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STUDIO NORDBAHNHOF

Auch beim

Mountainbike-

Kauf gibt es Liebe auf den ersten Blick. Doch Vorsicht:

Nur wenn Bike- Geometrie und Fahrer

zusammen-

passen, gibt’s auf demTrail ein Happy-End. Hier die bestenTipps

zur

Partnerwahl.

PREIS: 0,50 EURO

76 Mountain BIKE

PARPAR

DER SCHNEL

© 2003 MOUNTAINBIKE-MAGAZIN.DE

leserservice@mountainbike-magazin.de

TNERWAHLTNERWAHL

LE WEG ZUR OPTIMALEN BIKE-GEOMETRIE

W elche Rahmengröße soll

es denn sein? Ein Medi-

um- oder eher ein Large-

Rahmen?“ fragt der Ver-

käufer mit schneidiger Präzision. Klaus Wagner läuft es kalt den Rücken hinun- ter, seine Hände werden feucht, er spürt die bohrenden Blicke des Verkäufers. Dabei hatte er sich so gut vorbereitet, hatte wochenlang Kataloge gewälzt, Magazine studiert, Bike-Shops besucht und nach langem Grübeln endlich sein Traumbike gefunden – ein Specialized Epic XC sollte es sein. Doch mit einem Schlag erweisen sich alle Vorbereitungen als wertlos, denn an einen Geometriecheck hatte er nicht ge- dacht. Ein Kardinalfehler, denn so mu- tiert der Bike-Kauf zum Glücksspiel. Medium oder Large – ein Größenroulet- te mit dem Einsatz von 3750 Euro. „Die meisten Mountainbiker schen- ken der Bike-Geometrie beim Kauf viel zu wenig Aufmerksamkeit“, bestätigt auch Mountain BIKE-Techniker Mario Sillack, selbst jahrelanger Shopbesitzer. Denn es genügt nicht, nur mit einer el- lenlangen Sattelstütze die richtige Sitz- höhe zu finden, wie es einem Verkäufer in den Läden immer wieder weisma- chen wollen. „Ein Bike muss sitzen wie ein Maßan- zug“, erläutert Sportwissenschaftler Kim Tofaute von der Sporthochschule Köln. Schließlich drohen nicht nur gesund- heitliche Wehwehchen wie Nacken- schmerzen, Knieprobleme oder einge- schlafene Hände, sondern auch eklatan- ter Leistungsverlust, wenn Sitzposition und Hebelverhältnisse nicht zur Fahrer- statur passen. Doch das ist häufig der Fall – selbst unter routinierten Mountainbikern. „Mehr als 50 Prozent der Marathon- Starter fahren mit angezogener Hand- bremse“, so die Beobachtung des Kölner Wissenschaftlers. Hauptursache sind

dabei in erster Linie zu kleine und zu kurze Rahmen, die den Fahrer in eine kraftraubende, extrem gekrümmte Sitz- position zwängen und effizientes Peda- lieren unterbinden. Viele Mountainbiker sind sich dessen gar nicht bewusst. Woher auch? Nur ei- nige Firmen und Bikeshops wie etwa Bicoplus-Händler geben klare Größen- empfehlungen. Für alle Mountainbiker, die nicht län- ger eine uneffiziente Sitzposition hin- nehmen möchten, hat Mountain BIKE daher die BIFS-(Body-Index-Frame-Si- zing)Methode entwickelt. Sie berechnet in einfachen Schritten die optimale Rah- mengeometrie und garantiert eine opti- male Sitzhaltung (siehe Seite 48). BIFS ist nicht nur für den Neukauf eines Bikes oder Rahmens geeignet, sondern bietet auch die Möglichkeit, ein bereits vorhan- denes Bike auf Schwachstellen zu analy- sieren und gezielt zu verbessern. Punkt eins auf dem Weg zum Opti- mum ist die Ermittlung der Körper- maße. Schritt für Schritt können Sie aus

Ihrer Arm-, Rumpf- und Schrittlänge Ih- re ganz persönlicheTop-Geometrie und die Maße für Sitz-, Ober- und Steuer- rohr sowie die Vorbaulänge ermitteln. Der Clou bei der BIFS-Methode: Zu- sätzlich zu den Körpermaßen fließen unterschiedliche Fahrstile und Einsatz- bereiche in die Geometrie-Berechnung mit ein. Wer regelmäßig mit einem schweren Rucksack aufTour geht, kann schließlich nicht so gestreckt über dem Oberrohr liegen wie ein Cross-Country- Rennfahrer. Der wiederum würde kei- nen Berg erstürmen, wenn sein Bike die Geometrie eines Freeriders besäße. In etwa einer halben Stunde haben Sie Ihre persönlicheTop-Geometrie nach der BIFS-Methode ermittelt. Doch dann fängt die eigentliche Arbeit, sprich die Suche nach dem optimalen Bike oder Rahmen, erst an. Sicherlich stehen hierbei Mar- ken-Image, Ausstattung und Preis eben- falls im Fokus, doch die Kaufentschei- dung sollte erst nach dem Geometrie- Check fallen. Das wichtigste Maß für den Geometrie-Vergleich ist die Oberrohrlän-

BIKE-GEOMETRIE: BIKE-GEOMETRIE: RAHMENMASSE, RAHMENMASSE, AUF AUF

DIE DIE ES ES BEIM BEIM MOUNTAINBIKE MOUNTAINBIKE ANKOMMT ANKOMMT

Körperstatur und Bike-Geometrie: Erst wenn beide perfekt zusammenpassen, ist der Bike-Spaß vollkommen. Und so ermitteln Sie die entscheidenden Maße am Bike-Rahmen.

A Sitzrohrlänge: von der

Tretlagerwelle (Mitte) bis zum Schnittpunkt Oberrohr–Sitzrohr

(Mitte–Mitte).

B SITZWINKEL: vom Sitzrohr zur

Waagerechten – mit Winkelmes- ser (auch „C“). C LENKWINKEL: vom Steuerrohr oder Gabelschaft zur Waage-

rechten – mit Winkelmesser.

( ( E D C G A B F
(
(
E
D
C
G
A
B
F

D OBERROHRLÄNGE: vom

Schnittpunkt Steuerrohr–Ober- rohr (Mitte–Mitte) waagerecht (!) bis zu Sitzrohr oder Sattelstütze (Mitte).

E VORBAULÄNGE: vom Gabel-

schaft zum Lenker (Mitte–Mitte).

F TRETLAGERHÖHE: von der

Mitte der Kurbelschraube bis zum Boden.

G STEUERROHRLÄNGE: das

Maß zwischen oberer und unte- rer Steuersatzschale.

STEP   1 KÖRPERMASSE Stellen Sie sich mit R ü cken und Fersen an eine

STEP

 

1

KÖRPERMASSE

Stellen Sie sich mit Rücken und Fersen an eine Wand, Füße (barfuß) etwa 20 Zentimeter auseinander. Zum Messen brau- chen Sie jemanden, der Ihnen Hilfestellung leistet.

u Körperlänge: vom Boden zum Brustbein (an der kleinen, V-förmigen Einbuchtung). v Schrittlänge: vom Boden bis zur Oberkante eines Buches (circa 5 cm dick), das zwi-

schen den Beinen bis zum Schritt angehoben wurde. w Armlänge: von der Mitte der geballten Faust bis zum Ansatz des Schlüsselbeines bei ge- strecktem Arm.

Das Wichtigste zuerst – schließlich soll sich das Traum- Bike an Sie anpassen und nicht umgekehrt. Drei Maße sind entscheidend für die Rahmenwahl (siehe Bild links). Sie messen jedes Maß mehrmals, bilden den Durchschnitt und tragen diesen jeweils hier unten ein. Diese Werte dienen als Basis für die Berechnung der Rahmenmaße.

 

Bitte Ihre persönlichen Werte eintragen

u KÖRPERLÄNGE

v SCHRITTLÄNGE

w ARMLÄNGE

 

mm

mm

mm

DER DER WEG WEG ZUR ZUR

TOP-GEOMETRIE TOP-GEOMETRIE

Berechnen Sie Ihre optimale Rahmengeometrie nach der neuen BIFS-(Body-Index-Frame- Sizing)Methode. Gehen Sie die Anleitung Schritt für Schritt durch und tragen Sie am Schluss alle ermittelten Fixwerte unter Punkt 7 ein!

 

STEP

 

2

RAHMENGRÖSSE

 

Sie suchen in der ersten Spalte Ihre Schrittlänge (ggf. auf- oder abrunden) und tragen die dazu gehörigen Werte (gleiche Zeile) unten ein. Achtung: Falls Sie auf- oder abrunden mussten, den Differenzbetrag bei der Sitzrohrlänge addieren oder subtrahieren.

 

SCHRITTLÄNGE

SITZROHRLÄNGE

STEUERROHR-

VORBAULÄNGE*

(IN MM)

(IN MM)

LÄNGE (IN MM)

(IN MM)

710

345

90

95

738

360

90

95

763

380

90

100

788

405

90

105

813

425

100

115

838

445

110

120

865

470

120

125

890

490

130

130

915

515

140

135

940

540

155

140

965

565

180

140

990

590

200

150

1015

615

200

150

1040

640

200

150

 

Bitte Ihre persönlichen Werte eintragen

 
   

SITZROHRLÄNGE

 

STEUERROHRLÄNGE

 

VORBAULÄNGE

*

für 10˚-Vorbau

mm

 

mm

 

mm

 

Fixwert

Fixwert

Rechenwert

mm   mm   Fixwert Fixwert Rechenwert STEP REICHWEITE 3 Um Ihre optimale Oberrohrl ä nge

STEP

REICHWEITE

  Fixwert Fixwert Rechenwert STEP REICHWEITE 3 Um Ihre optimale Oberrohrl ä nge berechnen zu k

3

Um Ihre optimale Oberrohrlänge berechnen zu können, müssen Sie erst einmal als Zwischenschritt die Reichweite anhand Ihrer gemessenen Körpermaße nach der unten dargestellten Gleichung bestimmen.

ß e nach der unten dargestellten Gleichung bestimmen. K Ö RPERL Ä NGE u mm Fixwert

KÖRPERLÄNGE

u

mm Fixwert
mm
Fixwert

w ARMLÄNGE

mm Fixwert
mm
Fixwert

v SCHRITTLÄNGE

+-=

mm

Fixwert

REICHWEITE

mm Rechenwert
mm
Rechenwert

STEP

   

4

SITZLÄNGE

Gehen Sie mit der in Step 3 berechneten Reichweite in die Tabelle (ggf. runden) und lesen sie die entsprechende Sitzlänge ab.

 

REICHWEITE

SITZLÄNGE

 

(IN MM)

(IN MM)

970

625

1020

645

1070

655

1120

670

1170

690

1220

710

1270

715

1320

730

1370

740

1420

745

1470

760

1520

780

1580

790

1630

805

1680

815

Bitte Ihre persönli- chen Werte eintragen

SITZLÄNGE

 

mm

Rechenwert

78 Mountain BIKE
78 Mountain BIKE
SITZL Ä NGE   mm Rechenwert 78 Mountain BIKE STEP OBERROHRL Ä NGE 5 Zur vorl

STEP

OBERROHRLÄNGE

mm Rechenwert 78 Mountain BIKE STEP OBERROHRL Ä NGE 5 Zur vorl ä ufigen Oberrohrl ä

5

Zur vorläufigen Oberrohrlänge subtrahieren Sie die in Step 2 ermittelte Vorbaulänge von der in Step 4 abgelesenen Sitzlänge. Achtung: Die hier ermittelte Oberrohrlänge wird in Step 6 noch korrigiert. Rechenwert!

Oberrohrl ä nge wird in Step 6 noch korrigiert. Rechenwert! SITZL Ä NGE AUS STEP 4

SITZLÄNGE

AUS STEP 4

mm Rechenwert
mm
Rechenwert

-

VORBAULÄNGE

AUS STEP 2

mm Rechenwert
mm
Rechenwert

THEOR. OBERROHRLÄNGE

=

mm Rechenwert
mm
Rechenwert

STEP

IHRE

MB-TOP-

 

7

 

GEOMETRIE

Tragen Sie hier alle (!) Fix- werte ein, die Sie von Step 1 bis Step 6 ermittelt haben das ist Ihre persönliche Traum-Geometrie nach BIFS,

 

die Ihnen Flügel verleiht.

 

Körpermaße

 

AUS STEP 1

 

cm

 

KÖRPERLÄNGE

 
 

cm

 

SCHRITTLÄNGE

 
 

cm

 

ARMLÄNGE

 

Rahmengeometrie

 
 

cm

 

SITZROHRLÄNGE

 
 

cm

 

OBERROHRLÄNGE

 
 

cm

 

STEUERROHRLÄNGE

 
 

cm

 

VORBAULÄNGE

 

STEP

 

6

KORREKTUR

 
   
 

Hier ermitteln Sie Ihre finalen Werte für die Oberrohr- und Vorbaulänge. Kor- rigieren Sie die theoretische Oberrohrlänge aus Step 5 anhand der unten

 

gelisteten Tabelle. Verfahren Sie mit dem Vorbauwert aus Step 2 genauso.

   

OBERROHRLÄNGE

 

VORBAULÄNGE

 

BIKE-TYP

CROSS-COUNTRY

 

 

TOUR

–15 mm

–10 mm

FREERIDE

– –40 mm

 

GESCHLECHT

MÄNNLICH

– –

   
 

WEIBLICH

–15 mm

Bitte Ihre persönlichen Werte eintragen

OBERROHRLÄNGE

 

VORBAULÄNGE

 

mm

   

mm

 

Fixwert

 

Fixwert

THOMAS STREUBEL

THOMAS STREUBEL Wie hoch sollte der Sattel ein- gestellt sein? Mit der Formel „ Schrittl ä

Wie hoch sollte der Sattel ein- gestellt sein? Mit der Formel Schrittlänge mal 0,885bestimmen Sie den Abstand Tretlager zur Satteloberkante (entlang des Sitzrohrs gemessen). Addieren Sie 12 cm dazu, wenn Ihre Pedale besonders hoch bauen oder die Schuhe eine extra

dicke Sohle aufweisen.

bauen oder die Schuhe eine extra dicke Sohle aufweisen . NUR DER RICHTIG RAHMEN GARANTIERT AUF

NUR DER RICHTIG RAHMEN GARANTIERT AUF DEM TRAIL VOLLEN SPEED

DER RICHTIG RAHMEN GARANTIERT AUF DEM TRAIL VOLLEN SPEED ge, die im Gegensatz zur Sitzrohrlänge nur

ge, die im Gegensatz zur Sitzrohrlänge nur wenige Millimeter Abweichung ver- trägt. Ein zu kurzes Steuerrohr ist eben- falls weniger kritisch, denn mit Spacern oder einem gekröpften Lenker lässt sich eine geringe Differenz vortrefflich kom- pensieren. Doch Vorsicht, wenn Sie sich beim Geometrie-Vergleich auf Kataloganga- ben zu den jeweiligen Bikes verlassen. Nicht alle Hersteller wenden die gängi- ge Vermessungsmethode von Seite 77 an. Also lieber im Shop noch einmal nachmessen, ob die Bike-Werte wirklich mit der persönlichenTop-Geometrie übereinstimmen. Ganz schön viel Aufwand. Stimmt schon, doch der Aufwand lohnt sich. Sie werden es merken, wenn Sie mit Ihrem „Maß-Bike“ das erste Mal so richtig über dieTrails fliegen.

TROUBLE-SHOOTING: TROUBLE-SHOOTING: HILFE HILFE

BEI BEI GEOMETRIE-PROBLEMEN GEOMETRIE-PROBLEMEN

Was ist, wenn die Bike-Maße von den persönlichen Top-Werten abweichen? Kann man ein Bike mit zu kurzem Steuerrohr fah- ren? Hier die Antworten auf die häufigsten Geometrie-Fragen.

Was ist das wichtigste Maß bei der Rahmengeometrie, um ab- zuklären, welche Bike-Größe die Richtige ist?

In erster Linie entscheidet die Oberrohrlänge über die Wahl

erster Linie entscheidet die Oberrohrlänge über die Wahl der Rahmengröße. Sie sollte nicht mehr als 20

der Rahmengröße. Sie sollte nicht mehr als 20 Millimeter vom berechneten Oberrohr- wert abweichen und kann durch ein geändertes Vorbau- maß kompensiert werden – um maximal 1 Zentimeter.

Kann man ein Bike mit einem zu kurzen Steuerrohr kaufen?

Bis zu vier Zentimeter Differenz

kann man problemlos über Spa- cer oder einen nach oben gezo-

genen Lenker ausgleichen. Sehr große Fahrer müssen sogar ggf. beiden Maßnahmen kombinie- ren, um auf einen vernünftigen Niveau-Unterschied zu kommen.

Was tun bei einem zu langen Steuerrohr?

Geht das Übermaß nicht über 15 Millimeter hinaus, kann man

mit einem flachen Vorbau (ca.

0/5-Grad) den gewünschten Ni- veau-Unterschied zum Sattel herstellen.

Wie groß sollte der Niveau- Unterschied zwischen Sattel und Lenker sein?

Cross-Country-Piloten fahren

am besten, wenn der Lenker

58 cm unter der Sattelober-

kante liegt. An Tourenbikes soll- te er höher liegen etwa 35

cm unter Sattelniveau, bei Free-

ridern liegen Lenker und Sattel

auf

einem Level.