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ZEITSCHRIFT FÜR KUNST UND KULTUR DES KLASSISCHEN ALTERTUMS HERAUSGEGEBEN VON WERNER JAEGER SIEBENTER BAND
ZEITSCHRIFT FÜR KUNST UND KULTUR DES KLASSISCHEN ALTERTUMS HERAUSGEGEBEN VON WERNER JAEGER SIEBENTER BAND
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ZEITSCHRIFT FÜR KUNST UND KULTUR DES KLASSISCHEN ALTERTUMS

HERAUSGEGEBEN

VON

WERNER JAEGER

DES KLASSISCHEN ALTERTUMS HERAUSGEGEBEN VON WERNER JAEGER SIEBENTER BAND VERIAGVONWALTERDE GRUYTER&.CO BERLIN /

SIEBENTER BAND

VERIAGVONWALTERDE GRUYTER&.CO

BERLIN /

LEIPZIG

1931

AUFFASSUNG UND ANALYSE DER ANTIKE IN DER PHILOSOPHIE DES GRAFEN PAUL YORCK VON WARTENBURG

VON

FRANZ JOSEF BRECHT

Die folgenden Ausführungen sind nicht von antiquarischen Interessen geleitet. Im Praktischwerdenkönnen hat der Mann dem diese Arbeit gilt, selbst den eigentlichen Rechtsgrund aller Wissenschaft erblickt: auch diese Darlegungen haben einen solchen Sinn. Bloße "bodenlose" - wie Yorck sagt - geschichtliche Neugier zu befriedigen ist nicht ihr Zweck und widerspräche dem leidenschaftlichen Eifer, mit dem wir in der Hinterlassenschaft des großen und einsamen Denkers den wegweisenden Deutungen über den Sinn von Sein und Dasein nachgehen. Daß ge- rade die Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Yorck zum Gegenstand gewählt wurde, hat nicht nur den mehr äußeren Grund, daß seine noch zu wenig bekannten und verwerteten, doch aus einem tiefen und ursprünglichen Verhältnis zur Antike quel- lenden Ansichten mitgeteilt werden sollen; mehr noch den, daß er in einem außerordentlichen Maße gegenwartsnah erscheint durch die wesentlichen Bezüge, die er zu den radikalen Fragestellungen der gegen- wärtigen Besinnung auf die genuinen Grundlagen von Geschichte und Geschichtlichkeit aufweist. Graf Paul Yorck von Wartenburg (1835-1897), der Enkel des denk- würdigen Mannes, der am 30. Dezember 1812 die Konvention von Tau- roggen schloß und damit den Anstoß zu den deutschen Befreiungskriegen gab, und der Stiefbruder des schicksalreichen Offiziers und Geschichts- schreibers Maximilian von Yorck, war weiteren Kreisen bis zum Er- scheinen seines Briefwechsels mit Dilthey (1923) nur aus der schönen Widmung bekannt, mit der Dilthey seine "Einleitung in die Geisteswissen- schaften" ihm zueignete. Der Briefwechsel aber zeigte, daß der Graf Yorck- dem schon durch seinen Vater, den Grafen Ludwig Yorck, einen

Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg

197

Freund des von Sohelling beeinflußten Breslauer Philosophen Chr. J. Braniß, philosophische Lebenshaltung mitgegeben war - Diltheys Philo- sophieren an Energie und Entschlossenheit noch übertraf. Man könnte den Einwand erheben, es sei ein voreiliges und unge- duldiges Unterfangen, über Yorcks Auffassung und Analyse der Antike zu schreiben, ohne daß seine Schriften zur antiken Philosophie, insbe- sondere sein "Heraklit" zugänglich seien. Man weiß außerdem, daß er in seiner Denkschrift über Schulreform wichtige Ausführungen über antike Bildungsideale gemacht hat. So schmerzlich uns aber auch das Verzichtenmüssen ist: bei der jetzigen Sachlage ist nach den Mittei- lungen des Verlags vollkommen ungewiß, nicht nur wann, sondern, wie es scheint, auch ob überhaupt die beiden noch geplanten Bände er- scheinen werden. Uns aber drängt und bedrängt die Not - und da wir nicht den Ehrgeiz empirischer Vollständigkeit haben, dürfen wir um so mehr jene Arbeiten (mit der Aussicht auf .spätere Sonderbehandlung) für dieses Mal übergehen, als wir der Überzeugung sein können gerade im Briefwechsel Yorcks mit Dilthey doch irgendwie den 'ganzen' Yorck zu haben. Schon das vier Jahre nach dem Briefwechsel herausgekommene "Italienische Tagebuch" vermag das Recht dieser Annahme zu erhärten. Die Auffassung der Antike in der Philosophie des Grafen Yorck dar- zustellen, ist, wie schon der Titel dieser Arbeit verraten mag, nicht mög- lich, ohne mindestens in knapper Form seine philosophischen Grund- anschauungen zu umreißen. Gerade die methodische Problematik des philologischen Auffassens läßt sich nur in diesem Zusammenhang ver- stehen. Die Arbeit wird daher diese Fragen in einem ersten Teil behandeln, während die beiden folgenden einen geistesgeschichtlichen Beitrag zur geschichtsphilosophischen Anschauung der Antike geben möchten. (Über den Grafen Yorck gibt es bi&her folgende Arbeiten: H. Stadie, Die Stellung des Briefwechsels zwischen Dilthey und dem Grafen Yorck in der Geistesgeschichte, Philosophischer Anzeiger 1. 145-200; F. Kauf- mann, Die Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg, Jahr- buch für Philosophie und phänomenologische Forschung 9· (1928) 1-235; dazu neuerdings eine erst nach Niederschrift dieses Aufsatzes erschienene Arbeit von demselben Verfasser: Yorcks Geschichtsbegriff, Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 8. 306 -323. Diese Arbeiten bewegen sich in ganz verschiedenen Problem- dimensionen und ebenso verschiedenen Forschungs- und Darstellungs-

Pranz

Josef Brecht

weisen. Der vorliegende Versuch steht methodisch der großen Arbeit Kaufmanns nahe, der er verpflichtet zu sein dankbar bekennt. - Zitiert wird die einzige von Yorck selbst in den Druck gegebene Schrift "Die Katharsis des Aristoteles und der Oedipus Coloneus des Sophokles", Berlin 1866, mit K und der Seitenzahl; der "Briefwechsel zwischen WH- helm Dilthey und dem Grafen Paul Yorck v. Wartenburg", Halle 1923, mit B und der Seitenzahl: ohne beigefügten Namen handelt es sich dabei immer um Äußerungen des Grafen; das "Italienische Tagebuch", Darm-

stadt 1927, mit T

und der Seitenzahl.)

I

Yorcks Philosophie lebt von der Überzeugung in das Ende einer Epoche und das langsame Heraufkommen einer neuen Zeit gestellt zu sein. Er glaubt, es komme ein Zeitalter, in welchem "der ganze Mensch wieder einmal Stellung nimmt und hinzutritt zu dem Probleme des Lebens" (B 128). In solchen Zeiten der Neubildung durchschauert das Gefühl der Vergänglichkeit die alte Welt (B 140). Die Epoche aber, deren herannahendes Ende Yorck schon damals als einer der Allerersten mit unübertroffenem historischem Spürsinn erkannt hat, bezeichnet er als das Zeitalter des Nominalismus: "Das Zeitalter des Nominalismus geht zu Ende und es ist Zeit" (B 65). Nur ein Wechselbegriff für diesen Ausdruck ist ihm der Terminus Rationalismus; "der intellektuelle und moralische Jammer unserer Zeit, die Haltungslosigkeit des Gesammt- bewußtseins" beweist ihm, daß der Rationalismus keine lebendige

ist, sondern seine Rolle ausgespielt hat (B 155). Die

Macht mehr

Entfernung des Menschen von sich selbst, in welcher eine gänzliche Haltlosigkeit gründet, scheint ihm nun so weit vorgerückt zu sein, daß der Mensch seiner selbst nicht mehr ansichtig ist. Historisch leitet Yorck die versinkende Epoche auf das "exzentrische Prinzip" zurück, das vor mehr als 400 Jahren eine neue Zeit heraufführte, deren Träger der "moderne" Mensch ist: "Der 'moderne Mensch' d. h. der Mensch seit der Renaissance ist fertig zum Begrabenwerden" (B 83). Diese Exzen- trizität, das heißt der Verlust der bindenden Mitte, des begründenden Bodens hat auch die Erkenntnis aus ihrer Bahn geschleudert, so daß sie erst wieder, nachdem sie "bis zur Aufhebung ihrer selbst fortgeschritten" ist (B 83), "kritisch zu sich selbst gebracht werden" muß (B 128). Die neue Zeit, deren Aufgabe eben dies ist, die, "wenn auch schüch-

Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Paul Yc;>rck von Wartenburg

199

tern" (B 150), heraufkommt, ist nach Yorck durch den ·Rückgang auf die zentrale Tatsache des Lebens charakterisiert. "Leben'' ist der universalste Begriff, unter den ,Yorck. zusammen mit Dilthey die Philosophie •und .die

Wissenschaften stellen, ·das· Urphänomen, um das sich

blematik je länger desto intensiver gruppiert, das Urlicht; das in alle Fragen' und Fragwürdigkeiten·. hineingehalten werden muß, das· Urkriterium, an' dem alles substanzlose Gerede des haltungslos gewordenen Bewußtseins in seiner Nichtigkeit offenbar wird. Wir wollen von diesem umfassenden Ganzen aus schrittweise an seinen bestimmenden Kern vorzudringen ver- suchen. Alles Denken und Handeln ist Offenbarung, Ausfluß, Funktion des einheitlichen Lebens; daher finden sich überall , Zusammenhänge . und strenge Bezüglichkeiten (B 48/9). Mit dieser Erkenntnis wird Ernst ge~· macht. Das Leben ist ·die ursprüngliche Gegebenheit, das primäre Da- tum, "von dem alle, auch· die. allgemeinsten Kategorien derivirt ·sind", (B 167). So erklärt sich der Wechsel·geschichtlicher Zeiten nur aus dem

Vorherrschens einer der Grundfunktionen ·der Lebendigkeit';

ihr~ gesamte Pro~

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1

Wechsel des

neue Lebensstellungen·. und -Auffassungen ·leiten und' bestimmen' neue Epochen, nicht• irgendwelche Einzelentdeckungen und ·~Erfindungen, 'U~d wären sie auch von der größten Tragweite (B 128). · Auch die Kunst. muß als Ausdruck "zeitlich charakteristischer, Gesamtlebendigkeit" ·gefaßt ;wer.: ' den (T 214). Da so alle geschichtlichen Äußerungen von der Einheitlich-. keit des Lebens getragen sind, haben die großen unter ihnen, .welche, Epoche machen, normativen Charakter (T 208). Durch das. "Lebens- gefühl", ein Wort das bei Yorck ~och mit der ganzen Dichte und Schwere

seines . ursprünglichen' Gehalts geladen erscheint, wäh~end I es ·. heute .· flachen, gehaltlosen Formelwort entleert ist. -:- wird alles bestimmt, so- gar die Weise der Bestattung (T 167). · Sollen daher Handeln und Denken, Geschichte und ·Erkenntnis ver- standen werden,· so. gilt es das. einzig angemessene Werkzeug, das adäquat,e Organon zu finden, wenn nicht die Eigentlichkeit vernichtet und mit ihr das Leben selbst, der Ursprung und Wesensgehalt aller seiner Äußerungen ver- fehlt werden soll.' Keine dogmatische Stellungnahme, gleichgültig ,welcher systematischen Art, kann diese Grundvoraussetzung entbehren oder er- setzen: daß "das Leben das Organon für die Auffassung der geschichtlichen Lebendigkeit ist" (B 167). Leben •allein' ist Organon für Leben (B 193):

Dieses "Werkzeug" 'aber ist kein Präparat theoretischer, Willkür, .vielmehr

zum

,,': i Franz Josef Brecht das, was ich I ursprünglich erfahre: meine eigene~ "strukfufirte, einheitliche.

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i

Franz

Josef Brecht

das, was ich I ursprünglich erfahre: meine eigene~"strukfufirte, einheitliche.

Lebendigkeit~.' ~',Sieist das Organon fürErfas~ungu~dJ:!rkenntniß'alle~

,~,.:

'Lebendigkeit" I (B 203). So

für die' Erkenntnis der Lebendigkeit die wesenhafte personale Lebendig- keit des eigenen Daseins (B 256).

ist die letzte methodologische Voraussetzung'

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Es :könnte ·scheinen, als

ob

damit

subjektivistisch~r· Deutung und·

Eigenwilligkeit ein methodischer Freibrief ausgestellt ·würde; 'keine An- nahme wäre irriger; denn die wahre Lebendigkeit echter; das: heißt doch:

·wahrhaft wissenschaftlicher

Forschung

liegt

nur darin,\: daß

,die

Ob-

, 'jekte selbst zum Reden gebracht werden (B 201). · ~ilde Subjektivi~men:

und geistreiches, aber gehaltlieh ausgehöhltes Gerede 'sind, gerade Anzei-· chen' tiefster Unlebendigkeit.

Auch die geschichtlichen Wandlungen also sind. nur, als Äußerungen der Lebendigkeit zu verstehen. Der erste näher bestimmende ISchritt au( 1das Kernphänomen des Lebens hin führt zur Geschichte.' Lebendigkeit, ,'ist Geschichte. Da Philosophieren leben ist, "giebt 'es kein .wirkliches' Philosophiren, welches nicht historisch wäre" (B 251): aus diesem Satz

ergibt sich die Wesensgleichheit von Leben und Geschichte. 'Darum ist ' auch für die geschichtliche Erkenntnis "die Erfahrung der Wirkung von:

Leben auf Leben" die fundamentale Basis. Bei solcher\ tiefgehender Kor- 'relation von Erkenntnisgegenstand und Erkenntnissubjekt, als w~lchebeide :"Lebendigkeit" sind, wird alles echte (geschichtliche) Erkennen zu einem An- , eignen (B 203). Solche Aneignung ist aber zugleich eine, "erweiternde Ent- äußerung", "ein höherer Vorgang der Vergeschichtlichung des Mens,chen" :(B 223). i Der Geist der Geschichte ist dem Menschen daher noch in einem ; anderen und tieferen Sinne brüderlich und verwandt als die ' Bewohner

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.von Busch und Feld.

dem Ringen Jakobs, das für den Ringenden selbst ein si~hererGewinn ist

(B 133).

Alles geschichtliche Bemühen hat Ahnlichkeit mit

.

Der geschichtliche Stoff zwar ist in empirischer Forschung zu er- lni.tteln. Aber dieser ontische, erfahrungsmäßig erfaßte Stoff wirkt alsbald, sobald die "archivalische, kritisch-diplomatische Schwelle" überschritten i~t,als "zugehörig" (B 223). Die "lebendige Hinbewegung des Auffassen- ',den" belebt das Historisch-Ontische. Das Erkenntnisorgan "ist und 1 bleibt" der Mensch, welcher "in dem psychischen Capitale .strukturirter ',,!Lebendigkeit" seine Erkenntnismittel beschlossen findee :Diese psychi.:

sehen. Kategorien werden an den Stoff herangebracht; doch kann man

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i ' ' ' . Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen

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Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Paul Yotck von Wartenb;,rrg ·

eigentliCh ~o nicht sagen, da der Stoff ja "eigen Fleisch und Blut'.' 'ist ( ~ben- .da). •Erst. solche, .·in den Stoff eingewobene psychologische; Zergli~derung

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urid: Deutung macht die Würde und den Wert der geschichtlichen ,Wissen~:

schaft aus.

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So begreifen wir, daß Yorck sagen kann: "Philosophie derGe-

schichte :allein· ist Geschichte als Wissenschaft" (ebenda) Denn jene psychologische Analyse der Geschichte bedeutet 'eben phi- losophische .Auffassung, und da Philosophie Leben ist, gibt es,' ~i~·wir', .sahen, kein .wirkliches Philosophieren, welches nicht historisch wäre.-··Philo-' sophieren ist Leben (B 251). In dem letzten Brief Diltheys an Yorck findet Dilthey unter dem befruchtenden Anhauch des Freundes seine tiefsinnigste Umschreibung des Wesens der Philosophie: "Die Philosophie ist eine A k ~ tion, .welche das Leben dh. das Subjekt in seinen Relationen als Le·~ 'bendigkeit, zu~Bewußtsein erhebt und zu Ende denkt".(B247),', 'eine Definition, deren radikaler Sinngehalt erst durch die existenziale Ana~

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lytik des ·Daseins, wie sie Martin Heidegger ausarbeitete, offenbar: wurde. ·,Dreierlei: erscheint uns an dieser Anschauung wichtig: 1. daß das' Wesent-' liehe der'Philosophie in eine Aktion, ein Geschehen, nicht in eine Theorie. oder dne Disziplin oder einen Ursatz verlegt wird; 2. daß das "Leben"; näherhin das menschliche Subjekt, als Gegenstand der Philosophie be- 'sti~t wird; 3. endlich, daß dieses menschliche Dasein nicht als Welt- gegenstand, als Objekt historischer oder psychologischer Neugier, ,Thema.:

der philosophischen Aktion wird, sondern "in seinen Relationen als Leben- · digkeit". Der Gegensatz zu solcher Lebendigkeit und Konkretheit der echten Philosophie •enthüllt sich in der "Bodenlosigkeit der abstrakten wissen- ' schaftliehen Dogmatik" (B 39), der gegenüber Yorck immer von einein tiefen;

und, ;wie sich zeigte, nur allzu berechtigten Verdacht beseelt war.'IEr er.~/ :blickte in ihr "das monotone sich in engem Zirkel drehen eines von einer! , leblosen Methode gleichsam vor den Kopf geschlagenen Denkens'.' (B 45) .Die Bodenlosigkeit dieses Denkens selbst aber begriff er alsgeschichtliches'; Ergebrus ;'enes mehrmals erwähnten exzentrischen Prinzips und!b~trach.,., .tete sie erkenntnistheoretisch selbst als ein metaphysisches' I Verhalte~:'

(B48)

gen enegte Zeit die ,Philosophie "als Expektoration eines bodenlosen Den.:\ kens''.' begriffen, so gilt es nunmehr sie als Lebensmanifestationi zu er-> fassen,:.eine Aufgabe, deren Resultat zwar knapp, deren Lösung 'a~erver-·, wickekund mühsam ist (B 250). Es gilt, mit Dilthey zu reden, "in' sich Ur-;:·, sprünglichkeite11: :lebendig zu ,machen" (B 21), oder um .es m der nega~·':

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Hatte diese von jenem Prinzip zu immer flacheren Wellenbew;egun-

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Franz\Josef!Brecht

:;aiyen·.~end~gYorck~.z~sagen,:·~;dass~criflCi~des:Lo~smus".'zuvoll-:

.ziehen (B 34), das,' Ursprimgliche 'vo~ den':yerdec~ngeh und' Ubenvuche-·:. rungen des Abgeleiteten zu ,befreien,', unbeirrt. durch· ·"die unfruchtbare /Abstraktion: Wahrheit" \(Dilthey'·, B 20) .und I den .'"Spuk von Deduktion lu1ld :Induktion" (~ 32). Bevor wir den ' nächsten < Schritt'; in \der ' weiteren ' konkretisierenden B~stiminung des ·Lebens, tun, bleibt. uns die Aufgabe,· den ersten der zur, Geschichte führte;. noch,'nach Wesen• und. Methode; nachzuvollziehen. Wir haben gesehen, daß aus I dem .Wechsel. des Vorherrschens der

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.·~<:.Grundfunktionen der Lebendigkeit~sich, der\Wandel der 1 ges~hic;htlichen.

.'.Sachlich ist sol~herWechsel der. großen~geschichtlichen .·

,Lebensmotive nur in ;,historisch-psychischem Verstehen'': (B·i98) zu be- greifen" denn er spieltsich in der verborgenen Innerlichkeit der Geschichte· '.selbst ab. "Logik und'Exp~riment"aber;,tragen nichtweiterwie das So-

Epochen versteht.

1 ':)!'~atische"(B 19~),k?~nen~s~nieiJlals das:eig~ntlicheObje~tdergeschic~~.:

1 bchen Erkenntms" die Monve erre1chen, die VIelmehr nur· 1m Nacherlebms

Aus der Einheit der Motiv~,welche der eigent-·

:~liehe"locus des geschichtlichen Problems" ist, Wird Handlung und Gedanke \in gleicher· Weise bestimmt,, so daß: diese. beiden Lebe~sg~staltungen sich

,'zu gewinnen sind (T 228).

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'gegenseitig klären. 1 Da so .Geschichte recht, eigentli<:h ~as'Reich der Motive ist (T 221),' ist geschichtliche. Erkenntnis zum besten Teil' "Kenntniß der. ··>',~erborgeneriQuellen" (B 109).·. "Mit d~rqeschichte ists so, daß was Spek- 1takel· macht und augenfällig ist nicht die• Hauptsache ist. :Die Nerven sind

(unsichtbat: wie das Wesentlich~'überh~mptunsichtbari~t"(B.26). Diese un-

'isichtbaren Nerven der Geschichte,. die ·Motiv~, die memals einfache dis- krete·· Größen sind,: gilt es immer: ~ue~st.'aus einem· verborge~en Grunde i h~raufzuheben und.' sie alsdann zu verstehen und zu deuten (B 184). Sol- (ches .Verstehen aber vollzieht sich im sch~eigenden·Hinh~rchen: "Wie es heißt: "Wenn ihr. stille wäret, so wÜrdet ihr stark ~sein". sci ist auch die Variante wahr: wenn ihr stille seid so werdet' ihrvernehmen .d~h. verstehen" (B 26)., Die Isolierungist es·, die tötet; während die Stille spricht (T n8). \;~Wemsie nichts sagt",. so schreibt Yorck aus Rom an seine Tochter Berta, :,;der wird auch· nicht die richtigen und tiefen Töne vernehmen, wenn er hinaustritt in die Welt,. sei sie die gegenwärtige, sei sie 'geschichtliche Ab- '

Bei dieser Auffassung des Wesens. geschichtlichen Verständnisses muß } ~n '. Yorck · gegen die übliche Art geschichtlicher Verglei~htmg · berechtigtes

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'g~schlos~enheit" (T

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Auffassung und Analyse der Antike in der Philos~phie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg, 203 \.

·Mißtrauen aufko~eh,.da ·.diese,die epoch~nglieder~den.Ursprungsf

nicht in den Griff. bekommen· kann. Denn Motive sind Kräfte, .und der'

wahre Begriff. der·

aesthetisch, haftet immer an der Gestalt"; '

Gestalt aber ist eine Auffassungsweise~ die auf.jene geschichtlichen Kräfte- einheiten "nur üb(!rtragener Maßen anwendbar sein sollte" (B 193). Aue~:·.

in der Sprachwissenschaft, wo eben diese vergleichende Methode die logisch :

rhetorische abgelöst hat, scheint Yorck :nicht mehr als die "Kenntniß des sprachlichen Soma'' erreichbar. (B 193/94). Jedenfalls aber vollzieht sich, das eigentliche ges'chichtliche Verstehen'· ohne Vergleichung -als ein "sich Bewegen von Leben .zu Leben"' (B 202). Da nun das erkennende und verstehende Leben jeweils das der Gegen :' wart ist, hielt Yorckeine regressive, .von der Gegenwart .in die Vergangen-

heit zurückschreitende ·Darstellungsweis~ für die der geschichtlichen:Fo~-

Vergleichung aber ·"ist immer'

Geschichte· demnach' '"der eines Kräftekonnexes":· ·

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schung angemesse~e: indem eine. solche Rückwärtswendung der Lebendig

keit zu dem Vergangenen, wiewohl' noch als ,Kraft Wirksamen eine ana :. lytische Durchleuchtung der ·,Gegenwart vorausschicken würde, böte sie zugleich eine Kontrolle für das, .was wahrhaft geschichtlich weiter wirk als in der Gegenwart aufzeigbare Kraft gegenüber dem bloßen Antiquari- sehen (B 167).

Dieses Antiquarische nun ist die ·ständige I große Gefahr einer beson- deren Form des geschichtliche~',Verstehens: der. philologischen ·Methode,·· im definitorischen Sinne des Grafen Yorck. Wir wenden uns jetzt deri ' Überlegungen zu, die ·Yorck ihr gewidmet hat, in .ihrem Gegensatz u~d\ Zusammenhang · mit der historischen Methode; wir .wollen aber gerade:'

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hierbei· Yorcks zeitgeschichtliche

Dem Philologen fehlt nach Yorck gerade das, was den Historiker recht eigentlich ausmacht; die Fähigkeit seelischen Verstehens : "Der echte Philo- logus, der einen Begriff von Historie hat als von driem Antiquitätenkasten

Wo keine Palpabilität . -----, wohin ' nur

führt, da kommen die Herrennicht.hin',' (B61). Immer von neuem,gibt Yorck auch den Grund'an, der zu solchem Verhalten zwingt: er scheint; ihm darin zu liegen, daß die Philologen ."im Innersten Naturwissenschaft-,· ler" sind (B 61) und daher in mechanischem statt in lebendigem Ver-:

hältnis zu ihren geschichtlichen Gegenständen

Aus jenem metho-:.

Gebundenheit nicht 'vergessen.
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lebendige psychische Transpositior{

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dischen Verhalten resultiert die ."Rathlosigkeit·und Erfolglosigkeit ·der s. g.' philologischen Methode'', (B 103). 1 Der mechanische Charakter dieser M~~·\'·

·der s. g.' philologischen Methode'', (B 103). 1 Der mechanische Charakter dieser M~~·\'·

2?4.

Franz

Josef Brech

2?4. Franz Josef Brech thode. und ihre Ana~ogie zur naturwissenschaftlichen Darstellung ~irdl n,ocli' dadurch
2?4. Franz Josef Brech thode. und ihre Ana~ogie zur naturwissenschaftlichen Darstellung ~irdl n,ocli' dadurch

thode. und ihre Ana~ogiezur naturwissenschaftlichen Darstellung ~irdln,ocli' dadurch verstärkt,' daß das Material der philologisch~'n:HypothesenrEin:--

',zelhdte~sind, ~,Krimskrams" (B 61), "lächerliche Kleinkrämerei~'.(B,23)fi:

SO· werden die' entscheidenden Fakten vor lauter Hypothesenbildung !gar' micht in den Griff, genommen, "die Untersuchung geht nicht mehr\ oder' doch nur.bis zum Sprungbrette, dann springt sie oderfliegt 1uid die<l'Üigel sind ~die Hypothese" (B 254). Statt die Einsichtigkeit gegenständlicher

Erkenntnisse zu . erzielen,

erstrebt

man

für .die Richtigkeit und Tragfähigkeit

bestenfalls 'Überzeugungsgefühl' der Theorie.' :Der·.: philologisch

:·Glaube, d~r Weg von außen

sei der richtige, ist wiederum nur eine,·F~lge···

der: m~ngelnden psychischen Erkenntnis (B 255).

Dieser Sachverhalt: der der philologischen Methode versagte unmittel~

bare Zugang zum Gegenstand, das Sich-Einhüllen in hyPothetische' Kon~

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struktion, kann auch so ausgedrückt werden: "Der Geist solllitterar-histo- 1risch erfaßt werden" (B 255). Denn diese literarhistorische· Manier ist es,. welche statt zu den Sachen selbst zu kommen, über lauter:Einflüsse,;Be-. :.ziehungen, Gattungen und Schemata, zuletzt zu einem großen Fragezeichen' gelangt und an den großen Realitäten Homer, Platon, Neues ·Testament ,zu Schanden geworden ist (B 61); "von all dem Krimskrams, .wie . oft z. B. Platon in Großgriechenland oder Syrakus gew~sen, muß man sich• (gan~ fern halten. Da hängt keine Lebendigkeit dran" (ebenda). Noch ein weiteres Moment verschärft die fragwürdige:Lage der phi- lologischen Methode. Neben der modernen naturwissenschaftlichen Ten.:. denz lebt in ihr, geschichtlich aus ihrer romantischen. Herkunft zu begrei-:, fen, die Tendenz auf ästhetische Anschauung (B 254), die. ~m der Gestalt' haften zu bleiben geneigt ist, ohne ins Gestaltende 'vorzudringen. I :nies

hängt aber damit zusammen, daß solche

ästhetische Analysis leichter

wört :

liehen Ausdruck findet als eine hinter die Anschauung I zurückgehende; ~denn die Worte stammen aus der "Okularität". Aber nur was hinter', die Anschauung zurückgeht, dringt in den Grund der Lebendigkeit ein. ·Also ,ist dies einer exoterischen Darstellung entzogen. "Ich könnte mir gramma- tische Charakteristiken denken, denen gegenüber. die philologisch-statisti-' :.Ische~Nachweisungenüber den Gebrauch einzelner Worte und Wendun-;- /gen ;bei einzelnen .Schriftstellern als Kärrnerwerk erscheinen würden"

,(ß 71).

Gegenüber solcher Ratlosigkeit erstrahlt umso heller, "die Frucht~ar- keit ·, einer , auf unmittelbarer psychologischer Erfassung beruhenden 1 Be-

umso heller, "die Frucht~ar- keit ·, einer , auf unmittelbarer psychologischer Erfassung beruhenden 1 Be-

Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg

2ö5 J

,trachtungsweise" (B 103).

Sie wäre die richtige philologische. In ihr würd~:

an die Stelle literaris~herKenntnisnahme das eigene Nachdenken, ja Wieder-·,

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erl~ben trete~.=·"Dann kommen die Sachen anders wie, bisher.zu steh~~','.'r

(B 63). So I wird'. d~r ' literarhistorische Zaun abstrakter,' Hypothesen I und

Theorien •durchbrochen, um zum Gegenstand selbst. vorzustoßen. und :in\ iünD. Fuß zu fasse~. So wählt Yorck selbst schon in seiner Jugendschrift zur· Klärung·. des Katharsisbegriffs nicht den Weg, ·sich irgend einer·. ~er.':

modernen. Int~rpretationen anzuschließen; vielmehr will er ·"die tragische

.Muse" selbst (K 18) das Rätsel enthüllen lassen, in welches der griechische::

Philosoph ihr. Wesen kleidete.

selbst aus. Dies ist auch die generelle Tendenz der gegenwärtigen Philo-, Di~. positivistische Geschiehtschreibung aber ging trotz aller ver.:. meintliehen Wirklichkeitshingabe nicht von der Positivität der U rtatsachen .aus, sondern von ·.abstrakten, durch Herkömmlichkeiten üblich geworde- nen,; lingeprüft 'übernommenen begrifflichen Formen.

. , . · Aber Yorck geht für die positive Bestimmung der psychischen Er~'

fassungsweise noch .einen Schritt weiter, und dieser ist nach dem ersten.

Er will nämlich jenes Nachdenken

und , Wiedererleben, das an die Stelle der literarischen Kenntnisnahm treten soll, als' "das eigene, lebendige Philosophiren" verstanden wissen;. wiederum zeigt. sich hier, wie tief verwandt, ja schließlich identisch philosophische und geschichtliche Betrachtungsweise für Yorck sind. Denn was ·vorck ·der mechanischen oder literarhistorischen Methode· gegenüber:

stellt, ist j~iersichtlich nichts anderes als das historische Verstehen, als' das ,'~·n~rÜhren,yon Leben und Leben, der Wesenskontakt einer Lebendigkeit

Yorck geht also vom Sinn des Gegenstands

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schon ·entscheidenden der letztgültige.

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mit dem gleichen Fleisch und Blut.

dieser Weise sich historisch vertiefen, dann erst kann erfaßt werden, daß':

Wird die philologische Metho~e }~ '

es sich bei de~ großen Gegenständen und Aufgaben der klassischen Philo~.:

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logie; zum 'Beispiel im Platon um "eigentliche Existenzialfragen" handelt; wobei:. "existiren1 etwas anderes heißt als Essen und Trinken" '(B 62): 1 ,Dann erst wird man frei werden von der Vorstellung, es komme auf geistige:' . Abkunftsverhältnisse. an, die nur für moderne Philologen wichtig sind. ' ,An~· 'die Stelle' dieser. äußerlichen Frage nach dem Woher hat die existenziale' nach dem:Wie,~u'treten (B 143). Erst so werden geschichtliche Gestaltell)

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aus I ihrer Erstarrtheit erlöst und wieder lebendig: geschieht dies nicht, I so

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kommt nur "Staub zu Staube" (B 59). Erst auf diese, heute grundsätzli<::h 'geÜbte Weise' gelingt es, in das Innere der Gegenstände einzudringe~und,

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IFranz•JosefiBrecht

beispielswei~~.'·troti •. ~lle~~weitgehehden 1 i~~~eiten:.iri·,den. k~ltlichen'

i/Äußerlichkeiten den 'spezifischen Gehalt 'des Christentums aller heidnischen

)Religion'gegenüber,zu erfa~s~n~"wer all~J;dirigs";,~wiedie abstrakten Alter-

tumsforscher,:' das Christentum\ vom Kultus~ltt!r": betrachtet, wird bald zu \einer vom\ Wesen des Christentums: ~lilpmelweit'.verschiedenen Ansicht ge-·, langen (T47) Erst,·aur'diese\Weis'e wird.die'Philologie ein weiteres Be- dürfnis, das spekulative nämlich, das eine "rechte Gefahr,"·. für sie darstellt, :,;;überwinden, indem sie eben nichts anderes ats radikal historisch ist (B 251) 1 Dieses Wort .Yorcks ~könnt~:nicht· schlimmer :mißverstanden werden, als· ,'wenn es ,iJi positivistischem Si11n', als Ablellnung ·metaphysischer Voraus- setzungen, I genauer: I existenzialer I Erfassung' 'verstanden \Würde~ Denn historisch· verfahren im: Sinne '.Y~rcks· bedeutet; ja;' wie Wir, genugsam ge- sehen haben: eigenes; lebendige~·Philosophieren.· Gibt es doch kein wirk- !liebes Philosophieren, welches nicht historisch ~äre,'·keine ~rklicheHisto- rie, welche· nicht philosophisch Schon in der, bisherigen Enthüllung, der I Kernproblematik der philo-

(logischen Met~ode'klangen deutlich .z~eiihrer, größte:'l Gefahren an, die

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/es nun noch kurz zu betrachten; gilt: I~idie Tendenz auf das Unlebendig-

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2 •. die Tendenz. auf das Verwischen· wesentlicher Epochen-

unterschiede. Anläßlich, der· Legende vo~.derNaxnengebung des Tempels des deus

:/Antiquarische,

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':rediculus, des Gottes also, der die Rückk~hrdes Hannibal beWirkte, bemerkt

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hohe: Maß echter .,Geschichtlichkeit, · das in dieser Sage liegt, .

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der :sogenannten ,.Geschichte, 1 "die ,ein .philologisches Zeitalter

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)immer mehr ,zu einem archäologischen \Kalender ;macht~'. (T 83). Und vielleicht an keiner· Stelle wird diese Auffassung ·von· dem· Gegensatz des ,.Antiquarischen gegenüber echter Geschlchtlichkeit. deutlicher als in der ;entsetzt ironischen BeschreibJng.:Yorcks ·über' die Ausgrabungen Pompejis, das ein Ideal der Archäologie darstelle, gerade weil es gar keine Geschichte nthalte. Denn· die ehemals: alles einzelne.verbindende Kraft konnte als am Leben haftend. nicht, konserviert werden;: konserviert ward also bloß 'alleseinzelne:· ;,Ein einziger Gewinn für antiquarische•Ne~gierde" Nicht ·.die lebendige, lebenwirkende: ges~hichtliche···Kraft als das' eigentlich Be- ~egende aller Geschichte ist in: Pompeji , erfaßbar, ,~ond~rn,'gerade das, was das Leben selbst verhüllt, !as ein Anrecht auf Vergänglichkeit und ':yerwe~ung·hat, wird zur Schau, ~esteiH:.,(T· I35,/,6)J 1 I Die Verwandtschaft solcher Ansichten mit Nietzsches endgültig.aufhellenden Darlegungen über

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Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Paul yorck von Wartenbu~g

2071

die antiquarische Historie ist· nicht· zu·

gleichwohl mit tiefem Recht die Möglichkeit, ,eben ·an und 1 aus dem ein :

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zeinen dieser "äternisierten Sensualität" die das einzelne verbindende'Kraft · nachzuempfinden. ·Und auch dies dünkt ihn eine schöne Aufgabe (T 136). Keine gestaltliehen Gleichartigkeiten .des damaligen und des heutigen:

Lebens dürfen uns hindern, die tiefliegenden 'spezifischen Kräfte in ihrer, Verschiedenheit wahrzunehrrlen. Die Unterlassung dieser Forderung führt allzuleicht zur zweiten der noch zu erwälnl.enden Gefahren: es werden·, "die psychischen Grenzbestimmungen großer ··Zeitepochen verwischt",' (B 251), der Unterschied der Zeiten und die ihn tragende .Unterschiedlich- keit der Bewußtseinsstellungen bleiben verdeckt (B 159). Schon in seiner Jugendschrift hat Yorck 'sämtliche geschilderten Ge-. fahren der philologischen Methode durchschaut··. und ihr schon .damals die psychologisch-historische gege~übergestellt.·.Schon hier hat Yorck erklärt, daß es für echte Geschichte gerade darauf. anko~t, den arth~ftenUnter-

schied

indem er, durchdrungen · von 1 der

von der \vurzelhaften. Ungl~ichheit der Gezeiten, mache ·den Historike~. aus, darauf hinwies,· viele Interpreten, könnten.·ih~e·Ansicht,. welche· das·•

Gepräge moderner Denkweise trägt, und· die von, Aristoteles (über die. Tragödie) ausgesprochene. nicht auseinander. halten. Imnier von neuem macht er (wir werden das Inhaltliche bei der Analyse der Tragödienschrift. selbst betrachten; hier kommt es nur auf die Formel an) auf di~ funda.:. mentalen Unterschiede zwischen moderner und antiker Tragödie aufmerk-'. sam, die letztlich aus der wesenhaften :Vers~hiedenheit der antiken Bewußt~ Seinsstellung von der mod~rnen.überhaupt entspringen: "S~:fern siml uns das antike Bewußtsein und •seine Gestaltungen, . daß es einer Selbstver- ·

.

läugnung bedarf, um die Erkenntniß davon ,zu ge~innen" (K38). Doch worinliegt nun die radikale Ungleichheitder Epochen, diewesen.:.

hafte ,Verschiederiheit ihrer ·Bewußts~insstellungen.selbst wieder, .begrün- det? Mit ·der Beantwortung dieser ·Frage. mündet. unsere Untersuchung~

der Zeitalter, die qualitative

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Differenz· der .Epochen, zu erfassen;

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Lebens im y orckschen Sinne über seine erste Näherbestimmung als Ge-:- schichte hinaus noch konkreter zu ·erfassen. · Der zweite und entscheidende Schritt in der Bestimmung ·des Lebens wird ·getan, indem nun. als das höchste Geschichtliche die .christliche . Religion · ergriffen wird; , daseins7" mäßig gewendet .führt .also ,die zunehmende ' Konkretisierung der 'grund :

die noch unerledigte · Aufgabe,· ·den universalen ·Begriff des

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208 Pranz Josef Brecht' legenden Kategorie "Lebendigkeit" über· Geschichtlichkeit ·zu··

208

Pranz

Josef Brecht'

legenden Kategorie "Lebendigkeit" über· Geschichtlichkeit ·zu·· Christlich-'\,

ke1t.

Christentum ist Leben (B 155), die, '"christliche Religion! höchste Le--':

bendigkeit" (B 154): so erscheint das Christentum alsdie tiefste Bestim"'". mung des Lebens; es ist aber auch "das· im' höchsten Sinne: Historische"·. (T 42), und die von ihm ausgeformte Dogmatik wird daher folgerichtig von Yorck als "der Versuch einer Ontologie des höheren, des: historischen

Lebens" (B 154) betrachtet. Gegenüber der auch

ten Meinung, welche in der zur Begriffsbildung der christlichen Dogmatik benutzten. Gedankenarbeit der griechischen Philosophie eine Paganisierung der christlichen Religiosität erblickt, glaubt Yorck diese ;,Adaption des christ~'

liehen Erfahrnisses an die Vorstellungsform~'als eine "unabweisliche gedank~' liehe Fassung und Verständigung über die Empfindungswerte· der neuen· Lebendigkeit" auffassen zu müssen; die Paganisierung liege vielmehr in dem· organisatorischen Element, in der Verkehrung des christlichen Willens in den

weltlichen Herrscherwillen (T 209/10).

Jugendarbeit Yorcks ihre eigentliche Tiefe und ihren entscheidenden Ge- sichtspunkt einer solchen, wenn man will, theologischen Geschichtsphilo-:

sophie entnimmt: schon dort erscheint ihm der grundsätzliche' und wesen- hafte Unterschied der modernen von der antiken Tragödie durch die Zen-

traltatsache der Geschichte: die Erlösungstat' Christi, bedingt; .· und schon dort faßt er diese durchaus als einmaliges, geschichtliches Geschehnis von

weltwesentlicher Bedeutung und epochengliedernder

christlichen Erlösung her, die der als Person den Menschen ~rschienene Gott gebracht hat (K 38), versteht man erst die. maßgebenden Bestimmun-

gen des hellenischen Bewußtseins. Nicht ' scharf genug kanh'Yorck das Spezifische der christlichen Bewußtseinsstellung gegenüber der antiken und den Unterschied des christlichen von dem vorchristlichen Gottesbewußt- sein herausarbeiten. Im Verlauf seines Lebens scheinen sich 'diese 'von Anfang an in ihm wirksamen Anschauungen ·immer mehr. vertieft und verschärft zu haben. Die Christlichkeit Yorcks und seine in ihr verwurzelte Geschichtsbetrachtung treten besonders mächtig in dem Brief vom I 5. De- zember 1892 hervor, weil uns aus den Anffierkungen die I Dilthey ihm beischrieb, die bedeutenden Unterschiede zwischen. den beiden:Freunden in der letzten religiösen Verankerung der ·. Geschiehtsauffassung deutlich

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heute noch weit

verbreite: \

Wir werden sehen, wie schon die

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Von der

werden. Bevor wir auf

in welche Richtung die bezeichnete Radikalisierung ·. Yorck gedrängt

sie zu sprechen kommen, envähnen

wir noch,

Auffassung und Analys6 der Antike in der, Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg

209

hat. Hat . einmal d~s·~niversale Verhältnis, welches zur Entstehung alles Größten· eine Vorbedingung ist, daß nämlich der ganze Mensch Ausdruc;k' gelangt, · ein ' religiöses genannt (T I oo), so konkreti-

siert sich~solche vage Redeweise 'schon deutlicher, wenn ihm unter dem Größten' in Rom' die eing~ritzten.Christenkreuze im sogenannten Carcer Mamertinus ·er~cheinen:· ;,Zeichen welche von einer Kraft reden, mäch- tiger als die Steine, die zwar Jahrtausende dauern, doch aber verwittern, einer Kraft die unüberwindlich ist, weil sie allem Widerstande enthoben ist'' (T 63/4); endlich und letztlich aber bestimmt sich seine Anschauung de~ Religiösen ·al~ die lutherische Fassung des Christentums. Von einem Stein in dem Kreuzgang von Sa. ·Croce in Florenz notiert sich Yorck die schönen ,Worte: .fides principium vitae, finis vitae est charitas und bemerkt dazu: "Ganz ~utherisch wäre gewesen: fides principium vitae, vitae finis" (T104). Ist·hier das eine Wesensmerkmallutherischer Christlichkeit fast sehnsüchtig 'mitten im katholischen Italien von Yorck formuliert worden, nämlich ·die ·grundsätzliche Alleinherrschaft des Glaubens, so enthüllt sich uns das zweite, jeneserste noch tragende und begründende Wesenselement

zum

spezifische~ Luthertums darin, daß Yorck der Überzeugung lebt, die Tiefe desreligiösen Schuldbewußtseins müsse jede Verfiachung des Gegen- satzes von, Göttlichem und Menschlichem abweisen: der evolutionistische Pantheismus, \der· eine mittelbare· ·.Überbrückung jener Kluft zwischen Mensch und i ,Gott durch den Entwicklungsgedanken versucht, erscheint Yorck ebenso .u~öglichwie die rruldere Form ästhetischer Betrachtungs- weise, welche durch eine. Hierarchie gradweiser Vollkommenheit ebenfalls ·jenen Gegensa~z 1 verwischt. · Nirgends mehr als hier haben wir die echte lutherische' Christlichkeif Yorcks ·im Griff: sie hält sich durchaus an die wirklich individuellen Einzelfakten der Heilsgeschichte und wendet sich daher notgedrurigen gegen Diltheys "ungerechte" Verdikte über die christ- liehen Dogmet::t: · für · Yorck . existieren die dogmatischen Bestimmungen auch heute noch im .lebendigen ·Verhalten der christlichen Gemeinde. Für

die Aufgabe, jene Dogmen von ihrer Bezüglich-

' keit auf' d~n christlichen Menschen' ZU befreien, da sie ihm in ihrer Ein-

schränkung, auL di~ Tatsache~ der christlichen Heilsgeschichte unhaltbar erscheinen; erst, ~enn ihr allgemeiner Lebenswert für jede menschliche Le- bendigkeit ·herausgeholt· ist,, werden sie für ihn systematisch verwertbar. Damit aberfälltdie Yorcksche Identität von Geschichtlichkeit und Christ- lic.hkeit; d,ann' bezeichnen .die l)ogmen den "höchsten lebendigen Gehalt

Dilthey ·dagegen '

besteht

' 210 ilaller Geschieht~'~.' Wäh~end Yorck also die:Dogmen durchaus in 1 ihrem

'

' 210 ilaller Geschieht~'~.' Wäh~end Yorck also die:Dogmen durchaus in 1 ihrem

210

ilaller Geschieht~'~.' Wäh~end Yorck also die:Dogmen durchaus in 1 ihrem l'ttrsp~ünglichen,:Si~ui in ih~erI alle' anderen' Beziehungen: ausdrücklich: aus:

1

schließende~:Bindung,'ari die.Besonderheit der!P~rson'Christi erfaßt,'ilöst

sie IDilthey aus dieser Ausschließlichkeit' und sucht' sie ' als' IÄußeru~g)ge~; schichtliehen ,· Sinngehalts überha~pf , zu ,begreifen. '. :Am :tiefsten ! kotillnt .diese Polarität. in den, tragenden Grundanschauungen der':beide~'Freunde. zum Ausdruck, wenn· Yorck schreibt: "Nicht ein Anderer ~sonde~n·ein Mensch und historische K~aftistJesus: Da.sl Kind gewinnt durc~das Opfe~

Ohne' dies~ virtuelle Zurechnung und

1Kraftübertragunggiebt es·überhiuipt:keine Geschichte" (B 1.55) ~und wenn Dilthey in klarer Gegensätzlichkeit dazu· am Rande bemerkt: "um-

Geschichte · ist solche Kraftübertragung,, 1 nicht 1 blos ,das

i der Mutter, ihm kommt es zu Gute

1 gekehrt:

a 11 e

1Christenthum".

An diesem Punkte ist der grundsätzliche I Unterschied Diltheys un ' Yorcks am stärksten. ,·Wir haben kein Recht, I di.e, eine ·Überzeugung· für

·: philosophis~herlzu halten als die ande~e, wenn auch, ~i~ichtlich die. Yorck-

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,: sehe in einem •besonderen Sinne die christlich-religiöse genannt'- wer~en :muß. Mit Recht hat daher Kaufmann das Deckungsverhältnis von Christ.:. : lichkeit und Geschichtlichkeit hei y orck betont und das rein lutherische Gottesverhältnis als durchherrschende und bewegende Macht des Yorck-, ·

Hier enthüllt. sich im Gegeneinander der

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sehen Denklebens bezeichnet

ibeidenFreunde·eineGege~sätzlichkeit, welche. weite Epochender.deut-

ehen Geistesgeschichte in Spannung' g~halten.hat. Kaufmann·. selbst hat

darauf hingewiesen, daß wie fürYorck so auchschon für Fichte, und~,schd- ling eigentliches, geschichtliches Leben erst aus der. Heilstat Christi her- l'vorgeht; deingegenüber scheint ihm Diltheyin Abhängigkeit V?n Hu~- boldt und letztlich Leibniz zu ·stehen, die alle I geschichtlichen Erschei- nungen als Darstellungen einer übergeschichtlichen· Idee auffassen,, Äuße:. rungen der einen· Form der Menschheit, wie· Humboldt, der. immer, glei- eben Menschennatur, wie Dilthey sagt. Versuchen wir über solche personale Abhängigkeiten in die begrün- denden Tiefenschichten geistigen Geschehens vorzudringen, so kann , es keinem Zweifel unterliegen, daß wir den vorliegenden Gegensatz grund- sätzlich mit den geistesgeschichtlichen Begriffen klassisch und romantisch

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bezeichnen können. Die genannten Philosophen I piestätigen

lieh diese Zusammenhänge.

ja auch äußer-

Die Idee· der Menschheit ist eine·klassisch

'1Tradition, die Verwurzdung des Geschichtlichen im spezi~sch 1 Christ- ,

der Menschheit ist eine·klassisch '1Tradition, die Verwurzdung des Geschichtlichen im spezi~sch 1 Christ- ,

.

des

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Auffassun~und Analyse der Antike in der.Philosophie des ·Grafen Paul Yorck von Wartenburg ·

liehen eine romantische

siker. den: Blick für die ·~,unberechenbareIndividualität'.'· I der Erscheinun~ gen; aber ebenso sicher verlieren diese ari geschichtlicher.Tiefe, eigentlicher'~· Wirklichkeit' und Wertigkeit, ·. wenn sie ' doch . alle nur Verwirklichungen

einer Idee, 'Ausdrucksformen einer einheitlichen Natur

So ist· das

Freilich hat auchDilthey und ~t ihm 'viele .Klas-

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romantische Prinzip ·das rtiefer historische im· Vergleich zum klassischen. Ja, radikal gesehen ist 'jenes im eigentlichen Sinne das allein historische~ während das klassische das ästhetische ist. · Diltheys '-- wenn man will:

tragische ~ Stellung in der Geistesgeschichte scheint damit 'umschrieben werden zu können, daß er kraft seiner geistigen Herkunft in der Linie des klassischen Idealismus steht; doch kraft seiner besonderen·. Innerlichkeit das tiefere romantische Geschichtsverstehen erstrebt: indem er von jenem• zu diesem drängt, begründet er, während ',rings um ihn ein rationalistischer, Positivismus herrscht, ein ursprüngliches Verständnis der.Geschichtlichkeit;'

ohne doch in die letzte Tiefe des Geschichtlichen selbst vorzustoßen; dieses ebenwird durch die klassische Ide~der .allgemeinen Menschennatur; der einen Form der Men~chheit hintau 1gehalten.

bedeute{

Yorck, geistesge~chichtli~h gesehen, ·die · eigenständige und •. ursprüngliche

Erneuerung wie romantischer Philosophi~ überhaupt, .so insbesondere des romantischen •Geschichts-Verständnisses.'.' Hier ist. das .Primäre nicht die' Idee· der Me~schheit,als 'deren mannigfaltige 'Darstellungen die geschieht~·

Dieser idealistischen ·klassischen· Überlieferung

gegenÜber

·liehen Erscheinungen betrachtet werden, sondern die' Geschichtlichkeit

menschlichen Daseins selbst.·.· Diese aber ist :wesenhaft verwurzelt und be- . heimatet im christlichen ,Existenzbe~ßtsein: so .nicht·· nur bei ·.Fichte und '

insbesondere Schelling,.sondern deutlich~rl1och bei Creuzer. und Görres~ Die bezeichnete Pol~rität, bisher mit den Formeln: kiassisch-roman-

tisch oder ästhetisch-historis~h hindeutungsweise umschrieben, kann end-:-., lieh ebenso grundsätzlich (und das heißt den Einzeltatsachen vielfach un.:. angemessen) auch bezeichnet werden als die von humanistisch und christ-,

lieh.

gerade ·des deutschen Geistes so entscheidenden Gegensatzes liegt iri der:·

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Der geistesgeschichtliche Prototyp aieses für die Bildungsgeschichte

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Spaltung vori .Erasmus und ~Luther.

Indem .dieser ursprüngliche Vorgang

die immer. wiederkehrende ·Spannung in :der, Entwicklung .'des deutschen\

Geistes bezeichnet, öffnet er uns den .Blick für ein verwandtes; ja das ver~

wandte

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Phänomen u~serer,eigenen Lage: deim auch in uriseren .Tagen ist/

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' der Gege~sa~z.·humanistisch-religiös .a';l~s

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212

Franz

Josef Brecht

senschaft und Philosophie auf der einen Seite, welche ohne spezifisch christliches Prinzip sind und lediglich im Humanistisch-:-Kulturellen verhar- ren, und die sogenannte dialektische Theologie auf der anderen Seite. Wenn wir mit einem letzten Blick die weiten Räume unserer Bildungs- herkunft überschauen, bemerken wir, daß dieser sich immerfort auf neuen Ebenen wiederholende Vorgang schließlich nichts anderes ist als die stän- dig erneuerte Auseinandersetzung der beiden großen, die deutsche Geistes- geschichte außer ihrer eigenen spezifisch germanischen Innerlichkeit be- stimmenden Seelentümer der Antike und des Christentums. An diesem Punkte ergibt sich noch einmal die Notwendigkeit eines Rückblicks auf Yorcks Leistung für dieses Ur- und Grundproblem unseres geschichtlichen Daseins : zeigt es sich doch, wie drängend und dringend gerade heute wieder diese Auseinandersetzung geworden ist, wenn man sieht, wie die humanistische Idee ebensosehr eine neue Mächtigkeit ent- faltet wie die· wurzelhaft erneuerte christliche, und wenn man weiter be- obachtet, daß erneut, wie in der trüben Zeit des Historismus, unsaubere Vermengungsversuche, bei denen jeder Teil sein Eigentliches aufgeben muß, am Werk und von Erfolg gekrönt sind. Gerade diesen gegenüber muß betont werden, daß die Einsicht in die radikale arthafte Unterschieden- heit der geistigen Mächte eine wichtigste Aufgabe bleibt. Wie Nietzsche alles Christliche aus dem Begriff des Antiken auszumerzen versucht, ge- tragen von dem Pathos der intellektuellen Redlichkeit, wie umgekehrt Kierkegaard, von der Leidenschaft des rein christlichen Existenzbewußt- seins erfüllt, alles Heidnische aus den wesentlichen Bestimmungen des Christlichen herauszulösen sucht, so hat auch Yorck die Einsicht in die gänzliche Besonderheit der beiden Mächte und Zeiten be!iessen, und zwar so, daß ihm aus dem Eigenwesen des Christlichen die Eigenwesentlichkeit der Antike erst recht verständlich ward. Nun ist ersichtlich, warum dieser etwas lange Weg zurückgelegt wer- den mußte; es galt, die Auffassungsproblematik darzustellen, um die Ana- lyse der Antike durch Yorck wirklich zu erfassen: darum war es nötig, von seinem universalen Begriff des Lebens und der Lebendigkeit über den der Geschichte und der Geschichtlichkeit in die nährende Mitte seines ganzen Denklebens vorzustoßen, als deren wesenswichtige Ausstrahlungen sich erst Lebendigkeit und Geschichtlichkeit erweisen: in seine luthe- rische Christlichkeit.

Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg

II

213

Yorcks Arbeit "Die Katharsis des Aristoteles und der Oedipus Colo- neus des Sophokles" (Hertz, Berlin 1866), eine Prüfungsarbeit für die Zu- lassung zu den höheren Verwaltungsämtern, ist das erste und sogleich großartige Zeugnis für die Wahrheit des eben ausgesprochenen Satzes. Schon hier stellt er dem Bild, welches der klassizistische Humanismus vom Griechentum besaß, ein stärkeres und spannungsreicheres gegenüber, indem er vor Nietzsche und Rohde Einsichten romantischer Philosophie ursprünglich erneuert. Bevor wir dieses Bild nachzeichnen, betrachten wir auch hier das Methodische. Yorck gibt zunächst eine kurze eindringliche kritische Ge- schichte der Auffassungen des Katharsisbegriffs bis auf seine Zeit, die, eine erschöpfende Darstellung zwar nicht der Deuter doch der Deutun- gen, feststellt, daß keinerlei Übereinstimmung herrscht. Sein Weg führt ihn von Lessing, der die Katharsis als moralische Besserung deutete, über Herder, der sie als Lustration faßte, und über Goethe und von Raumer zu der hedonischen Deutung E. Müllers; er geht weiter zu Brandis, Bern- hardy und Zeller, welche sie als bestimmten Zustand der Intelligenz be- greifen, bis zu Jacob Bernays, der sie als rein pathologischen Vorgang versteht, und zu dessen Gegnern Spengel und Stahr. Yorcks kritische Bemerkungen sind methodisch sehr aufschlußreich. Müllers Deutung lehnt er schon deshalb ab, weil sich aus ihr ergäbe, daß die Tragödie "kleinlich egoistischen Sinn" nährte (11). Zellers und Stahrs Anschauungsweise verflüchtigen unter dem Einfluß Regelscher Denkweise den Inhalt der Tragödie, die realen Konflikte des Bewußtseins, zu bloßen Gedanken- konflikten. Der Ausdruck Bewußtsein hat hier nicht den entleerten und formalistischen Sinn der Erkenntnistheorie, sondern umgekehrt den voller Konkretion und Lebendigkeit; die Bemerkung beweist, wie fern Yorck schon in seiner Jugend der klassisch-humanistischen Geschichtstheorie steht, die in den geschichtlichen Erscheinungen VerwirkHebungen gedank- licher Wesenheiten erblickt. Die Theorie von Jacob Bernays erscheint ihm als die bisher beste. Zwar sieht er sich gedrungen auch sie zu bekämp- fen, allerdings nicht aus philologischen Motiven, sondern aus dem Miß- behagen heraus, "daß die Bedeutung einer in sich so nothwendigen und großen Erscheinung wie die griechische Tragödie ist, in einem in sich bedeutungslosen Effekt auf die Zuschauer gefunden wird". Zwar sei allerdings ihre Unvollkommenheit oder vielleicht richtiger Unvollständig-

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keit · I hiermit . ausgesprochen. Denn da nach · der •Darstellung 'Bernays'

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die 1 kathartische Wirkung in sich bedeutungslos sei, die: Katharsis· aber da~ \\\,:w~sender 'Tragödie selbst in seiner naturgemäßen ''.Äußerung; 1 rn;deute,

dße'

Annahme,· der schon der unmittelbare Eindruck tragischer Meist~rWerke' widerspräche (16). Auch gegen die Methode, die Regel und der von i1un \ abhängige Lassaulx in der Behandlung der Tragödie anwenden, ·richtet

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,~!',J~so,erhält'hiermit die Tragödie den Charakter innerer.~Zufälligkei't;,

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rsichYorck, und hierbei erscheint nunmehr wenigstens' inmegativer.' Wen~

·:d.ungsein eigener methodischer Grundsatz.

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Trotz: aller: geistreichen' un:d

!leuchtenden Resultate werde bei der Methode Hegels das :zu: begreifende Phänomen nicht aus sich selbst, sondern durch ihm Äußeres.; was es bezeich.:. 1nen •soll, erklärt. Eine solche Betrachtungsweise charakterisiert· Yorck ~·als

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~i·anegorische,deren Mangelhaftigkeit er in ihrer unve~eidlichenWillkÜr'er~

lblickt. ' Da alle Allegorie ein Verstandesspiel mit den Erscheinungen der Welt. 1ist,lhänge es ja von diesem Verstande ab, "ob aus solche~ Spiele geistreiche ,'und wahre, oder triviale und schiefe Combinationen herVorgehen~~ (19j2o)~ ·. · Yorck selbst wählt nun zur Lösung seiner Aufgäbe, ."an einer Sopho~ ikleiseben Tragödie zu entwickeln, wie sie geeignet ist, nach Aristoteles

I kathartisch zu wirken" für die Klärung des Katharsisbegriffes .· rucht' ,den. Weg, sich einer der anderen Deutungen anzuschließen oder sie kritisch ':zu verbessern, vielmehr sucht er gegenüber der Unsicherheit undVagheit

·, 1 solchen Vorgehens einen zuverlässigeren Pfad.

I; tharsis auszugehen, will er "die unmittelbar gewonnene· Erkenntruß ·des Wesens der antiken Tragödie auf das Schlußglied der ·Aristotelisc~e~:De-- finition zurückbeziehen". So also befragt er die Sache selbst, die "tragische Muse selbst" soll das Rätsel enthüllen, in welches der griechische Philo- soph für uns ihr Wesen gekleidet habe (18).

/ 1 , Zweifellos erkennt Yorck die mannigfache, voraussetzungsmäßige Ge-:

Statt vom Begriff der' K~-

\bundenheit auch seines interpretatorischen Vorgehens: denn um mchts I 'anderes als um Interpretation handelt es sich hier. Er meint zwar' sein' Weg Ibewahre vor der Gefahr gewaltsamer Deutung um einer vorgefaßten Mei~ mung willen, und dem "unbefangenen Auge" müsse das Wesender Trag-

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!ödie sich entschleiern. Dieser Glaube an die Vorzüglichkeit seines Vor-

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1gehens besteht zu Recht: mindestens wird er sich nicht durch äußerliche; i;.,sachfremde Konstruktionen 1 ) im vorhinein den Blick.· fÜr die'. anschau7'

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1 ) Wohin ein solchesVerfahren führt, zeigt Yorck (17/8) in seinerK~itikan K~ck,Über d~~Aristot~~

Kock kommt bei

.IÜschen Begriff der Katharsis, Elbing 1851.

seiner Deutung des Öedipus R~x ~u de~

d~~Aristot~~ Kock kommt bei .IÜschen Begriff der Katharsis, Elbing 1851. seiner Deutung des Öedipus R~x ~u

Auffas~ung und Analyse: der Antike in der Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg

2 I 5

ungsmäBigen Gegebenheiten der· Tragödie und des in ihnen sich bekun- denden Wesens verdunkeln hissen.

'

. · : Er. versucht also durch: "Autopsie" an einer griechischen Tragödie selbst• seine.· Ansicht der.· tragischen Wirkung zu gewinnen. Er enthüllt mit dervon .ihm selbst geforderten "Tiefe des psycho-historischen Blicks" (B II3) die richtige Methode dahin, daß man die geschichtliche Tatsache der, Entstehung .der. Tragödie aus dem Dionysosdienst für ihre Wesens- deutung 'selbst benutzen müsse~ Denn ihm scheint in allen Fällen ein innerer Zusammenhang bedeutender Erscheinungen vorzuliegen, wo ein äußerer. überliefert ist. So hat er denn in der romantischen, von Novalis ausgesprochenen Überzeugung, daß alles Äußere ein in Geheimniszustand 'erhobenes Innere ist, .schon hier die grundsätzliche Weise seines geschicht- liehen Auffas'sens: hinter di~·Tatsachen und das Okulare zurückzugehen, auf ~e bewegenden, Antriebe · und. Kräfte, die Motive. Sein psychohistorischer Tiefblick hat ihm aber, wie wir oben bereits kurz berührten, au~h'schon in der Jugendarbeit das Auge für die Besonder-

Das Falsche der Inter-

heit ~t:idUnvergleichlichkeit der Zeitalter geöffnet.

pretation• der' Katharsis erblickt er zum Teil darin, daß eine Ansicht, "welche : das . Gepräge moderner Denkweise trägt" (1 5) auf die Antike zurückübertragen, wird.·. ·Er wendet sich gegen die Unart, einzelne Trag- ödie~'für sich· zu' betrachten· und nur in der einzelnen "die Bedingungen

ihres Verständnisses'' zu suchen; .das heiße, die griechische Tragödie wie die .moderne behandeln, ;,als eine Erscheinung dem Leben eben so fern wie die Erzeugnisse unserer'·dramatischen Literatur" (19). Und die An- merkung ,dieser Seite :. spricht, die' für diese Zeit einzigartige und erstaun- .liehe Ansicht •der: Differenz ·zwischen dem griechischen Theater und der mode~nen·Bühne aus:·"Die·antike Tragödie scheint zum Leben selbst zu gehÖren,': ein nothwendig~s Element desselben z~ sein, während das Schauspiel 'bei uns, ein willkürlicher Schmuck, einen bestimmten ästhetisch

eine Ansicht, für deren Tiefe unser

Georgekreises wieder ge-

öffnet wurde: ·. Endlich spricht er ( 26 A.) das Verfälschende einer solchen

selbst aus; er tadelt den Irrtum, das

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verfeinerten .z~stand voraussetzt" :

Auge ~rst·· durch . die •. Kunstanschauungen des

verwischenden •Betrachtungsweise

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Ergebnis~',die tragischen Meisterwerke der Griechen seien Darstellungen, wie der selbstbewußten Schuld

eine entsprechende Strafe. folge. Für jeden Unbefangenen aber, entgegnet Yorck, sei Oedipus' Frevel als ein ·unbewUBter hinreichend deutlich; sein .Leiden sei nicht Folge persönlicher Sünde, sondern . Folge der Erb~üride,die zur Gottverlassenheit des hellenischen Menschen führt (vergleiche 31).

216

Franz

Josef

Brecht

Verderben des Odipus sei Strafe für seinen Jähzorn und seine Grausam- keit und kann sich eine solche Auffassung nur aus der Verwechslung der antiken mit der modernen Tragödie erklären, da nur diese "eine wissent- liche Verschuldung ihrer Helden kennt" : eine solche Auffassung ist "der die Gegensätze der großen Zeitepochen geistreich verwischenden Manier eigen". Wogegen bis heute zumal die klassische Philologie zu kämpfen hat, die Antike aus heutigen Gesinnungen, Zuständen, Trieben und Zwecken zu erklären und sie unserer Zeit tunliehst anzunähern, das ist schon hier aus wesentlicher Einsicht heraus abgelehnt. Die griechische Tragödie, so sagt Yorck immer wieder, wird "durch Unterschiebung moderner Ideen und Anschauungsweisen in ihrem Wesen verkannt" (38). Auf solcher Unkenntnis aber scheinen ihm auch die vergeblichen Ver- suche zu beruhen, sie in unserer eigenen Sprache und Literatur zu er- wecken. Yorck selbst hat spezifische Unterschiede zwischen der antiken und ·modernen Tragödie herauszuarbeiten versucht 1 ). "In den antiken Trag- ödien ist nach Aristoteles' Ausspruch das erste, die Seele des Dramas:

die Fabel; in den modernen Trauerspielen: der Charakter. Und wie der Inhalt der Dichtung ein anderer ist, so ist die Thätigkeit des Dichters eine verschiedene. Das Haupterforderniß des modernen Dichters ist die Phan- tasie, welche die Kraft der Person ist, die Elemente der Welt zu neuen Formen zu gestalten, während die antiken Dichter im allgemeinen ge- gebene Stoffe behandeln. Nicht in der Phantasie besteht die poetische Kraft der griechischen Tragiker, welche vielmehr im Gegensatze zu den modernen sich zum Organe machen für die gegebene Welt, statt zu einer neuen, einer Welt der Phantasie, sie umzugestalten" (37 A.). Indem Yorck hier die gänzliche arthafte Andersartigkeit antiker und moderner Tragödie schildert, sie herleitend aus der verschiedenen Tätigkeit des Dichters, die schließlich selbst wieder im Gesamt der griechischen beziehungsweise abendländischen Weltanschauung verwurzelt ist, nimmt er Einsichten Spenglers vorwe~ Der Gegensatz von Sein und Bewußtsein, von Welt und Ich, von episch-interpretatorischer Gehaltenheit und lyrisch-produk- tiver Eigenwilligkeit, der formelhaft die letzte Grundspannung bezeichnen

1 )

Ich

teile das

Folgende mehrfach wörtlich mit, nicht nur um den Eindruck der außerordent-

lichen Schönheit von Yorcks Sprache zu vermitteln, sondern auch weil die Katharsisschrift nur schwer zugänglich ist. Es besitzen sie nur wenige deutsche Bibliotheken. Das vom Verfasser benutzte Exemplar

stammt aus der Staatsbibliothek in München.

Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg

217

mag, die man noch roher als die von Objektivismus und Subjektivismus auffassen kann, entfaltet sich in der Gegenüberstellung der antiken Trag- ödie als Gegebenheitsdeutung zu der modernen als Phantasieschöpfung. In den Zusammenhang dieser Frage gehört auch die niemals zu Ende geklärte Auffassung der griechischen Tragödie als Schicksalstragödie. Yorck erscheint die antike Tragödie "recht eigentlich" als Schicksals- tragödie: "nur ist das Schicksal eine nothwendige Macht i n n e r h a1b des Bewußtseins und nicht ein dem Menschen Aeußeres und Zufälliges" (25 A.). Yorck verankert so den antiken Schicksalsgedanken in der be- sonderen antiken Lage des Gottesbewußtseins als "eine nothwendige Phase des vorchristlichen Gottesbewußtseins" und gewinnt damit seine ganze Tiefe gegenüber dem "Schicksal der modernen Schicksalstragödien, welches Zufall ist" (ebenda). Und indem er die antike Schicksalsidee als einen bestimmten Zustand des vorchristHEilen Gottesbewußtseins deutet, er- gibt sich ihm zugleich, daß, nach der Veränderung durch das christliche Gottesbewußtsein, das Schicksal kein Element des modernen Trauer- spiels mehr sein kann, "denn von der Vorsehung abgesehen, kennen wir nichts anderes als Zufall, welcher einer jeden Tragödie, deren Entwicke- lung nach Aristoteles eine nothwendige sein muß, fremd, ja entgegengesetzt ist" (ebenda). Gerade weil man die antike Idee des Schicksals mit dem mo- dernen Begriff des Zufalls gleich gesetzt und verwechselt hat, sind einerseits die berüchtigten Schicksalstragödien entstanden, andererseits mußte dadurch das Wesen der griechischen tragischen Dichtungen verkannt werden. Statt vom modernen Beispiel der Schicksalstragödie auszugehen, beginnt Yorck also mit der antiken religiösen Grundhaltung und entdeckt in ihr die Schicksalsidee in ihrer zentralen Funktion; von da aus kann er zeigen, daß der Anspruch der modernen Schicksalstragödien ein Mißverständnis ist. Indem er nun die Tiefe des Gegensatzes zwischen dem christ- lichen und dem vorchristlichen Gottesbewußtsein ermißt, also die antike Schicksalsidee und die Idee der Vorsehung einander gegenüberstellt, ent- hüllt sich "die Trostlosigkeit" des vorchristlichen Gottesbewußtseins. Hier ist es, wo der tiefste Begründungspunkt für die U nterschiedlichkeit der antiken und modernen Tragödie sich enthüllt. Durch die Heilstat der Erlösung Christi haben sich die Elemente des geschichtlichen Lebens verändert; die Griechen mußten die Gottverlassenheit des Bewußtseins bis zum äußersten auskosten: sie war "das Endschicksal der alten Welt" (37). Aus diesem "Jammer der alten Welt" ist auch die antike Tragödie geboren.

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1·,' Franz Josef. Brecht ! Indem ,Yorck diesen ,religiösen ·Grund 1 des allgemeinen: griechischen·

Franz

Josef. Brecht

!Indem ,Yorck diesen ,religiösen ·Grund 1 des allgemeinen: griechischen· Lebensinhalts' der traditionellen Verdeckring entreißt I und I offenbart, Ihebt sein~! Deutu~g! der antiken ! Geschichte :'in.' dem ', uhvergeßlichen ' Sat~I an:' I

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des :Gottesbewußtseins mit .dem .Selbstbewußt-

.sein'', •zugleich die. Zeit "des·. Epos, dem. ,'aus sokhem Gottesfrieden; die : ungetrübte .Heiterkeit· erblüht, wekhe ,uns am Homer, entzückt":,·(2o)~·

der ·.völligen Harmonie

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es' entspringt

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den Tiefen des Bewußtseins steigt die."Nacht der Schicksalsidee" 1 (2o)

auf.

bewußtsein so schroff in Zwiespältigkeit geraten· sind,·. eine neue, .höhere

Warum aber gelingt es nicht, nachdem Selbstbewußtsein und Gottes-:'

:Fassung des Gottesbewußtseins zu erringen, in derljener Zwiespalt yet~·

,söhnt und aufgehoben ist?

Yorck fhtdet die Antw~rt,da~diegriechi~ch~·

die Gottheit ,unter dem 1 höchsten Symbole. des

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\ Gottesanschauung, wekhe

.~Menschenfaßte, nothwendiger.Weise die höchste StufedesGottesbe~ßt- seinsder heidnischen,nicht erlösten Menschheit war'<.: Indessen erkannte 1 \:man' wohl, daß auch. diese. höchste, der. unedösten Menschheit mögliche·.

\Fassung der Gottesanschauung unzulänglich sei. ' Diese) Erkenntnis· führte· :zum •Bewußtsein der ·Gottverlassenheit: .sie .w~r.d~s Ende· der religiöseri· )Entwicklung des ~mtikenI Menschen. G()tt war de~·:Menschen als ·ein Unfaßliches, ;Fremdes zum Schicksal geworden. "Die Schicksalsidee J ist·

:das'tragische-Ende.d~s Heidenthums" (21).

Aber j~ gottverlas~ener der antike Mensch sich empfindet, um so m~hi

Freilich kann es nicht ge-

wächst die Sehnsucht, n~ch'Gotteserkenntnis.

lingen "die empfundene Gottheit durch einen Erkenntnißakt zu objekti:

~iren"· (ebenda); um so drückender: lastet; daher die unbegreifliche Macht· 'der Gottheit,· auf der menschlichen· Seele, um so .•leidenschaftlicher, reckt sich' der. Mensch auf, in leidvollem und vergeblichem Ringen Gott zu er~'

fassen.

Jetzt drängt diese aufs äußerste gespannte Zweiheit: die lastende

Macht der überall empfundenen Gottheit auf der Seele und die stets' erneute

Sehnsucht des Menschen, sich der Gottheit durch den. Geist zu bemäch- tigen,' den Menschen zu einem tragischen Kampfe: "Die Freiheit kämpft an gegen' den sie beugenden Gotteszwang und das furchtbare Leid erfüllt die 'Seele, die Gottheit als ihrem eigenen Wesen feindlich zu empfinden" (eben- 'da). 'Diesen Vorgang des titanischen Kämpfens der menschlichen Freiheit'

zu empfinden" (eben- 'da). 'Diesen Vorgang des titanischen Kämpfens der menschlichen Freiheit'

Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg

219

gegen die Gottesmacht sieht Yorck am großartigsten im aischyleischen Prometheus ausgedrückt; und nicht ohne tiefe Bedeutung scheint ihm die Ruhestätte des Odipus neben den Erinyen auch ihm, dem Pro- metheus, dem Schicksalsbruder des Odipus, geweiht; er ist das "Urbild des von den Göttern getrennten, dem Schicksale verfallenen Menschen" (27); ,,Prometheus, der griechische Adam, der christliche Luzifer, ist der Mensch selbst, der die Fackel der Erkenntniß entzündet hat, welche ihm die Vergänglichkeit der Götter zeigend, ihn in unvermeidliches Leiden verstrickt" (25). Indem Yorck erkennt, daß als alleinige Hilfe für solches Leid der Tod erscheint, hat er den tiefsten religiösen Ursprung und den echten, über allen sentimentalen Weltschmerz wie über bloß metaphysi- schen oder gar moralischen Pessimismus unendlich erhabenen Sinn des furchtbar tragischen Silensworts erfaßt: "Nie geboren zu sein, ist das höchste Glück, der zweite Gewinn aber, daß der Lebendige in Eile dahin wandere, woher er sproßt" (21): "Dieser Gesang ist recht eigentlich das Trauerlied der antiken Welt, die von dem Leiden der Gottverlassenheit

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im Tode Erlösung

kehrter Homer, des Lebens Leid und das Glück des Todes" (32). Aber nachdem sich so das Selbstbewußtsein vom Gottesbewußtsein gelöst hat, erschüttert der tragische Konflikt die Grundlagen des Bewußt- seins selbst. Da der Mensch von Gott nicht lassen kann, "er lasse denn von sich selbst" (21), schwankt das entgötterte Selbstbewußtsein gleich einem ankerlosen Schiff und sucht in der Selbstvergessenheit, dem Aufgeben des Selbstbewußtseins, in der Rückkehr "in den Schooß der allwaltenden Na- tur", das Heil (ebenda). So macht er sich, sein Selbst opfernd, "zum Organ, zum Gefäß der Naturmacht, indem er den Strom der das Weltall durchflu- tenden Kräfte in sich leitet" (21/2),in deren Wogen die Sonne der Erkennt- nis versinkt. Anders gewendet: aus der quälenden Not des Menschen, der ·vom Baum deJ; Erkenntnis gegessen, dem Logos sich überantwortet hat, erwächst die Sehnsucht nach der naturhaften mütterlichen Einheit von Selbstbewußtsein und Gottesbewußtsein, welche den Frieden und die Unschuld des paradiesischen Zustandes ausmachte. Diese Sehnsucht nach Einfühlung in den Urgrund der Naturmächte, nach Befreiung von der Qual des leidverstrickten Bewußtseins erfüllt der Dionysoskult: in dieser Leistung des ekstatischen Trostes über die Gottes- verlassenheit liegt seine Bedeutung und seine geschichtsphilosophische Notwendigkeit. Denn die dionysische Ekstase ist eben "ein sich Verlieren

Der tragische Dichter besingt, ein umge-

220

Franz

Josef Brecht

an die Herrschaft der Mächte der Natur" (22); die aus sich herausge- schreckte, in selbstzerstörendem Schmerz und sinnbetäubender Lust ekstatisch gewordene Seele aber wird gerade von den Affekten, welche die Ekstase hervorrufen, befreit. Im Taumel der Selbstvergessenheit, den die dionysische Ekstase hervorruft, vollzieht sich daher die Reinigung der Seele von diesen Affekten und zugleich die freilich nur ·zeitweilige Erlösung des griechischen Menschen aus dem Fluch der Gottesverlassen- heit.

Wir sehen, mit welch kühner synthetischer Kraft Yorck schon in dem Ursprungsgebiet der Tragödie, dem dionysischen Kult, die kathartische Wirkung entdeckt. Jene Naturkräfte nun, denen sich der Mensch im Zustand der Ekstase anheim gibt, formen sich unmerklich zur Tragödie, die demgemäß als ein Naturerzeugnis in ununterbrochenem, der nach- träglichen Uberlegung sich entziehendem Wachstum entstand und nichts geringeres ist, als der "verklärte Bacchusdienst selbst, eine höhere Potenz des Dionysoskultus" (23). Wenn im Kulte des lösenden Gottes die "gleich der Jo von dem Leid eines unseligen Gottesbewußtseins ruhelos durch das Leben getriebene Menschheit" sich Selbstvergessenheit erwarb, indem sie ihre Leiden so sehr steigerte, daß die individuelle Freiheit des Logos ertötet ward- so befreit die Tragödie "von diesem Tod-bringenden Banne":

"Auch sie versetzt den Menschen, dessen Leiden er selbst ist, außer sich, aber nicht, indem sie ihn unmittelbar anheim giebt zerstörendem Schmerz und Schrecken, sondern das Gefühl des ·eigenen Leidens in vermittelter Weise steigernd dadurch, daß sie ihm ein Abbild seiner selbst überliefert" (ebenda). Mitleid und Furcht erscheinen als die durch die Spiegelung im Abbild bedingten individuellen Wechselbegriffe der Tragödie zu dendirekten Mitteln von Schmerz und Schrecken im Dionysosdienst; beide Male be- deutet die ekstatische Gipfelung, im Dionysoskult wie bei der Tragödie, ein Zusammenschlagen "der Fluten dieser Leidenschaften über dem Haupte" (23), eine Ekstase, welche dort das Wesen der dionysischen Ka- tharsis, hier das der tragischen ausmacht. Sind nun auch Wurzel und Sinn beider Erscheinungen dieselben, wie ja auch die Tragödie nur eine höhere Potenz des Dionysoskults ist, nämlich: die Sehnsucht des Menschen über seine Gottverlassenheit im Selbstvergessen sich zu trösten - so weisen

charakteristische V nterschiede auf: in der

dionysischen Ekstase wird das Selbstbewußtsein gänzlich ertötet, ein für das Dasein des Menschen verderblicher Vorgang; in der tragischen, durch

doch ihre Erscheinungsformen

Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg

221

die Abbildhaftigkeit gemilderten Ekstase dagegen wird das Bewußtsein nur gleichsam eingeschläfert. Und eine verwandte Modifikation erlebt die ekstatische Lust: ist sie im dionysischen Orgiasmus empfindungsloser Taumel, so erhält sie sich bei der Tragödie einen wenn auch verschwinden- den Rest von Bewußtsein, der, jener Empfindungslosigkeit entgegengesetzt, die Seele im Oszillieren von Sich-Behalten und Sich-Verlieren den be- seligenden Wonneschauer erleben läßt: die tragische Katharsis ist hiernach "eine künstlerische Verklärung der ursprünglich dionysischen" (31). So wächst "die menschheitliche Bedeutung und geschichtliche Nothwen- digkeit der Tragödie" über ihren dionysischen Urgrund hinaus: indem sie "höchste Form, gleichsam Blüthe" des Dionysoskults ist, erlöst sie zeit- weilig "durch Bereitung seligen Selbstvergessens die Menschheit, nicht sie opfernd (wie der Kult selbst), sondern erhaltend, von ·den göttlichen

Leiden ihres Bewußtseins" (23). Dies also ist nun als Sinn, als tiefer, die pathologische Deutung von Bernays vertiefender Sinn des Aristotelischen Rätselwortes von der Katharsis erkannt. Stoff der Tragödie ist so immer "die Leidensgeschichte des dem Schicksale verfallenen menschlichen Bewußtseins" (24). Indem der grie- chische Mensch es an seinesgleichen dargestellt sieht, wird aus dem Leiden

- als erste Stufe der Katharsis - das Mitleiden. Vollendet ·aber wird

die Katharsis erst in ihrer zweiten Stufe, bei welcher im "ekstatischen Selbstvergessen die zum Höchsten gesteigerten Affekte untergehen" (24). Die mächtigen Seiten 20-24 dieser einzigartigen Abhandlung Yorcks enthalten die wesentlichen Stücke, die geschichtsphilosophi- sehe, das heißt für Yorck religionsphilosophische Deutung des Sinnes der griechischen Tragödie und ihrer Katharsis aus ihrer geschichtlichen Herkunft, dem Dionysoskult, welcher selbst wieder als mitwirkendes Glied im Entwicklungsgang des griechischen Gottesbewußtseins begriffen wird. Ohne Frage können diese geschichtsphilosophisch-spekulativen Gedanken- . gänge für uns keinerlei historische Verbindlichkeit beanspruchen. Sie sind bei aller Eigenmächtigkeit und Schwere, die ihnen Yorcks persön- liche philosophische Größe verleiht, doch selbst wieder geschichtlich zu verstehen, hauptsächlich aus der romantischen Religionsphilosophie Schel- lings, auf die Kaufmann hingewiesen hat. Nicht aber ist mit solchem geschichtlichen Verständnis die Frage der inneren Wahrheit dieser ge- samten Interpretation entschieden. Diese Frage erhebt sich mit verschärfter Eindringlichkeit von neuem, wenn wir nun kurz der von Yorck auf den

Pranz

osef! Brecht '

gegeb~n~n,'Einzelanal~sedes· Odipus', riachgehen, die· sich berichteten' Grundanschauungen · aufb~ut.

I • Zuvor aber sei noch kurz darauf hingewiesen, daß Yorcks genialer

rü~kwärts·aus historischen .Motiven· verstanden werden

Schon

Seiten 25-38 ganz ·auf den

Blick .nicht nur

kann,, sondern auch·' größte,· geistesgeschichtliche •Folgen •hatte.

die bisherigen Ausführungen müssen bei jedem Kenner den' Namen Nietz- sches. heraufbeschworen haben. ·Würden· wir noch beiziehen was Yorck über, die Wirkungder,Musik'(24 und28)und des ~rgiastischen Tanzes. (31), über den Gegensatz des Bacchischen und Apollinischen (28 A. 3), insbesondere· über ·den dionysisch-ekstatischer .Musik und .apollinisch- ·architektonischer. sagt~.so müßten die trotz aller Unterschiede im Grund- !legenden doch tiefreichenden Gemeinsamkeiten noch: de~tlicher werden. Schon Kaufmann ·hat :auf, die weitgehenden, teilweise ·wörtlichen Über- einstimmungen aufmerksam gemacht, die sich zwischen Y orcks Schrift ,und Nietzsches ~,Geburt der Tragödie" ergeben.· Er glaubte die Ver-· mutung · . nicht· abweisen ~u dürfen, trotzdem sie urkundlich nicht zu er- ,härten ist, d~ßNietzsche Yorcks Arbeit, die wenige Jahre vor seiner eigenen Schrift erschien, kannte. ' Ich glaube sagen zu können: wenn die quellen- .kritische philologische ·Methode überhaupt · einen ·gewissen Wahrheits-·

wert besitzt, so läßt sich hier eine klare und starke Abhängigkeit Nietzsches

'

,

selbst ,gehört nicht hierher; ich ge-

, denke ihn an anderem Orte zu führen. I 1 Nur dies sei hierüber noch gesagt:

von Y orck. beweisen.· · Der 'Beweis

.der Nachweis einer solchen Beeinflussung Nietzsches durch Yorck be- 'deutet .keinerlei Entwertung oder. Herabsetzung der Jugendschrift Nietz-

sches. So wenig die ,Tatsache, daß Yorck selbst in seiner Arbeit philo- i.logisch wie philosophisch fremde Elemente· verwertete, die ihm eigene Kraft entwertet, mit der er tiefdringend die philologische· Erkenntnis dem geschichtsphilosophischen Verständnis : abringt, so wenig I bedeutet die

Nietzsche eine Minderung der

: Größe, dieses Geistes;: hat er doch· de~ Sinn der griechischen Tragödie I dennoch anders gedeutet, indem er ihre Tragik und Frage zu einer all- ,gemein menschlichen machte, während Yorck. in grpßerer Ehrfurcht vor ',dem Besonderen der großen Epochen sie als eine spezifisch griechische

~begriff;.Nietzsche hat auch die Tragödie künstlerisch als Ergebnis zweier 1 gegensätzlicher Prinzipien verstanden, was wiederum Yorck vermied, 'wiederum in tieferer. 1 Ehrfurcht vor dem ununterbrochenen Wachstum

.Nietzsche hat

'.,Übernahme' seiner Erkenntnisse durch

'

1der Tragödie die nachträgliche Reflexion verscheuchend.

•' I Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Paul Yorck von

•'

I

Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg

endlich allgemein die Tragödien-Problematik sich ins Moderne, Modernste übersetzt, ebenso · wie. · ins Allgemeinmenschliche, · während Y orck, . de~,; echte Historiker gegenüber dem freischweifendenÄsthetiker, sie als spezi.:_> . fisch antike Erscheinung und · spezifisch· griechische ··F nige erfaßte. · :· Die religiöse Geschichtsphilosophie .des griechischen ··Bewußtseins ist( nun die Grundlage, auf der Yorck seine bestätigende Zergliederung ·des:

sophokleischen Odipus auf Kolonos : aufbaut: "Bis an die Grenze des ' Lebens folgt dem Menschen des Lebens Qual·; nur im Tode ist Rettung.':· Das Leben selbst erscheint wie ein Unrecht, denn auf der Stufe des nach :' homerischen hellemsehen Bewußtseins ist· es ein Getrenntsein von, Gott.'. Diese fundamentalen Gedanken des Dionysoskultus sind der Inhalt unserer:·, Tragödie, deren Entwickelung ·die Zuschauer mit erwartUngsvollem Bangeri\ erharren" (29). Odipus "erstrebt nichts anderes, als Gottgefälligkeit, und\ gerade dieses Streben einer vorzugsweise erleuchteten Intelligenz führt:

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und verstrickt ihn~-eine grausame Ironie -in dasVerderben"(25/6). "Der/ die Wege der Gottheit·mit derFacket'der Erkenntniß suchte, ihn umgiebt\

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die Nacht, die Mutter der Schicksalsgöttinnen" (26)

keit, deren Weh unsere kosmopolitische Zeit den ,Alten nicht nachzu-

empfinden vermag, wird besonders tragisch dadurch, daß er ehedem ebel1.',

Seine Heimatlosig-:

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Unglück.

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seine Heimat neu : schuf, sie . erlösend von zerstörendem

Bild des Odipus ,,träg{die' Züge des menschheitlichen.Leides", ,;welches:.:

durch solchenAnblick in der gemildertenFormdesMitleidsund der Furcht

in den Zuschauern nothwendiger Weise erregt' und bis zu davon erlösendem'\

ekstatischen Selbstvergessen gesteigert wurde" (27). Die tragische Wirkung'

dieses Stückes istdabd ,mehr, als sonst in die Schau ( opsis)

verlegt; denn'

in einem.Schlußdrama (diesen.Ausdruck vom Gehalt;.nicht von der Stel~\:

lung in einer etwaigen trilogischen Ordnung genommen) kann der Dichter;

naturgemäß nicht'. mehr durch Schicksalswechsel. die tragischen Leiden-,:

schaften erregen;· vielmehr· muß·. er

diese. Gemütsbewegungen· dadurch:

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steigern, "daß er in dem Bilde ·.des Menschen die Größe seines Leidens' dem Zuschauer entgegenhält"· (28}; ,übrigens ist bei der Herkunft, der, antiken Dichtung .aus· der barstelhing ·die ·Abhängigkeit ·jener. von dieser,. an sich schon .viel größer als .im modernen Drama. Die Stellung des' Odipus gegenüber dem Walten·des Schicksals hat1 sich verändert: war Odipus im . früheren Dlrama \ "der Eigenmächtige,:

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Gewaltige, der. ankämpft gegen . das. Schicksal, wie ein .Schiff mit' Steuer·,· und Segel ·gegen •die.· anstürmenden 1Wellen sich ·.zu behaupten versucht',',

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'(29),':sowird er nunmeh~ "wille~los'vonden'Wogen, des~Lebens,'wie;eini

Wrack. getr~gen;~eine'Zeit'lang ~och:hält.es, demAnd~ange Stand,· bis· es· in den·' Schooß ,des rauschenden !Meeres versmkt~ ·1Erschütternd ,ist ,die ;Ironie, mit ~elcherd~sSchicksal ·waltet. 1Der Geistes.;. ~mdWille~smichtige:

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hat dem· Verderben sich nicht entziehen: können; an den Gebeugten~'Macht- losen· ist die Verheißung. großen) Erfolges, geknüpft. Die ganze Unselig- keit des der Schicksalsidee zu Grunde lieg~ndenGo~esbewußtseins'ist hier-.:

:mit von dem Dichter ausgesprochen'~ (30). r.Nachdem."die ,Versuchung .des Lebens" zum letzten Mal in der Gestalt des eigenen' Sohnes an 9dipus

1herangetreten ist

·.vom Athem gehoben wird, er dem Leide verfallen ist" (32) - wandelt ohne

'Leitung und Stütze "der blinde Greis die Sehendeil führend in den Hain der Schicksalsgöttinnen und verschwindet in dem Dunkel des Heiligthums. 'Aus der Nacht des Schicksals wird der Me~schzum Lichte .geboren, die

Schatten des Schicksals verdunkeln sein Leben, bis er in die Nacht zurück- :kehrt, aus der er' hervorgegangen. So Oedipus, das: Bild des Men~chen"

1 (33).

I noch einmal seine I tiefsinnige 'Auffassung der 'Katharsis !wie deren I Ver-

·wurzelung im geschichtsphilosophischen · Grunde .'des 'Ganzen ·der' Welt- ,'anschauung, welcher die Tragödie I entsprang, :zusammenfassend: 1 ,~So :haben.· wir, die Tragödie des Oedipus C~loneus Seen~ flir Scene durch- '1 gehend, alle Momente in meisterhafter: Entwickelung ., in ihr angetroffen, welche zur. Ka9aQat~uiJv na9rJ,uaTw~ d. h. zur Ekstas~.f~ren mußten,

d1e ~kathartische : Empfindung · selbst, eben wed s1e , Empfindung

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"eine.' Mahnung, daß solange die Brust des Menschen

Indem Yorck auf seine. Analyse

d~s Odipus zurückblickt, findet' er,

., während

ist, wie scho~ gesagt, direkter Demonstration entzogen war. · Das Leid:

ides Gottesbewußtseins wird von dem Dichter .in unerreicht tiefer Sym~

i bolik dem griechischen Menschen vorgeführt' und schon durch diese Da~- : stellung des •Leidens lastender Druck gehoben. ' Die· Qual des Schmerzes 'lindert das befreiende Wort. Das Leid wird empfunden in der milderen

Aber noch größeren Segen. spendet' der: Dichter,. der Gestalt, durch bestrickenden Tanz und die magische

ausstöhnenden Gesangs . die

!Form des Mitleids. 1 durch Wort und

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Gewalt bald jubelnden

bald

tiefstes · Weh

·'Wogen des Mitleids immer höher und höher anschwellt, bis Lust, und . iLeid die Fesseln des Bewußtseins sprengen· und der leidvolle Geist unter ~.·'schauernder Lust in das Allleben verfließt. I Solch seliges Selbstvergessen ,schafft vor allen unsere Tragödie .durch die Gewalt ,ihres Inhalts •und

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I Solch seliges Selbstvergessen ,schafft vor allen unsere Tragödie .durch die Gewalt ,ihres Inhalts •und )
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Auffassung und Analyse der Antike in der Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg

den Zauber ihrer

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Den Tod nachahmend wirkt sie. dem leidvollen

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und Selbstbewußtseins ·als

Bewußtsein den Nachahmer des Todes,. den stärkenden Schlaf" (34).

Indem Yorck ' den Konflikt . des· Gottes-

das eigentliche und eigentlich einzige Thema der griechischen Tragödie. begreift, erscheinen ihm ·des Aischylos Prometheus,' des Sophokles Odipus auf .Kolonos und die .Euripideischen Bakchen als die Meisterwerke de~ tragischen Dichtung. Hatte Aischylos, indem er den Abfall des Mensche~ von Gott zum Gegenstand seiner Tragödie· machte, den Beginn des tragi- sehen Kampfes geschildert, Sophokles "das Ringen des. Menschen mit der dunklen Schicksalsgewalt, die .Gottessucht des GottgelÖsten" · (35) darstellend, den Kampf selbst mit dem tragischen Untergang der Person vorgeführt, so behandelt .,Eu~ipides: in den Bakchen · den Dionysoskult selbst:. die Tragödie als. potenzierter Dionysosdienst ,kehrt hier zu sich\

selbst in den Boden ihres Ursprungs zurück; das Ende ·d~s Kampfes, der

hier enthüllt wird, bedeutet die notwendige Insichabgeschlossenheit der. Tragödie. In den Bakchen scheint die Tragödie iri die Musikalität zurück-':

zukehren, deren Vorwiegen die ·Stunde ihrer Geburt . Die Arbeit. schließt·, mit eine~,Yorck später 'selbst nicht mehr be 7 friedigenden ·Ausblick auf die· moderne' Tragödie; auch· sie •befreit. voni Leiden, indem sie den , Menschen über seine individuelle Subjektivität erhebt, .aber sie tut es nicht so, daß sie ihn ekstatisch zur Allnatur zurück-) sondern "zu der Größe einer mächtigen Persönlichkeit" hinaufführt; denn mit dem durch. die Zentraltatsache 'der. Geschichte, die· Heilst~t· Ch~isti~ erlösten BeWÜßtsein ist das Licht der Person und der Freiheit angebrochen,, und die freie Person ist es nun auch in ihrem Kampf und Leiden, in ihrer,' Verschuldung und Sühne, welche die moderne Dichtung schildert. I Indem sich der Zuschauer ari der Größe der Person emporrichtet, ~'weicht'die enge Empfindung kleinlichen i alltäglichen I J\:fitleidens und Fürchtens.~':'i Das Leid, das in .der modernen Tragödie dargestellt und von dem befreit wird, ist,also "nur.ein menschliches, kein Gottesleid''(37). Und dadurch\

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wird ;,der Untergang ·des

ein Triumph. der. Person und wie .ein himmlisches Gestirn über dem tosenden Meere, leuchtet :über den das Leben verschlingenden Wogen des

·tragischen

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· Helden im . modernen .Trauerspiel

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tragischen Kampfes die Idee der Persönlichkeit" (38).

(Ende in Heft 4)

.Trauerspiel ' . . . . ' . tragischen Kampfes die Idee der Persönlichkeit" (38). (Ende
.Trauerspiel ' . . . . ' . tragischen Kampfes die Idee der Persönlichkeit" (38). (Ende

AUFFASSUNG UND ANALYSE DER ANTIKE IN: DER PHILOSOPHIE DES GRAFEN PAUL YORCK VON WARTENBURG

VON

FRANZ JOSEF BRECHT

111

Über die Auffassung, die Yorck sich von den großen Bezirken und:~ Erscheinungen des antiken Daseins bildete, unterrichtet uns außer seiner ugendschrift : kein. zusammenhängendes Werk. Sein Heraklit ist noch unveröffentlicht: er würde uns sicherlich weittragende Einblicke in Yorcks A~alyseder, gesamten griechischen Philosophie ermöglichen. Yorcks ·Aus- führungenl .über antike Bildungsideale harren ebenfalls noch der' Veröffent~' lichung: auch sie würden uns vermutlich eher ein Ganzes geben als die' .Bruchstücke, auf die wir nun für das Bild der Antike aus Briefen und Tage- büchern angewiesen sind. Die Jugendschrift jedenfalls darf keineswegs als ein endgültiges und abschließendes Ergebnis im Ringen Yorcks mit:

dem ,Engel der Geschichte des Altertums aufgefaßt werden, so reich si~ auch in ihrem spekulativen Tiefsinn, so reif sie in gewissen Erkenntnissen methodischer Art und so stark sie in ihrer ursprünglich religiösen Kraft ist~.' Ihre Bestimmtheit durch Yorcks geistige Herkunft aus der Romantik und der romantischen Philosophie Schellings ist bei aller originalen und selb.:. ständigen .Art des Yorckschen Denklebens, die überall von der Konstruk :

tion zur.Analyse strebt, doch zu groß, als daß der stets erneut die Ursprüng~. lichkeiten .in sich lebendig machende Yorck sich mit ihnen hätte z~frieden' geben köimen.~.· Doch wenn auch so die Quellen zur Erfassung der Yorck-; sehen Auffassung der Antike noch nicht alle erschlossen sind: unsere Lage ist dennoch I nicht hoffnungslos, wenn es uns nur gelingt, den Ursprungs- punkt der m~nnigfachenÄußerungen über antike Erscheinungen im A~ge zu: behalten,, wie er im ersten Teil dieses Aufsatzes darzustellen versucht wur'de. ,'

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Franz

Josef• Bre~ht

3 I4 Franz Josef• Bre~ht Durchwandern wir demnach die Räume der antiken' W~lt, die Yorcks Blick

Durchwandern wir demnach die Räume der antiken' W~lt, die Yorcks

Blick umspannt, indem wir von der Philosophie ausgehen, 1. uni.' über die Kunst zu der mächtigen Grundlage der Natur und schließlich zum Bau

des imperialen Rom zu gelangen.

Yorck war der erste, der die vollständige Bestimmtheit des abendlän- diseben philosophischen Denkens durch die Seinslehre der Griechen er kannte und. zugleich erfuhr, daß eben diese nicht beliebig weitergegeben werden kann, in Umformungen, sei es mittelalterlichen,· sei es neuzeit- lichen Denkens; vielmehr machte er selbst den Versuch einer ursprüng-

liehen

lichkeit: einer Seinsart, vor der ihm die antiken Auffassungsformen, frag- würdig zu werden begannen. Mit dieser.· tiefen Einsicht· öffnete· sich' ihm auch das Auge für die Bedingungen i besonderer Art~ welche das Werden der theoretischen Philosophie bei den Griechen bestimmen: diese Bedin:-:

gungen eben in ihrer konstitutiven, nicht,. nur äußerlich I veranlassenden. Funktion, in ihrem Rang als wirkliche .Grundlagen ;des europäische philosophischen Denkens waren in der· vorhergehenden·. Betrachtung stän.;. dig übersprungen, mindestens als unwesentlich behandelt· worden. Yorck aber sieht, indem er die Fragmente der Vorsokratiker infolge der notWendig systematischen Weise philosophischen Denkens als Segmente betrachten

kann, "die den Kreis

der sich nun auch auf seine eigene Hinterlassenschaft anwenden. läßt) mehr, als der bloße Wortlaut der Fragmente sagt. Da er spürt, daß wahres' philosophisches Verständnis noch nicht .'gewonnen ist, wenn ,man den Satz in seinem Wortlaut verstanden ·hat .und eine ordentliche Inhalts- angabe zu machen versteht, dringt ·er hinter ihn in die ·schöpferischen Kräfte, deren Ausdruck er ist. Und dieses bedeutet für die Vorsokratische Philosophie nichts Geringeres als daß er'' ~indestens'ansatzweise, die Ge- nesis des Theoretischen aus der umweltliehen Bestimmtheit des philoso- phierenden Selbst erkennt, die Geburt des Logos aus der: ursprüngliche Räumlichkeit und Zeitlichkeit des faktischen Daseins~· .:,,Nicht das Wasser als solches - das Meer jenseits der Buchten ist das Prinzip des Thales" verkündet er mit der Sicherheit des Sehenden aus der Grundvorstellung heraus, daß "die anschauliche Umgebung" das Denken in seinen Ursprün- gen bestimmt hat. Indem er den philosophls~h-grunclbegriffiicherfaßten Bereich, der im Denken von Thales bis Anaximander·durchmessen· wird auf diese umweltliehe Werdenslebendigkeit hin überblickt, .formuliert er:

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Ontologie unseres eigenen Seins

in •seiner· spezifischen Geschieht-

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angeben und nachzeichnen lassen" (ein· Ausspruch,

Auffass~g und :An~yse d.~rAntike in der Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg

315

;,Di~:Bühne .des ;nl(J~fiI Und ' des ' anBt(!OV war die maritim-terrestrische Artik~lation.der kleinasiatisch-gdechis~hen Welt. Überall mare clausum. Das· Uferlose~.Unbegreß.zte. ,als Hintergrund, das entsprechende Symbol 'oder Bild ·eiries :~11:schaulichen··. Denkens für das FreiheitsgefUhl des sich 'aufrichtenden ·Derikens'' (B 174). Somit bleibt diese Stufe des vorsokrati- sehen · Denkens ·. dur~haus noch , an die Erscheinungswelt gebunden, wie sehr sie diese auch 'durch die folgenreiche Geistestat jener Urdenker Ietzt- lieh· in der Spaltung· des Begrenzten und Grenzenlosen, alles Einzelne überschreitend, 'zusammenfassend gliedert. Darum muß im Werden des Theoretischen, ein, neuer· Schritt erfolgen, der hinter die Erscheinung dringt, der Schritt: von der Dichotomie des rd(Ja~-amt(Jov zum Syndes- mos'des Logos~~;von.der Dialektik zur Logik" : diesen Schritt tat als erster,

Person und Wirkungsmacht er

überzeugt ist, da. nicht ~,hana-'undfußlose Ideen die Geschichte bewegen". Der. Ausdruck aber, den Pythagoras für den Logos fand, ist selbst noch kein rein i logischer,' I vielmehr ein ästhetischer: Kosmos. "Denn Kosmos ist·. clcht .das :All, oder'. das .·Ganze,':ihm vorgehende .Bezeichnungen, son- de~n.die harri:J.onis.che ·FÜgung ·des Ganzen und daher ein von Verhältniß-

bestln1m~ng abhängiger Terminus"

In diesem Ausdruck ist "der erste

große Schritt hinter, die Erscheinung" versucht, das Denken nimmt über die 'Anscha~ooghinaus ein konst~tivesMoment zur Hilfe; hier ist "ganz eigentlich 1ein'; erfinderischer, Fortschritt" getan: das Denken hat sich von umwelt~lich~ri.Bestimmungen gelöst und ist zu seiner eigenmächtigen selb- ,ständigen, syntheti~chen,Kraft erwacht (B 174). · .

a~äßlich des großen 'Yerkes von

~orck

Gomperz ·macht; verrät steh die etgentümhche und sehr entschiedene Ge-

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