Sie sind auf Seite 1von 1
PORTRAIT trash talk LIEBE GINA LISA LOHFINK Text: Frank Richter, frank@mannschaft-magazin.ch Illustration: Melanie Carrera

PORTRAIT

trash talk

LIEBE GINA LISA LOHFINK

Text: Frank Richter, frank@mannschaft-magazin.ch Illustration: Melanie Carrera

frank@mannschaft-magazin.ch Illustration: Melanie Carrera Zack die Bohne! Du kommst in die Schweiz. Am 8. Oktober

Zack die Bohne! Du kommst in die Schweiz. Am 8. Oktober moderierst du das KV-Fäscht in Zürich. Meine Fresse, was freu ich mich. Endlich kommt mal wieder eine Frau mit Klasse und Stil in die Limmatstadt. Eine Frau, die im Le- ben so einiges erreicht hat: Mit 14 Jahren konntest du bereits erste Sätze sprechen und dir selbstständig die Haare blondieren. Ohne Hilfe Münzen ins Solarium werfen oder Gelnägel ankleben, auch das war mit anfangs zwanzig kein Problem mehr. Nach der Ausbildung zur Arzthelferin folgte dann eine steile Karriere als Videoclip-Dekoelement, Beinahe-Top- model, Pornodarstellerin und zu guter Letzt Alm-Verlasserin. Vielleicht ist es dir nicht bewusst, liebe Gina-Lisa, aber für viele Schweizerinnen bist du ein grosses Vorbild. Ich freue mich, dass du im Okto- ber die Chance erhältst, junge Zürcher Mäd- chen zu inspirieren. Die Zukunft sieht für viele von ihnen nämlich düster aus.

Aber Schluss mit der Schwarzmalerei. Dank deinem Besuch in Zürich besteht die Chance, die Tristesse aus dem Leben der heranwachsenden Damen zu verbannen. Du kannst Ihnen eine Nachricht mit auf den Weg geben: Es ist OK seinen Lebensunterhalt mit Arbeit zu verdienen. Man muss nicht als Reality-TV-Star von einem inszenierten Skan- dal in den nächsten hüpfen. Und es geht in Ordnung, natürlich auszusehen, ohne Doppel-D-Brüste oder Schlauchbootlip- pen. Denn auch Frauen mit Charme und natürlichem Aussehen können es im Leben weit bringen. Nimm Shawne Fielding: Sie hat es weit gebracht und an ihr war mal vieles natürlich. Oder Nella Marti- netti: Die hatte Charme für zwölf, war eine begnadete Komponistin und schaffte es sogar noch nach dem Tod, die Klatsch- blätter zu füllen.

Auch für dich müsste sich was finden las- sen, bei dem du den Menschen eine andere Seite von dir zeigen kannst. Pack die Titten doch mal für PE- TA aus oder setz dich als Botschafterin gegen eine Krankheit ein: Krebs, Malaria, AIDS Falls deine Wahl auf AIDS fällt, solltest du dich nach deinem Auf- tritt in Zürich mit Shawne treffen. Schliesslich ist sie die Botschafterin der Schweizer Aids Hilfe. Nimm es ihr nicht übel, wenn sie dich mit «Gina-Lisa Low Fuck» grüsst, ihre Deutschkenntnis- se sind noch nicht ganz ausgereift. Ihr beiden könntet euch zusammensetzen und an einem Plan arbeiten, um die Welt zu verbessern. Muss aber nicht zwangsläufig nächstes Wochenende sein. Bestimmt lauft ihr euch früher oder später sowieso beim Promi-Dinner über den Weg.

Grüsslichst

Frank

Die meisten der 16-jährigen KV-

Fäscht-Besucherin-

nen werden in ihrem Leben einmal arbeiten müssen. Schlimmer noch: Viele von ihnen sogar bis zur Pensionie- rung! Sie werden im Arbeitsalltag ihren Kopf und die Hände einset- zen müssen, nicht den Mund und die Schenkel. Nur die wenigsten von ihnen werden mit zwanzig genug Geld zusammen haben, um sich die Brüste bis zum Kinn vergrössern zu lassen. Bei eini- gen wird’s finanziell mit 24 noch nicht Mal für Botox reichen. Der erste eigene Porno, eine Reality-TV-Show oder ein schickes Muschi-Pier- cing, alles Dinge, die in unerreichbarer Ferne liegen. Das sind bedrückende Aussichten. Durch Stress, Zigaretten und Fast Food kommt hinzu, dass viele Mädels die Blüte ihrer Jugend im Eiltempo durchleben. Mit sechzehn ist manch eine schon so verbraucht, dass nicht mal mehr Carl mit ihr knat- tern möchte.Wie muss das am Selbstbewusstsein einer jungen Frau nagen?! Wäre ich ein weiblicher Teeny, auch ich müsste leer schlucken. Bei Carl sogar wortwörtlich.

74 // MANNSCHAFT-MAGAZIN.ch