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Report | Windows Server: Auswahl

Report | Windows Server: Auswahl Johannes Endres Innenarchitektur Der passende Server für kleine Arbeitsgruppen Sein

Johannes Endres

Innenarchitektur

Der passende Server für kleine Arbeitsgruppen

Sein Server-Betriebssystem für kleine Unternehmen und Arbeitsgruppen nennt Microsoft naheliegenderweise Small Business Server – und verlangt einige hundert Euro dafür. Doch viele kleine Nutzergruppen kommen mit einer viel geringeren Investition an einen Server. Aber welche Lösung taugt für wen und wo liegen die Grenzen?

M it dem Small Business Server (SBS) packt Microsoft das Rundum-glücklich-

Paket für kleine Unternehmen und andere überschaubare Arbeitsgruppen: Er stellt Plat- tenplatz und Drucker zur Verfügung; das integrierte Exchange wickelt die E-Mail ab, verwaltet gemeinsame Termine und Adress- bücher; mit den SharePoint Services sind in Nullkommanichts professionelle Intranet- Portale für die Zusammenarbeit gebaut; die Windows Server Update Services verteilen Microsoft-Updates im LAN und zeigen an, welcher PC noch welche braucht; per Active Directory verwaltet der Server User-Accounts für alle Rechner und erzwingt über Gruppen- richtlinien Einstellungen auf den PCs. In der Premium-Variante bringt der SBS sogar einen vollständigen SQL-Server mit und darf auf zwei Maschinen laufen. Über die Win- dows-mäßige grafische Konfiguration legt Microsoft noch eine Sammlung von Assisten- ten und eine Konsole, die auch weniger er- fahrenen Windows-Server-Admins deutlich zeigt, wo Handlungsbedarf besteht. Doch so viel Komfort hat seinen Preis: Die Standard-Version des SBS 2008 ist für rund 750 Euro zu haben, die Premium-Ausgabe für rund 1300 Euro. Und in diesen Paketen ste- cken jeweils nur fünf „Client Access Lizenzen“ (CALs), es dürfen also nur fünf Benutzer oder fünf Computer den Server benutzen. Jede weitere CAL kostet rund 60 Euro (SBS Stan- dard) oder knapp 140 Euro (SBS Premium).

Wenn der Teilzeitadmin mit beschränktem Budget aus der Ohnmacht erwacht, die ihn angesichts dieser Preise befällt, wird er sich sofort nach billigeren Alternativen mit ähnli- chem Funktionsumfang umsehen. Ins Blick- feld drängen sich vier Kandidaten: der Win- dows Home Server mit zusätzlichen Kompo- nenten, ein Desktop-Windows mit ähnlichen Ergänzungen, ein Linux-Server oder ein ferti- ges Gerät mit Microsofts Windows Server Foundation. Die in jeder Hinsicht perfekte Lö- sung ist nicht dabei, aber für fast jeden Ein- satzzweck taugt mindestens eine. Der Windows Home Server (WHS) beruht auf dem Windows Server 2003 R2 und bringt den größten Teil von dessen Funktionsum- fang mit. Wie man einzelne Funktionen akti- viert und fehlende mit kostenloser Software nachrüstet, beschreiben die folgenden Arti- kel. Im Weiteren vergleichen wir diesen er- gänzten WHS mit den anderen Billigservern und zeigen, wo seine Grenzen liegen.

Tischspielzeug

Auf den ersten Blick scheint ein Desktop- Windows mit zusätzlichen Komponenten noch näher zu liegen. Doch dessen Bordmit- tel reichen weniger weit und man muss frü- her auf Software anderer Anbieter zurück- greifen, zum Beispiel schon bei manchen Funktionen des Webservers, für DNS oder DHCP. Diese Dienste gibt es zwar auch als

kostenlose Programme, doch von höchst un- terschiedlicher Qualität. Außerdem strickt jeder sein eigenes Konfigurationssystem und darin oft auch eine eigene Benutzerverwal- tung. Demgegenüber haben die Microsoft- Dreingaben auf dem WHS den Vorteil einer sauberen Integration ins System und einer ei- nigermaßen konsistenten Bedienung. Hinzu kommt, dass SharePoint Services, WSUS und derlei sich auf einem Desktop-Windows nur gegen ihren Willen installieren lassen. Dazu muss man die Installer verändern oder ihnen mit verschiedenen Methoden vorgaukeln, dass sie auf einem Server-Windows laufen. Dem erheblichen zusätzlichen Fummel- aufwand steht noch nicht einmal eine Kos- tenersparnis gegenüber. Denn die Home- Versionen von Windows bedienen maximal drei andere PCs gleichzeitig mit Daten. Die billigste Variante eines Desktop-Windows für zehn Verbindungen ist derzeit Windows XP Media Center Edition für rund 105 Euro. Microsoft möchte den Home Server wirklich nur an Heimanwender verkaufen, hat aber in- zwischen erkannt, dass es Bedarf an einem bil- ligeren Unternehmensserver gibt. Demnächst soll mit der Windows Server Foundation einer auf den Markt kommen. Allerdings soll dieses System nur auf Komplettservern installiert und nicht einzeln verkauft werden – wie es auch beim Home Server der Plan war. Die Server Foundation wird dem WHS unter anderem das Active Directory, bis zu 15 User und die modernere Serverbasis (2008 statt 2003) vo- raus haben. Gegenüber dem SBS wird jedoch Exchange fehlen. Allerdings hat Microsoft derzeit keine deutsche Version angekündigt und schweigt sich zum genauen Erschei- nungstermin ebenso aus wie zum Preis.

Ganz offen

Nach sehr geringen Kosten sieht auch ein Server auf der Basis von Open-Source- Betriebssystemen wie Linux, den BSDs oder OpenSolaris aus. Sie geben dem Admin die vollständige Kontrolle: Wenn etwas gar nicht funktionieren will, kann er notfalls im Quell-

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text nachlesen. Doch diese Flexibilität und Kontrolle hat auch ihre Kehrseite: Jedes Soft- wareprojekt, das ein Serverprogramm pflegt, verfolgt auch sein eigenes Konzept für des- sen Konfiguration. In der Regel gibt es meh- rere Dateien mit pro Server unterschiedlicher Syntax. Wer sich darin auskennt, kann jedes Schräubchen um genau die gewünschte Gradzahl drehen. Doch selbst sehr erfahrene Windows-Anwender stehen anfangs recht verloren in diesem Konfigurationsdschungel. Für sie gibt es zwei Auswege: Entweder sich einarbeiten und dabei nebenbei reich- lich Netzwerkwissen aufsammeln – auf Kos- ten der Zeit bis zum stabil laufenden Produk- tivsystem. Oder sie greifen zu einer Spezial- Distribution, die die Details unter einer auf- gabenorientierten Oberfläche verbirgt. Die Kunst der Distributions-Macher liegt dann darin, in dieser meist per Browser zu bedie- nenden Oberfläche die konfigurierbaren Op- tionen so auszuwählen, dass sie dem Admin möglichst viel Kontrolle über seinen Server lässt, und trotzdem die Konfiguration nicht zu komplex gerät. Je besser das gelingt, desto mehr Arbeit und Gehirnschmalz haben die Distributoren investiert. Beides wollen sich die meisten an- gemessen bezahlen lassen. Üblich sind daher mehrere Ausgaben der Server-Software, zum Beispiel eine kostenlose, der Funktionen feh- len oder die nur privat genutzt werden darf, und eine kostenpflichtige mit allen Features und Support. Die Abwägung für den Admin ist ganz unabhängig vom Betriebssystem immer dieselbe: Je weniger Geld er ausgibt, desto mehr Arbeit muss er investieren, um Features nachzurüsten und Probleme selbst zu lösen. Für Windows-Kenner ist der Win- dows Home Server mit einigen Softwarean- bauten daher eine Lösung mit realistischem Preis-Fummel-Verhältnis.

Darf ich?

Es geht die Mär, wer den Windows Home Server erweitere, verletze die Lizenz und mache sich somit strafbar. Zunächst einmal gibt es ganz unterschiedliche Lizenzen: Im Bereich „Ressourcen“ des WHS-Konsole gibt es einen Link „Linzenbedingungen anzei- gen“, der auf unseren Testsystemen Verschie- denes zum Vorschein brachte, von einem de- taillierten juristischen Text bis zum lapidaren Verweis auf die „Lizenzbestimmungen des Herstellers“. Den einzigen Hinweis auf eine Einschränkung der Serverfunktionen fanden wir in der gedruckten Lizenz, die uns beim Öffnen eines Systembuilder-Pakets in die Hand fiel: „Sie dürfen nur Serverfunktionen benutzen, die während des Server-Setup- prozesses bereits aktiviert werden.“ Damit könnte das Benutzen der anderen mitgelie- ferten Dienste die Lizenz verletzen. Allerdings gibt es gewichtige technische und juristische Argumente, die gegen diese Einschränkung sprechen. Zunächst ist nir- gends definiert, was der „Server-Setuppro- zess“ überhaupt ist. Damit kann der User auch nicht erkennen, bis zu welchem Zeit-

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punkt die Dienste aktiviert sein müssen, damit er sie innerhalb der Lizenz benutzen darf. Die Installation des WHS auf dem Rech- ner kann jedenfalls nicht gemeint sein, weil sonst fast alle Add-Ins die Lizenz verletzen würden. Schließlich wirbt Microsoft aus- drücklich: „[Der] Funktionsumfang ist durch kostenlose und kommerzielle Add-ins nahe- zu beliebig erweiterbar.“ Die meisten aktivie- ren zusätzliche Serverfunktionen. Außerdem ist derzeit vollkommen unklar, ob auf einem Zettel beigelegte Lizenzbedin- gungen nach deutschem Recht überhaupt gelten. Denn der Kunde müsste die Lizenz durch einen Vertragsabschluss akzeptieren; doch dazu muss er die Bedingungen vorab kennen und ihnen explizit zustimmen. Den Vertrag schließt er nach deutschem Recht beim Kauf der Software ab, sodass eine Li- zenz, die er erst später im gelieferten Karton findet, eigentlich nicht gelten kann. Über diese Frage streiten Juristen schon lange und wahrscheinlich auch noch für einige Zeit.

Erweiterungsbau

Als Server für eine kleine Arbeitsgruppe muss sich der ergänzte Home Server am Funktionsumfang des SBS messen. Einige wesentliche Eigenschaften vergleicht die Tabelle auf Seite 128. Da der Home Server in seinem Innersten ein Server 2003 R2 ist, las- sen sich viele nützliche Funktionen einfach aktivieren. Wo man mit dem Lieferumfang nicht weiterkommt, stellt oft Microsoft selbst Serverkomponenten kostenlos zur Verfü- gung, so zum Beispiel die SharePoint Ser- vices und den Update-Dienst WSUS. Auch den Microsoft SQL Server gibt es umsonst und als Download, zwar nur in der be- schränkten Express-Fassung, doch die reicht für bis zu zehn User durchaus. Ein wichtiger Bereich, in dem es von Mi- crosoft nichts Kostenloses gibt, ist die E-Mail. Das Server-Schwergewicht Exchange kostet immer reichlich und einen anderen Mail-Ver- teiler haben die Redmonder nicht im Pro- gramm. Doch mit der Freeware hMailServer steht ein E-Mail-Server zur Verfügung, der so stabil und funktionsreich ist, dass sogar man- che Provider ihn nutzen. In einem Punkt hat der WHS sogar die Nase vorn: Das automatische Backup der Client-PCs, das nur die geänderten Cluster überträgt und auf dem Server nur je eine Kopie identischer Daten ablegt, stände auch dem SBS gut zu Gesicht. Bei der Sicherung der Serverdaten gegen Festplattenausfälle gehen die beiden unter- schiedlich vor. Der WHS legt die Dateien sei- ner Freigaben mehrfach auf verschiedenen Partitionen auf mehreren Platten ab; die Me- thode heißt bei Microsoft Ordnerduplizie- rung. Es ist zwar dank der Server-2003-Basis möglich, darunter als doppelten Boden auch noch ein Software-RAID (1 oder 5) einzuzie- hen, doch davon ist abzuraten. Die beiden an verschiedenen Stellen im Betriebssystem ar- beitenden Duplizierungsmechanismen kom- men sich in die Quere und haben bei einigen

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Server-Funktionen im Vergleich

 
 

Windows Home Server + Ergänzungen

Windows Small Business Server 2008 Standard

 

Windows Home Server + Ergänzungen

Windows Small Business Server 2008 Standard

Preise und Lizenzen

Serverdienste (Auswahl)

Preis

80

e

750 e

WINS-Server

v 1

v

Client-Lizenzen (CAL) enthalten

10

5

E-Mail

hMailServer 2

Exchange

Preis pro weiterer CAL

60 e

gemeinsame Kontakte

SharePoint Services 2

Exchange, SharePoint Services

maximale Client-Lizenzen

10

75

gemeinsame Termine

SharePoint Services 2

Exchange, SharePoint Services

Outlook

ab 110 e pro User

in CAL enthalten

gemeinsame Aufgaben

SharePoint Services 2

Exchange, SharePoint Services

Hardware-Anforderungen

Intranet-Zusammenarbeit

SharePoint Services 2

SharePoint Services

RAM minimal

512 MByte

4 GByte

E-Mail-Anti-Virus

ClamWin 2

Forefront 3

RAM maximal

k. A.

32 GByte

E-Mail-Anti-Spam

SpamAssassin 2

Forefront 3

Festplatte minimal

70

GByte

60 GByte

Web-Server

IIS 6.0

IIS 7.0

CPU minimal

1 GHz, 32 Bit (ab Pentium 3)

2 GHz, 64 Bit

SQL-Server

MS SQL Server 2008 Express 2

MS SQL Server 2008 Workgroup 3, 4

System

Remote Desktop (Admin Mode)

2 parallele Sitzungen

2 parallele Sitzungen

Betriebssystem

Windows Server 2003 R2

Windows Server 2008

Remote Desktop (User Mode)

Datensicherung

Ordnerduplizierung

RAID

Client-Backup

v

Server-Backup

integriert, manuell

integriert, manuell oder Zeitplan

Medien-Server

v

Hypervisor (Virtualisierung)

Hyper-V

Active Directory

v

Serverdienste (Auswahl)

Domain Controller

v

File- / Print-Server

v / v

v / v

Gruppenrichtlinien

v

DNS- / DHCP-Server

v 1 / v 1

v / v

Roaming Profiles

v

1 Installation von der System-DVD

2 Installation nach Download

3 Aufpreis

4 nur SBS 2008 Premium

 

Anwendern schon zum Datenverlust geführt. Beim SBS ist dagegen RAID das Mittel der Wahl, um Daten redundant auf Platten zu verteilen. Keine der beiden Techniken ersetzt das regelmäßige Backup auf ein externes Medium und die Erfolgsrate bei der Wieder- herstellung nach einem Plattencrash scheint ungefähr gleich hoch zu sein. Ein SBS bedient (genügend CALs voraus- gesetzt) bis zu 75 Benutzer, der WHS nur 10. Diese Grenze ist technisch keineswegs ganz fest, denn man kann beliebig viele Konten anlegen. Doch davon können wir nur drin- gend abraten. Denn anders als die Erweite- rung des Funktionsumfangs ist dies eine recht eindeutige Verletzung der Lizenz, die in diesem Punkt klar formuliert ist. Und dass der WHS nur zehn User bedienen soll, steht über- all so deutlich, dass man es schon beim Kauf weiß. Auf die Unwirksamkeit der nachge- reichten EULA kommt es hier also nicht an. Neben den rechtlichen gibt es auch tech- nische Gründe gegen mehr Accounts. Zum einen bedient der WHS nur zehn User gleich- zeitig mit Daten. Um also weitere Accounts zu nutzen, müsste man immer wieder User serverseitig abmelden. Auch die Home-Ser- ver-Konsole zeigt maximal zehn Accounts an, alle weiteren müsste man an diesem Werk- zeug vorbei pflegen. Das ist nicht nur un- komfortabel, sondern so kompliziert, dass mit Sicherheit Probleme entstehen, unter an- derem bei der Rechtevergabe. Außerdem wird mit steigender User-Zahl die Account-Verwaltung zu unübersichtlich. Denn einen neuen User muss man bei der WHS-Lösung an mindestens vier Stellen ein- tragen: auf dem Server, im E-Mail-Server, beim Hoster, von dem man sich die E-Mail holt, sowie auf den Rechnern. Da wünscht man sich eine zentrale Benutzer-Datenbank, die die Authentifizierung für alle Dienste übernimmt. Die bietet der Small Business Server als Domain Controller mit Active Di- rectory (AD). Diese Komponente lässt sich beim WHS nicht sinnvoll nachrüsten. Es gibt zwar Anleitungen dazu im Internet, doch im

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Verlauf geht der größte Teil der Home-Ser- ver-spezifischen Funktionen verloren. Ein so tiefgreifend verändertes System kann nicht stabil laufen. Außerdem holt sich der Server seine Updates weiterhin als Windows Home Server, sodass jederzeit eine Komponente er- setzt werden könnte, die dem zurechtgezim- merten Active Directory den Garaus macht. Am Active Directory hängen weitere Funktionen, mit denen der WHS folglich prinzipiell nicht aufwarten kann; unter ande- rem die Verteilung von Einstellungen per Gruppenrichtlinie und vollständige „Roa- ming Profiles“, also Umgebungen, die mit dem Benutzer von PC zu PC wechseln. Auch manche Unternehmenssoftware benötigt ein AD. Doch die will man ohnehin nur auf Betriebssystemen einsetzen, die der Herstel- ler offiziell unterstützt, um dessen Support in Anspruch nehmen zu können. Ein aufgebre- zelter WHS gehört sicher nicht dazu. Zum SBS gehört der E-Mail- und Group- ware-Server Exchange, der im Zusammen- spiel mit Microsofts Outlook seine volle Kraft entfaltet. Folgerichtig umfasst eine SBS-CAL auch die Lizenz für das mitgelieferte Outlook. Der größte Teil des Funktionsumfangs lässt sich mit hMailServer für die E-Mail und den SharePoint Services für gemeinsame Kalen- der, Aufgabenlisten und Adressbücher nach- rüsten. Die kann sogar Outlook direkt nut- zen, wenn man es für seine PCs dazukauft. Unabhängig von der Client-Software hat sich dieses Servergespann auf dem WHS als voll- kommen alltagstauglich und komfortabel er- wiesen, wenn alle User sich auf die nötigen Abläufe einstellen. Die sind keineswegs kom- plizierter als bei Exchange plus Outlook, aber stellenweise etwas anders. Doch die Integra- tion ist nicht so eng und das eine oder ande- re Spezial-Feature könnte fehlen. Von vornherein auf den SBS mit Active Di- rectory und Exchange zu setzen bedeutet auch, dass die Umstellung leichter fällt, wenn die Arbeitsgruppe wächst. Denn für den Umzug auf ein größeres Serversystem ohne Verlust der User- und Nutzdaten hat Micro-

soft die Migrationspfade asphaltiert. Beim er- weiterten WHS ist jenseits von zehn Benut- zern Schluss. Der Admin muss dann einen ganz anderen Server aufsetzen, die Benutzer- verwaltung neu einrichten und sich selbst eine Methode für den Umzug der Daten (in- klusive der Zugriffsrechte) ausdenken. Neben den angesprochenen großen Un- terschieden gibt es noch einige, die für den Alltagsbetrieb im LAN eines kleinen Büros nicht so wichtig sind. Die meisten kommen daher, dass der SBS auf einem Windows Ser- ver 2008 beruht, die denselben Kernel wie Vista enthält, während der WHS auf der 2003er-Basis steht, die eher XP ähnelt. Das bedeutet nicht nur, dass der SBS die jeweils neueren Versionen der Serversoftware ent- hält. Zwischen den Versionen hat Microsoft auch den TCP/IP-Stack komplett neu pro- grammiert. Das führte nicht nur zu einem besseren Durchsatz, von dem man allerdings im kleinen LAN kaum etwas merkt. Unter an- derem läuft im Server 2008 auch IPv6 ohne Weiteres, während der WHS dabei bockt.

Fazit

Ein erweiterter Windows Home Server eignet sich nicht, wenn mehr als zehn User zu versor- gen sind oder das Wachstum der Gruppe schon abzusehen ist. Wer ein Active Directory braucht – zur eleganteren Verwaltung oder weil ein Zusatzprogramm es erfordert – muss auf jeden Fall zu einem anderen Server grei- fen. Und auf Support für Unternehmenssoft- ware kann der Admin eines Büro-WHS nicht hoffen. Doch wer mit einem engen Budget bis zu zehn Benutzern einen alltagstauglichen Büroserver hinstellen möchte, sollte den er- weiterten Windows Home Server ins Auge fas- sen. Wie er nötige Funktionen nachrüstet, be- schreiben die folgenden Artikel. Für erfahrene Windows-Anwender ist das alles ganz einfach, weil sie ihr schmerzhaft erworbenes Wissen ohne viel Neulernen einsetzen können. (je)

www.ctmagazin.de/0915126

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