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Platon: Über die Unsterblichkeit der Seele

Um seine philosophischen Theorien darzustellen, hat der antike griechische Philosoph Platon (428/427-348/347 v. Chr.) Dialoge niedergeschrieben zwischen seinem berühmten Lehrer Sokrates und dessen Schülern. Inwieweit diese Dialoge so tatsächlich geführt wurden und was daran der

5 gedankliche Anteil Platons ist, ist ungewiss. Man geht allerdings davon aus, dass Platon viele seiner eigenen Ideen seinem Lehrer in den Mund gelegt hat.

seiner eigenen Ideen seinem Lehrer in den Mund gelegt hat. Hier findet ihr einen Auszug aus

Hier findet ihr einen Auszug aus dem (nach einem Sokratesschüler benannten) Dialog „Phaidon“ zwischen Sokrates (S) und seinem Schüler Kebes (K):

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S: Darüber also sind wir einig, dass etwas nie sich selbst zum Gegensatz werden

des Ungeraden. Er gehört zu ihrem Wesen und sie nie wäre ohne ihn nicht das, was sie

kann? K: Auf alle Weise.

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ist. Sie trägt also den Gegensatz zum Gera- den in sich und so trifft für sie niemals der

S: So antworte nun: Was muss dem Leib in-

S: Die Seele also, wessen sie sich bemäch-

gesetzt?

haben?

S: Gut. Und was den Tod nie annimmt, wie

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S: Wirst du auch darüber mit mir einig sein:

Begriff des Geraden zu – sie schließt ihn

Du nennst doch etwas warm und kalt? K: Das tue ich. S: Etwa dasselbe, was du auch „Schnee“

K: Nein, beim Zeus, nicht.

als Schnee das Warme aufnehmen und, wie

schwinden.

aufnehmen und sein, was es war, Feuer und

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aus. K: Selbstverständlich.

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und „Feuer“ nennst?

newohnen, wenn er leben soll? K: Eine Seele.

S: Sondern etwas anderes als das Feuer ist das Warme, und etwas anderes als der Schnee das Kalte. Aber das, denke ich,

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S: Und ist dies auch immer so? K: Wie sollte es nicht?

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glaubst du doch, dass niemals der Schnee

tigt, zu dem kommt sie und bringt immer Le- ben?

wir im vorigen sagten, noch sein wird, was er war, Schnee und zugleich warm; sondern wenn das Warme sich nähert, wird er ihm

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K: Das tut sie freilich. S: Ist nun wohl etwas dem Leben entgegen-

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entweder aus dem Wege gehn oder ver-

K: Ja.Der Tod. S: Also wird wohl die Seele das Gegenteil

K: Freilich. S: Und so das Feuer wiederum, wenn ihm das Kalte naht, wird entweder darunter weg-

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dessen, was sie immer mitbringt, nie anneh- men, wie wir aus dem vorigen festgesetzt

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gehn oder verschwinden, nie aber die Kälte

K: Ganz gewiss. S: Wie nun? Was die Idee des Geraden nie

kalt. K: Wohlgesprochen. S: Sieh nun: Offenbar schließt etwas nicht nur seinen Gegensatz aus, sondern auch

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aufnimmt, wie nannten wir das eben? K: Ungerade.

nennen wir das?

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das, was dieser mit sich bringt. Nimm als Beispiel die Zahl Drei. Sie ist mit ihrem Na- men zu benennen und auch mit dem Begriff

K: Unsterblich. S: Und die Seele nimmt doch den Tod nie an? Unsterblich also ist die Seele.

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1. Gib den Gedankengang in eigenen Worten wieder!

2. Veranschauliche Platons Theorie in einem Bild oder Schaubild!

3. Nimm zu diesen Gedanken Stellung!