Sie sind auf Seite 1von 3

Wer jede seiner Entscheidungen von den Meinungen anderer abhängig macht lässt sich psychologisch versklaven.

***

Die Stille eines neuen Tages ist stets mit Angst und freudiger Erwartung zu begrüßen.

***

Wenn ich eine Schreibmaschine hätte, sie würde keifen, wüten, bellen, schreien und laufend Blätter ausspucken, deren Worte mir endlos fremd erscheinen würden. Dies wäre doch eine Maschine die sich jeder Schreibende wünschen würde, oder?

***

Viel zu häufig sind es nicht die großen Dinge die uns aufhalten, sondern Dutzende von Nichtigkeiten, welche sich wie Sand in unser Getriebe setzen. Nehmen wir das hin und wehren uns nicht dagegen, dann werden wir irgendwann von diesem Mahlstrom der Banalitäten zermalmt.

***

In der Tat sagt eine Tat mehr als tausend Worte. (Manchmal). Doch gehören zu den meisten großen Taten auch große Worte, die gesprochen werden müssen. Worte, so groß, dass sie sich bereits bevor sie unseren Mund verlassen in unsere Magengrube drücken und einen unüberwindbaren Abgrund schaffen.

In diesen Momenten sind wir allein wie sonst nie in unserem Leben.

***

Wie fügt man einer Person, zu der man eine vertraute und enge Beziehung hatte, die nun nur noch einseitig existiert, größeren Schaden zu? Dadurch, dass man sie ehrlich und mit ehrlichen Worten verlässt, oder wenn man bei ihr bleibt aus Angst vor dem Alleinsein, ohne sie aber wirklich in ihrer Gänze zu lieben oder wertzuschätzen? Wird sie bei letzterem Handeln nicht objektifiziert und ausgenutzt als Medizin gegen das Gefühl der unkontrollierten Einsamkeit?

***

Die, die uns vorwerfen, dass wir das Kommunizieren verlernen, haben bloß noch nicht die Kommunikationslehren des 21. Jahrhunderts verinnerlicht.

***

Die einzigen beiden Tage, die in unserem Leben konstant mit hoher Wichtigkeit zu betrachten sind, sind der Tag unserer Geburt und der Tag unseres eigenen Todes. Allen anderen Tage, welche wir für von hohem Wert und als entscheidend betrachten, werden wir je nach den geänderten Umständen immer wieder einen anderen Wert beimessen können und, ja, vielleicht auch müssen.

***

Wer denkt, dass ich hier irgendetwas nicht ernst meine, der versteht bloß nicht, dass ich für eine neue Ernsthaftigkeit plädiere. Das läuft getreu nach Nietzsches Ausspruch: „Wir müssen die Dinge lustiger nehmen, als sie es verdienen; zumal wir sie lange Zeit ernster genommen haben, als sie es verdienen.“

***

Schriftsteller schreiben immer für andere; und sei es nur für andere Ichs.

***

Dichten bedeutet nicht: Reime aneinander hängen. Dichten bedeuten: verdichten, möglichst viel auf möglichst wenig Raum.

***

Solange wir im angeblichen Wahnkeinen Schaden für das anrichten, was man im Allgemeinen das „wirkliche Leben“ nennt, sollte er weder verboten noch verpönt sein.

***

Wenn wir unser Leben auf lange Sicht betrachten, gibt es dann nicht unzählige, ja abertausende Momente, welche man als syllogistische Momente bezeichnen könnte? Momente, die zwar als Folge zweier unmittelbar zuvor erfolgten Momente logisch erscheinen mögen, aber mit Blick auf die ganze Welt, auf unser ganzes Leben herrlich unsinnig wirken. Vielleicht ist dies aber auch nur ein weiterer Beweis dafür, wie überholt die Syllogistik ist.

***

Sobald wir uns in einer kontemplativen Stimmung befinden, neigen wir dazu, jedes plötzliche Erkennen und jede innere Regung als Erkenntnis zu werten. Dies gilt es zu vermeiden.

***

Auf der Suche nach Erkenntnis müssen wir einen Text mit dem Stift lesen: denn dadurch, dass wir etwas suchen, was wir unterstreichen können und als eine Art Ausgangspunkt für eine Erkenntnis postulieren könnten, suchen wir auch wirklich nach Erkenntnis und lesen nicht bloß Sätze. Selbst wenn man vielleicht einmal etwas überinterpretiert, so ist es besser durch ein solches Handeln eine Erkenntnis zu viel zu haben, mit der man sich auseinandersetzen kann und sollte, da man diese ja revidieren kann, als dass wir etwas entscheidendes übersehen. Das ganze kann man natürlich auch als Analogie zum Leben verstehen.

***

Das Problem bei Menschen, die sich stets die Schuld selber zuschieben, ist dass sie der Suche nach der eigentlichen Schuldquelle ausweichen. Die Gründe dafür können sehr verschieden sein, wie z.B. Angst vor den Komplikationen und Anstrengungen dieses Erkenntnisprozesses oder auch die Angst jemanden belasten zu müssen "zu dem man sonst sehr gut steht". Dadurch, dass sie sich selber schuldig sprechen, werden sie zugleich zu

Richter, Angeklagtem, Ankläger und Henker in einer Person und können so ihrer Ansicht nach die Schuld aus der Welt schaffen. Als Legislative und Exekutive in einer Person können sie sich ganz einfach zunächst selbst verurteilen und bestrafen, indem sie sich z.B. für längere Zeit als schlechten Menschen gesehen haben und in Selbsthass schwammen, und nach Belieben das Strafmaß regeln und der Kläger bestimmt so wann der Angeklagte seine Schuld hat abgesessen. Nun fühlen sie, dass die Schuld abgetragen ist: aber sie sind noch immer schuldig, schuldiger als zuvor; sie sind schuldig nicht die Wahrheit gesucht zu haben und sie sind schuldig die Schuldigen nicht zur Rechenschaft gezogen zu haben.

***

Wenn uns etwas emotional berührt, halten wir es häufig für tiefsinnig, da wir meist unsere Emotionen an sich, ja, selbst die simpelsten Affekte für tiefgründig halten. Diese können auch in der Tat so beschaffen sein, was aber nicht besagt, dass die Ursache, also das was uns berührte, mit den gleichen Eigenschaften versehen ist. Ein weiterer Beweis dafür, dass man nicht alles einfach in Ursache-Folge-Beziehungen auflösen kann.

***

Versuche ich mich zu bilden oder zu bebildern?