterstattung, die zeige, dass es eine wirkliche Querschnittsaufgabe sei, mit der man sich noch häufig auseinandersetzen werde. Weiterhin bedanke er sich für die Anregungen und beginne mit Hubert Hüppe. Er habe davon gesprochen, dass man durch- aus den Athletinnen und Athleten der Para- lympics den Zugang zu den Olympischen Spielen ermöglichen solle. Er erinnere sich, dass das auch schon getan worden sei. Es habe bei den Olympischen Spielen Wett- kämpfe von Paralympics gegeben, die mit Gold, Silber und Bronze befunden worden seien. Auf der anderen Seite sei aber auch Streit beim Verband entstanden. Olympische Spiele und Paralympic-Teilnehmer – das habe es schon gegeben, und vor dem Hinter- grund sei man schon auf gutem Wege – ihm habe die Anregung gut gefallen, die Ausbil- dung der Sportlehrer und Studenten mit paralympischen Ideen zu versehen oder auch Behinderte als Trainer einzusetzen. Er sehe auch kein Problem darin, wenn ein Behin- derter einen Nichtbehinderten trainieren würde. Er habe eine Frage an Herrn Mittler. Er hatte auf der einen Seite davon gespro- chen, dass sich die Sportvereine öffnen müssten, auf der anderen Seite sollten sich junge Schülerinnen und Schüler in 30 Ver- einen bereits betätigen. Er frage, ob ihm be- kannt sei, wie viele Vereine sich für Behin- derte geöffnet hätten und was er mit der Förderung von Selbstvertretung der Behin- derten meine. Wenn sie sich selbst vertreten wollten, stünde ihnen doch nichts im Wege.

Wie könne Selbstvertretung unterstützt wer- den?

Abg. Seifert (DIE LINKE.) bemerkt, wenn es wirklich so wäre, dass sich die Bundesre- gierung so über die Diskussion freue – man sei immerhin der zweite Ausschuss, der das im Rahmen der Selbstbefassung tue – ver- stehe er nicht, warum sie ihren nationalen Aktionsplan nicht offiziell an den Bundestag überweise, damit sich der Bundestag als Ganzes damit befassen könne. Das sei nicht geschehen und es bestehe auch keine Absicht, dies zu tun. Er wundere sich auch, dass die Vertreterin des BMAS, der immerhin der focal point für die Umsetzung der UN-Konvention sei, nicht mehr anwesend sei. Das finde er durchaus kritikwürdig, an- dererseits aber positiv, das sich der Sport- ausschuss wiederholt mit der Frage der För- derung des Behindertensports befasse. Im nationalen Aktionsplan stehe, Ziel der Bun- desregierung sei die selbstverständliche Einbeziehung behinderter Menschen in Sportvereine. Die Förderung des Leistungs-, Breiten- und Rehabilitationssports für Men- schen mit Behinderung werde mit Mitteln von mehr als 20 Millionen Euro für die Pe- riode 2010 bis 2013 fortgeführt. Es stehe nichts Neues darin und vor allem sei 2013 Schluss. Der ganze nationale Aktionsplan gelte aber bis 2020. Es stehe nichts drin, worauf man sich beziehen könne. Er wolle ausdrücklich sagen, wenn sich in diesem Ausschuss tatsächlich ernsthaft mit der UN-Konvention befasst werde und gefragt werde, wie durch Inklusion von Menschen

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mit Behinderung über Teilhabe am allge- meinen gesellschaftlichen Leben ihre Per- sönlichkeitsentfaltung gefördert werden wolle, könne es nicht bei dem bleiben, wie es im Aktionsplan stehe. Dann sei wesentlich mehr erforderlich. Wenn hier darüber geredet werde, dass man mehr Gemeinsamkeiten haben wolle und dass man wolle, dass in den allgemeinen Sportvereinen auch Menschen mit Behinderungen sportlich tätig sein könnten, dann verstehe er nicht, warum die Zusammenarbeit zwischen Menschen mit geistiger Behinderung und anderer Behinde- rung nicht intensiviert werde. Man habe selbstkritisch gefragt, ob man nicht vielleicht eher segregiere als integriere, aber man kriege es ja nicht mal hin, gemeinsame Be- hindertensportler des Jahres zu wählen. Die Menschen mit geistiger Behinderung seien gar nicht dabei. Er richte die Aufforderung an seine Kolleginnen und Kollegen, sich an der Wahl der Behindertensportler des Jahres zu beteiligen und wer Marianne Buggenhagen wähle, wähle keine Schlechte. Das sei zwar Schleichwerbung, zu der er sich aber auch bekenne. So wichtig es sei, darüber hier zu informieren, was Sie täten, so wichtig sei es, dass man das zur Kenntnis nehme und so wichtig sei es, dass man sich immer wieder darüber verständige, dass Artikel 30 zwar den Sport benenne, aber viele andere Artikel der UN-Konvention mindestens genauso wichtig seien. Artikel 8 – Bewusstseinsbildung sei genannt worden, Artikel 7 – beschäftige sich mit Kindern mit Behinderung, ein Artikel, der sich extra der Frauen mit Behinderung annehme – das gehöre alles mit dazu. All

diese Themen seien in dem Zusammenhang mit bedacht und müssen mit bearbeitet wer- den. Für deren Umsetzung müsse man hier manchmal über Geld reden. Im voraus hätten sie über Geld für den Sportstättenbau geredet und festgestellt, dass die Ansetzung doch ein bisschen knapp sei. Dann habe man ja dieses Konjunkturprogramm, aus dem auch einige Sportstätten modernisiert worden sind, aber im Konjunkturprogramm stehe eben nicht, dass die Schaffung von Barrierefreiheit zwingende Voraussetzung sei, um Förder- mittel daraus zu bekommen. All diese Zu- sammenhänge wolle er nochmal hervorhe- ben. Was erwarten eigentlich unsere Gäste von der Politik, um Ihnen noch größere Räume zu eröffnen, ihre Arbeit machen zu können? Eine weitere Frage, was ändere sich bei der Frage der Talentfindung und -förderung, wenn man tatsächlich inklusive Sportförderung in den allgemeinen Vereinen mache, wie kriege man es gebacken, dass man die Talente im Behindertensport tat- sächlich finde und fördere? Wie stehe es um Studentinnen und Studenten mit Behinde- rung, die zur Zeit nicht an Universiaden teilnehmen könnten? Er frage den DBS, was man hinkriege, um möglicherweise mit dem Internationalen Hochschulverband eine Ver- ständigung herzustellen, damit Studenten mit Behinderung, die Sport treiben wollten, dies im Rahmen der Universiade könnten. Wenn wir Inklusion wollen, müssen wir sie überall wollen.

Abg. Klein-Schmeink (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) bemerkt, auf der einen Seite

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denke sie, sei es tatsächlich so, dass gerade der Behindertensport insgesamt sehr viel dafür mache, dass der Gedanke der Inklusion und der Gedanke von gesellschaftlicher Teilhabe einen großen Stellenwert habe. In- sofern sei gerade diese soziale Funktion der Sportvereine eine ganz wichtige. Trotzdem sei der Gedanke der Inklusion ein weiterge- hender und Herr Hüppe habe die Fragestel- lungen, die darauf aufsetzen, ein Stück kon- kret gemacht. Sie vermisse aber, das sich ein nationaler Aktionsplan für die nächsten zehn Jahre auch Ziele setze. Wie konkret gestalte man welche Dinge aus, wo wolle man nach- haltbar weiterkommen. Genau das sei es, was man mit einem Aktionsplan mache. Man solle nicht nur niederschreiben, was an För- derprogrammen schon da sei, sondern müsse auch ein Stück nach vorn schauen. Seien die Strukturen ausreichend, wo müsse nachge- bessert werden und mit welchen Zielsetzun- gen und Zielkennzahlen tue man dies. Ins- gesamt fehle an diesem ganzen nationalen Aktionsplan ein solches Raster, was es auch schwierig mache, nach den Jahren festzu- stellen, was erreicht worden und ob man weitergekommen sei. In dieser Frage hätte sie gern Hilfestellung, wo sind Dinge, die auf verschiedenen Ebenen, die die Kommunen und Länder angingen und was die Spitzen- sportförderung auf der Bundesebene angehe, dann zum Tragen gekommen und gleichzeitig aber auch die Forderung an das Ministerium. Insofern fand sie den Bericht des Ministeri- ums ausgesprochen zu kurz, weil er im Grunde nur eine Aneinanderreihung der verschiedenen Projekte, die gerade laufen,

bedeute und keine Analyse mache, wo die Strukturen noch nicht stimmten oder etwas weiterentwickelt werden müsse. Genau das solle hier zum Tragen kommen, um dann zu Vereinbarungen mit den Ländern, mit den kommunalen Spitzenverbänden usw. zu füh- ren, zur Ableitung eines Handlungspro- gramms. Das Ministerium sage, es fördere gleich, es achte auf die gleichmäßige Aus- gabe der Fördermittel. Man müsse sich die Frage stellen, bedeute gleich wirklich gleich? Sei nicht dann, wenn man unter ganz anderen Ausgangsvoraussetzungen stehe, Gleichheit ein ganz falsches Postulat? Man müsse zu einem fairen Ausgleich kommen und Schritte dafür vorsehen. Die zehn Stellen in der dua- len Karriere seien ein erster Schritt, aber das habe noch nichts mit Gleichheit zu tun. Es werde zwar ein gleiches Instrument, was auch im anderen Bereich benutzt werde, benutzt, aber um einen Ausgleich von Chancen her- zustellen, müsse das eine andere Dimension haben, als in anderen Bereichen. Gerade bei den Special Olympics habe man gesehen, dass das erhöhte Sponsoring bei der Olym- piade dazu führe, dass man ganz andere Gelder auskehren könne usw. Da brauche man so etwas wie einen Nachteilsausgleich und das sei eines der wesentlichen Postulate, die in der Inklusion eine Rolle spielten. Sie bitte darüber nachzudenken, was es heiße, was wir an struktureller Förderung brauchten und einer Übersetzung, wie kommen wir dahin, dass wir tatsächlich inklusiv aufge- stellt werden können. Herr Hüppe habe auch mündliche Vorschläge genannt. Es wäre nicht schlecht, wenn man sie schriftlich hätte, wo-

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raufhin man diesen Punkt auch in den ande- ren Eben thematisieren könne.

Abg. Bätzing-Lichtenthäler (SPD) dankt den Sachverständigen für die Präsentation dessen, wie sie Inklusion umsetzten und welche Maßnahme sie auf den Weg gebracht hätten, um die UN-Behindertenrechtskonven- ntion in der Praxis umzusetzen. Sie habe drei Fragen und Anmerkungen. Die erste gehe um das Thema Inklusion um jeden Preis. Sie wolle nicht, dass der Eindruck erweckt wer- de, man wolle Einrichtungen schützen, wenn man behaupte, es könne nicht immer gleich die Inklusion greifen, sondern auch schüt- zenswerte Räume müsse es geben. Sie mache in ihrem Wahlkreis die Erfahrung mit Eltern, die ihr sagten, die Inklusion ginge nicht im- mer. Es gehe ihr um eine Rückmeldung an- hand von Praxisbeispielen aus den Verbän- den, ob sie dies so teilten. Die andere Frage beziehe sich auf den nationalen Aktionsplan. Ihre Fraktion bedaure sehr, dass er sich von 234 Seiten nur auf einer Seite mit dem Sportbereich beschäftige. Was den nationalen Aktionsplan angehe, habe sie eine Frage an Herrn Hüppe. Eine Maßnahme in diesem Aktionsplan sei der Inklusionsbeirat. Dieser habe ja schon bestanden, bevor es den Akti- onsplan gab. Jetzt sei der Beirat auf der an- deren Seite Teil dieses NAPs. Sie interessiere noch die Arbeit des Inklusionsbeirates, wie er zusammengesetzt sei – er habe ja die Aufgabe für die Kommunikation und Vertretung nach außen zu sorgen – wie er tage und ob er schon etwas über dessen Erfolg sagen könne. Die andere Frage richte sich an das BMI. Special

Olympics kritisiere in der Stellungnahme unter anderem, dass der nationale Aktions- plan an einigen Stellen nicht konkret genug sei, dass auch einige von Special Olympics vorgeschlagene Maßnahmen so nicht über- nommen worden seien. Es gebe andere Stel- lungnahmen, in denen die Barrierefreiheit eine eher untergeordnete Rolle spiele. Gebe es Bestrebungen, den nationalen Aktionsplan mit Vorschlägen zu ergänzen, er sei ja für zehn Jahre angelegt.

Abg. Günther (FDP) sagt, von seiner Seite ebenfalls herzlichen Dank für die Berichte. Er meine, dass man sich im Sportausschuss sehr kontinuierlich mit dieser Thematik beschäf- tige und wundere sich, dass Kollege Seifert meine, es würde nur sporadisch erfolgen. Er wolle nur zwei Fragen hinzufügen. Die Frage Olympiade sei schon von Herrn Gienger ge- stellt worden. Des weiteren gehe es um die Erhöhung der Bereitschaft der nicht behin- derten Sportverbände. Er habe in der Praxis die Erfahrung gemacht, dass in den letzten Jahren noch nie so deutlich wie gegenwärtig in den kleinen Sportvereinen vor Ort behin- dertengerecht gedacht werde, beispielsweise durch den Bau von rollstuhlgerechten Auf- fahrten. Gebe es eine Übersicht, die aufzeige an welchen Objekten es Veränderungen ge- geben habe? Man sehe vor Ort, dass das häufig der Fall sei, ohne den Einsatz von Bundes- oder anderer Mittel. Das Wort Schulsport sei gefallen. Wo gebe es im Mo- ment gravierende Probleme im Behinder- tenbereich, wo könne man von seiner Seite noch etwas beitragen?

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Die Vorsitzende bemerkt, sie habe keine weiteren Wortmeldungen der Kolleginnen und Kollegen Abgeordneten. Sie bitte die Sachverständigen um Antwort. Herr Böhm habe sich bereits gemeldet.

MinDir Böhm (BMI) antwortet zunächst Herrn Abg. Seifert, ob der nationale Akti- onsplan an die Abgeordneten verschickt sei oder nicht, könne er definitiv nicht beant- worten, werde dies aber prüfen. Das BMAS sei hierfür federführend. Die 20 Millionen Euro seien die mittelfristige Finanzplanung, dieser Betrag sei durchgeschrieben pro Jahr. Der Bundesregierung vorzuwerfen, sie würde sich nicht um den Bereich der Menschen mit Behinderung kümmern, sei nicht gerecht. Er könne für sein Haus mit Recht behaupten, dass die Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und den Verbänden der Menschen mit Behinderung im Sportbereich herausragend gut sei, wenn Abg. Seifert das anders beurteile, bitte er die Kollegen zu fragen, wo es hake. Bei ihm sei noch kein Problem angekommen, was nicht gemeinsam angegangen und gestemmt worden sei. Viele angesprochene Themen würden das Selbst- organisationsrecht des Sports und die Auto- nomie des Sports, die die Bundesregierung achte, berühren. Der Vorschlag, Zusammen- führung von Olympischen und Paralympischen Spielen, sei eine Frage der Selbstorganisation und eine Frage, die das Internationale Olympische Komitee und das IPC miteinander zu klären haben. Aber bei den Verbänden gebe es schon Empfindlich-

keiten und Schwierigkeiten miteinander, zu denen er sich als Regierung nicht einmischen dürfe. Man versuche zu unterstützen, bei- spielsweise bei Demonstrationswettbewer- ben. Bei Veranstaltungen im Reitbereich sei es Gang und Gäbe, dass viel zusammen getan werde. Das habe man in der Vergangenheit auch schon materiell und immateriell unter- stützt. Zur Frage der Teilnahme an der Ver- anstaltung „Jugend trainiert für Paralym- pics“, sei ihm nicht bekannt, dass der Zugang zur Veranstaltung nicht gegeben sein solle. Zur Frage Gleichbehandlung und Ziel, sei es das erklärte Ziel, den Sport der Menschen mit und ohne Behinderung grundsätzlich gleich zu behandeln. Dies geschehe in enger Zu- sammenarbeit mit den Verbänden. Special Olympics sei aber kein Leistungssport, wofür die Bundesregierung zuständig wäre. Man mache das, weil man Special Olympics und den Sport für Menschen mit geistiger Be- hinderung auch für eine gesellschaftspolitisch so wichtige herausragende Aufgabe halte, dass man versuche Unterstützung zu geben, wo es auch möglich sei. Man sei im guten Dialog, aber eigentlich nicht in der eigenen Zuständigkeit. Es sei schon grenzwertig, dies zu finanzieren. Aber man tue es, weil es wichtig sei im gesamten Konzert des Sports der Menschen mit Behinderung. Auch die Bundeskanzlerin erachte es für außerordent- lich wichtig, so etwas zu tun. Man werde bei Olympischen und Paralympischen Spielen keinen Empfang erleben, bei denen nicht Menschen mit Behinderung bei der gleichen Veranstaltung seien. Man müsse aber auch sehen, wie das Verhältnis der Anzahl der

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Sportler und die Anzahl der zur Verfügung gestellten Sportförderplätze sei. Auch müsse man zunächst die Schwelle überwinden, Stellen zur Verfügung zu stellen, die nicht beim Sport- oder Finanzministerium ange- siedelt seien, sondern auch in nachgeordneten Bereichen der anderen Behörden. Haus- haltsrechtlich sei es schwierig, eine Stelle zu finden und einzurichten Das BMF habe dies dankenswerter Weise getan. Das sei ein An- schub und wichtiger Schritt und es bleibe erklärtes Ziel, das auszubauen. Zur Frage Fortschreibung sei die Lage so, dass es fort- geschrieben werde.

Die Vorsitzende dankt und erteilt Herrn Hüppe das Wort.

Herr Hüppe (Beauftragter der BReg. für

die Belange behinderter Menschen) führt aus, Abg. Ginger habe das Thema Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung auf Olympischen Spielen angesprochen. Man habe im Deutschen Schützenbund die Mög- lichkeit der Teilnahme von Menschen mit Behinderung an den Regelwettbewerben. Früher habe es das auch im Bogenschießen gegeben. Es ging auch durch die Presse, das jemand, der behindert sei, mit entsprechen- den Hilfsmitteln schneller sei, als ein Nicht- behinderter. Dies zeige, dass es eine schwie- rige Diskussion sei. Über die Arbeit des Fachausschuss habe man eine Broschüre erstellt, der auch die Mitglieder zu entnehmen seien. Er wolle aber auch noch einmal klar stellen, dass der nationale Aktionsplan Mittel zum Zweck und nicht Zweck sei. Manche

Kommunen oder Länder elebe er eher in der Weise, dass man glaube, mit einem Aktions- plan sei es getan. Dies treffe natürlich nicht zu.

Der Fachausschuss bilde eine neue Form der Beteiligung, die er neu ins Leben gerufen habe. Er sei der Meinung, man brauche auch eine Einrichtung, in der wirklich nur Behin- derte säßen. Maximal zehn Personen, vom deutschen Behindertenrat benannt, davon mindestens eine Person mit geistiger Behin- derung, eine mit körperlicher Behinderung, ein Mitglied mit einer psychischen Erkran- kung und jeweils mind. ein Mitglied mit einer Seh- und eines mit einer Hörbehinderung. Ziel sei es zu prüfen, ob man richtig hingehört habe, vertrete man wirklich deren Interessen, oder rede man daran vorbei. Dies führe natürlich auch dazu, dass das eine oder andere, was auch er für richtig gehalten habe und immer noch für richtig ansehe, von diesem Gremium gekippt werde. Auch habe es eine sehr kritische Bewertung des Inklu- sionsrates zum Nationalen Aktionsplan ge- geben. Damit müsse man leben. Er halte es aber weiterhin für einen Fortschritt, dass ak- zeptiert werde, Betroffene mitentscheiden zu lassen, was passieren soll.

Er halte es für einen Fortschritt, dass die Re- gierung akzeptiert, sehr kritische Mitglieder darüber entscheiden zu lassen, was sie für richtig halten und was nicht, was unser Glaube sei, was richtig für sie wäre. Der In- klusionsbeirat hat Fachausschüsse, wo alle Menschen mit Behinderung, die im Inklusi-

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onsbeirat sind, teilnehmen können und wo auch Vertreter der Zivilgesellschaft vertreten sind. Viel Wert habe man darauf gelegt, dass sowohl der DBS als auch der DOSB vertreten seien, weil man auch die Verbände der Nichtbehinderten dabei haben wolle, denn man wolle ja gerade zusammenführen und gemeinsam überlegen, welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit bestünden.

Was Ergebnisse anbelange, sei es noch zu früh, da man den Nationalen Aktionsplan erst abgewartet habe.

Zur Frage nach regionalen Übersichten gebe es eine sogenannte Inklusionslandkarte. Auf der könne man sich bewerben, incl. Schulen, Kindergärten oder Sportprojekten. Auch hier gebe es aber harte Kriterien, über die nur Menschen mit Behinderungen entscheiden würden, was denn wirklich Inklusiv sei und was nicht. Nur ca. ein Drittel werde ange- nommen.

Zur Frage von Abg. Bätzing-Lichtenthäler merke er an, dass er zunächst nicht frage, was nicht gehe. Wer Inklusion wolle, suche We- ge, wer sie nicht wolle, suche Begründungen. Zu akzeptieren, dass es nicht geht, sei er erst bereit, wenn man es zumindest versucht habe. Meist sei viel mehr möglich, als zunächst gedacht.

Herr Mittler (Präsident Special Olympics

Deutschland) merkt zur Aufforderung von Herrn Böhm an, die Vertreter der anzuhö-

renden Verbände mögen sich doch in Bezug

auf das Verhältnis zur Bundesregierung äu- ßern. Das funktioniere. Für Special Olympics könne er sagen, einen ausgezeichneten Draht zum Bundesministerium des Innern zu haben. Er habe dem Minister erklären können, dass man sich im Ministerium gut aufgehoben fühle, man hätte aber ein strukturelles Prob- lem. Das Innenministerium fördere Aus- landsaktivitäten und den Spitzensport. Spe- cial Olympics mache aber keinen Spitzen- sport. Daher falle diese Säule der Förderung, die traditionell möglich sei, weg. Aber ge- fördert werden könnten Auslandsaktivitäten, nicht nur dann, wenn sich die Delegation zu europäischen oder internationalen Spielen auf mache, sondern auch was die permanente Vor- und Nachbereitung der Spiele angehe, auch dies werde nicht ausreichen. Er wisse aus früherer Tätigkeit, wovon er rede, er räume aber ausdrücklich ein, dass im Rahmen der Möglichkeiten des Innenministeriums ausgezeichnet gefördert würde. Es wäre schön, wenn es zu einer strukturellen Ver- änderung käme. Es solle nicht nur Spitzen- sport, sondern auch die Breite des Sportes gefördert werden. Das wäre ein interessanter Aspekt, insbesondere für Special Olympics und damit sei er bei der Anfrage von Herrn Abg. Gienger, der ihn gut kenne und häufig mit ihm unterwegs sei. Dafür bedanke er sich. Sein Dank gelte auch Herrn Dr. Seifert, der immer wieder präsent sei.

Er könne nicht sagen, in wie vielen Vereinen inklusiv gearbeitet werde, aber er wisse aus dem Stimmungsbild und aus der Länderor- ganisation, dass die Anzahl zunehme. Er habe

Sportausschuss, 39. Sitzung, 26.10.2011

vom Modellprojekt „Fußballfreunde“ ge-

sprochen, was sie mit

der

Sepp-Herberger-Stiftung machten. Das wür- de beispielhaft in fünf Ländern durchgeführt. In diesem Jahr gab es die ersten nationalen Spiele, es kamen Schülerinnen und Schüler aus nichtbehinderten Schulen, aus Behinder- tenschulen und aus Vereinen zusammen. Daraus seien Unified-Mannschaften gebildet, die gemeinsam über mehrere Tage zusammen kamen. Es seien zur Zeit 30 Projekte, die umgesetzt werden und man gehe weiter vo- ran. In diesem Jahr seien wieder mehrere dazu gekommen. Es komme immer auf die örtlichen Bedingungen an. Habe man einen Verein mit einem Vorsitzenden, der aufge- schlossen sei und Wert auf die Integration von Behinderten lege, habe ich eine Ein- richtung vor Ort, wo Behinderte angespro- chen werden können, wo auch ein Leiter sei, der ermuntert, die Behinderten zu bestimmten Sportarten hinführt. Man sei noch im Aufbau und mittlerweile in 14 Ländern präsent und man habe sich auch vorgenommen, schwer- punktmäßig aber auch das Angebot zuneh- mend Land für Land in die Fläche hineinzu- tragen. Das solle die Aufgabe sein. Das gelte auch für das Healthy Athletes-Programm, für das Gesundheitsprogramm. Das Gesund- heitsministerium helfe weiter, dass das dieses Programm weiter populärer gemacht werde. Man habe im vergangenen Jahr mit der Zahnärztekammer, mit der Bundesärzte- kammer und mit dem Zentralverband der Augenoptiker Vereinbarungen abgeschlos- sen, mit dem Ziel, dass schon im Studium die Studierenden darauf aufmerksam gemacht

würden, dass die Behandlung von Behinder- ten eine ganz besondere Herausforderung für die behandelnden Ärzte sei. Eine Zahnart- behandlung für einen Behinderten sei etwas ganz anderes als für einen Nichtbehinderten. Er wolle es mit diesem Hinweis bewenden lassen.

Herr Dr. Seifert, was die Selbstbestimmung angehe, der Behinderte müsse selbst ent- scheiden, wann, wo, wie und mit wem er seinen Sport treibe. Das sei die selbstbe- stimmte Wahlmöglichkeit. Das sei aber auch davon abhängig, welche Bedingungen man vor Ort habe, wie breit der Sportverein das Angebot bereithalte. Zur Zeit führe man bundesweit 180 Wettbewerbe in immerhin 28 Sportarten durch. Hinzu kämen noch lokale Veranstaltungen. Das bedeute schon ein Stück erhöhte Attraktivität, aber man wisse, dass das noch nicht ausreichend sei. In den drei Stadtstaaten gebe es schon keine För- derschulen mehr. Inklusion sei hier schon umgesetzt. Von den Eltern gebe es Bedenken, ob das Tempo der Ausbildung zügig genug sei oder nicht. Der Langsamste im Bund be- stimme nun mal das Tempo. Das aber sei ein außersportliches Thema und spiele im Sport selber keine Rolle.

Friedhelm Julius Beucher (Präsident

Deutscher Behindertensportverband) bit- tet darum, Herrn Schneider erst das Wort zu überlassen.

Die Vorsitzende stimmt zu.

Sportausschuss, 39. Sitzung, 26.10.2011

Herr Schneider (Vizepräsident für Reha- bilitations-, Präventions- und Breitensport im Deutschen Behindertensportverband)

bezieht sich auf die Anfrage des Abg. Gien- ger, der frage, inwieweit die Inklusion in Sportvereinen stattfinde. In seiner Organisa- tion bei über 5.600 Vereinen spiegele sich das teilweise wider. Man habe reine Behinder- tensportvereine, aber man habe auch eine wachsende Vielzahl von Gruppierungen, die sich dem Behindertensport zuwendeten, in den übrigen Fachbereichen. Insbesondere größere Vereine hätten in der Regel Behin- dertensportabteilungen, in denen das Be- wusstsein für die Belange von Menschen mit Behinderung geprägt und in die übrigen Vereine ausgestrahlt werde. Das sei etwas, woran man arbeiten werde. Entscheidend aber sei es, dass es bislang bei der Vielzahl von Menschen mit Behinderungen, die noch

nicht zum Sport gefunden hätten, zu Berüh- rungsängsten der nicht Behinderten komme im Umgang mit Menschen mit Behinderung, die es gelte abzubauen. Dazu zähle der Be- reich Bildung, was schon mehrfach ange- sprochen sei. Sein Bestreben für die Zukunft sei es, in diese Bildungsangebote des Be- hindertensportes hinein zu kommen. Dazu würden intensive Gespräche mit Fachver- bänden laufen und es gebe auch schon Ge- spräche auf der Ebene des DOSB im Rahmen der Selbstbestimmung des Sportes. Jedoch mache man das aber nicht nur am Sport fest, sondern es müsse auch Bewegungsangebote in der frühzeitigen Erziehung in Kindergärten geben. Auch dort werde man gezielt Ange- bote machen, auf unsere Expertise zurück-

zugegreifen. Im schulischen Bereich gelte das genauso, was die Lehrerausbildung anbe- lange. Es gebe in Nordrhein-Westfalen bei- spielsweise auch schon Modelle, bei denen solche Inhalte in die Lehrerausbildung mit aufgenommen worden seien. Zu den Schutzräumen – es sei nicht die Frage, wer die Schutzräume bestimme, sondern es solle ein Angebot sein, dass der Mensch mit Be- hinderung selbst entscheiden könne, wo er sich betätige, welche Räume er für sich in Anspruch nehme. Es könne nur ein Angebot sein, ohne dass es eine Bestimmung des Menschen mit Behinderung von außen sein solle. Dafür trete er schon immer ein. Er be- danke sich für das Interesse.

Friedhelm Julius Beucher (Präsident

Deutscher Behindertensportverband) be- merkt, entgegen seiner sonstigen Art, wolle er nichts grundsätzliches sagen, sondern nur die unbeantworteten Dinge klarstellen. „Ju- gend trainiert für Paralympics“ – Herr Hüppe habe die augenblickliche Situation richtig beschrieben, die behinderte Schüler an Re- gelschulen vom Wettbewerb ausgeschlossen habe. Neuerdings komme „Jugend trainiert für Paralympics“ unter die Organisationsho- heit der Deutschen Schulsportstiftung und da seien zur Zeit all die Sachen im Fluss, das zu ändern. Wenn es gravierende Probleme im Schulsport gebe – das sei wie im Nichtbe- hindertensport – seien das die Schulen selbst. Man habe Schulen, an denen weder den Schulleiter noch die Lehrer solche Wettbe- werbe interessierten. Hier wolle man eine Änderung mittels öffentlichem Druck her-

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beiführen, weil auch das behinderte Kind einen Anspruch auf Sport habe. Allerdings verweise er auf eine nicht zu große Erwar- tungshaltung, da es sich bei „Jugend trainiert für Olympia“ und „Jugend trainiert für Para- lympics“ um Schulmannschaften handele. Wenn einzelne Schüler von fünf Regelschu- len kommen, müssen sie sich zu einer Mannschaft zusammenschließen. Aber das Problem sei erkannt und es werde Wettbe- werbe bei den nächsten „Jugend trainiert für Paralympics“ geben, an denen behinderte Jugendliche und Schüler aus Regelschulen teilnehmen. Was den Deutschen Schützen- bund angehe und dessen Inklusionsbeitrag habe er darauf hinzuweisen, dass das Re- gelwerk der Sportverbände entscheidend sei und deshalb könne es keine komplette Teil- habe von Menschen mit Behinderung geben. Hier habe man es mit einer Situation zu tun, dass Rollstuhlfahrer die komplette Ober- armfunktion hätten, in der Bundesliga der Schützen mitschießen könnten. Aber nur die, doch das sei schon ein riesiger Schritt, den es vorher noch nicht gegeben habe. Deswegen rede er das nicht klein, sondern weise nur auf die Differenzierung hin. Er sage, Olympia und Paralympics zusammen sei nicht lösbar. Man rechne doch einfach die Summe der Tage von Olympia und die Summe der Tage von Paralympics zusammen und nenne dann die Hallen und die Menschen und im Hin- blick auf die Medien das Interesse, die vier Wochen Paralympics und Olympia auszu- halten. Und wenn am Ende alle satt sind vom Sport, sei er lieber im Interesse seiner be- hinderten Sportler für eine eigenständige

Veranstaltung, die in einer Distanz zu einem olympischen Wettbewerb stehe, unterwegs. Es sei aber zugleich ein wichtiger Hinweis, dass man stärker Demowettbewerbe einfüh- ren müsse. Manche machten es sich leicht, in dem sie sagten, es gehe nicht. Bei der Ski-WM in Garmisch sei alles vorbereitet gewesen und am Ende organisatorisch ge- scheitert. Beim ISTAF in Berlin habe es ein gutes Beispiel gegeben, es habe einen De- mowettbewerb gegeben und beim nächsten ISTAF gebe es vier Demowettbewerbe. Ab- schließend dürfe er sagen, dass er den Hin- weis des Abg. Dr. Seifert aufnehme und auf der Generalversammlung in Peking zur Sprache bringen werde. Es sei ein internati- onales Problem und beträfe auch andere Länder. Er werde einen deutschen Antrag erheben zur Behandlung beim IPC.

Die Vorsitzende: Sie bedanke sich bei den Sachverständigen, bei den Kolleginnen und Kollegen und schließe den Tagesordnungs- punkt ab.

Sportausschuss, 39. Sitzung, 26.10.2011

Tagesordnungspunkt 4neu

Antrag der Abgeordneten Klaus Riegert, Eberhard Gienger, Stephan Mayer (Altötting), weiterer Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten Joachim Günther (Plauen), Dr. Lutz Knopek, Gisela Piltz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP

Klima- und Umweltschutz im und durch den Sport stärken - Für eine verantwortungsvolle Sportentwicklung in Deutschland

BT-Drucksache 17/5779

Die Vorsitzende begrüßt als Ressortvertrete- rin ebenfalls Frau Plücken-Opolka in Vertre- tung für das Bundesumweltministerium. Der Sportausschuss sei federführend. Wünsche der Antragsteller das Wort zur Vorstellung?

Abg. Riegert (CDU/CSU) führt aus, zur Vor- stellung wünsche er es nicht, da bereits im Plenum darüber diskutiert wurde. Er wolle nur kurz erklären, warum es so lange gedauert habe. Er fühle sich von der SPD-Fraktion nicht ganz fair behandelt. Es sei signalisiert worden, dass mitgemacht werden solle. Auf Arbeits- ebene kam immer wieder die Rückmeldung, dass man noch nicht darüber beraten hätte und letztendlich war festzustellen, dass man sich aber mit Verbänden über den Antrag berate und dies wieder einspielen wolle. Das halte er nicht für eine faire und offene Zusammenarbeit und deshalb bitte er um Abstimmung des An- trages.

Abg. Bätzing-Lichtenthäler (SPD entgegnet, die Fraktion hätte den Antrag im Plenum grundsätzlich begrüßt, jedoch auf einige

Punkte hingewiesen, bei denen es mangele. Man habe sich abgestimmt mit den Menschen, die tagtäglich in der Praxis damit zu tun hätten, es sei aber nicht gelungen, einen Kompromiss zu finden. Man wollte klären, wer die Förder- programme im Sportstättenbau bezahle, wie die Auswirkung des Klimawandels auf die Meere, auf die Gebirge und die existierenden Projekte des Alpenvereins, genauso wie den Bereich des Wassersports, seien. Es sei nicht gelungen, Einigung zu diesen Punkten zu erzielen, so dass es nicht zu einem gemeinsa- men Antrag gekommen sei. Man werde diesen Antrag, so wie er jetzt sei, daher leider wieder ablehnen.

Abg. Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-

NEN) bemerkt, der Antrag sei, wenn man ihn lese, erst einmal sehr ansprechend und man neige dazu, zu sagen, das seien doch sportpo- litisch genau die richtigen Ziele. Es fehle an der sämtlichen Infrastruktur. Für Großprojek- te, die mittlerweile auf mehr oder weniger Akzeptanzprobleme stoßen würden, könne es sich als sinnvoll erweisen, solche Nachhaltig- keitskonzepte mit größerer Ernsthaftigkeit zu verfolgen, auch mit Blick auf den Ausgang und die Begründung der Proteste bei der Münche- ner Olympiabewerbung. Wir sprachen über Sportstättenbau, Sportstättensanierung, unsere überalterten Sportstätten und von erheblicher Nacharbeit für eine bessere Bilanz im Sinne von Klima und Umweltschutz beim Sport. Das sei für sie im Antrag nicht hinterlegt. Es werde weder die Frage der Kosten konkret dargelegt, noch entsprechende Anträge im Rahmen der Etatberatung befürwortet, die sich dafür aus-

Sportausschuss, 39. Sitzung, 26.10.2011

sprechen, wenigstens 2 Millionen weniger bei der Sportstättensanierung einzusparen.

Abg. Mayer (Altötting) (CDU/CSU) hält dem entgegen, der Antrag sei nicht nur ein Wohlfühlantrag, er sei geradezu kongenial. Er fände es interessant, dass die SPD-Bundestagsfraktion offenbar interessierte Verbände angeschrieben habe mit dem Wunsch, möglichst kritische Stellungnahmen zu bekommen und er selbst habe eine Stel- lungnahme vom Kuratorium für Sport und Natur. Er zitiere aus der Antwort vom 21.10., dem Antragsentwurf könne man ganz über- wiegend zustimmen. Ihm gefalle, dass ihn so positive und konstruktive Rückmeldungen seitens der Sportnaturverbände erreicht hätten und das bestärke ihn darin, dass man auf dem richtigen Weg sei. Der Antrag habe vor allem erreicht, den wichtigen Bereich Sport und Naturschutz ganzheitlich zu umfassen und deswegen sei er schon etwas besonderes. Er sei ein Kompendium, in dem viele interessante und sehr unterschiedliche Ansätze beinhaltet seien, die die auf den ersten Blick widerstrei- tenden Begriffe Sport und Natur durchaus zusammenbringe und sogar Synergien aus der Zusammenarbeit erwirken könne. Insofern werde die 2. und 3. Lesung im Plenum inten- siv dazu Gelegenheit geben, sich über den Antrag auszutauschen. Er könne aber schon mal sagen, das erklärte Ziel der Opposition, insbesondere der SPD-Fraktion, diesen Antrag durch vermeintliche gegenteilige oder politi- sche Stellungnahmen seitens der Sportver- bände madig zu machen, sei nicht gelungen.

Abg. Riegert (CDU/CSU) ergänzt, nach der Wortmeldung der Kollegin der Grünen müsse er doch sagen, dass sie gerade den Punkt Olympiabewerbung 2018 im Antrag in alter Form belassen hätten, weil er schön zeige, dass man Konzepte nachhaltig machen kann, auf Umweltgesichtspunkte Rücksicht nehme und dadurch Kostensteigerungen bekomme. Den Grünen spreche er ab, sich ernsthaft mit Um- welt und Sport in dem Bereich auseinander- zusetzen.

Abg. Bätzing-Lichtenthäler (SPD ergänzt, ihr gehe es wie Klaus Riegert, sie wollte ei- gentlich auch nichts mehr sagen, aber bei ihr habe die Äußerung des Kollegen Mayer dazu geführt, diese Lobhudelei über den kongenia- len Antrag noch einmal kurz zu erwidern. Wenn Herr Mayer schon zitiere, erlaube man, dass er auch alles zitiere und dann solle er auch korrekt aus der Stellungnahme des Kuratori- ums zitieren, da auch erwähnt werde, dass einige Aspekte sachlich unrichtig seien oder hinter dem Stand der Fachdiskussion zurück- führen oder dass zwingend notwendige Er- gänzungen durch mindestens fünf Aufforde- rungspunkte erforderlich seien. Dem sei er nicht nachgekommen und von daher spreche sie dem Antrag doch die Kongenialität ab.

Die Vorsitzende dankt für die angeregte Diskussion. Sie lasse über den Antrag ab- stimmen. Man stimme ab über die Bundes- tagsdrucksache 17/5779.

Der Antrag wird angenommen mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen

Sportausschuss, 39. Sitzung, 26.10.2011

die Stimmen der Fraktion der SPD bei Enthaltung der Fraktion DIE LINKE. und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Sportausschuss, 39. Sitzung, 26.10.2011

Tagesordnungspunkt 5

Verschiedenes

Die Vorsitzende: Gebe es Wortmeldungen? Sie erteile der Kollegin Viola von Cramon das Wort.

Abg. von Cramon (BÜNDNIS 90/DIE

GRÜNEN): Die Schiedsrichtersteuerfahn- dungsgeschichte erinnere sie stark an das, was sie von den Auslandstrainern in Düsseldorf gehört habe. Sie bitte darum, eventuell einen Brief zu formulieren, ob es nicht möglich sei, dass der DOSB in seinen Verhandlungen mit den Auslandstrainern die Trainer darauf hin- weise, dass die Steuerfrage aktiv angegangen werden solle. Außerdem müsse man recher- chieren, inwiefern man das im vorhinein in den Verträgen hätte klären können.

Die Vorsitzende erklärt, man sollte die Dinge nicht vermischen. Wenn Bundesligaschieds- richter, die zu den Großverdienern gehörten, ihre Steuern nicht gezahlt hätten, habe das aus ihrer Einschätzung nichts mit den Problemen zu tun, von denen man in Düsseldorf gehört habe. Sie denke, das Problem in Düsseldorf sei angekommen und da ginge es darum, Leute zu schützen, die im guten Glauben so gehandelt hätten, wie sie gehandelt hätten. In der Frage, wer aber als Großverdiener in diesem Land mit Wohnsitz in Deutschland seine Steuern nicht zahle, täten die Steuer- fahnder genau das Richtige. Sie persönlich würde von einem Brief abraten. Sie wisse, dass es Bestrebungen gebe, das Problem zu

lösen und werde darüber gern berichten. Da- mit schließe sie die 39. Sitzung des Sport- ausschusses und wünsche einen guten Heimweg.

Schluss der Sitzung: 18:05 Uhr

Dagmar Freitag, MdB

Vorsitzende

Friedhelm Julius Beucher, Präsident Reinhard Schneider, Vizepräsident Breiten-, Präventions- und Rehabilitationssport
Friedhelm Julius Beucher, Präsident
Reinhard Schneider, Vizepräsident Breiten-, Präventions- und Rehabilitationssport
Prävention selbstbewusst Rehabilitation sozial Mobilität, Gemeinschaft und Begegnung und … wichtiges Mittel zur positiven, nachhaltigen Inklusion
Prävention
selbstbewusst
Rehabilitation
sozial
Mobilität, Gemeinschaft und Begegnung
und
… wichtiges Mittel zur positiven, nachhaltigen Inklusion für
alle Menschen mit Behinderung
25. Okotber
25. Oktober 2011
Deutscher Behindertensportverband e. V.
Deutscher Behindertensportverband e. V.
2
Behindertensport ist… voneinander mitreißend lernen
Behindertensport ist…
voneinander
mitreißend
lernen
Behindertensport … ... in der Prävention und im Prozess der Rehabilitation machen fit für den Alltag
Behindertensport …
...
in der Prävention und im Prozess der Rehabilitation machen
fit für den Alltag und den Beruf
...
...
erhält die Mobilität (geistig/körperlich)
macht selbstbewusst
… vermittelt soziale Kompetenzen und
überwindet Barrieren in den Köpfen
… zeigt Leistungswillen und Leistungsfähigkeit
25. Okotber
25. Oktober 2011
Deutscher Behindertensportverband e. V.
Deutscher Behindertensportverband e. V.
Behindertensport fördert die Umsetzung der UN-BRK Behindertensport leistet aktive Inklusionsarbeit über Artikel 30(5) hinaus
Behindertensport fördert die Umsetzung der UN-BRK
Behindertensport leistet aktive Inklusionsarbeit über Artikel 30(5)
hinaus

DBS als Spitzenverband (über 574.000 Mitglieder) im DOSB für den Breiten-,Präventions-, Rehabilitations- und Leistungssport für Menschen mit Behinderung in einer Führungsrolle, aber mit

anderen Verbänden zusammen  60-jährige Expertise im Sport von Menschen mit Behinderung, die anderen zur Verfügung
anderen Verbänden zusammen
60-jährige Expertise im Sport von Menschen mit Behinderung, die
anderen zur Verfügung gestellt werden kann, um Sportangebote
für Menschen mit Behinderung zu öffnen
kontinuierliche Sportangebote in Sportvereinen für alle Menschen
mit oder ohne Behinderung
nicht nur Events sondern Nachhaltigkeit
25. Okotber
25. Oktober 2011
Deutscher Behindertensportverband e. V.
Deutscher Behindertensportverband e. V.
„Bewegung in den Köpfen“  „echte, selbstbestimmte Teilhabe“ von Menschen mit Behinderung vs. „alle müssen“ auch
„Bewegung in den Köpfen“
„echte, selbstbestimmte Teilhabe“ von Menschen
mit Behinderung vs. „alle müssen“ auch im Sport
Quelle: R. Kuckuck, DBS-Akademie
Anerkennung der Möglichkeiten von Bewegung und Sport für den
Prozess der Umsetzung des Themas „Inklusion“ in Deutschland
über den Art 30 (5) (Freizeit, Kultur und Sport) hinaus
Beachtung von Sport und Bewegung im Zusammenhang von
„inklusiver Bildung “!
Inklusion darf nicht vor der Sporthallentür enden
Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung und Abbau von Barrieren
in den Köpfen
25. Okotber
25. Oktober 2011
Deutscher Behindertensportverband e. V.
Deutscher Behindertensportverband e. V.
Deutscher Behindertensportverband e.V./ National Paralympic Committee Germany -Im Hause der Gold-Kraemer-Stiftung- Tulpenweg 2-4 50226 Frechen Tel:
Deutscher Behindertensportverband e.V./
National Paralympic Committee Germany
-Im Hause der Gold-Kraemer-Stiftung-
Tulpenweg 2-4
50226 Frechen
Tel:
Fax:
02234-6000 0
02234-6000 150
Web:
www.dbs-npc.de
25. Okotber
25. Oktober 2011
Deutscher Behindertensportverband e. V.
Deutscher Behindertensportverband e. V.