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DAIMLER-BENZ Markt, und seine Division soll 1998


zum erstenmal wieder schwarze Zah-

Das Windsor-Syndrom len schreiben. Als Nachfolger wird der


erste Mann des Bereichs Lkw-An-
triebsstrang, Klaus Maier (44), ge-
„Fordern Sie uns! Grillen Sie uns“, appellierte Konzernchef Jürgen handelt.
Schrempp an seine Führungskräfte. Auf dem Topmanagement-Meeting Durch rechtzeitige Pensionierung
konterte er auch die Attacken seines Vorgängers Edzard Reuter. entzieht sich Peter Fietzek (59), Be-
reichsvorstand und Asien-Beauftrag-
ter, den Folgen der Reorganisation in

W er etwas ist oder sein möchte


bei Daimler-Benz, der achtet
auf die Kleiderordnung; man trägt
Dennoch gab es am Rande des
Gipfeltreffens zwei Toppersonalien:
Der kantige Horst Zimmer (62), dem
Fernost.
Künftig regieren in der Region
vier „Chief Executives“ (Japan, In-
Blau im Schwabenkonzern, hell am es als omnipotentem Chef des Ge- dochina, Asean, China), die jeweils
Fließband, dunkel auf der Führungs- schäftsbereichs Lkw Europa immer das gesamte Konzerngeschäft von
ebene. Und wer den Entscheidungsträ-
gern im Vorstand ganz nahe ist, der
darf sich OFK-Mitglied nennen, der
gehört zum oberen Führungskreis des
Hauses.
Ende Januar zogen rund 1000 der
1400 OFK-Mitglieder in die Stuttgar-
ter Liederhalle ein, viele dunkelblau
gewandet und alle gespannt wie Chor-
knaben vor einem großen Auftritt.
Jürgen Schrempp (53), der Chef,
hatte gerufen, und er verlangte Man-
nesmut: „Dies ist unsere gemeinsame
Veranstaltung. Nutzen Sie sie! Fordern
Sie uns! Grillen Sie uns!“
Für Spannung bei dem Treffen am
27. Januar war gesorgt: Nie zuvor la-
gen Markterfolg und Mismanagement
so nahe beieinander; nie zuvor rankten
sich so viele Gerüchte um Vorstände;
nie zuvor hatte ein ehemaliger Vorsit-
zender so mit dem Unternehmen abge-
rechnet wie jetzt Edzard Reuter (70)
in seinen Memoiren (siehe Kasten
Seite 16).
Was sagt Schrempp intern zur
peinlichen Elch-Panne, was zum ver-
unglückten Smart? Welche Signale
sendet der Vorstandschef in Richtung
seiner Kollegen Jürgen Hubbert (58,
Pkw-Geschäft) und Dieter Zetsche
(44, früher Entwicklung, heute Ver-
trieb), die für das Debakel die Verant-
wortung tragen? ziemlich egal war, wer unter ihm den Flugmotoren bis Finanzdienstleistun-
Der Mannschaftskapitän ließ sich Nutzfahrzeugvorstand abgab, verläßt gen verantworten.
nicht aus der Reserve locken: „Wir sit- den Konzern. Auf der Veranstaltung selbst ging
zen Ihnen hier als Team gegenüber“, Zimmer geht aus gesundheitli- es dann zunächst um einen Mann, der
verkündete Schrempp. Ein größeres chen Gründen im Zenit seiner Kar- seit knapp drei Jahren zu internen
Revirement, so es denn dazu kommt, riere: Die beiden neuen Modellrei- Daimler-Foren nicht mehr eingeladen

H.-G. OED
bleibt bis nach der Hauptversammlung hen Actros (schwere Lastkraftwagen) wird: Edzard Reuter. Das Wirken sei-
am 27. Mai tabu. und Atego (Verteiler-Lkw) sind im nes Vorgängers kann Schrempp als

Blau Gelb Rot Schwarz


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durchaus segensreich empfinden: Die schäft“. Und bei den Zahlen. Zum die in der Automobilindustrie ihres-
Kurzkritik an Reuters Buch „Schein Zeitpunkt des Führungswechsels vor gleichen sucht. Der Konzernchef
und Wirklichkeit“ („Wir lehnen ein zweieinhalb Jahren, so der Daimler- spricht angesichts der vielen Fehl-
solches Vorgehen entschieden ab“) Chef, waren gerade einmal 5 von 35 tritte bereits von einem „House-of-
trug dem Vorsitzenden den größten Geschäftsbereichen profitabel. Windsor-Syndrom“. Schrempp: „An-
Beifall ein. Die kritische Beschäfti- Inzwischen verdienen alle vier dere können sich Fehler leisten, wir
gung mit dem alten Regime ist längst großen Divisions – Pkw, Lkw, Aero- nicht.“
zum sozialen Kitt im affären- und kri- space und Dienstleistungen – ordent- Hinter der glanzvollen Fassade
sengeschüttelten Konzern geworden. lich Geld. Von den 23 übriggebliebe- von Rekordabsatz (716 000 Pkw)
Noch einmal betonte Schrempp nen Geschäftsbereichen waren 1997 und internationalen Auszeichnungen
deshalb den Kulturwandel: „Die Zei- nur noch fünf defizitär: die drei Lkw- knirscht es mächtig:
ten, die Inhalte, der Umgang miteinan- Sparten Europa, Antriebsstrang und 앮 Die Auslieferungsqualität von neuen
der haben sich geändert – und damit Unimog, die Bahntechnikbeteiligung Mercedes-Limousinen nimmt nach ei-
auch die Form dieser Veranstaltung. Adtranz (siehe auch Seite 24) sowie ner Händlerumfrage der Forschungs-
Wir wollen keine Verkündigung von Smart. stelle Automobilwirtschaft an der Uni-
versität Bamberg seit 1994 dramatisch
ab.
앮 Die weit fortgeschrittene Entwick-
lung eines neuen Vierzylinder-Benzin-
motors mußte Ende 1997 gestoppt
werden, weil die Mercedes-Ingenieure
schlicht den technischen Vorsprung
der Japaner bei der Benzin-Direktein-
„Andere können spritzung übersehen hatten (Beispiel:
sich Fehler leisten, Mitsubishi GDI).
wir nicht“, 앮 Die Planzahlen für Nischenmodelle
klagte Daimler- wie den Roadster SLK, das CLK-
Benz-Chef Jürgen Coupé oder die M-Klasse liegen zig-
Schrempp (l.) über tausendfach hinter den tatsächlichen
die traumatischen Absatzmöglichkeiten; extreme Liefer-
Pannen der fristen schaffen massenhaft Frust und
vergangenen Ärger bei der verwöhnten Daimler-
Monate. Die Klientel.
dafür verantwort- 앮 Der Serienstart der A-Klasse wurde
lichen Vorstände nach der Elch-Test-Blamage zum
Jürgen Hubbert spektakulärsten Flop in der Unter-
(rechts oben) nehmensgeschichte. Auch die Ein-
und Dieter Zetsche führung des ebenfalls instabilen
blieben – vorerst – Stadtflitzers Smart mußte verschoben
ungeschoren. werden. Der Bonsai-Benz ist jetzt
frühestens im Herbst 1998 ausge-
wachsen.
Das grobe Mismanagement bei
der A-Klasse und beim Smart kostet
den Konzern allein 1997 und 1998
knapp eine Milliarde Mark. Doch der
Chef spricht von „Fehlerkultur“ und
läßt, jedenfalls im Vorstand und für
der Kanzel.“ Und dann ganz deutlich Zumindest die Grundlagen für den Augenblick, Milde walten. Sein ei-

ZEITENSPIEGEL/T. KLINK, A. POHLMANN


die inhaltliche Abgrenzung: „Wir den Aufstieg des Konzerns in die inter- genes Debakel mit der Pleite der Flug-
wollen nicht um jeden Preis wach- nationale Rendite-Liga sind demnach zeugtochter Fokker liegt für einen här-
sen, den Fehler haben wir schon ein- geschaffen. teren Auftritt wohl noch nicht lange
mal gemacht; wir wollen profitabel Den ambitionierten Plänen steht genug zurück.
wachsen.“ allerdings im wichtigsten Kernge- So mußte als Warnung an den
Schrempp, so ein Teilnehmer, schäft, dem mit Personenwagen, eine Rest der Truppe lediglich der Smart
„packte die Leute beim Tagesge- Pleiten- und Pannenserie gegenüber, herhalten. Dort ließ Jürgen Schrempp

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„Was zum Teufel hat ihn getrieben“


Reuter-Erinnerungen: Die negativen Kommentare überwiegen

S chein und Wirklichkeit“ – die


Memoiren von Edzard Reuter,
dem ehemaligen Vorstandsvorsitzen-
ne Unternehmenspolitik, und es ge-
lingt ihm auch zum großen Teil.“
Ex-Daimler-Sprecher Winfried Münster
„Daß Reuter nur hadert, anstatt sei-
nen Verstand einzusetzen, daß er alte
Rechnungen begleicht, anstatt sich
in „Die Woche“
den der Daimler-Benz AG, sorgten um ein abgewogenes Urteil zu
für Aufsehen, noch bevor sie erschie- bemühen, das verübeln Reuter selbst
nen waren. Was Reuters grimmiger „Wir lehnen ein solches Vorgehen von wohlgesonnene Leute.“
Rückblick „schwarz auf weiß bietet, Stuttgarter Nachrichten
jemandem, der eine herausragende
ist kein schöner Anblick. Aber lehr- Stellung in unserem Unternehmen in-
reich“. So urteilte die „Frankfurter nehatte, entschieden ab.“ „Sein Buch wird sicherlich nicht
Rundschau“, nachdem manager Schreiben des Daimler-Benz-Vorstands dazu beitragen, Reputation und An-
magazin in seiner Februar-Ausgabe an seine Führungskräfte sehen zurückzuerlangen.“
vorab über das Buch berichtet hatte. Handelsblatt
Kollegen und Geschäftspartner,
deutsche und internationale Medien „So offen er Schrempp und den AEG- „Es irritiert, wenn Reuter so rechtet
kommentierten Reuters Erinnerun- Managern Fehler anlastet, so vage und sich dabei selbst zum auf kläreri-
gen. Auszüge: bleibt seine Aussage über eigene Irrtü- schen Weltgeist hoch zu Pferd stili-
mer und Versagen.“ siert. Haben am Ende doch diejeni-
Reuter-Biograph Hans Otto Eglau gen recht gehabt, die zwar seine bril-
„Dieser sich selbst überschätzende in „Die Zeit“
Einfaltspinsel.“ lante Intelligenz erkannten, ihn aber
Ex-Daimler-Chef Joachim Zahn nicht an der Spitze des Konzerns ha-
im Süddeutschen Rundfunk „Woher das Magazin das Manuskript ben wollten?“
wohl hat?“ Frankfurter Allgemeine Zeitung
Hannoversche Allgemeine Zeitung
„Einfalt meint, der versteht vom Ge-
schäft nix, und Pinsel bedeutet, der „Wie zu seiner Zeit als Vorsitzender
schwätzt trotzdem scheinbar ge- „Man mag das Resultat seiner un- weist Reuter heute in seinem Buch
scheit daher.“ ternehmerischen Bemühungen als das Argument zurück, daß seine Ex-
Joachim Zahn in „Der Spiegel“
ziemlich erfolglos betrachten: Hier pansionsstrategie und seine Vision
ist einer, der sich seinen Kritikern vom integrierten Technologiekon-
„Was zum Teufel hat Reuter getrie- stellt und auch im nachhinein beim zern das Unternehmen ins finanzi-
ben, mir angesichts meiner angeb- Austeilen noch keineswegs erlahmt elle Desaster führten.“
lich ekelhaften Charaktereigen- ist.“ International Herald Tribune
schaften auch noch eine Stabsstelle Börsen-Zeitung
anzubieten, mit dem Ziel, in den „Selbst die Hölle kennt keinen ge-
Daimler-Vorstand zu gehen?“ waltigeren Zorn als den von abge-
Martine Dornier-Tiefenthaler
in der „Stuttgarter Zeitung“
halfterten Executives. Doch Edzard
Reuter ... wählte den falschen Mo-
ment, um zurückzuschlagen. Seine
„Reuter (hat sich) nie zugehörig ge- Attacken dürften das Management
fühlt zu dieser Kaste reaktionärer In- ziemlich kaltlassen.“
dustrieller ... Reuter rechtfertigt sei- Financial Times

die Führungsmannschaft um Ent- blieben, anders als die Kollegen des el-
wicklungschef Johann Tomforde sässischen Ablegers Smart, bisher von
und Finanzchef Christoph Baubin Sanktionen verschont.
feuern. „Noch sind wir nicht überall da,
Beim Führungskräfte-Forum leg- wo wir hin wollen“, trieb Schrempp
te der Vorsitzende nach: „Es war offen- seine OFKler an, „wir müssen Großes
sichtlich, daß die Probleme bekannt vollbringen wollen und es einfach
waren, aber verschwiegen wurden. tun.“
Wir haben daher umgehend personelle Auch unter neuer Führung, so

H.-G. OED, R. BRAUN


Konsequenzen gezogen.“ scheint es, klafft bei Daimler-Benz
Das war eine Warnung, die Buchautor Edzard Reuter: noch eine erhebliche Lücke zwischen
Schrempp vor allem an die Fahrzeug- Weltgeist hoch zu Pferd Anspruch und Alltag. Zwischen
bauer in Untertürkheim richtete. Die „Schein und Wirklichkeit“. fal

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