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Mai–Juni 2011 | Nr. 21

Mai–Juni 2011 | Nr. 21 Für eine sonnige Zukunft
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Für eine sonnige Zukunft

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UMWELT

UMWELT Für eine sonnige Zukunft im Land und auf der Welt Dank besserer Technik, Energieeffizienz und

Für eine sonnige Zukunft im Land und auf der Welt

Dank besserer Technik, Energieeffizienz und erneuerbaren Energien wurden zahlreiche grüne Jobs in Liestal und Umgebung geschaffen. Doch leicht haben es die Firmengründer und Energiepioniere zu keiner Zeit. Trotz «Katastrophen-Effekten».

Text: Marc Gusewski Bilder: Guido Schärli

Gewann nicht nur zahllose Auszeichnungen für seine Solaranlagen, sondern auch als Fahrer von Solarrennen: Heinrich Holinger, Holinger Solar AG Bubendorf.

Mit der ganzen Kraft ihrer drei Herzen haben sich die zwei für die Energie- wende eingesetzt: Hans Schellhammer († 1998) und Max Schweizer († 2001). Sie waren «Krampfer» und «immer für die noch bessere energietechnische Lösung», erinnern sich Weggefährten. Drei Herzen, weil Schweizer einen Teil seines Lebens mit einem transplantierten Zentralorgan meisterte. «Mein zweites Dasein», sagte er oft.

Drei Herzen – zwei Energiepakete

Schweizer und Schellhammer – wer sie erlebte, nannte sie «wahre Energiepake- te» – konstruierten in Niederdorf mit ihrer Firma «Dimag» seit 1970 Block- heizkraftwerke. Das sind mit Erd- oder

Biogas betriebene Dieselmotoren. Sie können bis doppelt so energieeffizient sein wie gewöhnliche Heizungen. Das Prinzip wurde 2005 durch den Innova- tionspreis beider Basel ausgezeichnet. Zu spät: Der Hinschied ihrer Grün- der, politische Hemmnisse, tiefe Ener- giepreise und Eigentümerwirren hatten zur Folge, dass die einstige Marktführe- rin Konkurs erlitt. Heute lebt die Dimag unter dem Namen Avesco in Bubendorf im Grüngen fort, als Tochter der Langen- thaler Ammann-Gruppe. Deren früherer Mitbesitzer übrigens Bundesrat Johann Schneider-Ammann ist. Es bleibt die Erinnerung an zwei «Chrampfer mit Strom im Blut». So bezeichnet sie der Ziefner Energiebeo- bachter Franz Stohler.

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UMWELT Energieplaner und -journalist Franz Stohler gehörte zu den ersten im Kanton, die eine Solaranlage für

Energieplaner und -journalist Franz Stohler gehörte zu den ersten im Kanton, die eine Solaranlage für Warmwasser auf dem Dach installierten.

«Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten» für die Energiewende

So dramatisch wie bei der Dimag verläuft das Leben der Liestaler Energie- pioniere selten. «In der Regel ist es gekennzeichnet durch nüchternes Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten», sagt Stohler, 73, Energieplaner und Energie- journalist. «Manchmal geht es dank einem Katastrophen-Effekt besser», so Stohler, so nach den «Ölschocks oder den Kernkatastrophen Three Mile Island, Tschernobyl und nun Fukushima.» Die Gewöhnung lasse aber die Leute schnell wieder sich anderen Themen zuwenden. Stohler hat sich dem Thema buch- stäblich verschrieben. Neben seinen Planungen, etwa für die erste Biogasan- lage beim Arxhof, amtierte er als Redak- tor von «Heizung-Klima», der ersten Energiezeitschrift der Schweiz. «Damit verschaffte ich mir den besten Über- blick», erinnert sich Stohler, der daneben

Energiezeitschrift der Schweiz. «Damit verschaffte ich mir den besten Über- blick», erinnert sich Stohler, der daneben
Energiezeitschrift der Schweiz. «Damit verschaffte ich mir den besten Über- blick», erinnert sich Stohler, der daneben
Energiezeitschrift der Schweiz. «Damit verschaffte ich mir den besten Über- blick», erinnert sich Stohler, der daneben
Energiezeitschrift der Schweiz. «Damit verschaffte ich mir den besten Über- blick», erinnert sich Stohler, der daneben
Energiezeitschrift der Schweiz. «Damit verschaffte ich mir den besten Über- blick», erinnert sich Stohler, der daneben
Energiezeitschrift der Schweiz. «Damit verschaffte ich mir den besten Über- blick», erinnert sich Stohler, der daneben

auch Bücher und Ratgeber verfasste. Er hatte sich 1977 als Energieplaner selbstständig gemacht.

«Manchmal geht es dank einem

Katastrophen-

Effekt besser.»

Franz Stohler

1980 installierte er, dem guten Beispiel folgend, eine der ersten kanto- nalen Solaranlagen für Warmwasser im Kanton auf sein Dach. «Damit habe ich bis heute eine Menge Öl und klima- schädliche Kohlendioxid-Emissionen eingespart», sagt Stohler, der bedauert, dass immer noch zu wenig geschieht. Anfänglich wollte ihm die Gemeinde die Solaranlage durch Abgaben zusätz- lich verteuern. Nach der Androhung eines Gerichtsprozesses krebste sie zurück. Unerschrocken beteiligte sich

zusätz- lich verteuern. Nach der Androhung eines Gerichtsprozesses krebste sie zurück. Unerschrocken beteiligte sich

Stohler auch an der Gründung des Solarfachverbandes RESOBA. Dessen erster Präsident war der im Januar 59-jährig verstorbene Liestaler Journalist und SP-Politiker Meinrad Ballmer. Stohler und Ballmer setzten sich für die energetische Sanierung des Liestaler Hallenbades in den 80ern ein – es galt als legendäre Energieschleuder. Dreissig Jahre später, seit April, zählen die neuen Schwimmbadanlagen zu den energe- tischen Vorzeigebetrieben dieser Art, wie Schwimmbadchefin Ines Camprubi soeben mitteilte.

Vorzeigebetrieben dieser Art, wie Schwimmbadchefin Ines Camprubi soeben mitteilte. Ein Arbeitsleben – 260 Solaranlagen
Vorzeigebetrieben dieser Art, wie Schwimmbadchefin Ines Camprubi soeben mitteilte. Ein Arbeitsleben – 260 Solaranlagen
Vorzeigebetrieben dieser Art, wie Schwimmbadchefin Ines Camprubi soeben mitteilte. Ein Arbeitsleben – 260 Solaranlagen
Vorzeigebetrieben dieser Art, wie Schwimmbadchefin Ines Camprubi soeben mitteilte. Ein Arbeitsleben – 260 Solaranlagen

Ein Arbeitsleben – 260 Solaranlagen

Mit der ganzen Kraft seines Herzens hat auch der Liestaler Energieplaner Jürg Bitterli für sonnigere Zeiten gekämpft. «In den schwierigsten Zeiten habe ich bei zehn Offerten gerade einen Auftrag erhalten», erinnert er sich. Bis letztes

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Von Bundesrat Moritz Leuenberger für seine Pionierleistungen gelobt: Eric Nussbaumer, Energiepolitiker und langjähriger

Von Bundesrat Moritz Leuenberger für seine Pionierleistungen gelobt: Eric Nussbaumer, Energiepolitiker und langjähriger Adev- Geschäftsleiter.

Jahr realisierte er 275 thermische Solaranlagen – «diese ersetzen 109’000 Liter Öl pro Jahr, das gibt ein gutes Gefühl!» Im Januar trat er in den «verdienten» Ruhestand und verkaufte seine in Liestal niedergelassene «Solbau». «Mein Anliegen war, dass wir mit Energie so haushälterisch wie möglich umgehen und so viel erneuerbare Energien wie möglich nutzen. Denn die Sonne schickt keine Rechnung», sagt Jürg Bitterli. In seiner Laufbahn zählte Bitterli zu den aktiven Mitgründern des wildesten Elektrizitätswerks der Schweiz – der Adev.

Viel Wind um Wind

Fast zur selben Zeit, als extreme AKW- Aktivisten einen Strommasten sprengten und landesweit für Schlagzeilen sorgten, wurde im Baselbiet ein Windmast aufgestellt. Daran erinnerte Bundesrat

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Daran erinnerte Bundesrat – 16 – LiMa Mai–Juni 2011 Andreas Appenzeller, heutiger Adev-Geschäftsleiter, im

Andreas Appenzeller, heutiger Adev-Geschäftsleiter, im unterirdischen Blockheizkraftwerk, das Wärme und Warmwasser für mehrere Siedlungen im Röserenquartier aufbereitet (Bild rechts).

Moritz Leuenberger in einer Ansprache im letzten Juni. «Abseits des medialen Scheinwerferlichts wurde die erste Windkraftanlage der Schweiz aufgebaut.

Eine Handvoll Journalisten bestaunte, was heute niemanden hinterm Ofen hervor- locken würde.

Und das zu einer Zeit, in der noch nicht so viele Menschen von Windkraft sprachen, wie heute», sagte der Bundes- rat am 25-Jahr-Jubiläum der Adev. Die «Arbeitsgemeinschaft für dezen- trale Energieversorgung», kurz Adev, wurde unter anderem mit Startkapital von Schellhammer und Schweizer finanziert und mit Hilfe von Energie- pionieren wie Jürg Bitterli gegründet. Ihr Zweck war es zunächst, Geld für die Projektfinanzierung zu sammeln.

Später verlegte sie sich auf die Errich- tung, den Erwerb und Betrieb von Kraftwerken von Sonne, Wind, Biomas- se und Blockheizkraftwerken. Die Adev ist ein Elektrizitätswerk – eines der wenigen unabhängigen neben den Strommonopolisten.

Wind als keiner vom Wind-Boom sprach

Auf dem «Sool» bei Langenbruck montierte die Adev das von Leuenberger zitierte Windrad, das seit einem Viertel- jahrhundert Strom für vier Haushal- tungen erzeugt. Die Pressefahrt damals fand bei grauem, nassem Wetter statt und eine Handvoll Journalisten be- staunte, was heute niemanden hinterm Ofen hervorlocken würde. Windenergie ist zurzeit die Energie-Boombranche schlechthin – Aufsehen erregende turmhohe Masten, die Strom für mehrere Hunderte Haushalte erzeugen.

«Aus dem Nein wuchs jedoch ein Ja» Wenn die Adev heute Geld für ihre Ideen

«Aus dem Nein wuchs jedoch ein Ja»

Wenn die Adev heute Geld für ihre Ideen sucht, muss sie nicht lange «Bitti-Bätti» machen. Letztes Jahr sammelte sie innert kurzer Zeit für eine Solarstromanlage der Coop Immobilien. Andreas Appenzeller, Geschäftsleiter, freut sich: «Schnell entschlossene private Anleger hatten innerhalb weniger Tage die erste Solar- Anleihe über zwei Millionen Franken gezeichnet und damit die Finanzierung der neuen Solarstromanlagen gesichert». Andreas Appenzeller folgte 2009 auf Eric Nussbaumer, den Frenkendörfer SP-Nationalrat, Energiepolitiker und langjährigen Adev-Geschäftsleiter, der nun an vorderster Front für den Atom- ausstieg der Schweiz kämpft. Die Adev habe ihre Wurzeln zwar in der Protest- und Bürgerbewegung von Kaiseraugst. «Aus dem Nein wuchs jedoch ein Ja», lobte Bundesrat Leuen-

berger; «Sie nahmen die Dinge selber in die Hand, weil Sie nicht nur kritisie- ren, sondern auch Verantwortung über- nehmen wollten.» Ob das Modell auf die Schweiz übertragbar wäre?

Wenn die Adev heute Geld für ihre Ideen sucht, muss sie nicht lange «Bitti-Bätti» machen.

Kann Energie denn Sünde sein? Hans Pauli ist ein grossgewachsener Typ, der sich schnell mit anderen Leuten versteht und dabei Energie versprüht. Etwas, wie der Liestaler sagt, was ihm schon oft bei schwierigen Themen half. «Bei technisch komplexen Anlagen kommt es darauf an, dass man sich auf einer Ebene unterhält», sagt Pauli. Er ist neben Hanspeter Eicher Partner und Miteigentümer von «Dr. Eicher+Pauli

UMWELT

Partner und Miteigentümer von «Dr. Eicher+Pauli UMWELT AG», eines 1986 an der Bodenacker- strasse in Liestal

AG», eines 1986 an der Bodenacker- strasse in Liestal gegründeten Ingenieur- büros. Inzwischen im Futuro ansässig, beschäftigt das Unternehmen 90 Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter in der ganzen Schweiz. Es dürfte damit eine der erfolgreichsten Neugründungen in diesem Sektor sein. Pauli hat dabei das Lachen nicht verlernt, auch wenn ihm manchmal so zumute war. «Am Anfang hatten wir harte Zeiten und wir mussten viel lernen», sagt er. Als Spezialist für Blockheizungs- kraftwerke und früherer Mitarbeiter der Dimag, hat er sich 1978 erste Sporen im Baselbiet verdient mit «Hausheizungen mit Sonnenenergie und Holzzentral- heizungsofen». Eicher+Pauli plante und erstellte für die mit ihnen verbundene Adev die ersten Blockheizkraftwerke und Nahwärmeverbunde. Eicher+ Pauli AG haben sich bis heute zu einem

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Beschäftigt heute 90 Mitarbeitende, mit Hauptsitz im Futuro Liestal: Hans Pauli von «Dr. Eicher+Pauli AG».

Beschäftigt heute 90 Mitarbeitende, mit Hauptsitz im Futuro Liestal: Hans Pauli von «Dr. Eicher+Pauli AG». Für die Fernkälteanlage im Stücki Basel hat das Unternehmen vom Bund die «Watt d’Or»-Auszeichnung erhalten.

renommierten Energie-Systemhaus entwickelt, dessen Rat in der ganzen Schweiz gesucht wird.

Botschafter für Energieintelligenz

Pauli wollte mehr für die Energieeffizi- enz in der Schweiz tun. Er gründete deshalb 1991 den schweizerischen Wärmekraftkopplungsfachverband für Blockheizungskraftwerke. Lange Zeit präsidierte er ihn selbst, bis er den Stab an den ebenfalls in Liestal niedergelas- senen Blockheizungskraftwerk-Planer Adrian Jacquiéry abgab. «Ich wollte etwas Neues», sagt Pauli. So half er 2008, den Verband «Effiziente Energie Erzeugung V3E» aus der Taufe zu heben. Dieser ist auf nationaler poli- tischer Bühne tätig. Denn tatsächlich ist der Blockheizungskraftwerk-Bau in der Schweiz nahezu zum Erlahmen gekom- men. Pauli antwortete damit auf die

«fehlende Lobby für Energieeffizienz in diesem Land». Eine besondere Bestätigung gab es für ihn diesen Januar: Bundesrätin Doris Leuthard lobte die Liestaler als «Bot- schafter für Energieinnovationen und Energieintelligenz». Anlass war die Verleihung der «Watt d’Or 2011» an Eicher und Pauli für die von ihr geplante Fernkälteanlage im Stücki Basel, die schweizweit einmalig ist.

Mit dem neuen Verband antwortete Pauli auf die «fehlende Lobby für Energieeffizienz in diesem Land.»

Ackern, ackern, ackern – für die Energiewende. Dieses allzu bekannte Motto gilt auch für Robert Horbaty. Dieser war ein Mitarbeiter des Öko- zentrums Langenbruck der ersten

Stunden, Verantwortlicher für die Errichtung des Windrads Sool in Lan- genbruck, einer der geistigen Väter der Adev, einer der Kenner der Energieszene und Gründer eines eigenen in Liestal sesshaften Energiebüros, «Enco AG». Er ist ausserdem Geschäftsführer des Trägervereins «Energiestadt» – einer Idee, die Horbaty aus seiner Beschäfti- gung mit Energiepolitik in den Gemein- den entwickelt hatte. 1993 wurde das Programm aus der Taufe gehoben. Horbaty: «Heute gibt es 250 Energie- städte in der Schweiz und dem grenz- nahen Ausland».

Damit Städte energieeffizient sind

«Wir sorgen dafür, dass Energieffizenz in den Gemeinden kontinuierlich ver- wirklicht wird. Das Wissen droht mit jedem Wechsel in der Bauverwaltung oder auf Stufe Gemeinderat verloren zu

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Die Passivhaus­Siedlung Laubiberg in Liestal benötigt einen Zehntel der Energie, die herkömmlicherweise zur Verfügung

Die Passivhaus­Siedlung Laubiberg in Liestal benötigt einen Zehntel der Energie, die herkömmlicherweise zur Verfügung gestellt werden müsste.

Aktiv passiv:

Liestal ist spitze bei Ökogebäuden

Vor sieben Jahren wurde die Passivhaus­ Siedlung Laubiberg in Liestal bezogen. Diese Reiheneinfamilienhäuser des Architekten Peter Baeriswyl benötigen nur noch ein Zehntel der Energie, die für die Heizung und Warmwasserbereitstellung eines vergleich­ baren Gebäudes zur Verfügung stehen müsste. Eine dicke, 30 Zentimeter breite Isolation hüllt den Baukörper ein. Eine automatische Belüftung sorgt für stets angenehme Innentemperaturen im Sommer wie im Winter. Nach Professor Armin Binz, Leiter des Instituts «Energie am Bau» an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz, kompensieren die Mehrkosten für den Bau solcher Bautypen wie der Laubiberg­Siedlung nach wenigen Jahren die Minderausgaben für den ansonsten nötigen Brennstoff. Von 50 solchen Passivhausbauten im Kanton Basel­Landschaft stehen derer sieben alleine in Liestal.

Ein selbst für Liestal herausragender Bau steht im Oristal: die über 10 Meter hohe

Produktionshalle der «a­z Holz», die 2007 in Liestal ins Leben gerufen wurde. Mitinhaber Paul Zimmerli sagt: «Die Halle versetzt uns in die Lage, dem aktuellen Trend in Richtung Holzhaus zu folgen.» Daneben hat sich das Unternehmen als Minergie­Partner entwickelt. So ist die neue Produktionshalle selbst auch in Minergie­Bauweise ausgeführt, das heisst, um den gigantischen Raum zu temperieren benötigt es gerade mal 45 Kilowatt Leistung – früher hat allein ein Doppeleinfamilienhaus diesen Bedarf für sich ausgewiesen! Zu einem führenden Anbieter von Ökohäusern in Energie sparender Minergie oder Minergie­P­Bauweise (P steht für Passivhaus) avancierte auch die Ziefner Hess AG, welche die ersten mehrgeschossigen Mehrfamilienhäuser in Minergie­Bauweise in der Nordwestschweiz realisierte.

Neben zahlreichen Ein­ und Mehrfamilien­ häusern brillieren in der Kantonshauptstadt vor allem das Staatsarchiv an der Wieden­ hubstrasse und die Kantonsbibliothek am Bahnhof durch ihren geringen Energiebedarf, dabei weitherum Beachtung findend. In Bubendorf findet sich das Plus­Energiehaus von Solarpionier Heinrich Holinger; es erzeugt mehr Energie in Form von Solarstrom als es verbraucht. Von diesem Typ Gebäude gibt es bisher in der Schweiz nicht mehr als ein halbes Dutzend.

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gehen». Darauf verweist Horbaty, wenn es um die Leistungen von «Energiestadt Schweiz» geht. Nach der Atomkatastro- phe in Japan hat sich das Interesse weiter erhöht, registriert Horbaty.

Kleine Windenergie – grosse Erwartungen

Noch führt die Windenergie in der Schweiz ein ziemlich kleines Dasein, aber das könnte sich ändern. Dies sagt Reto Rigassi, Geschäftsleiter des Schweizerischen Windenergieverbandes «Suisse Eole» in Liestal. Rigassi ist Bürokollege von Horbaty, arbeitet bei der Enco AG und ist ein früherer Mitar- beiter von «Dr. Eicher+Pauli AG».

Wenn alle derzeit diskutierten Anlagen gebaut werden, haben wir unsere Ziele bald erreicht.»

Reto Rigassi

Er kennt die Energieszene von innen. Rigassi beobachtet: «Die schweize- rischen Städte und Gemeinden setzen mehr und mehr auf saubere, umwelt- freundliche Energieerzeugung. Dazu haben sie den Wind entdeckt. Wenn die Mehrzahl der derzeit diskutierten Anlagen gebaut wird, haben wir unsere Ziele bald erreicht». Davor gibt es aber noch einige Hürden zu nehmen. Die Windenergie ist in heftige Kritik von Landschaftsschützern geraten. Rigassi:

«Es geht darum, die richtige Balance zwischen lokalen Umweltinteressen zu finden, und dem globalen Erfordernis,

Kennt die Energieszene von innen:

Reto Rigassi, Geschäftsleiter von Suisse Eole, bei der einzigen grösseren Windanlage der Region in Langenbruck.

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Suisse Eole, bei der einzigen grösseren Windanlage der Region in Langenbruck. UMWELT LiMa Mai–Juni 2011 –

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Feuer und Flamme für nachwachsende Energieträger Einst Deponie, heute wilde Natur und gesuchter Aussichtspunkt: Deponie

Feuer und Flamme für nachwachsende Energieträger

Einst Deponie, heute wilde Natur und gesuchter Aussichtspunkt: Deponie Lindenstock in Liestal.

Wenn Liestals Revierförster Daniel Wenk aktuell für die Nutzung erneuerbarer Energie­ quellen wirbt – dann ist der Wald gemeint. Waldholz, das sich nicht für die Weiterver­ arbeitung im Zimmerei­ oder Baubereich eignet, wird zu sogenannten Hackschnitzeln verarbeitet. Die Holzvorräte im Baselbiet und in Basel reichen aus, um umgerechnet 8000 Haushalte mit Wärme und Strom zu versorgen. Liestal kann dabei auf eine pionierhafte Anwendung zurückblicken. Bereits in den 70er Jahren wurde im Schulhaus Fraumatt eine Schnitzelholzanlage installiert, die mehr oder weniger gut funktionierte. 1980 wurde der Neubau des Alters­ und Pflegeheim Frenken­ bündten mit Solarkollektoren und einer Schnitzelfeuerung bestückt – das war für die Schweiz eine Neuheit. Das Fernsehen war da, als Heimleiter Ruedi Eggimann erstmals anfeuerte. Liestals Bürgergemeinde war schon früh auf Waldenergie eingestellt. So wurden in Liestal die Pläne des Kantons nach Kräften gefördert, das kantonale Fernheizkraftwerk bei der alten Zentralwäscherei zusätzlich mit Holzkesseln auszustatten. Daneben unter­ stützte sie auch das Vorhaben, das Deponie­ gas, das aus der Verrottung organischer Stoffe auf der Deponie Elbisgraben anfällt, für die Verwertung im Fernheizkraftwerk als

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Brennstoff einzusetzen. Spätere Messungen ergaben, dass eine ähnliche Nutzung der Alt­Deponie Lindenstock nicht rentieren würde. Auf den 13 bis 16 Hektaren erstreckt sich heute ein kleines Naturparadies. Nur die aus Sicherheitsgründen vorhandenen Methan­ gassammler erinnern an die frühere Skandal­ umwitterte Mülldeponie, die noch bis 2029 überwacht werden muss. «Holzenergie ist gespeicherte Sonnene­ nergie» pflegte Liestals eifrigster Holzenergie­ verfechter, Wenks Vorgänger, Reto Sauter zu sagen. Die Idee für das grösste Holzheizkraft­

werk der Schweiz in Basel entwickelte übrigens der Lupsinger Holzenergiefachmann Stefan Vögtli. Das Interesse im Baselbiet war stets gross: So ist seit Anbeginn in Bubendorf die Firma Tiba mit Holzherden, Pellets­ heizungen und modernen Cheminées ansässig. Pellets sind aus Sägemehl hergestellte Holzpresslinge und erfreuen sich grosser Nachfrage. Das Tonwerk Lausen stellt elegan­ te, Energie­effiziente Holzfeuerungen her. Die Liestaler EBL unterhält in der ganzen Schweiz Holzenergie­Wärmeverbunde, nachdem sie damit 1992 in Liestal begonnen hatte.

Wissen schafft Verständnis: Stadtoberförster Daniel Wenk erklärt Spaziergängerinnen und Spaziergängern mittels Infotafeln die Hintergründe der Holzwirtschaft.

Daniel Wenk erklärt Spaziergängerinnen und Spaziergängern mittels Infotafeln die Hintergründe der Holzwirtschaft.

AUFGEFALLEN

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AUFGEFALLEN UMWELT Die Gemeinde Lupsingen ist neu Trägerin des Energiestadt-Labels. Weitere Energiestädte in der Regio

Die Gemeinde Lupsingen ist neu Trägerin des Energiestadt-Labels. Weitere Energiestädte in der Regio sind Pratteln, Frenkendorf, Liestal, Lausen, Itingen und Sissach.

umweltfreundlichen Strom bereitzu- stellen.» Auch die Windenergiediskussion in Baselland könnte «spannend» werden, glaubt Rigassi. Die Konzeptarbeiten würden sich jedenfalls in einer interes- santen Phase bewegen. Allerdings tun sie es bereits seit Jahren. Der Windfach- mann beobachtet: «Seit Fukushima hat sich das Interesse an Windenergie weiter vervielfacht.»

Asterix und Obelix grüssen

Neben der Windenergie ist nach Fuku- shima auch die Solarenergie wieder stark in den Vordergrund öffentlichen Interes- ses gerückt. Manche Pioniere ernten nach langen dürren Jahren der Stagna- tion neues Wachstum, so etwa wie beim Solarinstallateur Heinrich Holinger. «Sol lucet omnibus» – «die Sonne scheint für alle». Das ist das Motto der in Bubendorf niedergelassenen Solar-

unternehmung – es entstammt übrigens einem Asterix und Obelix-Band. Holinger begeisterte sich als Stift für die Sonnen- energie. Er rüstete 1984 einen VW-Bus

Manche Pioniere ernten nach langen dürren Jahren der Stagnation neues Wachstum.

zum Solar-bestückten Fahrzeug um und

führte mit anderen einen Abstimmungs- kampf für die erste Solarinitiative durch. «1986 habe ich mich selbständig gemacht. Ich habe es nie bereut, auch wenn es hart war. Das feiern wir», sagt Holinger, der zahllose Auszeichnungen für seine Anlagen, aber auch als Fahrer von Solarrennen gewann – in seinem Showroom in Bubendorf glänzen die Trophäen im Sonnenlicht, wenn sie mal

wieder abgestaubt wurden

Denn Zeit

ist ein knappes Gut für die Solarfreaks. Der Liestaler kann ausserdem «das Elektroauto nicht mehr aus dem Alltag wegdenken». Die Kilometer zählt er seit langem nicht mehr, sie wären Rekord verdächtig. Holinger: «Der umwelt- freundliche Verkehr mit Elektroautos, betrieben mit Solarstrom, wäre ohne weiteres auch für andere möglich.» Krampfen, krampfen, krampfen für die Energiewende – weg vom Erdöl und Nuklearbrennstoff und hin zur Sonne. Diesem Ziel verschreibt sich Hans Jörg Luchsinger – und das auf eigenes Risiko:

Luchsinger, der Holzenergiespezialist Andres Jenni und der Anwalt Gottlieb Delbrück errichteten 1991 das «Zentrum für Umwelttechnik», Tenum, im Liesta- ler Altmarkt. Es bietet rund 40 Firmen Platz bietet und hat sich als «Biotop für Öko-Unternehmen» erwiesen. Zum 20-Jahr-Jubiläum soll der öko- logische Vorzeigebau wieder ins Bewusst-

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AUFGEFALLEN UMWELT «Biotop für Öko-Unternehmen»: Das Tenum und sein Mitgründer Hans Jörg Luchsinger. sein der

«Biotop für Öko-Unternehmen»: Das Tenum und sein Mitgründer Hans Jörg Luchsinger.

sein der Öffentlichkeit gerückt werden. Zwar startete Luchsingers Firma I/E/U als Energie-Ingenieurbüro für Holz- schnitzelheizungen. Inzwischen hat er sich auf Kommunikationsaufgaben spezialisiert. So erfand Luchsinger etwa das sagenhaft erfolgreiche «100 jetzt – Solardachprogramm für Gemeinden». Es wurde mit der Elektra Baselland und dem von ihr gegründeten Verein «Energie Zukunft Schweiz» erfolgreich durchgeführt und ist bereits für andere Aktionen kopiert worden. Luchsinger über sein Lebensmotto mit einem Schmunzeln: «Am Ende des Tages ist es gut zu sagen, es war cool».

Die Grossen kommen ins Geschäft

Wenn sich etwas entscheidend geändert hat, dann der gesellschaftliche Stellen- wert der erneuerbaren Energien Wind und Sonne in der Öffentlichkeit.

Überhaupt hat sich das Bewusstsein für Energie im Baselbiet verändert.

«Am Ende des Tages ist es gut zu sagen, es war cool».

Hans Jörg Luchsinger

Gab es in den 1970er Jahren noch nicht einmal eine Energiestatistik, so wurde diese in den 80er eingeführt. Fortgeführt wurde sie bisher nur bis 2006. Aber ihre Daten sind ernst zu nehmen: der Ener- gieverbrauch nimmt laufend zu. Deshalb hat sich der Platzhirsch am Platz Liestal, die Elektra Baselland, die Förderung der Erneuerbaren im grossen Stil auf die Fahnen geschrieben. Eine enge Zusam- menarbeit zwischen Hans Jörg Luch- singers I/E/U und der EBL wäre vor 30 Jahren noch undenkbar erschienen. Hans Jörg Luchsinger beobachtet:

«Damals hat die EBL stramm für den

Bau des Atomkraftwerks Gösgen und Kaiseraugst getrommelt. Es gab sogar Demonstrationen vor ihrem Sitz. Das ist vorbei, heute gibt sie den Ausstieg aus der Atomkernenergie bekannt.»

«Die Energiefronten lösen sich auf»

Für diesen neuen Kurs der EBL sind mehrere Gründe ersichtlich: 1992 stieg die Energieverteilerin mit Holzwärme- Fernheizungen ins Wärmegeschäft ein und machte einen ersten Schritt. 2002 trat der Laufener Ingenieur Urs Steiner die Nachfolge des langjährigen Direktors Klaus-Peter Schäffer an. Der «Lupsiber- ger» war durch die scharfen Auseinan- dersetzungen um das geplante Atom- kraftwerk Kaiseraugst geprägt worden. Und entsprechend vorsichtig. Heute sieht sein Nachfolger Steiner immer mehr, dass «sich die Energiefronten allmählich auflösen».

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AUFGEFALLEN Gemeinderätin Esther Mohler sorgte in der Wasserversorgung Frenkendorf für modernste Technik und spart der

Gemeinderätin Esther Mohler sorgte in der Wasserversorgung Frenkendorf für modernste Technik und spart der Gemeinde jährlich 100’000 Franken Stromkosten.

Steiner war schon in seinem vorigen Job ein Verfechter des «Faktor 4»-Prin- zips: «Doppelter Wohlstand – halbierter Energieverbrauch». Die These formu- lierten Ernst Ulrich von Weizsäcker und der amerikanische «grüne Energiepapst» Amory Lovins. Sie treten ein für die Steigerung der so genannten Ressourcen- produktivität. Steiner: «Dieser Weg ist weiterhin richtig.»

«Das hat man sich vor wenigen Jahr- zehnten nicht vorstellen können».

Ein Höhepunkt der neuen EBL- Strategie war letzten April der Spaten- stich in Calasparra, in der Nähe von Murcia, in Spanien für ein neuartiges Solarkraftwerk, das Strom für 11’000 Haushaltungen zu liefern verspricht. Unter der heissen spanischen Frühlings-

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sonne versammelten sich Solarfreaks, welche die Anlage erdacht hatten, und die kravattierten Entscheidungsträger der EBL, um gemeinsam zu Tangomelodien anzustossen. Hans Jörg Luchsinger, der öfter mit der EBL zusammenarbeitet:

«Das hat man sich vor wenigen Jahr- zehnten nicht vorstellen können».

Frenkendorfs Esther Mohler und Afrika

Zu den herausragenden Gemeinden gehörte von früh an Frenkendorf. Hier hat Gemeinderätin Esther Mohler als Zuständige für die Wasserversorgung dafür gesorgt, dass nach und nach nur modernste Technik zum Einsatz kam. Dies spart der Gemeinde Jahr für Jahr für rund 100’000 Franken Strom ein. Esther Mohler: «Das hat sich echt ausgezahlt.» Über die Anstrengungen für die Energiewende in der Schweiz hinaus

Das Tenum im Liestaler Grammet-Quartier.

darf nicht vergessen gehen, dass zwei Milliarden Menschen auf der Welt noch immer ohne elektrischen Strom sind. Seit ein paar Jahren gehört deshalb Mohlers Interess auch der Förderung von Solarenergie in Afrika. Der Verein «SunDance», den die Frenkendörferin präsidiert, sammelt dafür, dass solar- betriebene Trinkwasseranlagen in West-Afrika installiert werden, vorwie- gend an der Sahel-Südgrenze rund um Timbuktu und in der Region Sikasso. «SunDance bringt in Mali die solare Entwicklung direkt in die Dörfer. Infektions- und Durchfallerkrankungen werden durch das geschlossene Trink- wassersystem vermindert und die Ernährung verbessert. Es ist schön, wenn wir die Sonne nicht nur für den Solar- strom brauchen, sondern die Sonne in den Herzen der Menschen zu leuchten beginnt.»

die Sonne nicht nur für den Solar- strom brauchen, sondern die Sonne in den Herzen der

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