Sie sind auf Seite 1von 4

PERSPEKTIVE

Der Finanzmarkt braucht keine Banken


Plädoyer für eine grundlegende Finanzreform

RAINER LENZ
Juni 2012

Die Krise in der Eurozone macht eines ganz deutlich: Der für Kunden. Forderungen aus dem Kreditgeschäft
Bankensektor ist und bleibt ein beständiges Systemrisiko machen oftmals nur noch ein Fünftel der Gesamtaktiva
sowohl für die einzelnen Staaten als auch für die Staaten- aus.
gemeinschaft als Ganzes. Dass dem so ist, ist vor allem
einem Mechanismus geschuldet, der nach immer dem- Die Deutsche Bundesbank bestätigt den Bedeutungsver-
selben Prinzip funktioniert. Droht den Banken Insolvenz, lust der Banken für die Finanzierung der Realwirtschaft
werden sie entweder durch »billige« Kredite der Europäi- mit ihren kürzlich veröffentlichten Ergebnissen der ge-
schen Zentralbank (EZB) subventioniert oder der Staat samtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung für den
übernimmt die Verluste mittels sogenannter Bad Bank- Zeitraum zwischen 1991 und 2010: »Unter den verschie-
Lösungen und Beteiligungen (siehe aktuell Spanien). denen Finanzierungsinstrumenten waren Kredite mit ei-
nem Anteil von durchschnittlich knapp 33 Prozent an den
Dies alles ähnelt einem Hütchenspiel, bei dem entweder Gesamtverbindlichkeiten die wichtigste Finanzierungs-
die Staaten oder die EZB oder auch der Internationale quelle. Ein Großteil der Kredite wurde von Banken ge-
Währungsfonds (IWF) als Bankenretter auftreten und sich währt. Im Zeitverlauf hat die Bedeutung des Bankkredits
gegenseitig die Verluste zuschieben. Ein wirtschaftspoli- jedoch stetig abgenommen, sein Anteil sank von rund
tischer Lösungsansatz für die offensichtlichen Strukturde- 32 Prozent im Jahr 1991 auf 18 Prozent im Jahr 2010.
fizite im europäischen Banken- und Finanzsystem fehlt. Stark zugenommen haben hingegen Kredite von ande-
Will Europa wirtschaftlich, politisch und sozial überleben, ren Gläubigern (darunter Versicherungen, sonstige Fi-
braucht es jedoch eine tragfähige Finanzarchitektur, die nanzinstitute und andere Unternehmen). […] Zieht man
den Finanzsektor wieder an die Realwirtschaft bindet. alle Jahre des Beobachtungszeitraums in Betracht, so
wird deutlich, dass die Substitution der Banken durch
andere Gläubiger vor allem in der zweiten Hälfte des Be-
Geschäftsmodell »Bank« – obachtungszeitraums stattgefunden hat.« (Monats-
ein Systemrisiko bericht Januar 2012: 21)

Die Aufgabe von Geschäftsbanken ist seit jeher die Fi- Nicht nur, dass die Geschäftsbanken trotz Subventionie-
nanzierung der Realwirtschaft. Als Intermediär sollen rung durch »billiges« Zentralbankgeld ihre zentrale Auf-
Banken gesamtwirtschaftliche Ersparnisse in realwirt- gabe nicht erfüllen, sie sind auch aufgrund ihres Ge-
schaftliche Investitionen transformieren. Allein für diese schäftsmodells in mehrfacher Hinsicht ein unkalkulier-
Aufgabe erhalten die Banken das Privileg der günstigen barer Risikofaktor für die Gesamtwirtschaft. Die riskanten
Refinanzierung durch Zentralbankkredite. Doch gegen- Investitionen in Wertpapiere und Derivate finanzieren die
wärtig agieren die Banken weitgehend losgelöst vom Banken mit einem – im Vergleich zu Industrieunterneh-
realen Sektor. Nur ein Bruchteil der tagtäglichen Ge- men – verschwindend niedrigen Anteil an Eigenkapital.
schäftsaktivitäten einer Bank weist noch eine Schnitt- Nur über den Hebeleffekt der Finanzierung ist es den
stelle zur Realwirtschaft auf. Betrachtet man die Aktiv- Banken möglich, überdurchschnittliche Eigenkapitalren-
seite der Bankbilanzen, so dominiert der Handel mit diten von 20 Prozent und mehr zu erzielen. Risiko und
Wertpapieren und Derivaten auf eigene Rechnung und Ertrag sind strikt positiv miteinander korreliert. Wer also
RAINER LENZ | DER FINANZMARKT BRAUCHT KEINE BANKEN

einen solchen Ertrag erzielt, muss zwangsläufig extreme Deregulierung zur vollkommenen Regulierung des Fi-
Risiken eingehen, die weder mit bankinternem Risikoma- nanzsystems benötigte man nur drei Jahre. Dabei ist he-
nagement noch mit externer Bankenaufsicht und stren- rauszustellen, dass es sich hierbei nicht um nationale
geren Eigenkapitalvorschriften beherrschbar sind. Alleingänge handelt, sondern dass die Mehrzahl der Re-
gulierungen auf Vereinbarungen der G20 beruht.
Aber auch aus makroökonomischer Perspektive ist die-
ses Geschäftsmodell eine Katastrophe. Seit Jahren emit- Tabelle 1: Status quo der Regulierung des
tieren Finanzinstitute mehr eigene Wertpapiere als der europäischen Finanzmarkts seit 2008
Staat oder der Unternehmenssektor. Die bankeigenen
Wertpapiere, wie beispielsweise Zertifikate, Aktienanlei- Institutionelle Reformen
hen oder synthetische Exchange Traded Funds (ETF), ha- – 2011: Europäisches Finanzaufsichtssystem mit drei neuen
ben keinerlei Verbindung mehr zur Realwirtschaft. Das EU-Behörden: eine für Banken (London), eine für das
Versicherungswesen (Frankfurt) und eine für Wertpapiere
heißt, Sparkapital fließt nicht in eine produktive Verwen- und den Finanzmarkt (Paris) – mikroprudenzielle Über-
dung, wodurch ein realer Mehrwert, also ein Mehr an wachung
Gütern und Dienstleistungen geschaffen wird, sondern – 2011: Europäischer Ausschuss für Systemrisiken – makro-
es verbleibt im nominalen Finanzsektor. Real betrachtet prudenzielle Überwachung
entstehen mit der Emission von Zertifikaten »nominale Regulierung des Bankensektors
Luftbuchungen«, die zum einen wertvolles Sparkapital – 2009: Stresstests für europäische Banken – Europäische
verschwenden und zum anderen das Risiko der Destabi- Bankenaufsicht
lisierung des gesamten Finanzsektors bergen. – 2010: Basel III – strengere Eigenkapitalvorschriften für
Banken – G20-Vereinbarung (gilt ab 2013)
Nun könnte man sagen: Es existiert ein globales Spiel- – 2010: G20-Vereinbarung: Gesetzliche Regulierung bank-
kasino, aber solange der Fiskus die Solvenz der Kasino- interner Vergütungssysteme, EU-Umsetzung der CRDIII-
betreiber sicherstellt, stört es die reale Wirtschaft nicht Richtlinie 2012

sonderlich. Dies ist aber nicht der Fall, denn über die – 2011: G20-Vereinbarung: Erhöhte Kapitalanforderungen
für globale, systemrelevante Banken
Preise für am Markt gehandelte Vermögenswerte besteht
eine unmittelbare Verbindung zwischen realem und no- – geplant 2012: G20-Vereinbarung über Liquidierungsver-
fahren für grenzüberschreitende Banken; dazu in
minalem Sektor. Aktienkurse, Anleiherenditen, Immobi- Deutschland seit 2011 »Restrukturierungsgesetz«
lienpreise, Rohstoffpreise etc. unterliegen extremen spe-
– geplant 2012: EU-Gesetz zur verbesserten Corporate
kulativen Schwankungen, sind ökonomisch verzerrt und Governance von Finanzinstituten; dazu 2010 EU-Konsul-
spiegeln nicht die Knappheit von realen Ressourcen wi- tationsverfahren durchgeführt und Grünbuch veröffent-
der. Die Preise als Bewertungsmaßstab für Erfolg und licht
Misserfolg im Markt zu betrachten ist falsch und kann Regulierung des OTC-Derivatemarkts
somit bei realwirtschaftlichen Investitionen zu grund- – 2009: G20-Vereinbarung: Handel von bisher außerbörs-
legenden Fehlentscheidungen führen. lich gehandelten Derivaten durch zentrale Gegenparteien
und erhöhte Transparenz durch zentrale Erfassung (EU:
EMIR-Richtlinie)
Regulierung von Ratingagenturen
Technokratie versus ordnungs-
politischer Gestaltungswille – 2010: EU-Verordnung über Ratingagenturen, einheitli-
cher Regulierungsrahmen für die Aufsicht und Kontrolle
der in der EU tätigen Ratingagenturen
Die vielfach gehörte Kritik, der Finanzmarkt und ins-
– geplant 2012: Schaffung einer europäischen Ratingagen-
besondere der Bankensektor sei zu wenig reguliert, ist tur (in Diskussion)
schlichtweg falsch. Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 hat
Regulierung des Schattenbankensystems
die Politik in schier unglaublicher Geschwindigkeit eine
– 2011: EU-Richtlinie für Alternative Investment Fund
Vielzahl von neuen Gesetzen, Vorschriften, Regeln sowie
Manager (AIFM) – einheitliche Anforderungen für die Zu-
neue Institutionen zur Regulierung des Finanzsektors lassung von und die Aufsicht über AIFM; diese Richtlinie
geschaffen. Mit den Gesetzesinitiativen soll nun jedes gilt insbesondere für Hedgefonds, Private-Equity-Fonds
Segment und jede Institution des Finanzmarkts reguliert und Immobilienfonds

werden. Für diese Kehrtwende von einer weitgehenden


RAINER LENZ | DER FINANZMARKT BRAUCHT KEINE BANKEN

Die Menge an Reformen wirft die Frage auf, wie es mög- Eine moderne Finanzarchitektur
lich ist, innerhalb so kurzer Frist eine solche Vielzahl von ohne Banken
Gesetzen und internationalen Vereinbarungen zur Regu-
lierung der Finanzmärkte auf den Weg zu bringen, wäh- Die institutionelle Trennung von Investmentbanking und
rend die internationale Staatengemeinschaft bei ähnlich Kreditgeschäft, das Verbot des Derivatehandels aus rein
relevanten gesellschaftlichen Themen, wie dem Klima- spekulativen Motiven oder die Einführung einer Finanz-
wandel oder dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkom- transaktionssteuer (FTS) sind ausnahmslos Vorschläge zur
men GATT (General Agreement of Tariffs and Trade), auch Reform des Finanzsektors, die bis dato bei der Zerschla-
nach langjährigen Verhandlungen keinen Konsens findet. gung von Bestehendem und dem Verbot von Aktivitäten
Die Antwort ist recht einfach: Wenn man das Finanzsys- und Finanzprodukten stehenbleiben. Hier gilt es weiter
tem trotz aller strukturellen und institutionellen Defizite zu denken und neue sowie effizientere Formen der volks-
in seinen Grundfesten nicht infrage stellt und nur Details wirtschaftlichen Intermediation von Kapital als das her-
im Zusammenspiel der Akteure ändert, ist es nicht allzu kömmliche Bankgeschäft zu entwickeln.
schwer, einen Konsens des Handelns zu finden. Die Re-
gulierungsbemühungen verbessern zweifelsohne die Si- Betrachtet man die historischen Entwicklungslinien des
cherheit und Stabilität des Finanzsystems und verzögern Bankensektors, so kann in deren Fortschreibung auch die
ein erneutes Kollabieren. Sie führen aber langfristig zur Vision für eine zukünftige Struktur des Finanzmarkts ge-
Destabilisierung von Staaten und in der Folge auch der sehen werden. Mit der Einführung der Verbriefung von
europäischen Staatengemeinschaft, weil das praktizierte Bankkrediten in den 1970er Jahren hat die Bank die Mitt-
Geschäftsmodell der Banken nicht als zentraler Risiko- lerposition aufgegeben und ist zum Berater sowie Ver-
und Belastungsfaktor für den Wohlstand der Gesellschaft käufer der Wertpapiere geworden. Kapitalanbieter und
gesehen wird. Die Reformen sind allesamt systemkon- -nachfrager sind als Käufer bzw. Emittenten der Wert-
forme »Reparaturmaßnahmen«, sie zementieren das Ge- papiere unmittelbar miteinander verbunden. Dieser kon-
gebene, ohne den Kern des Problems zu treffen. tinuierliche Prozess der Disintermediation setzt sich mit
der Gründung von außerbilanziellen Transaktionsplatt-
Der Mangel an ordnungspolitischem Gestaltungswillen, formen zur Verbriefung in den 1980er Jahren fort. Eine
die strukturellen Defizite zu beseitigen und das System medial adäquate Fortschreibung dieses Trends ist die
des Finanzmarkts grundlegend zu verändern, offenbart webbasierte Vermittlung von Kapital über Internetplatt-
sich gleichermaßen auch in Sachen Ratingagenturen, formen, die die herkömmliche Bank als Intermediär nach
Hedgefonds, Private-Equity-Fonds etc. Denkt man ledig- und nach ablöst.
lich systemimmanent, so sind alle dargestellten Reformen
sachlich begründbar und weisen eine in sich geschlossene Die unschlagbare Homogenität macht Geld zu einem
Logik auf. Auffallend ist der extrem hohe Grad an Detail- Produkt, welches optimal für eine webbasierte Vermitt-
lierung, der ein Expertenwissen sowohl bei der Gesetz- lung geeignet ist. Transparenz, Wettbewerb und auch die
gebung, der Aufsicht und Kontrolle als auch auf der Ban- Mobilität von Kapital erfahren mit dem Einsatz der Infor-
kenseite voraussetzt. Im Sinne einer »Technokratie« do- mationstechnologie in der Transaktionsplattform eine
miniert bei den gegenwärtigen Reformen im Finanzsektor deutliche Steigerung gegenüber dem oligopolistischen
eine Art von Sachgesetzlichkeit und organisatorischem Bankenmarkt. Höhere Transparenz, verstärkter Wett-
Determinismus, die ohne eine gesamtgesellschaftliche bewerb und nicht zuletzt der Wegfall der Bankmargen
Bewertung von Finanzinstitutionen und -instrumenten vermindern die Kapitalkosten und vereinfachen zugleich
vonstattengeht. Dieses technokratische und dem sozialen den Zugriff auf Kapital. Volkswirtschaftlich betrachtet
Wirkungskontext enthobene Management ist nicht ver- bergen diese Vorteile das Potential für einen Quanten-
wunderlich, kommen doch die gesetzlichen Vorschläge sprung im Wirtschaftswachstum der beteiligten Markt-
allesamt von Experten des Financial Stability Boards (FSB), wirtschaften.
der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, des IWF
und den nationalen Zentralbanken – und damit von In- Das sogenannte peer-to-peer lending (P2P-Kredit) über
stitutionen, die aufgrund ihres supranationalen Status der eine webbasierte Vermittlungsplattform hat für die Ak-
unmittelbaren demokratischen Kontrolle der Gesellschaft teure entscheidende Vorteile:
bzw. der nationalen Parlamente enthoben sind.
 P2P-Kredite sind sowohl für Anleger als auch für wichtig, die Verwendung des Kapitals für realwirtschaft-
Kreditnehmer attraktiv, denn die bisherige Bankmarge liche Investitionen zu gewährleisten. Als Kreditnehmer
zwischen Einlagen- und Kreditzinsen kann geteilt wer- kommen insofern nur Einzelpersonen oder gewerbliche
den. Die Plattform erhält lediglich eine Vermittlungs- Unternehmen infrage, während Finanzinstitutionen und
gebühr. Diese Gebühren sind weitaus niedriger als die Schattenbanken von der Nutzung des P2P-Kredits aus-
Bankmarge, denn Investitionen in spiegelnde Hochhäu- zuschließen sind.
ser in bester Lage oder Bonuszahlungen von Investment-
bankern fallen weg.
Systemreform statt Hütchenspiel
 Die Plattform übernimmt lediglich die Vermittlung
und geht keine eigene Vertragsposition ein. Damit exis- Mit smava in Deutschland, Prosper in den USA und Zopa
tiert auch kein Systemrisiko, da sich die Risiken nunmehr in Großbritannien existieren bereits erste Ansätze des
dezentral über die Nutzer verteilen. peer-to-peer lending, doch deren wirtschaftlicher Erfolg
wird bisher durch enge aufsichtsrechtliche Vorgaben für
 Die Anleger wiederum können das Ausfallrisiko das Betreiben des Bankgeschäfts blockiert. Damit diese
streuen, indem sie sich an verschiedenen Finanzierungs- neuen Kreditmarktplätze sich weiterentwickeln können,
projekten mit kleinen Beträgen beteiligen oder sich via braucht es eine internationale Übereinkunft über Stan-
Internet in Anlegergruppen zusammenschließen. dards und Aufsicht für die internetbasierte Kreditvermitt-
lung.
 Die erhöhte Transparenz, die zentrale Abwicklung und
Dokumentation innerhalb der Transaktionsplattform ver-
einfachen die Kontrolle und Aufsicht der Finanzmarkt- Ungeachtet der noch zahlreichen offenen Fragen (wie
transaktionen erheblich. Die enormen staatlichen Res- zum Beispiel Datenschutz, Zahlungsverkehr, Geldmen-
sourcen, die bisher zur Kontrolle der Banken verwandt gensteuerung etc.) ist der P2P-Kredit ein in die Zukunft
wurden, können nun alternativ zum Schutz der Anleger weisendes Modell. Die direkte Kooperation von Kredit-
verwendet werden. nehmern und -gebern lässt keinen Raum für über das
Kreditgeschäft hinausgehende Spekulationen.
Ähnlich wie bei der Verbriefung von Großkrediten er-
möglicht die webbasierte Vermittlung die Mobilisierung
von hohen Kapitalbeträgen durch das Zusammenführen Bankgeschäfte funktionieren auch ohne Banken. Auch
einer Vielzahl von Investoren. Auch das Kreditausfallrisiko wenn das klassische Banken- und Finanzsystem sowie die
wird somit in kleine Beträge gestückelt und über die sie stützenden wirtschaftspolitischen Kräfte diesen Pro-
Masse der Kapitalanbieter gestreut. Doch anders als bei zess bislang eher belächeln, die P2P-Marktplätze werden
der Verbriefung sind beim peer-to-peer lending Kredite weiter zunehmen, weil sich hier marktrationale Erwägun-
nicht als Wertpapiere an der Börse handelbar. Kapital- gen und individuelle Planung, Steuerung und Kontrolle
geber und -nehmer gehen somit bei jeder Transaktion verbinden. Peer-to-peer steht im Grundsatz für gleichbe-
eine feste Kapitalbindung ein, wobei die Zins- und Kapi- rechtigte (Markt-)Teilnahme. Dieser Prozess einer fort-
talbindungsdauer je nach Wahl der Laufzeit variieren schreitenden basisdemokratischen Teilhabe, der sich in
kann. Mit dieser Nichthandelbarkeit wird die Kreditver- sozialen Netzen, politischen Communities oder in wirt-
sorgung der Wirtschaft der tagtäglichen Spekulation des schaftlichen Plattformen zeigt, lässt sich nicht mehr auf-
Wertpapiermarkts entzogen und erhält somit ein lang- halten und bedeutet einen Wiedergewinn an sozialer,
fristig stabilisierendes Element. In diesem Sinne ist es politischer und wirtschaftlicher Freiheit.

ISBN 978-3-86498-197-5 Über den Autor

Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten Dr. Rainer Lenz ist Professor für International Finance an der
sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung. Fachhochschule Bielefeld.

Friedrich-Ebert-Stiftung | Internationale Politikanalyse | Abteilung Internationaler Dialog


Hiroshimastraße 28 | 10785 Berlin | Deutschland | Tel.: ++49-30-269-35-7745 | Fax: ++49-30-269-35-9248
E-Mail: info.ipa@fes.de | www.fes.de/ipa