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Aber das sind unsere Gebete ja züchtigen.“ 1. Kor.

5, 9
(meist) nicht. Da stehen manchmal Eine klare Anweisung, oder? Also mit al-
Gesundheit, oder gar das Leben auf len Unzüchtigen darf man nichts zu schaf-
dem Spiel. Billy Graham sagte einmal: fen haben—so hatten die Korinther sie
„Gott antwortet auf jedes Gebet. Er sagt verstanden. Das war ein Zitat aus einem Falkenstrasse 1 8630 Rüti
entweder ‘Ja‘, ‘Nein‘, oder ‘Warte‘.“ früheren Brief, wird uns erklärt. Jetzt aber
Das mag sein—aber es überfordert uns fährt er fort:
manchmal nervlich. Speziell dann, wenn Predigt vom 11. November 2007
die Heilung (bei Gläubigen) vielleicht tat-
„Damit meine ich nicht allgemein die Unzüch-
sächlich erst im Jenseits erfolgt.
tigen in dieser Welt oder die Geizigen oder
Darauf kann man dann nur noch sagen: Räuber oder Götzendiener; sonst müßtet ihr ja

?
Dinge, die man absolut nicht verstehen die Welt räumen.
kann, können aber immer noch heilen.
Vielmehr habe ich euch geschrieben: Ihr
Gefühle von Enttäuschtsein beim Beten
sollt nichts mit einem zu schaffen haben, der
können Tränen verursachen—aber die
sich Bruder nennen lässt und ist ein Unzüch-
werden eines Tages abgewischt (Offb.
tiger oder ein Geiziger oder ein Götzendiener
7,17). Übrigens eine Aufgabe, die Gott
oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder
sich nicht nehmen lässt, persönlich auszu-
ein Räuber; mit so einem sollt ihr auch nicht
führen—er hat sie keinem Engel delegiert.
essen.“ 1. Kor. 5, 10f.
Die Bibel versichert uns, dass jedes Gebet
Oha, jetzt kommt die Wendung: Paulus
mit Sicherheit gehört wird, auch wenn es
erklärt uns, dass wir uns die Einschrän-
vielleicht nicht in unserem Sinne erhört „Oh Gott—warum antwortest Du mir
kung „nur, wenn er sich Bruder nennen
wird. nicht?“ Wer von uns hat nicht schon ein-
lässt“ hätten mit dazu denken müssen,
auch wenn er sie nicht ausdrücklich ge- mal diesen Stossseufzer Richtung Himmel
Widersprüche? schrieben hat! geschickt?
Andere Stellen in der Bibel erscheinen Nur gar zu gerne würden wir wissen, wa-
übertrieben: rum Gott dieses Gebet erhört—und jenes
Wörtlich, aber nicht mechanisch!
nicht. Es kommt uns unfair vor, hat er viel-
„Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei Das heisst, wir sollen Bibeltexte wörtlich, leicht Lieblingskinder? Müsste er denn
unter euch eins werden auf Erden, worum sie aber nicht mechanisch verstehen—mit nicht einsehen, dass dieses und jenes
bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von anderen Worten: Wir müssen von selbst Gebet sinnvoll und dringend ist?
meinem Vater im Himmel.“ Mt 18,19 alle Verse zum Thema sammeln und zu-
Wir würden Gott so gerne zur Rede stel-
Was heisst sammenfügen, erst dann erhalten wir die
len, ihm unsere Logik aufzwingen und ihm
das? komplette Gesamtaussage. Bibelverse
seinen Irrtum nachweisen. Das Problem Im Film hat er sich dann ziemlich erschro-
Hier steht keine widersprechen sich nicht, sie ergänzen
ist nur—es funktioniert nicht. Wenn wir mit cken und das Spiel verloren.
Einschränkung sich.
Gott argumentieren wollen, stossen wir
(und in einer Oder noch anders gesagt: Wer sich über genauso schnell an Grenzen wie der Held
ganzen Reihe einzelne biblische Verse lustig macht, weil in den Kinofilm „Bruce allmächtig“. In der Wenn wir uns enttäuscht davon fühlen,
von weiteren sie „so ja wohl nicht stimmen könnten“, Leinwand-Parodie vor „Gott“ zitiert, ver- dass Gott auf unsere Bitten nicht antwor-
Versen auch hat in Wirklichkeit nur sehr oberflächlich sucht er, ihn reinzulegen, indem er mit ihm tet, ist das natürlich kein Spiel—aber es
nicht)! gelesen. ein Kinderspiel anfängt. Er streckt alle illustriert, wie unmöglich es für uns ist,
Wirklich alles? Je tiefer wir sie lesen, desto mehr haben Finger einer Hand hinter dem Rücken aus, unseren Schöpfer vor Gericht zu ziehen.
Es hilft uns an wir die Chance, zu spüren: Gott will uns fragt Gott: „Wieviel Finger zeige ich?“ und „Meine Wege sind höher als Eure We-
dieser Stelle, mehr als erhörte Gebete geben (die Gott sagt: „Sieben.“ Seines Siegs gewiss ge“ (Jes. 55,9) sagt Gott von sich—und
wenn wir uns vergegenwärtigen, was Pau- auch!) - nämlich etwas von sich selbst. reisst Bruce triumphierend die Hand nach das weist uns darauf hin, dass es hier für
lus uns im Briefwechsel mit den Korin- Amen. vorne, um die fünf Finger zu zeigen— uns viel leichter ist, immer neue Fragen
thern erklärt. zählen sie mal nach! aufzuwerfen statt Antworten zu finden.
Wolfgang v. Ungern-Sternberg Nachdem wir uns mit verschiedenen prak-
„Ich habe euch in dem Brief geschrieben, dass
055 241 16 35 tischen Aspekten schon in anderen Pre-
ihr nichts zu schaffen haben sollt mit den Un-
wolfgang.vonungern@chrischona.ch
digten beschäftigt hatten, folgt nun Gegensatzdenkens in der berühmten Aus- und um eine komplizierte Skulptur verrückt gegen die Tür und machen richtig
noch das „dicke Ende“, wir müssen sage in Phil 2,12f: herumläuft. Aus der einen Richtung ernsthaft Druck bei ihm—und dann beken-
auch noch einen Blick auf die „12 [S]chaffet, daß ihr selig werdet, mit sieht sie aus wie ein Pfeil, der nach nen wir im Lobgottesdienst, dass er unse-
schwieriger zu verstehenden Seiten wer- Furcht und Zittern. oben zeigt. 90° mehr von rechts re Anliegen schon vor uns kennt. Kriegt
fen. ähnelt sie man davon einen Knoten im Hirn? Nur,
13 Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides,
Das ist auch deswegen notwendig, weil mehr ei- wenn man zu sehr drüber nachdenkt.
das Wollen und das Vollbringen, nach seinem
hinter jedem „Warum erhört er mein Gebet nem Nicht beim Tun, wenn man beides an sei-
Wohlgefallen.“
nicht?“ meistens doch auch die Frage Durchgang nem Ort tut.
Äh, wo ist denn da der Zusammenhang durch eine
„Habe ich denn richtig gebetet?“ und „Was „Ein Taschenrechner kann seinen Erbauer
bitte? Bis zum heutigen Tag entzieht es geborste-
kann ich denn eigentlich erwarten?“ mit- nicht verstehen“, sagt man—und wir soll-
sich völlig meinem Verständnis, wieso V. ne Metall-
schwingt. Darum müssen diese beiden ten uns nicht wundern, wenn wir nicht alle
13 eine Begründung für V. 12 sein soll! platte.
Aspekte miterörtert werden. Seiten von Gottes Plan verstehen.
Eigentlich sind das doch Gegensätze:
Wie sie Gegenteilig scheinende Dinge zu tun bzw.
Entweder ist es Gott, der sowohl den Wil-
wirklich zu bekennen ist normal in der Bibel—
len als auch die Durchführung schafft,
aussieht? leider. Wir hätten es gern anders, aber es
oder es ist meine eigene Anstrengung,
oder? ist eine Grenze, die unsere Geschöpflich-
Die Bibel keit leider mit sich bringt.
hält man-
Wenn dem nicht so wäre, hätte Petrus bei Wenn wir aber einmal genauer in die Bibel
ches Är- Heilen und Verstehen
Paulus wohl nicht monieren müssen, sei- schauen, entdecken wir diese Art von
gernis für
ne Briefe wären z.T. „schwer zu verste- Gegensatzdenken öfter, fast ständig, Andere Dinge sind leicht zu verstehen.
den Bereit,
hen.“ (2. Petr. 3,16) sobald es um wichtigere geistliche Zusam- Wir sollen „nach seinem Willen“ bitten“
der ver-
menhänge geht. Zählen wir mal nach: und nicht aus Verschwendungssucht (Jak
sucht, ihre
1. Jesus ist ganz Gott und ganz 4,3), als gestandene Christen sind wir uns
Paradoxe sind biblisch—leider Aussagen
Mensch (das hat noch niemand auf darüber im Klaren, dass wir nicht mit einer
alle „in eine Richtung zu bürsten“. Wir
Wir stehen als Christen in punkto Gebet eine Reihe gebraucht, auch die vie- Erhörung rechnen können, wenn wir be-
können nur demütig um das Kunstwerk
vor einem ganz merkwürdigen Paradox: len frühkirchlichen und späteren Defi- wusst Sünde in unserem Leben dulden
von Gottes Plan herumlaufen, ihn aus
Auf der einen Seite, wird uns heftig und nitionen nicht) bzw. unlautere Motive verfolgen (Ps
verschiedenen Richtungen beschreiben—
nachdrücklich ans Herz gelegt, dass wir 66,18). Weniger bekannt ist da schon,
2. Gott ist einer und trotzdem drei und müssen dabei in Kauf nehmen, dass
„ernsthaft“ (Jak, 5,16) „immer beten und dass die „Erfolgsquote“ von Gebeten auch
(gleiches Problem wie bei 1.) die einzelnen Seiten ganz unterschiedlich
nicht nachlassen“ sollen (Luk 18,1), bis von der Qualität der Ehe abhängen kann
3. Wir sind schon heilig und müssen es aussehen können, und es unserem
dahin, dass wir bei Gott wie bei einem (1. Petr. 3,7). Gerade bei Konflikten unter-
ständig noch mehr werden Verstand schwer fällt, die Bilder zusam-
ungerechten Richter gegen die Tür bol- einander kann das schwierig sein.
4. Die Bibel ist ganz Gottes– und ganz menzusetzen.
lern, um uns Gehör zu verschaffen (Manche sagen: Man sollte seinen Ehe-
(Luk 18). Eigentlich ist das skanalös— Menschenwort partner nicht Umbeten, sondern umbe-
wenn das irgendjemand anderes als Je- 5. Wir sind schon in den „himmlischen Fassen wir es so zusammen: ten.) Und trotzdem: Auch wenn wir uns
sus gesagt hätte, würden wir ihn steini- Örtern“, führen aber auch noch ein Auf der einen Seite werden wir ermahnt, noch so sehr bemühen, manchmal fühlen
gen! ganz quicklebendiges Leben hier nicht dem Bild eines „Automatengottes“ zu wir uns trotzdem ratlos.
unten verfallen, nicht zu meinen, dass wenn wir Uns allen ist klar, dass es „dumme“ Gebe-
Auf der anderen Seite wird uns entgegen- Etc., etc.—man könnte die Liste noch lan- die richtigen „Knöpfe drücken“ und „richtig te gibt, die, obwohl gut gemeint, nur
gehalten, dass wir Gottes Wege und Plä- ge fortsetzen. beten“, die Reaktion mechanisch erfolgen Schwierigkeiten verursachen müssen. Im
ne nicht verstehen können (wie schon in müsste—auf der andern Seite wird uns Film versucht Bruce, der für eine Woche
Jes. 55,9 genannt) und wir werden er- aber (wie gesagt) deutlich erklärt, wie wir „Gott spielen“ darf, sich der Last der vielen
Merken wir etwas? beten sollen, und das auch eingefordert. Gebete, die er nun plötzlich hört, auf sehr
mahnt, beim Beten nicht „plappern“ bzw.
„viele Worte machen“ sollen, denn euer Hier wird nicht „Logik“ aus der beschränk- Luther erklärte einmal: „Man soll beten, summarische Weise zu entledigen: Er
Vater weiss, was ihr braucht, bevor ihr ihn ten Perspektive unseres menschlichen als ob alles arbeiten nichts nützen würde, antwortet einfach auf alle „Ja!“ - mit ver-
bittet.“ (Mat 6,7f.) Verstandes betrieben. Aus Gottes Sicht und arbeiten, als ob alles beten nichts heerenden Folgen. (Es gibt anschliessend
sicher, gewiss ist es von dort aus logisch. nützen würde.“ Hunderttausende von Lottogewinnern, die
Ja, was denn nun? Wie gehen wir mit Aber für uns klingt es eher verwirrend. Jedes an seinem Ort. Erst beten wir— logischerweise aber als Einzelne dann nur
diesen scheinbaren Widersprüchen um?
Es ist, wie wenn man ins Museum geht dann arbeiten wir. Erst bollern wir Gott wie noch ganz wenig Geld erhalten, was zu
Zum Gipfel kommt diese Art biblischen heftigen Unruhen führt.)