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(Fachthema)

Wolfgang Michalowsky Sören Stephan Udo Stief

Seilverspanntes Portal am McCormick Place in Chicago

Herrn Professor Dr.-Ing. Helmut Saal zur Vollendung seines 65. Lebensjahres gewidmet

McCormick Place in Chicago, Illinois ist das größte Tagungs- und Kongresszentrum in den USA und das drittgrößte weltweit. Am Südeingang zu diesem Kongresszentrum wurde das hier beschriebene Eingangsportal errichtet. Der eigenwillige Entwurf und die Spannweite von 55 m bei einer Höhe von 17 m stellten eine reizvolle Aufgabe für Berechnung, Konstruktion und Montage dar. Die Autoren konzentrieren sich auf eine Beschreibung des Projektes und gehen dabei auf die besonderen Problemlösungen ein, die sich aus der 3D-Modellierung der seilverspannten Konstruktion, den Windangriffen und der Montage ergaben.

McCormick Place in Chicago, Illinois is the largest convention center in the United States of America and the 3 rd largest in the world. The described entrance portal has been erected at the South Entrance. The unique design and the large span of 55 m at a height of 17 m created a challenging task for the structural design, engineering and installation. The authors did focus on a comprehensive description of the project and solutions developed for specific issues like the 3D CAD modeling of this cable structure, the dynamic behavior under gusty wind loads as well as the installation process.

Vorwort

Novum Structures nahm mit dem Bauvorhaben „McCormick – South Portal“ am „Golden KIWI Award 2006“ teil. Im Rahmen dieses internationalen Wettbewerbs für Stahlkonstruktionen erhielt das hier beschriebene Projekt den 2. Preis in der Kategorie Hochbau/Architektur. Bentley Systems Inc., der Entwickler des CAD-Systems ProSteel 3D vergibt diesen Preis für Projekte, die unter Anwendung des Programms entworfen wurden. Als eines der Jurymitglieder prüfte Herr Professor H. Saal die eingereichten Entwürfe anhand von Zeichnungen und Computermodellen. Dafür nochmals besonderen Dank.

Projektbeschreibung

Auf der Südseite des McCormick Messe Areals steht seit kurzem das seilverspannte Südportal. Mit seiner fischbauchartigen Struktur und einer lichten Weite von 55m überspannt das Tragwerk eine der größten Hauptverkehrsstraßen Chicagos. Aufgrund der Bauhöhe von 17 m ist das Portal bereits von weitem zu erkennen. Die Struktur ist in Feldmitte mit einer Edelstahlverblechung ellipsenförmig verkleidet und dient somit als großes Werbeschild und Anzeigetafel für das Messezentrum. Die beiden Randstützen Ø 30 in (762 mm) sind über ein horizontales Rundrohr Ø 20 in (508 mm) miteinander verbunden. Auf dem Rundrohr sind 21 Stahlrahmen aus Quadratrohren 3x3in (76.2x76.2 mm) befestigt. Die Rahmen folgen in ihren Abmessungen der Geometrie der Seile, die durch Edelstahlseilklemmen mit den Rahmen verbunden sind. Das horizontale Rundrohr dient somit einerseits als Tragelement für die einzelnen Rahmen und

andererseits schließt es die Seilkräfte kurz, die am Ende mit dem Rohr bzw. mit der Stütze verbunden sind. In Bild.1 ist eine Visualisierung des Portals mit den Hauptabmessungen abgebildet.

des Portals mit den Hauptabmessungen abgebildet. Bild 1: Visualisierung des Portals mit Hauptabmessungen Fig.

Bild 1: Visualisierung des Portals mit Hauptabmessungen Fig. 1: Rendering of the portal structure with dimensions

Ingesamt ist die Struktur mit 18 Edelstahlseilen hinter- bzw. unterspannt, die sich in ihrer statischen Funktion in drei Gruppen gegliedert. Jeweils vier Seilpaare, die horizontal verlaufen, steifen die Struktur gegen Windlasten aus. Das Tragwerk ist somit durch die Horizontalseile in beide Windangriffsrichtungen hinterspannt. Die Vorspannkräfte der Horizontalseile wurden so gewählt, dass die geforderte Verformung von 6 in (152 mm) in horizontaler Richtung eingehalten wurde. Dies entspricht einer Verformungsbeschränkung von L/360. Die sechs Vertikalseile unterteilen sich in vier Talseile, die die Struktur gegen Vertikallasten unterstützen und zwei Bergseile, die die Struktur gegen abhebende Kräfte stabilisieren. Die Vorspannung der Talseile bestimmt maßgeblich die Verformung des Tragwerks in vertikaler Richtung und wurde daher entsprechend der geforderten Verformungsbeschränkung von 4 in (102 mm) gewählt. Die vier Randseile, die die äußeren Ränder der Struktur betonen, runden das architektonische Bild ab und verleihen der Struktur zusätzliche Stabilität. Um den Verlauf der einzelnen Seile zu veranschaulichen ist in Bild 2 die Struktur ohne Verkleidung mit den einzelnen Seilgruppen dargestellt.

Bild 2: Anordnung der einzelnen Seilgruppen Fig. 2: Positioning of the cable groups Ursprünglich sah

Bild 2: Anordnung der einzelnen Seilgruppen Fig. 2: Positioning of the cable groups

Ursprünglich sah der architektonische Entwurf vor, die Seilkräfte durch seitliche Abspannungen in massive Fundamente einzuleiten. Durch eine Änderung des Seilverlaufs im Bereich der Stützen konnte darauf verzichtet werden. Die Seilkräfte werden an den Stützen bzw. am letzten Rahmen aufgenommen, in das horizontale Rundrohr zurückgeführt und als Druckkraft kurzgeschlossen. Die beiden Stützen, die am Fußende mit einem massiven Betonkörper umhüllt sind, sind im Bereich der Seile mit einer punktförmig gelagerten Verglasung eingehaust. Die Verbundsicherheitsgläser sind in den Fugen mit Klemmtellern gehalten, die an der Sekundärkonstruktion der Stützen und an den Seilklemmen befestigt sind. Durch den bogenförmigen Verlauf der Seile ergibt sich in der Mitte der Struktur eine ellipsenförmige Schnittfläche, die mit Paneelen aus Edelstahl verkleidet wird. Die Paneele sind an den Eckpunkten über Klemmteller gelagert.

Bevor mit der statischen Berechnung des Tragwerks begonnen werden konnte, wurde die Struktur mit Hilfe von ProSteel 3D genau konstruiert. Zu erst wurden die räumlich verlaufenden Seile zwischen den beiden Stützen generiert. Anschließend wurden die Abmessungen der einzelnen Rahmen, an denen die Seile mit Seilklemmen befestigt werden, dem Verlauf der Seile angepasst. Dabei wurde untersucht, ob die Seile, die einem räumlichen Kreisabschnitt folgen in Ihrem Verlauf mit einem der Stahlrahmen kollidieren. Durch die komplexe Geometrie der Seile war eine Lösung der Details ohne eine exakte Modellierung undenkbar. Daher wurden sämtliche Anschlusspunkte im 3D Model konstruiert. So musste z.B. während der Modelgenerierung im Bereich der Anbindung der Vertikalseile an den Stützen über das Vorspannen der Seile nachgedacht werden und die Konstruktion entsprechend dem Platzbedarf der erforderlichen Vorspannvorrichtung angepasst werden. Nach Abschluss der Generierung des 3D-Models wurden die Daten exportiert und in das Berechnungsprogramm eingelesen. Die Berechnung der Struktur wurde mit einem räumlichen Stabwerksprogramm nach Theorie 2. Ordnung durchgeführt. Auf das Verhalten des Tragwerks unter dynamischer Windeinwirkung wird im folgenden Abschnitt genauer eingegangen.

Verhalten des seilverspannten Portals unter dynamischer Windeinwirkung

Aufgrund von Auflagen der zuständigen Chicagoer Baubehörde DCAP im Verlauf des Baugenehmigungsverfahrens musste der Nachweis erbracht werden, dass das seilverspannte Portal bei Wind keine Neigung zu böenerregten Schwingungen in horizontaler Richtung quer zur Portalebene aufweist. Hierzu wurden zunächst die Eigenfrequenzen und Eigenschwingungsformen des Portals unter Berücksichtigung der Massen aller am Portal befestigter Verkleidungselemente analysiert. Die anzusetzende Strukturdämpfung laut einer Voruntersuchung der Alan G. Davenport Wind Engineering Group [1] betrug lediglich 0.5%. Die resultierenden ersten acht Eigenfrequenzen sind in Tab.1 zusammengestellt. Bild 3 und Bild 4 zeigen die ersten beiden Eigenschwingungsformen.

#

Eigenfrequenz, Hz

Eigenschwingungsform

1

1.706

Horizontalschwingung quer zur Portalebene

2

1.744

Vertikalschwingung

3

2.609

Horizontalschwingung quer zur Portalebene

4

2.833

Vertikalschwingung

5

3.418

Rotationsschwingung um Portal-Längsachse

6

4.590

Horizontalschwingung quer zur Portalebene

7

5.522

Rotationsschwingung um Portal-Längsachse

8

5.569

Vertikalschwingung

Tab. 1: Eigenfrequenzen und Eigenschwingungsformen Tab. 1: Natural frequencies and natural vibration modes

Für böenerregte Schwingungen sind offenbar hauptsächlich die Schwingungsformen #1, #3 und #6 relevant.

Bild 3: Eigenschwingungsform #1 (1.706 Hz) in horizontaler Richtung Fig. 3: Natural vibration mode #1

Bild 3: Eigenschwingungsform #1 (1.706 Hz) in horizontaler Richtung Fig. 3: Natural vibration mode #1 (1.706 Hz) in horizontal direction

Natural vibration mode #1 (1.706 Hz) in horizontal direction Bild 4: Eigenschwingungsform #2 (1.744 Hz) in

Bild 4: Eigenschwingungsform #2 (1.744 Hz) in vertikaler Richtung Fig. 4: Natural vibration mode #2 (1.744 Hz) in vertical direction

Das Verhalten der Portalstruktur unter böiger Windlast wurde auf zweierlei Art und Weise untersucht:

mit einer Transient-Response-Rechnung auf der Basis einer deterministischen Böen-Impulslast mit variablen Parametern und mit einer Spektralanalyse im Frequenzbereich von 0.1 bis 5 Hz. Als Böen-Impulslast für die Transient-Response-Rechnung wurde das in Bild 5 gezeigte deterministische Böenmodell nach Schlaich [2][4] benutzt. Die Windlast wurde zuerst allmählich auf den stationären Windlastanteil von 40% gesteigert und danach eine Weile konstant gehalten, um die Anpassung der Portalstruktur an diese Last abzuwarten. Zur Startzeit t=10 sec erfolgte der Lastimpuls auf die volle Windlast. Die Transient-Response-Rechnung erfolgte mittels der Newmark-Wilson-Integration.

120% 100% 80% 60% 40% 20% 0% 0 5 10 15 20 25 30 35
120%
100%
80%
60%
40%
20%
0%
0
5
10
15
20
25
30
35
40
Generalized Gust Impact Load

Time t [sec]

Bild 5: Böenmodell mit einer Impulsdauer von 4 sec ab t = 10 sec Fig. 5: Gust model with an impact duration of 4 sec beginning at t = 10 sec

Die Auswertung der resultierenden Verformungen des Portals unter Einwirkung der Böen-Impulslast erfolgte anhand der beiden Kontrollknoten 217 und 218. Bild 6 verdeutlicht die Lage dieser Kontrollknoten in der Mittelebene der Portalstruktur. Durch die räumliche Distanz der beiden Knoten konnten eventuelle Rotationseffekte in der Systemantwort erfasst werden.

Rotationseffekte in der Systemantwort erfasst werden. Node 218 Mid Span Torsional Deformation Checkpoint Node 217
Rotationseffekte in der Systemantwort erfasst werden. Node 218 Mid Span Torsional Deformation Checkpoint Node 217

Node 218 Mid Span Torsional Deformation Checkpoint

Node 217 Mid Span Horizontal Deformation Checkpoint

Concrete Base Reinforcement

Bild 6: Portalstruktur mit Kontrollknoten 217 und 218 Fig. 6: Structure with control nodes 217 and 218

Bild 7 zeigt die dynamische Verschiebung der Kontrollknoten 217 und 218 bei Einwirkung der Böen- Impulslast nach Bild 5. Ein Vergleich dieser dynamischen Knotenverschiebungen mit den statischen

Horizontalverschiebungen von 5.197 in (132 mm) für Knoten 217 bzw. von 5.536 in (141 mm) für Knoten 218 verdeutlicht den geringen Einfluss des dynamischen Charakters der Böen-Impulslast auf das Verhalten der Portalstruktur. Der dynamische Überhöhungsfaktor liegt gerade einmal bei ca. 1.03, die windinduzierten Portalschwingungen klingen schnell ab.

0 0 5 10 15 20 25 30 35 40 -1 -2 -3 -4 -5
0
0
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25
30
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-1
-2
-3
-4
-5
-6
Node Deflection ∆ [in]

Time t [sec]

Node 217

Node 218

Bild 7: Dynamische Verschiebung der Knoten 217 und 218 unter Böen-Impulslast nach Bild 5 Fig. 7: Dynamic displacement of nodes 217 and 218 under gust impact load according to Fig. 5

Eine Erhöhung der Anzahl der Lastimpulse auf zwei oder drei kurz hintereinander erfolgende Windböen mit dazwischen liegenden Pausen von etwa 5 sec sowie eine Verkürzung der Impulsdauer auf 2 bzw. 1 sec erzeugten eine leichte Steigerung des dynamischen Überhöhungsfaktors auf 1.10, der grundsätzliche Charakter des Systemverhaltens änderte sich jedoch nicht. Eine Neigung der Portalstruktur zu böenerregten Schwingungen konnte in dieser Analyse nicht festgestellt werden. Zur Untersuchung des dynamischen Verhaltens der Portalstruktur unter fluktuierender Windeinwirkung mit höheren Erregerfrequenzen wurde eine Spektralanalyse der Portalstruktur im Frequenzbereich von 0.1 bis 5 Hz durchgeführt. Die resultierende Admittanzfunktion für den Kontrollknoten 217 ist in Bild 8 dargestellt.

1100% 1000% 900% 800% 700% 600% 500% 400% 300% 200% 100% 0% 0.1 1 10
1100%
1000%
900%
800%
700%
600%
500%
400%
300%
200%
100%
0%
0.1
1
10
Frequency [Hz]
Xm
Structural Admittance Factor

Bild 8: Admittanzfunktion der Portalstruktur für Knoten 217 Fig. 8: Admittance function of the structure for node 217

Auf der Grundlage dieser Admittanzfunktion und mit Hilfe bekannter Windenergiespektren für Chicago untersuchte die Alan G. Davenport Wind Engineering Group danach die Empfindlichkeit der Portalstruktur hinsichtlich höherfrequenter böenerregten Schwingungen und kam zu der Schlussfolgerung, dass aufgrund der geringen Energiedichte auch bei Erregerfrequenzen oberhalb von 1 Hz keine Gefahr böenerregten Schwingungen besteht.

Montage

Das Portal wurde neben der Straße vormontiert und anschließend in seine endgültige Lage versetzt. Die Montage der Struktur unterteilte sich in vier Bauabschnitte.

Montage der Stahlstruktur auf verkürzten Stützen

Montage und Vorspannen der Seile

Montage der Stützenfüße

Heben der Stahlstruktur auf die Stützenfüße in die endgültige Lage

Als erstes wurde die obere Hälfte der Weststütze auf ein temporäres Fundament montiert und ausgerichtet. Das Horizontalrohr, das insgesamt in vier Abschnitten auf die Baustelle geliefert wurde, wurde auf Gerüsttürmen abgelegt. Die einzelnen Stahlrahmen wurden montiert und ausgerichtet. Danach wurden die einzelnen Rohrabschnitte an den Montagestößen verschweißt. Bild 9 zeigt die Struktur während des ersten Montageabschnittes.

Bild 9: Montage der Stahlstruktur Fig. 9: Installation of the steel structure Zuletzt wurde die

Bild 9: Montage der Stahlstruktur Fig. 9: Installation of the steel structure

Zuletzt wurde die obere Hälfte der Oststütze durch einen weiteren Schweißstoß mit der bereits montierten Struktur verbunden und durch ein weiteres temporäres Lager unterstützt. Nach Abschluss der Montage der Stahlstruktur erfolgte die Vormontage der Seile. Dabei wurden die Seilklemmen nur leicht angezogen, um ein ungehindertes Rutschen der Seile während des Vorspannprozesses zu gewährleisten. Das Vorspannen der Seile erfolgte von beiden Seilenden jeweils symmetrisch zum Horizontalrohr in mehreren Schritten. Die Vorspannkraft am Seilende wurde jeweils durch zwei Hydraulikzylinder Power Team Typ RH 206 und einer geeigneten Hilfskonstruktion aufgebracht. Insgesamt wurden für jeden Vorspannprozess 16 Hydraulikzylinder benötigt. In Bild 10 sind die Vorspannvorrichtung am Seilende und die Manometer zur Überwachung des Öldrucks abgebildet.

Bild 10: Vorspannvorrichtung an den Vertikalseilen V1 bis V4 Fig. 10: Pretensioning equipment at vertical

Bild 10: Vorspannvorrichtung an den Vertikalseilen V1 bis V4 Fig. 10: Pretensioning equipment at vertical cables V1 to V4

Um den Rahmen eine gewisse Stabilität zu verleihen und die Last symmetrisch aufzubringen, wurde mit dem Vorspannen der Horizontalseile begonnen. Zuerst wurden die inneren Horizontalseile H1 bis H4 vorgespannt, danach die äußeren Horizontalseile H5 bis H8. Damit sich der Druck in den Hydraulikzylindern gleichmäßig verteilen konnte und ein gleichmäßiges Vorspannen der Seile erfolgte, wurden die Druckschläuche parallel angeschlossen und zur Kontrolle durch acht Manometer überwacht. Während des gesamten Vorspannprozesses waren die Stützenfüße in Längsrichtung der Struktur frei verschieblich um die Seilkräfte als Druckkraft ins Horizontalrohr zurückzuführen und nicht in die temporären Auflager einzuleiten. Nach Abschluss des Vorspannprozesses der Horizontalseile wurden die oberen und unteren Randseile vorgespannt. Danach wurden sämtliche Seilklemmen geschlossen und die Schrauben mit einem definierten Drehmoment vorgespannt. Während des gesamten Vorspannprozesses wurden die Seilkräfte am Seilende und in Seilmitte mit Hilfe einer Seilwaage Typ Piab Sweden RTM 200 (siehe Bild 11) kontrolliert und protokolliert.

Bild 11: Kontrolle der Seilkräfte mittels Seilwaage Fig. 11: Check of cable forces with tension

Bild 11: Kontrolle der Seilkräfte mittels Seilwaage Fig. 11: Check of cable forces with tension meter

Das darauf folgende Vorspannen der Talseile V1 bis V4, die im Endzustand die Struktur unterstützen und einen maßgeblichen Anteil zur Verformungsreduzierung beitragen, bewirkte ein planmäßiges Abheben der Struktur von den Gerüsttürmen in Feldmitte. Nach dem Vorspannen der Vertikalseile war eine deutliches Abheben der Struktur von den Gerüsttürmen zu erkennen. Dieser Wert wurde durch das anschließende Vorspannen der Bergseile V5 und V6 geringfügig reduziert. Nach dem Vorspannen der Seile wurden die Seilklemmen an den Vertikalseilen ebenfalls geschlossen. Während der Stahlbauarbeiten und des Vorspannprozesses der Seile wurden die unteren Hälften der Stützen auf die Fundamente gesetzt und einbetoniert (siehe Bild 12).

Bild 12: Montage eines der unteren Stützenfüße Fig. 12: Installation of the lower column base

Bild 12: Montage eines der unteren Stützenfüße Fig. 12: Installation of the lower column base

Da das Heben aus sicherheitstechnischen Gründen nicht während des normalen Betriebs stattfinden konnte, wurde dieser Bauabschnitt nachts durchgeführt. Der Hebeprozess erfolgte mit zwei Kränen. Da die Reichweite und das Hebevermögen der Kräne nicht für ein Versetzen in einem Schritt ausreichte, wurde die Struktur auf mobilen Auflagern aus Stahl abgelegt, die Kräne umgesetzt und die Struktur in einem zweiten Schritt in die endgültige Position versetzt. Bild 13 zeigt die Struktur während des Hebevorgangs.

Bild 13: Hebevorgang der Struktur Fig. 13: Lifting of the structure Nach dem Aufsetzen der

Bild 13: Hebevorgang der Struktur Fig. 13: Lifting of the structure

Nach dem Aufsetzen der Struktur auf die Stützenfüße wurden die Montagestöße durch Schrauben gesichert und anschließend verschweißt. Eine abschließende Kontrolle der Seilkräfte und ein Vermessen der Struktur auf Verformung der Stützen und Durchbiegung des horizontalen Rundrohrs zeigten eine gute Übereinstimmung mit den theoretischen Werten aus der Berechnung. Die Montage der Edelstahlverkleidung und der Gläser an den Stützen wird zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. In Bild 14 ist eine Teilaufnahme der Struktur nach Abschluss der Montagarbeiten der Stahlstruktur abgebildet.

Bild 14: Teilaufnahme der Struktur nach Abschluss der Montagearbeiten Fig. 14: Partial view of the

Bild 14: Teilaufnahme der Struktur nach Abschluss der Montagearbeiten Fig. 14: Partial view of the installed structure

Literatur

[1] Alan G. Davenport Wind Engineering Group: Letter report for McCormick Place West (South Portal Study), File M046, 15. März 2005. [2] H. Ruschewey: Dynamische Windwirkung an Bauwerken – Praktische Anwendungen (Teil 2), Bauverlag GmbH, Wiesbaden & Berlin 1982. [3] A.G. Davenport: The Wind Loading Chain, erschienen in “Engineering Structures - Chapter 9, Wind Engineering”, University of Bristol Press, 1983. [4] C. Petersen: Dynamik der Baukonstruktionen, Vieweg Verlag mbH, Berlin 1996.

Autoren dieses Beitrages:

Dipl.-Ing. Wolfgang Michalowsky Michalowsky CAD im Stahlbau Bienleinstorstraße 43 D-76227 Karlsruhe

Dipl.-Ing. Sören Stephan, MSc. Novum Structures LLC W126 N8585 Westbrook Crossing Menomonee Falls, WI 53051 USA

Dipl.-Ing. Udo Stief Novum Structures GmbH Schleehofstraße 12 D-97209 Veitshöchheim