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Dr. Jutta Franzen, Tagung Mediologie als Methode Humboldt-Universität Berlin 17.-19.

Mai 2007

[Spiegel + Kleidung als Medien Selbstinszenierung] der Selbstinszenierung ]
juttafranzen | 2007
© juttafranzen 2007 1

die gerade in ihrer Individualität durch ihre gesellschaftliche Vermittlung geprägt ist. die gereinigt und sorgsam geordnet ist. auf dem Weg in eine Bar auf der Schlesischen Straße. Tagung Mediologie als Methode Humboldt-Universität Berlin 17. Berlin-Kreuzberg. Im Schaufenster einer Reinigung steht ein Spiegel . materiellen wie machtpolitischen Konditionen und Praktiken ihrer Umsetzung. durch die „Transmission“ (Debray 2004) von symbolischen Ordnungen. das vor dem Spiegel hängt. Abb. Der prüfende Blick wird auf die Kleidung gelenkt.Dr.ein prüfender Blick: Sehe ich gut aus? Doch der Blick in den Spiegel verwirrt.. © juttafranzen 2007 2 . Es ist so arrangiert. Er trifft nicht auf meinen Körper. das es meinen Körper verdeckt. sondern auf ein Kleidungsstück. 01 Mit dem Blick in den Spiegel und der Wahl der Kleidung findet alltäglich eine Selbstinszenierung statt.Mai 2007 Spurensuche: Dressed for Success Spiegel und Kleidung als Medien der Selbstinszenierung Freitag Nacht. Jutta Franzen.-19.

der Stelle. 23ff ) Mit dem Einsatz des Spiegels als Bezugspunkt wird der (Augen-) Blick auf den eigenen Körper als Bild fest gehalten. Vom Auge als äußerer Gegenstand betrachtet. was vormals als Effekt religiös-mythischer Praktiken in den Körper eingeschrieben wurde: die Integration des Selbst. außerhalb seiner liegt. „Das Auge ist einerseits abgetrennt von dem. wird es vom Selbst als ein Bild der eigenen Einheit wahrgenommen. So werden einige der frühen Selbstportraits. Doch aus dem eigenen Blickwinkel wird der Körper nur fragmentarisch. sich als Individuum vor. Das Spiegelbild ist immer © juttafranzen 2007 3 . dessen Grenze von Innen. als Ausschnitt. durch die es zum Objekt für das Auge wird.als Körper. die noch religiöse Motive mit Darstellungen von Heiligen und Madonnen als Vorstellung für die eigenen Gesichtszüge zeigen. andererseits ist es untrennbar von dem. als „corps morcelé“ (Lacan) wahrgenommen." (Treusch.Position verlassen. wie es sieht. die vor ihm und d.und Außen nicht eindeutig markiert ist. Eine mögliche Vorstellung bildet das Assistenzbild.Blick einem Möbiusband oder closed circuit. Zugleich überblendet und ausgeblendet. 1980.h. Die Fremdreferenz auf christliche Werte weicht zunehmend der Selbstreferenz. Das Imaginäre muss leisten. Der closed circuit des Selbstbezuges wird aufgebrochen. Lacan hat auf die analoge Struktur von Augenblick und modernem Subjekt hingewiesen. die in der Renaissance entstehen. Über die Vermittlung des so wahrgenommenen Bildes des anderen Körpers erfolgt der Rückbezug auf den eigenen Körper. Jutta Franzen.Dieter 2000.und darzustellen. das sein eigenes antizipiertes Bild ist. indem der Blick gegenüber einem anderen Objekt eine distinkte Außenposition einnimmt. so wie das Auge als Sehendes sich sehen will. das einen anderen Körper als Ganzen darstellt. gleicht der Augen. Um aus der Erfahrung der Zerschnittenheit zu einer Selbst-Gewissheit zu finden. I ) Der closed circuit von Auge und Subjekt in ihrem Selbstbezug kann nur aufgebrochen werden von der Vorstellung her. sondern an einer unbekannten Schnittstelle ineinander übergeht. Das Selbst sieht sich als Einheit unter der Bedingung der Vorstellung. mit Hilfe von Assistenzbildern gemalt. was es sieht. folgen beide einem selbstreflexiven Muster: das Subjekt als Denkendes will sich selbst denken." (Peter Widmer 1990.Mai 2007 Augenblick und Spiegel Zu Beginn der Moderne und am Ende der mittelalterlichen hierarchischen Ordo fängt der Einzelne an. der durch diese Assistenz von außen nun ebenfalls als ganzer Körper vorgestellt werden kann. 256) Auch als externer Betrachter kann das Auge nicht seine Innen. (Lacan.-19. „Der zerstückelte Körper findet seine Einheit im Bild des Anderen. Tagung Mediologie als Methode Humboldt-Universität Berlin 17.Dr.den Körper. die es selbst als Körperteil zum gleichsam zerstückelten Auge macht.

der „Sehende“.Dr. sondern öffnet dem Körper den illusorischen Raum seiner Vorstellung. der mich erblicken lässt. der ihm begegnet. ohne es erinnern zu können.eine Art Schatten. Physikalisch ist das Spiegelbild ein Lichtbild.. ist mit dem Spiegelszenario der Raum eröffnet.-19. von dem aus es sich und den gesamten Körper sehen kann.. aber weder eine Hierarchie von Ur." (Foucault [1967] 1990. Der Spiegel funktioniert als das Bild des eigenen Körpers von einer Stelle aus. die außerhalb des Szenarios von Spiegel. Der Spiegel zeigt den Körper in einer Gestalt. Tagung Mediologie als Methode Humboldt-Universität Berlin 17.. Jutta Franzen. die sich durch ihre Differenz zueinander bestimmen. gibt jedem. das er darüber hinaus nicht zu speichern vermag. Das Szenario ordnet Positionen und Wirkungen an. 65ff) als barocke Metapher beschrieben: Orantes. Mit „Begegnung“ ist zum einen die strukturell. zum anderen ist auf den zeitlichen Moment hingewiesen. wo ich abwesend bin: Utopie des Spiegels. . durch die der Spiegel eine andere Position als die des Körpers einnimmt. wenn Licht auf einen Körper trifft und dabei seine Ausbreitung ändert. „Im Spiegel sehe ich mich da. Körper und Spiegel müssen sich an verschiedenen Stellen befinden. in dem der Körper im Zusammenspiel von Licht und Blick den Ort seiner Vorstellung findet. damit es zu der notwendigen „Begegnung" von Körper und Licht kommen kann. sondern die ihm vorgestellt ist. der ihn immer wieder als zerschnitten gefangen hält.Mai 2007 wieder als geheimnisvoll empfunden worden und bildet den Gegenstand zahlreicher Mythen und Erzählungen. zitiert in: Mario Perniola 1990. an der der Körper sich nicht befindet. Augenblick und Körper nicht wahrnehmbar ist. durchbrochen und der Körper in der begehrten Ganzheit gesehen werden. Charles Perrault (1628-1703) hat konstitutive Parameter des Spiegelbildes in der Figur des „Spiegelmenschen" Orantes (Charles Perrault 1661. kann dort der closed circuit. So findet das Auge im Spiegel den externen Bezugspunkt. © juttafranzen 2007 4 . der mir meine eigene Sichtbarkeit gibt. Der Spiegel stellt keinen illusorischen Körper her. Platons Höhle und ihren Schatten vergleichbar.und Abbild noch eine Ersatzwelt begründen. in dem der Blick dem Spiegel „begegnet“.räumliche Anordnung bezeichnet. Nur in diesem Augenblick vermittelt der Spiegel ein Bild. ein getreues Bild seiner selbst.. 39) Weil der eigene Körper im Spiegel „abwesend" ist. die diesem äußerlich und vorgestellt ist. wo ich nicht bin. für dessen Zustandekommen ebenfalls die räumliche Differenz von Körper und Spiegel grundlegend ist: es entsteht.

und Darstellung des Körpers als Selbstbild ermöglichen. Diese Wirkungsweise zeichnet den Spiegel als Medium aus. durch die er das menschliche instrumentelle Alltagshandeln überschreitet und einen Anteil am Göttlichen erfährt. sondern es grundlegend prägt. Jutta Franzen. 179) Im Kult wirkt der Priester als ein Medium.Mai 2007 Abb. denn er leistet die produktive Wirkung des „make ready“. die dem Vermittelten nicht äußerlich bleibt. indem es die Bedingungen der Möglichkeit seiner Wahrnehmung und praktischen Performanz bereit stellt. die überhaupt erst Praktiken der Vor. „Medium“ meint hier zum einen die „Mitte“. das die Präsentation eines „ready made“ Körpers transportiert. sondern Vermittler von spirituellen Kräften. Augenblick und Spiegel ist der Spiegel mehr als ein bloßes Instrument. von der aus jene Transmission ausgeht.-19. indem er die Bedingungen vorgibt.und © juttafranzen 2007 5 .“ (Matussek 2000. Tagung Mediologie als Methode Humboldt-Universität Berlin 17. „Medien sind im herkömmlichen Sinn nicht einfach Übermittler von Botschaften. Medien prägen mit ihrer Vermittlungsleistung das Welt. ist das Medienszenario anfänglich der rituelle Vollzug magischer und kultischer Praktiken: das Medium bildet die „Mitte“ zwischen Alltagswelt und einer spirituellen Sphäre. die über eine rein instrumentelle Verteilung von Informationen hinausgeht. Der Austausch zwischen beiden mittels des Mediums ist eingebettet in das Erleben einer Transformation. sofern er von einer ekstatischen Position aus Praktiken vollzieht. der ihn als „Mittler“ und „Mitte“ zwischen Mensch und Götterwelt agieren lässt. Historisch betrachtet.Dr. 02 / 03 Der Spiegel als Medium In der Anordnung von Körper.

Ernst Cassirer ([1942] 2002. Tagung Mediologie als Methode Humboldt-Universität Berlin 17.Mai 2007 Selbstverständnis. ein Vermitteln. Jutta Franzen. so dass sie von der gewohnten Welt „trennen“ und zugleich „fester verbinden“. In dieser Wirkungsweise kann das Medium als „Spur“ beschrieben werden. indem sie die Formen der Vorstellung und Wahrnehmung bereitstellen. um sich kraft ihrer von der Welt zu trennen und sich eben in dieser Trennung um so fester mit ihr zu verbinden. für dessen Vorstellung und Wahrnehmung es die symbolischen Formen vorgibt. das in seiner spezifischen „vorgängige(n) nicht-instrumentelle(n) Wendbarkeit“ (Tholen) im Ordnen des Faktischen den Blick eröffnet auf Mögliches: Transmission ist „Aufgabe“. Diese Wirkung geht über die zweckrationale Optimierung oder instrumentelle. „Apparate effektivieren nicht einfach das. für das es im menschlichen Tun kein Vorbild gibt.. wie es Heidegger ([1947]1963. 83 ff) © juttafranzen 2007 6 . 25. etwas zum Vorschein bringt. Die sinnliche Wahrnehmung hat zu ihrer Bedingung stets ein vorgängiges Muster des Übertragens.“ Medien werden als Artefakte in der Auseinandersetzung mit gegebenen Strukturen und Praktiken entwickelt. um mit den Ermöglichungsbedingungen der Alltagserfahrungen zugleich das Potential ihrer Gestaltung freizulegen. durch die symbolischen Welten erst erfahrbar werden.eigentümlichen Medien. in der sich Technik und Kultur verbinden. „Verpflichtung“(Debray 2004. 18). 13) der Techne zugeordnet hat.-19.“ (Krämer [1998] 2000a. Es geht um ein „Entbergen“. S.und Erfahrungsmuster. was Menschen auch ohne Apparate schon tun. die der Mensch sich erschafft. prothetische Erweiterung (McLuhan 1964) hinaus. das Aufdecken eines Potentials. indem sie ein in ihr bislang nicht zugängliches Potential phänomenalisieren. 180) spricht von den „. ein „apparare“ oder „make ready“. sondern erschließen etwas. sondern ein „Her-vor-bringen“. die das Medium bereitstellt. zitiert in: Matussek 2000. Sie setzen einen Schnitt in die tradierten Wahrnehmungs. die etwas zeigt.. Das Übertragen kann als Transmission beschrieben werden. kein „Machen und Hantieren“.Dr.

18). Der Spiegel ist technischer Träger und immer auch „Handlungsträger“ (Debray 2004.„Das bin ich“. Der Blick sucht im Spiegelbild die Spuren des „Dressed for success“ . um erfolgreich zu sein?“ Der Augenblick in den Spiegel will eine Antwort. der die symbolische Ordnung von Sprache. ob man der gesellschaftlichen Vorstellung zu genügen vermag „Schön" = „Erfolgreich" = „Be. Jutta Franzen. um die Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz und machtpolitischen Bedeutung des Selbstbildes . Tagung Mediologie als Methode Humboldt-Universität Berlin 17.Mai 2007 Die Transmission des Selbstbildes im Spiegel ist eine gesellschaftlichhistorische.und Geliebt“. indem sie über den technisch -physikalischen Vorgang hinaus die gesellschaftlich bedeutsamen symbolischen Formen für die Vorstellung des Selbst bereit stellt. auf die sie aber nicht reduziert werden kann. die gebunden ist an technische Bedingungen und Geräte.„wer ist die Schönste im ganzen Land?“ zu beantworten. sondern zugleich aufzeigt.-19. Zimmer 2002) Die Spiegelung des Selbstbildes ist eingebunden in Praktiken einer zum Lifestyle gesteigerten Selbstinszenierung mit der Herausforderung.Dr. Die aktuell gesellschaftlich bedeutsame Frage lautet: „Bin ich schön genug. dessen Magie (Böhme 2006. 188 ff) im Ritual des Blicks in den Spiegel beschworen wird. kulturelle Praktik. Schönheit wird durch diese Implementierung einer Kraftwirkung zum Fetisch.im doppelten Sinn des zugerichtet und gekleidet für den Erfolg. Die Spiegelung vermittelt erst als soziale Praktik das Selbstbild. © juttafranzen 2007 7 . soziale und persönliche Akzeptanz zu beeinflussen.. die nicht nur bestätigt . So kann im Märchen der Spiegel sprechen. die Wohlstand. (Panfilov 2000. sich immer wieder neu zu entwerfen und dabei konform zu gehen mit den positiv sanktionierten Mustern. sozialen Normen und machtpolitischen Konditionen als die Bedingung der Wahrnehmung und Vorstellung des zu Vermittelnden einschließt. Auf die kulturellen Codierungen von Schönheit wird die Wirkmacht projiziert. Glück und Erfolg verheißen.

„trickling down“. (Svendsen 2006.Mai 2007 Abb. An der Kleidung als Medium haften die Spuren gesellschaftlicher Identität und des Ausdrucks von Individualität und Selbstwertgefühl. wie Kälte. vor Einflüssen zu schützen. 37) Je weniger die gesellschaftliche Position in der bürgerlichen Gesellschaft durch Tradition festgelegt ist. Jahrhundert auch für die Arbeiterklasse erschwinglicher und es setzt eine „Demokratisierung“ der Kleidungspraktiken über die Klassengrenzen hinaus ein. Kleidung ist zugleich eine kulturelle Praktik. Zunächst noch ein Privileg der bürgerlichen Klasse. die dem für die Moderne kennzeichnenden Reiz des Neuen folgt. umso mehr nimmt die individuelle ästhetische Autonomie bei der Wahl der Kleidung zu. Motor © juttafranzen 2007 8 . Hitze etc. aber auch vor den Blicken der Anderen. 04/ 05 Kleidung und Mode als Medium Ein Kleidungsstück hat den Gebrauchswert./19. 42f ) Zu der Individualisierung der Kleidung kommt ein weiteres signifikantes Merkmal hinzu: Kleidung wird zur Mode. Kleidung markiert eindeutig den sozialen Status. eine Durchmischung. Tagung Mediologie als Methode Humboldt-Universität Berlin 17. wird die Kleidung durch die Massenproduktion seit dem 18. Das Neue ist Selbstzweck. Bis in die Neuzeit entsprechen die Kleiderregeln den starren Zuordnungen der gesellschaftlichen Machtpositionen und Rangordnungen. (Svendsen 2006. In dieser instrumentellen Nützlichkeit als Ding und Schutzhülle gegen die Außenwelt erschöpft sich Kleidung indes nicht. die eine Hülle für die Außenwelt vermittelt. die den Körper gefährden oder verletzen können.-19. Die Kleidung entwickelt sich zum Medium der Selbstinszenierung des Individuums.Dr. „up“ und „across“. Jutta Franzen.

/19. dass ihre Bedeutung in vergangener Zeit. In diesem Ensemble von Handlungsstrategien der Selbst(er-)findung markiert „Dressed for success“ die Formen. gilt das Alltagsritual der Wahl der Kleidung dem erfolgreichen und anerkannten Selbst. Jutta Franzen. Das Beispiel der langen Hose zeigt. (Svendson 2006. weder natürlich noch konstant ist. 198) geht. stellt Kleidung einige der Bedingungen für die Sorge um sich selbst (Foucault 1986. und schließlich kann seit dem Erstarken des Bürgertums im 18. Jh. über Generationen tradierte Formen des Körperschmucks. die aber keine ModeErscheinungen waren. zeigt. 71) Kleidung transportiert symbolische Ordnungen. Wie der Blick in den Spiegel. Mit den Merkmalen. die zugleich soziale Akzeptanz versprechen. zu schützen. Der Versuch von Barthes (1967). dass Mode semantisch codiert ist. soziale Anerkennung sichern und zugleich individuelle Besonderheit ausdrücken. (Svendsen 2006. Jahrhundert von Mode im heutigen Sinn gesprochen werden. kontextabhängigen Bedeutungen. Vielmehr gewinnt die Hose diese Bedeutung erst. 21ff) In vormodernen Gesellschaften gab es Möglichkeiten der persönlichen Dekoration. 11ff) Simmel ([1905] 1995) beschreibt Mode als eine Praktik. indem sie sozial positiv sanktionierten Mustern der persönlichen Gestaltung und Attitude folgt. Der Kleidung wird die Wirkmacht zugewiesen das „make ready“ hierfür zu liefern oder wie es volkstümlich heißt: „Kleider machen Leute“. aber mit wechselnden.Dr. an wird der Wechsel der Kleidung selbst zum Vergnügen. Tagung Mediologie als Methode Humboldt-Universität Berlin 17. Vom 16.Mai 2007 eines Prozesses. Die modische Kleidung definiert sich durch die Differenz zum Alten und den schnellen Wechsel. sondern langlebige. der Haartracht etc. in denen es um „das Erlebnis von Grenze und Wechsel an sich “ (Bolz 1998. (Bolz 1998. die Grenze. Kleidung verweist nicht auf substantiell begründete Bedingungen. 53ff) bereit. der keiner Begründung und keines Telos bedarf. männlich/weiblich. hinter der keine Natur. vorwiegend eine männliche Kleidung zu sein. gesellschaftliche Konditionen und Zuordnungen. die jeweils Differenzfelder organisieren. Signifikant für diese Wirkung der Kleidung als Medium ist das Setzen von Differenzen. Mode systematisch als eine Sprache zu erfassen. die dualistisch auf die beiden Pole der Nachahmung und der Absonderung bezogen ist: Mode will. die die © juttafranzen 2007 9 . Kleidung markiert z. Substanz oder auch konstante Bedeutung verborgen wäre. (Svendsen 2006. indem sie als Medium Handlungsträger der kulturellen Praktik des „doing gender“ ist.-19. individuell abzugrenzen und zugleich sozial zu integrieren. sondern legt formale Spuren zur Differenzierung im sozialen Kontext und in diachroner Dimension.198) Die Kleidung bietet wie der Spiegel eine Oberfläche. eine Hülle. zunächst nur für die Reichen.B.

B. das in fast jedem gesellschaftlichen Kontext akzeptiert ist. „Originale tragen Originale“ lautete einer der Werbeslogans für Levis Jeans. Obgleich die Löcher und Verschleißspuren in der industriellen Massenproduktion hergestellt werden. Diese Transmission kultureller Werte verläuft in möglichst kurzen Zyklen immer wieder neuer Moden. Jh. sondern um eine bestimmte Herstellermarke. (Strunk. mit denen Differenzen und Grenzen im sozialen Kontext gezogen werden. 197).Mai 2007 Hose als männlich bezeichnet. z. 86f) Für einen persönlichen Stil vermittelt Kleidung die symbolischen Bedingungen von Individualität und Selbstfindung. Eine besondere Form bildet Kleidung. Denn es geht nicht um die Kopie oder mechanischserielle Reproduktion eines ursprünglichen Zustands. die sich auf diese Differenz und ihre eigene Vergänglichkeit bezieht. die das entscheidende Symbol persönlichen Stils und gesellschaftlicher Position vermittelt. indem sie Spuren angeblichen Gebrauchs vermittelt: Jeans. sollen Originalität und Authentizität durch ein abgetragenes Aussehen gewinnen.) Es gibt keinen (wertenden) Unterschied zwischen einem erster und nachrangigen Mal. (Svendsen 2006. Hierbei geht es oftmals nicht nur um eine bestimmte Kleidung. © juttafranzen 2007 10 . und in westlicher Kultur zeigt die lange Hose die Spur der Genderzuordnung des „Unisex“ und vermittelt eine der Möglichkeiten. s. Inzwischen. i. die binäre Differenz männlich/weiblich im Alltag aufzubrechen. aber nicht als identische Kopie. sondern geprägt durch Differenzen in Zeit und Kontext. sondern die Gebrauchsspuren vermitteln die Symbole für Unabhängigkeit und Authentizität. 118) In diachroner Perspektive transportiert Kleidung das Zusammenspiel von Wiederholung und Neuem. (Svendson 2006. (Chi 1998.-19. 160) Das Tragen der verschlissenen Kleidung signalisiert nicht Armut. seit Beginn des 20. Die vergangene Mode wird wieder geholt.Dr. einen Anzug. das die symbolischen Ordnungen als Bedingungen der Wahrnehmung des individuellen und gesellschaftlichen Selbst variiert. Tagung Mediologie als Methode Humboldt-Universität Berlin 17. die sich von der Arbeitskleidung zum Unisex.und Massenprodukt entwickelt haben.A. (Deleuze 1997. die das beständige Recycling vorangegangener Moden einschließen. 366) Kleidung bewirkt ein „Spiel mit der Syntax der Kultur“ (Bolz 1998. Jutta Franzen. das als „immer wieder neu“ keineswegs ein Paradoxon bezeichnet.e. vermitteln sie einen ästhetischen Mehrwert für die Selbstinszenierung.

Mai 2007 Spiegel und Kleidung : „Augenblicksgötter“ Im erneuten Blick auf das Spiegelszenario im Schaufenster der Reinigung löst sich die anfängliche Verwirrung auf. Beide bieten jeweils eine Oberfläche. Sehen. 06 Es ist der Augenblick. „Sehe ich gut aus?“ Was zunächst nur zu verhüllen schien. sichtbar zu machen. zu verbergen. die die Bedingungen des „Dressed for Success“ zum Vorschein bringen. Abb. Schaufenster und Reinigung als Orte des Szenarios unterstützen diese Wirkung.-19. sondern aufzuzeigen. die mein prüfender Blick sucht. deren entscheidender Effekt für die Selbstinszenierung nicht ist. Jutta Franzen. um dann selber so gesehen und erfolgreich im Blick der © juttafranzen 2007 11 . Tagung Mediologie als Methode Humboldt-Universität Berlin 17. der gleichermaßen Spiegel und Kleidung als Medien des Selbstinszenierung kennzeichnet. erweist sich als das Ensemble der Spuren. visuell wie temporär.Dr. was als schön und was als angemessen gekleidet gilt. Spiegel wie Kleidung zeigen sich als äußere Hüllen des Körpers. deren Wahrnehmung im Augenblick die Bedingungen des „make ready“ erkennen lässt. Die Anordnung von Spiegel und davor arrangierter Kleidung gibt vielmehr die Antwort.

Spiegel und Kleidung sind „Augenblicksgötter“ (Bolz 1998. So unterstützt auch der Ort der Reinigung im beobachteten Szenario die Bedeutung des Augenblicks. Tagung Mediologie als Methode Humboldt-Universität Berlin 17. 197) „Göttern“ gleich haben die Medien Spiegel und Kleidung eine Wirkungsmacht als Handlungsträger. Auch hier ist der rasche Wechsel und ein immer wieder Neues signifikant: Der Betrachter verweilt nicht lange. 197). den es zeigt. Wie das Spiegelbild den Körper.in dieser Verschränkung mit dem Augenblick. Am Ort des Schaufensters lässt die Mode eine Welt der Versprechen und Sehnsüchte hervortreten. Jutta Franzen. sieht die Kleidung nach erfolgter Reinigung wieder fast wie neu aus. Sie taugt erneut zur täglichen Selbstinszenierung oder kann bis zu ihrem Recycling als Mode aufbewahrt werden. des Visuellen und immer wieder Neuen für das „Dressed for Success“. Üblicherweise bietet das Schaufenster den Rahmen für die Präsentation der Mode. zitiert in Bolz 1998. Der Spiegel zeigt das Selbstbild nur „in situ“ und speichert es nicht über diesen Augenblick hinaus. Die am schnellen Wechsel der Moden orientierte Kleidung vermittelt gleichfalls den „Wert des Kürzesten. in der Focussierung auf das Visuelle liegt die gemeinsame mediale Wirkkraft von Spiegel und Kleidung. sondern „flaniert“ zum nächsten Schaufenster und die ausgestellte Kleidung wird in kurzen Abständen durch neue ersetzt. der Begehren wecken soll. Das Anziehen als die gewohnte Praktik im Umgang mit Kleidung ist durch die Glasscheibe ausgeschlossen. nicht greifen lässt. so ist hier auch die Kleidung nur ein visueller Reiz. um an der Kleidung unerwünschte Gebrauchsspuren beseitigen zu lassen. In einer Schutzhülle verpackt und mit einem angehefteten Zettel versehen.-19. die Walter Benjamin bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts anhand der Passagen in Paris beschrieben hat. die nicht in ihrer Materialität festzuhalten ist.“(Nietzsche.Mai 2007 Anderen bestätigt zu werden . deren mediale Wirkung flüchtig bleibt.“ Als Fenster fordert es den Augenblick heraus. Das Schaufenster als der Ort des hier betrachteten Szenarios verstärkt diese Bedeutung des Visuellen für die Medien der Selbstinszenierung. sondern an die im alltäglichen Ritual der Selbstinszenierung immer wieder erneut appelliert werden muss.Dr. Eine Reinigung wird mehr oder weniger regelmäßig aufgesucht. der aktuellen Bedingungen des „Dressed for success. © juttafranzen 2007 12 . sich auf die ausgestellte Kleidung zu richten.

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