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Sachverhalt

Die Haushaltswarenhändlerin Sandra Volt (V) klingelt bei der Hausfrau Ka- Sachverhalt
rin Kotte (K). K öffnet die Haustüre. V fängt sogleich an, von ihren Fenster-
reinigungsprodukten zu schwärmen. K müsse unbedingt einige der Produk-
te in ihrem Haushalt ausprobieren. Besonders günstig sei gerade der 5 Li-
ter-Kanister des neuen Mittels Fridolin Streifenex, der zur Zeit nur 50,00 €
koste. Da mittlerweile der Hund der K fürchterlich zu bellen beginnt und
auch die Milch auf dem Herd überzukochen droht, erklärt sich K, die V los-
zuwerden will, bereit, einen Kanister Fridolin Streifenex für 30 € kaufen. V
bedankt sich und versichert eine zügige Lieferung. Nach 3 Wochen, die
Seife ist immer noch nicht angekommen, schreibt K an V und teilt ihr mit,
sie könne ihr Fridolin Streifenex behalten, sie wolle von dem Geschäft
nichts mehr wissen.

Kann V von K den Kaufpreis von 30,00 € verlangen? Fallfrage

Lösungsvorschlag

V kann von K die Zahlung des Kaufpeises nach § 433 Abs. 2 BGB verlan- Anspruchsgrundlage
gen, wenn ein Kaufvertrag zwischen beiden zustande gekommen ist. Ein
Vertrag kommt durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen, Angebot
und Annahme, zustande.

V könnte ein Angebot abgegeben haben, als sie bei K vor der Tür stand. Angebot
Das Angebot ist eine empfangsbedürftige Willenserklärung. Voraussetzung
sind Abgabe der Willenserklärung und der Zugang beim Empfänger. Eine
Willenserklärung kann darin gesehen werden, dass V das Reinigungsmittel
angepriesen hat und meinte, K müsse es unbedingt ausprobieren. Aus
dem Verhalten der V ist konkludent zu folgern, dass sie den Abschluss ei-
nes Kaufvertrages beabsichtigte.

Das Angebot muss so ausgestaltet sein, dass der andere es durch bloße Wesentliche Vertrags-
bestandteile
Zustimmung annehmen kann, es muss also die wesentlichen Vertragsbe-
standteile enthalten.

Wesentliche Vertragsbestandteile eines Kaufvertrages sind nach § 433


Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 BGB Kaufpreis und Kaufsache sowie die Ver-
tragsparteien. V bot einen 5 Liter-Kanister Fridolin Streifenex für 50,00
EUR an. Die wesentlichen Vertragsbestandteile sind hinreichend deutlich
bestimmt.

Dieses Angebot müsste K zugegangen sein. Bei Willenserklärungen unter Zugang des Angebotes
Anwesenden ist der Rechtsgedanke des § 130 Abs. 1 Satz 1 BGB heran-
zuziehen. Nach der h.M. ist eine mündliche Willenserklärung unter Anwe-
senden zugegangen, wenn der Erklärende davon ausgehen durfte, dass
seine Willenserklärung vom Empfänger richtig und vollständig verstanden
wurde. V stand K unmittelbar gegenüber, Verständigungsprobleme sind
nicht ersichtlich. Sie durfte annehmen, dass ihr Angebot richtig und voll-
ständig von K verstanden wurde, ihr Angebot ist ihr somit zugegangen.

Ferner müsste K das Angebot des V angenommen haben. K erklärte sich Annahmeerklärung
bereit, das Reinigungsmittel für 30,00 EUR zu kaufen. Da das Angebot der
V einen Kaufpreis von 50,00 EUR vorsah, stellte die Erklärung der K eine
Annahme mit einer Änderung dar. Nach § 150 Abs. 2 BGB gilt diese Erklä-
rung als Ablehnung und als neuer Antrag.

Diesen Antrag konnte V wiederum annehmen. Eine konkludente Annahme


ist darin zu sehen, das V sich bedankte und eine zügige Lieferung zusi-
cherte.

V und K waren sich über den Abschluss und die wesentlichen Vertragsbe- Zwischenergebnis
standteile einig, somit kam ein Kaufvertrag zwischen ihnen über 5 Liter Fri-
dolin Streifenex für 30,00 EUR zustande.

Fraglich ist jedoch, ob K an ihre Erklärung gebunden ist. Sie wäre nach § Widerrufsrecht
355 Abs. 1 Satz 1 BGB nicht daran gebunden, wenn ihr ein Widerrufsrecht
eingeräumt war und sie ihre Willenserklärung wirksam widerrufen hat.

Nach § 312 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Alt. 2 BGB steht dem Verbraucher ein Wi- Haustürgeschäft
derrufsrecht zu, wenn ein Vertrag zwischen einem Unternehmer und einem
Verbraucher durch mündliche Verhandlungen im Bereich einer Privatwoh-
nung abgeschlossen wurde.

Verbraucher ist nach § 13 BGB eine natürliche Person, bei der der Ab- Verbraucher
schluss eines Rechtsgeschäftes weder ihrer gewerblichen noch ihrer selb-
ständigen beruflichen Tätigkeit zugerechnet werden kann. K, im Sachver-
halt ausdrücklich als Hausfrau bezeichnet, beabsichtigte den Kauf des Rei-
nigungsmittels allein zu privaten Zwecken, sie ist daher Verbraucher im
Sinne des § 13 BGB.

Nach § 14 BGB ist Unternehmer eine natürliche Person, die bei Abschluss Unternehmer
eines Rechtsgeschäftes in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbständi-
gen beruflichen Tätigkeit handelt. V ist Haushaltswarenhändlerin, ihre be-
rufliche Tätigkeit liegt darin, Handel mit Haushaltswaren zu betreiben. In
dieser Funktion nahm sie Kontakt zu K auf. V ist somit Unternehmerin nach
§ 14 BGB.

Der Vertrag müsste durch mündliche Verhandlungen im Bereich der Privat- Mündliche Verhandlun-
gen im Bereich der Pri-
wohnung zustande gekommen sein. V und K verhandelten mündlich vor vatwohnung
der Haustür der K, diese Voraussetzungen sind somit erfüllt.

Es liegt daher ein Haustürgeschäft im Sinne des § 312 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Zwischenergebnis
BGB vor, K steht ein Widerrufsrecht nach § 355 BGB zu.

Das Widerrufsrecht darf nicht ausgeschlossen sein. Nach § 312 Abs. 3 Nr. Ausschluss des Wider-
2 BGB besteht kein Widerrufsrecht, wenn die Leistung bei Vertragsschluss rufsrechts
sofort erbracht und bezahlt wird und das Entgelt 40,00 EUR nicht über-
steigt. Der Kaufpreis betrug 30,00 EUR und unterschritt damit die Wert-
grenze des § 312 Abs. 3 Nr. 2 BGB. Jedoch sicherte V eine zügige Liefe-
rung zu, erbrachte die Leistung also nicht sofort bei Vertragsschluss. Somit
ist das Widerrufsrecht der K nicht ausgeschlossen.

Der Widerruf nach § 355 BGB ist eine einseitige, empfangsbedürftige Wil- Widerrufserklärung
lenserklärung. Zu prüfen ist, ob K eine Widerrufserklärung abgegeben hat.
Sie hat der V schriftlich erklärt, sie könne das Fridolin Streifenex behalten,
sie wolle von dem Geschäft nichts mehr wissen. Durch diese Erklärung
wird hinreichend deutlich, dass K den Vertragsschluss widerrufen wollte.

Die Widerrufserklärung muss nach § 355 Abs. 1 Satz 2 BGB in Textform Form der Widerrufser-
klärung
oder durch Rücksendung der Sache erfolgen. K erklärte den Widerruf ge-
genüber V schriftlich. Die Schriftform ist im Verhältnis zur Textform stren-
ger, die Erklärung war daher formgerecht.

Ferner ist zu prüfen, ob der Widerruf fristgerecht erklärt wurde. Nach § 312 Widerrufsfrist
Abs. 1 Satz 1 BGB ist der Widerruf innerhalb von zwei Wochen nach Ver-
tragsschluss zu erklären. Diese Frist beginnt nach § 312 Abs. 2 Satz 1
BGB mit dem Zeitpunkt, zu dem der Verbraucher eine deutlich gestaltete
Widerrufsbelehrung erhalten hat.

Dem Sachverhalt ist nichts dafür zu entnehmen, dass V der K eine solche Widerrufsbelehrung
Belehrung überreicht oder anschließend zugesandt hat. Somit wurde die
Widerrufsfrist noch nicht in Gang gesetzt, der Widerruf der K ist damit frist-
gerecht.

Die Widerrufserklärung müsste V auch zugegangen sein. K erklärte den Zugang des Widerrufs
Widerruf schriftlich, so dass anzunehmen ist, dass sie die Erklärung auf
dem Postweg an V versandte. Dem Sachverhalt ist nichts zu entnehmen,
dass ein Zugangshindernis vorlag, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
ist daher anzunehmen, dass Ks Schreiben der V auch zugegangen ist.

Da K ihren Widerruf frist- und formgerecht erklärte und diese Erklärung der Nichtigkeit der Willens-
erklärung
V auch zugegangen ist, ist K an ihre Annahmeerklärung nicht mehr gebun-
den. Der Widerruf führt zur rückwirkenden Nichtigkeit der Willenserklärung
der K, so dass kein Kaufvertrag zwischen ihr und V zustande kam.

Daher kann V nicht die Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 30,00 EUR Ergebnis
von K verlangen.