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BÜRO FÜR ZUKUNFTSFRAGEN

zukunftsperspektiven

11.2010 Die Datensammler Privatheit im digitalen Zeitalter
11.2010
Die Datensammler
Privatheit im digitalen Zeitalter

Impressum

Herausgeber

f/21

Büro für Zukunftsfragen Mag. Nora S. Stampfl, MBA Rosenheimer Straße 35 D-10781 Berlin Tel.: +49 30 69 59 82 58 E-Mail: zukunft@f-21.de

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Die Datensammler. Privatheit im digitalen Zeitalter © Nora S. Stampfl, f/21 November 2010 Alle Rechte vorbehalten

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(S. 35 rechts), DavidQ (S. 35 links), dommy.de (S. 41), Don Espresso (S.

78), evali (S. 77), eyeonu (S. 49 Mitte), Fiebke (S. 48 rechts), Galle77 (S. 49 rechts), hannesleitlein (S. 74), HerrSpecht (Titel), iotas (S. 81), Jack Simanzik (S. 43), Janine Wittig (S. 72 links), jarts (S. 44), jg_79 (S. 48 links), johnnyflash (S. 71), kallejipp (S. 19, 28, 29, 36, 38, 42, 57, 68, 75, 85), KONG (S.50, 76), Koosinger (S. 15 rechts), kumbpel (S. 49 links), lama-photography (S. 14), leicagirl (S. 61), luxuz::. (S. 46, 47), Maria Vaorin (S. 72 rechts), .marqs (S. 20 links, 60), marshi (S. 66), micjan (S. 83), Miss X (S. 20 rechts), misterQM (S. 34, 65), Mister Vertilger (S. 70), muffinmaker (S. 26), Nanduu (S. 69), Neilpryde (S. 64), nurmalso (S. 17), öde_inge (S. 37), particula (S. 16), pixeldeluxe (S. 15 links), pixx (S. 80), rowan (S. 27), secretgarden (S. 8), seraph (S. 30), sïanaïs (S. 39), spacejunkie (S. 24, 25), steffne (S. 73), stockwerk23 (S. 34), suze (S. 62, 63) tagstiles.com (S.35 Mitte), TimToppik (S. 82), vs. (S. 10, 11), 106313

(S. 40, 55 oben)

Inhalt

 

Kurzgefasst

5

Kapitel 1

Einleitung

9

Kapitel 2

Datenspuren zeichnen ein digitales Abbild unseres Lebens

13

Kapitel 3

Persönliche Daten werden zur Währung des Internetzeitalters

31

Kapitel 4

Die Grenze zwischen realer und digitaler Sphäre verschwimmt

53

Kapitel 5

Ist Datenschutz noch zeitgemäß?

67

Kapitel 6

Privatheit im Informationszeitalter:

79

Eine Neudefinition

Kurzgefasst

Die Erzeugung, Erfassung und Verar- beitung personenbezogener Daten ist heute allgegenwärtig: Jedes Mal, wenn wir unsere Kreditkarte oder das Mobiltelefon benutzen, wird unser Aufenthaltsort registriert und gespei- chert. Jedes Mal, wenn wir einkaufen und eine Kundenkarte verwenden, wird unser Name zusammen mit den gekauften Produkten registriert und ausgewertet. Jedes Mal, wenn wir im Internet surfen, unsere Stromrech- nung bezahlen, einen Arzt aufsuchen, eine Reise buchen werden riesige Da- tenbanken gespeist und das digitale Abbild unseres gesamten Lebens wird ein klein wenig schärfer. Wir leben in einer Überwachungsge- sellschaft: Kaum eine unserer Aktio- nen zieht heute keine Datenspur nach sich, welche anderen zugänglich ist – auch wenn nicht immer sofort darauf zugegriffen wird, so werden die Daten doch zumindest gespeichert, schlum- mern in Datenbanken und stehen für Analysen in der Zukunft bereit. Und mehr noch: Unser digitales Abbild folgt uns nicht nur wie ein Schatten, es eilt uns auch voraus. Wenn die aus den verschiedensten Quellen ge- schöpften Daten verknüpft werden, entsteht ein Personenprofil, das über uns Aufschluss gibt – zumeist lange bevor wir persönlich dazu die Mög- lichkeit erhalten. Immer öfter treffen Unternehmen und sonstige Orga- nisationen ihre Entscheidungen ba- sierend auf dem uns vorauseilenden

Datenprofil, das unser mutmaßliches Abbild ist. Die Kreditkarte, den Kauf auf Rechnung, die Mietwohnung er- halten wir, wenn unser Datenprofil für gut befunden wird. Es bleibt nur das Problem, dass wir nicht wissen, was unsere Geschäftspartner wissen und dass wir nie sicher sein können, ob alle gesammelten Informationen korrekt sind. Und nicht einmal haben wir eine Ahnung davon, welche Ent- scheidungen basierend auf unseren Daten getroffen werden. Wenn wir unsere Bank anrufen und minuten- lang in der Telefonschleife warten, wissen wir dann, ob der Grund hierfür ist, dass wir nicht zu den bevorzug- ten Kunden gehören oder schlicht die Leitungen belegt sind? Der Zugang zu persönlichen Informa- tionen ist immer eine Voraussetzung für die Ausübung sozialer Kontrolle. Die Kenntnis unserer Datenspuren machen sich heute vor allem kommer- zielle Datensammler zunutze, um das Credo des Marketings Wirklichkeit werden zu lassen: Die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort anzutreffen. Je mehr über Personen bekannt ist, desto leichter fällt die Manipulation: Wünsche und Bedürf- nisse zu schaffen, um sie dann genau im richtigen Moment zu befriedigen. Daten werden daher mehr und mehr zur Währung im Internetzeitalter. Im Austausch gegen kostenlose Servi- ces oder sonstige Vergünstigungen geben Nutzer ihre persönlichen Da-

Kaum eine unserer Aktionen zieht heute keine Datenspur nach sich.

Unser digitales Abbild folgt uns nicht nur wie ein Schat- ten, es eilt uns voraus.

Persönliche Daten werden zur Währung im Internetzeitalter.

Kurzgefasst

ten preis, welche die Datensammler sodann nutzen, um daraus Kapital zu schlagen. Mit Social Data Mining und Network Analysis werden Unterneh- men immer mehr zu Gedankenlesern, die aus den digitalen Fußabdrücken ihrer (potentiellen) Kunden deren Verhalten, Wünsche und Pläne able- sen. Dabei führt die blinde Datensam- melwut zu derartig dicht gestrickten Datenprofilen, dass immer öfter auch der Blick in die Zukunft gelingt: Glä- serner kann der Mensch nicht sein. Und da die Grenze zwischen realer und virtueller Welt immer stärker verschwimmt, ist ein Abschalten des Datenstroms für den Nutzer nicht mehr möglich. Konnten wir früher „aus dem Internet gehen“ oder das Mobiltelefon abschalten, so sichert eine immer intelligenter werdende Umgebung mit allgegenwärtiger Rechnerleistung die immerwährende Datenerzeugung und -speicherung. Der digitale Schatten ist unser ständi- ger Begleiter. Den Datensammlern kommt zupass, dass sich die Art und Weise, wie wir heute mit unseren personenbezoge- nen Daten umgehen, radikal ändert:

ständig geben wir heute – bewusst oder unbewusst – Details aus unse- rem Privatleben preis. Immer klarer zeigt sich aber auch: In einer zuneh- mend vernetzten Welt ist der Schutz der Privatsphäre ein stets präsentes Anliegen. Welche Herausforderungen ergeben sich für den Datenschutz in einer Welt, die von einem dichten Da-

tennetz überzogen ist? Eines ist klar:

Datenvermeidung und -sparsamkeit können heute nicht mehr die Grund- festen des Datenschutzes sein. Der freizügige Umgang mit Daten zusam- men mit modernen Technologien, die gar keine Wahl lassen als Daten aus- zutauschen, haben die Wirklichkeit komplett umgestaltet: diese Tatsa- che muss Eingang finden in die aktu- elle Datenschutzdebatte, ansonsten werden „Lösungen“ erdacht, die von vornherein dazu verurteilt sind, der Technik hinterher zu hinken. In der gegenwärtigen öffentlichen Debatte über Privatheit steht vor al- lem eine „informationelle“ Privatheit im Fokus, deren Kern in der Kontrolle über die eigenen personenbezoge- nen Daten besteht. Privatheit wird verstanden als Entscheidungshoheit über das Ausmaß an Informationen, die anderen preisgegeben werden:

„My home is my castle“ – wer Zu- gang zu meinen Informationen er- hält, bestimme alleinig ich selbst. Ist es in unserer vernetzten Welt, in der durch Technologie, neue Medien und gewandelte soziale Normen das Aus- maß der ausgetauschten Informatio- nen ständig ansteigt, nicht zwangs- läufig, dass ein solches Konzept von Privatheit für tot erklärt wird? Ein modernes Konzept von Privatheit darf nicht auf Datenschutz reduziert werden und muss an der Kontrolle über das Verteilen und die Nutzung von Informationen ansetzen.

Unternehmen werden zu Gedankenlesern: Aus den Datenspuren lassen sich Ver- halten, Wünsche und Pläne ablesen.

Weil die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt verschwimmen, lässt sich der Datenstrom nicht mehr abschalten.

Ein zeitgemäßes Konzept von Privatheit muss mehr sein als Datenschutz.

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f/21 beobachtet die Gegenwart, iden- tifiziert Ausgangspunkte für Verän- derungen, entwirft Szenarien für die Zukunft und beschreibt Handlungs- felder. Wir stellen Zukunftsfragen und wollen mittels neutraler Analy- sen, begründeter Prognosen und dif- ferenzierter Bewertungen die Arena der Möglichkeiten ausleuchten und Spielräume der Zukunft eröffnen. Dadurch verschaffen wir unseren Kunden Zugang zum Wissen um Optionen, die gangbar sind, um die Welt von morgen zu gestalten. Wir verstehen uns als Lieferant von Ori- entierungs- und Handlungswissen.

Wollen Sie mehr darüber wissen, wie die Ideen dieser Studie für Ihre Organisation relevant sind, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf:

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