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AKIN GUMP

STRAUSS HAUER & FELD LLP
RechtsanwäIte








Die iranische Volksmodjahedin (MEK/PMOI)
und die Suche nach begründeter Wahrheit

Über ihre Tätigkeiten und ihr Wesen



Eine unabhängige Untersuchung von Botschafter Lincoln Bloomfield Jr.


16. August 2011













Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 1
Botschafter BIoomfieId i st eh emaIiger Beamter [ der U S-Regierung] u nd d erzeit
teiIzeitbeschäftigter Berater bei Akin Gump. Diese Studie ist auf Bitten der Firma erarbeitet
worden. Diese vertritt ei ne Gruppe von amerikanischen Bürgern, die si ch dafür ei nsetzen, dass
die V ereinigten S taaten d ie MEK/PMOI von d er L iste AusIändischer T errororganisationen
streichen.
Lincoln P. Bloomfield Jr.
Erster Berater, Büro in Washington D. C.












Botschafter B loomfield war 2008 bi s 2009 S ondergesandter des P räsidenten für die
Verringerung von Bedrohungen durch MANPADS (Handraketen zum Einsatz gegen Flugzeuge)
und S taatssekretär i m U S-Außenministerium f ür politisch-militärische Fr agen, w eiterhin
Vertreter de s Präsidenten und des Außenministers bei H umanitarian M ine A ction
[Regierungsbehörde zur Minenräumung in aller Welt und Verminderung von Schäden durch
Minen] von 2001 bis 2005. Vorher tat er Dienst als Unterstaatssekretär im Außenministerium für
Nahostfragen ( 1992-1993), s tellvertretender A ssistent des Vizepräsidenten für F ragen de r
nationalen Sicherheit ( 1992-2002), Mitglieder der US-Delegation bei den V erhandlungen über
Militärbasen auf den Philippinen (1990-1991), Mitglied in der US-Mediation z ur
Wasserversorgung im Nahen Osten (1989-1990) und erster stellvertretender assistierender
Staatssekretär i m V erteidigungsministerium für Fragen der i nternationalen S icherheit ( 1988-
1989), neben ander en P ositionen i m V erteidigungsministerium ( OSD/ÌSA [ Büro des
Verteidigungsministers für Fragen der internationalen Sicherheit]) seit 1981.
Neben se iner A rbeit bei A kin G ump i st M r. B loomfield P räsident v on P almer C oates LLC,
Berater be i P egasus Kapitalberater L .P., e rster B erater bei Zer oBase E nergy LLC und
Vorsitzender des Aufsichtsrates von Bell Pottinger Communications USA LLC.
Er i st V orsitzender d es Stimson C enter i n Wahington D C, ei ner überparteilichen
Expertenkommission für Sicherheitsfragen.
M.A.L.D., Fletcher School [Master-Abschluss
an der bekannten Abteilung für Recht und
Diplomatie der Tufts University] A.B.,
[Bachelor of Arts], Harvard University,
cum laude, 1974
2 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit

(Vorbemerkung z u dieser Studie: A kin Gump vertritt eine Vereinigung ame rikanischer B ürger, die
interessiert ist, die US-Politik in Bezug auf die MEK/PMOI zu beeinflussen. Erlauben Sie mir deshalb, hier
klarzustellen, dass es mir als teilzeitbeschäftigtem Berater der Firma nicht zusteht, an Lobby-Aktivitäten
teilzunehmen, sondern dass es meine Aufgabe ist, die Firma mit den nach meinem Urteil verlässlichsten
Informationen und Einsichten über a ußenpolitische T hemen zu v ersehen, d ie f ür di e Glaubwürdigkeit
ihrer Arbeit wichtig sind. Das Gehalt, das ich von der Firma beziehe, wird seit Jahren jährlich festgelegt
und dec kt 201 1 ung efähr 20 P rozent meiner Arbeitszeit ab. Mir i st v on der Firma ang eboten worden,
diese Thematik zu untersuchen, und als Generalist in Außenpolitik und nationaler Sicherheit ohne
besondere Kenntnisse über den I ran begr üßte i ch di e Gelegenheit, ein wichtiges und hei kles Feld der
Außenpolitik gr ündlich zu er forschen, e ine Bemühung, die ich f ortsetzen werde. D ie in d iesem
Memorandum niedergelegten Ansichten habe ich allein zu vertreten.)
Die A ufgabe: T rennung v on Wahr und F alsch i n e inem l angwierigen,
tödlichen und tückischen Kampf
Das Gebilde, das von einigen Mujahedin-e Khalq (MEK), von anderen Organisation der
Volksmujahedin des Ìran (PMOÌ) und von Verächtern Mujahedin al-Khalq (MKO) genannt wird,
gehört zur Dachorganisation Nationaler Widerstandsrat Ìran (NCR oder NWRÌ) und hat seine
Wurzeln i n der i ranisch-patriotischen B ewegung, di e v on P remierminister Mossadeq geführt
wurde. Dieser wurde 1953 von Geheimdiensten der USA und Großbritanniens entmachtet, zwei
Jahre, nach dem er das Öl des Ì ran v erstaatlicht hat te. Die MEK wurde Mitte der se chziger
Jahre von muslimischen Akademikern gegründet, angeregt durch die anti- und postkolonialen
Bewegungen, die in der ganzen Welt der Entwicklungsländer aufkamen. Angetrieben von den
intensiven, stark kontroversen ideologischen Debatten des 20. Jahrhunderts, leistete die MEK
dem Schah-Regime Widerstand, einen teilweise gewaltsamen Widerstand, und di e meisten der
anfänglichen Führ er der Organisation waren bi s 1972 hi ngerichtet oder inhaftiert worden. Die
überlebenden M itglieder der M EK-Führung be grüßten den S turz des Schahs, d er 1 979
stattfand. Sie wurden aus der Haft freigelassen, wandten sich aber mit scharfer Kritik gegen die
Doktrin der theokratischen Diktatur, die Ayatollah Khomeini vertrat. Das neue Regime versuchte
mit Gewalthandlungen, die großen öffentlichen Versammlungen und Manifestationen der MEK
zu unt erdrücken. Diese übten i hrerseits Gewalt aus und t öteten ei nige führende Mullahs. Die
MEK wandte sich politischer Tätigkeit zu, wurde aber 1981 ins Exil getrieben; zunächst hielt sie
sich in Frankreich, später im Ìrak auf.
Mindestens für die Zeit zwischen den sechziger und den späten achtziger Jahren können der
MEK Gewalthandlungen zugeschrieben werden. Zunächst waren sie gegen das Schah-Regime,
dann gegen das theokratische Regime gerichtet. Die MEK t rug von i hren Basen i m Ì rak aus
Angriffe gegen die Truppen des iranischen Regimes vor, nachdem der Ìran das Territorium, das
von der i rakischen Armee bei der Ì nvasion von 1980 er obert worden war und K homeini den
Konflikt fo rtsetzte, wieder gewonnen hatte. Die g anze Zei t hi ndurch b ekämpfte der Ì ran di e
Führer und A nhänger der M EK m it Ì nhaftierung, H inrichtungen und A ttentaten. D as
revolutionäre i slamische R egime üb te gegen Opponenten i m Lande G ewalt i n er heblich
größerem M aßstab aus, al s der S chah es getan hat te. S eit 1980 w urden M itglieder und
Sympathisanten der MEK vom t heokratischen Regime, wie geschätzt wird, zu Zehntausenden
getötet ÷ nach ei nigen B erichten w aren es über 100 .000. E ntsprechend bi lden di e
überlebenden Angehörigen und Sympathisanten eine beträchtliche Gruppe von Menschen. Sie
haben si ch dem Ziel verschrieben, di e im Ì ran herrschenden Mullahs abzusetzen und an i hrer
Stelle eine auf den Menschenrechten basierende säkulare Demokratie zu errichten.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 3
Nicht weniger bemerkenswert als die andauernd bittere Feindschaft im Konflikt zwischen einem
brutalen Regime und seinen engagierten Gegnern i st ei n ununterbrochen geführter, raffinierter
»Ìnformationskrieg«, wenn man di esen Begriff gebrauchen darf. Damit sind di e ausgeklügelten
Anstrengungen des Teheraner R egimes gemeint, ohne Q uellenangaben bes timmte
Beschuldigungen g egen di e MEK i n di e i nternationale Sphäre v erlässlicher Ì nformationen z u
injizieren.
Der Sinn di eser »Ì nformations«-Arbeit des Ìran i st es, das Ansehen der MEK her abzusetzen
und seinen Einfluss auf westliche Regierungen zu schwächen. Dies soll erreicht werden, indem
man di e MEK mit Handlungen i n Verbindung br ingt, di e i hre Stellung bei i hrem Publikum im
Ìran, i n Europa und i n den Vereinigten Staaten i ns Wanken br ingen. Damit soll ni cht gesagt
sein, al l di ese pot entiell schädigenden Behauptungen wären falsch; es ist nur zu verzeichnen,
dass die i ranische R egierung w iederholt anget roffen w urde bei dem B eginnen, so lche
Ìnformationen ohne Quellenangabe in der öffentlichen Sphäre des Auslandes zu verbreiten.
Ìhrerseits bestreiten die MEK und ihre Anhänger nicht weniger energisch die Version der
Tatsachen, di e das Teheraner Regime pr opagiert, so wie ähnl iche Kritik seitens anerkannter
Stimmen des Westens. Unterstützer der MEK haben Widerlegungen, di e ganze Bücher füllten
und sorgsam dokumentierte geschichtliche Darstellungen herausgegeben in dem Bemühen, die
westliche Ö ffentlichkeit davon z u über zeugen, dass die Wahrheit über di e A nsichten, d as
Wesen und die Handlungen der MEK sich stark abhebt von dem »verdammenden« Bild, das oft
als Tatsache akzeptiert und weitergegeben wird.
Solche Widerlegungsarbeit findet einen Schwerpunkt in dem Aufweisen, dass manche der
abwertenden und v orurteilbehafteten Auffassungen, di e gewöhnlich i n Diskussionen über di e
MEK z um V orschein kommen ÷ ob si e si ch i n den M edien, i n E xpertenkommissionen, a n
Universitäten oder R egierungen absp ielen ÷, Them en und S childerungen g leich se hen, di e
tatkräftig vom Geheimdienst- und Sicherheitsministerium des Ìran ( MOÌS) v erbreitet wurden;
dazu f olgt ei ne det aillierte D arstellung. U m es klarzustellen: so lche Ü berschneidungen
beweisen w eder, dass eine v om i ranischen G eheimdienst v erdeckt v erbreitete Ìnformation
falsch wäre, noch dass westliche Persönlichkeiten oder Ìnstitutionen für solche vergleichbaren
»Tatsachen« keine unabhängigen und glaubwürdigen Quellen hät ten. Aber i n ei ner Arena, di e
von P ropaganda und Täuschung, B ehauptungen und G egenbehauptungen w immelt, i st di e
Beweislast, bei wem si e auch l iegt, besonders schwer. Der Anspruch, ei n »wahres« Bild der
MEK und ihrer Handlungen seit den sechziger Jahren zu malen, ist wahrlich hoch.
Weiterhin bes teht se it langem das Handlungsmuster, wonach w estliche R egierungen v on
Teheran privat unter Druck gesetzt werden, sie sollten die MEK zu einer Terrorgruppe erklären
und i hr dam it di e H andlungsfreiheit nehm en. H ier k ommt ei ne V erbindung z wischen
Terrorabwehr und breiteren außenpol itischen Erwägungen i ns Spiel. Es bleibt dabei unklar, ob
Regierungen wie die der Vereinigten Staaten die MEK/PMOÌ lediglich auf Grund bestätigter
»terroristischer« Handlungen, abgesehen von anderen bilateralen Ìnteressen als ausländische
Terrororganisation eingestuft hätten. Die MEK/PMOÌ hat vor Gerichten der Europäischen Union,
des Vereinigten Königreichs und Fr ankreichs ihre Einstufung al s Terrororganisation best ritten
und di e Prozesse gewonnen, nachdem di e Gerichtsverhandlungen Fehl er und M ängel i n den
Ìnformationen, auf denen diese Regierungen ihre Einstufung g ründeten, zutage g efördert
hatten. Die i n den USA noch geltende Bezeichnung der MEK und des NCR al s ausländischer
Terrororganisationen, die juristisch ebenfalls umgeworfen werden kann, wird in ähnlicher Weise
bestritten, und de r Gerichtshof hat die Außenministerin angewiesen, di e Basis ihrer Politik i n
den Tatsachen zu klären.
4 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Zehn Vorwürfe auf dem Prüfstand
Bei so lchen B egleitumständen i st es sinnvoll, d ie Grundfragen über di e MEK/PMOÌ neu z u
stellen, um die verlässlichsten Ìnformationen als Basis für die Feststellung der Tatsachen und
daraus zu ziehende Schlüsse zu suchen. Ì n den Anhängen zu di esem Memorandum werden
zehn Vorwürfe geprüft; i ch beginne mit ei ner Einführung und schließe an di e Anhänge meinen
Kommentar mit den Schlussfolgerungen an:
Einführung
Vorwürfe (1-10):

1. Die MEK hat i n d en si ebziger Ja hren i m Ì ran a merikanische B eamte,
Firmenangehörige und einen leitenden Manager getötet.
2 . Die MEK nahm an der Belagerung der US-Botschaft teil und verübte seit den frühen
achtziger Jahren fast zwanzig Jahre lang Terroranschläge gegen den Ìran.
3. Die MEK stellte sich seit 1980 auf die Seite Saddam Husseins und kämpfte gegen den
Ìran. Darum ist sie beim iranischen Volk verhasst und hat keine Chance, die Regierung
zu übernehmen, sollten die Mullahs die Macht verlieren.
4. Die MEK war Gegner der Vereinigten Staaten im Golfkrieg 1991 und in der Ìntervention
von 2003. Sie machte Gebrauch von eigenen Waffen und feuerte auf US-Truppen.
5. Die MEK beteiligte sich nach dem Golfkrieg an der Vernichtung südlicher Schiiten, die
von Saddam verübt wurde.
6. Die MEK beteiligte sich nach dem Golfkrieg an der Vernichtung nördlicher Kurden, die
von Saddam verübt wurde, und verbarg vom Ìrak gelieferte chemische und biologische
Massenvernichtungsmittel, di e i n Halabaja gegen kurdische Dorfbewohner ei ngesetzt
wurden.
7. Die MEK verübte seit den neunziger Jahren an Mitgliedern, die Camp Ashraf verlassen
wollten, Gehirnwäsche, sie inhaftierte und folterte sie.
8. Die MEK oper iert al s Sekte. Sie t rennt seit 1991 Ehepaare, ni mmt i hnen di e Kinder,
verbietet alleinstehenden Frauen zu heiraten und erzwingt Selbstopferung.
9. Die MEK ist ei nem v erhärteten l inksgerichteten, an tidemokratischen und
antiamerikanischen Denken zutiefst verpflichtet, und ihre Behauptung, sie unterstütze
demokratische Prinzipien, ist reiner Lippendienst für westliche Ohren.
10. Die MEK hat nach wie vor die Mittel und die Absicht, terroristische Handlungen zu
begehen.
Kommentar: Schlussfolgerungen


Anhänge: a/s






Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 5
Einführung

Bezeichnung (der MEK) als ausländische Terrororganisation,
außenpolitische Erwägungen, Intensität des Konflikts,
Rolle von Täuschung und Propaganda
GrundsätzIiches zu r Einstufung aI s ausI ändische T errororganisation.
1
Die R oIIe außenpo Iitischer E rwägungen. - Der S chwerpunkt di eser U ntersuchung ( freie
Quelle) ist die tatsachenbezogene Darstellung der angeblichen terroristischen Handlungen und
Tätigkeiten der MEK/PMOÌ, di e i hrer g ültigen Einstufung al s ausländische Terrororganisation
zugrunde liegen. Ìndessen kann man nicht sagen, dass die US-Regierung diese Einstufung
ausschließlich auf der B asis der t atsachenbezogenen D arstellung der t erroristischen
Handlungen, Tätigkeiten, Fähigkeiten und Absichten der MEK vorgenommen hätte, ohne
Berücksichtigung de r a merikanisch-iranischen B eziehungen. D ie z u bel egenden Tatsachen
- Der US -
Außenminister übt na ch Abschnitt 219 des Immigration and N ationality Act (Gesetz übe r
Einwanderung und Einbürgerung) in novellierter Fassung das Recht aus, zur Unterstützung des
»Kampfes der US-Regierung gegen den Terrorismus« eine ausländische Terrororganisation als
solche zu bezeichnen. Zwei Zwecke (solcher Einstufung) werden genannt: »di e Unterstützung
für terroristische B etätigung z u dr osseln« un d »G ruppen unt er D ruck zu se tzen, de n
Terrorismus aufzugeben«. Bis 2004 er loschen Einstufungen al s Terrororganisation nach zwei
Jahren, wenn si e ni cht ausdrücklich er neuert wurden. Das Intelligence Reform and Ter rorism
Protection Act (Gesetz zur Reform des Geheimdienstes und zum Schutz for Terrorismus) von
2004 »l egt fest, dass eine ausl ändische Terrororganisation zwei Jahre nach i hrer Einstufung
(bzw. . Wiedereinstufung) al s solche ei ne Petition um Aufhebung der Einstufung ei nreichen
darf. Solche Petition kann auch zwei Jahre nach der Entscheidung über die l etzte Petition um
Aufhebung ei ngereicht werden. U m di e Grundlage für eine A ufhebung z u bi eten, m uss die
diese beantragende ausländische Terrororganisation beweisen, dass die Umstände, die den
Grund für di e E instufung bi ldeten, si ch genü gend g eändert haben, um ei ne A ufhebung z u
rechtfertigen.« Der Außenminister muss jede Einstufung (einer Organisation) al s ausländische
Terrororganisation über prüfen, di e i n den z urückliegenden fünf Jahren ni cht über prüft worden
ist. »D ie E instufung [einer O rganisation] al s Terrororganisation kann vom K ongress durch
Gesetz widerrufen oder durch Gerichtsbeschluss aufgehoben werden.« Es gibt drei gesetzliche
Kriterien für di e Einstufung (vollständige Formulierung i n der Fußnote, s. u.): Danach muss es
sich um ei ne »ausl ändische Organisation« handeln, si e muss »sich t erroristisch bet ätigen .
oder Terrorismus ausüben . oder di e Fähigkeit und di e Absicht haben«, di es zu tun, und i hre
terroristische Tätigkeit » muss die S icherheit v on B ürgern der V ereinigten S taaten oder di e
nationale Sicherheit (auf dem Gebiet der nationalen Verteidigung, der auswärtigen
Beziehungen oder der wirtschaftlichen Ìnteressen) der Vereinigten Staaten bedrohen.«

1
Zitiert und z usammengefasst n ach: »F oreign T errorist Organisations« ( Ausländische T errororganisationen). Büro des
Koordinators für Terrorismusabwehr, 19. Mai 2011, http://www.state.gov/s/rls/other/des/123085.htm.
Gesetzliche Kriterien:

1. Es muss sich um eine ausländische Organisation handeln.
2. Die Organisation muss »ei ne terroristische Tätigkeit ausüben«, wie sie definiert wird i n Abschnitt 212 ( a)(3)(B) des Ì NA (8
U.S.C. § 1182(a)(3)(B) oder »Terrorismus verüben«, definiert in Abschnitt 140(d)(2) des Foreign Relations Authorization Act
(Gesetz zur Autorisierung aus wärtiger Beziehungen), Haushaltsjahre 1988 und 1989 (22 U.S.C. § 2656f (d)(2) oder »die
Fähigkeit und die Absicht beibehalten, sich terroristisch zu betätigen oder Terrorismus auszuüben«.
3. Die t erroristische Tätigkeit der Organisation oder der von i hr ausgeübte Terrorismus muss di e Sicherheit von Bürgern der
Vereinigten Staaten oder die nationale Sicherheit (auf dem Gebiet der nationalen Verteidigung, der auswärtigen
Beziehungen oder der wirtschaftlichen Ìnteressen) der Vereinigten Staaten bedrohen.
6 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
besagen das Gegenteil. D er Ì ran ha t si ch ei frig da rum bem üht, dass di e R egierungen der
Vereinigten S taaten un d ander er Länder di e Einstufung der M EK al s Terrororganisation
vornähmen, und hat diese Forderung mit anderen Anliegen verknüpft, die für Washington
wichtig waren und si nd; und diese Entscheidungen der US-Regierung über die Einstufung si nd
in Verbindung mit der Hoffnung getroffen worden, dass Teheran in anderen Angelegenheiten in
bestimmter Weise handeln würde.
Ein frühes Anzeichen dieser Verbindung von Anliegen war die 1986 aufgestellte Liste der neun
»Gesten des guten Willens« dem Ì ran gegenüber. Diese hat ten di e Vereinigten Staaten si ch
angeblich i m Ja hr dav or z u ei gen g emacht; si e wurden i n ei nem B rief ang eführt, den der
»Waffen für Geiseln«-Vermittler Manucher Ghorbanifar an di e CÌA schrieb, i m Zusammenhang
mit den Bemühungen, amerikanische Geiseln im Libanon zu befreien.
2
Am Tage, nachdem Außenministerin Madeleine Albright 30 ausländische Organisationen al s
ausländische T errororganisationen ei ngestuft bz w. wiedereingestuft hat te ÷ dies geschah im
Jahr 1997 ÷, schrieb Norman Kempster i n der Los Angeles Times: »Ein hochrangiges Mitglied
des Clinton-Kabinetts sagte, di e Q ualifizierung der Volksmodjahedin [ als ausländische
Terrororganisation] se i al s Geste des guten Willens Teheran und s einem neug ewählten
gemäßigten Präsidenten Mohammad Khatami gegenüber gemeint.«
Richard Murphy,
Staatssekretär i m A ußenministerium, hat te 1985 ei ne A ussage i m U nterausschuss des
Repräsentantenhauses für Europa und den Nahen Osten abgelegt und am Ende des Hearing
gebeten, eine (strenge) Beschreibung der MEK als militante, antiamerikanische Terroristen zu
Protokoll z u nehm en. Ìm A pril 1987, al s der Ì ran-Contra-Skandal alle A ussichten, di e
Freilassung der Geiseln dur ch r uhige D iplomatie z u er wirken, ausg eschlossen hat te, sa gte
Staatssekretär Murphy erneut v or dem Unterausschuss aus und pr äsentierte ei n wesentlich
anderes Bild von der MEK, die er nun als einen wichtigen Mitspieler in der iranischen
Ìnnenpolitik und al s eine der vielen Gruppen bezeichnete, mit denen das US-Außenministerium
Kontakt hatte. (Zu beachten: Das US-Außenministerium bestritt, dass Botschafter Murphys
Aussage von 1985 mit den geheimen Verhandlungen, die die USA damals mit dem Ìran wegen
der Geiseln führten, zu tun gehabt hätte.)
3
Ìm September 2002
wurde Botschafter Martin Ìndyk, nachdem er seinen Dienst als Staatssekretär für Nahost-
Angelegenheiten im Clinton-Kabinett niedergelegt hatte, von Michael Ìsikoff auf der Website von
Newsweek mit folgenden Worten zitiert: ». es bestand im Weißen Haus Ìnteresse daran, mit
der iranischen Regierung einen Dialog zu eröffnen. Präsident Khatami war kurz vorher gewählt
worden und wurde als moderat angesehen. Hohe Kabinettsmitglieder hielten es für ein Mittel zu
solcher Annäherung, gegen die [PMOÌ], die die Ìraner, wie sie klargestellt hatten, als Bedrohung
betrachteten, hart vorzugehen.«
4
Ìm Oktober 1999 soll Botschafter Ìndyk auf die Frage, warum
das Außenministerium z wei Ja hre nach der Einstufung de r MEK al s Terrororganisation de n
Nationalen Widerstandsrat ebenso auf di e Terrorliste gesetzt hatte, geantwortet haben: »Die
iranische Regierung hatte uns das nahegelegt.«
5
Das Kabinett George W. Bush bet rachtete di e E instufung de r MEK/PMOÌ al s ausländische
Terrorgruppe in ähnlicher Weise als bedeutsam für Themen der amerikanisch-iranischen



2
Report of the President's Special Review Board (Bericht der Kommission für besondere Untersuchungen beim Präsidenten), 26.
Februar 1987, S. 131-135. Zu dieser Zeit wurde behauptet, der Libanon benutze Geiseln im Libanon als Hebel gegen die MEK
in Frankreich. »1986 vertrieb di e französische Regierung di e MEK aus Paris [ in den Ì rak], um sich di e i ranische Hilfe bei der
Befreiung f ranzösischer Geiseln i m L ibanon z u s ichern.« GlobalOptions Ì nc.: Ì ndependent Assessment of t he Mujahedin-e-
Khalq and N ational Council of Resistance of Ì ran (Unabhängige Untersuchung der Modjhedin-e K halq und des Nationalen
Widerstandsrats Ìran) in: Ìran; Foreign Policy Challenges and Choices (DLA Piper LLP, 2006), S. 114.
3
»U.S.Designates 30 Groups as Terrorists« (Die USA stufen 30 Gruppen als t erroristisch ei n), Los Angeles Times, 9. Oktober
1997.
4
Newsweek (Website), 26. September 2002.
5
Jonathan Wright: »U.S. Extends Restrictions on Ìranian Oppostion« (Die USA weiten ihre Beschränkungen gegen die iranische
Opposition aus), Reuters-Nachrichten (englisch), 14. Oktober 1999.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 7
Beziehungen. Das wird deutlich in folgendem Auszug eines Ìnterviews des Public Broadcasting
Service ( PBS ÷ Fernsehsender i n den U SA) m it H illary Mann, D irektorin für i ranische
Angelegenheiten im National Security Council (Nationalen Sicherheitsrat) von 2001 bis 2003:
6
Ms. M ann: Ryan C ocker [ damals Stellvertretender S taatssekretär f ür N ahost-
Angelegenheiten im Außenministerium] versicherte [den Iranern bei einer Begegnung im
Januar 2003], die MEK sei eine Gruppe, die auf unserer Liste [der Terrororganisationen]
steht, . und die Iraner brauchten sich deshalb keine Sorgen zu machen. Und wie ich
mich er innere, war der hochrangige I raner, der an den G esprächen t eilnahm, besorgt,
da er auch anderslautende Nachrichten gehört habe ., und wir versuchten, ihm die
Sorgen zu nehmen.

PBS: Sagte Ryan Cocker bei der Besprechung, womit er solche Sorgen zur Ruhe
bringen wollte?
Ms. Mann: [Er sagte,] di e USA betrachteten di e MEK al s Terrororganisation, wir hätten
sie als solche eingestuft, und wir hielten sie für einen Teil von Saddams Armee.
PBS: [Sagte er auch,] sie würde zu unseren Kriegsgegnern gehören?
Ms. Mann: Ja, daran erinnere ich mich .
Die I ntensität des KonfIikts. - Die MEK war bzw. i st der erklärte Fei nd sowohl des Schah-
Regimes als auch der revolutionären Regierung des Ìran. Zwischen ihr und beiden Regimes ist
es zu Gewalthandlungen g ekommen, Mitglieder der Organisation si nd von bei den i nhaftiert,
gefoltert und getötet w orden. M itglieder de r MEK/PMOÌ be treiben s eit dr ei Ja hrzehnten
Widerstand gegen di e Mullahs im Ìran. Viele von i hnen haben i hre Karriere und ei ne bequeme
Existenz im E xil auf gegeben, t rotz der V orteile ei ner hohen w estlichen B ildung, di e v iele
genossen haben . D ie H ingabe v on MEK-Mitgliedern, i hre E ntscheidung, j ahrelang i n C amp

6
PBS-Analyse » Showdown w ith Ì ran« ( Machtprobe m it de m Ìran), 23 O ktober 2007 ÷
http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/showdown/themes/mek.html (alle Einfügungen in Klammern von PBS). Überdies
schrieb Steven Weisman von der New York Times: »Die Kluft zwischen den Hardlinern und denen, di e zur Diplomatie nei gen,
welche Kluft das Kabinett Bush durchzieht, hat sich auch bei m Thema I ran wieder gezeigt, wie Beamte sagen. Auf der ei nen
Seite stehen die, die sagen, der Iran habe in nur einigen, aber hilfreichen Fällen (mit uns) kooperiert, darunter ÷ im vorigen Jahr
÷ mit der Bereitschaft, einige mutmaßliche Terroristen mit Verbindungen zu Al Qaeda, Saudi-Arabien und Pakistan auszuliefern.
Zur Antwort hat die Regierung dem Iran gewisse Gefälligkeiten erwiesen, so die Einstufung einer im Irak ansässigen iranischen
Widerstandsgruppe, der Volksmodjahedin, als Terrorgruppe.« Steven R. Weisman: Threats and Responses: Washington; U.S.
Demands T hat Ì ran T urn Over Qaeda A gents A nd J oin S audi Ì nquiry ( Drohungen und Reaktionen: Washington; Die USA
fordern, dass der Ì ran Al-Qaeda-Agenten ausliefert und s ich der saudiarabischen Untersuchung anschließt), New York Times,
26. Mai 2003 ÷ http://www.ytimes.com/2003/05/26/world/threats-responses-washington-us-demands-that-iran-turn-over-qaeda-
agents-join.html?src=pm
Am 15. August 2003, während di e US-Regierung sich dar um bemühte, dass di e Außenminister von Deutschland, Frankreich
und dem Vereinigten Königreich ÷ die so genannten »Eu 3« ÷ nach Teheran reisen sollten, um eine Lösung in der Konfrontation
zwischen dem Ì ran und der Ì nternationalen A tomenergiebehörde z u s uchen, v erkündete das U S-Außenministerium ei ne
Erweiterung seiner Sanktionen gegen die MEK: »Der Außenminister hat die durch Anordnung des Präsidenten Nr. 13224 über
die Finanzierung von Terroristen verfügte Einstufung der Mujahedin-e Khalq, gewöhnlich MEK genannt, als Terrorgruppe,
ergänzt, indem er die Parallelbezeichnungen Nationaler Widerstandsrat (engl. NCR) und Nationaler Widerstandsrat (engl.
NCRÌ) hi nzufügt. Diese Anordnung des Präsidenten f riert den B esitz von Organisationen und P ersonen, di e mit Terrorismus
verbunden sind, ei n. Die Entscheidung stellt auch klar, dass di e Einstufung auch di e Vertretung des NCRÌ i n den Vereinigten
Staaten und w eltweit al l seine anderen Vertretungen bet rifft und das s di e Einstufung der Volksmodjahedin des Ì ran ( PMOÌ),
einer Parallelbezeichnung f ür MEK, auch f ür di e Vertretung der PMOÌ i n den U SA und f ür al le anderen Vertretungen gi lt.«
Vollständiger Text unter: http://www.usembassy.it/file2003_08/alia/a3081704.htm
Am 2. Oktober 2003 nahm die Bush-Regierung die Wiedereinstufung der MEK und der PMOÌ als Terrororganisationen vor. Der
Verfasser bes itzt keine sicheren Beweise daf ür, das s di e Regierung di eses Handeln in Bezug auf di e MEK i ntern mit dem
Wunsch nach Fortschritten in den V erhandlungen mit dem Ì ran über dessen Atomprogramm assoziierte. John Bolton, f rüher
Staatssekretär für Rüstungskontrolle, sagte aber im August 2011 ÷ damals war er Botschafter bei den Vereinten Nationen ÷ in
einer Rede Folgendes über di e zweite Amtszeit von Präsident Bush: »Ì ch muss zu Ì hrer Enttäuschung sagen: Am Ende der
Regierungszeit v on P räsident Bush, al s di e E instufung über prüft w urde, w urde ent schieden, sie auf rechtzuerhalten, i m
Wesentlichen zu demselben Zweck, nämlich um das Regime in Teheran davon zu überzeugen, dass die Zeit für Verhandlungen
gekommen sei .«
8 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Ashraf nahe der i rakisch-iranischen Grenze z u l eben, und di e A utorität, di e Fr auen i n de r
Organisation ausüben, ÷ all dies sind ungewöhnliche Merkmale. Verbreitet sind herabsetzende
Beschreibungen der MEK/PMOÌ; so wird behauptet, die Bande der Verpflichtung zwischen ihren
Führern u nd den M itgliedern se ien »se ktengleich«. D azu k ann der V erfasser z wei
Bemerkungen vorbringen.
Zunächst se i au f di e Z ahl der MEK/PMOÌ-Mitglieder hi ngewiesen, di e v on der Hand des in
Teheran her rschenden R egimes gefangengenommen, er mordet un d hi ngerichtet w urden,
besonders in den Jahren 1980 und 1981, als die MEK angesichts der Tendenzen der iranischen
Politik nach dem Sturz des Schahs mit Ayatollah Khomeini brach und beide Seiten gewaltsam
zusammenstießen. Nach Schätzungen von Unterstützern der MEK/PMOÌ, darunter solche, di e
nur nebenbei f ür di e Organisation ei ntraten oder dessen verdächtigt wurden, hat di e iranische
Regierung da mals mehr al s 100.000 M enschen g etötet, und se ither haben di e Mullahs
Persönlichkeiten der MEK i m ausl ändischen E xil verfolgt. D ieser K onflikt hat ei ne t iefe und
dauerhafte Feindschaft hervorgebracht.
Die zweite Bemerkung gilt dem Vorherrschen der im einführenden Memorandum bereits
erwähnten ausg eklügelten, ni cht bel egten Ì nformationen, di e di e i ranische R egierung im
Westen verbreitet.
RoIIe der T äuschungsmanöver und der P ropaganda des i ranischen R egimes. -
Angesehene w estliche P ersönlichkeiten, un ter i hnen au sgewiesene A nalytiker d er
Washingtoner Politik, haben behauptet, die MEK/PMOÌ neige von Natur aus zu Gewaltsamkeit,
sei in der Haltung extremistisch, unterhalte verkehrte Vorstellungen vom Zusammenleben und
stehe den U SA und i hren de mokratischen Ìdealen i n t iefer Fei ndseligkeit gegenüber. D ie
Mitglieder, F reunde un d S ympathisanten de r M EK/PMOÌ w eisen di ese K ennzeichnungen
zurück und unt ermauern mit bet rächtlicher Detailkenntnis ihre Versionen der Entwicklung über
mehrere Jahrzehnte. Wer diese miteinander rivalisierenden Ansichten abwägen will, muss auch
den unauffälligen Einfluss von Familiengeschichten und Gruppenloyalitäten auf Ì raner i m Exil
und i hre K inder ei nerseits und ander e Fakt oren, di e di e A nsichten westlicher B eobachter
geformt haben, andererseits erkennen.
Manche sch ließen si ch der Tendenz an, di e MEK/PMOÌ al s eine l ästige Ablenkung au f de r
Bühne der A ußenpolitik ei nzuschätzen, ei ne U nbequemlichkeit, di e m an am best en dur ch
beibehaltene Einstufung als Terrororganisation so niedrig hält wie möglich. Einige behaupten,
die MEK/PMOÌ genieße im Ìran keine Unterstützung bei der Bevölkerung; sie geben sich
besorgt, dass die US-Regierung sich in ihrer Politik ablenken ließe von dem langjährigen
Bemühen, R eformbestrebungen i nnerhalb des Ìran z u st ärken, et wa di e B estrebungen de r
Grünen Bewegung, die während der gefälschten Wahl 2009 und danach bemerkenswerte
Unterstützung i m L ande f and. Das unglückliche Beispiel der Ì rakpolitik der sp äten neunz iger
Jahre, i n der di e US-Regierung si ch von Londoner Exil-Ìrakern l eiten l ieß, di e, wie sich nach
Saddams Sturz herausstellte, i m Ìrak viel weniger akzeptiert waren, al s sie und i hre Mitstreiter
versprochen hat ten, w ird den V ereinigten S taaten al s Warnung v orgehalten, bei i hrer
Abwägung des pol itischen P otentials, das di e D achorganisation de r M EK, der N ationale
Widerstandsrat, i n ei nem r eformierten Ì ran wird auf zubieten haben, vorsichtig zu sein. Wenn
aber wirklich die MEK/PMOÌ im Ìran keine Zugkraft hat, wie ihre Kritiker behaupten, würde eine
Streichung der MEK von der Terrorliste (auf der Grundlage der Kriterien für die Einstufung) sich
nicht erheblich oder gar nicht auf die Außenpolitik der USA auswirken.
Die Handlungen des iranischen Regimes selbst widerlegen aber die Ansicht, die MEK/PMOÌ sei
bedeutungslos für se ine C hance, an der M acht z u bl eiben. E s ist ei n B efund di eser
Untersuchung, dass die iranische Regierung seit 1979 er staunliche Anstrengungen aufgeboten
hat, das Bild, das man sich in Europa, Kanada, in den USA und ander swo von der MEK/PMOÌ
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 9
und seinen führenden Personen macht, zu bestimmen. Ìm Gegensatz zur Tätigkeit sowjetischer
Geheimdienste im Kalten Krieg, die auf nukleare und militärische Geheimnisse zielten, oder zu
chinesischen Tätigkeiten, di e darauf aus waren, dem Westen die am m eist ent wickelten
industriellen Verfahren und Sicherheitstechniken zu entlocken, führt das iranische Ministerium
für G eheimdienste und Sicherheit ( MOÌS) se it Ja hren i m Westen ei ne
»Ìnformationskampagne«, mit der man die MEK/PMOÌ diskreditieren und verleumden will. Dies
geschah, während der Ìran auf di plomatischer Ebene di e Regierungen der USA und ander er
Länder unt er Druck setzte, di e MEK al s Terrorgruppe zu i solieren. Einzelheiten f olgen i n den
beigefügten Dokumenten.
Rt. Ho n. Lord P eter Fr aser, se inerzeit S olicitor-General und L ord A dvocate (Erster
Rechtsvertreter de r R egierung und E rster S taatsanwalt) i n S chottland, j etzt M itglied de s
britischen Oberhauses (und ein Mitstreiter der MEK, der sich an der erfolgreichen Klage gegen
die Einstufung der MEK beteiligte), schrieb kürzlich:
7
»Vor Gericht sagte man uns zunächst, das Beweismaterial sei ni cht-öffentlich. Als die
Dokumente aber sch ließlich, nach l angem K ampf dur ch Gerichtsbeschluss öffentlich
gemacht wurden, war al les, was wir i m D ossier M EK f anden, a usgedachte .
Desinformation, di e di e M ullahs und i hr G eheimdienstministerium ve rbreitet ha tten.
Nichts davon war vor Gericht verwendbar . In den l etzten Stadien des Prozesses, al s
sich abzeichnete, dass wir gewinnen würden, wurden wir mit Medienprodukten gegen
diese G ruppe bom bardiert. D arin hi eß es u. a., di e P MOI (MEK) se i ei ne
Persönlichkeitssekte, die bei den Iranern im Lande unpopulär sei . Ich schreibe dies,
weil i ch m it B edauern di e gl eichen Tr ends in den V ereinigten S taaten auf kommen
sehe.«

Wiederholt hat man di e »P rovenienz« von V orwürfen gegen di e M EK aus dem M OÌS
festgestellt. D amit e rhebt si ch di e Fr age, w elche V orwürfe, di e auß erhalb des Ìran v on
unbescholtenen Leu ten ( gegen di e M EK) er hoben w erden, au f Fa kten g egründet si nd. M it
anderen Worten: ber ücksichtigt man di e vom MOÌS verursachte Täuschung und di e von i hm
produzierte P ropaganda ( wie si e v on westlichen R egierungen und Gerichten au fgedeckt
wurden), m uss man fragen, w elche verifizierbaren »V orwürfe« übr ig bl eiben, di e i n di e
rechtlichen, sp eziell di e or dnungsrechtlichen und pol itischen Ü berlegungen, di e für di e
Einstufung der MEK/PMOÌ en tscheidend si nd, h ineinwirken k önnen. Die beigefügten k urzen
Themenpapiere sind ein Versuch, Klarheit in die Angelegenheit zu bringen.

7
Rt.Hon. Lord Peter Fraser, ,Terror Tagging the Ìranian MEK is Wrong¨, The Hill, Congress Blog, 29. März 2011.
10 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
BeiIage zur Einführung
Auszug aus dem Bericht der Tower-Kommission




























Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 11

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16 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit

Bericht der besonderen Überprüfungskommission des Präsidenten
26. Februar 1987
Der Beamte i m Büro des Premierministers und Ghorbanifar führten damals einige Gespräche.
Der iranische Beamte beklagte sich darüber, dass die Vereinigten Staaten das Sechsfache des
1985 gültigen Preises für die betreffenden Waffen berechnet hätten. Ghorbanifar versuchte die
Höhe des Preises zu er klären und be klagte si ch z ugleich dar über, da ss seine finanziellen
Schwierigkeiten ihn zum Verschweigen gezwungen hätten. Er brauche 5 Millionen $, um dem
Ruin z u ent gehen. A m 30. Juni sa gte Ghorbanifar se inem K ontaktmann i n Teheran, di e
Amerikaner rechtfertigten di e Preise er neut. Sie hät ten v orgeschlagen, wäre di e Sache er st
gelöst und wären die Beziehungen verbessert, würden die Vereinigten Staaten dem Ìran helfen,
von internationalen Banken und amerikanischen Agenturen Darlehen zu erhalten. Ghorbanifar
schlug dann, ohne anz ugeben, von wem die Ìdee stammen mochte, vor, der Ìan würde die
Freilassung einer Geisel zu den Feiern am 4. Juli und z ur Hundertjahrfeier der Freiheitsstatue
erwirken. E r fügte hi nzu, di e V ereinigten S taaten w ürden i nnerhalb 2 4 S tunden na ch de r
Freilassung di e übrigen Ersatzteile für HAWK verschicken. Die Radaranlagen würden folgen,
und dann w ürde der Ì ran di e Fr eilassung de r letzten zw ei G eiseln er wirken. D er i ranische
Beamte z weifelte, ob die eine G eisel bi s zum 4. Juli freigelassen werden könnte; zu
berücksichtigen sei, dass man sich über den Preis für das Material einigen müsste. Ghorbanifar
stimmte z u, m an m üsse das Preisproblem l ösen, ehe di e Fr eilassung der Geisel z eitlich
festgelegt werden könne.
Cave sprach mit dem Beamten im Büro des Premierministers am 30. Juni auch über den Preis
für die Ersatzteile der HAWK-Raketen. Cave berichtete:
1. Es war ei n r echt l anges Telefongespräch, i n dem B [ der Beamte i m Büro des iranischen
Premierministers] sich lange über den Preis für die 240 Gegenstände ausließ. Sam [O'Neil]
sagte ihm, wir hätten eine Kopie der Preisangaben an den Händler [Ghorbanifar] geschickt.
Es sollten die Preise sein, die die Mittelsleute für die Waren bezahlen würden. B wollte
wissen, ob Sam eine Kopie hätte, so dass er B einige der Preise nennen könnte. Sam
sagte, er habe keine Kopie der Preisangaben. Ìm Lauf des Gesprächs kam B wiederholt auf
die Frage der Preise zurück. Er wollte si ch ni cht abweisen l assen; er sagte, er stehe unter
enormem D ruck, ei ne E rmäßigung der P reise z u er reichen. A ls Sam i hn nach de r
Mikrofiche-Liste fragte, gab er zu, dass er si e nicht geschickt hatte, er wollte si e aber am
nächsten Tag schicken. Dies ist ei n Anzeichen dafür, dass solch ei ne Li ste vielleicht gar
nicht ex istiert. E r ha t a ber et was; er v ermutet, es könnte ei n al ter Li eferschein se in. Er
sagte, seine Vorgesetzten seien schockiert, dass die Regierung der USA die Teile zu
Schwarzmarktpreisen v erkaufen wollte. S am w ies darauf hi n, dass er v on dem H ändler
kaufe. B bestand darauf, an der Preisgestaltung müsse etwas geändert werden, da sie nicht
bereit seien, den sechsfachen Preis zu zahlen.
2. Sam sa gte z u i hm, es müsse nun bal d klappen, da der Chef un serer Gesellschaft den
ganzen Handel satt habe. Er sei äußerst befremdet davon, wie unsere Delegation in Dubai
[Teheran] behandel t werde, und s tehe kurz dav or, das ganze Geschäft ab zusagen. Dies
schien B nicht sonderlich zu beeindrucken. Sam sagte auch, er und Goode [North] steckten
in t iefen Schwierigkeiten, da sie das Geschäft ü berhaupt empfohlen hätten. B sa gte, wir
steckten ni cht t iefer i n Schwierigkeiten al s er seinerseits. Sam sagte, dann säßen wir wohl
alle in einem Boot.
3. Ìn einem Moment während der Preisdebatte führte Sam an, wir seien bei den Preisen nicht
unfair. Ob sie mit den [HAWK-Raketen] nicht zufrieden seien? Darauf blieb B dabei, an den
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 17
Preisen m üsse geändert w erden. S am en tgegnete, w as uns betreffe, k önnten si e di e
Ersatzteile auch ander swo k aufen. D ieses Geschäft se i festgelegt und m üsse mit de m
Händler abgewickelt werden.
4. Gegen Ende des Gespräches bat B Sam dringend, an dem Endpreis zu ändern, wenn es
irgend möglich wäre. Er entlockte ihm das Versprechen, am nächsten Tag wieder
anzurufen.
Nach dem Bericht der CÌA und des ÌG er hielt Cave f olgenden Brief, der angeblich am 8. Juli
1986 von Ghorbanifar an seinen iranischen Kontaktmann geschickt wurde:
8
Mein lieber und geschätzter Bruder [B],

ich sende Ì hnen Grüße und hal te es für not wendig, zu der amerikanischen Angelegenheit, die
ein Ja hr l ang uns alle aufgehalten hat und se hr unang enehm geworden i st, Fol gendes zu
sagen:
Wenn Sie si ch erinnern, wir f ührten am Montag und Dienstag (30. Juni und 1. Juli] sehr l ange
Telefongespräche. Ìch hob hervor, die Essenz [guter] Politik sei es, den Moment zu bestimmen,
die Gelegenheit zu nutzen und di e richtige, angemessene Zeit zu erkennen, um daraus Nutzen
zu ziehen und Konzessionen zu erwirken. Ìch sagte, Freitag sei der 4. Juli, di e Fei er des 210.
Jahrestags der amerikanischen Unabhängigkeit und die Feier des 100. Jahrestags der
Freiheitsstatue in New York. Aus dem Anlass werde es in New York eine prachtvolle Feier unter
dem Titel »Liberty Day« (Tag der Freiheit) am Fuße der Freiheitsstatue geben. Die Amerikaner
nennten di e Fei er schon di e Feier des Jahrhunderts, und der US-Präsident und der Präsident
von Fr ankreich seien Gastgeber, denn es sei der Tag der Fr eiheit und der Tag, an dem si e
gefeiert w ird. [ Ìch sa gte,] w enn wir uns am 3. Ju li über di e Fr eilassung des als Geisel
genommenen a merikanischen G eistlichen ei nigen k önnten und er an der Fei er t eilnehmen
könnte ÷ er i st ja ei n Geistlicher ÷, könnten wir daraus großen Nutzen ziehen: wir könnten di e
Amerikaner dahin bringen, v iele unserer Forderungen zu akzeptieren. Natürlich hat sich wie
üblich niemand um meine Vorschläge gekümmert. Die Amerikaner erwarteten von uns, dass wir
wenigstens dies für si e t un w ürden. Ì mmerhin, so sa gten di e A merikaner, hä tten si e i m
vergangenen Ja hr, nac hdem di e Ì raner di e Fr eilassung ei nes amerikanischen G eistlichen,
nämlich M. Mier [sic] erwirkt hätten, der als Geisel in Beirut festgehalten wurde, ÷ hätten sie als
Geste des guten Willens und als ersten Schritt den Ìranern 504 [sic] TOW-Geschosse geliefert.
Ìm Ja hr danach haben di e A merikaner z um Zei chen des guten Willens und i n höch stem
Respekt für di e Ì slamische Republik di e nächsten posi tiven und k onstruktiven Schritte getan.
Dennoch haben die Ìraner z ur Antwort nicht den kleinsten Versuch u nternommen, nicht das
kleinste Zei chen der B ereitschaft gezeigt ÷ und se i es auch di skret ÷, di e B eziehungen z u
verbessern:
1. Nach der Fr eilassung d es Geistlichen er wähnten am erikanische B eamte, w enn si e von
Ländern sp rachen, di e den T errorismus stützen und unt erhalten ÷ wo si e auch dar über
sprachen ÷, nie den Ìran; der Höchste Richter am Obersten Gerichtshof [der Übersetzer
glaubt, dass er den Ju stizminister der Vereinigten Staaten meint] hat i n ei nem of fiziellen
Ìnterview Libyen, Syrien, Südjemen und Kuba genannt als die Länder, die den Terrorismus
unterstützen, schützen und stärken.

8
Soweit ni cht anders bezeichnet, findet sich al les in eckige Klammern Eingeschlossene i n dem Dokument, wie es von der CÌA
bearbeitet wurde. Die Kommission kann die Echtheit des Briefes nicht überprüfen. Nach Angaben des Generalsinspekteurs der
CÌA er hielt Cave di esen Brief Ende J uli 1986 ( CÌLA/ÌG Chronology 27) . Clair George s agte dem Ausschuss, während Cave
seine Mitarbeiter al s Dolmetscher begann, habe er angefangen zu »spielen . Lei der kam er weit weg von uns und wir hatten
ihn nicht den ganzen Weg lang unter Kontrolle.« (George 49-50)
18 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
2. Mit Bezug auf den iranisch-irakischen Krieg hat das US-Außenministerium in einer offiziellen
Note den Einsatz chemischer Waffen entschieden verurteilt.
3. Der amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen war der erste, der dafür ei ntrat,
den vom Ìrak verübten Einsatz chemischer Waffen zu verurteilen.
4. [Die Herausgabe] einer offiziellen Erklärung, in der die Organisation der Mujahedin-e Khalq
als terroristisch und m arxistisch bezeichnet wird; [ die Herausgabe] ei nes Rundschreibens
an den K ongress und an al le am erikanischen Fi rmen und Ìnstitutionen, m it d em jede
Unterstützung der Opponenten der Ìslamischen Republik Ìran verboten wird.
5. Widerstand gegen die Senkung des Ölpreises, so stark, dass Mr. George W. Bush, der
Vizepräsident, i n seinen Reden und Ì nterviews zweimal verkündet hat , eine Senkung des
Ölpreises würde den Vereinigten Staaten i m Endeffekt schaden und man solle den Ölpreis
anheben.
6. Zweimalige Entsendung je zweier US-Flugzeuge mit mehr als 1000 TOW-Geschossen zum
Herstellungspreis.
7. Entsendung eines hochrangigen Teams von fünf Mitarbeitern des Weißen Hauses und des
Verteidigungsministeriums zur Zusa mmenkunft mit B und se iner Begleitung; Überlassung
gewisser v orläufiger Ì nformationen über da s irakische Militär m it de r Übereinkunft, das s
vollständigere und u mfassendere Kenntnisse be i den ansch ließenden Begegnungen u nd
nach der abschließenden Einigung zugänglich gemacht werden sollten.
8. Ankunft einer sehr hochrangigen Delegation aus dem Weißen Haus, geleitet von Robert
McFarlane, M r. R eagans persönlichem A ssistenten und B erater, i n B egleitung fünf
hochrangiger z iviler un d m ilitärischer D ienstträger z u ei nem vi ertägigen A ufenthalt i n
Teheran ÷ sie br achten m ehr al s ein Fünf tel der er betenen E rsatzteile f ür da s
Raketensystem mit, au ßerdem v ollständige Ìnformationen m ilitärischer, t echnischer un d
geheimdienstlicher Art im Zusammenhang mit den sowjetischen Drohungen gegen den Ìran
sowie die militärischen und politischen ÷ ÷ [sic]
9
Die Amerikaner sagen: »Wir wurden beleidigend und unfreundlich behandelt. Sie schickten uns
mit l eeren H änden z urück, di e w ir a ls Botschafter der Fr eundschaft u nd H ilfe g ekommen
waren.«
dieser Regierung [der Sowjetunion] mit
vollständigen D etails [des Plans] ei ner Ì nvasion i n den Ì ran; so wjetische A ktivitäten i n
Kurdistan, Baluchistan und i m Ìrak; di e [sowjetische] Zusammenarbeit mit Opponenten des
islamischen Regimes; und vor allem eine klare Erklärung der US-Regierung, dass sie das
Regime de r Ì slamischen Republik für s tabil häl t und di eses Regime r espektiert. Es wird
weiterhin erklärt, dass die US-Regierung in keiner Weise gegen dieses Regime arbeitet und
garantiert, dass sie keineswegs die Absicht oder den Plan hat, di eses in [die Sphäre] i hres
Einflusses einzuschließen, V eränderungen he rvorzurufen ode r si ch i n se ine i nneren
Angelegenheiten ei nzumischen. Späterhin w urde ei n P rotokoll der B egegnung und d er
Übereinkunft v orgelegt, in dem der gute Wille der V ereinigten S taaten der Ì slamischen
Republik gegenüber und ihre Zusammenarbeit mit dieser zum Ausdruck gebracht werden,
besonders hinsichtlich des Krieges und anderer Probleme, die dieses Regime belasten. [Sie
können dieses Protokoll noch einmal lesen.]
Die Herren kennen die Details über diese Ereignisse besser als jeder andere.

9
Auslassungszeichen eingefügt.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 19
Wie S ie w issen, w iederholten di e U S-Beamten i n T eheran unabl ässig, si e er warteten al s
Gegenleistung für das, was sie anboten, nichts anderes, als dass unsere [die iranischen]
Behörden vermitteln und i hren r eligiösen und geistlichen Einfluss für di e Fr eilassung der vier
amerikanischen Geiseln geltend machen so llten. ( Diese werden sch on mehr al s zwei Ja hre
lang i n Beirut festgehalten.) Sie sagten, durch diese menschliche Handlung könnten si e ( die
iranischen Dienstträger und Vermittler) den Familien und den Kindern (der Geiseln), die auf ihre
Väter warteten, Glück bringen. Sie könnten auch weiterhin uns [den Ì ranern] i m Geheimen di e
nötige Unterstützung zukommen lassen.
Sie sagten sehr deutlich, sie seien völlig bereit, [dem Ìran] mit Zusammenarbeit, Einvernehmen
politischer und wirtschaftlicher Art zur Seite zu stehen; sie könnten Waffen liefern; ÷ alles unter
der B edingung, dass solche H ilfe ni cht i m Kontext [ eines Geschäfts zur Fr eilassung] der
Geiseln gelten, sondern vielmehr als Geste der Vereinigten Staaten zum Ausdruck des guten
Willens, der besseren Beziehungen, der Freundschaft angesehen werden sollte.
Ìch traf mit meinem Team am 25. Mai 1986 in Teheran ein. Zuvor bestand völliges
Einvernehmen, dass die iranischen Behörden bei der Ankunft der hochrangigen US-Delegation
in Teheran, die einige der gewünschten Gegenstände mitbringen sollte, unverzüglich mit ihrer
Vermittlungsarbeit be ginnen würden. Sie so llten er wirken, dass alle Geiseln zusammen aus
Beirut freikämen. Danach würden die anderen vom Ìran gewünschten Gegenstände in Teheran
eintreffen. D as US-Team w ürde i n Teheran bleiben, bi s der R est der A usstattung [der
Gegenstände] ÷ darunter die gr oßen H P-Radargeräte ÷ in Teheran ang elangt w ären.
Außerdem wurde offizielles Einverständnis angenommen darüber, dass die Vereinigten Staaten
die übr igen R üstungswünsche des Ì ran er füllen w ürden; ebenso so llte es zu geheimen
Übereinkünften auf politischen und wirtschaftlichen Gebieten kommen. Die Amerikaner sollten
den Ìran erst wieder verlassen, wenn all diese Vorhaben abgeschlossen wären.
Das zehnköpfige Team der USA, das mit seinem riesigen Fl ugzeug gekommen war, hi elt sich
vier Tage in Teheran auf, es wurde aber leider ni chts abgeschlossen. Sie erinnern sich gut
daran, dass seine Exzellenz [zensiert]
10
Ìch muss Sie [an dieser Stelle] daran erinnern, dass im Jahr 1985 auf amerikanischen
Fernstraßen 45.703 Menschen umkamen und dass in demselben Jahr 1.301 Amerikaner sich
verschluckten und da ran st arben [Völlerei]. Wir dür fen al so di e Amerikaner ni cht unt er Druck
setzen, bis sie schließlich diese vier [Geiseln] in obige Statistik mit einsetzen und wir diese
historische Chance verpassen, zu der wir in einem Jahr großer Mühen und Schwierigkeiten und
hoher Kosten meinerseits gekommen sind.
am letzten Tag des Aufenthalts in Ìhrer Gegenwart und
der ei nes anderen H errn m ehrere M al dar auf best and, man so llte s ich v orläufig au f di e
Vermittlung zugunsten zweier Geiseln ei nigen. Aber Mr. McFarlane akzeptierte das nicht und
stellte fest, si e se ien d ort [in Teheran] und w ollten ei nige grundsätzliche und st rategisch
wichtige Fragen klären und »euch [den Ìranern] beistehen«. Alle diese Fragen müssten
zusammen geklärt werden, es sollte nichts übrig bleiben und so sollte ein- für allemal der Weg
geebnet werden.
Wie Sie wissen, ist diese Sache schon 45 Tage lang in der Schwebe. Ìch versichere Ìhnen, die
Amerikaner können und werden auf diesem Weg keinen Schritt weitergehen, ehe wir zur
Vorbereitung und z um Anfang ni cht das ausführen, worauf . [zensiert]
11

10
Klammerausdruck eingefügt.
bestanden hat. Ì ch
glaube auch, gleich, was wir tun wollen und wie Sie sich entscheiden, es muss in den nächsten
zwei bis drei Tagen ausgeführt werden.
11
Klammerausdruck eingefügt.
20 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Es gibt nur drei Lösungen: Ìch habe sie [die Amerikaner] völlig überzeugt und sie sind mit allen
drei Lösu ngen v oll ei nverstanden. Ìch glaube und empfehle dr ingend, dass man si ch für di e
erste Lösung entscheiden sollte:
1. Sie bezahlen sofort in bar die Gegenstände, die schon eingetroffen sind, und die anderen
177 Gegenstände. Das Geld für die 240 Gegenstände und die großen HPs wird am 30. Juli,
also in 21 Tagen bei der Londoner Zweigstelle der Bank Melli Ìran eingezahlt.
2. An demselben Tag vermitteln Sie abends für zwei der Geiseln und lassen sie frei.
3. Spätestens 24 S tunden danach l iefern di e A merikaner al le der 240 Gegenstände, al so
annähernd 4000 Ersatzteile und zwei große HPs nach Bandar Abbas.
4. Sofort nachdem Sie diese Gegenstände erhalten und völlig inspiziert haben, unternehmen
Sie S chritte z ur Fr eilassung der z wei übr igen Geiseln. A us hum anitären und religiösen
Gründen so llten Sie si ch v ermittelnd da für ei nsetzen, dass das Grab d er Geisel, di e i m
vergangenen Jahr starb [W. Buckley] identifiziert wird, so dass der Leichnam in die
Vereinigten S taaten üb erführt und , w ie der M ann g ewünscht ha t, ne ben se iner M utter
bestattet werden kann.
5. 72 Stunden nach Lieferung und Erhalt der 240 Teile [der HAWK-Raketen] und der zwei HPs
sowie nach Freilassung aller Geiseln wird ein hochrangiges US-Team nach Genf, Frankfurt
oder Teheran kommen ÷ wie Sie wünschen ÷ und wird das Protokoll der Begegnung
sorgfältig erarbeiten und eine Verpflichtung eingehen. Zudem wird das Team die Frage der
übrigen HPs und Hubschrauber-Ersatzteile, weiter al le anderen Bedürfnisse der i ranischen
Armee erörtern. Übereinkünfte über das Datum der Li eferung könnten festgelegt werden.
Ìnzwischen si nd si e [ die Amerikaner] ber eit, t echnische Experten und di e Ausstattung für
das Testen und die Reparatur der Gegenstände sofort zu senden.
Die zweite Lösung, die längere Zeit beanspruchen und mehr Kopfzerbrechen verursachen wird:
1. Sie bez ahlen i n bar di e Gegenstände, di e sch on ei ngetroffen si nd, und di e ander en 177
Gegenstände. Das Geld für die 240 Gegenstände wird am 20. Juli, also in 11 Tagen durch
Ausstellung eines Schecks bei der Londoner Zweigstelle der Bank Melli Ìran eingezahlt.
2. An demselben Tag vermitteln Sie abends für zwei der Geiseln und lassen sie frei.
3. Spätestens 24 Stunden nach Freilassung dieser zwei Geiseln und der Bezahlung der HPs
liefern die Amerikaner die Radaranlagen nach Bandar Abbas.
4. Sofort nach der vollständigen und richtigen Lieferung der 240 Gegenstände nach Teheran
müssen Sie noch an demselben Tag sich für zwei weitere Geiseln vermittelnd einsetzen und
ihre Freilassung erwirken; und Sie müssen das Geld für die zwei HPs bezahlen.
6. Nach der vollständigen und korrekten Lieferung der zwei HPs werden Sie die Freilassung
der l etzten [ vierten] Geiseln und di e Übergabe des Leichnams von William Buckley dur ch
Ìhre Vermittlung erwirken.
7. 72 Stunden nach Erhalt aller 240 Teile [der HAWK-Raketen] und der zwei HPs sowie nach
Freilassung der amerikanischen Geiseln wird ein hochrangiges US-Team nach Genf,
Frankfurt oder Teheran kommen ÷ wie Sie wünschen ÷ und wird das Protokoll der
Begegnung sorgfältig er arbeiten und ei ne Verpflichtung ei ngehen. Zudem wird das Team
die Frage der übrigen HPs und Hubschrauber-Ersatzteile, weiter alle anderen Bedürfnisse
der iranischen A rmee erörtern. Übereinkünfte über das Datum der Lieferung könnten
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 21
festgelegt werden. Ìnzwischen sind sie [die Amerikaner] bereit, technische Experten und die
Ausstattung für das Testen und die Reparatur der Gegenstände sofort zu senden.
8. Ìch w ürde per sönlich u nd m it m einem Ehrenwort ÷ auf w elche Weise, dass steht Ìhrer
Entscheidung frei ÷ dafür einstehen, dass ich unmittelbar nach der letzten Phase, d. h. nach
Lieferung der 240 Gegenstände und der zwei HPs sowie nach Freilassung der Geiseln,
spätestens einen Monat danach 3000 TOW-Geschosse zum Preis von 38,5 Millionen $,
dem Preis, den di e Amerikaner selbst für di e Beschaffung zu zahlen haben, nach Teheran
liefern w ürde, z usätzlich 200 S idewinder-Geschosse, di e au f F -4- und F -5-Flugzeugen
montiert werden, ebenfalls zum Beschaffungspreis. Natürlich [ nur] wenn si e mir das Geld
zukommen lassen ÷ nicht wie beim [letzten] Mal, als Sie für mich nichts übrig ließen.
Dritte Lösung:
Da ich versucht habe, Vermittler des Guten zu sein, möchte ich nicht die Ursache für
Fehlhandlungen sein. Ìch habe versucht, [beide Seiten] zusammenzubringen und Fr eundschaft
zu schaffen, ni cht weitere Differenzen, Fei ndseligkeit und E ntfremdung. Wenn Sie al so keine
der oben dar gelegten Lösungen für r ätlich hal ten, geben Sie i hnen di e Gegenstände, di e si e
gebracht haben, unversehrt zurück und dann kann der ganze Fal l abgeschlossen werden und
wir k önnen so t un, al s sei ni chts geschehen, ÷ »als sei k ein Kamel ei ngetroffen und k eins
abgegangen« [ altes persisches Sprichwort]. Dann k ann j eder seiner Wege gehen. Und dann
können ho ffentlich i n d er Zu kunft, [wenn] di e Bedingungen und U mstände w ieder ei nmal
günstig sind, Schritte getan werden. Ìch meine, wir sollten »keinen Knochen i n eine Wunde
stecken« [ ein anderes altes persisches Sprichwort, das bedeutet, man sollte di e Sachen nicht
noch schlimmer machen]. Dafür l iegt gar kein Grund vor. Wenn i ch al lein durch Freundschaft,
gute Absichten, Ehrlichkeit, Glauben und Vertrauen großen Schwierigkeiten, vielen materiellen
und g eistigen Problemen und Problemen meines Ansehens begegnet b in, geschah das aus
Liebe zu [ meinem] Land und aus Freundschaft zu Ì hnen und hat gar ni chts zu bedeut en. Ìch
hoffe, der gute und großherzige Gott möge mich dafür belohnen, denn meine Absichten waren
alle gut.
Ìch bitte Sie herzlich, schnelle und entscheidende Maßnahmen zu ergreifen und diese Sache
zum Abschluss zu bringen, zum Wohle der Ìslamischen Republik.

Mit Dank und höchstem Respekt

Manucher Qorbanifar
unterzeichnet d. 9. Juli 1986

»Ìm Juni und Ju li«, erzählte Charles Allen der Kommission, »schien ei n gewisser Stillstand zu
herrschen. Anfang Juli rief Oberst North mich aus einer Sitzung heraus ÷ ich hi elt i m Büro der
Personalverwaltung gerade ei nen Vortrag ÷ und berichtete, i hm habe Amiram Nir, Besonderer
Referent des damaligen i sraelischen P remierministers Peres, v ersichert, dass sehr bal d ei n
weiterer Amerikaner freigelassen werden würde. Er [ Oberst North] setzte ei nige hochrangige
Regierungsmitglieder davon in Kenntnis.
22 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Wir schickten ein Team zum Briefing über die Geiseln nach Wiesbaden und es erfolgte keine
Freilassung, also riefen wir das Team zurück.
12
Oberst North war zutiefst enttäuscht und sagte,
er sei von Admiral Poindexter in der Sache ermahnt worden. Er brach jeden Kontakt mit
Amiram N ir ab und bat m ich, z wei oder dr ei Wochen l ang gelegentlich m it A miram N ir z u
reden.
13

12
Am 2. Juli sagte Ghorbanifar seinem Kontaktmann im Büro des Premierministers, die Vereinigten Staaten seien der Meinung,
der Ìran benutze das Problem der Preise als Vorwand, um seine Unfähigkeit, die Freilassung einer weiteren Geisel zu erwirken,
zu vertuschen. Er sagte, di e Vereinigten Staaten schlügen vor, wenn ei ne weitere Geisel f reigelassen würde, würden sie die
übrigen HAWK-Ersatzteile sofort abschicken.

13
Hierzu der Generalinspekteur der CÌA:
»[7. bi s 26 . J uli:] Allen s teht weiterhin i n f ast t äglichem t elefonischem Kontakt mit Nir. ( Allen gi bt an, Nir s ei of fensichtlich
alarmiert dar über, dass er den di rekten Kontakt mit North verloren habe und ar beite of fenbar f ieberhaft mit Ghorbanifar und
anderen daran, dass eine amerikanische Geisel freigelassen würde. [.]
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 23
AnIage 1


Obgleich et was, w as vor 35 Ja hren geschah, auße rhalb des Ze itrahmens für zu
berücksichtigende Tätigkeiten l iegt, der i m G esetzeswerk für di e E instufung ausl ändischer
Organisationen als Terrororganisationen vorgesehen ist, legen die Praktiker der nationalen
Sicherheitsbehörden der USA an jede Person, oder Körperschaft, die Amerikaner getötet hat,
einen anderen Maßstab an. Der Verfasser zum Beispiel, der im Oktober 1983 als Direktor im
Büro des Verteidigungsministers für den Libanon zuständig war, als 241 US-Marines durch eine
Autobombe getötet wurden, wird i mmer dar an denken, dass die Hizbollah und der Ì ran unter
anderen für diese Tat verantwortlich sind.
Vorwurf 1 : Die MEK ha t i n d en siebziger Jahren i m Ìran a merikanische
Beamte, Firmenangehörige und einen leitenden Manager getötet.
Country R eports on Terrorism 2009 (Berichte über Terrorismus in v erschiedenen Länder n,
Ausgabe 2009) , ei n Dokument des (US-)Außenministeriums,
14
sagt, di e MEK habe 1973 den
stellvertretenden C hef der U S-Militärmission, 1975 zwei Mitglieder der amerikanischen
Beratergruppe für militärische Hilfe und 1976 zwei Mitarbeiter von Rockwell Ìnternational getötet
und übernehme die Verantwortung dafür, 1979 einen leitenden Manager von Texaco getötet zu
haben. Wenn Journalisten und For scher von der MEK sprechen, kommen sie unfehlbar auf die
Verantwortung der Organisation an der Ermordung di eser sechs Amerikaner i n den si ebziger
Jahren z urück. D iese E rbschaft sp ielt in den Augen der höchsten Entscheidungsträger
Washingtons eine er hebliche R olle. R ichard A rmitage, ehe mals Stellvertreter de s
Außenministers, sa gte i m Radiosender NPR nach Ende se iner Amtszeit: »Ì ch habe i m Ìran
gearbeitet; i ch habe ei n Ja hr dor t gelebt, und damals wurden unse re Leute v on der M EK
umgebracht, ermordet . Aus meiner Sicht waren sie Terroristen .«
15
Die Geschichte der »MEK«-Attentate an Amerikanern in den siebziger Jahren geht mehr in die
Tiefe. Einige werden sich vielleicht nicht bewegen lassen, ihr Urteil über diesen Vorwurf gegen
die MEK zu ändern. Einfach gesagt, betrachtet die MEK von heute, die sich nach 1979 unter
Führung von Massoud Rajavi wiederbelebte und heute öffentlich von seiner Frau Maryam
Rajavi geführt wird, sich nicht als die Gruppe der Erben derer, die in den siebziger Jahren jene
sechs Amerikaner töteten. Fast di e ganze Führung der MEK war bi s 1972 vom Schah-Regime
getötet ode r i nhaftiert worden. M assoud R ajavi, das jüngste M itglied des ursprünglichen
Zentralkomitees, en tging de r H inrichtung und wurde dur ch i nternationale Für sprache ÷ es
setzten sich François Mitterrand, Jean Paul Sartre und Amnesty Ìnternational für ihn ein ÷ zu
lebenslanger Haft verurteilt.

Als die Gründungsväter t ot oder gefangen waren, eignete ei ne Gruppe mit eher do ktrinären
säkularen marxistischen Ansichten (einige nannten sie »Marxisten-Leninisten«, und di e Gruppe

14
U.S. Department of State, Office of t he Coordianator f or Counter-Terrorism, Country Reports on Terrorism 2009, Chapter 6,
»Terrorist Organizations,« (US-Außenministerium, Büro des Koordinators für Terrorismusabwehr, Berichte über Terrorismus in
verschiedenen Länder n, K apitel 6: T erroristische O rganisationen), 5. A ugust 2010 ÷
http://www..state.gov/s/ct/rls/crt/2009/140900.htm
15
PBS-Analyse »S howdown with Ì ran« ( Konfrontation m it de m Ì ran), 23. O ktober 2007 ÷
http://www.pbs.org/wghb/pages/frontline/showdown/themes/mek.html (zitiert nach der Website des NPR). Botschafter Lawrence
Butler, der US-Diplomat, der zur Zeit über di e Zukunft der ca. 3400 MEK-Mitglieder i n Camp Ashraf/Ìrak verhandelt, sagte der
New York Times: »Diese Leute haben Amerikaner ermordet. Sie haben Blut an den Händen.« New York Times, 22. Juli 2011.
http://www.nytimes.com/2011/07/23/world/middleeast/23ashraf.hml?pagewanted=1&_2011
24 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
soll sich selbst »Modjahedin M. L.« genannt haben) sich das öffentliche Profil der Bewegung an.
Rajavis Schriften aus dem G efängnis und di e V erlautbarungen der » Modjahedin« l assen
erkennen ÷ auch di es sagen Unterstützer der MEK ÷, dass di ese »Splittergruppe« ei ne bl utige
Säuberung vorgenommen und dabei gegen führende Mitglieder des eher »islamischen« Flügels
der MEK Gewalttaten begangen hatte. Ìn der iranischen Presse »Kämpfer des iranischen
Volkes« ( ÌPS) und später »Peykar« genannt, war di e Gruppe, deren Führer Taghi Shahram,
Vahid Afrakhteh und Bahram Aram hießen, eine von mehreren Untergrundorganisationen, die
einen verdeckten Kampf gegen SAVAK, die Geheimpolizei des Shahs, führten. Unterstützer der
MEK sagen, nach Tonbandaufnahmen sei Shahram i n di e Planung der Säuberung verwickelt
gewesen und habe auch mitgeplant, di e Führung der MEK zu übernehmen. Afrakhteh, der die
Morde an den Amerikanern gestand, wurde hingerichtet, ebenso die beiden anderen, einer vom
Shah-Regime, der andere später von den Mullahs. Diesem Abschnitt sind zwei zeitgenössische
Zeitungsberichte beigefügt, in denen diese Ereignisse erwähnt werden.
Unterstützer der M EK sa gen, di ese G ruppe habe i n den si ebziger Ja hren den N amen
»Modjahedin« eigentlich an sich gerissen, indem sie ein Faksimile des MEK-Logos ohne den
Koranvers benutzte (sie trat aber auch ohne das MEK-Logo auf). Ìn ihren Erklärungen hatte sie
aber, wie diese Unterstützer sagen, einen ganz anderen Ton als die MEK und sprach eine
Sprache, die sich deutlich von der der MEK unterschied. Später feierte sie an Gedenktagen, die
für die ursprüngliche (und die 1979 wiederbelebte) MEK keine Bedeutung hatten.
16
Unterstützer
der MEK verweisen auf drei öffentliche Erklärungen der ÌPS, i n denen si e si ch zu den Morden
an den A merikanern be kannten, w eiterhin au f di e e rwähnten bel astenden
Tonbandaufzeichnungen und die von Massoud Rajavi aus dem Gefängnis abgegebenen
Erklärungen, in denen er die Attentate verurteilt.
17
Ìn der Version der Country Reports on Terrorism (Berichte über Terrorismus in verschiedenen
Ländern) v on 2005 hei ßt es: »E in m arxistisches Element der M EK er mordete v or de r
Ìslamischen Revolution mehrere amerikanische Sicherheitsberater des Schahs«;

18
die neueste
Version des Terrorismus-Berichts des US-Außenministeriums dagegen macht in ihrem
Abschnitt über die MEK keine solchen Unterscheidungen, sondern schreibt alle Morde, die in
den siebziger Jahren im Ìran an Amerikanern verübt wurden, »der MEK« zu.
19





16
MEK-Unterstützer führen einen Artikel aus dem Middle East Journal, Band 41, Nr. 2, Frühjahr 1987 an (der Verfasser konnte bis
zur Fertigstellung dieses Gutachtens kein Exemplar davon einsehen). Ìn dem Artikel heißt es u. a.: »Um 1974-76 verurteilte eine
Gruppe in der Führung der Modjahedin die islamische Orientierung der Organisation, vertrat eine marxistisch-leninistische Linie
und s chloss die Mitglieder aus , die di eser Li nie ni cht f olgten. Der marxistisch-leninistische Flügel gi ng s o weit, t erroristische
Methoden anzuwenden, so griff er . einen Führer des islamischen Flügels mit Schüssen an, um die Organisation unter seine
Kontrolle zu bringen . 1975 begi ngen di e Modjahedin · M. L. · mehrere t erroristische Handlungen, darunter di e Attentate an
Oberst Turner, Oberst Shaefer und später an General Price .«
17
Der R eporter S am D ealey s chreibt 2002 i n der N ational R eview über die B ehauptung v on U nterstützern der MEK, di e
Organisation sei zu der Zeit der Morde an den Amerikanern von Radikalen übernommen worden, und stellt kategorisch, ohne
nähere A usführungen fest: » Erkenntnisse v on US-Geheimdiensten machen deut lich, das s Massoud Rajavi, der F ührer der
Gruppe, di e Kontrolle fest in der Hand hatte.« Sam Dealey: A Very, Very Bad Bunch« (Ein schlimmer Haufen Leute), National
Journal, 25. März 2002 ÷ http://old.nationalreview.com/25mar02/dealey032502.shtml
18
U.S. Department of State, Office of the Coordinator for Counter-Terrorism, Country Reports on Terrorism, April 2006, S. 212 ÷
http://www.state.gov/documents/organization/65462.pdf
19
U.S. Department of State, Office of the Coordinator f or Counter-Terrorism, Country Reports on Terrorism 2009, Chapter 6,
»Terrorist Organizations«, 5. August 2010 ÷ http://www.state.gov/s/ct/rls/crt/2009/140900.htm
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 25


2 ArtikeIn von Washington Post

Der Iran sagt: GueriIIa auf Kuba ausgebiIdet
Von William Branigin
The Washington Post (1974 ÷ laufende Akte), 11. Mai 1976, S. A 9
Teheran ÷ Ìranische Behörden melden, zwei mutmaßliche Terroristen, die k ürzlich bei ei nem
Feuergefecht mit der Polizei getötet wurden, seien Kommunisten gewesen, di e ei ne Guerilla-
Ausbildung auf Kuba und in zwei ungenannten anderen Ländern erhalten hätten.
Die »Terroristen«, als Garsivaz Broumand und Khosrow Safaie identifiziert, wurden nach einem
Regierungscommuniqué am 4. Mai t ödlich g etroffen, al s Polizisten i hr V ersteck i n T eheran
angriffen.
26 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Mit i hnen st eigt di e Zahl der angeblichen Terroristen, di e i n di esem Jahr i m Ìran hi ngerichtet
bzw. bei Schusswechseln mit der Polizei getötet wurden, auf mindestens 31.
Ìn der Verlautbarung der Regierung hei ßt es, Broumand sei vor neun Ja hren i n ei nem sechs
Monate dauer nden K urs auf Kuba aus gebildet worden und S afaie, Mitglied der v erbotenen
Tudeh-Partei ( der kommunistischen Partei des Ìran), habe i n zwei Ländern seine Ausbildung
erhalten.
Die meisten der Terroristen, di e bisher im Ìran getötet wurden, gehörten nach Angaben der
iranischen B ehörden ei ner »i ranisch-marxistischen« O rganisation an, di e f ür den T od v on
wenigstens 30 Personen verantwortlich gemacht wird, dar unter dr ei amerikanische Obersten;
sie soll in den vergangenen drei Jahren 70 Menschen durch Attentate, bei Feuergefechten und
Bombenanschlägen verwundet haben.
Nach dem Geständnis, das ein Mitglied di eser Gruppe kürzlich vor seiner Hinrichtung abl egte,
erhielten die iranischen Führer der Ìslamischen Marxisten Ausbildung und Ìnstruktionen von der
Volksfront für die Befreiung Palästinas, die von George Habash angeführt wird.
Ìranische Behörden teilen mit, unter den jüngsten Opfern, die die Ìslamisch-marxistische
Gruppe zu beklagen habe, sei ein Mann, der von einer Granate getötet wurde, die er auf die
Polizei und dr ei P ersonen, ei ne Fr au unt er i hnen, w erfen w ollte; di e dr ei w urden dann i m
vergangenen Monat bei einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften getötet.
Ìm Januar wurden neun Terroristen des Mordes an den dr ei amerikanischen Obersten und an
fünf Ìranern, von denen einer ein General war, überführt und durch ein Erschießungskommando
hingerichtet.
Der Führer der Gruppe hieß Vahid Afrakhteh. Er sagte ei nem Mann aus dem Westen, der i hn
kurz vor der Hinrichtung besuchen durfte, di e Bande hätte geplant, den US-Botschafter und
früheren CÌA-Direktor Richard Helms und den S chah des Ìran zu töten. Afrakhteh sagte, beide
Männer seien zu stark geschützt gewesen.
Er g estand, dass er 1973 Oberst Lewis Hawkins in Teheran g etötet und di e Zel le ang eführt
habe, di e Oberst Paul Shaffer und Leut nant Jack Turner 1975 i n i hrem von ei nem Chauffeur
gesteuerten Wagen erschoss.
Nach seinen Worten waren die meisten seiner unmittelbaren Vorgesetzten Ìraner, die noch in
Freiheit lebten und enge Verbindungen mit der marxistischen Habash-Gruppe unterhielten.
Ìranische B ehörden v eröffentlichten v or k urzem ei ne S treitschrift, di e, w ie s ie sa gten, di e
Verbindung z wischen d er H abash-Gruppe und den i ranischen »S ubversiven« an den Ta g
bringe. D ie S chrift en thält nach A ngaben de r B ehörden B ilder v on den hi ngerichteten
Terroristen und einen von Habash unterzeichneten Artikel, in dem für Guerilla-Aktivitäten im
Ìran und i n Oman ei ngetreten wird; ÷ in Oman unt erstützen Tr uppen des Schahs Streitkräfte
des Landes im Kampf gegen marxistische Aufständische.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 27

Der I ran t ötet ei nen M ann, d er d es M ordes an d rei Amerikanern b eschuIdigt
wurde
The Washington Post (1974 ÷ laufende Akte), 18. November 1976, S. A 42
Teheran/Ìran, UPD. ÷ Mitglieder der Sicherheitspolizei haben den M ann er schossen, der di e
Attentate auf drei amerikanische Zi vilisten, di e i m August auf ei ner Teheraner Straße v erübt
wurden, geleitet hatte. Das teilten die Behörden heute mit.
Ìn der Meldung hei ßt es, Bahran Aram sei gestern bei ei nem Schusswechsel auf ei ner Straße
im Zent rum v on Teheran g etötet worden. Zwei weitere Guerilla-Kämpfer se ien i n ei ner z ehn
Tage dauernden Kampagne zur Befreiung Teherans von Terroristen getötet worden, wie es
weiterhin heißt.
Nach ei ner P olizeimeldung griff A ram w ährend der m orgendlichen H auptverkehrszeit ei n
Automobil mit drei amerikanischen Angestellten von Rockwell Ìnternational an.
Die drei getöteten Amerikaner: William Cottrell, 43, Robert Krongard, 44, und Donald Smith, 43,
stammten alle aus Kalifornien.
Seit dem Angriff fahren Amerikaner i m Ìran, besonders die, di e an sch utzwürdigen Aufgaben
arbeiten, unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt.
Die drei toten Amerikaner hatten am Projekt Ìbex gearbeitet, einer elektronischen Anlage, mit
der benachbarte Länder, darunter Teile der Sowjetunion überwacht werden können.
28 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
AnIage 2


Vorwurf 2: Die MEK n ahm a n d er Belagerung d er US-Botschaft teil und
verübte seit den frühen achtziger Jahren fast zwanzig Jahre lang
Terroranschläge gegen den Ìran
Die MEK, die nach der Absetzung des Schahs 1979 aus Gefängnissen und Verstecken wieder
auftauchte, blieb auf den Kampf für politische Partizipation im Ìran ideologisch verpflichtet. Ìhr
Führer Massoud Rajavi begrüßte anfangs die Ìslamische Republik unter Ayatollah Khomeini i n
der Meinung, sie werde aus der undemokratischen und repressiven Monarchie zu einer
Verbesserung führen. Viele Forscher und Journalisten haben gesagt, die MEK habe sich an der
langen Besetzung (oder Ü bernahme) der amerikanischen Botschaft in T eheran, die i m
November 1979 begann, beteiligt. Als die US-Botschaft besetzt war, berichtete si e, ei ne Reihe
von »Modjahedin« nähmen an der Belagerung t eil und »si cherten« den K omplex mit Waffen,
die, wie US-Beamte glaubten, teilweise aus den Beständen der Botschaft stammten.

Die MEK st reitet se it langem j ede B eteiligung an de r Ü bernahme oder B esetzung de r
amerikanischen B otschaft ab. D ie Gruppe führt ei gene P ublikationen d er Zei t an, i n denen
ausgeführt w ird, wie H ardliner i m K homeini-Regime di e K rise manipuliert hät ten, u m di e
Position des Regimes im Ìnneren des Landes zum Schaden der MEK z u st ärken. Massoud
Rajavi, Vorsitzender der MEK, gab 1984 de m Fernsehsender ABC News ein Ì nterview. Darin
brandmarkte er die vom Regime begangene »Verletzung der diplomatischen Ìmmunität« als
Offenbarung v on K homeinis kriegstreiberischer P olitik .«
20
Die D okumentation des US-
Außenministeriums Country Reports on Terrorism erwähnt i m Abschnitt über di e MEK ni cht,
dass die Organisation bei der Eroberung der Botschaft eine Rolle gespielt hätte.
21
Rajavi und di e Unterstützer der MEK hatten f lexible Ansichten über di e Rolle des Ìslam i n der
Gesellschaft und kamen bald dahin, sich der rigiden und diktatorischen Weise, mit der Ayatollah
Khomeini und di e f ührenden K leriker di e Regierungsarbeit an gingen, z u widersetzen. Herrn
Rajavis andere politische Vorstellungen für den Ìran fanden ihren Niederschlag in de r MEK-
Zeitung Modjahed und auf öffentlichen Kundgebungen, die nach seiner Freilassung veranstaltet
wurden. Diese Tätigkeiten wurden al s Herausforderung gegen di e Macht und Le gitimität des
revolutionären i slamischen R egimes aufgefasst. Ü ber di e g egen di e MEK g erichteten
Anstrengungen des Regimes wurde damals auf der internationalen Szene ausführlich berichtet,
und sie sind in wissenschaftlichen Darstellungen berücksichtigt. Es wird nicht bestritten, dass in
diesen Anstrengungen des Regimes folgende Elemente sich abzeichneten:

Massoud R ajavis Kandidatur für das Amt de s Präsidenten so ll v on A yatollah K homeini
persönlich v erboten worden se in. S eit den frühen ach tziger Ja hren trieben di e Mullahs ihre
Anhänger an, die Büros der MEK in vielen Städten anzugreifen. Dabei sollen Hunderte, wenn
nicht Tausende verletzt worden sein. Publikationen der MEK sollten verbrannt werden. Ìn der
Folge wurden viele MEK-Büros geschlossen. Das Oberhaupt der Richterschaft verkündete im
Mai 1980, dass Ayatollah Monate zuvor eine handgeschriebene fatwa erlassen hatte, in der der

20
ABC News, Nightline, 20. Oktober 1984.
21
U.S. Department of State, Country Reports on Terrorism 2009, »Chapter 6: Terrorost Organizations«, 5. August 2010 ÷
http:///www.state.gov/s/ct/rls/crt/2009/140900.htm
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 29
Justiz befohlen wurde, alle Mitglieder der MEK hinzurichten. Sicherheitskräfte skandierten in der
Öffentlichkeit gern den S logan »Tod den M odjahedin!« Am 20. Ju ni 1981 f euerten
Sicherheitskräfte des Ìslamischen Regimes auf einen »Marsch für Frieden und
Menschenrechte« in Teheran, an dem sich nach Schätzungen über ei ne halbe Million
Menschen beteiligten.
22
Der neueste Bericht des US-Außenministeriums über Terrororganisationen (2009) setzt ei ne
erheblich andere Auffassung der Folge der Ereignisse voraus, als die obige Zusammenfassung,
die u. a. dem angesehenen Reporter Eric Rouleau von der Zeitung Le Monde folgt, der im
ganzen Jahr 1980 aus dem Ìran berichtete. Ìm Bericht des US-Außenministeriums heißt es:
Dabei erlitt die MEK erhebliche Verluste. Es folgte eine Periode, in der
das Regime di e MEK gewaltsam unt erdrückte, di e bewaffneten Widerstand l eistete. N ach
Angaben de r M EK w urden da mals 120.000 Mitglieder und mutmaßliche Mitglieder v om
Revolutionären Ìslamischen Regime hingerichtet, und es wird nicht glaubwürdig bestritten, dass
die Hinrichtungen in die Zehntausende gingen.
»Im Jahr 1981 versuchte die Führung der MEK, das neuerrichtete islamische Regime zu
stürzen. D araufhin begannen i ranische S icherheitskräfte, gegen di e Gruppe har t
vorzugehen. Die MEK r eagierte m it einer Bombenkampagne, vo n der auch das
Hauptbüro der I slamisch-Republikanischen Partei und das Büro des Premierministers
getroffen wurden. Dabei wurden 70 hochrangige iranische Beamte getötet, darunter der
Oberste Richter Ayatollah Mohammad Beheshti, Präsident Mohammad-Ali Rajaei und
Premierminister Mohammad-Javad Bahonar. Diese Angriffe führten zu einer verbreiteten
Erhebung gegen di e M EK und ei nem ve rschärften K ampf der i ranischen R egierung
gegen die MEK, deren Mitglieder dadurch gezwungen wurden, nach Frankreich zu
fliehen.«
23
Wir l assen di esem Abschnitt ei ne Depesche von Eric Rouleau aus Teheran folgen, di e am 14.
Juni 1980 i n der New York Times erschien. Darin i st von »regelrechten Schlachten« zwischen
der MEK und R egimeelementen di e Rede, und es wird v on der Botschaft des MEK-Führers
Massoud R ajavi an se ine A nhänger ber ichtet, di e er i hnen sa ndte, w enn s ie ang egriffen
wurden. Der Leser kann selber urteilen, wie dies mit dem zitierten Auszug aus dem Bericht des
US-Außenministeriums zusammenpasst. Sieht man dav on ab, dass der Kontext, in dem die
Handlungen ei ner Partei beurteilt werden, ni cht berücksichtigt i st, damit auch di e Aktionen, di e
die MEK i n den g anzen ach tziger Ja hren gegen das Regime aus führten, sc heint es keine
Meinungsverschiedenheiten zu geben darüber, dass die MEK nach Juni 1981 hohe Beamte des
Regimes angriff, in einer Zeit also, als alle friedliche politische Tätigkeit von Khomeini verboten
war, wie in diesem und früheren Berichten des Außenministeriums festgehalten wird.

Der B ericht des Außenministeriums stellt ferner fest, di e M EK »habe i hre t erroristische
Kampagne« aus dem Pariser Exil fortgesetzt, bis sie (1986) vertrieben wurde. Danach habe sie
von ihren Basen im Ìrak aus Angriffe gegen den Ìran vorgetragen. (Sie griff »angeblich« auch
Kurden und Schiiten an, siehe Beilagen 5 und 6). Der Bericht führt dann spezifische Angriffe der
MEK an, di e si ch al le gegen Stellen der iranischen Regierung richteten; sie sollen 1998, 1999,
2000 und 2001 s tattgefunden haben. Nach 2001 werden k eine genau bez eichneten Angriffe
verzeichnet.
24

22
Diese Schätzung findet sich z. B. in einem Brief des US-Senators Edward Kennedy an Rajavi. Darin schreibt Senator Kennedy
u. a.: »Die Bereitschaft von mehr als 500.000 Menschen ÷ allein in Teheran ÷, ihr Leben zu riskieren, indem sie der Politik des
Khomeini-Regimes of fen ent gegentreten, hat der Welt bez eugt, das s das i ranische Volk z u ei ner V eränderung ber eit i st.»
Scharen v on Anhängern k amen am 20. J uni i n mindestens 13 a nderen Städten z um Protest z usammen, wie ak ademische
Studien der Periode festhalten.
Der B ericht des Außenministeriums beschreibt di e j etzigen Fähi gkeiten und
Absichten der MEK wie folgt: »Die MEK verfügt weiterhin über eine globale
23
Auszug aus U.S.Außenministerium: country R eports on T errorism, C hapter 6 : T errorist O rganizations, 5. August 2010 ÷
http://www.state.gov/s/ct/rls/crt/2009/140900.htm
24
The Economist, eine nicht unfehlbare Quelle, schreibt 2009: »Es ist nicht bekannt, dass [die MEK] s eit spätestens 2002
Terrorakte verübt hätte .« »Ìranische Dissidenten im Ìrak ÷ wohin gehen sie?« The Economist (Druckausgabe), 8. April 2009.
30 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Unterstützungsstruktur, ihre A nhänger und U nterstützer si nd über E uropa und N ordamerika
verstreut. Ìhre Operationen zielen auf Regierungselemente in aller Welt, auch in Europa und im
Ìran.«
25
Aus dem bisher Gesagten lassen sich folgende den Sachverhalt betreffenden Schlüsse ziehen:

· An der Krise um die Geiseln der US-Botschaft mögen MEK-Mitglieder beteiligt gewesen
sein oder auch ni cht, aber di e Organisation hat den Angriff ni cht i nitiiert und hat i hn al s
nützlich für die Hardliner, ihre politischen Gegner, angesehen.
· Die MEK hat ungefähr in den zwei Jahrzehnten nach der Revolution im Ìran, die 1979
stattfand, Aktionen gezielter Gewalt gegen die Streitkräfte der iranischen revolutionären
Regierung, ge gen der en E igentum und gegen B eamte di eser Regierung, aber keine
Taten ununterschiedener Gewalt gegen unschuldige Zivilisten begangen.
· Aus der Zeit nach 2001 oder 2002 sind keine gewaltsamen Handlungen der MEK
bekannt.
Ìn die Urteile darüber, wie die US-Regierung die MEK im Jahre 2011 einschätzen sollte, spielen
subjektive Fak toren hi nein. M ancher w ird unbeei ndruckt bl eiben v on dem K ontext ei nes
iranischen Regimes ÷ in demselben Bericht des US-Außenministeriums als ·aktivster staatlicher
Sponsor des Terrorismus· bez eichnet ÷,
26
Wenn das gesagt i st, si nd wir aber i mmer noc h mit ei ner Geschichte g ewaltsamer Angriffe
konfrontiert, die von der MEK verübt wurden. Ein weiterer subjektiver Faktor, über den
vernünftige Leut e unei ns werden können, zeigt si ch, wenn man fragt, ob die Angriffe der MEK
ungezielt w aren und dar auf aus gerichtet, al lgemeine A ngst he rvorzurufen, e benso bei de r
Frage, ob der bewaffnete Kampf der MEK g egen das Teheraner Regime nach irgendeinem
Standard politisch zu rechtfertigen war. Diese Fragen müssen zu Kontroversen führen, da sie
die sch wierige Fr age mit si ch b ringen, ob nicht-staatliche G ewalt u nter i rgendwelchen
Umständen z u r echtfertigen se i. A nhänger de r M EK behaupt en, si e hät ten di e i nternen
politischen Lei tlinien, d ie H err M assoud Rajavi dam als ausgab, aus der Zei t se it 1979
dokumentiert, in welcher die MEK zunächst versuchte, den nicht-gewaltsamen W eg des
Protestes zu g ehen, und dann, al s man z u A ngriffen übe rging, di e P arole ausg ab, da ss
Schaden an unbeteiligten Zi vilisten zu vermeiden sei. Der oben angeführte Bericht des US-
Außenministeriums bes chreibt keine ander en Gewalttaten der M EK al s solche, di e g egen
iranische Amtsträger und amtliche Körperschaften, zivil oder militärisch, gerichtet waren.
das die M EK di e g anze P eriode hi ndurch mit
tödlicher Gewalt verfolgte, darunter mit Attentätern, Spezialtruppen und selbst Kampfflugzeugen
(nach der N iederlage d es Ìrak i m G olfkrieg). Die A nsicht, »T errorismus sei T errorismus«,
unabhängig v om Zusa mmenhang, i st v ertretbar, so lange di e Ìntegrität de r gegen de n
Terrorismus gerichteten Untersuchungen v or e xternen pol itischen E inflüssen geschützt wird.
Die T atsache, dass Bemühungen v on dr ei U S-Regierungen, di e M EK al s Terrorgruppe z u
brandmarken, den E influss von D esideraten, di e m it der S ache nichts zu t un hat ten,
reflektierten (siehe di e Einführung), macht es der Regierung ni cht l eichter, ei nen Maßstab für
die Terrorismusabwehr als Basis ihrer Einstufungsentscheidung zu nennen.
27

25
U.S. D epartment of S tate, C ountry R eports on T errorism 2009 , C hapter 6: T errorist O rganizations, 5. August 2010 ÷
http:///www.state.gove/s/ct/rls/crt/2009/140900.htm

Die Frage der jetzigen Fähigkeiten und Absichten der MEK wird unten in Abschnitt 10 erörtert.
26
U.S. Department of State, Country Report on Terrorism 2009, Chapter 3: State Sponsors of Terrorism, 5. August 2010.
27
Ein Bericht des Forschungsdienstes des Kongresses stellte 2007 fest, dass die Einstufungen der MEK/PMOÌ als Terrorgruppe
in den Jahren 1997 und 1999 »dur ch Angriffe im Ìran beschleunigt wurden, bei denen Zivilisten get ötet oder verletzt wurden ÷
obwohl di e Gruppe ans cheinend ni cht abs ichtlich auf Zivilisten z ielt .« Kenneth Katzman: Ì ran: U.S. Concerns and P olicy
Responses, CRS Report f or Congress, Congressional Research Service ( Ìran ÷ Sorgen der USA und pol itische Antworten,
Forschungsdienst des Kongresses), 9. Oktober 2007, S. CRS-11. Dieser Bericht weist ni cht auf außenpolitische Themen hi n,
die die Entscheidung über die Einstufung beeinflussen könnten, siehe die Einführung.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 31
Ein K onsens über das Wesen de r M EK und i hre T ätigkeit w ird nach j ahrzehntelanger
polarisierender Debatte wahrscheinlich nicht leicht abschließend festzustellen sein. Da aber der
neueste ÷ und da rum wirksame ÷ Bericht des US-Außenministeriums über die MEK auf ein
damals bevorstehendes rechtliches Vorgehen gegen die MEK in Frankreich Bezug nimmt, wird
das Folgende Lese r de s Berichts des Außenministers auf den neuesten S tand br ingen, i n
welchem Bericht es nämlich hei ßt: »Ì m Jahr 2003 nahm en französische Behörden 160 MEK-
Mitglieder an i hren Operationbasen fest, die, wie si e glaubten, di e MEK zur Koordinierung der
Finanzierung und Planung von Terroranschlägen verwendete.«
28
Am 11. Mai 2011 erließ die Antiterrorismus-Abteilung des Untersuchungsmagistrats von Paris
nach acht Jahren der Untersuchung und Verfolgung eine Entscheidung, mit der alle Vorwürfe
gegen di e 24 der MEK nahestehenden Personen, gegen di e noch Vorwürfe bestanden hatten,
aufgehoben wurden. Die E ntscheidung des Magistrats befasst si ch so wohl mit dem Wesen
früherer Aktionen der MEK wie auch mit ihren jetzigen Tätigkeiten:

»Es muss festgestellt werden, dass der Nationale Widerstandsrat Iran, die Organisation
der Volksmodjahedin des Iran, di e Nationale Befreiungsarmee des Iran, ÷ dass sie al le
ein K ollektiv bilden, das das im Iran her rschende Regime zu st ürzen bestrebt i st .
Andererseits ko nnte es nicht bewiesen werden, dass diese wichtige Aktivität, d ie von
Frankreich ausging, mit einer terroristischen Organisation zu tun hätte.
Das Dossier ent hält ni chts, was beweisen würde, dass die Organisation Zi vilpersonen
mit Waffengewalt bedroht oder getroffen hätte. Beständen solche Beweise, würden sie
den Terrorismus bestätigen und jeden Bezug auf Widerstand gegen die Tyrannei ad
absurdum führen, denn Widerstand gegen di e Tyrannei setzt voraus, dass der Tyr ann,
d. h. hier: das herrschende Regime angegriffen wird und nicht die Unterdrückten, d. h.
das Volk.
Im Bewusstsein, dass das Dossier ni chts enthält, das Vorwürfe s tützt . das zeigen
würde, dass sie ei nen kriminellen Zusammenschluss gebildet hät ten, um t erroristische
Handlungen vorzubereiten und einer terroristischen Institution geldliche Hilfe zu
verschaffen, ordnen wir an, dass die Vorwürfe, [speziell] dieser Vorwurf gegen die oben
genannten Personen und gegen jedermann zurückgezogen werden.«
29

28
U.S. D epartment of S tate: C ountry R eport on T errorism 2009, C hapter 6: T errorist O rganizations, 5. August 2010 ÷
http://www.state.gov/s/ct/rls/crt/2009/140900.htm

29
Englischsprachige Berichterstattung bei David Gauthier-Villars: France Dismisses Terror Probe of Ìranian Opposition Group
(Frankreich verwirft Terrorverdacht gegen iranische Widerstandsgruppe), Wall Street Journal, 13. Mai 2011
http:///online.wsi.com/article/SB10001424052748703864204476319452976120730.html
32 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit


The New York Times

Samstag, 14. Juni 1980
Abschnitt 1, Seite 2
Länge: 927 Wörter
Die iranischen Rechten und Linken in chaotischem Kampf
Zum Text:
Die folgende Meldung vom Nahost-Spezialisten der Zeitung Le Monde wurde von der New York
Times aus dem Französischen übersetzt
Von ERÌC ROULEAU, Le Monde, Paris
Teheran/Ìran, 13. Juni. ÷ Ìn den vergangenen Wochen ist der Ìran mit Gewalttaten
überschwemmt w orden: E ntführungen, M ord, G eiselnahme und S abotage haben ei n
bürgerkriegsähnliches Klima geschaffen.
Regelrechte S chlachten w urden hi er g estern gekämpft zwischen M itgliedern d er
Volksmodjahedin, der größten linksgerichteten Oppositionsgruppe des Ìran, und
fundamentalistischen muslimischen Anhängern von Ayatollah Ruholla Khomeini, und es wurden
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 33
weitere Gewalttaten b efürchtet, al s der Fü hrer de r F reitagsgebete di e Li nken al s
Konterrevolutionäre anprangerte.
»Nieder mit den Abweichlern!« schrien Anhänger Khomeinis gestern, während si e versuchten,
sich den Zut ritt z u er zwingen z u dem S tadion, i n dem di e V olksmodjahedin und di e Li nke
Muslimische Bewegung eine Kundgebung abhielten.
Die Ausschreitungen begannen um 16 Uhr, eine Stunde vor der geplanten Versammlung.
Zehntausende militante Menschen, di e mit den V olksmodjahedin sympathisierten, st anden i n
Linie vor dem Stadion, das nahe der besetzten Botschaft der Vereinigten Staaten liegt.
Khomeini-Anhänger von der Partei Gottes, bekannt unter dem Namen Hisbollahi, näherten sich
mit dem Sprechchor »Tod für Massoud Rajavi!« (Rajavi ist der Führer der Linken.) »Es gibt nur
eine Partei«, schrien sie, »die Partei Gottes, und nur ein Oberhaupt, Ayatollah Khomeini.«
Die Polizei lehnt es ab, einzugreifen
Die D emonstranten r ückten mehrmals vor und w arfen S teine. Tausende der A ngegriffenen
hielten di e Hände vor den Kopf, um si ch zu schützen, während Polizeibeamte und M itglieder
der Ìslamisch-Revolutionären Garden dabeistanden.
Doch schützten die Polizei und Wachmannschaften die Angreifer vor den Sicherheitskräften der
Linken, di e z ahlenmäßig z ehn- bis zwanzigmal st ärker waren al s die Angreifer. D ie P olizei
versuchte di e K ämpfenden m it Tränengas und S chüssen i n di e Luf t zu t rennen. ( Andere
Berichte besa gen, dass di e Wachen i n di e Menge de r Li nken sch ossen, dabei so llen zwei
Personen getötet und mehr als 300 verletzt worden sein.)
Linksgerichtete Führ er sp rachen i n di eser Woche den V orwurf aus , A yatollah Mohammed
Beheshti, Führ er der fundamentalistischen Ì slamisch-Republikanischen P artei, der st ärksten
Partei i m P arlament, s ei der g eheime Führ er der H isbollah-Angreifer g ewesen. E s wurde
behauptet, di ese seien aus den M assen der A rbeitslosen un d S traßenhändler Teherans
rekrutiert worden, um als Kampftruppen oder professionelle Randalierer für den extrem-rechten
Flügel der Beheshti-Partei zu dienen.
Gewehrschüsse ignoriert
Während der gestrigen Angriffe kamen di e, di e außerhalb des Stadions in Li nie standen, auch
nicht i ns Wanken, al s die bet äubenden Gewehrschüsse vermehrt wurden. Nach zwei Stunden
waren et wa 150. 000 Menschen i m S tadion v ersammelt, u m Herrn Rajavi zuzuhören. »Was
tun?« war das Thema seiner Rede, in der er sagte, in letzter Zeit seien Dutzende Linke getötet
worden.
Ein Schrei kam aus der Menge: »Mein Bruder ist gestern umgebracht worden!« schrie ei ne
weinende Fr au i n westlicher Kleidung. Eine Fr au i n schwarzem Tschador schrie: »Wir haben
den Schah nicht gefürchtet und nicht seine Gefängnisse! Wir fürchten nichts und niemanden!«
Die Menge schrie im Takt: »Wir werden den Kampf weiterführen!« »Ja«, antwortete Rajavi.
»Der Kampf wird bis zum Sieg dauern, gleich, wie viele als Märtyrer sterben.«
Beschwerden über die Unterdrückung
»Warum werden wir angegriffen?« fuhr der Redner fort. »Wir sind gute Muslime, und si e sagen
uns, wir lebten in einer islamischen Republik. Aber wir werden von Randalierern und Terroristen
belagert. Die Ìslamische Verfassung garantiert im Prinzip alle Freiheiten. Aber uns verbietet
man den Zugang zu den Zeitungen, zum Radio, zum Fernsehen und zum Parlament.«
34 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Er sagte auch, ethnischen Gruppen werde angeblich Gleichheit vor dem Gesetz geboten, aber
die Forderungen der Kurden und anderer Minderheiten würden »in Blut« ertränkt.
Während er r edete, hi elt der K ampf außer halb des Stadions an und seine Worte g ingen
zeitweise in der Kakophonie von Explosionen, Maschinengewehrsalven und
Krankenwagensignalen unter. Wolken schwarzen Rauchs verbreiteten sich über das Stadion,
aber di e Massen bl ieben s itzen und hör ten zu, unbeweglich wie aus Stein und dann auf ei n
Zeichen Rajavi mit der Anrufung Gottes antwortend.
Ein Kampf um völlige Freiheit
«Hört ihr?« fragte Rajavi, als er sich an die Hisbollahi wandte. »Wir sind keine Kommunisten,
wir si nd n icht pro-sowjetisch, w ie i hr behaupt et. Wir kämpfen für di e v öllige Fr eiheit un d
Unabhängigkeit des Ìran. Ìhr seid die reaktionären Muslime, die unter der Decke von Vorwürfen
versuchen, de m w estlichen Ì mperialismus z u di enen. H aben w ir ni cht gehört, dass i hr d as
Schah-Regime t ausendmal ei ner pr ogressiven R epublik, se lbst w enn si e m uslimisch i st,
vorzieht?«
Rajavi sagte, die Regierung schweige still, während »diese Banden von Krawallmachern« die
Menschen angriffen, und er warnte, wenn die, die an der Macht seien, der Gewalt kein Ende
setzten, würde seine Organisation es auf sich nehmen, das zu tun.
»Die Freiheit wird nicht gewährt«, rief er, als die Menge sich schreiend erhob. »Sie wird
gewonnen. Sie ist ein Geschenk des Herrn, so unverzichtbar wie Sauerstoff.«
Die Versammlung endete, aber der Kampf außerhalb des Stadions hielt an. Rajavis Truppen
gingen z um Gegenangriff übe r, aber di e i slamischen G arden sch lugen si e i n di e Fl ucht.
Schüsse w urden v on n ahen D ächern ab gefeuert, und Tote oder V erletzte l agen au f de n
Bürgersteigen.
Rajavi, der ei ne Welle der Gewalt erwartet, schlief i n der l etzten Nacht nicht zu Hause. Schon
eine Zeit lang lebt er halb im Untergrund, er hält sich sogar vom Hauptquartier seiner
Organisation fern. Er glaubt, wie es auch Präsident Abolhassan Bani-Sadr tut, mit dem ihn eine
herzliche Freundschaft verbindet, dass die Beheshti-Partei entschlossen sei, die ganze Macht
an sich zu reißen.
Ìllustration: Foto von Linken in Teheran
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 35
AnIage 3


Es ist bei Forschern, die kritisch über die MEK schreiben, zum Gemeinplatz geworden, dass sie
zum i ntegralen Bestandteilen v on Saddams Husseins Sicherheitskräften wurde und im se hr
zerstörerischen i ranisch-irakischen Krieg i m Namen des Ìrak Krieg führte. Dieses historische
Porträt fällt aus zwei Gründen ins Gewicht:
Vorwurf 3: Die MEK stellte sich seit 1980 auf die Seite Saddam Husseins
und kämpfte gegen den Ì ran. Darum i st sie beim i ranischen Volk verhasst
(und hat keine Chance, die Regierung zu übernehmen, sollten die Mullahs
die Macht verlieren)
Zunächst werden westliche R egierungen davor gewarnt, Energie und H offnung au f die
Dachorganisation, zu der die MEK gehört, den Nationalen Widerstandsrat Ìran, als potentiellen
Nachfolger des Revolutionären Ìslamischen Regimes in Teheran zu setzen. Hier wird das
Argument vorgebracht, die Mitglieder der MEK würden innerhalb des Ìran allgemein als Verräter
angesehen, sogar bei denen, die einen Regimewechsel begrüßen würden. Es wäre für die USA
und andere besser, so haben diese Forscher beständig argumentiert, entweder auf einen
Ausgleich mit dem bes tehenden Regime hi nzuarbeiten oder di e Reform z u unt erstützen, di e
durch di e Bemühungen von pol itisch aktiven Gruppen i m Lande, et wa der i ranischen Grünen
Bewegung, herbeigeführt würden.
Die D arstellung der M EK al s aktiven und e ngagierten Zw eigs von S addam H usseins
Streitkräften hat zweitens zu Folgendem geführt: Nachdem die von Schiiten geführte Regierung
des Ìrak nach S addam o ffenkundig di e t ödlichen A ngriffe i rakischer M ilitärkräfte a uf
unbewaffnetes MEK-Personal i n Camp Ashraf, geschehen am 28. Juli 2009 und wieder am 8.
April 2011, g eduldet o der so gar daz u ang ewiesen hat te, s tellen v iele M EK-Kritiker d iese
Aggression al s verständliche, wenn auch nicht begrüßenswerte »Rache« an der MEK-
Bevölkerung i n Camp Ashraf d ar, ÷ als die V ergeltung für di e an geblich v erübte K ette v on
Gewalttaten an den i rakischen Schiiten, di e das Land heut e regieren, wie auch am i ranischen
Volk.
Wie andere ablehnende Charakterisierungen der MEK, so hat auch diese eine gewisse Basis in
den Fakt en, nämlich di e, dass die MEK i n den achtziger Jahren vor allem
Kooperationsbeziehungen mit der Regierung Saddam Husseins unterhielt, al s sie Zuflucht i m
Ìrak nahm und ihre politische und militärische Kampagne gegen das theokratische Regime in
Teheran fortsetzte. Es fragt sich indessen, ob die Wahrheit von Gegnern der MEK nicht verzerrt
wurde, um ei nen komplexeren Sachverhalt i n ei ne sehr sch ädliche Karikatur z u v erwandeln.
Abschnitt 5 und 6 werden sich mit den angeblich 1991 geschehenen Angriffen der MEK gegen
die Ìrakisch-Schiitische und kurdische Bevölkerung beschäftigen. Der Brennpunkt i st hi er der
iranisch-irakische Krieg, der i m Oktober 1980 begann: damals überschritten Saddam Husseins
Boden- und Lufttruppen di e Wasserstraße Shatt al -Arab, di e ei nen Teil der Grenze zwischen
den beiden Ländern bildet, und eroberten iranisches Territorium.
Die MEK, sagen ihrer Anhänger, erklärte sich sofort bereit, den Ìran zu verteidigen, und schickte
Kämpfer an di e Fr ont. Einige wurden von den irakischen Truppen g efangen genommen und
zusammen mit i ranischen K riegsgefangenen b is 1989 i n H aft gehalten; dann w urden di e
Kriegsgefangenen ausgetauscht. Der mit der MEK verbundene Nationale Widerstandsrat gab
36 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
1993 ei ne det aillierte G eschichte der B ewegung unt er dem Titel Democracy Betrayed (Die
verratene Demokratie) heraus. Darin wird festgestellt, da ss »die Nationale B efreiungsarmee
des Ìran [ die Militärorganisation der MEK, i m Ì rak st ationiert] ni emals an ei ner Fr ont mit der
irakischen A rmee gekämpft ha t«. D iesem B ericht i st z u entnehmen, Massoud R ajavi habe
während des Konflikts die Taktik beider Seiten mehrmals kritisiert. Darin wird auch Saddam
Hussein zitiert, der 1988 den Kämpfern der ·Modjahedin· seinen Respekt ausgesprochen und
erklärt habe , si e hät ten · völlige U nabhängigkeit bei i hren E ntscheidungen·, auch di e
Entscheidung, taktisch relevante Ìnformationen über den Ì ran ni cht an den Ìrak weiterzugeben,
wenn der Ìrak darum bat.
Anhänger der MEK sagen, die Organisation habe sich erst dann gegen die
Kriegsanstrengungen des Ìran gewandt, al s dieser das vom Ì rak besetzte souveräne i ranische
Gebiet zurückerobert hatte, was im Juni 1982 g eschah. Von da an, argumentieren si e, sei di e
MEK der A nsicht g ewesen, habe A yatollah Khomeini k einen G rund m ehr, den K rieg
weiterzuführen und erschöpfe ungerechtfertigt iranisches Blut und iranische Mittel. Rajavi traf in
Paris mit dem i rakischen Außenminister Tariq Aziz zusammen und di e bei den unterzeichneten
ein Fr iedensangebot, d as den R ückzug hi nter di e aner kannten G renzen von 1975, den
Austausch der Gefangenen und die Vorlage der Reparationsforderungen beim Ìnternationalen
Gerichtshof v orsah. D as iranische R egime setzte den K onflikt noch fünf Ja hre l ang fort.
Anhänger der MEK verweisen auf drei Gelegenheiten, bei denen Rajavi ei nen Waffenstillstand
vorschlug ÷ die er ste e rgab si ch 1984 ÷ und der Ì rak da mit ei nverstanden w ar, unt er der
Bedingung, dass der Ìran sich entsprechend zurückhielte.
MEK-Truppen unternahmen wiederholt Angriffe auf den Ì ran, die gegen das Regime und seine
Truppen gerichtet waren, und soll dabei zu Zeiten st arke Verluste erlitten haben. Das Regime
Saddam H usseins versah di e M EK-Kämpfer m it V erteidigungsausrüstung, ei nschließlich
Panzern, die sie behielt, bis die US- und Koalitionstruppen sie entwaffneten, was 2003
geschah.
Es besteht kein Zweifel, dass die MEK, nachdem i hre Führung al s Teil ei nes Tauschgeschäfts
mit Teheran zur Freilassung französischer Geiseln aus der Gefangenschaft im Libanon,
30
Es fragt si ch, o b di e B eziehung zw ischen S addam und de r M EK von Fr eundlichkeit un d
gegenseitiger Für sorge best immt war, ei ner Für sorge, di e dur ch gemeinsame Ì nteressen und
Feinde g eweckt worden wäre ÷ dass sie i m i ranischen Regime einen gemeinsamen Gegner
hatten, i st ja unbestreitbar ÷, oder ob di e Beziehung r ein pol itischer Art war, ei ne Beziehung
zwischen engagierten bewaffneten Verbündeten. Letzteres Porträt würde nahe l egen, dass die
MEK i hre Militärkraft a uf G eheiß des Ìrak od er unt er desse n K ommando und K ontrolle
eingesetzt hä tte, i m D ienste v on S addam H usseins Aggressionen geg en di e S chiitische
Bevölkerung im Ìrak und Ìran. Manchem würde die Unterscheidung unwichtig vorkommen, als
wäre es nur ei ne Fr age des Grades. D ie A nhänger de r M EK haben aber se it l angem di e
Überzeugung vertreten, dass die Aktionen und Ziele der Organisation i hre Sympathie mit der
Bevölkerung des Ìran widerspiegelten und einzig gegen das Regime und gegen die Organe, mit
denen es Einfluss ausübte, gerichtet waren. Zudem ÷ mit diesem Aspekt der Sache beschäftigt
aus
Frankreich vertrieben worden war, auf den Ì rak als sicheren Hafen mehr angewiesen war und
gute Beziehungen mit dem Diktator unt erhielt. Standorte i m öst lichen Ìrak gewährten der MEK
die Nähe zum iranischen Territorium und zur Bevölkerung des Landes. Saddam Hussein und
die MEK teilten eine tiefe Erbitterung gegen die Mullahs, die den Ìran regierten.

30
»Ìn s einen Beziehungen mit Frankreich z eigte Khomeini ei ne ähnliche Voreingenommenheit den M odjahedin gegenüber . Er
zwang die Regierung Chirac, den Führer der Modjahedin, Massoud Rajavi, aus Paris zu vertreiben, als Teil des Preises für die
Befreiung f ranzösischer Geiseln i m Li banon und di e Unterdrückung des Terrorismus in Paris.« Paying Khomeini's Price« (Sie
bezahlen Khomeini, was er verlangt), The Boston Globe, 25. April 1987.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 37
sich Anlage 5 ÷ leugnet die MEK (die, daran sei erinnert, zur Schia gehört) kategorisch, dass
sie in Saddams Kampagne gegen die Schiitische Bevölkerung des Ìrak eine Rolle gespielt hätte
÷ eine Frage von pot entiell großer Bedeutung für di e persönliche Sicherheit der verbleibenden
MEK-Mitglieder, die im heutigen Ìrak unter einer von Schiiten geführten Regierung leben.
Kritiker de r M EK habe n Fot os von M assoud R ajavi m it S addam H ussein w eit v erbreitet,
großenteils ohne beso ndere E rklärungen. MEK-Veröffentlichungen z itieren, was Rajavi nach
Berichten bei dem Treffen gesagt hat; danach hat er von Saddam die Zusicherung erbeten und
auch erhalten, dass ei ne menschliche Behandlung der i ranischen Kriegsgefangenen garantiert
werde. Ohne Zweifel i st di e Erzählung v on der T reulosigkeit der MEK dem i ranischen Volk
gegenüber und de m angeblichen Schiitisch-irakischen Blut, das an i hren Händen klebe, weit
verbreitet, do ch i st v ielleicht ei ne k omplexere A uffassung de r Ze it d es iranisch-irakischen
Krieges zu rechtfertigen.
38 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
AnIage 4


1991: Operation Wüstensturm. ÷ Der Verfasser hat nichts gefunden, das dafür spräche, dass
MEK-Truppen bei m Widerstand gegen di e USA und i hre 33 Verbündeten i m 100 -stündigen
Bodenfeldzug, der zur Kapitulation des Ìrak führte, ei ne Rolle gespielt hätten. Ìn Bezug auf di e
sechsmonatige Operation Wüstenschild, in der US- und Koalitionstruppen zur Warnung in
Saudi-Arabien stationiert wurden, behaupten Anhänger der MEK, dass die MEK ihre Leute von
den Basen i m südlichen Ìrak nach Norden verlegt hätten, al so aus der Zone i m südlichen Ìrak,
wo mit dem Konflikt zu rechnen war.
Vorwurf 4: Die MEK war Gegner der Vereinigten Staaten im Golfkrieg 1991
und i n de r Ì ntervention v on 2 003. S ie m achte G ebrauch v on e igenen
Waffen und feuerte auf US-Truppen.
2003: Operation Ì rakische Freiheit. ÷ Ìn den US-offiziellen militärgeschichtlichen Darstellungen
der Ì ntervention der USA und ei ner K oalition, die von K uwait Richtung Norden bi s Bagdad
vorstieß und das Regime Sadam Hussein absetzte, wird di e MEK nur wenige Male er wähnt.
Eine der D arstellungen ent hält di e A ngabe, dass es zu Kontakten z wischen der MEK und
Koalitionstruppen kam:
»Vom Saddam-Regime ihrer Feindschaft gegen die iranische Regierung wegen
unterstützt, w ar di e M EK bi s 2003 zu ei nem Elite-Element i n der i rakischen A rmee
geworden und hat te i m M ärz und A pril des Ja hres gegen di e K oalitionstruppen
gekämpft. N achdem di e Führ er der M EK si ch den S oldaten der gemeinsamen
Einsatztruppe f ür beso ndere Operationen (JSOTF-North) er geben hat ten, willigten si e
ein, nach C amp A shraf zu ziehen, ei ner gr oßen I nternierungsanlage 60 M eilen
nordöstlich von Bagdad.«
31
Ìn ei ner ander en Darstellung di eser Operation, betitelt »Journal of a C ompany Commander«
(Journal ei nes Kompaniechefs), ber ichtet Hauptmann Brown von der 4. Ì nfanteriedivision von
dem A nfang M ai 2003 er teilten A uftrag, m it de r M EK z usammenzukommen und mit der en
Zustimmung ihre Waffen in Besitz zu nehmen. Das einzige Anliegen der MEK bei dem Vorgang
war, dass der Begriff » Übergabe« i n den v on der Koalition v orbereiteten Dokumenten ni cht
erschiene. D ementsprechend änder ten di e ( Rechts-)Berater des Judge A dvocate G eneral's
Corps [Rechtsabteilung der US-Armee ÷JAG] die Dokumente b ereitwillig. Hauptmann Brown
berichtet weiter:

»Alles ging glatt, bi s ein paar H ubschrauber v om 10 . K avallerieregiment
32

31
Dr. Donald P. Wright und Timothy R. Reese: Obersten der USA [? d. Ü.]: On Point ÌÌ: Transition to the New Campaign, an official
publication of the Combat Studies Ì nstitute Press (Punkt Ì Ì: Übergang zum neuen Feldzug, ei ne of fizielle Veröffentlichung des
Verlags des Ìnstituts für Kampfstudien), Fort Leavenworth/Kansas, S. 243 f.
in unse re
Zone ei nflogen. Sie sahen, wie ei nige MEK-Mitglieder i n Zi vil Munition aufluden, di e si e
zur Unterkunft bringen wollten. Offensichtlich wussten sie nicht, was jeder andere in der
Division wusste, denn si e fingen an auf sie zu schießen . Die MEK hat sich bei allem,
was wir mit ihnen zu tun hatten, sehr kooperativ gezeigt, und dann meinen ein paar
32
Traditioneller Name eines US-Regiments, das auch im Ìrakkrieg 2003 eingesetzt wurde, Anm. d. Ü.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 39
Kiowa- [Hubschrauber-]Typen, si e sollten i n unserem Revier auf si e schießen, mit nul l
Verständigung .«
33
Am 10. M ai 2003 ber ichtete der dam alige K ommandeur de r 4. Ìnfanteriedivision
Generalleutnant Ray Odierno der Presse nach zweitägigen Verhandlungen mit der MEK, i n
denen es um di e Sicherstellung v on Gegenständen militärischer Ausrüstung ging: Die MEK
»arbeitet klar mit uns zusammen«, und fügte hinzu, die MEK-Mitglieder seien »sehr kooperativ«
gewesen.

34
Am 12. Mai 2003 ber ichtete di e Los Angeles Times: »Auf ei ner Basis der US-Armee i n der
Nähe ei nes Lagers der Gruppe sagte Hauptmann Josh Fel ker, ei n Sprecher der Armee: ·Dies
ist keine K apitulation, es ist ei n P rozess der E ntwaffnung. D ie MEK hat ni e gegen
Koalitionstruppen gekämpft.·«

35
Adam Ereli, seinerzeit Sprecher des US-Außenministeriums, sagte in seiner täglichen
Pressekonferenz am 26. Juli 2004 über di e MEK: »Wir si nd zu der Fe ststellung g ekommen,
dass sie nicht als kriegführende Partei an diesem Konflikt beteiligt war .«

36
Ìn den C ountry Reports on Terrorism des Außenministerium ( in den auf Länder bez ogenen
Berichten des US-Außenministeriums über Terrorismus) von 2005 heißt es:

»Die Führung der MEK wies am Beginn der Operation Irakische Freiheit i hre Mitglieder
an, den Koalitionstruppen keinen Widerstand zu leisten, und sie übergaben im Mai 2003
ihre Waffen den Koalitionstruppen.«
37

33
Battleground Ì raq, Journal of a C ompany Commander ( Schlachtfeld Ì rak, Journal ei nes Kompaniechefs), US Army Center of
Military History, Mai 2003 ÷ http://www.history.army.mil/html/books/iraq/BGÌRAQ7html/05-03.html

34
AFP, GEN Odierno ÷ MEK Shares Similar Goals to US, (General Odierno: Die MEK hat ähnliche Ziele wie wir), 10. Mai 2003.
35
Ìranian Fighters Based in Ìraq Begin to Disarm (Ìranische Kämpfer im Ìraq fangen mit der Entwaffnung an), Los Angeles Times,
10. Mai 2003.
36
U.S. Department of State, daily press briefing, 26. Juli 2004 ÷ http://2001-2009.state.gov/r/pa/prs/dpb/2004/34680.htm
37
U.S. Department of State, Office of the Coordinator for Counterterrorism, Country Reports on Terrorism, S. 213 ÷
http://www.state.gov/documents/organization/65462.pdf
40 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
AnIage 5


Wie di e BBC i n i hrer Zusa mmenfassung der Ereignisse, di e di e Ì rakische Revolte von 1991
(siehe das beigefügte Dokument) heißt, berichtet, sagte Präsident Bush (41) im März 1991,
nachdem die Operation Wüstensturm die militärische Besatzungsmacht des Ìrak in Kuwait
besiegt, vernichtet bzw. vertrieben hat te, den Zusammenbruch des Saddam-Hussein-Regimes
voraus und r ichtete i m Radio ei nen Aufruf an d as irakische Volk, si ch gegen das Regime zu
erheben. Ìm südlichen Ì rak, der Heimat der l ange unt erdrückten Schiitischen Mehrheit i m Ì rak,
und i m k urdischen Gebiet des Nordens (s. Anlage 6) folgten di e Menschen dem Aufruf und
brachten 14 von den 18 Provinzen des Landes unter i hre Kontrolle. Doch stürzte das Regime
nicht. S icherheitskräfte, di e zum R egime S addam H usseins hielten, ant worteten m it ei nem
brutalen Gegenschlag im südlichen Ìrak, massakrierten Zivilpersonen und vertrieben 2 Millionen
Menschen aus ihrer Heimat.
Vorwurf 5: Die MEK beteiligte sich nach dem Golfkrieg an der Vernichtung
südlicher Schiiten, die von Saddam verübt wurde
Heute er heben v iele F orscher und Jo urnalisten i n ihren B erichten vo n den vergangenen
Tätigkeiten den V orwurf g egen di e M EK ÷ oft, aber ni cht i mmer unt er Vorbehalt ÷, ME K-
Truppen hätten sich an der massiven Kampagne, mit der Saddam Hussein die Schia-Erhebung
von 1991 unt erdrückte, beteiligt.
38
Diese historische Frage, di e sich auf di e Zei t vor 20 Ja hren bezieht, mag für das Problem, ob
die Einstufung der MEK und des NCR als Terrororganisationen noch verdient sei, von geringer
Bedeutung sein, sie hat aber erhebliche Konsequenzen für die Sicherheit von etwa 3400
unbewaffneten MEK-Mitgliedern, die in Camp Ashraf nördlich von Bagdad leben und die jetzt
von dem g uten Willen der v on S chiiten g eführten R egierung de s Premierministers Maliki
abhängig sind. Ray Takeyh, ein zugelassener Analytiker iranischer Angelegenheiten und Senior
Fellow [ hochgestelltes Mitglied] des Council on For eign R elations [Rat für ausw ärtige
Beziehungen], wiederholte diesen Vorwurf (ohne Vorbehalt) in einer für ein Kongress-Hearing
im Juli 2011 vorbereiteten Zeugenaussage und erläuterte seine Bedeutung wie folgt:
Anhänger der MEK st ellen dagegen kategorisch fest, dass
die MEK an S addam Husseins Feldzug gegen die i rakische Schia ni cht t eilgenommen habe.
Sie sagen zur Erklärung, die MEK habe zu der Zeit im südlichen Ìrak gar keine Truppen gehabt,
abgesehen von einem l ogistischen Standort mit ei nigen Wohnwagen und Zelten, bewacht von
einem Dutzend Mann, di e nordwärts nach Camp Ashraf abzogen, al s Truppen der Vereinigten
Staaten und der K oalition si ch z u g roßen Zah len i n S audi-Arabien sa mmelten ( Operation
Wüstenschild).

38
Ein Beispiel dafür ist die folgende Stelle in einem Leitartikel der Zeitung The Economist: »[Die MEK] soll auch 1991, nach dem
Ersten Golfkrieg bei Saddams Angriffen gegen r ebellische i rakische Kurden i n den v ordersten Reihen mitgekämpft haben, ei n
Vorwurf, den sie heftig bestreitet.« Ìranian Dissidents in Ìraq ÷ Where Will They All Go (Ìranische Widerständler im Ìrak ÷ wohin
gehen sie?) 8. April 2009 ÷ http://www.economist.com/node/13447429
Ein zweites Beispiel erschien kürzlich i n der New York Times: »Nachdem sie bei Saddam Hussein Zuflucht gef unden hat ten,
wurden [ MEK-]Mitglieder verdächtigt, al s Söldner gedi ent zu haben, di e an s einer gewaltsamen Unterdrückung der Kurden im
Norden Ìraks und der Schiiten im Süden teilgenommen hätten.« Tim Arango: Ìranian Exile Group Vexing Ìssue for U.S. i n Ìraq
(Ìranische Exilgruppe s tellt di e U SA i m Ì rak v or quäl endes P roblem), N ew Y ork T imes 22. Juli 2011 ÷
http://www.nytimes,com/2011/07/23/world/middleeast/23ashraf.html?pagewanted=[&_]
Ein drittes Beispiel auf der Ìnformationssite GlobalSecurity.org. Dort wird »Unterstützung der von Saddam Hussein 1991
verübten U nterdrückung i rakischer S chiiten und kurdischer Erhebungen« unt er den »V orfällen, di e mit der G ruppe in
Verbindung gebracht werden«, angeführt, siehe http://www.globalsecurity.org/military/world/para/mek.htm
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 41
»Die M EK zeigte si ch weiterhin al s Saddams Prätorianergarde, da si e vo n i hm zur
Unterdrückung des Schia-Aufstandes von 1991 ei ngesetzt wurde. Berücksichtigt man,
dass die Gemeinschaft der Schia i n der Zukunft des Irak eine führende Kraft sein wird,
hat di eser Fehl griff die MEK den Herrschern i m Irak entfremdet. Die Fei ndseligkeit des
Bagdader Regimes gegen die MEK kann nicht als Funktion ihrer Bindungen an Teheran
gesehen werden, sondern hat als Erbschaft des Bündnisses zwischen der MEK und
Saddam zu gelten.«
39
Mr. T akeyh hat o ffenbar R echt da mit, dass der i rakische P remierminister Maliki und ei nige
andere irakische Schia-Führer keine Sympathie für die MEK haben, ihr sogar feindselig
gegenüberstehen ( siehe den S chlusskommentar übe r di e B ewohner v on A shraf).
Wahrscheinlich glauben auch einige Menschen aus der irakischen Schia-Bevölkerung heute an
den Vorwurf, der 20 Ja hre lang verbreitet worden ist, ÷ den Vorwurf, die MEK hätte in den
Truppen Saddams an der Unterdrückung der Erhebung von 1991 mitgewirkt. Die ungelöste
Frage i st, ob der V orwurf w ahr i st: H at di e MEK an der V ernichtung der sü dlichen S chia
teilgenommen oder nicht?

Die MEK sagt nei n, si e sagt überhaupt (siehe Anlage 3), si e habe »ni e an der Seite i rakischer
Streitkräfte g ekämpft«. Der jüngste Terrorismusbericht des US-Außenministeriums behauptet
nicht, si cher z u wissen, dass die MEK bei di eser br utalen A ggression i hre Hände i m S piel
gehabt hät te, und sa gt nur , di e M EK habe · nach best immten B erichten· den A ngriff
unterstützt.
40

39
Massacre at Camp Ashraf: Ì mplications for U.S. Policy, prepared statement by Ray Takeyh bef ore t he Committee on Foreign
Affairs, Subcommittee on Oversight and Ìnvestigations, US House of Representatives (Das Massaker von Camp Ashraf ÷ seine
Bedeutung f ür di e US-Politik, v orbereitete Erklärung v on Ray Takeyh v or dem Ausschuss f ür Auswärtige Angelegenheiten,
Untersausschuss für Überwachung und Untersuchungen, US-Repräsentantenhaus), 7. Juli 2011.

40
U.S. Department of State, Country Reports on Terrorism 2009, Chapter 6: Terrorist Organizations, 5. August 2010 ÷ http://www.
state.gov/s/ct/rls/crt/140900.htm
42 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit

Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 43

44 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
BBC News
Rückschlag: Die irakische Revolte von 1991
http://newsvote.bbc.co.uk/mpapps/pagetools/ptintnews.bbc.co.uk/2/middle_east/28889 .
8. November 2011
Die N iederschlagung e iner E rhebung vo n S chiiten i m S üden des Irak und vo n K urden i m
Norden, di e 1991 s tattfand, war ei ne de r br utalsten U nterdrückungsaktionen unt er S addam
Hussein
Nach S chätzungen v on Menschenrechtsorganisationen k amen w ährend d es Angriffs, de r
mehrere Monate dauerte, Zehntausende Menschen ums Leben.
Die Rebellion begann unmittelbar nach dem Golfkrieg.
Am 3. März 1991 sch oss der Kommandant ei nes irakischen Panzers eine Granate dur ch ei n
riesiges Porträt von Saddam Hussein, das am Hauptplatz von Basra hi ng. Diese Tat entfachte
einen Aufstand i m v on S chiiten dominierten Süden des Ìrak.. E ine von Kurden g eführte
Rebellion folgte eine Woche später im Norden.
Ìn den Städten Basra, Nasiriya und Karbala strömten Hunderte unbewaffnete Zivilisten auf den
Straßen zusammen und nahmen Regierungsgebäude unter ihre Kontrolle, befreiten Gefangene
aus dem Gefängnis und ei gneten si ch l eichte Waffen aus Lagern an. Auf dem Höhepunkt des
Aufstandes hat ten di e Rebellen 14 v on 18 P rovinzen des Landes den Tr uppen S addam
Husseins entrungen un d der Kampf weitete si ch aus bis wenige Meilen v or der Hauptstadt
Bagdad.
Verrat
Die Erhebung wurde z um Teil er möglicht dur ch di e katastrophale Niederlage der i rakischen
Sicherheitskräfte und ihren erzwungenen Rückzug aus Kuwait.
Die Menschen waren überzeugt, dass die Armee niemals schwächer oder stärker demoralisiert
sein könnte.
»Es Iiegt jetzt beim irakischen MiIitär und beim irakischen VoIk, die Sache in die
Hand zu nehmen und Saddam Hussein zum Rücktritt zu zwingen.«
Der frühere US-Präsident George Bush
Aber z u i hrem U nglück waren di e R ebellen ü berzeugt, si e fänden U nterstützung bei de n
Vereinigten Staaten, die ihnen zur Hilfe kommen würden, um Saddam zu stürzen.
Viele Schiiten glauben, dass sie von der US-Regierung verraten wurden, di e ni cht erschienen,
nachdem sie eine Volkserhebung begünstigt hatten.
Ìm Febr uar 1991, w ährend U S-Truppen di e i rakische A rmee sch lugen und aus Kuwait
vertrieben, hi elt der damalige US-Präsident George Bush ei ne Rundfunkansprache, i n der er
den Ìrakern sagte, es gebe einen anderen Weg, das Blutvergießen aufzuhalten.
»Es liegt jetzt bei m i rakischen Militär und bei m i rakischen V olk, di e S ache i n di e H and z u
nehmen und S addam Hussein z um R ücktritt zu zwingen,« sa gte er in ei ner S endung des
Senders Voice of America.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 45
Als die Erhebung sich aber über das ganze Land ausbreitete, sagten US-Beamte immer wieder,
es habe ni e i n i hren Absichten g elegen, si ch i n di e i nneren A ngelegenheiten des Ìrak
einzumischen oder das Regime Saddam Husseins zu stürzen.
Exodus
Ein C haos fürchtend u nd v on den N achbarn des Ìrak unt er D ruck gesetzt, kamen di e
Vereinigten Staaten z u einem Waffenstillstandsabkommen mit dem Ì rak, und dar in wurde ÷
worüber Streit aufkam ÷ der Gebrauch von Hubschraubern nicht verboten, so dass sie in der
Folge in Massen zur Unterdrückung der Rebellion eingesetzt werden konnten.
Die einen wurden in ihren Häusern erschossen, andere ÷ besonders junge Männer ÷ wurden
aus den Straßen weggetrieben und später in Massen hingerichtet.
Andere wurden auf der Flucht von Kampfhubschraubern aus erschossen, deren Besatzungen
zu den Republikanischen Garden Saddams Husseins gehörten. Frauen und Kinder waren
ebenfalls von den Gewaltakten betroffen.
Viele versuchten zu entkommen und Human Rights Watch hat angegeben, dass 10 Prozent der
Bevölkerung des Landes ihre B leibe v erloren: di e ei nen gingen übe r di e Grenze i n de n
benachbarten Ìran oder in die Türkei, andere suchten innerhalb des Ìrak Zuflucht.
Zur Bestrafung ordnete Saddam Hussein auch an, dass viele historischen Zent ren und Schia-
Schreine im Süden des Landes bombardiert wurden.
Die Massaker gruben sich schmerzhaft in das kollektive Gedächtnis des Landes ein und suchen
den Ìrak bis heute heim, da immer wieder Massengräber entdeckt werden.
46 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
AnIage 6


An der Volkserhebung, die i m Fr ühjahr 1991 i m Ì rak st attfand und dem Militärschlag und der
Vertreibung der Armee Saddam Husseins aus Kuwait folgte, war die kurdische Bevölkerung im
nördlichen Ì rak sowohl als die Schia i m Süden bet eiligt. Ì n bei den Regionen ant worteten di e
Saddam H ussein l oyalen S treitkräfte mit über wältigender Militärgewalt, um di e R ebellion t o
ersticken (siehe die Beilage zu Anlage 5).
Vorwurf 6: Die MEK beteiligte sich nach dem Golfkrieg an der Vernichtung
nördlicher Kurden, die von Saddam verübt wurde, und verbarg vom Ìrak
gelieferte chemische u nd bi ologische M assenvernichtungsmittel, die in
Halabaja gegen kurdische Dorfbewohner eingesetzt wurden.
Wie die MEK beschuldigt wurde, die brutalen Vergeltungsmaßnahmen Saddams im südlichen
Ìrak unterstützt zu haben (siehe Anlage 5), i st der MEK in Kommentaren und Medienberichten
auch v orgeworfen w orden, si e habe di e K urden i m N orden des Landes angegriffen. MEK-
Anhänger be streiten di esen V orwurf mit gleicher E ntschiedenheit. Zur Untermauerung i hrer
Position weisen sie einen Brief vor (siehe die Beilage zu dieser Anlage), den Hoshyar Zebari,
Leiter der A bteilung für i nternationale B eziehungen de r K urdischen D emokratischen P artei
(KDP) und i rakischer Außenminister seit 2003, zur Verwendung i n ei nem Gerichtsverfahren i n
die Niederlande schickte. Darin heißt es:
»Die KDP, eine der gr oßen pol itischen Parteien Kurdistans, hat si ch an der Erhebung
vom Frühjahr 1991 im irakischen Kurdistan führend beteiligt. Die Erhebung führte zum
Zusammenbruch der M ilitär-, S icherheits- und V erwaltungsstrukturen der i rakischen
Regierung i n der Region. . Als die i rakischen Tr uppen i hren Gegenangriff vortrugen
und Kirkuk und andere größere Städte dort wieder unter ihre Kontrolle brachten, wurden
Gerüchte verbreitet, Einheiten der Modjahedin unt erstützten di e i rakischen Truppen. .
Diese Gerüchte . sind aber unwahr. . Die KDP kann bestätigen, dass die Modjahedin
an der Unterdrückung des kurdischen Volkes nicht beteiligt waren, weder während der
Erhebung noch danach.
Uns ist ni chts zu G esicht geko mmen, das irgendeine f eindselige Handlung der
Modjahedin am Volk des irakischen Kurdistan beweisen oder nahe l egen würde. Die
Modjahedin-e Khalq haben ihre politischen Ziele im Iran und ihre Mitglieder mischen sich
in innere Angelegenheiten des Irak nicht ein.«
41
Licht au f di e g enerelle H altung der M EK den k urdischen V ölkern g egenüber w irft
möglicherweise einer der Pläne, die der Nationale Widerstandsrat im Laufe der Jahre
herausgegeben hat ( Nachdruck i n englischer Sprache vom NCR her ausgegeben): es ist der
»Plan des Nationalen Widerstandsrates für die Autonomie des iranischen Kurdistan«,
»ratifiziert« am 8. November 1983. Dieser Zwölf-Punkte-Plan spricht die Absicht des NCR aus,
in ei nem demokratischen Ì ran den v on Kurden bewohnten Gebieten des Ìran Autonomie und
das Recht der Selbstverwaltung z u er teilen; dazu so llen auch di e of fizielle Anerkennung der
kurdischen Sprache und ihre Autorisierung als Unterrichtssprache gehören.

Nicht alle kurdischen Führer haben die brüderlichen Gefühle der KDP geteilt. Die Patriotische
Union Kurdistans (PUK) hat sich in den vergangenen Jahren gegen die Versicherung der KDP

41
Hoshyar Zebari, Demokratische Partei Kurdistans: Brief an M. F. Wijngaarden, 14. Juli 1999 (siehe die Beilage).
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 47
gewandt, di e MEK habe 1991 keine feindlichen Handlungen an den K urden beg angen. Zum
Beispiel sagte Qubad Talabani, Repräsentant der PUK in Washington, 2005 über die MEK: »Bis
zum Sturz des Regimes [von Saddam Hussein] war si e i ntegraler Bestandteil der i rakischen
Armee und bet eiligte si ch er heblich an der N iederschlagung der kurdischen E rhebung v on
1991.«
42
Was hatte sich geändert? Eine Erklärung könnte die sein, dass der Vorwurf wahr sei: dass die
MEK 1991 di e k urdische Bevölkerung i m Bündnis mit dem Regime Saddam Husseins brutal
angegriffen habe. Ìn d iesem Fal l hät ten Zebar i und di e K DP dem ni ederländischen Gericht
falsches Zeugnis abgelegt (s. o.)
Diese neg ative Sicht k ontrastiert gegen di e, di e Ja lal T alabani, der V ater Q ubad
Talabanis, de r 1984 Generalsekretär de r PUK w ar, dam als aussprach. U nter de n
Veröffentlichungen der MEK ist ein Brief Jalal Talabanis an Massoud Rajavi vom 3. März 1984,
in dem er »meine Grüße und besten Wünsche an Sie und die anderen Modjahedin-Brüder in
eurem gerechten K ampf gegen di e r eaktionäre B ande v on Fanat ikern, di e den Ì ran
beherrschen«, übermittelt und feststellt, die Mitglieder der PUK seien »immer bereit, unsere
gute Beziehung mit der Organisation der Volksmodjahedin im Ìran zu stärken«.
43
Eine ander e Erklärung, mit Herrn Zebaris Brief vereinbar, i st di e, dass der Vorwurf, die MEK
hätte die Kurden des Ìrak mit Waffengewalt angegriffen, falsch sei und dass die PUK und Herr
Qubad Talabani eine falsche Beschuldigung aus anderen Gründen wiederholten. Unterstützer
der MEK sagen, Mitte der achtziger Jahre habe Jalal Talabani seine Anhängerschaft vertauscht
und i n ei nem B rief an H ossein A li Montazeri, den desi gnierten Nachfolger K homeinis, de m
Regime in Teheran Unterstützung und Kooperation zugesagt. Diesem Brief, sagen Unterstützer
der MEK, sei 1986 und danach ei ne Serie bewaffneter Angriffe von PUK-Truppen gegen die
MEK gefolgt, ÷ Angriffe, auf die die MEK nie mit gleichen Mitteln reagiert habe. Jahre später,
nach dem E nde v on S addam Husseins Herrschaft i n B agdad führte d ie g ewählte irakische
Regierung unter dem Schiitischen Premierminister Nouri al Maliki eine neue, von gegenseitiger
Kooperation geprägte B eziehung zw ischen dem Ì rak und de m Ì ran ei n. S eit 2005 i st Ja lal
Talabani Präsident des Ìrak.
und di e MEK vor ei ner Strafe geschützt für di e Aggression,
die sie gegen seine eigene Mitgliederschaft begangen hätte.
Mehrere Anzeichen sprechen dafür, dass das Regime im Ìran im Ausland aktiv falsche
Ìnformationen v erbreitet hat , m it denen di e M EK-Kämpfer m itten i n di e 1991 g eschehenen
Angriffe gegen die Kurden versetzt erscheinen. Anscheinend hat der Ìran sogar versucht, der
MEK di e S chuld an de n v erruchten A ngriffen mit ch emischen Waffen z uzuschieben, di e i m
März 1988 verübt und bei denen 5000 Kurden in Halabaja getötet wurden, eine abscheuliche
Handlung, deretwegen Saddam Hussein weithin verurteilt wurde. Die zweite Beilage zu diesem
Abschnitt i st das (französische) T ranskript eines Ìnterviews des französisch-deutschen
Fernsehsenders ARTE mit Emmanuel Ludot, einem der Anwälte, die Saddam Hussein im
Bagdader Prozess gegen ihn verteidigten. M. Ludot sagte, der i ranische Botschafter im Ìrak
habe i hn ang esprochen und i hm ei ne Bestechung geboten da für, dass er m it dem Ì ran
zusammenarbeiten und di e M EK f älschlich be schuldigen so llte, i n di e ch emischen A ngriffe

42
Eli Lake: Ìranian Group Asks State to Lift Terror Designation (Ìranische Gruppe bittet das Außenministerium, ihre Einstufung als
Terrororganisation auf zuheben), New York Sun, 15. April 2005 ÷ http://www.nysun.com/foreign/iranian-group-asks-state-to-lift-
terror/12299/
43
Zu dieser Frage sagte Oberst a. D. Wesley M. Martin, USA, der in zwei Feldzügen im Ìrak teiknahm, darunter als Kommandant
der Vorwärtsoperationsbasis Camp Ashraf, am 7. Juli 2011 vor einem Unerausschuss des Kongresses als Zeuge aus: »Als ich
ins Pentagon zurückkam, unterstützte i ch Beamten des Außenministeriums bei der Bearbeitung der PMOÌ-Angelegenheiten.
Dazu gehör te, das s i ch i hnen di e Übersetzung ei nes B riefes v on Hoshyer [ sic] Z ebari, Lei ter des B üros f ür i nternationale
Beziehungen der Demokratischen Partei Kurdistans zugänglich machte, in dem Herr Zebari feststellt, dass die PMOÌ die Kurden
nicht angegriffen hat. Herr Zebari hat in der Folge die Wahrheit des Briefes bestätigt. (Aus einer vorbereiteten Zeugenaussage,
die dem US-Repräsentantenhaus, Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten, Unterausschuss für Überwachung und
Untersuchungen vorgelegt wurde:)
48 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
gegen die Kurden verwickelt zu sein ÷ eine Version, die M. Ludots »Klienten« Saddam Hussein
vermutlich entlasten würde.
Ìm August 1995 verbreitete der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC)
einen B ericht, den Ì nternational E ducational D evelopment ( Ìnternationale E ntwicklung de r
Bildung), ei ne bei den V ereinten N ationen a kkreditierte amerikanische N icht-
Regierungsorganisation, für den Generalsekretär der Vereinten Nationen erarbeitet hatte.
44
»Nach unserer unabhängigen Untersuchung und nach Gesprächen mit den Beteiligten
ist unse r Befund, dass diese Vorwürfe f alsch si nd.. Im März 1991 sch ickte der I ran
sieben Divisionen und Brigaden des Gardekorps, die die Basen [der MEK] an der
Grenze angr eifen so llten.. Sechs der i ranischen S oldaten, di e di e N ationale
Befreiungsarmee (NLA) gef angen nah m, trugen ku rdische K leidung. Z u gl eicher Zei t
bemühte das iranische Regime sich, irakische Kurden zum Kampf gegen die MEK
anzuheuern.. Die ·kurdischen· Kriegsgefangenen (in Wahrheit Iraner ), die die MEK in
Gewahrsam ha tte, wurden sp äter de m Internationalen K omitee vom R oten K reuz
vorgestellt, und sie gaben zu, dass das iranische Regime versuchte, Kurden zum Kampf
[gegen di e MEK] zu rekrutieren. Die Gefangenen wurden auf Anordnung Herrn Rajavis
freigelassen, . und von di esen Vorgängen wurde eine ausführliche Dokumentation mit
Filmaufnahmen und Photographien der Öffentlichkeit zugänglich gemacht..

Dieser unt ersuchende Bericht (voll dok umentiert i n der dr itten Beilage zu di esem Abschnitt)
beschäftigt sich mit der Sicherheit des kurdischen Volkes im Ìrak und den Gewalttaten zwischen
dem iranischen R egime und der MEK. Der Bericht bezieht sich auf »gewisse f alsche
Darstellungen von Ereignissen, die in diesem Gebiet stattgefunden haben, insbesondere [auf]
den Vorwurf, di e MEK habe mit den S treitkräften der Regierung des Ìrak kollaboriert, un ter
anderem indem sie im April 1991 an Angriffen auf das kurdische Volk in Kirkuk, Qara Hanjeer,
Kifri und Altun Kopir teilgenommen hätte. Es wird [der MEK] auch zur Last gelegt, sie habe sich
am Einsatz chemischer Waffen gegen kurdische Dörfer beteiligt..« Der Bericht stellt daraufhin
u. a. fest:
Die meisten Vorwürfe gegen die [MEK], die das kurdische Volk betrafen, kamen vo n
einem M ann nam ens Jamshid Taf rishi-Enginee, der . als früherer Führ er des
iranischen Widerstandes vorgestellt wurde. U nsere U ntersuchung e rgibt, da ss Herr
Tadrishi-Enginee dem Widerstand 1988 beitrat, aber nach 19 Monaten ausschied.. Es
besteht der zwingende Beweis, dass er in Wahrheit ein Agent des
Geheimdienstministeriums des Khomeini-Regimes ist.
[Diese Nich t-Regierungsorganisation] verfügt üb er ei gene Erfahrungen, di e besa gen,
dass das Khomeini-Regime vom Bürgerkrieg im Iran ablenken will ÷ tatsächlich hat das
Regime sich heftig dafür eingesetzt, jede Erwähnung des Krieges und der Anwendung
des Gesetzes über humanitäre Behandlung aus den Berichten der Vereinten Nationen
und i hren Resolutionen zur Situation i m Iran herauszuhalten. . [N]ach unserer Ansicht
muss Desinformation . im Interesse ei ner soliden und ehr lichen Auswertung de r
Ereignisse im Iran und des hier tobenden Bürgerkrieges bloßgestellt werden.«
45
Der ECOSOC verbreitete i m Januar 2001 ei nen zweiten Bericht der selben Nicht-Regierungs-
Organisation, in welchem er weitere Ìnformationen zu ihrem früheren Vorwurf (s. o.) mitteilt, die
klarstellen, dass Herr Tafrishi-Enginee »wirklich ein Agent des iranischen Regimes war mit dem
Auftrag, Erkenntnisse über iranische Exilanten zu sammeln, nach Mitteln und Wegen zu ihrer
Diskreditierung und z ur D iskreditierung des Widerstandes als ganzen z u su chen und


44
Die folgende Website beschreibt das Projekt über das Recht der Menschlichkeit, das diese Nicht-Regierungsorganisation
betreibt: http://hlp.home.igc.org
45
(Die vollständigen UN-Dokumente in der dritten Beilage zu dieser Anlage.)
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 49
Kampagnen der Desinformation gegen i hn zu f ühren.« Herr Tafrishi, so der Bericht von 2001,
»gibt jetzt offen zu, dass wir Recht hatten.«
46
Am 17. November 2001 erschien in der Zeitung The Ottawa Citizen eine sensationelle
Denkschrift mit w eitläufigen, det aillierten V orwürfen gegen di e MEK, si e hal te sy stematisch
Saddams Husseins Massenvernichtungsmittel i n i hren B asen, beso nders in C amp A shraf
versteckt. Die Vorwürfe stammten von einem Herrn Nooruz Ali Rezvani, der nach Angaben des
Citizen ein [iranischer] Oppositioneller und ei n ausgeschiedenes Mitglied der MEK war; er lebe
jetzt i n Deutschland. Aus der Rückschau gesehen und i m Kontext bet rachtet, wird das Motiv
dieses »Knüllers« sich dem Leser selbst verraten:

»Nach Herrn Rezvanis Bekundung transportierte Saddam seine Waffen auf Lastwagen
zu mindestens fünf Basen der Modjahedin i m I rak, begi nnend i n den Monaten vor dem
Golfkrieg. Unter Aufsicht der irakischen Armee und der Truppen der Modjjahedin wurden
Raketen, Bomben, Gift und zugehöriges Material in Höhlen unter den Wüstenlagern der
Modjahedin gelagert, wie er sagte. Im typischen Falle führt eine verborgene Treppe von
mehr al s 30 Stufen zu den großen Waffenspeicherflächen unt er der Wüstenoberfläche;
die Tr eppen si nd m it Schiebetüren ve rschlossen. D ie Tür en ö ffnen sich m it ei nem
elektronischen Code, den nur die höchsten Militärberater kennen, sagte Herr Rezvani..
Eine der Ter roristenbasen i st so gehei m, dass nur ei ne Handvoll Modjahedin-Offiziere
von i hr wissen, sagte er. Die Basis Seemorgh, i m nor dwestlichen Bezirk von Bagdad,
·wird direkt kontrolliert vom Modjahedin-Führer Massoud Rajavi und seiner Frau
Maryam·, sa gte H err Rezvani. · Während de s Golfkriegs brachten sie R aketen,
Telekommunikationsanlagen und di e ch emischen und nukl earen A bteilungen der
geheimsten Fabriken der irakischen Armee dorthin·, sagte er.«
47
Schließlich kann man wiederholen, besonders im Hinblick auf den Vorwurf, di e MEK habe di e
kurdische Bevölkerung angegriffen, ebenso im Hinblick auf die Anschuldigung, sie habe die
irakische Schia-Bevölkerung angegriffen ( siehe Anlage 5) , dass der neueste Bericht des US-
Außenministeriums mit völliger Ausnutzung von Quellen amerikanischer Geheimdienste
erarbeitet wurde, die nun von den erbeuteten, jahrelang geführten Akten des Saddam-Hussein-
Regimes ergänzt w urden. D iese Untersuchung hat k eine E rwähnung v on irakischen A kten
aufgedeckt, die sich auf die angebliche Beteiligung der MEK an Saddams brutaler Aggression,
ob i m Norden oder i m Süden, beziehen würden. Der Bericht von 2009 besagt nur, di e MEK
habe »nach Berichten« den irakischen Angriff unterstützt.

48

46
Ìbid. Siehe auch Anlage 7 und di e Beilagen, di e v on der Rolle Herrn Tafrishis i m Geheimdienst, s eine Entlohnung und di e
Aufträge, die er für den Ìran übernahm, handeln.

47
Aaron S ands: S addam's D eadly S ecret, ( Saddams tödliches G eheimnis), T he O ttawa C itizen, 1 7. November 2001. D er
Verfasser hat v ergeblich versucht, den A rtikel auf der Website d es Ottawa Citizen z u finden; er wurde aber auf anderen
Websites ebenf alls v eröffentlich, s o unt erfolgender A dresse: http://www.freerepublic.com/focus/f-news/573735&/post ÷
allerdings ohne die graphischen Darstellungen, die im Originalartikel enthalten sind und ein ausgedehntes unterirdisches
Tunnelnetz in Camp Ashraf darstellen.
48
U.S. D epartment o f S tate: C ountry R eports on T errorism, C hapter 6: T errorist O rganizations, 5 . August 2010 ÷
http://www.state.go/s/ct/rls/crt/2009/140900.htm
50 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 51
DEMOKRATÌSCHE PARTEÌ KURDÌSTANS
14. Juli 1999
Herrn M. F. Wijngaarden
Van den Biesen Prakken Hohler
Nieuwe Herengracht 51
1011 Amsterdam
Netherlands
PERSÖNLÌCH UND VERTRAULÌCH: VOR GERÌCHT ALS BEWEÌSMÌTTEL ZU
GEBRAUCHEN
Sehr geehrter Herr Wijngaarden,
verbindlichen Dank für Ìhren Brief vom 4. Juli 1999, in dem Sie die Bitte um Ìnformationen über
die Tätigkeiten der Modjahedin-e Khalq im irakischen Kurdistan aussprechen. Ìch antworte gern
auf Ìhre Fragen zu dieser Angelegenheit.
Die KDP, eine der größeren kurdischen politischen Parteien, war an der Erhebung des
kurdischen Frühlings, die 1991 im irakischen Kurdistan stattfand, führend beteiligt. Die
Erhebung führte zum Zusammenbruch der Militär-, Sicherheits- und Verwaltungsstrukturen der
irakischen Regierung in der Region.
Die Ölstadt Kirkuk wurde vom Volk und von kurdischen Streitkräften (peshmerga) befreit. Als
die irakischen Truppen ihren Gegenangriff vortrugen und Kirkuk und andere größere Städte
wieder unt er i hre K ontrolle br achten, wurden Gerüchte v erbreitet, E inheiten der Modjahedin
unterstützten di e i rakischen Tr uppen. D er U nübersichtlichkeit der Ereignisse und de r
Entwicklung wegen war es aber schwierig, der Wahrheit auf den Grund zu kommen. Dann trat
die Führung der Kurdischen Front in Verhandlungen mit der Regierung des Ìrak (GOÌ) ei n, di e
von A pril bi s September 1991 daue rten, und d ie S ituation st abilisierte si ch. E s stellte si ch
heraus, dass diese Gerüchte unwahr waren.
Die KDP kann bestätigen, dass die Modjahedin an der Unterdrückung des kurdischen Volkes
nicht beteiligt waren, weder während der Erhebung noch danach.
Uns ist nichts zu Gesicht gekommen, das irgendeine feindselige Handlung der Modjahedin am
Volk des irakischen Kurdistan beweisen oder nahe legen würde. Die Modjahedin-e Khalq haben
ihre pol itischen Zi ele i m Ì ran und i hre Mitglieder mischen sich i n i nnere Angelegenheiten des
Ìrak nicht ein.
Mit freundlichen Grüßen
[Unterschrift]
Hoshyar Zebari
KDP, Leiter der Abteilung für internationale Beziehungen
52 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
La chaîne téIévisée ARTE
27 septembre 2005
Reportage sur Ie procès de Saddam Hussein
EmmanueI Ludot (l'un des avocats de Saddam) :
Et je vais vous faire une confidence, même si cela va peut être me coûter.
Moi j'ai été convoqué par l'ambassade d'Ìran et la première chose qu'on
ma
dit à l'ambassade d'Ìran c'est : « Comment va Saddam ? Nous sommes,
nous Ìraniens très inquiets sur sa santé ».
Quand j'ai entendu la question, je me suis cramponné à ma chaise pour
savoir si je n'étais pas en train de rêver.
« Voilà on va se mettre d'accord, dit l'ambassadeur. Nous, nous allons dire
que Saddam n'a pas gazé les Kurdes. Vous, vous direz que les Ìraniens
n'ont
pas gazé les kurdes. Mais nous avons un dossier à vous donner dans
lequel
nous avons la preuve que se sont les Moudjahidine du peuple qui les ont
gazé. Donc, nous allons trouver un responsable commun : ce sera les
Moudjahidine du peuple. Vous direz que ce sont les Moudjahidine du
peuple, nous, nous dirons que ce sont les Moudjahidine du peuple et
l'honneur se sera sauf. Qu'en pensez-vous ? »

Fernsehnetzwerk ARTE
27. September 2005
Reportage über den Prozess gegen Saddam Hussein
Emmanuel Ludot (ein Verteidiger Saddams):
Und i ch will Ì hnen etwas im Vertrauen sa gen, s elbst wenn i ch v ielleicht dafür werde
zahlen müssen. Ìch wurde i n di e i ranische Botschaft gerufen, und das erste, was man
mir dor t s agte, war: » Wie g eht es Saddam? Wir Ì raner si nd se hr beso rgt u m se ine
Gesundheit.«
Als ich die Frage hörte, musste ich mich am Stuhl festhalten, um mich zu vergewissern,
ob ich nicht träumte.
»Gut, wir werden u ns ei nigen«, sa gte der Botschafter. »Wir werden sa gen, Saddam
habe die Kurden nicht mit Gas vergiftet. Sie werden sagen, die Ìraner hätten die Kurden
nicht mit G as vergiftet. A ber w ir kö nnen Ì hnen ein D ossier g eben, i n dem w ir den
Beweis haben, d ass di e V olksmodjahedin si e v ergiftet h aben. A lso w erden w ir
jemanden finden, den w ir bei de al s schuldig er kennen, und das sind di e
Volksmodjahedin. Sie werden sagen: Es sind di e Volksmodjahedin, wir werden sagen:
Es sind die Volksmodjahedin, und die Ehre ist gerettet. Was halten Sie davon?«
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 53
54 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 55
56 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit


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58 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 59

60 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 61
UNITED Verteiler:
NATIONS ALLGEMEÌN
Rat für Wirtschaft und Soziales E/CN.4/Sub2/1995/NGO/55
Original: ENGLÌSCH
Kommission für Menschenrechte
Unterkommission für die Verhütung von Diskriminierung und den Schutz von Minderheiten
47. Sitzung
Tagesordnungspunkt 19
BEDEUTUNG HUMANÌTÄRER TÄTÌGKEÌTEN FÜR DEN GENUSS
DER MENSCHENRECHTE

Schriftliche Erklärung von Ìnternational Educational Development,
einer eingetragenen Nicht-Regierungs-Organisation
(21. August 1995)
1. Ìnternational E ducational D evelopment/Humanitarian Law P roject ( Ìnternationale
Entwicklung dur ch E rziehung/Projekt für hu manitäres R echt) i st besorgt übe r d en
bewaffneten Konflikt im Ìran zwischen den Militärkräften des Khomeini-Regimes und der
National Liberation Army ( der Nationalen Befreiungsarmee) des Nationalen
Widerstandsrates Ìran. Wir haben auch di e Situation des kurdischen Volkes in dem Gebiet
genau i m B lick gehabt und haben au f de r B asis unserer ei genen Fo rschungen i n den
Menschenrechtsforen der Vereinten Nationen unseren Sorgen Ausdruck gegeben.
2. Wir sind bet roffen über gewisse f alsche D arstellungen der Ereignisse i n der R egion,
besonders die V orwürfe, di e N ationale B efreiungsarmee hä tte mit den S treitkräften de r
Regierung des Ìrak zusammengearbeitet, unter anderem durch Teilnahme an den Angriffen
gegen die Kurden in Kirkuk, Qara Hanjeer, Kifri und Altun Kopir. im April 1991. Es wird der
NLA auch zum Vorwurf gemacht, sie hätte chemische Waffen gegen kurdische Dörfer
eingesetzt und si e h ätte sc hon m it dem dam aligen S chah gegen di e K urden
zusammengearbeitet.
3. Auf G rund unse rer un abhängigen U ntersuchung und unse rer D iskussionen m it de n
Beteiligten kommen wir z u dem Befund, das s diese Vorwürfe falsch si nd. Entsprechend
möchten wir die Tatsachen darstellen, wie wir sie für wahr halten.
4. Während des Golfkriegs ev akuierte di e NLA di e Militärbasen, di e si e i n den k urdischen
Gebieten an der iranisch-irakischen Grenze hatte ÷ einige nach Norden, andere nach Süden
hin. Sie si edelten si ch i n der mittleren Grenzzone, von den k urdischen Siedlungen entfernt
an. D er H auptgrund für di e k ostspielige Umsiedlung l ag dar in, dass die N LA si ch auch
örtlich von den inneren Angelegenheiten des Ìrak entfernen wollte.
5. Nach der Niederlage der irakischen Streitkräfte im Golfkrieg begann das iranische Regime
mit dem Unternehmen, die NLA von zwei Seiten her zu vernichten und im Ìrak eine vom Ìran
kontrollierte i slamische Regierung ei nzusetzen. Ì m M ärz 1991 sch ickte der Ì ran so gar
Divisionen und Brigaden des Gardekorps, um die NLA-Basen an der Grenze anzugreifen.
Diese wurden jedoch von Kämpfern der NLA völlig besiegt. Sechs der iranischen Soldaten,
die von der NLA gefangen genommen wurden, trugen kurdische Kleidung. Zu gleicher Zeit
62 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
bemühte sich das iranische Regime, irakische Kurden zum Kampf gegen die NLA
auszuheben und zerstörte die NLA-Lager in den kurdischen Gebieten.
6. Die »kurdischen« Kriegsgefangenen (in Wahrheit Ì raner), die di e NLA i n Gewahrsam hi elt,
wurden ansch ließend d em Ì nternationalen Komitee v om Roten Kreuz vo rgestellt, und si e
gaben z u, dass das iranische Regime v ersuchte, Kurden z um Kampf g egen di e NLA zu
rekrutieren. D ie G efangenen w urden au f A nordnung v on M. R ajavi, dem O bersten
Kommandeur der NLA, freigelassen, und die Öffentlichkeit wurde mit einer ausführlichen
Dokumentation sowohl als mit Videoaufnahmen und Photographien von diesen Vorgängen
unterrichtet..
7. Die NLA und der Nationale Widerstandsrat schickten den kurdischen Gruppen im Ìrak
Botschaften, die besagten, dass sie kein Ìnteresse hätten, sich in ihre Angelegenheiten und
Kämpfe ei nzumischen. Sie wiederholten, i hr ei nziges Ziel bet reffe das Khomeini-Regime,
und betonten, dass sie si ch i n den m ittleren G renzgebieten, ent fernt v on den K urden
angesiedelt hätten.
8. Diese Kommunikation ent spricht dem Muster gut er Beziehungen zwischen der NLA un d
dem Nationalen Widerstandsrat Ìran einerseits und dem kurdischen Volk und seinen
Führern i m Ìrak andererseits. Füh rer des Widerstandes ha ben si ch mit Führern d er
Kurdischen D emokratischen P artei des Ì rak (Vorsitzender: H err B arzani) g etroffen un d
kommen frei mit anderen kurdischen Gruppen zusammen, ob im Ìrak, in Europa oder in den
Vereinigten Staaten sowie bei Sitzungen der Vereinten Nationen.
9. Die meisten Beschuldigungen, die in Bezug auf das kurdische Volk gegen die NLA erhoben
werden, k ommen v on ei nem Mann namens Jamshid Tafrishi-Enginee, der v on mehreren
Menschen auf di eser S itzung des Unterausschusses als früherer Füh rer des iranischen
Widerstandes bezeichnet wurde. Unsere Untersuchung hat ergeben, dass Herr Tafrishi sich
1988 dem Widerstand ansch loss, nach 19 Monaten aber auf ei nem ni ederen R ang
ausschied. Ì n seinem Abschiedsbrief führt er persönliche Probleme an u nd bi ttet darum, in
ein Fl üchtlingslager u msiedeln z u dür fen. D ann r eiste e r nach E uropa und be gann do rt
gegen die NLA öffentlich zu Felde zu ziehen. Es besteht der zwingende Beweis, dass er in
Wahrheit ein Agent im Geheimdienstministerium des Khomeini-Regimes ist.
10. Ìnternational Educational Development/Humanitarian Law Project verfügt über eigene
Erfahrungen, di e besagen, dass das Khomeini-Regime vom Bürgerkrieg i m Ìran abl enken
will ÷ tatsächlich hat das Regime si ch heftig dafür ei ngesetzt, j ede Erwähnung des Krieges
und der A nwendung de s Gesetzes über hu manitäre B ehandlung aus den B erichten d er
Vereinten N ationen und i hren R esolutionen zur S ituation i m Ì ran her auszuhalten. D as
Regime v ersucht, di e i nternationale Gemeinschaft glauben z u machen, di e NLA k ämpfe
wirklich gegen das kurdische Volk i m Ì rak und se i i n di eser Tätigkeit ei ne Schachfigur des
irakischen Regimes. Wir legen diese Darstellung der Ereignisse vor, denn nach unserer
Ansicht m uss Desinformation bl oßgestellt und m üssen di e w ahren Tatsachen ans Li cht
gebracht werden, i m Ì nteresse ei ner soliden und ehr lichen Auswertung der Ereignisse i m
Ìran und des dort tobenden Bürgerkrieges.«
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 63

UNITED Verteiler:
NATIONS ALLGEMEIN
Rat für Wirtschaft und Soziales E/CN.4/2001/NGO/51
Original: ENGLISCH
Kommission für Menschenrechte
57. Sitzung
Punkt 9 der vorläufigen Tagesordnung
DIE FRAGE DER BERLETZUNG DER VERLETZUNG DER MENSCHENRECHTE UND
GRUNDFREIHEITEN
IN JEDEM TEIL DER WELT

Schriftliche Erklärung
49
einer eingetragenen Nicht-Regierungs-Organisation
von International Educational Development Inc,
Der G eneralsekretär hat di e folgende E rklärung er halten, di e i m E inklang m it R esolution
1996/31 des Rats für Wirtschaft und Soziales verbreitet wird.
21. August 1995
MENSCHENRECHTE ÌM ÌRAN
1. Ìm Jahre 1995 reichte Ì nternational Educational Development bei m Unterausschuss für di e
Verhütung der Diskriminierung und den S chutz von Minderheiten (jetzt Unterausschuss für
die S tärkung und den Schutz der M enschenrechte) ei ne sc hriftliche E rklärung ( United
Nations Document E /CN.4Sub.2/1995/55) ei n, in welcher wir über ei ne P erson nam ens
Jamshid Tafrishi-Enginee Auskunft gaben. Ì n unserer Erklärung führten wir aus, dass Herr
Tafrishi-Enginee 18 M onate l ang M itglied d er N ationalen B efreiungsarmee ( [engl.
Abkürzung:] NLA) des Nationalen Widerstandsrates Ìran war, dass wir aber glaubten, er sei
in Wahrheit ei n Agent des Regimes im Ìran mit der Aufgabe, Erkenntnisse über i ranische
Exilanten zu sammeln, Mittel und Wege zu ihrer Diskreditierung und zur Diskreditierung aller
Opponenten des Regimes zu suchen und Kampagnen der Desinformation gegen sie zu
führen. Herr Tafrishi gibt jetzt offen zu, dass wir Recht hatten.
2. Herr Tafrishi hat kürzlich B riefe geschrieben, i n denen e r o ffenbart, dass d as
Geheimdienstministerium des iranischen Regimes ihn einstellte (augenscheinlich gegen
eine Bezahlung von 72.000 $ z usätzlich zu Reise- und ande ren Kosten), um eine
Desinformationskampagne g egen di e NLA z u f ühren, mit falschen A nschuldigungen, di e
NLA hät te Menschenrechtsverletzungen be gangen und hät te di e i ranische E xilgemeinde
eingeschüchtert oder er presst. Eine Reihe von Menschenrechtsorganisationen wurden mit
falschen Zeugenaussagen versehen und mit Briefkampagnen, di e vom Regime orchestriert
waren. Leider haben einige dieser Organisationen diesen falschen Ìnformationen vielleicht

49
Diese schriftliche Erklärung wird unbearbeitet herausgegeben, wie sie von der bet reffenden Nicht-Regierungsorganisation/den
betreffenden Nicht-Regierungsorganisationen eingereicht wurde.
64 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Glauben geschenkt. Zu unserem Betrüben i st es di eser Kampagne anscheinend gelungen,
die A ufmerksamkeit v on den sch weren V erletzungen des G esetzes zur hum anitären
Behandlung, die di e i ranischen Streitkräfte begangen haben, abzulenken, ebenso von den
anhaltenden sch weren Menschenrechtsverletzungen, di e im g anzen Land v orkommen.
Wenn die internationale Gemeinschaft Herrn Tafrishi so beschieden hätte, wie wir es getan
haben ÷ wir waren der Ansicht, Herr Tafrishi sei so deut lich unfähig zu seinem Job, das
jeder i hn dur chschauen könnte ÷, best ände v ielleicht j etzt noch ein ent schiedenes
internationales Handeln dem Ìran gegenüber.
3. Ìn unserer ander en Arbeit z ur S ituation i m Ì ran haben w ir unse rer E mpörung üb er d ie
niederschmetternde Anzahl an politischen Gefangenen, die in den Gefängnissen des
Regimes hi ngerichtet wurden, A usdruck gegeben. Je tzt z eigt si ch, da ss wir m it unse rer
Schätzung der Zahl di eser H inrichtungen v orsichtig w aren: H err H ossein A li Montazeri,
ehemals designierter Nachfolger Khomeinis, damals des Obersten Führers des Ìran, hat
kürzlich er schreckende Dokumente v eröffentlicht, di e anz eigen, dass al lein 1988 30. 000
politische Gefangene getötet wurden. Die jetzigen Führer des Ìran, darunter Herr Khamenei,
Herr Khatami und H err Rafsanjani, zusammen mit den B eamten, di e i mmer noch für das
Gerichtswesen verantwortlich sind, spielten die Hauptrollen in diesem Massaker.
50
4. Zu den D okumenten, di e Herr Montazeri veröffentlicht hat , gehört der Text der fatwa, die
Khomeini im Sommer 1988 verhängte; darin heißt es:

»Die, die im ganzen Land in den Gefängnissen sitzen und bei ihrer Unterstützung der
Monafeqin [Modjahedin] bleiben, führen Krieg gegen Gott und sind zur Hinrichtung
verurteilt. . Vernichtet sofort di e Fei nde des Islam. Was die Fäl le betrifft, bedi ent euch
jedes Kriteriums, wodurch die Vollstreckung des [Hinrichtungs-]Urteils beschleunigt
wird.«
Andere Dokumente, die Herr Montazeri veröffentlichte, zeigen, dass allein am 31. Juli 1988
ungefähr 3. 800 Personen g etötet wurden, nur dr ei T age nach dem Beginn des blutigen
Massakers. An demselben Tag schreibt Herr Montazeri in einem Brief an Khomeini:
»Ordnen S ie wenigstens an, di e Fr auen, w elche K inder und ei ne Familie haben, zu
verschonen; die Hinrichtung von mehreren tausend Gefangenen in wenigen Tagen wird
keine positiven Wirkungen zeitigen und wird nicht fehlerfrei sein. . Eine große Zahl an
Gefangenen wurde von ihren Verhörern durch Folter getötet. . In einigen Gefängnissen
der I slamischen Republik werden Mädchen vergewaltigt. . Durch di e wilde Fol ter si nd
viele Gefangene t aub geworden oder gel ähmt, andere haben ch ronische Krankheiten
davongetragen.«
5. Die schweren Menschenrechtsverletzungen hörten im Ìran 1988 ni cht auf. Ìn seinem letzten
Bericht an di e V ollversammlung bes tätigt Maurice C opithorne, B esonderer V ertreter de s
Ausschusses für den Ì ran, hohe Zahl en von H inrichtungen un d v on beso nders
abscheulicher Folter, fortgesetzter Diskriminierung von Frauen und religiösen Minderheiten
und Beschneidung der Pressefreiheit unter Bedingungen, die er »drakonisch« nennt.
51
6. Die anhal tenden flagranten M enschenrechtsverletzungen i m Ìran und di e ent setzlichen
Massaker v on 1988 si nd unbest reitbar Fäl le v on V erbrechen gegen di e Menschlichkeit.
Diese Verstöße fanden und finden statt im Laufe eines permanenten Bürgerkrieges und sind
mit i hm v erbunden. D ementsprechend i st di e i nternationale G emeinschaft, nach de n
Bestimmungen der Genfer Konventionen von 1949 und anderer Ìnstrumente des Rechts der


50
Die s taatliche T ageszeitung Ì ran News er wähnte di eses Massaker am 9. April 20 00: »Der E ntschluss wurde er lassen, al s
Präsident Khatami Stellvertretender Chef des Generalstabs der Streitkräfte i n i deologischen und k ulturellen Angelegenheiten
war. Er setzte die Entscheidung des Ìmam (Khomeini) mit großer Entschiedenheit um.«
51
Vereinte Nationen, Dokument A/55/363 unter § 13.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 65
Menschlichkeit, verpflichtet, di e Verantwortlichen ausfindig zu machen und vor Gericht zu
stellen. S olch ei n P rozess kann ni cht nur v or e inem beso nderen i nternationalen Gericht
stattfinden, so ndern v or den G erichtshöfen aller Länder , die die Genfer Konvention
unterzeichnet haben.
52
7. Das mit dem R echt d er M enschlichkeit be fasste P rojekt v on Ì nternational E ducation
Development f ordert den A usschuss als ganzen wie auch seine einzelnen Mitglieder auf,
angesichts der schweren Brüche des Rechts der Menschlichkeit, di e das i ranische Regime
begangen hat, di e an gemessenen Maßnahmen zu ergreifen. Wir fordern den Ausschuss
auch auf, das Mandat des Besonderen Vertreters zu verlängern.


52
Siehe z . B. d ie V ierte G enfer K onvention v on 1949, U nited N ations T reaty S eries ( Serie der Abkommen der V ereinten
Nationen), Bd. 75, S. 267: »Jede hohe Vertragspartei soll verpflichtet sein, nach Personen, die beschuldigt werden, . schwere
Verletzungen begangen oder angeordnet zu haben, zu suchen und soll solche Personen, unabhängig von ihrer Nationalität, in
ihrem Land vor Gericht stellen.«
66 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
AnIage 7


Es handelt si ch hi er zwar ni cht um ei nen der Gründe, di e dazu berechtigen, ei ne Organisation
als Terrorgruppe z u bez eichnen; doch di e Enthüllung, dass eine Organisation auf Verstöße
gegen di e M enschenrechte v erfallen se i, g ibt so wohl Regierungen al s auch pr ivaten
Menschenrechtsgruppen A nlass zu U ntersuchung, K ritik und E inschreiten. H at man ei ne
Gruppe ei nmal mit Menschenrechtsverletzungen i n Verbindung g ebracht, so i st i hr Ansehen,
wenn überhaupt, nicht leicht wiederherzustellen.
Vorwurf 7: Die MEK verübte seit den neunziger Jahren an Mitgliedern, die
Camp Ashraf verlassen wollten, Gehirnwäsche, sie i nhaftierte und f olterte
sie.
Es bedeutete dahe r ei nen sch weren S chlag für das Ansehen der MEK, al s Human R ights
Watch (HRW) i m Mai 2005 ei nen 28 Seiten l angen Bericht unt er dem Titel »No Exit ÷ Human
Rights Abuses Ìnside the Modjahedin Khalq Camps« (Kein Entkommen ÷
Menschenrechtsverstöße i n Lagern der Volksmodjahedin) herausgab; darin werden der MEK
(im Bericht der HRW wird di e Organisation mit der Abkürzung »MKO« bezeichnet) er nsthafte
Verstöße g egen die M enschenrechte zur Last g elegt und ÷ aufgrund v on l angen
Telefongesprächen m it 12 B erichte aus erster H and bi etenden P ersonen ÷ im De tail
beschrieben. Der Bericht sagt über di ese Zeugnisse: »Ihre Aussagen stellen di e Art, wie di ese
Organisation ihre Mitglieder behandelt, besonders solche, die anderer Meinung sind oder sie zu
verlassen beabsichtigen, in einem feindseligen Licht dar. Die Misshandlungen, von denen die
ehemaligen Mitglieder der MKO berichteten, reichten von Einsperren und Verfolgung normaler
Mitglieder, die die Organisation verlassen wollten, bis hin zu lang andauernder Einzelhaft,
schwerer körperlicher Misshandlung und Folter an andersdenkenden Mitgliedern. Die MKO hielt
während der 90er Jahre i hre pol itischen Dissidenten i n ei genen Gefängnissen f est und l ieferte
später vi ele vo n i hnen an di e i rakischen B ehörden aus, di e si e i hrerseits in A bu Ghraib
inhaftierten.«
53
Dieser B ericht st ammt v on ei ner der ang esehensten hum anitären N icht-
Regierungsorganisationen der Welt ÷ der Verfasser kennt einige ihrer führenden Mitglieder und
bewundert si e sehr ÷; mithin versetzte der Bericht dem Ansehen der MEK i n Amerika, Europa
und ohne Zweifel auch anderswo einen schweren Schlag. Die MEK wies ihrerseits alle
Vorwürfe, sie habe die Menschenrechte verletzt, zurück; sie stellte die Glaubwürdigkeit und den
politischen K ontext der Zeug en, di e das Material f ür den B ericht de r H RW z ur V erfügung
gestellt hat ten, i n Fr age, und bot an, i hre ei genen Wohnorte, Operationen und Mitglieder
untersuchen zu lassen, zur Widerlegung der in dem Bericht gezogenen Schlussfolgerungen.

Vier Mitglieder des Europäischen Parlaments ÷ Freunde der MEK ÷ bildeten daraufhin eine
Delegation zur Untersuchung der von HRW geäußerten Vorwürfe; sie führten in Camp Ashraf
persönliche Gespräche mit Mitgliedern und leitenden Persönlichkeiten der MEK und
unternahmen »nicht angekü ndigte B esichtigungen der Orte, an denen di e
Menschenrechtsverletzungen st attgefunden haben sollten«. Das Ergebnis war di e ei n ganzes
Buch f üllende Widerlegung des Berichts von HRW. Darin wurde die Untriftigkeit der in dem
Bericht ent haltenen Zeugnisse der Reihe nach ent hüllt; es wurden vi elfach f rühere Ehepartner

53
No Exit ÷ Human Rights Abuses Ìnside the Modjahedin Khalq Camps, Human Rights Watch, Mai 2005.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 67
und Kinder der von HRW befragen Zeugen zitiert, und es wurde der Einfluss der i ranischen
Regierung au f ei nige, wenn ni cht al le di ese Ze ugen na chgewiesen.
54
Nachdem die Glaubwürdigkeit und Qualität der Arbeit ihrer Mitglieder auf diese Weise in Frage
gestellt war, gab HRW am 14. Februar 2006 eine Erklärung heraus, in der es heißt: »Wir haben
die Kritik an Inhalt und Methode des Berichts sorgfältig geprüft und finden sie unbegründet. .«
Ìn direktem Bezug zu der durch die als »Freunde eines freien Ìran (FoFÌ)« bekannten Mitglieder
des Europäischen Parlaments verfassten Widerlegung fuhr die Erklärung von HRW fort: ,Das
Dokument der FoFI stellte die Aussagen in Frage und bezweifelte die Glaubwürdigkeit der von
Human Rights Watch befragten Zeugen; es er klärt u. a., si e hi elten ·deren Anschuldigen f ür
weithin vom iranischen Geheimdienstministerium diktiert·. . Doch weder die FoFI noch andere
Kritiker des Berichts von Human Rights Watch haben irgendwelche glaubwürdigen Beweise
vorgelegt, um diese Behauptung zu stützen.«
Die Widerlegung übte
scharfe Kritik an den Autoren des Berichts von HRW. Neben anderen Versäumnissen hi elt si e
ihnen vor, si e hätten si ch mit i hren Zeugen ni cht per sönlich getroffen, sondern nur mit i hnen
telefoniert, und si e hä tten ander e gebotene S chritte unt erlassen, dar unter den B esuch de r
Wohnorte der MEK, di e g eeignet gewesen wären, di e v on i hnen g ebotenen Geschichten zu
verifizieren.
55
Der Verfasser wünscht keine gerichtliche Überprüfung der Kontroverse, die in den Jahren 2005
und 2006 über den Bericht von HRW geführt wurde; er behauptet auch keine Kenntnis, die den
in di esem und i n ähnl ichen Fäl len ei nander widersprechenden Behauptungen überlegen wäre.
Sondern er möchte di e Aufmerksamkeit des Lesers auf di e folgende Ì nformation r ichten, um
einer Suche nach der Art, wie die MEK in Wahrheit mit den Menschenrechten umgeht, den Weg
zu bereiten.

Eine der Personen, di e behaupt eten, der der HRW überlegene Kenntnis von den Praktiken i m
Camp Ashraf zu besitzen, war Oberst David Phillips (USA), der von Januar bis Dezember 2004
die 89. Brigade der Militärpolizei, die für Camp Ashraf verantwortlich war, kommandierte. Oberst
Phillips, der sp äter z um General befördert wurde, sch rieb am 27. Mai 2005 ei nen B rief an
Kenneth Roth, den Leitenden Direktor von HRW. Der wurde nach einem Kongressbericht am
21. Juni 2005 von Thomas Tancredo, Mitglied des Repräsentantenhauses, dort verlesen. Darin
heißt es:
»Ich . war von Ja nuar bi s Dezember 2004 f ür di e S icherheit des Lagers Ashraf
verantwortlich. In di esem gan zen Ja hr er hielt i ch zahlreiche B erichte über Fol ter,
versteckte Waffen und von der Führung der Volksmodjahedin festgehaltene Personen.
Ich wies die mir unterstellten Einheiten an, jede dieser Anschuldigungen zu prüfen, (und)
in vi elen Fällen leitete ich selbst unangekündigte Besuche bei den Einrichtungen der
MEK/PMOI, i n denen die M enschenrechtsverstöße si ch er eignet hab en so llten. Zu
keiner Zeit in diesen mehr als 12 Monaten fanden wir irgendein glaubwürdiges Indiz, das
die in Ihrem neuen Bericht erwähnten Beschuldigungen unterstützt hätte. Ich hätte die in
Ihrem Bericht behaupteten Menschenrechtsverstöße nicht geduldet. . Alle Berichte von
Folter, Entführung und psychischer Misshandlung erwiesen sich als ungegründet. . Ich
war im ganzen Jahr 2004 der für die Sicherheit des Lagers Ashraf verantwortliche

54
André B rie und P aulo C asaca unt er M itwirkung v on A zadeh Zabeti: People's M odjahedin of Ì ran ÷ Mission R eport ( Die
Volksmodjahedin des Ìran ÷ Bericht von ei ner Gesandtschaft). Herausgegeben i m Namen der »Freunde ei nes f reien Ìran« i m
Europäischen Parlament bei L'Harmattan Publishers im September 2005.
http://www.editions-harmattan.fr/index.asp?navig=catalogue&obj=livre&no=20363
Es gibt eine französische und eine englische Version.
55
Human R ights Watch, S tatement on R esponses t o H uman R ights Watch R eport an A buses by t he M odjahedin-e K halq
Organization (MKO) (Erklärung zu Reaktionen auf den Bericht von Human Rights Watch über von den Volksmodjahedin (MKO)
begangene Menschenrechtsverletzungen). 14. Februar 2006.
68 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Offizier; nach meiner Kenntnis gab es niemals auch nur einen einzigen Vorfall der Art,
wie Ihr Bericht sie beschreibt. .
Ich gl aube, I hr neue r Bericht basi ert au f unb egründeter Information, gel iefert vo n
Personen ohne Kenntnis aus erster Hand bzw. aus egoistischen Motiven. . Es war i m
Jahre 2004 im Irak sehr gefährlich. Nach m einer Meinung w ar Camp A shraf de r
sicherste Ort des Gebietes, für das ich verantwortlich war.«
56


Ìm näch sten Ja hr, a m 24. A ugust 2006, sch rieb O berstleutnant Ju lie S . N orman ( USA),
Kommandeurin der Militärpolizei von TF 134, J ÌATF i n Camp Ashraf i n ei nem Memorandum
über die Absprachen zwischen JÌATF und den Volksmodjahedin, die getroffen worden waren,
seitdem sie im September 2005 i hren dortigen Posten übernommen hatte: »Seit drei Jahren .
sind die Streitkräfte der USA für die Sicherheit außerhalb Ashrafs verantwortlich, und di e PMOI
ist f ür die innere Ordnung i n Ashraf verantwortlich; di ese wurde auf di e beste denkbare Weise
aufrechterhalten. . Es gibt kein Gefängnis in Ashraf, es besteht keine Verpflichtung, in Ashraf
zu b leiben; es steht j edermann f rei, di e P MOI zu ve rlassen, wann i mmer e r ode r si e es
wünscht.«
57
Zahlreiche Zeugnisse ähnlichen Ìnhalts wurden von amerikanischer, europäischer, irakischer
Seite und auch von der MEK vorgelegt; einige von ihnen behaupten, im Besitz von Beweisen
für die Annahme zu sein, dass Zeugen, die in dem Bericht von HRW erwähnt wurden, mit dem
iranischen Geheimdienst verbunden waren.

58

Ìn Europa und den U SA gibt es klare Anzeichen
für Aktivitäten, an dene n der i ranische Geheimdienst bet eiligt i st und die das Ziel haben, di e
MEK zu diffamieren. Das Ìndividuum, über das die vorige Anlage berichtet, gab zu, Geschichten
über die von der MEK gegen die Kurden verübten Aggressionen erfunden zu haben. Es handelt
sich um Ja mshid Tafrishi. S ein A uftrag w ar noch u mfassender; d avon ber ichtete ei ne
amerikanische Nicht-Regierungsorganisation, di e bei UN ECOSOC akkreditiert ist (siehe oben
Nr. 3 der Anlage 6), an den Generalsekretär der Vereinten Nationen:
»Herr Taf rishi hat unl ängst B riefe gesch rieben, i n denen er ent hüllt, dass das
Geheimdienstministerium des iranischen Regimes ihn angeheuer t hat ( offenbar un ter
Zahlung vo n $ 72 000 zusätzlich zu R eisekosten und ande ren S pesen), u m ei ne
Kampagne zur Fal sch-Information über di e ( MEK) dur chzuführen, m it falschen
Beschuldigungen dahi ngehend, di e M EK habe si ch an M enschenrechtsverletzungen,
Einschüchterung und Beraubung der iranischen Emigranten beteiligt.«

Herr Tafrishi, ein politischer Flüchtling in Dänemark, hat ei ne vom 30. August 2001 datierte
eidesstattliche Erklärung vorgelegt, die in dem beim Berufungsgericht der USA zur Revision der
Bezeichnung der MEK/PMOÌ al s einer ausl ändischen T errororganisation ang estrengten
Verfahren (s. u. die Beilage) gebraucht werden soll. Darin sagt Tafrishi: »Wie zuvor besteht das
Hauptziel des iranischen Geheimdienstes VEVAK (Ministerium für Nachrichten und Sicherheit)
in der Bekämpfung i ranischer Dissidenten, di e i n Deutschland l eben. . Die Aktivitäten des
VEVAK ko nzentrierten si ch w ie i n den f rüheren Ja hren auf di e pol itische N eutralisierung

56
Congressional Record ÷ Extention of Remarks. 21. Juni 2005, S. E 199.
57
Memorandum for the Record, Suject: Understood Agreements JÌATF and PMOÌ During LTC Norman's Tenure (22 SEP 05 ÷ 24
AUG 06. (Memorandum über die Vereinbarungen z wischen J ÌATF und der PMOÌ während der Amtszeit v on Oberstleutnant
Norman vom 22. September 2005 bi s zum 24. August 2006. ) Department of t he Army, TF-134, JÌATF, Camp Ashraf, Ì raq, 24
AUG 06.
58
Zum Beispiel schrieb nach dem Besuch einer norwegischen Parlamentsdelegation im Camp Ashraf eines ihrer Mitglieder, Lars
Rise, i n di esem Sinne ei nen B rief an den Lei tenden Direktor v on HRW Kenneth Roth; dar aus wird i n dem oben z itierten
»Mission Report« der FoFÌ zitiert.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 69
oppositioneller Gruppen und i hrer gegen das Regime gerichteten Aktivitäten. Die ( MEK) bl ieb
das Hauptziel des iranischen Geheimdienstes. In seinem Kampf gegen die iranische Exil-
Opposition bedient sich das VEVAK sogenannter ·Kulturvereine·. Das sind Deckorganisationen,
die direkt vom VEVAK gegründet wurden ÷ im Dienste der iranischen Interessen und Wünsche.
Darüber hinaus initiiert der iranische Geheimdienst gegen die MEK gerichtete Publikationen, die
z. T. von früheren Mitgliedern der MEK veröffentlicht werden und das Ziel verfolgen, ihre Leser
dazu zu bewegen, der MEK den R ücken zu kehren. Um di e MEK auszuspionieren, r ekrutiert
der i ranische G eheimdienst auch Fr eunde di eser O rganisation und ander e I raner. D ie
Rekrutierung findet meistens statt, wenn Exil-Iraner den I ran besuchen. Wenn si e si ch i n dem
Land aufhalten, werden sie vom VEVAK aufgesucht und in manchen Fällen unter Androhung
massiver M isshandlung i hrer se lbst oder i hrer A ngehörigen i m I ran gezwungen, m it de m
iranischen Geheimdienst zusammenzuarbeiten.«
59
Der ni ederländische Nationale Sicherheitsdienst (damals noch al s »BVD« bekannt) schrieb i n
seinem Jahresbericht von 2001:


»Eine der Aufgaben des iranischen Geheimdienstes MOIS besteht darin, im Ausland lebende
Personen aufzuspüren und zu registrieren, die mit oppositionellen Gruppen in Verbindung
stehen. B esondere A ufmerksamkeit gi lt dabei M itgliedern und f rüheren M itgliedern der
wichtigsten O ppositionsgruppe: de r V olksmodjahedin ( MKO). . Die i ranischen B ehörden
betrachten di e MKO al s t erroristische Organisation und dr ängen di e westlichen Länder dazu,
sie zu verbieten. . Agenten des iranischen Geheimdienstes erhalten Anweisungen, gegen di e
MKO oder ihre Mitglieder gerichtete Nachrichten zu verbreiten. Auf diese Weise versucht das
MOIS, di e Organisation i n dem Gastgeberland zu dest abilisieren und zu diskreditieren. Davon
ist di e pol itische und s oziale U nterstützung de r B ewegung bet roffen. Die MKO . berichtet
jeden (angeblich) vom i ranischen Geheimdienst unternommenen Versuch, di e Organisation zu
infiltrieren und negative Nachrichten bei den Behörden des Gastgeberlandes zu verbreiten.«
60
Wie v on de m deut schen und dem ni ederländischen G eheimdienst al lgemein besch rieben,
zirkuliert ei ne be trächtliche M enge v on Ì nformationen, be treffend di e Loy alität, di e
Unterstützung und daher die Glaubwürdigkeit und die öffentlichen Behauptungen über die
MEK.

61
Ìst die MEK eine Organisation, die die Menschenrechte ihrer Gefolgsleute verletzt? Bevor man
zu e inem Urteil über di ese A nschuldigung kommt, muss man si ch das i n der Öffentlichkeit
stattfindende S piel v on Behauptungen und G egenbehauptungen z u el ementaren Tatsachen
ansehen: K inder und ehem alige Lebens gefährten er örtern en dét ail die öf fentlichen
Behauptungen i hrer ei genen A ngehörigen. A ugenzeugenberichte l iegen v on am erikanischen
Soldaten vor, di e di e Glaubwürdigkeit von Anschuldigungen in Zweifel ziehen, di e sich auf die


59
Jahresbericht des Amts für Verfassungsschutz im Bundesministerium des Ìnneren, S. 205.
http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/EN/Broschueren/Annual_Report_of_the_Office_for_Ìd_10268_en.pdf?_blob=p
ublicationFile
60
Jahresbericht 2001 des Nationalen Sicherheitsdienstes der Niederlande, S. 33, 6. September 2002.
http://www.fas.org/irp/world/netherlands/jv2001_en.pdf
61
S. z. B. die unterschriebene »Zeugnisaussage von Winston James Griffiths«, einem ehemaligen Unterhausmitglied der Labour-
Partei, v or der U. K. Proscribed Organisations A ppeal Commission ( Berufungskommission de s V ereinigten K önigreichs für
geächtete Organisationen), während des Prozesses, i n dem di e Bezeichnung der MEK al s ei ner Terrororganisation f ür das
Vereinigte Königreich gestrichen wurde, s. Anlage 10). Darin erwähnt er einige »Frontorganisationen für das iranische Regime«,
die nach seiner Aussage ihn und weitere Mitglieder des Unterhauses oft aufsuchten, 15 Websites unterhielten, »um gegen die
PMOÌ ger ichtete F alschinformationen z u v erbreiten«. E r r ichtet auc h det aillierte B eschuldigungen gegen Massoud
Khodabandeh und s eine F rau Anne S ingleton, di e ge meinsam di e Website »Ì ran-Ìnterlink« ( http://www.iran-interlink.org)
unterhielten. Eine w eitere unt erschriebene Erklärung w urde v on A brahim Khodabandeh, de m B ruder v on M assoud
Khodabandeh, an di e Kommission ger ichtet; sie enthält ei nen det aillierten Bericht, der mit der Erklärung v on Herrn Griffiths
übereinstimmt.
70 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
von ihnen in Camp Ashraf im Ìrak verbrachte Dienstzeit beziehen. Und verbündete Regierungen
berichten, dass die iranischen Geheimdienste falsche Ìnformationen produzieren, um die
internationale Meinung über die MEK zu beeinflussen. Nichts ist in einer solchen Angelegenheit
jemals ganz schlüssig. Doch ein objektiver Beobachter wird ein außerordentlich hohes Maß von
Sorgfalt benötigen, bevor er behaupten kann zu wissen, ob das beständige Anschwärzen der
MEK, sie verletze die Menschenrechte, berechtigt ist.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 71
72 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 73

74 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 75
Eidesstattliche Erklärung von Jamshid Tafrishi
Persönlicher Hintergrund
1. Ìch, Jamshid Tafrishi, wurde am 13. April 1955 i n der i ranischen Stadt Tabriz geboren. Ìch
lebe zur Zeit als politischer Flüchtling in Dänemark.
2. Ìch bin geschieden und habe zwei Kinder.
3. Bis zum letzten Jahr gab ich vor, ein Gegner des iranischen Regimes zu sein, während ich
in Wirklichkeit den Anweisungen des iranischen Geheimdienstministeriums folgte. Ìn diesen
Jahren nahm ich aktiv an der konspirativen T ätigkeit des iranischen Regimes teil, deren
Gegenstand es war, der PMOÌ Verletzungen der Menschenrechte zur Last zu legen. Ìch war
auch an anderen Plänen beteiligt, z. B. an dem Unternehmen, fremden Regierungen falsche
Ìnformationen über di e PMOÌ zu l iefern, vor al lem di e Anschuldigung, di e PMOÌ werde von
der i rakischen R egierung un terstützt, w omit man das Ansehen di eser O rganisation
schädigen wollte.
4. Ìn diesen Jahren lud mich das Geheimdienstministerium viermal nach Singapur ein, um dort
mit den hö chsten B eamten des Ministeriums zusammenzutreffen. S ingapur i st ei ner d er
Orte, an denen da s Geheimdienstministerium mit se inen A genten z usammenzukommen
pflegt. Nachdem klar geworden war, dass ich mit Beamten des Geheimdienstministeriums
zusammenkam, drängte mich meine geschiedene Frau, zu weiteren Zusammenkünften mit
Beamten des Geheimdienstministeriums in den Ìran zu gehen. Ìch reiste geheim in den Ìran;
die Reise wurde vom Geheimdienstministerium arrangiert. Ìch kam in Teheran und Shiraz
mit V ertretern des Ministeriums zusammen. V on 1995 bi s 1999 er hielt i ch i nsgesamt $
72.000 vom Geheimdienstministerium als Entlohnung meiner für es geleisteten Arbeit.
5. Ìch t raf S aeed E mami ( AKA S hamshiri), a cht Ja hre l ang d ie Nummer zw ei im
Geheimdienstministerium, der hi nter dem M ord an m indestens 100 D issidenten i m Ì ran
steckt. D er l etzte di eser S erienmorde wurde i m N ovember 1998 ent hüllt; da mals waren
Dariush For ouhar und seine Fr au P arvaneh i n i hrer Wohnung b rutal ermordet w orden.
Emami war auch für den Mord an Dutzenden von Dissidenten im Ausland verantwortlich. Ìch
traf auch M ostafa K azemi ( AKA S anjari, den Vertreter E mamis), A mir H ossein Taqavi
(verantwortlich für Angelegenheiten der PMOÌ im Geheimdienstministerium, ebenfalls in
politische Morde v erwickelt) und H ossein S hariatmadari ( einen der st ellvertretenden
Geheimdienst-Minister und dam aligen H erausgeber der v on der R egierung kontrollierten
Zeitung »Kayhan«). Mein Kontaktmann mit dem Ministerium hi eß Reza; er war Assistent
von Saeed Emami. Später kam heraus, dass er Morteza Qobbeh hi eß. Er war der andere
Vertreter Emamis und hatte die Aufgabe, Leute, die aus der Organisation der Modjahedin
ausschieden, zu rekrutieren.
6. Nach meiner Fl ucht aus den G efängnissen des iranischen Regimes schloss ich mich am
Frühjahr 1989 der »Nationalen Befreiungsarmee des Ìran« an, um gegen di e mein Land
beherrschende Diktatur zu kämpfen. Während des Golfkrieges, als die Situation schwierig
und uner träglich w urde, w ar ich ni cht l änger imstande, gegen das klerikale R egime z u
kämpfen und bean tragte sch riftlich, i n das Flüchtlingslager »H illah« i m Ì rak gebracht z u
werden; dor t wurde ich den Vereinten Nationen z ur Abreise v orgestellt. Danach g ing i ch
nach Jordanien und in die Türkei und wurde schließlich als politischer Flüchtling nach
Dänemark umgesiedelt.
76 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
7. Ìm Jahre 1993 setzte das Geheimdienstministerium einen Plan zur Rekrutierung jener um,
die die PMOÌ verlassen hatten, um sie gegen diese Organisation einzusetzen. Sie brachten
meine frühere Ehefrau von Deutschland nach Dänemark; sie sollte mich wieder für sich
einnehmen. N ach l anger Zei t gebar si e ei n K ind; das Geheimdienstministerium br achte
meine Frau und das Kind in den Ìran und behielt mein Kind fast fünf Monate lang als Geisel.
Sie drängten mich zur Reise nach Singapur, um die Vertreter des
Geheimdienstministeriums zu treffen.
Das Motiv zur Enthüllung meiner Information
8. Die E ntscheidung, meine A ktivitäten und das, w as ich se it den l etzten Ja hren weiß,
öffentlich bekannt zu machen, war nicht spontan. Einige Monate nach meinem letzten
Besuch i n T eheran w urden ei nige der v om G eheimdienstministerium beg angenen
Verbrechen ent hüllt ÷ Resultat des zunehmenden M achtkampfs zwischen den
verschiedenen Fraktionen des Regimes. Als ich zum ersten Mal das Bild von Saeed Emami
als einem der für di e Serienmorde V erantwortlichen i n den st aatlichen Zei tungen sa h,
erkannte i ch, dass die B efehle, di e i ch ausf ührte, ni cht v on nor malen A genten de s
Ministeriums, sondern von berufsmäßigen Mördern und Terroristen erteilt worden waren.
Ìch em pfinde t iefe R eue ang esichts der Tatsache, dass ich mich v on di esen r uchlosen
Mördern ausnutzen ließ.
Nach der festen Entscheidung, die gegen die PMOÌ gerichtete Verschwörung des iranischen
Regimes zu ent hüllen, be gannen A genten des Geheimdienstministeriums, mich z u
bedrohen. Sie si nd Experten i m Arrangement scheinbarer Unfälle. Ì ch konnte ni emandem
mehr trauen. A m 3 . A ugust 2000 hat te das Regime ei nen A nschlag au f m ein Lebe n
versucht, aus geführt von m einer früheren Frau, die eine Agentin des
Geheimdienstministeriums ist. Zum Glück vereitelte meine Wachsamkeit in diesem Fall den
Anschlag.
Vom Geheimdienstministerium gestellte Aufgaben
9. Das Ministerium hatte mich angewiesen, folgende Aufgaben auszuführen:
A. Ìch sollte die PMOÌ als einer, der früher mit dieser Organisation zusammengearbeitet
hatte, der Menschenrechtsverletzungen beschuldigen.
B. Ìch so llte abt rünnige Mitglieder r ekrutieren und M itglieder des NCRÌ, di e ni cht der
PMOÌ angehörten, zur Auflösung des Bündnisses mit ihr bewegen.
C. Ìch w ar auch beauf tragt, falsche N achrichten über di e P MOÌ und den N CRÌ i n
europäischen Länder n zu verbreiten. Ì ch bemerkte, dass auch andere Agenten in
anderen Ländern in ähnliche Aktivitäten verwickelt waren.
Angebliche Menschenrechtsverletzungen
10. Darin, di e PMOÌ der Verletzung von Menschenrechten zu beschuldigen, bestand ei nes der
ernsthaftesten Projekte, die das Ministerium au ßerhalb des Ìran mit mir und einer Reihe
weiterer Agenten verfolgte. Das Ministerium war überzeugt, dass die Vereinten Nationen,
wenn es ihm g elänge, di e A rt, w ie di e P MOÌ und de r N CRÌ i m Ì ran be gangene
Menschenrechtsverletzungen enthüllte, unschädlich zu machen, das iranische Regime nicht
mehr v erurteilen w ürden. S o best and un sere V erantwortung als die v on abt rünnigen
Mitgliedern der P MOÌ dar in, di e O rganisation der Menschenrechtsverletzungen z u
beschuldigen, um di e Art, w ie si e si ch au f d ie M enschenrechte ber ief, unw irksam z u
machen.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 77
11. Ìm Jahre 1994 w aren wir an ei ner umfangreichen Kampagne beteiligt, um Human Rights
Watch z u über zeugen, dass di e P MOÌ M enschenrechtsverletzungen bet reibe; w ir
ermutigten Human Rights Watch, einen Bericht i n diesem Sinne vorzubereiten. Die
Ìnformationen wurden auch an das Außenministerium de r Vereinigten Staaten geschickt,
das damals einen Bericht über die Modjahedin vorbereitete.
12. Ìm Jahre 1996 trafen wir mit derselben gegen die PMOÌ gerichteten Geschichte in Genf
Professor Maurice Danby Copithorne, den B esonderen Vertreter des Hohen Kommissars
der Vereinten Nationen für di e Menschenrechte im Ì ran. Alle Einzelheiten di eses Treffens
waren vom Geheimdienstministerium organisiert worden. Die Kontaktperson zu Professor
Copithorne w ar N asser K hajeh-nouri, der v on den U SA aus operierte, aber r egelmäßig
Europa besuchte.
13. Ein ähnl icher V ersuch w urde i m Ja hre 1996 mit A mnesty Ì nternational unt ernommen;
damals kam eine Reihe von Agenten des Geheimdienstministeriums mit einem Vertreter der
Menschenrechtsorganisation in Deutschland zusammen.
14. Trotz aller unserer Bemühungen gelang es uns nicht, die PMOÌ bei den
Menschenrechtsorganisationen oder dem Besonderen Vertreter der Vereinten Nationen zu
denunzieren. Die Folge war, dass wir uns mehr auf die Regierungen konzentrieren sollten.
Falsche Information an fremde Regierungen
15. Eine unserer Aufgaben bestand darin, die PMOÌ bei den Abgeordneten und Regierungen in
Europa und den Vereinigten Staaten in Misskredit zu bringen. Ìn dieser Hinsicht wurden wir
angewiesen zu behaupten, die PMOÌ arbeite mit der irakischen Regierung zusammen oder
werde von ihr unterstützt.
16. Ìm S inne di eses Plans wurde i ch ang ewiesen, i nternationale O rganisationen so wie
ausländische R egierungen z u i nformieren, di e P MOÌ se i i n di e N iederschlagung de s
kurdischen Aufstands im Ì rak verwickelt. Dieser Plan wurde unt er der Leitung von Nasser
Khajeh-Nouri, dem Agenten des Regimes in den Vereinigten Staaten, ausgeführt. Er
arrangierte für mich und ander e Agenten Ì nterviews mit ei nem i ranischen Radiosender i n
Los Angeles; dort sollten wir unsere Geschichte erzählen, di e PMOÌ unterdrücke i m Verein
mit den i rakischen Truppen die Kurden. Khajeh-Nouri bereitete daher einen Bericht vor und
sandte ihn unter meinem Namen an den Geheimdienst und die Regierung der USA, ebenso
an die Vereinten Nationen. Daraufhin erstellte eine amerikanische Nicht-
Regierungsorganisation, »Ì nternational E ducational D evelopment« ( Ìnternationale
Bildungsentwicklung), ei nen Bericht von der Untersuchung, di e si e selbst angestellt hatte
und in dem sie unsere gegen die Modjahedin gerichteten Beschuldigungen zurückwies; der
Bericht wurde als Dokument der UNO am 22. August 1995 veröffentlicht.
17. Ìm Zusammenhang mit einer ähnlichen Maßnahme erzählte mir einst Nasser Khajeh-Nouri,
er v erfüge übe r z uverlässige Ìnformationen da hingehend, d ass die P MOÌ di e i rakische
Regierung bei der Herstellung chemischer Waffen und ander er Massenvernichtungswaffen
unterstütze. Er bat mich, di ese Ìnformation zu enthüllen und sagte, wir würden daraus eine
internationale A ngelegenheit m achen, i ndem w ir si e der R egierung de r U SA so wie den
europäischen Regierungen und internationalen Organisationen zur Kenntnis brächten. Er
sagte, e r w ürde di ese Ì nformationen V ertretern der U SA se lbst über mitteln. Zu di esem
Zweck wurde im Juni 1995 in Hamburg (Deutschland) eine öffentliche Versammlung
organisiert; dabei trug ich die Ìnformation, die er mir gegeben hatte, vor.
18. Ìn di eser S ache pr oduzierten wir ni cht nur f alsche Ì nformationen üb er di e P MOÌ; w ir
behaupteten auch , w ir w ürden von Mitgliedern der P MOÌ bedr oht. Während einer
78 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
Gelegenheit, a m 16 . Fe bruar 1996 ÷ ich l ebte damals in D eutschland ÷ schrieb ich a n
Bundeskanzler Helmut Kohl und behauptete, die PMOÌ beabsichtige, mich zu ermorden.
19. Mir sind einige andere Fälle bekannt, in denen andere Agenten angewiesen wurden, die das
Recht schützenden Ìnstitutionen in europäischen Ländern, darunter Deutschland, Dänemark
und den Niederlanden, aufzusuchen und zu behaupten, die PMOÌ bedrohe sie.
20. Ìch bin mir bewusst, dass diese eidesstattliche Erklärung in einem administrativen Verfahren
vom Außenministerium der Vereinigten Staaten vorgelegt werden wird.
Veile, 30. August 2001 [Unterschrift:]
Jamshid Tafshiri
[Beglaubigung durch zwei andere Unterschriften]
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 79
AnIage 8


Kritiker der M EK, dar unter v iele Jo urnalisten
Vorwurf 8 : D ie MEK o periert a ls S ekte. S ie trennt seit 1991 E hepaare,
nimmt i hnen die Kinder, verbietet al leinstehenden Frauen zu heiraten und
erzwingt Selbstopferung.
62
und ei nige R egierungen
63
Bei den Erfahrungen, die die amerikanische Öffentlichkeit mit Gruppen machte, denen man
vorwarf, sie seien »Sekten«, wurden diese selten mit dem Terrorismus in Verbindung gebracht.
Es gibt ande re G esetze ( wie d ie g egen M ord, S teuerhinterziehung, B etrug, une rlaubten
Waffenbesitz, Kindesmisshandlung und unerlaubte Landnutzung gerichteten), die man auf die
vergangenen Aktivitäten des Ku Klux Clans anwenden k ann, aber auch auf di e Gefolgsleute
von Bhagwan Shree Rajneesh i n Oregon, oder auch di e Selbstmordsekte v on Jo nestown i n
Guyana und sp äter das »Himmelstor« i n San Diego, den v erwirrten Mörder Charles Manson
und seine Gefolgsleute, sowie die Branch Davidians in Texas &c. Alle diese Sekten wurden mit
öffentlicher Empörung und Abscheu betrachtet. Doch keine von ihnen ÷ jedenfalls in Amerika
keine ÷ wurde mit dem Trachten nach politischer Macht in Verbindung gebracht.
nahmen i n i hre
Beschreibung de r M EK di e B ehauptung au f, sie se i ei ne » Sekte« und er gehe si ch i n
sektenähnlichem B etragen. S olche B eschreibung i st un gewöhnlich, wenn es sich um
Organisationen handel t, die al s ausländische Terrororganisationen bezeichnet werden ÷ selbst
in Bezug auf di e gefährlichsten Terrorgruppen wie di e Al Qaida, di e nach Meinung vieler ni cht
zögern würde, Massenvernichtungswaffen, wenn sie sich in ihren Besitz zu bringen vermöchte,
gegen große Populationen einzusetzen.
Es gibt daher i n der A ußenpolitik und auf de m Fel d der i nternationalen S icherheit wenig
Vergleichsfälle, di e es em pfehlen w ürden, d en har tnäckigen neg ativen K ommentar, d as
Gebaren der MEK während der vergangenen Jahre sei »sekten«-ähnlich, zur Grundlage ei nes
Urteils darüber zu machen, wie ihre Geschichte in den letzten 2 ÷ 5 Jahren sich zu den Kriterien
fügt, nach denen man eine Gruppe i n di e Li ste ausländischer Ter rororganisationen aufnimmt
oder si e daraus streicht. Wenn ei ne Gruppe schuldig ist, terroristische Handlungen begangen,
begünstigt ode r geplant z u haben, w ürde di e Zusch reibung abno rmer i ndividueller oder
kollektiver Neigungen, die der Vernunft der Amerikaner oder Europäer widersprechen ÷ selbst
wenn sie bewiesen würden ÷ als äußerlich erscheinen. Wenn die Gruppe solcher Handlungen,
die ihre Bezeichnung als ausländische Terrororganisation rechtfertigen, nicht schuldig ist, ist es
noch unk larer, weshalb das Thema ni cht une rwünschter so zialer Handlungsweisen i n e inen
solchen Entscheidungsprozess eingetragen wird.
Dennoch f irmiert das »Sekten«-Etikett fast unv erändert i n den pol itischen Kommentaren, di e
darauf drängen, dass die MEK auf der Liste ausländischer Terrororganisationen verbleibt. Die
beste Erklärung, die der Verfasser dafür hat, besteht darin, dass die Kritiker der MEK viel mehr
an der Ìran-Politik der USA als an der gleichsam technischen Angelegenheit interessiert sind,

62
Elizabeth Rubin, i dentifiziert als Mitarbeiterin des New York Times Magazine, s chrieb unl ängst über i hren Besuch i n Camp
Ashraf vor acht Jahren. Sie verglich das Lager mit »einer Fabrik im maoistischen China«. Ìhr Kommentar behandelte viele von
den in dieser Studie untersuchten Anschuldigungen, als wären es Tatsachen. Elizabeth Rubin, An Ìranian Cult und its American
Friends (Eine iranische Sekte und ihre amerikanischen Freunde), in: New York Times vom 14. August 2011, im Sunday Review
Seiten 5 und 8.
63
Siehe z. B. den Jahresbericht des niederländischen Nationalen Sicherheitsdienstes für 2001, S. 28.
80 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
ob di e MEK es verdient, dass sie von der Terrorliste gestrichen wird ( von der Fr age, ob d as
Sozialverhalten i nnerhalb der M EK der w estlichen V ernunft al s fremd er scheint, ganz
abgesehen). Man fürchtet offenbar, dass die Streichung der MEK von der Terrorliste seitens der
USA auf ei ne bedeut ende Veränderung i hrer Haltung gegenüber de r Regierung i n T eheran
hinauslaufen w ürde ÷ sozusagen ei n S ignal, dass Washington ni cht n ur se in Ì nteresse an
Verhandlungen m it T eheran, so ndern ebenso die H offnung dar auf au fgegeben hät te, das s
Reformkräfte innerhalb des Ìran noch in der Lage seien, das Streben des islamischen Regimes
nach Atomwaffen und seine beständige Förderung des Terrorismus zu mäßigen.
Wenn man di e Bedeutung di eser verwirrenden Charakterisierungen i n Fr age st ellt, hei ßt das
nicht, dass man si e für wahr oder unwahr er klärt. Es gibt keine Maßeinheit, mit der man das
Verhaltensmuster ei ner handel nden P erson em pirisch al s sektenähnlich, dasj enige ei ner
anderen dagegen al s nicht sektenähnlich feststellen könnte; das Urteil liegt hi er i m Auge des
Beschauers. Zu der Kritik an der MEK gehört, ihr historischer Anführer, Massoud Rajavi, und
die sie gegenwärtig führende Persönlichkeit, seine Frau Maryam Rajavi, hätten lange Zeit
totalen Gehorsam gefordert und erhalten, ebenso wie Unterwerfung in allen Rängen; ferner
gehört dazu, dass nur wenige Ì nformationen di e Mitglieder der MEK er reichten und i hr Ì nhalt
zensiert werde und dass in den frühen 90er Jahren Ehen getrennt und die Kinder nach Übersee
geschickt worden seien, um dort von Verwandten, Freunden oder Pflegefamilien aufgezogen zu
werden; und seitdem seien die Männer und die Frauen meistens voneinander getrennt und
zölibatär gehalten worden. Manche Kommentatoren haben die Autorität, di e Fr au Rajavi mit
ihrer großen Gruppe v on A ssistentinnen über d en männlichen T eil der Gruppe au sübe, al s
bizarr er klärt, al s Überbietung selbst de r feministischen Maßstäbe v on Fr auenmacht. D abei
erfährt die Gender-Politik mit Sicherheit im Nahen Osten eine Wende.
Freunde der MEK weisen di e Unterstellung zurück, si e unt erlägen dem exzessiv auf si e von
ihren Führern ausgeübten Einfluss, und halten dagegen, die Charakterisierung der MEK als
einer »S ekte« se i en tweder f alsch ode r üb ertrieben. Wie auch i n B ezug au f ande re
Anschuldigungen können si e auf den i ranischen Geheimdienst hi nweisen, der di eses wenig
schmeichelhafte Profil i hrer Organisation befördere.
64
Sie weisen darauf hi n, der Golfkrieg und
seine Folgen im Ìrak hätten die Stellung der MEK im Ìrak sehr sicher gemacht. Es habe (siehe
die vorige Anlage) ei n l andesweiter Aufstand der dassi schen Kurden stattgefunden, dem ei n
Feldzug der Bodentruppen S addam H usseins gefolgt se i, dar auf di e Ì nvasion e iner g roßen
Gruppe von iranischen Revolutionsgarden, iranisches Bombardement aus der Luft
65

64
Ein Artikel in der Toronto Sun berichtete im Juli 2010: »John Thompson, der ein Mackenzie-Institut, einen mit Sicherheitsfragen
befassten Think-Tank, leitet, sagt, . ihm seien von einem mit der iranischen Botschaft in Kanada verbundenen Mann $ 80.000
angeboten worden. ·Sie verlangten von mir, ein Textstück über die Modjahedin-e Khalq zu veröffentlichen·, sagte er: ·Der Iran
will noch andere say spy chief is right (Aktivisten sagen, der Spionagechef habe recht, China spioniere). Ìn: Toronto Sun, 5. Juli
2010 ÷ http://www.torontosun.com/news/canada/2010/07/05/14616126.html
; die USA
hätten danach über weite Teile des Landes ein Fl ugverbot verhängt. Die Bewohner von Camp
Ashraf hät ten, da si e aus mehreren Richtungen von Gefahren umstellt wurden, geglaubt, dies
sei nicht der richtige Ort, an dem Kinder aufwachsen sollten.
64
Freunde der MEK s agen, iranische Kampfflugzeuge hät ten Stellungen der MEK am April 1992 b ombardiert. Sie hät ten auf
Massoud und Maryam Rajavi gezielt, doch sie verfehlt; dies werde selten, wenn überhaupt je in Regierungsberichten erwähnt,
welche, so fügen sie hinzu, die Stärke der Angriffe auf iranische Botschaften in 13 Hauptstädten in ihren Berichten von
angeblichen T errorhandlungen d er M EK s ehr s tark über trieben. Länder da zu br ingen, s ie al s t erroristische Sekte zu
etikettieren.· Thompson sagt, er habe das Angebot abgelehnt.« Brian Lilley: Activists say spy chief is right (Aktivisten sagen, der
Spionagechef habe r echt, C hina spioniere). Ìn: Toronto S un, 5. J uli 2010 ÷
http://www.torontosun.com/news/canada/2010/07/05/14616126.html
65
Freunde der MEK s agen, iranische Kampfflugzeuge hät ten Stellungen der MEK am April 1992 bom bardiert. Sie hät ten auf
Massoud und Maryam Rajavi gezielt, doch sie verfehlt; dies werde selten, wenn überhaupt je in Regierungsberichten erwähnt,
welche, so fügen sie hinzu, die Stärke der Angriffe auf iranische Botschaften in 13 Hauptstädten in ihren Berichten von
angeblichen Terrorhandlungen der MEK sehr stark übertrieben.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 81
Sie sa gen, se lbst w ährend der Operation Wüstensturm se i ei n K onvoi über Land nac h
Jordanien mit kleinen F ahrzeugen i n Gang gesetzt worden, i n der Hoffnung, er werde j ene
präzisen Luf tschläge, wie si e v on General Schwarzkopf während des Golfkrieges aus geführt
wurden, ni cht auf sich ziehen. Anfänglich wurden Kinder in ei n Hotel i n Amman gebracht, das
von dem verstorbenen König H ussein z ur V erfügung gestellt w orden war, dar aufhin nach
Europa und Kanada begleitet, um bei befreundeten Familien sicher zu leben; viele von ihnen
seien nach 2000 zurückgekehrt. Freunde der MEK machen keinen Versuch zu leugnen, dass
ihre engagierten Mitglieder i m i rakischen Hinterland bl ieben und unt erstützen i hre gegen das
Regime in Teheran gerichteten Aktivitäten.
Eine andere Praxis, di e das westliche Publikum als »sekten«-ähnlich brandmarkt und al s ihrer
Kultur fremd em pfindet, i st das Selbstopfer al s Zeichen des Protestes; so w urde es von
mehreren Sympathisanten der MEK i m Jahre 2 003 veranstaltet, al s Maryam Rajavi von den
französischen B ehörden v erhaftet wurde.
66

Man kann hi er nu r kommentieren: P raktisch ha t
innerhalb der am erikanischen Reaktion au f de n so g enannten »A rabischen Fr ühling« des
Jahres 2011 niemand ein Unbehagen über die Handlung dessen empfunden, der ihn eröffnete.
Die t ödliche Selbstopferung des tunesischen Obsthändlers Mohamed Bouazizi wurde von den
westlichen Medien respektvoll porträtiert; die Experten bezeichneten sie als legitimen, wenn
auch verzweifelten Protestakt. Bei diesen wie auch bei anderen Anschuldigungen lassen sich
die Menschen von ihren ei genen per sönlichen S tandpunkten l eiten. Ì nteressierte P arteien
haben hier jedoch mit verschiedenen Methoden versucht, sie zu beeinflussen.












66
Ìn ei ner öf fentlichen Solidaritäts-Geste verpflichteten sich ander e, sich selbst zu opf ern, wenn di e MEK ent scheide, sie werde
ihrer Sache di enen. Die f ranzösischen J ustizbehörden haben aner kannt, dass Frau Rajavi versucht habe, s olche spontanen
Handlungen zu verhindern.
82 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
AnIage 9


Wissenschaftler warnen, die öffentlich sichtbare politische Haltung der MEK sei gänzlich
trügerisch; sie möchten jene zurechtweisen, die der Rhetorik der MEK vertrauen, wonach sie für
die allgemeinen Menschenrechte und politische Partizipation im Ìran eintritt. Michael Rubin vom
American Enterprise Ìnstitute (AEÌ) schrieb 2006: »Manche Linke teilen mit manchen Rechten
den Fehler, dass sie zwar für Freiheit im Iran eintreten, dabei aber die Eigenart einer Gruppe
verkennen, die i n der Öffentlichkeit das Richtige zu Freiheit und Demokratie sagt, in Wahrheit
aber mit dem Gegenteil verschworen ist. Maryam Rajavi und ihr Ehemann verstehen sich auf
die öffentliche Kommunikation, doch die Organisation, der sie vorstehen, scheut die Demokratie
und hängt dem Terrorismus, der Autokratie, dem Marxismus an.«
Vorwurf 9: Die MEK ist einem verhärteten linksgerichteten,
antidemokratischen u nd a ntiamerikanischen D enken zutiefst v erpflichtet,
und ihre Behauptung, sie unterstütze demokratische Prinzipien, ist reiner
Lippendienst für westliche Ohren.
67
Ray Takeyh vom »Council on For eign Relations« (Rat für auswärtige Beziehungen) hat im Juli
2011 vor ei nem Unterausschuss des Kongresses wie folgt ausgesagt: »Da die Organisation
ihren i rakischen P atron verloren hat und keine verlässlichen B ündnispartner besi tzt, ha t si e
irgendwie ihren Ton geändert und versucht, ihre anti-amerikanische Diktion zu mäßigen.
Obwohl di e MEK i n de r A rt, w ie si e sich in den H auptstädten des Westens vorstellt, i hr
Engagement für die Demokratie und Meinungsfreiheit betont, hat sie doch weder in Taten noch
in Worten ihren gewalttätigen Ursprüngen abgeschworen.¨

68
Die Frage, ob ei ne ausländische Organisation i n Aktivitäten verwickelt i st, auf di e di e Kriterien,
die der B ezeichnung »A usländische T errororganisation« ent sprechen, z utreffen, en tscheidet
sich g ewiss nicht dar an, ob di e i deologischen Vorlieben i hrer Mitglieder eher z u Marx und
Fanon oder eher zu Rousseau und Jefferson t endieren. Ì nteressanter i st vielleicht di e These,
die MEK ÷ die von i ranischen G eheimagenten, w estlichen Militärs und Ju stizbehörden,
Menschenrechtsgruppen, Journalisten und Theoretikern genau beobachtet wird ÷ bediene si ch
der Taktik, insgeheim, wo es ihr möglich ist, das Gegenteil von dem zu tun, was sie der Welt
sage.

Es ist ei ne geschichtliche Tatsache, dass Massoud Rajavi gegen di e Art, wie i n der Zei t des
Schahs der Ì ran von den U SA unt erstützt wurde, seit den A nfängen der MEK eingenommen
war. Er entschied sich für den bewaffneten Kampf als den Weg zur Befreiung des iranischen
Volkes von der se ine G eschichte kennzeichnenden A usbeutung und der r epressiven
Herrschaft. D iese Themen teilten i n den 60 er Ja hren di e Guerilla-Bewegungen und di e
revolutionären B ewegungen de r Ì ntellektuellen miteinander. H err R ajavi so ll während se iner
Haft in den 70er Jahren ÷ so berichten Freunde der MEK ÷ ein 15-bändiges politisches Werk
verfasst haben, in dem er sich auf Philosophen der Politik stützt.

67
Michael Rubin, Monsters of the Left: The Modjahedin al-Khalq (Ungeheuer von links: Die Volksmodjahedin).
FrontPageMagazine.com. 13. Januar 2006.
68
Massacre at Camp Ashraf: Ìmplications for U.S. Policy (Das Massaker i n Ashraf: Folgen f ür di e Politik der USA). Vorbereitete
Erklärung von Ray Takeyh vor dem Ausschuss für auswärtige Beziehungen, Unterausschuss für Aufsicht und Untersuchungen
im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten von Amerika am 7. Juli 2011.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 83
Veröffentlichungen de r MEK zitieren wie f olgt aus einem A rtikel, de r v on E ric Rouleau aus
Teheran an Le Monde geschickt und am 29. 1980 veröffentlicht wurde: »Eine der wichtigsten
Veranstaltungen in Teheran, die man nicht versäumen sollte, ist der Kurs in vergleichender
Philosophie, den Herr M assoud R ajavi j eden Fr eitag N achmittag h ält. M ehr al s 10.000
Personen zeigen ihre E intrittskarten, um d er dr eistündigen V orlesung des Leiters der
·Volksmodjahedin des Iran· auf dem Rasen der Sharif-Universität zuzuhören.« Seine Botschaft,
so setzt der Artikel von Rouleau f ort, l autete: »Freiheit i st das Wesen der Evolution und di e
Hauptbotschaft des Islams und der Revolution.«
Ebenso v eröffentlichte Rouleau am 13. Ju ni 1 980 i n der New York Times einen Bericht (s.
Anlage 2 di eser U ntersuchung); da rin w ird H err R ajavi zi tiert, w ährend er v or ei nem noch
größeren P ublikum sp richt. D iesmal besch äftigt er si ch m it der Gefahr, v on »H isbollah«-
Kämpfern des Ayatollah Khomeini angegriffen zu werden. Rouleau zitiert die Worte Rajavis:
»Warum werden wir angegriffen? Wir sind gute Muslime; man sagt uns, wir lebten in einer
Ìslamischen Republik. Doch wir werden von Hooligans und Terroristen belagert. Die islamische
Verfassung garantiert p rinzipiell al le Fr eiheiten. D och m an v erweigert uns den Zugang z ur
Presse, zum Radio, zum Fernsehen und zum Parlament.«
Freunde der MEK sind in der Lage, Dokumente der kommunistischen Tudeh-Partei in
Frankreich vorzuweisen, dat iert vom 30. Juli 1981; dar in wird Herr Rajavi denunziert, es wird
seine Hinrichtung g efordert ÷ wegen de r »ni cht z u r echtfertigenden A bweichung« z u ei nem
»Bündnis mit den Liberalen«. Die gläubigen Modjahedin werden aufgefordert, »aufzuwachen«
und zu verstehen, dass »der Verräter Rajavi« mit »Amerika« identisch sei. Freunde der MEK
erklären daz u, es habe ni emals eine V ertretung de r MEK i n ei nem kommunistischen Land
gegeben. Ìm Jahr 1982 beschloss der Nationale Widerstandsrat des Ìran seine Verfassung;
seitdem kann man in der Geschichte der MEK durch die 80er Jahre hindurch eine Reihe von
Resolutionen und Erklärungen verfolgen, in denen für die Zeit nach Khomeini ein
Verfassungsprozess und f reie Wahlen g eplant werden; dabei wird den k urdischen Gebieten,
wie sch on m itgeteilt, A utonomie z ugesagt, un d es werden di e »Fr eiheiten und R echte der
iranischen Frauen« deklariert. Der Verfasser war zwar nicht in der Lage, die Authentizität des
historischen Berichts über di e Meinungsbildung der MEK, den der en Fr eunde er statten, unt er
Beweis zu stellen, doch auch die Kritiker haben nicht glauben machen wollen, diese Ereignisse
und Handlungen hätten nicht stattgefunden.
Am 29. Juni 1983 sp rach Dr. Joshua Muravchik von der Johns Hopkins School of Advanced
Ìnternational Studies als Gast des AEÌ (American Enterprise Ì nstitute) über di e MEK vor dem
Ìnternational Club i n Washington. Unter seinen Ausführungen, di e von Helen Delich Bentley,
Mitglied des Repräsentantenhauses, in den Kongressbericht eingelesen wurden, befanden sich
die folgenden:
»Man warnt davor, di ese Gruppe meine das, was sie sage, ni cht wirklich; si e äußere
sich nicht aufrichtig zu ihren Überzeugungen. Ich weiß nicht, ob es sich so verhält, doch
mich nahm für sie ein, dass ·Demokratie· für sie nicht nur ein Slogan ist; sie geben ei ne
Menge richtige Antworten. .
Nehmen wir an, die Befürchtungen ihrer Kritiker bestünden zu Recht, und sie meinten
nicht wirklich das, was sie über di e Demokratie sagen. Dennoch i st di e Tatsache, dass
sie über die Demokratie sprechen, und das nicht schlagwortartig, sehr bedeutsam. Sie
sprechen übe r R eligionsfreiheit, M einungsfreiheit und f reie Wahlen. Sie sa gen, di e
Toleranz sei der Grausamkeit entgegengesetzt; dies scheint das Entscheidende zu sein.
Sie verbreiten di ese Botschaft im iranischen Volk und in der Weltgegend, zu der sie
gehören. E s ist se hr wertvoll, dass diese B otschaft ve rbreitet w ird, gl eichviel ob d ie
Menschen, die sie verbreiten, aufrichtig sind oder nicht. Wir haben oft erlebt, dass Leute
mit der V erbreitung ei ner B otschaft begi nnen und am E nde si ch se lbst davo n
84 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
überzeugen. Insofern i st selbst der Einwand, si e seien unaufrichtig, ni cht entscheidend;
denn die Modjahedin sagen über die Demokratie die richtigen Dinge, und ich bin sehr
daran i nteressiert, i n j ener Gegend de r Welt M enschen an zutreffen, di e vo n de r
Demokratie reden. .
Ich möchte mit ihnen darüber sprechen, was sie von den pol itischen Ereignissen, die in
ihrer Weltgegend st attfinden, ber ichten. I ch möchte besonders darüber sprechen, was
sie ihrem eigenen Volk in ihren Radiosendern über die Demokratie sagen. Welche
Botschaft bringen sie dem iranischen Volk, ist es dieselbe, die sie uns bringen?«
18 Ja hre später brauchen w ir uns ÷ dank d er Revolutionierung der K ommunikation, die
begonnen hat, den Nahen Osten zu verwandeln ÷ nicht über die Botschaft zu wundern, die die
MEK und der NCRÌ in den Ìran senden. Auf einer Versammlung am 18. Juni 2011 i n Paris ÷ 30
Jahre nach den gegen di e MEK g erichteten Massenverhaftungen un d -hinrichtungen de s
iranischen R egimes ÷ bekam Maryam R ajavi di e G elegenheit z u ei ner K ommunikation w ie
sonst wenige, wenn nicht gar keine Ìraner. Sie sprach zu einer Menge innerhalb und außerhalb
des Ausstellungszentrums, di e auf mehrere 10 000 M enschen geschätzt wurde. Ì hnen hatten
sich französische und i nternationale Würdenträger an geschlossen, dar unter
Parlamentsdelegationen aus 31 Länder n, v on denen j ede ei ne M ehrheitsresolution z ur
Unterstützung der 3400 Bewohner Ashrafs (im Ìrak) mitgebracht hatte. Die Versammlung wurde
in den Ìran und andere Länder, in denen es Fernsehen in persischer Sprache gibt, übertragen,
und Kamerateams filmten die gesamte Versammlung zur Verbreitung im Ìnternet, auf DVD &c.
Eine so lche P lattform h ätte, w enn di e oben zitierten Washingtoner Ì ran-Experten i m R echt
wären, di e gewählte Präsidentin des iranischen Widerstands vor ei ne qualvolle Wahl gestellt ÷
zwischen der »wahren« Ì deologie der MEK f ür ei n so bedeut endes iranisches Auditorium auf
der einen Seite und Themen, die dem internationalen Publikum genehmer gewesen wären, auf
der anderen Seite. Wenn es sich so verhält, muss man sagen: Frau Rajavi tat sich nicht schwer
damit, ihre eigene Stimme zu finden:
»Die Geschichte und G esellschaft des Iran sowie sein Widerstand . sagen nei n zur
Beschwichtigung, nei n z u der G efolgschaft ge genüber der V erfassung der ve layat-e
faqih, und nei n zu der t otalitären Herrschaft des religiösen Faschismus. I m Gegenteil,
wir sagen ja zur Freiheit, Demokratie und Gleichheit, ja zu der Trennung von Kirche und
Staat. .
Das Recht des i ranischen Volkes, diese brutale Diktatur zu Fall zu bringen, sollte ni cht
länger mit Füßen getreten werden. Ich erinnere Sie an die Worte Abraham Lincolns: ·Die
Regierung gehör t mit i hren I nstitutionen de m Volk, i n dem si e behei matet i st. Wann
immer es der existierenden Regierung überdrüssig wird, kann es von seinem
verfassungsmäßigen Recht, si e zu ändern, Gebrauch machen, oder von se inem
revolutionären Recht, sie zu stürzen. .·
Man m uss sich nur di e Fl ut der widerwärtigen gegen di e Widerstandsbewegung
gerichteten Anschuldigungen ins Gedächtnis rufen: den Vorwurf, wir folterten und
ermordeten unsere eigenen Mitglieder, betrieben Persönlichkeitskult, seien eine Sekte,
hätten hunderttausende irakischer K urden und Dassen umgebracht, betrieben
Geldwäsche, bildeten kriminelle Vereinigungen, hielten junge Leute und Frauen gegen
ihren Willen gefangen, seien im Iran unpopulär, und vor allem: wir betrieben Terrorismus
. Welche Absicht l iegt diesen Verleumdungen zu Grunde? Während der vergangenen
drei Jahrzehnte rechtfertigten di ese Beschuldigungen di e Hinrichtung und di e Fol ter am
iranischen Volk und seinem Widerstand. .
Unser Ziel besteht in der Errichtung einer freien, demokratischen Republik auf der
Grundlage der Trennung vo n Religion und S taat, der Gleichberechtigung der
Geschlechter mit Betonung gleicher Beteiligung der Frauen an der politischen Leitung.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 85
Wir wollen ei nen at omwaffenfreien I ran. U nser P rogramm kö nnte i n dr ei Worten
zusammengefasst werden: Freiheit, Gleichheit, Suprematie der Entscheidung des
Volkes. Darin bestanden von Anfang an unsere Ideale. Wir kämpfen nicht, wir bringen
keine Opfer, um nur ja an die Macht zu kommen. Wir sind nicht darauf erpicht, an der
Macht beteiligt zu werden; es geht uns nicht darum, unsere Fähi gkeit zu regieren unter
Beweis zu st ellen. U nsere gr ößte S endung best eht i n der Errichtung d er
Volkssouveränität und der Demokratie. . (Wir) wären damit zufrieden, in der Opposition
zu se in und w ürden uns geehrt f ühlen, uns zu opf ern, u m dem i ranischen V olk die
Möglichkeit freier Wahl zu geben."
69

























69
Aus dem Text der Ansprache von Frau Maryam Rajavi, der gewählten Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates des Ìran, in
Paris-Villepinte am 18. Juni 2011. Auszüge in folgender Publikation: http://www.ncr-iran.org/en/images/stories/ÌL/ÌL-
86 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
AnIage 10


Die A ntwort au f di e Fr age, ob di e MEK/PMOÌ » mit der P lanung und V orbereitung v on
Terrorakten beschäftigt sei oder di e Fähi gkeit und Absicht solcher Akte i mmer noch besi tze«
(dies die Kriterien des US-Außenministeriums) ist wichtig, denn eine Bejahung dieser Frage
würde auch dann, wenn di e MEK seit l anger Zeit k eine Handlung begangen hat, auf di e di e
Definition des Terrorismus zuträfe, he rangezogen w erden können, u m di e B elassung d er
Organisation auf der Liste der »Ausländischen Terrororganisationen« zu rechtfertigen.
Vorwurf 10 : D ie MEK ha t na ch w ie vor d ie M ittel u nd d ie A bsicht,
terroristische Handlungen zu begehen
Wie i n v origen A nlagen bem erkt, deut en zu gängliche Q uellen auf keine gewaltsamen
Handlungen der MEK nach 2001 oder zumindest 2002. Wie bedeutsam die Geschichte der
Handlungen der MEK bis zu dieser Zeit auch sein mag ÷ von daher ja die Untersuchung der
gesamten Geschichte dieser Organisation in den vorigen Anlagen ÷, wird i m Fol genden der
Fokus bei den Ì nformation l iegen, di e si ch auf mögliche t erroristische Aktivitäten nach der Zei t
der letzten »bekannten« gewaltsamen Handlungen beziehen.
Am 18 . Ju ni 2003 be schrieb der K ommandeur der 4. Ì nfanteriedivision der U S-Army,
Generalmajor Ray Odierno (derzeit Generalstabschef der US-Army), während einer Video-
Konferenz des Pentagon di e Fol gen der freiwilligen Übergabe der Waffen von der MEK an di e
Truppen der USA im Ìrak:
»Sie wurden vollständig entwaffnet. Wir haben alle Handfeuerwaffen sowie das schwere
Gerät über nommen. Sie hat ten ungef ähr 10. 000 Handfeuerwaffen und ungef ähr 2. 000
Stücke schweren G erätes, dar unter 300 P anzer, ungef ähr 25 0 gepan zerte
Personenfahrzeuge und ungefähr 250 Geschütze. Vor ungefähr 30 Tagen haben wir
ihnen alle diese Dinge abgenommen."
70
Unter den Kommentaren zur MEK befand sich die Bezugnahme auf einen Bericht des FBÌ von
November 2004, der unt er dem Titel »Modjahedin-E Kh alq ( MEK) ÷ Criminal Ìnvestigation«
(MEK ÷ Strafrechtliche Untersuchung) i m Ì nternet er hältlich i st und v on dem B üro i n Lo s
Angeles erstellt wurde; es handelt sich um eine wichtige Quelle über angebliche unrechtmäßige
Planung und Fi nanzierung namentlich bekannter Personen, die mit der MEK verbunden sind.

71
· Der Bericht hat keine Aktennummer (,file' number); am unteren Rand von S. 1 hei ßt es:
»Ìn di esem Dokument finden si ch k eine Empfehlungen und keine Schlussfolgerungen
des FBÌ.«

Der Autor verfügt über keine beruflichen Erfahrungen auf dem Gebiet der Strafverfolgung und
über kein Wissen aus erster Hand von den Dingen, über di e i n diesem Dokument gesprochen
wird. Er erörtert im Folgenden die Frage, bis zu welchem Grunde sich Urteile auf diese Quellen
stützen können:
· Das Dokument ber ichtet v on ang eblichen H andlungen der MEK, d ie bis in di e 70er
Jahre z urückreichen; v iele i hrer B esonderheiten g ehören z u dem S chwerpunkt de r

latest2011/il-khahkeshan-July-2011.pdf
70
Generalmajor Odierno, Videotelekonferenz aus Bagdad, Defense LÌNK, US Department of State, den 18. Juni 2003
71
http://www.american.com/archive/2011/FBÌ%20-%20REPORT.pdf
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 87
vorliegenden kurzen Studie. Der Leser i st ei ngeladen, di e hi storische Präzision di eser
Darbietung zu prüfen.
· Die wichtigste Einschätzung di eses Berichts (auf S. 18) l autet: »Man glaubt ni cht, dass
die MEK gegen die Ì nteressen der USA oder Europas gerichtete Handlungen begehen
werde, einzig auf der Basis der von den USA angeführten Ìnvasion in den Ìrak; doch die
MEK k önnte i mmer no ch v ersuchen, i m S inne der g egen di e U SA und E uropa
gerichteten iranischen Ìnteressen terroristische Handlungen zu organisieren.«
· Der B ericht v erzeichnet ei ne eng e Zu sammenarbeit z wischen d em FB Ì un d
französischen Anti-Terror-Ìnstitutionen; si e führte zu der Pariser Polizeiaktion von Juni
2003, bei der »165 P ersonen i n Untersuchungshaft kamen, 25 festgenommen wurden
und g egen 17 P ersonen i nternationale A nklage erhoben w urde.« N ach ach t Ja hren
erließ, wie oben i n Anlage 2 bemerkt, der Untersuchungsrichter der Pariser Anti-Terror-
Abteilung ei ne Entscheidung, i n der er er klärte: »Das Dossier weist f ür di e er hobenen
Anschuldigungen keine Beweise auf . . Wir ordnen die Aufhebung der gegen di e o. g.
Personen und gegen die übrigen erhobenen Vorwürfe an.«
· Der Bericht spricht auch über eine Untersuchung, die von einem Team des FBÌ in einer
Zeit, di e bi s zum April 2004 reichte, i n Camp Ashraf durchgeführt wurde; dabei wurden
175 Mitglieder bzw. »Abtrünnige« der MEK verhört. Die New York Times berichtete am
27. Juli 2004: »Ranghohe amerikanische Regierungsvertreter sagten, die umfassenden
Ìnterviews, geführt von Vertretern des Außenministeriums und dem FBÌ, hätten keinerlei
Basis zu Vorwürfen gegen irgendein Mitglied der Gruppe ergeben.«
72


Dieser l etzte Punkt i st au fschlussreich. Am 7. Juli 2011 legte Dr. Gary Morsch, Oberst de r
Reserve der US-Armee, der i n di eser Zei t na ch Camp Ashraf ab geordnet war und dor t ei n
Krankenhaus leitete, v or dem Unterausschuss des Repräsentantenhauses über ei ne i n de n
Jahren 2003 und 2004 durchgeführte strafrechtliche Ermittlung wie folgt Zeugnis ab:

»Auf der Basis meiner Rolle al s der des leitenden Arztes, der zu Beginn des Jahres
2004 nach Ashraf entsandt wurde, . lebte und arbeitete ich mit den Bewohnern Ashrafs
rund um di e Uhr. Ich . verließ A shraf mit gr ößerer K enntnis und E insicht über di e
Organisation; meine K enntnis und E insicht waren so gr oß w ie d ie i rgendeines
Amerikaners sonst, wenn nicht größer.
Ich war dort während der gesamten Verhör-Phase der Untersuchung. Und vom Anfang
bis zum E nde w urden alle 3400 P ersonen ÷ damals waren es noch et was mehr ÷
befragt. Ich habe den am tlichen Bericht des FBI ni cht gesehen; i ch sprach aber t äglich
mit den Agenten und den Interviewern, wenn sie abends von ihren den ganzen Tag
füllenden Verhören zurückkamen. Und sie waren ÷ sie br achten große Enttäuschung
darüber z um A usdruck, dass sie nach A shraf m it der A ussicht geko mmen w aren,
bestimmte Leut e i n die U SA m itzunehmen, um si e dor t w egen t erroristischer
Schandtaten zu verfolgen, und Tag f ür Tag war erfolglos: Sie fanden keinen Beweis für

72
Douglas Jehl: The Reach of War: People's Mujahedeen; U.S. Sees No Basis to Prosecute Ìranian Opposition »Terror« Group
Being Held i n Ìraq. (Die Reichweite des Krieges: Die Volksmodjahedin; di e Vereinigten Staaten s ehen k eine Grundlage z ur
Verfolgung ei ner i ranisch-oppositionellen »Terror«-Gruppe, di e i m Ìrak f estgehalten wird.) New York Times vom 27. Juli 2004.
http://www.nytimes.com/2004/07/27/world/reach-war-people-s-mujahedeen-us-sees-no-basic-prosecute-iranian-opposition.html
Ìn dem Artikel heißt es auch: «Persönlich haben sich ranghohe amerikanische Regierungsvertreter dahin geäußert, es sei mehr als
25 Jahre her, dass Mitglieder der Volksmodjahedin zum letzten Mal an Angriffen auf die Vereinigten Staaten beteiligt gewesen
sein sollen; die meisten ihrer jüngeren gewaltsamen Handlungen seien gegen den Iran gerichtet gewesen.«
88 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
irgendeine gesetzeswidrige kriminelle oder terroristische Handlung. Sie gingen mit
leeren Händen zurück, und sie waren ÷ sie waren vollkommen enttäuscht.«
73
Am 26. Ju li 2004 wurde bei der t äglichen P ressekonferenz des US-Außenministeriums der
damalige stellvertretende Pressesprecher (und jetzige Botschafter) Adam Erell gefragt, ob die
Lager der M EK i m Ì rak beau fsichtigt w ürden. E r ant wortete: » Wichtig i st: a ) S ie w urden
entwaffnet; b) sie sind, wie ich früher schon sagte, in keiner Position, von der aus sie Personen
innerhalb oder außer halb des Ìrak bedr ohen k önnten. D as ist i n unseren A ugen de r
entscheidende Punkt.«

74
Am 20. Juli 2006 erklärte Generalmajor William C aldwell ( USA), der S precher für die
multinationale Truppe im Ìrak, während einer kurzen Pressekonferenz im Combined Press
Ìnformation Center (Vereinigten Ìnformationszentrum) in Bagdad:
´

»Gegenwärtig . befindet sich die MEK draußen in Ashraf in einer sicheren militärischen
Einrichtung, di e von den Koalitionstruppen tatsächlich r und um di e Uhr bewacht wird.
Sie bef inden si ch unt er st ändiger K ontrolle. Über i hren zukünftigen S tatus muss
entschieden werden, doch zur Zeit operieren sie im Irak nicht. Sie befinden sich in einer
umzäumten E inrichtung . Die K oalitionstruppen si nd dor t s tändig auf Wache, um
sicherzustellen, dass sie nicht unkontrolliert aus dem Lager herauskommen; und wenn
sie herauskommen, werden sie beständig begleitet.«
75


Diese Stellen werden als Kontext für die Einschätzung der gegen die MEK seit 2002
gerichteten Terrorvorwürfe hi er zitiert. Der Verfasser hat ei nen di eser Vorwürfe i m Report on
Ìncidents of Terrorism 2005 ( Bericht über t erroristische V orfälle 2005) des National
Counterterrorism (des Nationalen Zentrums für Terrorabwehr, NCTC,) gefunden:

»Am 31. Oktober 2005 um 20:30 Uhr brachten militante Personen in Al Basrah, Al Basra
(sic) ei ne i mprovisierte, i m Fahr zeug t ransportierbare B ombe ( VBIED) zur Explosion,
während ei ne P olizeipatrouille vo rüber fuhr. D abei w urden 15 Zi vilpersonen und 5
Polizeibeamte getötet, 71 Zivilpersonen verwundet sowie einige Restaurants, Fahrzeuge
und ei n öf fentlicher M arkt be schädigt. K eine Gruppe über nahm d ie V erantwortung,
obwohl irakisches Sicherheitsgruppe den Verdacht hat, die Modjahedin-e Khalq (MEK)
seien verwickelt.«
76


(S. o. Anlage 5 zu möglichen irakischen Einstellungen und Meinungen über die MEK, besonders
in der dassischen Gegend des südlichen Ìrak.)
Diese Studie erhebt nicht den Anspruch, jede zugängliche Ìnformation über bestätigte,
behauptete oder vermutete Aktivitäten der MEK während des letzten Jahrzehnts lokalisiert und
geprüft zu haben; doch von den geprüften Ìnformationen ist hier keine konträre unberücksichtigt

73
Massacre at Camp Ashraf: Ìmplications for U.S. Policy (Das Massaker in Camp Ashraf: Folgen für die Politik der USA); Zeugnis
von Dr. Gary Morsch, Oberst der Reserve und Präsident von Heart to Heart Ìnternational (einer internationalen Organisation für
mediztinische Hilfe), H earing des A usschusses f ür auswärtige A ngelegenheiten ÷ Unterausschusses f ür A ufsicht und
Ermittlung. Repräsentantenhaus der USA am 7. Juli 2011 ÷ http://foreignaffairs.house.gov/112/mor070711.pdf
74
U.S. D epartment of S tate, D aily P ress Briefing ( tägliche P ressekonferenz des U S-Außenministeriums), 26. Juli 2004 ÷
http://www.nctc.gov/witsbanner/docs/2005_report_on_incidents_of_terrorism.pdf
75
Ìraq Operational Update Briefing (Tägliche Ìnformationen über die Operationen im Ìrak). Generalmajor Willliam B. Caldwell ÌV.,
USA. Combined Press Ìnformation Center, Bagdad, Ìrak, am 20. Juli 2006.
76
Report on Ì ncidents of Terrorism 2005 ( Bericht über t erroristische Vorfälle 2005) . National Counterterrorism Center, 11. April
2006, S. 61 ÷ http://www.nctc.gov/witsbanner/docs/2005_report_on_incidents_of_terrorism.pdf
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 89
gelassen w orden. Fr ühere r anghohe a merikanische R egierungsvertreter, die w ährend i hrer
Tätigkeit innerhalb der Regierung Zugang zu allen den Terrorismus betreffenden Ìnformationen
hatten, äußerten si ch i n den vergangenen Monaten auf Versammlungen, die von mit der MEK
verbundenen G ruppen oder Gruppen i hrer Fr eunde or ganisiert worden waren. E inige
Kommentatoren haben di esen f rüheren Regierungsvertretern vorgeworfen, si e seien f ür ei nige
ihrer A uftritte oder al le ent lohnt w orden. D er Verfasser i st si ch be wusst, dass der Les er
diesbezügliche Umstände miterwägen wird und i st i n di esem Bewusstsein ÷ ohne das Urteil
über ander e ang esehene am erikanische B eamten, di e bei d iesen Ereignissen eben falls
gesprochen haben, beei nflussen z u wollen ÷ zu der B eurteilung gekommen, dass folgende
Zeugnisse die ehrliche Meinung des jeweiligen Regierungsvertreters wiedergeben:
Louis Freeh, FBÌ-Direktor von 1993 bi s 2001, sagte auf ei ner Podiumsdiskussion am 16. Juli
2011 in Washington D C das Folgende:

»Wir al le bl eiben i n Kontakt mit unseren Vereinigungen und Agenturen. Niemand i st zu
mir oder einem meiner Kollegen aus seiner jetzigen Stellung gekommen und hat gesagt:
·. dies ist ei ne schlimme Organisation mit terroristischer Absicht und Fähigkeit.· Es ist
nicht gesch ehen. . Das Justizministerium hat uns nicht zu ve rstehen gegeben, es
verdächtige uns der Unterstützung einer ausländischen Terrororganisation."
77


Gouverneur Tom Ridge, der erste amerikanische Minister für di e i nnere Sicherheit ÷ von 2003
bis 2005 ÷ sagte am 18. Ju ni 2011 während ei ner V ersammlung nör dlich von P aris
(beschrieben in Anlage 9) das Folgende:

»An jedem Tag, an dem ich das Vorrecht hatte, in einem öffentlichen Amt in Washington
D C Dienst zu tun, wirklich ungefähr an j edem Tag . bekamen wir eine Liste mit gegen
die Vereinigten Staaten ger ichteten Drohungen. Und i ch muss Ihnen s agen, während
dieser gesa mten Periode haben w ir uns mit Drohungen und m it Ter rororganisationen
konfrontiert gese hen ÷ Personen und G ruppen, di e di e S icherheit der V ereinigten
Staaten von Amerika bedrohten; aber ni cht ei n ei nziges Mal, wirklich ni emals, erschien
die MEK auf einer Liste als Bedrohung für die Vereinigten Staaten von Amerika. Sie sind
keine Terrororganisation.«
78


Natürlich unterscheidet sich das Recht des Vereinigten Königreiches von dem der Vereinigten
Staaten; allerdings sind in beiden Ländern Terrororganisationen betreffende Entscheidungen
der Regierung gerichtlicher Überprüfung unterworfen; ihre Streichung von den Terrorlisten kann
gerichtlich angeordnet werden. Das 144 Seiten l ange Urteil, das am 30. November 2007 v on
der P roscribed Organisations Appeal C ommission ( Berufungskommission für geächtete
Organisationen) er lassen wurde und di e vom V ereinigten K önigreich v orgenommene
Beurteilung der MEK/POMÌ als einer Terrororganisation verwarf, wurde nachfolgend vom
britischen P arlament b ekräftigt; e s folgen l ängere A uszüge dar aus; denn es spricht übe r
ähnliche, w enn ni cht di eselben A ngelegenheiten, di e g egenwärtig i m Berufungsgericht de r
Vereinigten Staaten v erhandelt werden ( ein U nterschied i st di e A bwesenheit v on [ weiteren]
Daten nach jenem Datum):

77
Louis Freeh, remarks at ,Panel Discussion: Middle East, Ì ran Spring, Obstacles, Opportunities und U.S. Policy¨ (Bemerkungen
während der ,Podiumsdiskussion zum Nahen Osten, Ìranischen Frühling, seinen Hindernissen und Chancen und zur Politik der
USA'), gefördert durch ,Human Rights and Democracy Ìnternational¨, Washington DC, am 16. Juli 2011.
78
Gouverneur T om R idge, r emarks ( Bemerkungen), P aris, V illepinte, 18. J uni 2011, Auszüge i n di eser V eröffentlichung:
http://www.ncr-iran.org/en/images/stories/ÌL/ÌL-latest2011/il-khahkeshan-July-2011.pdf
90 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit

»281.2. Obwohl die PMOI in Gestalt der NLA (National Liberation Army ÷ der Nationalen
Befreiungsarmee) vo r 2003 über beträchtliches militärisches Potential verfügte, wurde
sie unmittelbar nach der Invasion entwaffnet.
281.3. D a zur E rhärtung des Gegenteils kein M aterial vo rliegt, ka nn ei n ve rnünftig
Urteilender nur zu der Schlussfolgerung kommen, dass die PMOI seit der Entwaffnung
der PMOI/NLA im Irak nichts unternommen hat, um neue Waffen zu erwerben oder ihren
Erwerb zu versuchen oder i rgend ei n militärisches Potential i m Irak ( oder anderswo i n
der Welt) zu behal ten. Die P MOI w ar ni cht be strebt, P ersonal f ür m ilitär-artige oder
gewaltsame H andlungen zu rekrutieren; di e P MOI ha t sich nicht m it m ilitärartigem
Training i hrer M itglieder besch äftigt, und si e w ar ni cht best rebt, and ere ( seien es
Individuen, seien es Gruppen) bei gegen iranische Ziele gerichteten gewaltsamen
Handlungen zu unterstützen. .
295. In unseren Augen kann ÷ in Anbetracht des vorliegenden relevanten Materials ÷ ein
vernünftig U rteilender n ur zu dem S chluss kommen, das s es ent weder ( früheren
Behauptungen der PMOI ent gegen) nach 2001 innerhalb des Iran keinerlei militärische
Kommandostruktur i nnerhalb des Iran gab oder dass irgendwann i m Jahre 2002 ei ne
solche Struktur aufgelöst wurde. Es gibt keinen Beweis für die Annahme einer
gegenwärtig oper ierenden militärischen Struktur i nnerhalb des Iran, di e da zu benut zt
würde, gewaltsamen Angriff auf i ranische Zi ele zu planen, durchzuführen oder zu
unterstützen. E s gibt auch ke inen B eweis daf ür, dass die P MOI i nnerhalb des Iran
militärische Einheiten mit dem Zi el unt erhalte, s olche Angriffe dur chzuführen. Dies ist
verträglich m it de m B eweis der Ta tsache, da ss die P MOI seit A ugust 2001 ode r
spätestens Mai 2002 keinerlei Angriffe durchgeführt hat, und verträglich mit dem Fehlen
irgendeines Materials, das nahe l egen könnte, die PMOI habe nach i hrer Entwaffnung
im Irak im Jahre 2003 (sei es im Irak, im Iran oder auch anderswo) Waffen oder
militärisches Potential zu erwerben gesucht.
296. A uf der Grundlage des uns vorliegenden M aterials ergibt si ch, d ass die P MOI
spätestens seit 2002 soziale Netzwerke i nnerhalb des Iran unt erhält und von Freunden
unterstützt wird. Die Netzwerke haben so zialen Protest, Aktivitäten zur Sammlung von
Geld und N achrichten zu i hren A ufgaben; di ese f allen ni cht unt er di e D efinition des
·Terrorismus· im Sinne des Gesetzes von 2000.«
79
Die Regierung de s Vereinigten Königreiches legte gegen di eses Urteil Berufung ein; im Mai
2008 best ätigte der Supreme Court of Judicature Court of Appeal ( das Berufungsgericht des
Obersten Gerichtshofes) das Urteil und erklärte:

»53. Tatsache ist, dass weder im öffentlichen noch im vertraulichen Material irgendein
verlässlicher Beweis vorhanden war, der die Schlussfolgerung begünstigt hätte, die
PMOI ve rfolge i mmer n och di e A bsicht, i n de r Zuku nft t erroristische Handlungen zu
begehen.«
80

79
Urteil v om 30. N ovember 2007 dur ch di e U K P roscribed O rganisations A ppeal C ommission (Berufungskommission des
Vereinigten K önigreichs f ür geä chtete O rganisationen), i n A ntwort auf di e K lage ei ner P arlamentariergruppe gegen den
Staatsminister i m Ìnnenministerium des Vereinigten Königreiches: Ìn t he Matter of t he People's Modjahadeen Organisation of
Ìran ( Ìn S achen der O rganisation der V olksmodjahedin des Ì ran), S eiten 116 und 122 ÷
http://www.justice.gov.uk/downloads/guidance/courts-and-tribunals/tribunal/proscribed-
organisations/outcomes/PC022006%20PMOÌ%20FÌNAL%20JUDGMENT.pdf

80
Approved Judgment ( Bestätigtes Urteil), Ì n t he Supreme Court of J udicature, Court of Appeal, Application f or Permission t o
Appeal f rom the Proscribed Organisations Appeal Commission and i n the Matter of the People's Mojahadeen Organisation of
Ìran (Berufung gegen das Urteil der Berufungskommission für geächtete Organisationen in Sachen der Organisation der
Volksmodjahedin des Ìran), Fall Nr. 2007/9516, 2. Mai 2008, S. 21 ÷ http://www.unhcr.org/refworld/pdfid/4850d43b2.pdf
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 91
Abschließender Kommentar
Die Übung, z ugängliche Q uellen i n en glischer S prache i n ei ner i ntensiven, aber kurzen
Durchsicht z ur K enntnis zu nehm en und dar zustellen, m acht au s einem Generalisten d er
Außenpolitik noch keinen Experten der MEK. Der Verfasser schließt diese Darstellung ohne die
Behauptung, in jeder Frage÷ oder überhaupt in einer ÷, die die MEK betrifft, »Recht zu haben«.
Dennoch k ann man den k laren Schluss ziehen, dass viele Berichte über di e MEK und vi ele
Bestimmungen i hres Wesens, di e seit Jahren von Journalisten und Kommentatoren wiederholt
werden, i n wichtigen A spekten m it den bek annten Tatsachen, w ie si e von den
vertrauenswürdigsten Organen de r Regierungen, des Militärs, der Gerichte oder der Presse
verzeichnet und geprüft wurden, schwer zu vereinbaren sind. Darum ist die Frage hier weniger,
ob dieser Beobachter »Recht hat«, vielmehr ist zu fragen, ob andere vielleicht weniger Recht
hatten, als sie meinten, wie es schien, und ob deshalb das Publikum sich auf sie als
Ìnformationsquellen verlassen kann, wenigstens hinsichtlich dieses Themas.
Wie gut verstehen wir die MEK?
Geheimdienste der A lliierten, K örperschaften d er i nneren S icherheit u nd der R echtspflege
haben best ätigt, dass das iranische Ministerium für Geheimdienste und Sicherheit und ande re
Organe des Regimes seit vielen Jahren sich mit großem Aufwand bemühen, falsche und
verleumderische Geschichten über die MEK in Europa, Kanada, in den Vereinigten Staaten und
im Ìrak zu verbreiten. Solche ausgeklügelten Anstalten würden nicht für der Mühe wert
gehalten, wenn diese Vorwürfe wirklich wahr wären und vom Einzelnen wie von allen leichter
verifiziert werden könnten.
Soweit di ese S tudie di e, di e ei n besse res Wissen, ei ne si cherere E rkenntnis von der MEK
anbieten, mahnt, ihre Behauptungen mit wahren Fakten zu untermauern, motiviert nicht so sehr
ihr A nsehen, so ndern das Ansehen de r V ereinigten S taaten di ese Ü berlegungen, w ie i m
Folgenden erklärt wird.

Zu den w ichtigsten E mpfehlungen der Q uadrennial D iplomacy and D evelopment R eview
(Vierjährige Übersicht über Diplomatie und Entwicklung, engl. Abkürzung QDDR), die zum
ersten M al i n der G eschichte a m 15. D ezember 2010 v on A ußenministerin C linton
herausgegeben wurde, gehört di e Empfehlung, mit Unterstützung des Kongresses ein neues
Büro für Terrorismusabwehr ei nzurichten. D adurch w ürden R ang und Mittel der pol itischen
Funktion, di e bi sher v om K oordinator für Terrorismusabwehr i m A ußenministerium ( S/CT)
ausgeübt wird, angehoben werden. Ein zukünftiger Staatssekretär für Terrorismusabwehr wird,
wenigstens auf dem Papier, gleichen Ranges sein wie der Staatssekretär für Nahost-
Angelegenheiten, der für di e Gestaltung der US-Politik und de r Beziehungen der Vereinigten
Staaten mit Ländern des Nahen Osten ei nschließlich des Ìran verantwortlich i st. Die Frage i st:
Wird dieser Beamte der Außenministerin eine eigenständige »Terrorismusabwehr-Politik« zu
bieten haben?
Politik der Terrorismusabwehr ÷ ist sie von der US-Außenpolitik als ganzer
zu unterscheiden?
Obige Übersicht über Entscheidungen, mit denen di e MEK und i hre Schwesterorganisationen
auf di e Li ste ausländischer Terrororganisationen g esetzt wurden, hat i mmer wieder bemerkt,
dass über einen Zeitraum von 25 Jahren solche Entscheidungen nicht so sehr infolge empirisch
92 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
gemessener terroristischer Handlungen, die der MEK zugeschrieben wurden, getroffen wurden,
obwohl solche Handlungen i n formaler Weise als Rechtfertigung angeführt wurden. Vielmehr
hat sich immer wieder eine Entscheidung, drängende Forderungen des Regimes in Teheran zu
erfüllen, al s für di e E instufung ent scheidend g ezeigt. D abei ho ffte m an au f ei n
entgegenkommendes Handeln der G egenseite i n A ngelegenheiten, d ie f ür di e U SA v on
höchster Wichtigkeit waren.
Vielleicht hat die US-Regierung heute schwer an den Folgen dieses Kalküls zu tragen. Es ist
legitim und angemessen, dass US-Beamte prüfen, welche außenpolitischen Fol gen es haben
kann, wenn sie die MEK und ihre Schwesterorganisationen aus der Liste der ausländischer
Terrororganisationen streichen, i m Einklang mit der Forderung, si ch zu vergewissern, dass die
Handlungen der MEK, i n der Sprache der pol itischen Lei tlinien des Außenministeriums, »di e
Ìnteressen de r na tionalen S icherheit (auf den G ebieten der nat ionalen V erteidigung, de r
auswärtigen Beziehungen, oder der Wirtschaft)« ni cht bedr ohen. Aber es lässt g ewiss keine
Diskussion z u, dass es z uallererst, bev or man i nternationale Nebenschäden abwägt, da rum
geht, ob di e f ragliche K örperschaft über haupt T errorismus oder t erroristische H andlungen
begeht. Auf der Grundlage di eses Berichts schließt der Verfasser, dass j ede Ì nformation, di e
Terrorhandlungen der MEK, die in l etzter Zeit passiert wären, glaubwürdig bewiese, geheim
sein müsste; di e of fenen Quellen, di e f ür di ese Studie dur chgesehen wurden, l egen deut lich
nahe, dass solch ein Verhalten nicht vorkommt.

Erinnern S ie si ch an d en doppel ten Zw eck der Terrorliste ( siehe di e E inführung): »di e
Unterstützung für t erroristische Aktivitäten zu drosseln« und »Gruppen unter Druck zu setzen,
dass sie den T errorismus aufgeben sollen«. Wenn es bestätigt wird, dass eine ausl ändische
Organisation i n den l etzten zw ei b is fünf Ja hren H andlungen beg angen hat , di e unt er di e
Definition terroristischer Handlungen fallen, sind die Sicherheitsinteressen der USA verletzt, und
der Mechanismus der Einstufung einer Organisation als ausländischer Terrororganisation ist ein
Einflussmittel, die von der Organisation ausgehende Gefahr einzudämmen und hoffentlich auf
eine posi tive V eränderung i hres Verhaltens hinzuwirken. E ine so lche G ruppe ni cht al s
ausländische Terrororganisation einzustufen, wäre bedenklich.
Messung des Erfolgs
Ìst aber umgekehrt, wenn eine ausländische Organisation, die als Terrororganisation eingestuft
ist, nicht befunden wird, in den l etzten zwei bi s fünf Jahren Terrorhandlungen begangen zu
haben, m it t erroristischer T ätigkeit be fasst z u se in oder H andlungen dieser A rt geplant z u
haben, ÷ ist dann irgendeine Handlung außer der, die Gruppe von der Liste zu nehmen,
angemessen? Ìn solch einer Situation kommen mehrere Gründe, die Einstufung aufzuheben, in
Betracht:
· Erstens: Die Ì ntegrität des weltweiten Prozesses der Einstufung al s Terrororganisation
und der Einfluss, den d as Verfahren auf t erroristische Gruppen ausüben soll, würden
durch die Aufhebung gestärkt und nicht potentiell geschwächt.
· Zweitens: Wenn man e s vor dem Hintergrund einer außenpol itischen E rwägung, di e
man für wichtiger hi elte al s die Ì ntegrität des E instufungsprozesses, abl ehnte, die
Einstufung ei ner Gruppe, di e i n den l etzten zwei b is fünf Jahren keine ihr
entsprechenden Handlungen begangen hätte, aufzuheben, würde sich bei vielen
Beobachtern der Verdacht verstärken, dass der Einstufungsprozess politisiert sei.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 93
· Drittens, und dies scheint am wichtigsten: Einer US-Politik, die ausdrücklich darauf
angelegt ist, Gruppen vom Terrorismus abzubringen, wäre es sonst [wenn man sie nicht
von der Liste nähme, Zusatz des Übersetzers] verwehrt, sich einen großartigen Sieg
zuzuschreiben, nämlich eine Gruppe durch Druck »aus der Terrorismusszene gedrängt
zu haben«.

Nach Ansicht des Verfassers müssen di e Einstufungen von Gruppen als Terrorgruppen von
Terror handeln, und die US-Regierung i st völlig i n der Lage, solche Urteile i n di eser Weise zu
erarbeiten und z u er läutern, ohne dass der Ì ran oder ei ne ander e S eite i hre w eiteren
außenpolitischen Zi ele g efährlich fehl interpretiert. D ie R egierung i n T eheran ha t neue
Erfahrungen damit, dass zwei wichtige Regierungen ÷ die britische und di e französische ÷ eine
juristische Überprüfung vornahmen, die die Entfernung der MEK von ihren Terrorlisten und der
Terrorliste der Europäischen Union zur Fol ge h atte ÷ nach Ja hren, i n denen der Ì ran Druck
ausübte, u m genau di ese E rgebnisse z u v erhindern. Ìn keinem Fal l hat der Ìran e rnsthafte
Vergeltungsmaßnahmen unternommen.
Abwägung der möglichen Reaktion des Iran auf die Streichung der MEK
von der Terrorliste
Tatsächlich ist es nicht die größte Sorge des Ìran, dass die MEK im Falle, dass sie vom US-
Außenministerium von der Terrorliste entfernt würde, sich in den USA leichter um politische und
öffentliche Unterstützung bemühen könnte. Wie die lautesten Kritiker der MEK als erste
argumentiert haben, hat di e MEK j a schon öffentliche Äußerungen der Unterstützung er strebt
und hat si e auch erhalten, und zwar von ei nem »Who's who« ( einer Sammlung prominenter
Namen) von hervorragenden früheren Beamten der Sicherheits- und Außenpolitik der USA.
Nein, wenn d ie MEK au s der Terrorliste gestrichen wird, werden ander e dar über z u ur teilen
haben, welchen Einfluss si e i m Ì ran gewinnen k ann. Es besteht keine Dringlichkeit, si ch mit
dieser Frage zu befassen. Was die US-Entscheidungsträger erkennen müssen, ist dies: Weder
Teheran noch Washington werden schließlich darüber best immen, was das Volk des Ìran von
der MEK hält.
Ìm Ganzen k ann g esagt w erden: D ie E ntfernung der M EK von der T errorliste w ürde di e
Ìnteressen der USA in Bezug auf den Ìran nicht destabilisieren oder unterminieren. Die
Behörden i n T eheran s ind si ch des anhängenden G erichtsverfahrens i n Washington w ohl
bewusst und v erstehen, dass das US-Recht dem K ongress und der R echtsprechung di e
Möglichkeit bi etet, ei ne Änderung de r P olitik ei nzuleiten, wenn das Außenministerium keine
Gründe für die Beibehaltung der Terroretiketts vorweisen kann. Die Entscheidung, die MEK auf
der Liste stehen zu lassen oder sie aus ihr zu streichen, sollte nach ihrem inneren Sinn
getroffen werden, zum Nutzen der Terrorabwehrbemühungen der USA in der ganzen Welt. Das
Außenministerium wäre gut beraten, wenn es klarstellte, dass die Entfernung [der MEK] von der
Terrorliste ÷ wenn si e durch di e Fakt en gerechtfertigt wird ÷ kein außenpol itisches Signal i st,
sondern ei ne Maßnahme der T errorabwehr, di e der P olitik und dem R echt der V ereinigten
Staaten entspricht.

Niemand, der diese kurze Studie liest, sollte außer Acht lassen, dass et wa 3400 Personen,
untersucht auf mögliche Beteiligung an terroristischen Handlungen, in Camp Ashraf, formell mit
Die Verpflichtung der USA in Camp Ashraf
94 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit
dem Status von »geschützten Personen« nach der Vierten Genfer Konvention versehen und
dann 2003-2004 unter den militärischen Schutz der Vereinigten Staaten gestellt, zwei t ödliche
Angriffe von der Hand bewaffneter irakischer Kräfte erlitten haben, Angriffe, durch die die
erwähnten Verpflichtungen verletzt wurden. Bei den Angriffen, verübt am 28. Juli 2009 und a m
8. April 2011, wurden 47 unbewaffnete Zivilpersonen getötet und Hunderte verwundet.
Vor dem e rsten A ngriff, am 1. Ja nuar 200 9 w ar di e K ontrolle über C amp A shraf v on de n
Militärkräften der USA unter Kommando von General David Petraeus, Kommandeur der
Multinationalen Streitmacht Ìrak (MNF-Ì) auf die souveräne Kontrolle des Ìrak übergegangen.
Der frühere US-Justizminister Michael B. Mukasey hat vor dem Kongress als Zeuge ausgesagt:
General Petraeus »hat gesagt, er sei nur dann ei nverstanden, dass i rakische Sicherheitskräfte
die K ontrolle über nähmen, w enn er von der i rakischen R egierung di e ausd rückliche und
schriftliche Zusage erhielte, dass der geschützte Status der Bewohner von Ashraf gewissenhaft
beachtet würde.«
81
Dass diese V erpflichtungen v erletzt w urden und dass Zivilpersonen um s Leben kamen,
nachdem si e sich den am erikanischen Zusi cherungen und de m S chutz der A merikaner
anvertraut ha tten, macht di e A ngriffe au f C amp A shraf noch s kandalöser und noch
verheerender für Ehre und Ansehen der Amerikaner als der Skandal um die Misshandlungen im
Gefängnis Abu Ghraib, obwohl i m Fall von Ashraf da s Medieninteresse v iel schwächer war.
Nach Ansicht des Verfassers muss jemand, der sich fragt, warum so viele hohe Militärführer der
USA sich aktiv in der Sache der Einstufung der MEK als Terrororganisation engagiert haben,
nicht weiter suchen.

Und di es ist k eine r ein m ilitärische A ngelegenheit. D ie K arriere des Verfassers als ziviler
politischer B eamter i n der U S-Regierung be gann 1981. D arin g ing es darum, B eziehungen
zwischen den Armeen verschiedener Länder zu fördern, weiterhin um wirksame Programme zur
Unterstützung v on S icherheitskräften und ei ne ang emessen geregelte P olitik des
Waffenexports. Ìn di esem Zusa mmenhang w ar v ier Ja hre l ang di e [ mir] v om P räsidenten
übertragene Autorität über nahezu alle Waffentransporte auszuüben, entsprechend dem Gesetz
über die Kontrolle von Waffenexporten; weiterhin war ich Co-Autor des ständigen Ratgebers für
US-Botschaften i n aller Welt, mit dem das so genannte Leahy-Gesetz, welches den Auftrag
enthält, bei B eziehungen z ur U nterstützung de r S icherheit, di e vom U S-Außenministerium
finanziert w erden, M enschenrechtsstandards a nzuwenden, ÷ mit de m di eses G esetz z ur
Wirkung gebracht wird..
82
Videos, die zeigen, wie Humvee-Fahrzeuge, die von den USA geliefert worden waren, in hoher
Geschwindigkeit Bewohner von Ashraf überfahren, si nd epi demisch geworden und können mit
jeder Ì nternet-Suchmaschine au fgerufen werden. Ì rakische S oldaten, di e v on der US-Armee
ausgebildet worden waren, schießen kniend auf entsetzte unbewaffnete Frauen und Männer ÷:
das sieht m an deut lich auf di esen ei nfachen, aber k laren V ideoclips. W enn di e R egierung
keinen Bericht an den Kongress nach »Abschnitt 3« des AEACA erstellt, in dem der Missbrauch
der von den USA an de n Ì rak gelieferten Verteidigungsausrüstung dar gestellt wird, muss sie
das noch tun. Ferner sollte die US-Botschaft in Bagdad einen Bericht an das Außenministerium
verfassen, in dem die i rakischen Soldaten, di e den Einheiten angehören, di e an den Angriffen
auf C amp A shraf t eilgenommen haben , i dentifiziert w erden; das Ministerium muss dann
Sowohl das Gesetz über di e Kontrolle von Waffenexporten ( AECA)
als auch das Leahy-Gesetz si nd of fenbar v on i rakischen M ilitärkräften, di e v on den U SA
ausgebildet und ausgerüstet worden waren, verletzt worden.

81
Zeugenaussage von Michael B. Mukasey vor dem Ausschuss des Repräsentantenhauses f ür auswärtige Angelegenheiten ÷
Unterausschuss fr Überwachung und Untersuchungen, 7. Juli 2011 ÷ http://foreignaffairs.house.gov/112/muk070711.pdf
82
Ein paralleles, aber eigenständiges »Leahy-Gesetz« wendet die Durchsetzung der Menschenrechte auf Mittel an, die vom US-
Verteidigungsministerium zur Unterstützung von Sicherheitskräften vergeben werden.
Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 95
beurteilen, ob di ese Einheiten schwere Menschenrechtsverletzungen begangen haben, und die
Folge müsste sein, dass die identifizierten Personen fortan von der Möglichkeit, US-Ausbildung
und Hilfe zu erhalten, ausgeschlossen wären. So pol itisch unbequem und für di e militärischen
Beziehungen störend in dieser, wie zuzugeben ist, kritischen Zeit diese Maßnahmen auch sein
mögen, sie sind vom Gesetz verlangt. Sie müssen durchgeführt werden und werden schließlich
dem Ansehen und Einfluss der USA in der Welt zugute kommen.

Wie e ine Politik, mit de r man L eben r etten will, d as Gegenteil b ewirken
kann
Manchen mag es scheinen, als hätte die Frage, wie man den Schutz der Bewohner von Camp
Ashraf sicherstellen kann, mit der Entscheidung des Außenministeriums, ob man die Einstufung
der MEK als Terrorgruppe beibehalten oder aufheben soll, nichts zu tun. Ìn Wirklichkeit sind es
nicht erst die Fürsprecher der Aufhebung in den Vereinigten Staaten, die diese beiden Themen
in ihrer Verbindung sehen: der Ìran und der Ìrak haben es beide schon getan. Der Ìran verlangt
schon lange die Vertreibung der MEK-Mitglieder aus dem Ìrak. Ìm Februar 2009 kamen, wie die
nächste Beilage ber ichtet, der Oberste Führer Khamenei und P räsident Talabani i n Teheran
zusammen, um zu erörtern, wie ein beiderseitiges Einverständnis, genau dies zu tun,
umgesetzt w erden so llte. T alabani so ll g eantwortet haben: »D ie i rakische R egierung i st
entschlossen, sie zu vertreiben und will mit diesem Beschluss vorangehen.« Der erste Angriff
irakischer Truppen auf Camp Ashraf fand ein paar Monate später statt.
.
Mitglieder des US-Kongresses, di e si ch t atkräftig bemüht haben, weiteren Schaden v on den
Bewohnern Ashrafs abzuwenden, zweifeln ni cht an der Wirkung der Einstufung der MEK al s
Terrororganisation au f die S icherheit di eser M enschen. A uf ei nem K ongress-Hearing, da s
wenige Tage nach de m Angriff stattfand, bei dem 34 Bewohner von Ashraf getötet wurden,
sagte der Repräsentantenhausabgeordnete Brad Sherman, Mitglied der Demokratischen Partei
aus Kalifornien: »Ìn privaten Diskussionen hat das Büro des irakischen Botschafters gesagt, da
die MEK als Terrorgruppe geführt werde ., sei der Ìrak nicht der Meinung, dass er die
Menschenrechte der Bewohner des Lagers achten müsse.« Sein republikanischer Kollege, der
Abgeordnete Ted Poe aus Texas, sagte auf ei nem späteren Hearing: »Als ich . Maliki . mit
anderen Mitgliedern des Ausschusses einen beinahe zweistündigen Besuch machte, . sagte
er, dass die Leute i n Ashraf vom Ì rak so behandelt werden, wie si e behandel t werden, l iege
zum T eil dar an, dass das US-Außenministerium si e nach w ie vo r al s ausländische
Terrororganisation bezeichnet.«
Wenn politische Planer in den Vereinigten Staaten besorgt sind, die Entscheidung, die MEK von
der Terrorliste z u st reichen, könnte das Vorankommen de r a merikanisch-iranischen
Beziehungen st ören, t äten si e gut dar an, zu bedenk en, wie si e es erklären wollen, wenn si e
auch ei n dr ittes M al de n t ödlichen A ngriff v on S oldaten, di e v on A merika aus gebildet un d
ausgerüstet w urden, auf ei ne w ehrlose G emeinschaft v on unsch uldigen Menschen weder
vorausgesehen noch verhindert haben werden, ÷ auf Menschen, die Personalausweise mit dem
Vermerk »Geschützte Person« haben, di e i hnen v on den V ereinigten S taaten aus gestellt
wurden.
96 Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit

Bloomfield: Die iranische Volksmodjahedin und die Suche nach begründeter Wahrheit 97
AFP
28. Februar 2009
Der Iran drängt den Irak, eine oppositioneIIe Gruppe zu vertreiben
[Foto:]
Der irakische Präsident Jalal Talabani (Mitte) mit dem Höchsten Führer des Ìran, Ayatollah Ali Khamenei (rechts)
TEHERAN ( AFP). ÷ Der Höchste Führ er des Ì ran, A yatollah A li K hamenei, dr ängte den z u
Besuch bei i hm w eilenden i rakischen P räsidenten Ja lal T alabani, di e w ichtigste i ranische
Opposition aus dem i rakischen Territorium zu vertreiben; so ber ichtet di e Nachrichtenagentur
ÌSNA.
»Wir erwarten, dass unsere Vereinbarung zur Vertreibung der Heuchler ausgeführt wird,«
sagte er , dabei ei nen B egriff v erwendend, de n di e Ì slamische R epublik g ebraucht, um di e
exilierte Hauptopposition zu bezeichnen: die »Volksmodjahedin des Ìran (PMOÌ)«.
Er führte das nicht weiter aus, doch gegen Ende Januar sagte der Nationale Sicherheitsberater
Muwafaq al-Rubaie in Teheran, Bagdad plane, die Mitglieder der iranischen Opposition, die
»iranisches Blut an den Händen haben«, auszuweisen.
»Die Mitglieder di eser G ruppe haben nu r di e Wahl, i n den Ì ran z urückzukehren ode r ei n
anderes Land zu wählen. . Diese Leute werden selbst wählen, wohin sie gehen wollen,« sagte
damals Rubaie vor Reportern.
Gegründet im Jahre 1965 mit dem Ziel, den von den USA unterstützten Schah und danach das
islamische Regime i m Ì ran zu stürzen, operierte die PMOÌ in der Vergangenheit im Ìran al s
bewaffnete Gruppe.
Sie war der bewaffnete Flügel des in Frankreich behei mateten »Nationalen Widerstandsrates
Ìran (NCRÌ)«, doch im Juni 2001 schwor sie der Gewalt ab.
ÌSNA sagte, Khamenei geißele auch ei ne i m Januar er folgte Entscheidung der Europäischen
Union, di e P MOÌ v on der Terrorliste E uropas z u st reichen ÷ und dies nach ei nem i n
Großbritannien ausgefochtenen Rechtsstreit.
Er sagte: Der Schachzug »zeigt: Ein Terrorist zu sein, das ist Vertragssache und basi ert ni cht
auf der Realität; und doch sind sie nicht bereit, sie in ihre Länder aufzunehmen.«
Die Agentur zitierte Talabani, der in seinen Gesprächen mit Khamenei sagte: Die PMOÌ »hat an
den Ì rakern v iele Verbrechen v erübt, und di e i rakische R egierung i st ent schlossen, si e z u
vertreiben, und wird mit Entschiedenheit vorgehen.«
Bagdad kündigte am 21. Dezember an, es plane die Schließung des Lagers Ashraf nördlich von
Bagdad und nahe de r i ranischen Grenze, wo et wa 3.500 Mitglieder der PMOÌ in ei ner Art von
Hausarrest gehalten werden.
Am 1. Januar ging der irakische Premierminister Nouri al-Maliki noch weiter und sagte, er werde
die PMOÌ aus dem Land vertreiben.
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