Sie sind auf Seite 1von 22

1

Hans Peter Reinecker

Gustav Ruhland (1860 – 1914), der Ökonom, der am Schlaf der Welt rührt

Schon wenige Jahre nach der Gründung des heutigen Deutschen Reichs, strebte dieses mit großen Schritten seiner durch eigene Arbeit erzielten ersten Blütezeit zu. Anderswo begnügte man sich zunächst noch mit dem Merchandise Marks Act von 1887 und seinem diskriminierenden „made in Germany“ und das „Germania est de- lenda“ erklang vorerst noch vereinzelt und unter vorgehaltener Hand. 1 Seinerzeit er- teilte der Reichskanzler Bismarck in vorbildlicher Weitsicht einen Forschungsauftrag.

Der Auftrag wurde Gustav Ruhland übertragen. Bismarck erklärte 1887 in seiner In- struktion für Ruhlands mittels Reichsstipendium geförderte mehrjährige Forschungs- reisen:

„Sie sind mir empfohlen worden als ein Mann, der nicht nur wissenschaftliche “

Bildung, sondern auch praktisches Verständnis besitzt

in seiner erfrischend deutlichen Redeweise fort, „Wenn Sie aber zurückkom- men und mir nur einen historisch interessanten Bericht erstatten, dann melden Sie sich nachher besser beim Kultusminister.“ 2

und Bismarck fährt

Was war der Anlaß zu Ruhlands Studienauftrag? Weil Bismarck das Wohl des eige- nen Volkes und seiner eigenen Wirtschaft am Herzen lag, nur heute muß diese Selbstverständlichkeit als Vorbild gewürdigt werden, wollte er sicherstellen, daß das Deutsche Volk sich auch immer mit eigenen Mitteln selbst ernähren kann. Die sei- nerzeitige, also noch Vor-Ruhlandsche Fragestellung, lautete, weitergehende Über- legungen ausschließend: Freihandel oder Schutzzölle?

Bismarcks eigener Standpunkt im Jahre 1885 dazu war:

„Die Getreidepreise müssen auf der Höhe gehalten werden, daß Getreide im Lande überhaupt noch gebaut werden kann, und daß wir nicht notwendig und zwangsweise auf überseeische Verproviantierung angewiesen sind. Gebe Gott, daß Deutschland immer in der Lage bleibe, das Korn, welches die deut- “

sche Nation ißt, auch selbst bei sich zu Hause zu bauen

3

Eine Schutzzollpolitik war zwar für eine gedeihliche Entwicklung der eigenen Wirt- schaft, einschließlich des Arbeitsmarktes, wie wir es heute nennen würden, als zwar notwendig, aber allein als wohl noch nicht hinreichend erkannt. Man hatte mit natio- nalen Zöllen noch nicht alle Einflußfaktoren auf die eigene Wirtschaft im Blick. Nach Ruhlands Vorstellungsgespräch bei Bismarck, äußerte dieser:

„Ruhland hält die Getreidezölle nicht für geeignet, die Landwirtschaft dauernd zu retten. Ich bin derselben Meinung, aber ich habe bis jetzt noch niemand ge- funden, der mir etwas besseres hätte vorschlagen können.“ 4

Eben dies sollte Ruhland herausfinden.

Als nach mehrjährigen Studien des Weltgetreidemarktes und seiner Geschichte Ruh- land reichbeladen mit Kenntnissen und Arbeitsplänen 1890 nach Deutschland zu-

2

rückkehrte, fand er eine andere Regierung vor, die sich für seinen Auftrag nicht mehr interessierte. Der Lotse, um die Bildunterschrift der bekannten britischen Karikatur zu zitieren, war bereits von Bord gegangen.

Ruhland begann nun mit einer systematischen Bearbeitung seines Materials und der schriftlichen Darlegung seiner Erkenntnisse, mit denen er zu dem bedeutendsten deutschen, wenn nicht dem größten Nationalökonomen überhaupt, emporwuchs. Leider konnte er von seinen zehn geplanten Bänden nur drei verwirklichen. Dennoch ist sein „System der politischen Ökonomie“ eine Offenbarung, einerseits für Alternati- ven suchende Ökonomen und für Geldreformer, andererseits für Historiker und ei- gentlich für jeden nach Auswegen aus unserem heutigen Desaster suchenden Men- schen.

Als Wissenschaftler von Format, behandelte er keineswegs allein Landswirtschafts- fragen, sondern stieß zu bedeutenden Wirtschafts- und finanzpolitischen Erkenntnis- sen vor. Seine Ergebnisse würden, nur für sich genommen, also sogar noch ohne die hinzukommenden positiven geschichtlichen Erfahrungen deutscher Hochkultur, schon die Wirtschaftsweisen aller Völker im eigenen Lebensinteresse revolutionieren.

Daher passen seine Befunde den Nutznießern des zum Exzeß gesteigerten Wirt- schafts- und Finanzgebarens, unter denen die Völker ächzen, nun wirklich nicht in ihr Konzept der Welthirtschaft. Es ist also keineswegs zufällig, daß nur wenige von uns Heutigen auch nur den Namen Ruhland, geschweige denn von seinen Forschungs- ergebnissen, jemals etwas gehört haben.

„Weil der Liberalismus zu Lebzeiten Ruhlands die Macht besaß, besaß er auch die Macht, das Werk Ruhlands totzuschweigen, ja es auch vollkommen aus der Öffent- lichkeit verschwinden zu lassen, daß heute kaum noch Menschen in Deutschland ahnen: Einer der größten Nationalökonomen starb erst 1914 und hieß Gustav Ruh- land“, formulierte Richard Walter Darré im Vorwort der unveränderten Neuauflage von Ruhlands Hauptwerk im Jahre 1933. Eine Feststellung, die – noch zu Zeiten deutscher Unabhängigkeit getroffen –, heute bei der Handlungsunfähigkeit des Reichs, erst recht ihre Gültigkeit besitzt.

Mit dem deutschen Nationalsozialismus stand Gustav Ruhland nicht in Verbindung. Der Professor starb am 4. Januar 1914, erst 54 Jahre alt, in Bad Tölz, am Herzver- sagen. So lautete jedenfalls die offizielle Mitteilung. Seine wirtschaftshistorischen Ergebnisse sind indes so bedeutend, daß künftige Nachforschungen bezüglich der Todesursache, die bei anderen großen Deutschen schon zu wichtigen Befunden führten 5 , durchaus nicht außer Betracht gelassen werden dürfen.

Bestimmt wird Ruhland in Bad Tölz jährlich aufwendig geehrt, wie er es verdient hat, ebenso, wie in seinem Geburtsort im Posthof zu Hessenthal in Unterfranken, wo er am 11. 6.1860 geboren wurde. In seinem Todesjahr 1914 gab es den historischen Nationalsozialismus noch nicht, und der 24 Jahre junge Kunstmaler Adolf wohnte in München noch in der Schleißheimer Straße und malte freundliche Bilder. Ruhlands heutige Schüler und Verehrer brauchen also nicht zu befürchten, daß sie, falls sie Ruhland beim Wort nehmen, mit ihm irgend etwas billigen, leugnen, verharmlosen, verhetzen oder als –isten durch die Medien- und ganz andere Spieße gejagt werden.

3

Gleichwohl ist Ruhland bei der Internationale in allen ihren Gestalten, in denen sie gegen die Unabhängigkeit der Völker arbeitet, verhaßt. Er ist sowohl bei dem Libera- lismus der internationalen Hochfinanz und ihren Hilfswilligen höchst unbeliebt, als auch bei der Erscheinungsform der sozialistischen Internationale, in allen ihren For- men und Farben, vom blutigen Rot, bis hin zum Chamäleongrün. Von medialen Ne- belwerfern als angeblich „Linke“ beweihräuchert, um die für das Selbstbestimmungs- recht des eigenen Volkes Eintretenden als „Rechte“ und „haltet den Dieb“, als „Ex- treme“ zu denunzieren.

Denn Ruhland hatte auch Marx’ Schriften analysiert und war zu dem Ergebnis ge- kommen, daß die Beseitigung des Privateigentums an Produktionsmitteln, die er fol- gerichtig ablehnte, keineswegs die universelle Problemlösung darstellt, für die sie der Rabbinerenkel Marx ausgegeben hatte. Auch sei der Marxsche „Mehrwert“ lediglich eine singuläre Erscheinung aus der englischen Industriealisierung und ansonsten in seiner Wirkung zu vernachlässigen. Entscheidend sei vielmehr die Überwindung des Wuchers, des eigentlichen „Mehrwerts“ im kapitalistischen Zinssystem.

Wucher bzw. legaler Zins ist der Kapitalismus

Hiermit gelangte er zu einer gänzlich anderen Definition des Kapitalismus und seines Zinsmehrwertes als Marx, dessen wahres Wesen Marx gerade nicht deutlich ange- sprochen, geschweige denn zur Aufklärung darüber beigetragen hatte. Sollte dabei etwa seine Volkszugehörigkeit und deren sich selbst gestellter Auftrag 6 eine Rolle gespielt haben? Marx selbst hat uns zur Aufklärung einen Hinweis in seinem Haupt- werk hinterlassen, der allerdings in einer Fußnote versteckt ist. Es handelt sich dabei um ein Zitat eines britischen Gewerkschaftsfunktionärs, dessen Prägnanz Marx, als Intellektueller, wohl nicht widerstehen konnte:

„Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit

der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent und es existiert kein Verbrechen, das es nicht ris- kiert, selbst auf die Gefahr des Galgens.“ 7

wie die Natur vor

Marx war also das wirkliche Finanzgebaren des Kapitalismus sehr wohl bekannt.

Waren das aber noch Zeiten, in denen Finanzmanager, wie sie sich heute nennen, den Galgen riskierten konnten! 8

Mit Vervollkommnung ihres Systems definierte es auch, was als legal zu gelten hat. Der Prozeßausgang wegen gewisser Vorkommnisse während der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone bestätigte ja auch entsprechende Erwar- tungen. Auch die durchaus ansehnliche Abfindung des Herrn Aaron Sommer (Tele- kom), in zweistelliger Millionenhöhe, hatte nicht etwa ein juristisches Nachspiel.

Wucher und (der hier genannte) Zins, sind durchaus Synonyma. Deren unterschiedli- che Darstellung und Behandlung in den dem Kapitalismus unterworfenen Gesetzen, im „Kapitalistenrecht“ (Ruhland), geregelt ist. Einmal in Gestalt des „Wuchers“ heuchlerisch als Ausbeutungsmittel untersagt und zum anderen, in Gestalt des Zinses für legal erklärt. Dies geschieht zu dem einzigen

4

Zweck, das gleiche Ausbeutungsmittel Zins (gemeint ist immer der Zinseszins) im Bewußtsein der Menschen mit der Aura einer Gesetzestreue zu umnebeln und ihre Abwehr zu deimmunisieren. Denn die Höhe des Zinses spielt gewiß keine Rolle. Die heute allein schon bei Privatpersonen (geschweige denn bei Staaten) erreichte Perfektion der Ausplünderung durch völlig legale Kettenkredite dürfte selbst die ab- gebrühten alten Geldwechsler noch vor Neid erblassen lassen. Diese mußten seiner- zeit aber noch gewärtig sein, aus dem Tempel getrieben zu werden. Vielleicht ist es auch das nagende Bewußtsein, eigentlich ausgetrieben zu gehören, was den Zwing- burgen ihrer Nachfahren immer wieder trotzig die Gestalt eines Tempels nahekom- men läßt. Denn sie wissen genau, was sie tun. Auch wissen sie, was ihre Vorfahren taten und warum ihr Rat da jenen ans Kreuz schlagen ließ.

Marx trat auch für die Produktionsmittelexpropriation, also für deren Enteignung, ein. Heute, nach den furchtbaren historischen Erfahrungen der früheren kommuni- stisch/sozialistischen Hauptmacht, deren Verantwortliche mit dem Privateigentum, einschließlich dasjenige an Grund und Boden, auch mindestens 30 Millionen ihrer Träger liquidieren ließen, wissen wir, wie zutreffend Ruhlands Kritik war.

Den Marxschen Klassenkampf charakterisierte er als ein Krankheitssymptom der in Stufen fortschreitenden Erkrankung Kapitalismus. Ebenso stellte er auch das marxi- stische Postulat einer Entwicklung der Menschheit in den sog. ökonomischen Gesell- schaftsformationen richtig. Eine Entwicklung in Perioden oder Stufen gibt es durch- aus, wie Ruhland gezeigt hat, aber sie treten bei jeweils allen historischen Kulturen auf und führten in der beobachteten Geschichte immer noch zum eigenen Unter- gang. Dessen letzte Ursache war stets in der Übernahme des Zinssystems auszu- machen. Auch wenn dessen mitunter komplizierte Vermittlung sich erst gründlicher Forschungsarbeit erschließt, wie es Ruhland demonstriert hatte.

Außerdem erläuterte Ruhland auch Marx` Konstruktion eines „Wertes“ gegenüber dem berechenbaren Preis, als wissenschaftlich überflüssig.

Unnötig zu betonen, daß Ruhland auch neuen Erkenntnissen von Marx volle Aner- kennung widerfahren ließ, wie es einem echten Gelehrten zukommt:

„Trotzdem wir einen Anbau nach dem anderen zusammengebrochen finden, bleibt immer noch ein stattlicher Rest des ganzen Gebäudes auf festem Fun- dament stehen, der zur Hälfte allerdings schon aus früheren Zeiten stammt

9

Zu diesem Fundament gehört auch die von Ruhland selbst verwendete ganzheitliche Betrachtung des Volkskörpers und dessen Entwicklung und nicht etwa eines Gliedes desselben.

Marx selbst hat nie von Sozialismus gesprochen. Ein expansiver internationaler So- zialismus gehört ausschließlich zu denjenigen, die sich so gern auf Marx berufen, da diese alsbald bemerkten, daß Marx` Übergang zum Kommunismus sich, wie gelehrt, zu keiner Zeit verwirklichen ließ, falls sie je selbst daran glaubten.

Daß ein zunächst unbedeutender Beteiligter, Stalin, die von der internationalen Hochfinanz finanzierte Gruppe um Trotzki (Bronstein), den eigentlichen Trägern der vermeintlich russischen Revolution, sozusagen aus dem Ruder deren Planungen laufend, beseitigen ließ 10 , gehört zu den Denkwürdigkeiten der neueren Geschichte.

5

Allerdings schüttete Ruhland mit dem Bade des Marxschen Kommunismus, nicht etwa einen im Gesamtinteresse aller Mitglieder des eigenen Volkes liegenden Sozia- lismus aus. Diesen beschrieb er folgendermaßen:

„Uebergang aus der Nationalökonomie des Reichtums zur Nationalökonomie der menschlichen Arbeit – ‚Arbeit’ in jenem vollkommenen Sinne des Wortes, in welchem ‚arbeiten’ der Gesamtheit dienen heißt. Will man diesen Gegen- satz durchaus im Rahmen der Güterwelt bezeichnen, so würde man zu sagen haben, dass es sich um den Uebergang aus einer Nationalökonomie des Reichtums als Besitz in eine Nationalökonomie des Reichtums als jährliches

Arbeitseinkommen handelt – auch hier ‚Arbeit’ im vorbezeichnet vollem Sinne

des Wortes verstanden.“ 11

Gemeinschaft in irgendeiner Weise sich dienend anschließen“ 12 .

(arbeiten) „heißt

sich an die volkswirtschaftliche

Spätere erste Bestrebungen, dieser Ruhlandschen Wegweisung mit einer dem deut- schen Volksinteresse dienenden nationalen Volkswirtschaft und diese umfassend in das Konzept einer Volksgemeinschaft integriert, nahezukommen, sind keineswegs gescheitert. Sie sind von außen, unter vorgeplantem Massenmord 13 zerschlagen worden.

Nach dem militärischen Sieg der alten Mächte der Internationale wurde die Ableug- nung der guten wirtschafts- und finanzpolitischen Erfolge den drei Reichzerteilungs- staaten als Doktrin verordnet.

Auch die etwas veränderte Fortführung dieser bewährten Wirtschaftsweise, unter der Bezeichnung „soziale Marktwirtschaft“, in einer dieser, wurde alsbald abgewürgt. Deren Frühphase, das sog. Wirtschaftswunder, beruhte indes auf der vorerst noch allgemein geringen Zinsbelastung nach der aufoktroyierten Währungsreform mit der völkerrechtswidrigen Ungültigkeitserklärung der Reichsmark.

Sie konnte auch mit dem beachtenswerten Neuansatz „sozialistische Menschenge- meinschaft“ in einem der anderen keine Urständ feiern, da ihr notwendiges Element, Selbstbestimmung, auch diesem Volksteil, zu keiner Zeit eingeräumt wurde. Auch in ihr war das Geldproblem letztlich noch ungelöst.

Ruhland sah zunächst seinen Ausgangspunkt, das Bestreben, die Eigenversorgung des eigenen Volkes sicherzustellen, als richtig und im Volksinteresse liegend. Als Kind bodenständiger Landwirte verlor er auch als habilitierter Nationalökonom und Professor niemals die „Bodenhaftung“ und fand diese auch durch seine Studien voll- kommen bestätigt.

Von seinen reichen Erkenntnissen können wir aus Platzgründen allerdings hier nur einige Kernpunkte ansprechen und werden diese durch ausgewählte Zitate belegen.

Allein sein Ansatz erheischt heute besondere Aufmerksamkeit, der die ganze politi- sche Ökonomie endlich wieder vom Kopf auf die Füße stellen würde. Er bestand in der einfachen Feststellung, daß die Menschen sich zuerst einmal ernähren müssen und folgerichtig auch die damit verbundenen Fragen als die Basis der Kameralwis- senschaften zu gelten haben.

6

„Ohne Metallgeld hat die Wirtschaft der Menschen wahrscheinlich Jahrtau- sende hindurch bestanden. Ohne Getreide ist das Leben der Menschen un- Die heute oft noch ausschließlich geldwirtschaftliche Auffassung

der politischen Ökonomie gleicht einer Bautechnik, welche die Lehre von den

Fundamenten vergessen hat“

14

.

Womit er sich voll auf der Höhe der Grundfragen auch unserer Zeit befindet. Jene Einsicht möchte man uns jedoch vergessen machen.

Die Völker können dann noch gründlicher beherrscht werden, wenn man sie von ihrer Ernährungsgrundlage im eigenen Land systematisch entfernt, u. a. durch Billigimpor- te von Nahrungsmitteln, Stillegungsprämien, (planmäßiges) Höfesterben (lassen), massenweise Futtermittelimporte, Flächenversiegelung und Anbauflächenverbrauch für landwirtschaftsfremde Zwecke (übertriebener Ausbau von Infrastruktur, Förderung der Zersiedelung durch Eigenheimzulage aus Steuermitteln, Flächenabzug unter dem Vorwand des Umweltschutzes usw.), Saatgutfremdpatente, Verweigerung der Rückgabe des von der anderen Besatzungsmacht (bzw. deren Helfern) völker- rechtswidrig enteigneten Bodens an die rechtmäßigen Eigentümer, Verbot eigener Saatgutnachzuchten, Verarmung einheimischer Sortenvielfalt, Erbgutmanipulierung (u. a. Sterilität) zur Förderung der Abhängigkeit, Kontaminierung bodenständigen Genbestandes durch Implementierung genmanipulierter Sorten, schuldenverursachte Monokulturen, gehäufter Pflanzeneinsatz, deren Kultivierung Überdüngung zuläßt (Grundwasser), Abschneiden von eigener Produktion von Dünger, Pflanzenschutz- mitteln, Verarbeitungsbetrieben und eigener Energieversorgung usw.

Zu seiner Zeit war Ruhland an vielen Reformvorschlägen und Gesetzen beteiligt. Beispielsweise verbot das Börsengesetz von 1896, auf seinen Rat hin, den Getreide- terminhandel in Deutschland! Heute dürften sich so etwas vermutlich nur noch Atom- großmächte leisten können.

Zum Freihandel äußerte er sich folgendermaßen:

Wirtschaftspraktiken, „

teressen des spekulativen Privatkapitals zu dienen. Dies, und nicht der Grundsatz der individuellen Freiheit macht den eigentlichen Kern der Freihan- delslehre aus“ 15 und weiter: „Diese bedingungslose freihändlerische Richtung hat bekanntlich in allen modernen Kulturländern den Gesetzgebungsapparat in ihre Gewalt bekommen. Fast überall tragen heute noch die Völker die Fes- seln dieser Freihandelsgesetze“ 16 .

die thatsächlich nur das eine Ziel erstreben: den In-

Die Beobachtung des Sachverhaltes dieser langfristigen Vorplanungen und noch ganz anderer, wird heute in der Öffentlichkeit abgeleugnet. Mit der hämischen Voka- bel „Verschwörungstheorie“ soll eine bewußt irreführende und die Abwehr denunzie- rende Sprachregelung durchgesetzt werden.

Auch Erklärungen der „Weltleitwährung“ Dollar und ebenso des Euro können sich auf

Ruhland berufen: „

le Ausbeutung der Völker durch das spekulative Privatkapital, wird wesentlich erleich-

nicht

nur der internationale Warenverkehr, auch die internationa-

7

Er war wohl seinerzeit auch einer der ganz wenigen, die erkannten, worum es sich bei dem Streit zwischen den Vertretern des Freihandels und den Befürwortern der Schutzzölle wirklich handelte. Er wußte, daß es nicht der schwankende Umfang der Getreideernten in der Welt war, der Anlaß zu den Preismanipulationen gab. Es lag also auch nicht an dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage, wie es die Freihan- delslehre stets behauptete, sondern vielmehr daran, daß das spekulative internatio- nale Privatkapital maßgeblich für die Preisbildung war.

Als gründlicher Forscher beschränkte sich Ruhland nicht etwa allein auf die Erfüllung seines ursprünglichen Auftrages, sondern stieß zu neuen bahnbrechenden Ergeb- nissen vor, die u. a. auch die Geschichtswissenschaft revolutionieren werden und die zu Recht verdienten, das Ruhlandsche Paradigma genannt zu werden.

Er untersuchte aus der Geschichte bekannte Stadtstaaten, Weltreiche und Hochkul- turen auf die Ursachen ihres siechenden Niederganges hin. Wie er sich ausdrückte, ein „Studium der Völkerleichen, welche auf dem Seziertisch der Geschichte liegen“.

Im einzelnen hatte er erforscht: „Die Geschichte der Juden, Milet, Teos, Phikoea, Chalkis und Eritrea, Aegina, Korinth, Athen, Sparta, Rom, das islamische Weltreich, den Kapitalismus auf päpstlichem Throne, Amalfi, Pisa, Genua, Venedig, Portugal, Spanien, Holland, Frankreich, England.“

Wie ein guter Arzt diagnostizierte Ruhland an ihnen die immer gleichen drei Entwick- lungsstufen, von der physiologischen zur pathologischen Entwicklung:

Naturalwirtschaft, Geldwirtschaft, Kapitalistenwirtschaft 18

„Der grundlegende Begriff der volkswirtschaftlichen Pathologie ist der „Kapitalismus“. „Der Privatkredit ist die Seele des herrschenden Kapitalismus. Wer diese Krankheit ehrlich beseitigen will, kann den Privatkredit unmöglich beibehalten“ 19 , der mittels des Zinssystems „auf allen Gebieten bestrebt ist, volkswirtschaftlichen Arbeitsertrag von dem Konto „Arbeitserfolg“ ohne Gegenleistungen auf das Konto „Kapitalgewinn“ zu übertragen“ 20 .

Womit Ruhland den wirklichen Gegensatz von Kapital und Arbeit aufzeigte. Was die Gewerkschaften bis heute entweder immer noch nicht begriffen haben oder deren Führung sich, entgegen den Interessen ihrer Mitglieder, an dessen Tabuisierung be- teiligt.

Heutige weltmaßgebliche Banken, wie beispielsweise die der Federal Reserve Grup- pe (FED) und die Banken der Londoner City mit der Bank of England sind bekannt- lich reine Privatbanken bzw. private Bankgruppierungen.

Als politökonomischer Arzt erkennt Ruhland bei der Erkrankung verschiedene Schweregrade innerhalb der pathologischen Entwicklung der Kapitalistenwirtschaft in den historischen Zeiträumen:

Handels- und Leihkapital, Industriekapital, Bank- und Börsenkapital.

„Die Periode des Handels- und Leihkapitals brachte das arbeitende Volk durch Wucherrecht und Wucherzins mit Hungersnotpreisen für Getreide in schwere

8

Verschuldung und persönliche Abhängigkeit von den Kapitalisten. Die Periode

des Industriekapitals zielte auf eine Proletarisierung des Mittelstandes in Stadt und Land ab und schuf die abhängigen Arbeitermassen in den Städten, auf dem Lande großkapitalistische Latifundien. Die Periode des Bank- und Bör- senkapitals vollendete die Abhängigkeit des Staates von den Großkapitalisten durch Wahlbestechungen und Gelddarlehen aller Art, um sich das Recht der Wucherfreiheit zu sichern und die Machtmittel des Staates zur Betreibung sei- ner Wuchergewinne im In- und Auslande zur Verfügung zu haben. Die Kapita-

listen sind mithin

zu ihrer Existenz ein ‚Wirtsvolk’ nötig. So begegnen wir bei dem jüdischen Volke, als es noch agrarisch war, den Phöniziern und Kanaanitern als Kapita- listen. Dann fanden sich die jüdischen Händler und Geldwechsler auf den gro- ßen griechischen Handelsplätzen ein. Zu Anfang der römischen Kaiserzeit konnte Juvenal ausrufen: ‚Es ist als ob der Orontes (Hauptfluß in Syrien) sich in den Tiber ergossen hätte!’ So hatten sich die orientalischen Kapitalisten in Rom zusammengefunden. Wir begegnen diesen Orientalen wieder im islami- schen Weltreich. Sie folgen dem Zuge des Welthandels über Portugal und Spanien nach Holland, Frankreich, England und Deutschland. Überall bringen sie ihr Kapitalistenrecht mit, das seit Jahrhunderten schon sich in Handels-, Wechsel- und Börsenrecht teilt. Sobald die volkswirtschaftlichen Verhältnisse des ‚Wirtsvolkes’ ihrem Ende zuneigen, verlassen sie die bisherigen Stätten ihrer Wirksamkeit, um sich anderwärts anzusiedeln. Zwischen den Parasiten und dem ‚Wirtsvolke’ und deshalb auch zwischen Kapital und Arbeit besteht ein unüberbrückbarer Gegensatz. Man muß sich nur nicht einreden lassen, daß unter ‚Kapital angesammelte Arbeitsprodukte’ zu verstehen seien, ‚welche dem Zweck der volkswirtschaftlichen Gütererzeugung dienen’. Kapital ist eine kleine oder große Gütermenge, welche der Gewinnsucht dient. Kapitalisten sind Wucherer im weitesten Sinne des Wortes. Unter Wucher verstehe ich jede vertragsmäßige Aneignung eines offenkundigen Mehrwertes. Und mit dem Worte Kapitalismus bezeichnen wir heute ein gesellschaftliches System, in welchem die Wucherfreiheit mehr oder minder vollständig zu Recht be- steht.“ 21

parasitäre Erscheinungen

Als echte Parasiten haben sie

Und weiter:

„Dass die Kapitalisten darnach trachten, das ganze Volksvermögen in ‚Ware’

zu verwandeln, ist selbstverständlich

ist, desto größer können die Gewinne der Kapitalisten sein. Für die ‚Ware’ wird der Preis durch die kapitalistische Spekulation, d. h. durch alle Künste der Ka- pitalisten bestimmt, ganz ohne Rücksicht auf die Erzeugungskosten oder die “

Interessen der Produzenten und Konsumenten

Je größer die Warenmasse im Markte

22

Die Benutzung eines universalen Tauschmittels, Geld genannt, ist eine echte Errun- genschaft der Menschheit. Die Tauschmittelfunktion muß beibehalten werden. Die gleichzeitige Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes muß jedoch unter Volkskontrol- le genommen werden, weil dessen Liquiditätsvorteil gegenüber anderen Produkten noch stets zum kapitalistischen Zinswucher geführt hatte.

Einer Infektion vergleichbar, mit ihren, von Ruhland gefundenen, pathologischen Schweregraden, bis endlich mit der Herrschaft des „Bank- und Börsenkapitals“, „Die

9

Börse als zentrales Organ des Kapitalismus“ 23 das letzte Stadium vor dem endgülti- gen Zusammenbruch erreicht ist.

Wie es unsere historischen Erfahrungen belegen, können beim Zusammenbruch die folgenden Krisenstufen unterschieden werden: Börsenkrach, Bankenkrach, daraus folgende Rückforderungen von Krediten, mit dem Ergebnis des Massenzusammen- bruchs.

Die Kenntnis der Entstehungsgeschichte, der Auswirkungen und Heilungsmöglichkei- ten des Kapitalismus verdanken wir Ruhland. Theoretisch ist sogar in jedem Stadium noch eine Gesundung möglich, die aber in der Geschichte der Menschheit noch im- mer von den mittels Wucher parasitierenden Kräften verhindert wurde. Die sich in Ewigkeit des Zinses zur Erzielung von leistungslosen Einkünften bedienen möchten. Erstaunlich, daß sie darin keineswegs einen Widerspruch zu den von ihnen strapa- zierten „Menschenrechten“ erblicken.

Als guter Arzt kennt Ruhland auch die Ansteckungswege:

„Das kapitalistische Recht im Allgemeinen, das Handels- und Kreditrecht im

Besonderen ist

len Völkern immer von einem sogenannten ‚höher entwickelten’, in Wahrheit

kapitalistisch durch und durch erkranktem Volk übertragen“. 24

nirgends mit einem Volk ‚geworden’. Dieses Recht wurde al-

Später wurde dann das Kapitalistenrecht, genau wie von ihm beschrieben, erneut auch seinem eigenen Volk eingepflanzt, nachdem die Abheilung schon vorbildlich gelungen war. Obwohl die wirtschafts- und finanzpolitische Alternative noch nicht einmal soweit getrieben wurde, das Zinssystem gänzlich abzuschaffen, wie es Gott- fried Feder 25 zu Recht gefordert hatte 26 . Es genügte schon, daß bei dem Handel des Reichs, bei dem Ware gegen Ware bzw. gegen Verrechnungseinheiten getauscht wurde, die internationale Hochfinanz nicht mitverdienen konnte, wie es später Chur- chill offenbart hatte. Kriegswürdig war auch, daß man sich weigerte, seine bewährte Arbeitswährung aufzugeben und zur Golddeckung zurückzukehren 27 . Die Hochfinanz ließ es alsbald vom Gesundungsprozeß „befreien“.

Ruhland gelingt es, alle „charakteristischen Symptome bei Erkrankung des Volkskör- pers am Kapitalismus“ und zwar aller o. g. 22 Kulturen (!), zusammenzufassen. Er tut dies, wissenschaftlich nüchtern, mit den Begriffen, die ihm seine Zeit (1908) zur Ver- fügung stellte. Die Übersetzung auf die Begrifflichkeit heutiger Zustände in den der weltweiten imperialistisch-globalen Zinsabhängigkeit unterworfenen Völkern wird leichtfallen.

So hat man z. B. in Rom nicht von Proletariern im Marxschen Sinne gesprochen, sondern u. a. von Schuldsklaven, ehemaligen Freien, welche die Zinsen nicht mehr zahlen konnten und an die ihr Gläubiger Hand anlegte und sie so zum Sklaven machte. Ebenso, wie wir heute nicht mehr von Proletariern reden, sondern die per- sönliche Katastrophe vieler unserer Landsleute und der ihrer Familien verharmlo- send, von Überschuldeten (heute sind es bereits 3,13 Millionen Haushalte in Deutschland), sozial Schwachen usw. sprechen. Sie sind, vergleichbar den früher im Schuldturm eingesperrten Verschuldeten 28 , ähnlich gesellschaftlich isoliert. Natürlich meint er mit Rentnern auch nicht unsere heutigen Altersrentner, sondern Bezieher leistungsloser, weil vom Zinssystem profitierender, Einkünfte.

10

Parallelen zur „Neuen Weltordnung“, in der heute das wuchernde imperialistische Kapital mit seinen Instrumenten Weltbank, IWF, BIZ usw. sich die Welt ihrer Zins- knechtschaft unterwirft, sind sicher leicht auszumachen. Neu sind deren Folgen al- lerdings nicht, wie Ruhland gezeigt hatte, nur, daß sie sich heute „globalisiert“, auf die meisten Staaten erstrecken. Die Bilder gleichen sich, so wie sie sich nun schon seit Jahrtausenden gleichen.

Leider konnten die entsetzlichen Leiden des Kampfes ums schiere Überleben der meisten Menschen, ihrer Angehörigen und Familien in den von ihm untersuchten Kul- turen von Ruhland, weil es sich ja um eine wissenschaftliches Werk handelte, nicht so beklagt werden, wie es den sich bis jetzt immer wiederholenden Realitäten ent- sprochen hätte. Dies betraf stets sowohl die zusammenbrechenden Stammländer, als auch die jeweils unterworfenen und ausgeplünderten Völker. Aber auch so wird die ganze Menschenverachtung, um das mindeste zu sagen, zu der die Installation immer des gleichen Ausbeutungssystems führt, nur zu deutlich.

Es ist geradezu unheimlich, wie sich die Formen des Untergangs bei den von Ruh- land untersuchten geschichtlichen Kulturen wiederholen, ob man nun bei Ruhland über Rom oder das spanische Weltreich nachliest.

Er beschreibt die zurückgehende Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln, den aus- ufernden Staatskredit mit ständig wachsenden Schuldzinsen und die Kalamitäten der Überfremdung des eigenen Volkes. Es ist schon früher so abgelaufen. Aber es folgt keinem Naturgesetz, so als ob es regnete. Nein, alles ist menschengemacht und so- mit auch veränderbar und zwar dringend überfällig. Es muß verhindert werden, daß sich nach dem nächsten absehbaren Zusammenbruch das parasitäre Karussell, Kre- dite, Zinsen, Verschuldung, Ausplünderung, Zinsknechtschaft und Untergang erneut beginnt zu drehen.

Zusammenfassende Darstellung der immer gleichen Symptome des Niederganges durch die zunehmende Kapitalistenwirtschaft in den o. g. 22 historischen Kulturen: 29

„a) Herrschender Zug der Zeit: möglichst viel Geld verdienen, gleichgültig wie und wo? Die Berücksichtigung der landwirtschaftlichen und agrarischern Ver- hältnisse tritt mehr und mehr zurück. Die Interessen von Handel und Industrie, Banken und Börsen werden massgebend. Fast alles wird zur beliebig verkäuf- lichen Ware im Strudel des vom Geld allein beherrschten Marktes.

b) Allgemein zunehmende Verschuldung. Wucherfreiheit, Zunahme des Rent-

nertums. Vernichtung des selbständigen Mittelstandes. Ausbreitung des Prole-

tariats.

c) Bei wachsendem Reichtum rasche Zunahme des Luxus. Latifundienbildung

auf dem Lande. Verschwinden des Bauernstandes. Abströmen der Bevölke- rung vom Lande nach der Stadt und dem Auslande.

d) Die Menschen werden immer habgieriger, immer rücksichts- und skrupello-

ser im Erwerb, allgemeine Verschlechterung der Moral und der Bürgertugen- den. Korruption. Wahlbestechungen. Fortgesetzte Fälschungen der öffentli- chen Meinung im Erwerbsinteresse.

11

e) Mit der wachsenden Abhängigkeit der Brotversorgung des Volkes von der

ausländischen Zufuhr mehrt sich die Zahl der Notjahre und verschärfen sich

Preisschwankungen.

f) Der Staat dient nicht mehr in erster Linie der Gerechtigkeit, sondern viel- mehr den Erwerbszwecken der Reichen. Die Kriege werden eine Form des

wirtschaftlichen Erwerbs der Reichen.

g) Um die wachsende Zahl der Proletarier mit der herrschenden Politik im In-

teresse des Reichtums zu versöhnen, beginnt ihre Versorgung aus der Staatskasse bei Einführung zwangsberufsgenossenschaftlicher Organisatio- nen. Die Anforderungen an die Staatskasse wachsen rasch.

h) Die staatliche Politik des Reichtums führt zu kapitalistischen Handelsverträ-

gen, zur kapitalistischen Kolonialpolitik, zur Weltpolitik. Bedenkliche Zunahme der Kriegsjahre.

i) Wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung. Sozialismus, Kommunismus,

Anarchismus, Eheflucht. Abnahme der Bevölkerung. Menschenmangel. Bür- gerkriege. Die Auflösung steht bevor.“

Dies sind die Symptome, an denen in allen historischen Kulturen schon immer nur herumkuriert wurde. Im Wucher, dem Zinssystem, dem eigentlichen Kapitalismus mit seinem (Zins)mehrwert, „der völkermordenden Krankheit der Goldgier“ 30 , erkannte der geniale Forscher Ruhland die stets gleichen letzten Ursachen des Untergangs aller der von ihm untersuchten historischen Kulturen.

Die „One World“ der maßgeblichen Finanzgruppe, welche heute die USA als ihr Machtinstrument nutzt, konnte er zu seiner Zeit so noch nicht ausmachen. Ruhland sah aber schon zu seiner Zeit große Auseinandersetzungen zwischen den führenden Welthandelsstaaten voraus.

Ob ihm der jüdisch/amerikanische Coup vom 23. Dezember 1913, die Aushändigung des gesamten Finanzsystems der USA an ein privates Konsortium, der Federal Re- serve Gruppe (FED), mit dem alleinigen Recht, Geld zu „schöpfen“, kurz vor seinem Tode bekannt geworden ist, kann nicht belegt werden. Wir unterstellen aber, falls er es registriert hätte, hätte er dessen ganze Tragweite, nämlich die Unterwerfung einer aufstrebenden Weltmacht unter die Befehlsgewalt einer kleinen Hochfinanzclique und deren ungezügeltes Weltherrschaftsstreben, sicher vorausgesehen.

Heute bräuchte er seinen Erkenntnissen zur „Pathologie des sozialen Volksköpers“ lediglich die Quelle Nummer 23 hinzuzufügen, von deren definitivem Verfall wir Zeit- zeugen sind.

Zur Schadenfreude ist allerdings wenig Anlaß. Die meisten Opfer wird wieder einmal das Deutsche Volk zu erbringen haben. An die heutigen, nun schon jahrzehntelan- gen gigantischen Zahlungen für Fremdinteressen und Fremde, wo sie sich immer aufhalten mögen, werden deren Nutznießer sich mittlerweile eh als Dauereinrichtung gewöhnt haben. Daher werden sie von der überfälligen Beendigung nicht sonderlich erbaut sein. Die unwissenden Fremden sollten dringend darüber aufgeklärt werden,

12

daß die Deutschen lediglich das ihnen nach den international anerkannten Regeln des Völkerrechts rechtlich (und moralisch sowieso) Zustehende einfordern werden. Nämlich die derzeit nicht gewährte Beachtung ihrer Landesgesetze 31 . Dessen heuti- ge Nichtgewährung ist deren Führungen selbstverständlich geläufig. Handelt es sich doch um ihre ständig sprudelnde Geldquelle. Über die Berechtigung des Geltendma- chens der völkerrechtlich vorgesehenen Rückgaben und Entschädigungen 32 , sollten die derzeitigen Nutznießer ebenfalls nicht im unklaren gelassen werden.

Ruhland erklärt wörtlich: „Wir können unser ganzes politische Programm dahin zu- sammenfassen, dass wir sagen: Beseitigt die Wucherfreiheit, die sich hinter dem

Satz versteckt: ‚Möglichst billig einkaufen, und möglichst teuer verkaufen’

Bestimmt wird der erste Teil des zusammengesetzten Substantivs „Wucherfreiheit“, von den nach internationaler Freiheit rufenden „westlichen Demokraten“ immer wie-

der rein zufällig vergessen. Brecht hatte es seinen Mackie Messer, so sagen lassen:

was „

Gründung einer Bank

33 “.

ist der Dietrich gegen die Aktie, was ist der Einbruch in eine Bank gegen die “

Auch andere bedeutende Dichter hatten sich mit Erscheinungsformen des Kapitalis- mus, wie wir ihn heute, nach Ruhland, definieren, auseinandergesetzt. Goethe wußte genau, warum er gerade Mephistopheles das (ungedeckte) Papiergeld erfinden ließ, mit dem dann auch augenblicklich der erste Grund und Boden (!) „erworben“ wurde. Nämlich vom klardenkendsten Menschen des ganzen Hofstaates, dem Narren. Goe- the hätten die heutigen Massen an Fiat money also bestimmt nicht überrascht. Hatte er doch das raffinierte System des Umtauschs von ungedecktem bedrucktem Papier gegen reale Werte schon zu seiner Zeit durchschaut.

Noch ein weiteres Beispiel soll erwähnt werden. Shakespeare, der das Gläubigerver- halten von bestimmten Kaufleuten in Venedig thematisierte, hätte sich kaum gewun- dert, welche alttestamentarischen Plagen auf das alte Europa und besonders dessen Mitte, noch zukommen sollten.

Mit zunehmender Arbeitsteilung in der Menschheitsentwicklung gewannen Profiteure eine, zunächst noch kleine, herrliche Nische. Schon immer versuchte eine Minderheit des großen Markt- und Handelsgeschehens vorzutäuschen, daß der Wucher auch eine Arbeit sei, die einige zu leisten hätten. Aus der Nische wurden stets krebsartige Wucherungen, die zu immer größeren Kavernen metastasierten. Gesundes (volks- wirtschaftliches) Gewebe wird man auch heute kaum mit der Lupe ausmachen kön- nen. Ist die Abwehr unterwandert bzw. übernommen und nach von außen kommen- den Interessen umprogrammiert, ist die Volkswirtschaft (und nicht nur sie!), ein- schließlich deren Steuerung, schutzlos ausgeliefert.

Vermehrte „Geldschöpfung“, ohne daß auch neue volkswirtschaftliche Realwerte entstehen, bedeutet Wertverlust. Eines der Kennzeichen der heutigen „Wertege- meinschaft“. Während andere Geldfälscher als Kriminelle verfolgt werden.

Die progressiven Reformkräfte, welche heute eine zukünftige Herausgabe von Geld nur durch legitimierte Vertreter des Volkes befürworten, können sich auch darin auf Ruhland berufen. Geld wird einzig als Zahlungsmittel im nationalen Volksinteresse, als vom Staat herausgegebenes Volksgeld, im Gegensatz zu heute bankeigenem (d. h. privatem und sofort zinsbelastetem) Geld, herausgegeben.

13

Eine Geldreform wird ihre essentiellen drei Bestandteile, Zinsverbot, Volksgeld und Bodenreform verwirklichen. Es muß eine das Zinsverbot begleitende laufzeitabhän- gige Nutzungsgebühr von Geld geben, die den Liquiditätsvorteil des Geldes gegen- über anderen Produkten endlich beseitigt. Diese sollte beim Bargeld am höchsten ausfallen, um den Umlauf des Geldes, also deren Einsatzhäufigkeit, anzuregen. Ent- sprechend niedriger muß sie bei Guthaben ausfallen, da ja auch die Spartätigkeit angeregt werden soll. Immer wird es sich um nur geringe Anteile handeln.

Geldreformer bekennen freimütig, daß auch noch mancherlei offene Probleme der theoretischen Bearbeitung harren. Zumal bei solchen Fragen, auf die höchst erfolg- reiche Großversuche, wie z. B. das vielzitierte Experiment von Wörgl, naturgemäß noch keine Antwort geben konnte.

So ist beispielsweise anzunehmen, nach unserer Kenntnis aber noch nie berechnet worden, ob in einer, für den Bedarf des eigenen Volkes arbeitenden nationalen Volkswirtschaft (also ohne zinsparasitären Dauerabzug, Fremdinteressenbedienung, schmarotzende Institutionen und sabotierende Verschwendung), nicht möglicherwei- se bereits die Mittel aus der Gleichstellungsabgabe (des Geldes gegenüber anderen Produkten, die dessen Liquiditätsvorteil aufhebt) eine Steuererhebung vollständig überflüssig machen würden.

Erst ein gesicherter Geldumlauf wird eine reibungslose Marktwirtschaft ermöglichen. Ganz im Gegensatz zur heutigen Zinswirtschaft des künstlichen Geldmangels, in der die Geldhorter dieses nur gegen einen erpreßten Zins in Umlauf geben lassen und zwar unter Außerkraftsetzung der Marktgesetze. Die Fehlfunktion der privaten und nie verderbenden Wertaufbewahrung mit ihrem Abzug aus dem Wirtschaftskreislauf, wurde – gegen die Interessen der Volkswirtschaft – für rechtens erklärt.

Die Tätigkeit der Banken wird sich verändern. Ihre Funktion wird darin bestehen, mit- tels Krediterteilung das Geld in den Kreislauf der Volkswirtschaft zurückzuführen. Nur wird eben die Zinsnahme untersagt sein (eine Bearbeitungsgebühr ist kein Zins). Kredite werden nur in der Höhe ausgereicht, in der Sparer ihr Geld vorübergehend den Banken anvertraut hatten. Die Praxis, nicht vorhandene Mittel „geldschöpfend“ als zinsbelasteten Kredit zu erteilen, wird beendet.

Vorschießende Geldschöpfung für Großvorhaben, die einen Wertzuwachs für die Realwirtschaft und kulturelle Fortschritte der Volksgemeinschaft erwarten lassen, wird der unter Volkskontrolle stehenden Staatsbank als Ausnahmefall vorbehalten sein.

Dies wird auch ausschließen, daß die Natur weiter geplündert und zur Zinsbedienung in Ware verwandelt wird. Besonders bedrückende Beispiel sind in den Regenwald- ländern zu beobachten. Überhaupt kann man davon ausgehen, daß in den Fällen gravierender Naturzerstörung, deren letzte Ursache stets in der Zinswirtschaft zu su- chen ist.

Daß die Wirtschaft für das eigene Volk tätig zu sein hat und nicht umgekehrt, bräuch- te für den Nationalökonomen Ruhland nicht erst hervorgehoben zu werden. Heute ist tägliche Praxis, daß jeder, aber auch wirklich jeder einzelne Schritt im Wirt- schaftskreislauf mit Produktion, Distribution, Zirkulation und Konsumtion auf Dauer mit unsichtbaren Kreditzinsen belastet ist.

14

Es ist so eingerichtet, daß diese Zinsen um ihrer Bedienung willen („Bedienung“ kommt vom Dienen der Diener) die Preise belasten (müssen). Den Saugnäpfen des Kraken Zinssystem ist heute nicht zu entgehen. Wobei die Führung des Landes noch zusätzlich, als Steuern, Abgaben, Gebühren usw. getarnt, absaugt.

Die jeweiligen Führungen hatten, überwiegend im Fremdinteresse, in unverantwortli- cher Weise Kredite aufgenommen und die Zinszahlungen selbst verursacht. Heute ist der Zinsendienst 34 bereits der zweithöchste Etat im Haushalt der BRD 35 . Die Einkünf- te aus deutschen Steuern, Abgaben usw. werden absehbar nicht so gesteigert wer- den können, daß sie ausreichen, um die weiter wachsenden Zinsen der fortschrei- tenden Verschuldung, sowie Fremdinteressen, zu bedienen.

Finale Ereignisse im Lande und das systemimmanente Verfallsdatum sind, wie stets in der Geschichte, wie es Ruhland erkannt hatte, vorprogrammiert.

Da viele Sparer sich auch als Nutznießer des Zinssystems wähnen, soll noch daran erinnert werden, daß die meisten von diesen (etwa 80 %, bei ca. 10 % ist das Ver- hältnis in etwa ausgeglichen), ihre vermeintlich so leicht gewonnenen Zinsen in Wirk- lichkeit selbst bezahlen müssen. Sie tun dies, indem sie konsumieren, wozu auch die Inanspruchnahme von Dienstleistungen gehört. Die von allen, also auch den Gutha- benbesitzern, zu zahlenden Zinsen verstecken sich auf jeder Stufe der o. g. Prozes- se.

Nur bei ganz wenigen (ca. 10 %, mit erheblichen Unterschieden in dieser Gruppe) sind die Guthabenzinsen so hoch, daß diese die überall versteckten Zinsbeträge des Konsums weit übersteigen. Bei ihren Besitzern, den Kapitalisten, sammeln sich lau- fend gigantische Geldmengen an, die nach kapitalistischer Verwertung, also nach neuen Zinsen schreien. Diese sollten allerdings eine gehörige Höhe aufweisen. Falls das nicht gewährleistet ist, wird das Geld als Kredit eben nicht verleihend in den Um- lauf gegeben. Es verdirbt ja auf den Konten nicht. Das Geld ist aber dem Wirt- schaftskreislauf entzogen. Während auf der anderen Seite, wegen des fortschreiten- den Mangels an Zahlungsmitteln, die Wirtschaftstätigkeit und der Konsum immer stärker abnehmen und die Verarmung immer weiterer Volksschichten voranschreitet.

Bekanntlich muß in einem endlichen System jedes exponentielle Wachstum und beim Zinseszins handelt es sich um ein solches, naturgemäß scheitern.

Das internationale Großkapital, die globale Hochfinanz, weiß natürlich um den Sach- verhalt des zwangsläufigen Zusammenbruchs ihres Systems. Sie versucht ihm nicht nur zu entgehen, sondern ihn auch noch für ihre weitere Unterwerfungspolitik durch Massenenteignungen zu nutzen, in dem sie ihre Papier(geld)massen in reale Werte, wie z. B. Immobilien umtauscht, wobei es sich um ganze Landstriche mit deren Pro- duktion, die übernommen oder nach Gutdünken zerlegt und ausgeschlachtet wird, handeln kann. Einschließlich der gesamten Infrastruktur, wie Kabelnetze, Ver- u. Entsorgungsleitungsnetze, nicht zu vergessen die Medien zur Massenbeeinflussung usw.

Besonders interessant sind ihnen vor allem Produkte, für die nach dem Zusammen- bruch die Menschen vor ihnen im Staub liegen werden, wie Wasser und Nahrungs- mittel, aber auch die für eine Selbstversorgung wichtigen Rohstoffe, Energie, Acker-

15

land, Wald usw. Um vom Thema Arbeitsplätze erst gar nicht zu reden. Die auf Schnäppchenjagd in Deutschland und auch in anderen Staaten tätigen internationa- len „Geierfonds“ zeugen davon 36 .

Das herrschende Recht, also das Recht der Herrschenden, ermöglicht ihnen dies. Häufig handelt es sich dabei gerade um reale Werte der unterworfenen, abhängig gemachten oder sonstwie unterwanderten Länder.

Unterworfenen oder abhängig gemachten Völkern bleibt also gar nichts anderes üb- rig, als auf der Selbstbestimmung des eigenen Volkes und der Nichteinmischung in ihre inneren Angelegenheiten zu bestehen sowie das „Kapitalistenrecht“ mit seiner Zinswaffe als Machtinstrument gegen sie zu entlarven.

Eben darum ist es manifestes Interesse der globalen Hochfinanz, eine Selbstbe- stimmung der Völker nicht zuzulassen und diese u. a. durch „Abschaffung ihrer völki- schen Exklusivität“ (Hooton) aufzulösen.

Das Deutsche Volk ist insofern ein Sonderfall, als die Vorenthaltung der Selbstbe- stimmung gänzlich offenkundig ist, es ist ihm von den Alliierten in all den Jahrzehnten sogar mehrfach schriftlich gegeben worden. Gerade deshalb sind wegen des Ein- griffsverbotes des Art. 43 der Haager Landkriegsordnung allerdings auch alle finan- ziellen und sonstigen Transaktionen, (wie beispielsweise „Privatisierung“ von Volks-

vermögen) u. a. zugunsten von Vertretern der Feindstaaten

das Reich kriegführende Vereinigungen, auf dem deutschen Staatsgebiet durch das Völkerrecht ebenso offenkundig nicht gedeckt. Was den Verursachern bestens be- kannt ist, die nicht nur alles tun, um diesen Zustand aufrechtzuerhalten, sondern auch noch die verbliebenen Reste deutschen Volksvermögens und privaten Besitzes an sich zu bringen.

37

und weiterer, gegen

Das Deutsche Volk hat indes gar keine andere Wahl, als auf der Einhaltung des Völ- kerrechts zu bestehen und die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit seines Deutschen Reichs einzufordern. Es ist die Bedingung seiner Fortexistenz als Volk.

Dem heute zunehmenden Zinsdruck durch expansives Wirtschaftswachstum zu be- gegnen oder/und durch Eroberungen neue (Zins)Knechte und Tribute zu akquirieren, wird die Agonie bestenfalls hinauszögern. Dennoch handelt es sich dabei um die kla- re Politik der Verursacher. Sie setzen unbeschwert auf Wachstum (ihrer Einkünfte). Sei es in Form weiterer Zinsen durch aufgenötigte Kredite, seien es die Aneignung der Bodenschätze, Guthaben, Schätze und Kulturgüter der Unterworfenen, der Pa- tente und Muster, als Privatisierung (Umtausch s. o.) verharmlost, als Reparationen und Wiedergutmachungen getarnt, der Freiräumung als sog. Standort für sie und in Gestalt von ewigwährenden Ablaßforderungen aufgrund mit religiöser Inbrunst be- haupteter Verbrechen der Besiegten. Auch das völkerrechtswidrige Versorgenlassen der Millionenheere von Geburtenüberschüssen einiger der Sieger durch die Besieg- ten in deren Land, soll helfen, die selbstverursachten Probleme im eigenen Land auf die Besiegten abzuwälzen. Der Geschichtsverlauf der von Ruhland untersuchten Kulturen legt ein beredtes Zeugnis davon ab, daß gerade die Siegermächte bis jetzt immer noch selbst unter- gegangen sind.

16

Die heute maßgebliche Hochfinanz könnte sogar den Zusammenbruch ihres Finanz- systems gesteuert ablaufen lassen und danach zur Illusion der „bewährten und soli- den Golddeckung“ zurückkehren und sogleich mit ihrer kapitalistischen Zinswirtschaft weitermachen. Sie hatte vorher ja auch alles Gold der Welt, dessen sie habhaft wer- den konnte 38 , gegen bedrucktes Papier getauscht.

Damit nicht nach dem nächsten Zusammenbruch mit der Zinsausbeutung alles ge- steuert wieder von vorn beginnt, sieht die zinsfreie Volkswirtschaftslehre neben dem Zinsverbot und dem Volksgeld auch eine spekulationsverhindernde Bodenreform vor, damit eine Machtakkumulation mittels Grund und Boden, anstelle des Geldes, ver- hindert wird. Deren Bedeutung ist nach dem Gesagten gar nicht hoch genug einzu- schätzen. Es versteht sich von selbst, daß diese mit den Enteignungen des Kommu- nismus, der diese als „Reform“ tarnte, nichts gemein haben wird. In Deutschland ge- hört der Grund und Boden, einschließlich der von Deutschen geschaffenen Infra- struktur usw. ganz einfach den Deutschen. Näheres ist in den Bestimmungen des Reichsrechts geregelt.

So klar die nationale- und Völkerrechtslage hierzu ist, ebenso eindeutig ist, daß das Recht derzeit nirgends einklagbar ist. Dafür sorgt die höchst reale Herrschaft des Colts.

Es ist überaus bemerkenswert, daß wir zwar täglich, von früh bis spät und von der „Wiege bis zur Bahre“ dem Zinssystem ausgesetzt sind, indes über das Ausmaß der heutigen Zinsbelastung aller Produkte kaum genaue Informationen vorliegen. Als Groborientierung wird gegenwärtig mit einem Mittelwert von etwa 40% gerechnet. Was im Einzelfall davon erheblich abweichen kann. Aus dem Schrifttum konnten wir lediglich folgende präzise Angaben über Zinsen im täglichen Leben gewinnen:

Im Preis ist der Zins enthalten, bei den Müllabfuhrgebühren zu 12%, beim Trinkwas- ser zu 38%, bei der Kanalbenutzung für Abwasser mit 47%, bei der Kostenmiete zu 77% 39 . Diese mindestens zehn Jahre alten Werte dürften heute überholt sein. Be- stimmt haben sich die Zinsanteile inzwischen nicht verringert.

Man stelle sich nur diese Anteile der Massenkaufkraft zugeschlagen vor. Die nationa- le (!) Marktwirtschaft, Kunst, Kultur und Wissenschaft würden geradezu aufblühen. Weil dann genügend Geld vorhanden ist, wird man sich auch eine arbeitsintensive Produktion leisten können. Langlebige und reparaturfreundliche Güter können pro- duziert werden, da dann auch genügend bezahlbare Arbeitskräfte im eigenen Land vorhanden sind. Wachstum wird überwiegend qualitativ stattfinden. Beispielsweise könnten endlich separate Leitungsnetze für Grauwasser im ganzen Land in Angriff genommen werden. Der Übergang zu naturschonenden geschlossenen Kreisläufen würde möglich und wäre eine wirkliche Gemeinschaftsaufgabe des ganzen Volkes.

Wenn Ruhland sich für aus der Geschichte bekannte, nichtdeutsche Kulturen inter- essierte, so bedeutete dies nicht, daß ihm die Geschichte seines eigenen Volkes nichts galt, eine Einstellung, die heute von interessierter Seite gefördert wird. Das Gegenteil ist der Fall. Gustav Ruhland war natürlich mit der Geschichte des Deut- schen Volkes bestens vertraut. So muß er gewußt haben, daß wir neben dem ver- derblichen Kapitalismus der Zinswirtschaft, schon einmal bessere Zeiten gesehen haben.

17

Es war in unserer Geschichte, neben der germanischen Volksgemeinschaft freier Männer und Frauen, die glückliche Zeit der Brakteaten (einseitig geprägtes Dünn- blechgeld) im Hochmittelalter. Diese Zeit begann 1154 in Magdeburg und dauerte bis etwa 1450. Sie umfaßte also etwa 300 Jahre, in der sich die wenigen Städter sogar die heute noch bewunderten Bauwerke der Gotik leisten konnten. Es war auch die Zeit des erfolgreichen Bundes der Hanse. Die etwa halbjährliche Verrufung (Aufru- fung zum Umtausch mit Abzügen, aus dieser Zeit stammt der heute anders ge- brauchte Ausdruck) des umlaufenden Geldes für Steuerzwecke, schloß eine Hortung und damit dauernde Wertaufbewahrung aus. Das Geld diente seinerzeit ausschließ- lich als Tauschmittel und damit seinem eigentlichen Zweck. Der durchaus begrü- ßenswerte Nebeneffekt bestand darin, daß der Geldumlauf wesentlich beschleunigt wurde, weil jedermann mit seinem Geld, noch bevor es verrufen wurde, gern noch gezahlt hätte.

Selbstverständlich waren Ruhland Luthers Äußerungen zum verderblichen Wucher und deren Trägern geläufig. Auch Thomas Münzer, dem geistigen Führer des Bau- ernkriegs in Mitteldeutschland, waren die Folgen des Wuchers nur allzugut be- kannt. 40 Charakteristisch, daß zu den Forderungen der aufständischen Bauern neben der Rückkehr zu Elementen der bewährten Volksgemeinschaft und der Herausgabe der gestohlenen Allmende, auch die Ablehnung des Wuchers gehörte.

„Es sol im Land niemand Kaufmannscaft treiben, auf daß sic mit der Sünd des Wucers niemand beflekkt. Aber damit in solcem nit Mangel erscein und gut Ordnung gehalten werd, auc niemand überscätz und betrogen, sunder alle “

Ding in eim recten Kauf und gut War gefunden werden mug

41

Die Forderung eines strikten Zinsverbotes hat also in Deutschland durchaus Tradition und geht nicht allein auf Gustav Ruhland und Gottfried Feder zurück. Weitere Ver- dienste um eine langfristig gesunde Geldwirtschaft hatten sich auch andere Deut- sche erworben, von denen noch Silvio Gesell 42 namentlich erwähnt sein soll, auf dessen Verdienste und leider auch mancherlei Illusionen, hier aber nicht eingegan- gen werden kann und auch der deutschsprachige Jude Heinrich Färber ist hervorzu- heben.

Wir, die Deutschen, verfügen also sowohl über die entsprechenden Einsichten, wie sie uns von unseren Forschern vermittelt werden, als auch über ältere und neuere geschichtliche Erfahrungen. Zu den neueren gehört das eigene Volksgeld in Gestalt der Arbeitswährung (und reiner Binnenwährung) Reichsmark und erste Ansätze einer Bodenreform mit dem Reichserbhofgesetz vom 29. Januar 1933 43 . Bezeichnend, daß es von den Siegermächten völkerrechtswidrig alsbald durch das Kontrollratsgesetz Nr. 45 44 kassiert wurde.

Hier sei u. a. auch an unser bewährtes deutsches Genossenschaftswesen erinnert, das noch in der DDR, bis zu deren Überstellung an die BRD, seine vorbildliche Funk- tionsfähigkeit unter Beweis gestellt hatte.

Erfahrungen, die uns bedeuten, welche davon erfolgreich weiterzuentwickeln sind, um ein auf Dauer gesundes eigenes Wirtschaftssystem zu schaffen und welche nicht.

18

„Stellen Sie sich vor, es funktionierte in seiner kontrarevolutionären Art!“ sagte der trotzkistische Revolutionär (und zugleich Agent der Hochfinanz, d. V.) Ra- kowskij, früherer Sowjetbotschafter in Paris, zu seinem Vernehmer aus Stalins GPU im Jahre 1937 und meinte, es existiere „keine wissenschaftliche These,

man hat auch keine Lehre davon formuliert

Augenblick kann auf dem Wege der Induktion sich eine Formel ergeben. Das ist sehr ernst, ernster als alles Theater und alle Grausamkeit beim Nationalso- zialismus! Unsere Propaganda (der internationalen Hochfinanz, d. V.) greift das auch nicht an, denn aus der polemisierenden Kontroverse könnte die Formulierung und Systematisierung der gegenrevolutionären Wirtschaftslehre erwachsen. Da gibt es nur eine Rettung: den Krieg!“

Aber die Gefahr ist latent; jeden

45

Und so sollte die Hochfinanz auch dann gegen das Reich vorgehen lassen.

Nun, seit Ruhland gibt es sehr wohl diese wissenschaftliche These und zwar wohl- begründet. Das Rad, mit dem die Völker heute den zinstragenden Kapitalismus hinter sich lassen können, ist in Deutschland längst erfunden.

Ruhland ist auch ein Vorbild an wissenschaftlicher Seriosität, der keineswegs den Ruhm der Entdecker der Pathologie des kapitalistischen Zinssystems zu sein, für sich allein beanspruchte. Neu ist die wesentliche Erweiterung, Systematisierung und Zusammenfassung.

Beispielsweise konnte er den genialen Spartanerkönig Lykurg nicht genug loben. Ebenso, wie auch später Silvio Gesell diesem seine Reverenz 46 erwies. Hatte dieser doch sein Volk mit seiner Gesetzgebung weise vor dem Kapitalismus des Wuchers vorausschauend für alle Zeiten gewarnt und als sein Vermächtnis seinem Volk hinter- lassen:

„Die spartanische Verfassung war so mit aller Energie bemüht den Volkskör- per gesund zu erhalten und deshalb das Eindringen der Krankheit des Kapita- lismus vorausschauend zu verhüten“ 47 .

Und doch gingen die Spartaner letztlich an innerer Zersetzung durch das „Eindringen geldwirtschaftlicher Verhältnisse“ und dem „Ende der Unveränderlichkeit des sparta- nischen Grundbesitzes“ (!) 48 und zunehmender Schuldenlast zugrunde.

„Und als man den krank gewordenen Volkskörper später heilen wollte, zeigten sich seine Machtmittel als zu klein für ein selbständiges gesundes Gemeinwe- sen inmitten einer kapitalistisch durchseuchten Welt“ 49 .

Reformen ihres letzten Königs Kleomedes IV., 226 v.u.Z. setzten noch einmal Schul- denstreichungen, Beseitigung des Handels- und Leihkapitalismus und die Wieder- herstellung von Zucht und Ordnung durch, wobei 80 reiche Personen verbannt und ihr Vermögen an 4000 spartanische Periöken verteilt wurde 50 . Was den Niedergangsprozeß zunächst umkehrte. Aber bereits nach fünf Jahren wurden sie mit Krieg überzogen und mit der militärischen Niederlage gegen den achäischen Bund und seinem mazedonischen Verbündeten im Jahre 221 v.u.Z. wur- de ihnen der Kapitalismus wieder aufgedrückt. Ähnliches sollte sich nach 2166 Jah- ren genau so bei einem anderen Staat in Mitteleuropa wiederholen.

19

Auch die kapitalistischen Ursachen der dauernden Kriege, der von ihm untersuchten Kulturen, hatte Ruhland offengelegt.

Am Beispiel des islamischen Weltreiches, äußerte sich Ruhland exemplarisch über Kapitalistenpolitik:

„Sie stellte sich die Frage: Wie können wir die Menschen am besten für uns arbeiten lassen? Die Antwort lautete: Indem wir die Welt erobern und beherr- schen.“ 51

An anderer Stelle lautete seine Analyse:

„Der heute herrschende Kapitalismus in der Gesellschaft bedeutet ewigen Krieg“ 52 .

„Die Kriege sind Lösungsversuche wirtschaftlicher Fragen, in kapitalistischem Sinne. Namentlich die griechische Geschichte ist angefüllt mit blutigen Kämp- fen um neue Märkte und neue Absatzwege für Handel und Industrie. Alle Schlachten wurden geschlagen auf Befehl kapitalistischer Welteroberer. Die blutigen Kolonialkriege des XVI. und XVII. Jahrhunderts sind naturgemäß aus “

dem Seeraub hervorgewachsen

53

Noch vor Ruhland hatte Marx die genannten mörderischen Raubzüge als „ursprüng- liche Akkumulation“ bezeichnet und somit die Quelle der Vermögen der Neuzeit namhaft gemacht. Leider hat er nicht gesagt, um welche Banken und deren Eigen- tümerpersonen es sich dabei handelte. Was die Nachkommen der Sklaven durchaus interessierte, wie Martin Luther King später feststellte.

Auf Parallelen im 20./21. Jahrhundert muß nicht erst hingewiesen werden. Allein, Weltgläubiger zu sein, nützt nichts, wenn die Zinsen und andere Tribute, dabei kann es sich um ganze Völker, deren Arbeitskraft und Vermögen, einschließlich ihrer Bo- denschätze und Wirtschaften handeln, nicht eingetrieben werden können. Ihre Vollzieher waren in Rom die Legionen, so wie das gleiche Instrument heute Ar- my, Navy und Air Force heißt. Derzeit ist auch ihre Aufgabe, die eigenen wachsen- den Schulden bei anderen vor Geltendmachung zu schützen.

Denn der ehemalige Gläubigerstatus ist längst Geschichte. Die Ausplünderung wird z. T. durch eine maskierende Neuentwicklung verhüllt. Die Lieferungen umfassen reale Produkte, sowie reale Wirtschaftsvermögen und Immobilien, während die „Be-

zahlung“ mit bedrucktem Papier erfolgt, gleich wie es im Einzelfall genannt wird. Alle

Werte sind also in jedem Falle weg, d. h. es hat sie nur ein anderer

54

.

Und wann man den (zwangsläufigen) Zusammenbruch seines jetzigen Geldsystems zur seiner eigenen Entschuldung mittels Abwertung, sowie zur weiteren Aneignung der Realwerte bei Schuldnern wirklich einläutet, um ihr neues, privates, möglichst erdumspannendes Geldsystem einzuführen, wünschen noch immer die wenigen Fa- milien der Hochfinanz zu bestimmen.

Um das Papier vorher rückpräsentieren zu können, müßte man schon Großmacht sein. Ein Eintreiben mit kriegerischen Mitteln wäre auch dieser wegen der übergro- ßen Waffenwirkungen verwehrt. Aber auch für die „friedliche“ Rückpräsentation be-

20

deutender Geldmassen, die den sofortigen Zusammenbruch beim Schuldnerstaat (und seinen „Verbündeten“, die dessen angesammelte Papier(geld)massen als Wäh- rungsreserve ausgeben) bewirken würde, muß der Gläubiger über gehörige Macht- mittel verfügen. Wobei sich von selbst versteht, daß er sein Land nicht von der Hoch- finanz abhängig gemacht hat und weitgehend autark sein muß. Nur eine asiatische Großmacht scheint heute nahe daran, diese Bedingungen zu erfüllen.

Gustav Ruhland hat die Systemfrage gestellt, wie sie grundsätzlicher nicht ausfallen könnte:

Völker der Welt, wollt Ihr Euch auf ewig dem Zinssystem mit seinem ausbeuterischen Zyklus und deren Nutznießern gefangengeben, oder wollt Ihr Euch endlich daraus befreien?

Die endgültige Antwort der Geschichte steht bis heute aus.

© 2005 / V.i.S.d.P. Hans Peter Reinecker [19.7.2005]

1 Nur wenige Jahre später wurde man deutlicher, wie in der Zeitung Londoner Saturday Review vom 1. Februar

1896. Unter der Überschrift : „Eine biologische Betrachtung unserer englischen Außenpolitik von einem Biologen“

(Dt., S. 46 s. u.), wurde die Forderung erhoben: „

est delenda (Deutschland muß zerstört werden)“. Zit. n. Grimm, Hans; Warum – Woher – aber Wohin? Vor, unter

und nach der geschichtlichen Erscheinung Hitler; Klosterhaus-Verlag, Lippoldsberg; 1979, S. 51

macht

euch fertig zum Kampf mit Deutschland, denn Germania

2 Ruhland, Gustav; System der politischen Ökonomie, Puttkamer u, Mühlbrecht, Berlin (1903 – 1908), Bd. I

gemeine Volkswirtschaftslehre (1903), Bd. II Entwicklungsgeschichte der Völker (1906), Bd. III Krankheitslehre

des sozialen Volkskörpers (1908). Unveränderter Nachdruck, „Zeitgeschichte“ Verlag und Vertriebsgesellschaft

m. b. H. Berlin W 35 u. Leipzig, 1933, l. c. Bd. I, S. 9.

All-

3 Zit. n. Frost, J.; Gustav Ruhland`s Leben und Kampf; Landesbauernschaftsverlag Bayern G.m.b.H 1936, S. 10

München,

4 a. a. O.

5 Fikentscher, Henning. Zur Ermordung Friedrich Schillers. Der heutige Stand der Forschung über Friedrich Schil- lers sterbliche Reste und die Ursache seines Todes, Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl, 2000.

S. a. Ludendorff, Mathilde; Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing, Mozart und Schiller, Archiv Edition, Verlag

für ganzheitliche Forschung, Viöl, 2003.

6 „Dann wirst du vielen Völkern leihen, doch du wirst von niemand borgen; du wirst über viele Völker herrschen,

doch über dich wird niemand herrschen“ 5. Mos. 15, 6 ; „

niemand borgen; du wirst über viele Völker herrschen, und über dich wird niemand herrschen.“ 5. Mos.28/1,12. „Da aber die Kinder Israel mächtig wurden, machten sie die Kanaaniter zinsbar und vertrieben sie nicht“. Jos.

17/13.

so

wirst du vielen Völkern leihen, und du wirst von

7 MEW, Bd. 23, S. 788

8 Beispielsweise ließ Friedrich Wilhelm I. wegen Veruntreuung von 800 Thalern den Rath von Schubhut vor den Augen der Mitglieder der Domänenkammer aufknüpfen. Beheim-Schwarzenbach, Max; Friedrich Wilhelms I. Colonisationswerk, Hartungsche Verlangs-Druckerei, Königsberg, 1879, S. 26

9 Ruhland; Bd. I, S. 145

21

10 Vgl. Rakowskij, K. J. in: Landowsky, Josef; Rakowskij - Protokoll über die Vernehmung des Sowjetbotschafte- res Kristjan Jurewitsch Rakowskij durch den Beamten der GPU Gabriel G. Kuzmin am 26. Januar 1938 in Mos- kau; Faksimile-Verlag; Bremen, 1987

11 Ruhland, G.;System der politischen Ökonomie, Bd. III, S. 146

12 Ruhland; Bd. III, S. 331f

13 Vgl. Baumfalk, Gerhard; Der Luftkrieg über England und Deutschland 1939–945; Grabert-Verlag, Tübingen, 2004. S. a. Friedrich, Jörg; Der Brand; Propyläen Verlag; 2002.

14 Ruhland, Bd. I, S. 161

15 Ruhland, Bd. I, S. 95 f.

16 Ruhland; Bd. I, S. 113

17 Ruhland; Bd. I, S. 114 f.

18 Ruhland; Bd. I, S. 59

19 Ruhland; Bd. I, S. 368

20 Ruhland; Bd.III, S. 323

21 Ruhland; Bd. III, S. 301 f.

22 Ruhland; Bd. III, S. 302 f.

23 Ruhland; Bd. III, S. 136

24 Ruhland; Bd. I, S. 59

25 Vgl. Feder, Gottfried; Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes; Verlag Jos. C. Huber, Mün- chen 1919. S. a. Feder, Gottfried; Kampf gegen die Hochfinanz; München, 1934.

26 Ein geringer Zins wurde beibehalten. Da sich die geldschöpfende Reichsbank unter Staatskontrolle befand, war dafür gesorgt, daß die gewonnenen Mittel praktisch als Steuergelder wieder in den Wirtschaftskreislauf des Reichs zurückflossen, womit der privaten Hortung und Zinserpressung ein Riegel vorgeschoben wurde.

27 Was als sog. Telephonkrieg bekanntgeworden ist. In seiner Nr. 6 (1947) berichtete das britische Magazin To- morrow über die Rede des britischen Verhandlungsführer Oberstleutnant J. Creagh Scott, die dieser in der Cel- sea Toen Hall in London am 11. August 1947 gehalten hatte: „Während des gesamten Telefonkrieges 1938/40 fanden ausgedehnte Verhandlungen zwischen dem britischen und deutschen Auswärtigen Amt statt, in denen wir vorschlugen, die Feindseligkeiten einzustellen, wenn Deutschland sich bereit erklärte, zur Goldwährung zurück- zukehren.“ Zunächst war noch die Forderung erhoben worden, Hitler als Reichskanzler zu entlassen, was später aber fallengelassen wurde.

28 Unter dem bezeichnenden Titel „Müllabfuhr der Hochfinanz“ berichtet der Spiegel (13; 2005 v. 26.3. 2005) daß allein die Inkassoverwaltung der Hoist Kreditverwaltung AG, über Daten von 300 000 verschuldeten Bundesbür- gern mit einem Schuldenberg von über 3 000 000 000 Euro verfüge. Allein im Jahr 2004 wurden in der BRD Ratenkredite mit einem Volumen von 129 000 000 000 Euro erteilt, was eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 9% bedeutet.

29 Ruhland, a. a. O. Bd. III, S.118 f.

30 Ruhland, Bd. III, S. 50, womit er Gold und Geld synonymisierte, zu seiner Zeit gab es noch keine oder nur geringfügige ungedeckte Papiergeldmassen, wie es heute praktiziert wird.

31 Der Artikel 43 des „Abkommen(s), betreffend die Gesetze und Gebräuche des Landkrieges vom 18. Oktober 1907“ (RGBl. 1910, S. 107), der Haager Landkriegsordnung, lautet: „Nachdem die gesetzmäßige Gewalt tatsäch- lich in die Hände des Besetzenden übergegangen ist, hat dieser alle von ihm abhängigen Vorkehrungen zu tref- fen, um nach Möglichkeit die öffentliche Ordnung und das öffentliche Leben wiederherzustellen, und zwar soweit kein zwingendes Hindernis besteht, unter Beachtung der Landesgesetze“.

32 Vgl. Artikel 41, 51, 52, 53 der Haager Landkriegsordnung

33 Ruhland; Bd. III, S. 339

34 Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler wies am 10. Juli 2005, 8 Uhr 30 aus: Staatsverschuldung:

1 442 648 265 890 864 Euro, Schuldenzuwachs pro Sekunde: 1,714 Euro; Schulden pro Kopf: 17 474 Euro. www.steuerzahler.de

35 Anderswo ist man schon weiter. Beispielsweise beansprucht der Schuldendienst der Türkei heute bereits fast 80 % der Staatseinnahmen!

36 Vgl. Der Spiegel Nr. 52, v. 20.12.2004, S. 68 –70.

22

37 Vgl. Artikel 53 und 107 der Charta der Vereinigen Nationen, verkürzt gemeinhin als die sog. Feindstaatenklau- seln bezeichnet. Allein bei Staaten bzw. deren Rechtsnachfolgern, also ohne weitere kriegführende Vereinigun- gen bzw. deren Rechtsnachfolger, handelt es sich dabei um 52 an der Zahl.

38 „Wenn der (Gold)Preis schließlich explodiert, werden dieselben Häuser, die von dem Fiat-Money-Arrangement profitiert hatten (Finanzinstitute wie Goldmann Sachs usw. S. 232) höchstwahrscheinlich das meiste Gold und möglicherweise die Goldminen besitzen“ Lips, Ferdinand; Die Goldverschwörung, Jochen Kopp Verlag, Rotten- burg, 2003, S. 232.

39 Creutz, Helmut, zit. n. Senf, Bernd; Der Nebel um das Geld; Gauke Verlag, Lütjenburg 1996, S. 97 f. S. a. Creutz, Helmut; Das Geldsyndrom, Wege zu einer krisenfreien Marktwirtschaft; Angela Hackbarth Verlag, St. Georgen, 2003.

40 Persönliche Mitteilung von dem verdienten Nestor der Geldreformbewegung, Albert Lämmel.

41 Michel Geismairs Tiroler Landesordnung (Februar/März 1526), zit. n: Dokumente aus dem deutschen Bauern- krieg; Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1980, S. 241

42 Leider kannte Silvio Gesell das Hauptwerk Ruhlands nicht, es hätte ihn von seinen gut gemeinten, aber fern von den machtpolitischen Realitäten gedachten internationalistischen Illusionen sicher bewahrt. Was Gesells Verdienste um eine zukunftsweisende Ökonomie mit der Verwendung des Geldes ausschließlich als Tauschmittel nur geringfügig beeinträchtigt.

43 RGBl I, (1933) S. 685

44 Kontrollratsgesetz Nr. 45 v. 29. September 1947 (ABIKR S. 256)

45 Rakowskij, a. a. O. S. 56 f.

46 „Die Goldwährung ist die Räuberhöhle, der der Pesthauch der Bürger- und Völkerkriege entsteigt. Die Gold- währung entwaffnet mich, so daß ich dem Ansturm der Barbaren nicht widerstehen kann. Das Gold rief mich ins Dasein, doch die große Kindesmörderin vernichtet das keimende Leben. Ehret Lykurg! Er ächtete das Gold, die Ursache aller Verbrechen“, Gesell, Sylvio; Ges. Werke, Bd. 11, 1920, S. 233.

47 Ruhland; Bd. III, S. 83 f.

48 Ruhland; Bd. I, S. 308

49 Ruhland; Bd. III, S. 85

50 Ruhland; Bd. I, S. 310

51 Ruhland; Bd. III, S. 35 f.

52 Ruhland; Bd. III, S. 297

53 Ruhland; Bd. III, S. 298

54 „Ihr Geld ist nicht weg, mein Freund, es hat nur ein anderer“, James Mayer de Rothschild (FAZ v. 14.4.2001, S.

13)