AB  MORGEN BIST  DU PLATTEN..

MILLIONAR

Was DJ Bobo seit Jahren schafft, kann nicht allzu schwer sein. Bastle auch du deinen eigenen Dance-Hit, mach saumässig Kohle und lebe in Saus und Braus. Trash-Talk-Kolumnist Frank Richter zeigt dir wie Illustration: Andrea Noti

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Was haben Snoop Dog, Usher und Rihanna gemeinsam? Richtig, die sind alle schwarz. Allerdings sind noch mehr Gemeinsamkeiten vorhanden. Jeder der drei hat einen Dance-Hit in den aktuellen Charts. Ein Blick auf die Schweizer Top 40 verrät: Die Musikrichtung Dance ist wieder total angesagt. Profitiere auch du von diesem Trend und werde Produzent oder Sänger deines eigenen Dance-Projekts. Dazu brauchst du: einen Synthesizer, einen Computer mit Musiksoftware, ein Mikrophon sowie einen Dictionary, falls du in der Englischen Sprache nicht ganz sattelfest bist. Ein wenig musikalisches Talent ist natürlich von Vorteil. Dass es jedoch auch ohne geht, beweist DJ Bobo seit Anfang der 90'er.

KEIN HOCHSTEHENDES ENGLISCH
Nun geht’s ans Texten. Bei Problemen mit der Englischen Sprache entweder das Wörterbuch zu Rate ziehen oder sich von den folgenden Wörtern lyrisch inspirieren lassen: Love, Baby, Beat, Bass, Girl, Chick, Bounce, Sexy. Einfach einige der Wörter in einen Satz verwursten, zum Beispiel: «This is the sexy rythm of the night, hot chick, do you feel alright?» Arrogante und selbstverherrlichende Texte sind die Norm. Der Bandname sollte im Song x-fach durch lautes Schreien erwähnt werden, damit auch der letzte Tölpel in der Provinzdisco weiss, von wem das Lied stammt.

DIE VERPACKUNG MACHTS
Ein ansprechendes CD Cover ist von Vorteil. Wer kauft schon eine Scheibe, die so aussieht, als ob man sie in Klopapier eingewickelt hätte? Es gilt: Möglichst bunt, möglichst wenig Textilien. Warum nicht zwei gespreizte Schenkel mit einem Plastikdildo dazwischen, auf dem der Bandname vermerkt ist? Im besten Falle wird die Scheibe zensiert und man erhält gratis Publicity.

KURZER BANDNAME IST DAS A UND O
Kommen wir zum Bandnamen. Namen wie «Futura feat. the rescue boy aka prince of darkness» oder ähnlich kann sich kein Mensch merken. Einziger Vorteil an solch langen Namen ist, dass man sie vergessen hat, bevor man sie in die MP3 Suchmaschine eintippt. In der Kürze liegt die Würze. Sehr gut funktionieren Namen mit mehreren O's, wie zum Beispiel: Mo-Do, Rocco, DJ Bobo oder die Urväter der Dance-Music schlechthin: Scooter. Im Falle von Mo-Do und Scooter darf man festhalten, dass sich die Platten auch dann verkaufen, wenn man beschissen aussieht und weder singen noch tanzen kann. Der Sänger von Mo-Do ( Superhit «1,2 Polizei» ) trug eine lächerliche Sonnenbrille, Glitzeranzüge und einen Seitenscheitel, der einen irgendwie an das Jahr 1942 erinnerte. Eine Dance-Gruppe sollte aus nicht mehr als vier Mitgliedern zusammengesetzt sein. Vorteilhaft, wenn mindestens Rapper mit von der Partie ist. Der kann die Strophen mit Rapgesang füllen und bei Auftritten sein Sixpack rhythmisch zu den Bässen zucken lassen. Oder man macht es wie die Techno-Opis von Scooter. Die haben zwar keinen Rapper, dafür aber immer mindestens zwei Tänzerinnen in Tangas dabei, die das Publikum anheizen.

EIN PAAR BRÜSTE KÖNNEN NIE SCHADEN
Die CD ist also abgepackt und versandfertig. Was wir jetzt noch brauchen, ist ein Musikvideo. Es gibt zwei Arten von Videoclips. Die intelligenten, die eine Geschichte erzählen und dann mit Preisen überhäuft werden, und die restlichen. Was möchte der heterosexuelle 08/15 DanceLiebhaber sehen? Richtig, Brüste! Und zwar gleich im Rudel. Am besten sieht man beim örtlichen Cheerleaderverein vorbei und borgt sich einige Brüste aus. Die Haut um die Brust nennt man übrigens Frau. Den Clip lässt man dann am Strand irgendeines Inselparadieses spielen. Zu teuer? Dann tut's auch die BlueScreen. Die Mädels vor einer blauen Wand auf und ab hüpfen lassen und am Computer einen Strand-Hintergrund einfügen. Man lässt die Girls mit Bierflaschen und Sektgläsern in den Händen rhythmisch durchs Bild tänzeln, während der Frontmann der Gruppe stocksteif in der Mitte steht und von Frauen umringt wird. Der Clip soll möglichst schön bunt sein, darum die Beleuchtung, Laser- und Pyrotechnikeffekte nicht vergessen. Letztere müssen nicht unbedingt teuer sein. Eine mit Öl brennende Pfanne, in die Wasser gegossen wird, reicht vollkommen. Vorher allerdings die Tänzerinnen in Sicherheit bringen. Das Video sollte schnell und hart geschnitten werden, lange Kamerafahrten sind zu vermeiden. Am Schluss unbedingt alle Gesichter am PC nachbearbeiten, damit man auch ja keine Falten, Poren, Pickel oder irgendwas menschliches sehen kann. Das Video an VIVA und MTV schicken und jeweils fünf Gramm Koks beilegen, damit es die Sendeverantwortlichen in die A-Rotation setzen (wird dann bis zu viermal am Tag gespielt). Der Rest läuft von alleine. Man wartet, bis der Schotter reinkommt und sobald die Single kein Geld mehr abwirft, schiebt man eine neue nach, die genau wie der Vorgänger klingt.

80ER MUSIK KOMMT AN
So, Gruppe steht, jetzt geht’s ab ans Produzieren. Auf dem Keyboard eine möglichst einfache Melodie einhämmern, am Computer samplen, Bass und Beats dazu, fertig. Wer keine geeignete Melodie findet, kopiert einen Song aus den 80‘ern. Der Track sollte einen fetten Bass haben. Am besten mit dem Beat beginnen, dann in einen Refrain ohne Rhythmus übergehen und am Schluss beides kombinieren. Wer kein Geld für eine professionelle Sängerin hat, singt den Refrain selber ein und pitcht danach am Computer die Stimme um zwei bis drei Oktaven rauf. Klingt zwar wie Schlumpfinchen auf Helium, ist aber kostensparend und funktioniert bei Scooter seit Jahren Ein weiterer Tipp: Die Lieder am besten unter Drogeneinfluss schreiben. Acid, XTC und LSD kurbeln die Kreativität an. Wer sich Pillen und Co. nicht leisten kann, injiziert sich eine eins zu zehn Lösung Toilettenreiniger intravenös.

JULI 2011 // 45

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