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Alevitische Gemeinde Deutschland

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Stolberger Str. 317


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Köln, 03.11.2008

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

mit Interesse habe ich Ihre Pressemitteilung vom 29.10.08 gelesen. Sie beziehen sich auf
einen Artikel im Kölner Stadt Anzeiger "Streit im Rat der Religionen" vom 28.10.08 und
bedauern die Indiskretion einiger Teilnehmer des Rates der Religionen der Stadt Köln.

Erlauben Sie mir, dass ich Ihre Pressemitteilung zum Anlass nehme und mich mit einem
offenen Brief an Sie wende.

Wir, die Alevitische Gemeinde Deutschland, begrüßen und unterstützen ausdrücklich den
Rat der Religionen, die auf Ihre persönliche Initiative zurückzuführen ist. Es ist für uns
wichtig einen in Fragen der Integration engagierten Oberbürgermeister zu haben, der sich
für mehr gegenseitige Toleranz in Köln einsetzt.

Insbesondere begrüßen wir Ihren persönlichen Einsatz gegen den Aufmarsch der
europäischen Rassisten in Köln. Die Aktion "Köln stellt sich quer" war ein Zeichen, der weit
über Köln hinaus Maßstäbe gesetzt hat und von unserer Landes- und Bundesregierung
unterstützt wurde.

Wir, Deutsche mit einem alevitischen Migrationshintergrund, wissen -vor dem Hintergrund
unserer eigenen Erfahrung- es besonders zu schätzen, in einem Land zu leben, in der es
gesellschaftlicher Konsens ist, dass jegliche Radikale vom politischen Diskurs
ausgeschlossen werden. Dieser gesellschaftliche Konsens, der nach dem zweiten
Weltkrieg gefunden wurde, verbietet den Handschlag, sowie den Schulterschluss zwischen
Demokraten und solchen, die die Demokratie in letzter Konsequenz abschaffen wollen.
Dieser Konsens stellt aus unserer Sicht einen wesentlichen Eckpfeiler unserer freiheitlich-
demokratischen Grundordnung in Deutschland dar, die es zu schützen gilt. Die Kölner
Stadtspitze ist vor diesem Hintergrund nur bedingt frei bei der Auswahl ihrer Dialogpartner.
Wenn unsere Kölner Gemeinde, die Mitglied des Rates der Religionen der Stadt Köln ist,
erklärt, dass sie mit einem rechtsradikalen türkischen Verband der Grauen Wölfe, wie die
ATIB, keine gemeinsame Erklärung unterzeichnen will, dann ist dies nur zu begrüßen. Die
ATIB wird von unserem Landesamt für Verfassungsschutz den rechtsextremen Grauen
Wölfen zugordnet.

Wenn unsere Kölner Gemeinde erklärt, dass sie mit einer antisemitisch-islamistischen
Organisationen, wie die IGMG, die von unserem Verfassungsschutz beobachtet und als
demokratiefeindlich bezeichnet wird, keine gemeinsame Erklärung unterschreiben möchte,
dann ist auch dies aus unserer Sicht zu begrüßen. Dabei bitten wir Sie auch zu
berücksichtigen, dass aus unserer Sicht die IGMG eine politische Auslandsvereinigung der
islamistischen Partei Erbakans aus der Türkei ist, dessen Ratsmitglieder und Imame
Verantwortlich für Pogrome an Aleviten waren und sind.

Wenn es um die Zusammenarbeit der Kölner Stadtspitze mit diesen zum Teil
demokratiefeindlichen Organisationen im Rat der Religionen geht, dann sollte sie von
unserer Kölner Mitgliedsgemeinde keine Diskretion erwarten. Solche Dinge dürfen nicht
diskret behandelt werden. Wir stehen als Bundesverband in dieser Frage hinter unserer
Kölner Mitgliedsgemeinde.

Diese rechtsradikale und antisemitisch-islamistische Migrantenverbände betreiben aktive


Jugendarbeit und fanatisieren türkisch-islamische Jugendliche in Köln. Sie arbeiten mit
Feindbildern und tragen zur Selbstethnisierung der türkisch-islamischen Migrantenkinder
bei. Der letzte Verfassungsschutzbericht geht auf das Agieren türkischer Rechtsextremisten
aus dem Spektrum der Grauen Wölfe an Kölner Schulen ein. Unsere alevitischen Kinder
werden zum Teil von Ihren fanatisierten Mitschülern schikaniert, weil sie z.B. während des
Fastenmonats Ramadan nicht fasten und somit als Aleviten identifiziert werden.
Jugendliche mit einem Migrationshintergrund müssen genauso vor dem Zugriff
rechtsradikaler und islamistischer Migrantenverbänden geschützt werden, wie deutsche
Jugendliche vor z.B. NPD geschützt werden. Dies geht nicht durch eine Zusammenarbeit
mit diesen rechtsradikalen und islamistischen Migrantenverbänden, sondern durch eine
Aufklärung über diese Verbände. Der Aufmarsch von rechtsradikalen türkischen
Jugendlichen am Kölner Dom und deren Übergriff auf kurdische Einrichtungen im letzten
Jahr sind nicht zuletzt auf die Fanatisierung durch diese Migrantenverbänden zurück zu
führen.

Es ist eine nicht hinnehmbare Verharmlosung, wenn rechtsradikales und antisemitisches


Gedankengut innerhalb der türkisch-islamischen Gemeinschaft in Köln lapidar als
"innertürkische" Probleme abgetan werden, so wie es Frau Brederhorst der Presse erklärt
hat. Die aktive Verdrängung dieser gesellschaftlichen Konflikte in Köln mit einem
Einhergehen der Einbindung diesen rechtsradikalen und islamistischen
Migrantenverbänden durch die Kölner Stadtspitze im Rat der Religionen zeugt nicht nur von
politischer Blindheit auf dem rechten „Migrantenauge“, sondern auch von einer fahrlässigen
Nachlässigkeit in der Auseinandersetzung mit den Gegnern der freiheitlich-demokratischen
Grundordnung, die den sozialen Frieden in Köln und Deutschland nachhaltig gefährden.

Wir dürfen als verantwortungsvoll agierende Menschen keinem rechtsradikalen oder


antisemitisch-islamistischen Migrantenverband ein Forum bieten. Diese radikalen
Migrantenverbände dürfen in der öffentlichen Wahrnehmung keine politische Legitimation
erfahren, in dem sie durch die Stadtspitze zu Gesprächen im Rat der Religionen eingeladen
werden.
Der öffentliche Ritterschlag für solche rechtsradikale und islamistische Migrantenverbände
durch die Vertreter der Stadt Köln ist gefährlich und für uns nicht weiter tolerierbar.

Es ist geradezu unsere Pflicht als eine deutsche Gemeinde diese Dinge zur Sprache zu
bringen. Rechtsradikale und Antisemiten gehören auch dann bekämpft, wenn sie einen
sogenannten Migrationshintergrund haben.

Der Migrationshintergrund sollte kein Freibrief sein, dass rechtsradikales und


antisemitisches Gedankengut durch die Hintertür den Zugang zur Gesellschaft erhalten und
unseren Konsens unterminieren.

Sie sprechen in Ihrer Pressemitteilung von "Aufarbeitung von Fragen, die in den
Heimatändern der vertretenen Glaubensgemeinschaften gelöst werden müssen". Die Stadt
Köln muss akzeptieren, dass Deutschland auch unser Heimatland geworden ist. Wir sind
Deutsche wie Sie und Frau Brederhorst. Wir stehen zu unserer deutschen Heimat, zu
unserer Geschichte, zu unserem kulturellen Erbe und zu unserer historischen
Verantwortung. Unsere diese Heimat mit seinen gesellschaftlichen und kulturellen
Errungenschaften gilt es zu schützen. Zu schützen gegen jegliche radikale Kräfte, die diese
Errungenschaften bedrohen. Zu diesen gehören auch solche Radikale, die einen
sogenannten Migrationshintergrund haben. Insofern ist in diesem Zusammenhang auch der
Vorwurf der „Instrumentalisierung“ mehr als unangebracht. Es ist keine
Instrumentalisierung, wenn gefordert wird, dass Rechtsradikale mit Migrationshintergrund
genauso behandelt werden sollen, wie solche, die keinen Migrationshintergrund haben.
Nämlich politisch isoliert und gesellschaftlich geächtet. Rechtsextremismus und
Antisemitismus dürfen in Köln nicht mit zweialler Maß gemessen werden. Würde die Kölner
Stadtspitze keine rechtsradikale oder antisemitisch-islamistische Migrantenverbände
einbinden, so müssten wir nicht deren Ausgrenzung einfordern.

Integration ist ein Prozess, die mehrere Generationen dauern wird. Es braucht Zeit, Geduld,
Erfahrung und den ernsthaften Willen integrieren zu wollen. Die politischen Schritte in der
Kölner Integrationspolitik sollten nicht den Interessen der türkischen Tendenzmedien
dienen, die wiederum den nationalen Interessen der Türkei dienen, sondern dem sozialen
Frieden in Köln.

Ich denke, dass ich die Position der Alevitischen Gemeinde Deutschlands in den für unsere
Gemeinden elementaren Fragen verdeutlichen konnte.

Sie sind jederzeit herzlich Eingeladen in unserer Gemeinde auch über diese Themen zu
diskutieren. Vielleicht finden Sie Gelegenheit, um unsere Gemeinde einmal zu besuchen.
Unsere Kölner Gemeindemitglieder würden sich über Ihren Besuch sehr freuen. Bisher
hatten die Kölner Aleviten leider keine Gelegenheit ihren Oberbürgermeister persönlich in
ihrer Gemeinde zu empfangen.

Mit freundlichen Grüßen

Ali Ertan Toprak


Generalsekretär