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1.

ZUR DEFINITION DER MORPHOLOGIE

Der Terminus Morphologie als Bezeichnung der Lehre von der Form und Struktur lebender Organismen wurde im 19. Jh. von der Sprachwissenschaft übernommen und als Oberbegriff für die Gestaltveränderung der Wörter verwendet: Morphologie als Formenlehre umfasste somit die Flexion (Konjugation und Deklination), die Lehre von den Wortarten und ihren Klassifikationskriterien. Die Untersuchungen erfolgen mit oder ohne Einbeziehung der Wortbildung in enger Verbindung zur Syntax und unter unterschiedlicher Einbindung von Semantik und Pragmatik.

2. ZUR WORTDEFINITION

Um den Begriff Wort zu definieren sind dessen phonologische, semantische und morphosyntaktische Eigenschaften zu berücksichtigen. Wörter sind charakterisiert:

unter phonologischem Aspekt

als kleinste selbstständige Einheiten, in denen prosodische Merkmale wirken

unter morphologischem Aspekt

als komplexe, meist segmentierbare Morphemverbindungen, im Grenzfall als einzelne Morpheme, die aufgrund ihrer morphematischen Struktur morphologische Paradigmen bilden können

unter syntaktischem Aspekt

als kombinierbare, in Syntagmen austauschbare, umstellbare und durch Einschub voneinander trennbare Einheiten, die unterschiedliche Positionen im Satz einnehmen können

unter semantischem Aspekt

als kleinste relativ selbstständige komplexe Bedeutungsträger

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3. SYSTEM DER WORTARTEN IM DEUTSCHEN

Die moderne Wortartenforschung ist zur Schlussfolgerung gekommen, dass im Rahmen des gesamten Wortschatzes einige Wortarten zu Wortartkomplexen vereinigt werden können.

Man unterscheidet 4 strukturell-semantische Typen von Wörtern:

I. Eigentliche Wortarten, d.h. Wortarten im eigentlichen Sinne des Wortes. Dazu gehören Wortarten mit nominativer Funktion, die als Benennungen fungieren. Sie sind zugleich Satzglieder. Man spricht in diesem Falle über Autosemantika, d.h., Wörter mit selbständiger Bedeutung.

II. Funktionswörter, sie sind keine Benennungen, haben keine nominative Funktion und dienen zum Ausdruck verschiedener Beziehungen. Sie helfen die Verbindung zwischen den autosemantischen Wörtern im Satz herstellen. Sie sind keine Satzglieder. Man nennt solche Wörter Synsemantika, d.h. Wörter ohne selbständige Bedeutung.

III. Interjektionen, sie haben nominative Funktion, keine lexikalische Bedeutung und sind Gefühlsäußerungen. Sie sind keine Satzglieder, können aber satzwertig sein. z.B. Ach! (Satz)

IV. Modalwörter haben lexikalische Bedeutung und modale grammatische Bedeutung, z.B. Vermutung, Bejahung. Sie sind keine Satzglieder, können aber satzwertig sein. z.B. Ja. Sicher. Sie stehen im Satz nicht als Satzglieder, sondern prägen den ganzen Satz aus modaler Sicht ein.

Die deutschen Linguisten sprechen von Wortartkomplexen. Man spricht von Grundwortarten (Substantive, Adjektive, Verben) und vom Restbestand. Erben sagt: “Es gibt 3 höhere Wortarten: Substantiv, Verb, Adjektiv (Adverb), alles andere gehört zum Rest.”

Die Wortarten haben einen systemhaften Charakter. Sie bilden ein System, und damit sind 2 Momente verbunden:

1) Die Wortarten sind heterofunktional, sie erfüllen verschiedene Funktionen.

2) Das System der Wortarten beruht auf einer Reihe von Oppositionen.

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Das System der Wortarten beruht auf 5 Oppositionen:

1. Satzwertig / nicht satzwertig.

2. Autosemantisch / synsemantisch.

3. Satzgliedwertig / nicht satzgliedwertig.

4. Im Rahmen Autosemantika: benennend / verweisend / zählend.

5. Im Rahmen der Synsemantika: syntaktisches/morphologisches Funktionswort.

System der Wortarten im Deutschen:

I. Eigentliche Wortarten (Autosemantika)

a) benennende oder nominative

1. Substantiv

2. Verb

3. Adjektiv

4. Adverb

b) verweisende

5. Pronomen

c) zählende

6. Numerale

II. Funktionswörter (Synsemantika)

a) mit syntaktischer Funktion 7. Präposition

8. Konjunktion

9. Kopula

10. Partikel

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b) mit morphologischer Funktion

11. Artikel

12. Hilfsverb

III. 13. Modalwort

IV. 14. Interjektion

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Typische einfache Gliederung der Wortarten

W O R T A R T E N

Typische einfache Gliederung der Wortarten W O R T A R T E N FLEKTIERBARE deklinierbare

FLEKTIERBARE

Gliederung der Wortarten W O R T A R T E N FLEKTIERBARE deklinierbare konjugierbare UNFLEKTIERBARE

deklinierbare

konjugierbare

UNFLEKTIERBARE

Adverb (komparierbar)

Nomen

Verb

Präposition

Pronomen

Konjunktion

Artikel

Interjektion

Adjektiv (auch komparierbar)

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