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# Extra-Ausgabe 7.2 Solidarität mit den kämpfenden Netto-Kollegen! Bei Netto in Göttingen wurden in einer

# Extra-Ausgabe 7.2

Solidarität mit den kämpfenden Netto-Kollegen!

Bei Netto in Göttingen wurden in einer Nacht- und Nebelaktion zwei Nettofilialen quasi über Nacht geschlossen. Netto - eine Supermarktkette mit 720000 Angestellten bundesweit - war schon öfters in den Medien wegen der schlechten Bedingungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Auszubildende und Hilfskräfte. Auch hier in Göttingen gab es vor einiger Zeit schon mal eine Protestaktion von Verdi und engagierten Mitarbeitern vor dem Netto Markt in der Prinzenstraße. Auch heute haben sich wieder Gewerkschaften, Angestellte und Sympathisanten hier versammelt um auf die Verhältnisse bei Netto aufmerksam zu machen. Bei den Fillialschließungen in Göttingen ging es vorrangig darum, teilweise langjährigen Mitarbeitern zu kündigen und dann bei anderen Filialen neu einzustellen. Wen wundert es da heute noch, dass diese “Neueinstellung“ zu deutlich schlechteren Konditionen durchgeführt werden sollte? Uns wundert es auf jeden Fall nicht; jedoch erzürnt es uns um so mehr!!! In der aktuellen Wirtschaftskrise versuchen Arbeitgeber überall den wirtschaftlichen Druck auf die Angestellten herunterzubrechen und Sie somit für die Krise zahlen zu lassen. Mit dieser Protestaktion, hier und heute, wollen wir darauf aufmerksam machen, dass sich in der Belegschaft etwas tut. Immer mehr Angestellte nehmen den Kampf um die eigenen Rechte selber in die Hand und organisieren sich gegen die Angriffe der Arbeitergeber. Nicht nur bei Netto in Göttingen sind die Bedingungen der Angestellten und Auszubildenden untragbar geworden. So berichtet beispielsweise eine „Aushilfskraft“ Friede Schmidt bei Netto in Gelsenkirchen:

„Zunächst musste ich am Anfang natürlich einen Arbeitsvertrag unterzeichnen, dieser war nicht identisch mit der „Erhaltenen Kopie des Originalexemplars“. In der Kopie fehlen wichtige Daten wie z.B. die Arbeitszeit pro Monat und der Lohn pro Stunde [ ] Die Arbeiter haben es oft nicht geschafft in der vorgegebenen Zeit alle Aufgaben vollständig zu erledigen, daraus folgen viele unbezahlte Überstunden und wenig Motivation. Oft hört man von oben „Du musst schneller werden“. Später erzählten mir Mitarbeiter, dass dieser „Leitspruch“ nie erfüllt werden kann, da eine stetige Steigerung der Arbeitskraft abverlangt wird. Die Mitarbeiterbesprechung besteht aus

der Fehleraufzählung des Marktleiters und des Geschäftsführers. Bei Ladenschluss ist es oft der Fall, dass der Geschäftsführer vor dem Laden wartet, bis die Mitarbeiter nach weiteren Überstunden den Laden abschließen wollen. Dann beschließt er eine sogenannte

„Spätkontrolle“ durchzuführen, d.h. der Geschäftsführer kontrolliert die Regale. Alles was seiner Meinung nach falsch gepackt worden ist, räumt er aus den Regalen und wirft sie auf den Boden, damit die Mitarbeiter es zu seiner Zufriedenheit wieder einräumen können. Erst danach darf der Laden abgeschlossen werden. Die Zeit in der die Spätkontrolle durchgeführt wird, ist und wird den Arbeitern nicht zugeschrieben, sodass es zwangsweise zu weiteren unbezahlten

Überstunden

kommt.“

Somit ist klar, dass die Bedingungen, wie man sie hier in Göttingen erlebt, schon längst kein Einzelfall mehr sind. Im Einzelhandel jedoch treten die Interessenwidersprüche zwischen den Angestellten und der Konzernführung sehr drastisch an den Tag. Aus unserer Sicht lässt sich diesen Angriffen nur mit geschlossenen Aktionen begegnen; die Konzernführung organisiert sich ja schließlich auch in sog. Arbeitgeberverbänden und treten den Kollegen gegenüber einheitlich in ihrer Interessenvertretung auf. Warum sollten wir dies nicht auch tun und gemeinsam kämpfen? Und genau dies geschieht hier momentan bei Netto. Aber nicht nur bei Netto in Göttingen vereinigen sich immer mehr Kolleginnen und Kollegen: auch beim Cinemaxx zum Beispiel gab es in diesem Jahr mehrere gemeinsame Aktionen und es haben sich große teile der Belegschaft in der Gewerkschaft zusammengeschlossen und gute Warnstreikaktionen durchgeführt, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Die versuche innerhalb der Belegschaft Unfriede und Misstrauen zu schüren, bringt nur der Konzernführung etwas. Somit finden wir es sehr gut, dass sich hier heute viele Angestellte und Sympathisanten versammelt haben um gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen gegen schlechte Arbeitsbedingungen und Lohndrückerei. Wir wollen uns mit den kämpfenden Kolleginnen und Kollegen solidarisieren und sie in ihrem Willen stärken.

Die

Sozialistische

Deutsche

Arbeiterjugend