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Professur für Wasserbau an der ETH Zürich Prof. Robert Boes

Vortragsübung 2

Wasserbau II

Vortragsübung 2: HYDRAULIK VON HOCHWASSERENTLASTUNGSANLAGEN

Lösung Aufgabe 1:

Die in der Lösung angegebenen Gleichungen beziehen sich auf den folgenden Artikel:

Boes, R. & Minor, H.E. (2002): „Hydraulic design of stepped spillways for RCC dams“, Hydropower & Dams, 9(3): 87-91.

Siehe

Treppenschussrinnen.

auch:

Skript

Wasserbau,

Kapitel

Talsperren,

1. Wahl der Breite der Treppenschussrinne

B = 30 m

(konstant)

Abschnitt

Hochwasserentlastungsanlagen,

Bemerkungen: Treppenschussrinne möglichst breit wählen, um die hydraulische Belastung gering zu halten. Dies führt kaum zu Mehrkosten, da die Mauergeometrie durch die Sperrstelle gegeben ist und die Treppenstufen von der RCC-Bauweise her auf der ganzen Breite vorhanden sind. Die Breite der Treppenschussrinne wird durch die Breite des Unterwassers bzw. die Breite des unterwasserseitigen Talbodens beschränkt. Die Breite der Schussrinne soll in Fliessrichtung in der Regel nicht reduziert werden. Wenn die Schussrinne breiter gewählt würde als der Fluss oder die Talbreite im Unterwasser, würden seitlich des Tosbeckens relativ hohen Stützmauern erforderlich werden. Die Talflanken sollen nicht erodiert werden.

2. Richtwert für spezifischen Abfluss ohne Belüfter

q

== Q

b

450

3

/

ms

30

m

=

15

3

m

/

()

sm

25

3

m

kein Belüfter erforderlich

/

()

sm

relativ kleine „hydraulische Belastung“

Bemerkungen: 25 m 3 /(s m) ist ein Richtwert, bei dessen Unterschreitung in der Regel die Fliess- geschwindigkeit auf der Treppenschussrinne im Bereich ohne Selbstbelüftung unter 20 m/s liegt und deshalb zur Vermeidung von Kavitation keine Belüfter erforderlich sind. Unter Punkt 6 wird aber die maximale Geschwindigkeit im unbelüfteten Bereich noch berechnet.

Unter einem Belüfter versteht man eine bauliche Vorkehrung zur Zufuhr von Luft an der Sohle einer Schussrinne.

3. Stufenhöhe

Wahl s = 1.2 m

Bemerkungen: Vielfaches der RCC-Schichthöhe, übliches Mass (oft einige RCC-Schichthöhen)

Professur für Wasserbau an der ETH Zürich Prof. Robert Boes

Vortragsübung 2

Wasserbau II

4. Vorhandenes Abflussregime bestimmen

Prüfen, welches Abflussregime beim Sicherheitshochwasser vorhanden ist:

h

c

=

2 q 3 g
2
q
3
g

= 2.84

m

vorhanden:

Schwellenwert, ab welchem skimming flow einsetzt:

= =

2.37

=−⋅ φ = φ =

0.91 0.14 tan

0.74

(Gl. 1)

beim Sicherheitshochwasser ist Gerinneströmung (skimming flow) vorhanden.

Bemerkungen: Auf einer Treppenschussrinne ist skimming flow das erwünschte Abflussregime, da so auf der Schussrinne mehr Energie dissipiert wird als bei Kaskadenströmung (nappe flow).

,

Nappe flow tritt hier nur bei relativ kleinem Abfluss auf:

3 q = ( 0.74 ⋅ s ⋅=g ) m
3
q
=
(
0.74 ⋅ s ⋅=g
)
m

2.6 m / sm

3

(

)

Q < 2.6 m 2 /s * 30 m = 78 m 3 /s

5. Bestimmung der Lage des Selbstbelüftungspunkts

L

i

=

28.91

m (aus Gl. 2)

zL=

i

i

sin

φ=

22.15

Weil z i < H dam = 60 m findet beim Bemessungsabfluss Lufteintrag auf der Schussrinne statt.

Bemerkung: Auf einer Treppenschussrinne ist Lufteintrag erwünscht (Vermeiden von Kavitation).

6. Äquivalente Klarwassergeschwindigkeit beim Selbstbelüftungspunkt

h m , i

=

1.13 m (aus Gl. 3)

C

i

=

0.23

hh =

wi

,

mi

,

(aus Gl. 4)

⋅− ⎜ ⎛ 1 C ⎟ ⎞ = ⎠

v

wi

,

==qh

/

wi

,

17.24

0.87

m

/

ms <

Abflusstiefe beim Selbstbelüftungspunkt

tiefengemittelte Luftkonzentration beim Selbstbelüftungspunkt

20

/

ms

äquivalente Klarwassertiefe

äquivalente Klarwassergeschwindigkeit

Keine Kavitationsgefahr, keine Belüfter erforderlich

Bemerkung: Die Fliessgeschwindigkeit nimmt im oberen Teil der Schussrinne zu und nähert sich weiter unten einem konstanten Wert (Normalabfluss). Da bis zum Selbstbelüftungspunkt (und etwas weiter) keine Luft an der Sohle vorhanden ist, ist in diesem Bereich zu überprüfen, ob die äquivalente Klarwassergeschwindigkeit (v w,i ) 20 m/s überschreitet. Bis zu diesem Grenzwert sind in der Regel keine Kavitationsschäden zu erwarten. Da beim Selbstbelüftungspunkt bzw. etwas unterstrom davon der Abfluss (von der Oberfläche her) schon durch Luft beeinflusst ist, ist der Luftgehalt der Strömung zu berücksichtigen.

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Vortragsübung 2

Wasserbau II

7.

H

dam u

,

h

90, u

=

Normalabfluss

57

= mH<

dam

(aus Gl. 5)

1.45

m (aus Gl. 7)

auf der Treppenschussrinne wird Normalabfluss (auch

bei Sicherheitshochwasser) erreicht

charakteristische Gemischabflusstiefe bei Normalabfluss

Bemerkung: Der Index „u“ steht für „uniform flow“ (Normalabfluss). Da bei einem Gemischabfluss die Oberfläche des Abflussees stark aufgerauht sein kann, wird die charakteristische Gemisch- abflusstiefe h 90 von der Sohle her bis auf die Höhe definiert, wo die lokale Luftkonzentration C=0.9 beträgt.

8. Bestimmung der erforderlichen Höhe der Seitenwände der Treppenschussrinne

- Mit Kronenprofil mit Stufen:

h

d

=

1.88

m (aus Gl. 11 und mit η = 1.3)

Wähle

h =

d

1.90

m

- Mit glattem Kronenprofil (siehe Abschnitt „design of spillway crest“):

hsm=⋅=

d

4

4.8

über eine Länge von

L = 25 sm= 30

ab der Überfallkrone

h =

d

1.90 m (wie schon vorher bestimmt) über die restliche Länge der Schussrinne

9. Bestimmung der Energiedissipation

Um die Anwendung der Formeln zum Thema Treppenschussrinne zu vervollständigen, wird hier noch die Energiedissipation betrachtet, obwohl dies zur Lösung der gestellten Aufgabe nicht erforderlich war.

Ks=⋅ cos φ = 0.77 m

h

w , u

f =

b

=

0.67

m (aus Gl. 6)

0.067

(aus Gl. 8)

Dh=

hwu

,,

4

,

wu

=

2.68

m

HH=

max

dam

+ ⋅=h

1.5

c

64.26

m

Normalabfluss wird erreicht (von Punkt 6)

verwende Gleichung 10a

H

Re s

=

22.41

m (aus Gl. 10a)

65 % Dissipation

Bemerkung: Die Energiehöhe des Abflusses am Fuss der Treppenschussrinne beträgt 35% der Energiehöhe im Stausee, bezogen auf die Höhenlage des Dammfusses. Dieser Wert ist von Be- deutung, wenn ein an die Treppenschussrinne anschliessendes Energieumwandlungsbauwerk (Tosbecken) zu bemessen ist.