Der Aufstand der Künste im Rahmen einer unvermittelt notwendig gewordenen Vernunft Der Lauf der Dinge generiert

immer mehr Ungerechtigkeit, Unzufriedenheit, Ungleichheit, Unverhältnismäßigkeit, Verantwortungslosigkeit, Unmut, Ungeist und Unvereinbarkeit. Der Lauf der Dinge ist keine schicksalshafte Herabwendung des Geschickes und damit Krise oder Katastrophe, sondern Methode. Ideologisch abgesicherte, menschenverachtende Strategie. Eine Struktur der Ausbeutung, Instrumentalisierung von Leben per se und Profitoptimierung um jeden Preis, um ganz konkrete Gewinne ganz konkreter Gruppen zu sichern oder einzufahren... Die einen meinen Kapitalismus die anderen freie Marktwirtschaft - aber das lenkt in einer Smartphone beschleunigten Zeit nur ab, spaltet und relativiert. Occupy everything ist das Überbordwerfen jeglicher Inhalte, Ideologiefreiheit ist defakto gar nicht möglich, der Selbsterhalt des Einzelnen kann im Empörungsrausch schon als Ideologie gewertet werden, insofern ist die Occupy Frage durch ein "occupy everything, so you can do nothing, because it`s allready occupied" blockiert. Rechts, Links, Oben, Unten, Klassenkrieg, Klassenkampf, Verteilungskonflikte, Kriminalität,

Mord und Totschlag sind keine Modeerscheinungen, die sich der Weltkleinbürger aussuchen könnte, sondern nur der Druck des Faktischen. Egal ob man das will, oder nicht. Die Situation des beginnenden 21 Jahrhunderts erinnert doch sehr an den Vormärz des 19. Jahrhunderts. Die "Oben" können nicht mehr, die "Unten" wollen nicht mehr, oder anders ausgedrückt, ein derart unreflektiertes Misstrauen gegenüber der "Obrigkeit" ist wahrlich nichts neues. Banken sind nicht die dunkle Seite der Macht, sondern Instrumente einer aus widersprüchlichsten geschichtlichen Entwicklungen heraus entstandenen Struktur. Zum Beispiel die Berner Bankenkrise 1720, sie dauerte 11 Jahre lang, also im Westen nix neues sondern ein profitables aber eben unmenschliches Modell. Banken sind Herrschaftsinstrument und Disziplinierungsanstalt in einem, Geld ist über Arbeit, Verbrauch und Wertschöpfung (Gewinne, Profite etc...) ein Kommunikations- und Machtmittel. Viel Geld - viel zu sagen, kein Geld nix zu sagen - und um durch dieses Dickicht an positiven und negativen Möglichkeiten (Finanzmärkte, Expotentialrechnungen und dergleichen...) zu navigieren braucht es den Ideologie-Sextanten, der Standpunkte bestimmen kann, an dem sich das Individuum Rat, Idee und Tat abholen kann.

Wirtschaftstreibende, Banker, Politiker und occupantische Welt-wut-klein-bürger handeln augenscheinlich aktionistisch und fatal wirkungsvoll, indem die Dinge durch eine Form der Chaotisierung verschlechtert werden. Die soziale Gruppe der Künstler und Wissenschaftler sieht sich der Herausforderung gegenüber, Wahrnehmung, Reflektion und die Kommunikation so breit wie möglich aufzustellen und aufzustehen. Rassismus, Nationalismus, Faschismus sind erforscht und klar identifizierbar, Wissenschaften und Künste stellen uns allen einen nie da gewesenen Fundus an Erkenntnis- und Wahrnehmungsdokumenten als auch kreative Lösungsansätze zur Verfügung. Es gilt den Rechtsstaat vom bezahlten und damit korrumpierten Rechtsanwaltsstaat zu befreien, es geht darum die Demokratie weiter zu entwickeln, im Rahmen einer Vernunft des Gemeinwesens. Ob monetäre warenproduzierende Systeme, ob KPDSU oder Daimler ist letztlich egal, diese Zäsur des Politischen unserer Tage überdauern werden, ist fraglich. Dem Totalitarismus, der sich an jeder Ecke dieser Welt bemerkbar macht, ob nationalsozialistischer Untergrund in Deutschland oder Gulaschfaschisten in Ungarn, muss Vernunft, Wissen, Kultur und Menschlichkeit entgegengesetzt werden.

Tacheles Biennale 2012 (wirk-liche Kunst / tatsächliche Politik)

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