Sie sind auf Seite 1von 31

Überblick über Kapitel Muster und Strukturen

2.1 Raumzeitliche Abgrenzung von Gesellschaften


2.2 Elemente und Teile
2.3 Was sind die Elemente/Teile einer biologischen
Gesellschaft?
Arten? Funktionale Komponenten (
„Ökosysteme“)

2.4 Diversität
„Diversität“ bezieht sich im allgemeinen auf
Anzahl der Elemente und deren Verteilung auf
Elementgruppen

Anzahl der Individuen – verteilt auf


Arten häufige Arten werden stärker
berücksichtigt

Raumstruktur der Anordnung von Elementen


(Arten) dabei im allgemeinen nicht mit gemeint

Raumstruktur oft mit


Struktur im engeren
Sinne
gemeint
Überblick

-Begriffe

-Diversität nach Shannon

-Ursachen von (hoher) Diversität


Begriffe

Reichtum
Mannigfaltigkeit
Komplexität
Biodiversität

Vielfalt
Vielzahl
 
Unterscheiden:
Fachsprachlicher Gebrauch
Allgemeinsprachlicher Gebrauch
 
Z. B. fachsprachlich:
Reichtum = Artenzahl pro Fläche oder Gesellschaft
 
Vielfalt (Diversität):
Verbindung von Artenzahl und Verteilung der Individuen
auf die Arten
 
Allgemeinsprachlich:
Reichtum: auch qualitativ
Vielfalt: qualitativ
Vielzahl: quantitativ
Biodiversität

Herkunft von „Biodiversität“:


 
Biodiversitätskonvention von 1992 (Rio)
Versuch von Biologen, auf einem
umweltschutzpolitisch wichtigen Sektor
Definitionsmacht zu bekommen.
 

„Die Biodiversitätskonvention von 1992


verbindet drei Ziele für den Umgang mit
biologischer Vielfalt:
ihren Schutz, die nachhaltige Nutzung
ihrer Bestandteile und die gerechte
Definitionen „Biodiversität“:
 
„Biologische Vielfalt bedeutet die Variabilität
unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft,
dies umfaßt die Vielfalt innerhalb der Arten und
zwischen den Arten und die Vielfalt der
Ökosysteme.“ (CBD, Artikel 2)
 
„Biodiversity is the property of living systems of
being distinct, that is different, unlike.....“
(Solbrig O.T.,1991, Biodiversity, UNESCO Paris)
 
Unter "biologischer Vielfalt" bzw. "Biodiversität"
versteht man die Vielfalt des Lebens auf der
Erde, von der genetischen Vielfalt über die
Artenvielfalt bis hin zur Vielfalt der Ökosysteme.
Thesen/Fragen:
 
 
(In welchem Sinne) ist Biodiversität ein
naturwissenschaftlicher Begriff?
 
These: Man kann nicht angeben, wie groß „die
Biodiversität“ ist, und man kann keine
generalisierenden Aussagen über die Wirkung
„der Biodiversität“ treffen.
 
Frage: (Wie) kann man Begriff der
(biologischen) Vielfalt so verwenden, daß man
ihn in einer Naturwissenschaft benutzen
Ist Vielfalt naturwissenschaftlicher Begriff im
engeren Sinne?

durch empirische Prüfung müßte entschieden werden


können, ob Aussage wie
„hier ist die Vielfalt höher als da“
zutrifft
(wenigstens im Prinzip)
 
Aber:

Gesellschaft aus dreißig Arten hat höhere Artenzahl als


Gesellschaft aus drei.
 

drei-Arten-Gesellschaft = eine Pflanze, ein Bakterium


und ein Vogel
dreißig-Arten-Gesellschaft = dreißig Vögel

 
Welche Gesellschaft hat die größere „Vielfalt“?
 
 
Ist dann „Biodiversität“ naturwissenschaftlicher Begriff im
weiteren Sinne?
 
Beispiel Nische: „Ist Nische von Art A breiter als Nische von Art
B“ nicht zu beantworten.
 
Begriff Nischenbreite muß erst operationalisiert werden,
z. B.:
„Nischenbreite“ wird definiert als Temperaturtoleranz plus
Salztoleranz, und beide werden in bestimmter Weise gewichtet
 
 
Also:
Biodiversität z. B. als Artenzahl definieren
 
Frage wird entscheidbar:
Gesellschaft aus 30 Vogelarten ist vielfältiger
 
Aber: stimmt nicht – sie ist nur artenreicher
Begriff so definieren, daß er quantifizierbar wird:

Nur dann erlaubt,


wenn es danach im wesentlichen noch der selbe
Begriff ist
 
Sonst bezieht sich Quantifizierung auf etwas
ganz anderes als das,
was der Begriff bedeutet
 
Vielzahl nicht gleich Vielfalt
Vielfalt bezieht sich auf sich ent-faltende
Einheit, d. h.
Auf qualitativen Differenzierungsprozeß
 
Wenn Vielfalt für Vielzahl unabhängiger oder
mechanisch verbundener Dinge benutzt:
falscher Begriffsgebrauch

Man belegt vollkommen anderen Sachverhalt mit


gleichem Wort
 
Biodiversität (und Vielfalt überhaupt)
läßt sich nicht auf Basis von Messungen
hinsichtlich ihrer Größe vergleichen
Artenzahl, Zahl der Gene und Zahl der
Ökosysteme ergeben nicht in ihrer Summe
die Biodiversität

Dazu müßte
(1) noch unendlich viel hinzukommen
(2) wäre bestimmte Qualität („Entfaltung“)
erforderlich
 
Sondern allenfalls:
jedes von ihnen (und alle zusammen, und
unendlich viel mehr) „drückt“ die
Biodiversität „aus“
„Artenzahl (Zahl der Gene, der Ökosysteme usw.)ist
Ausdruck der Biodiversität“

Was impliziert diese (übliche) Redeweise?

 
These: Was „Ausdruck“ heißt, läßt sich
grundsätzlich nicht benutzen,
um zu messen, wie groß das ist,
dessen Ausdruck es ist
 

Analogie:

Schreien ist Ausdruck von Schmerz

Wir können aber nie wissen, ob Lautstärke des Schreies


dem gefühlten Schmerz entspricht
(obwohl wir dieses Verhältnis praktisch verwenden)
Falsch: „Artenzahl ist Maß für Biodiversität“
 

Richtige Verwendung von „Maß“:


„Biomasse-Zuwachs ist Maß für CO2-Verbrauch“;
denn auch dieser ist meßbare Größe und beide
sind korreliert
 

Wenn etwas das Maß von etwas sein soll, von dem
es Ausdruck ist,
dann benutzt man Begriff Maß falsch
 
Begriffe,
mit denen wir etwas bezeichnen,
was sich ausdrücken kann:

Sie sind nicht durch das meßbar,


worin sie sich ausdrücken,
 
auch wenn sie dadurch „erfahren“ werden
können
 

Beispiel:
Ausdruck innerer Zustände durch
Wie kann „Biodiversität“
in Naturwissenschaften gebraucht werden?
 
heuristische Funktion:

lenkt Aufmerksamkeit auf relevante Phänomene


 („Biodiversität“ ist lebensweltlich relevant)

Aber:

um diese Phänomene naturwissenschaftlich


bearbeiten zu können,
muß man transformieren: Vielfalt Vielzahl
In Ökologie übliche Verfahren zur Messung von
„Diversität“ beziehen sich alle auf
Vielzahl, nicht auf Vielfalt
 
Man muß Klassen von Elementen bilden,
die bezüglich bestimmter Eigenschaft gleich
 
Elemente und Klassen kann man dann zählen
Die Zahl nennt man üblicherweise „Diversität“
(der Lebensgemeinschaft, des Raumes ...)
Damit natürlich nicht die Vielfalt (Diversität)
erfaßt

Schon deshalb nicht, weil immer willkürliche


Festlegungen:
Was fasse ich als gleich auf,
so daß ich es zählen kann?

Wie behandle ich die unterschiedlichen


„Abstände“ zwischen den Klassen Gleicher?
ist z. B. Distanz zwischen zwei Vogelarten genau so
zu gewichten wie die zwischen einer Vogel- und einer
Pflanzenart und einem Bakterium?
Zusammenfassung
 
Man kann nicht objektiv angeben,
wie hoch „die Biodiversität“ ist:
 
läßt sich durch geeignete Definition beliebig
erhöhen oder erniedrigen
 
Heutiger Rückgang der Biodiversität läßt sich
durch geeignete Definition in Erhöhung
verwandeln
 
Tatsächlich untersucht man in der Ökologie
nicht die Biodiversität,
sondern bestimmte meßbare / zählbare
Parameter,
„Diversität“ in Ökologie:
 
Nicht reine Artenzahl, sondern auch
„Bedeutung“ der Elemente der Einheit
(= der Fläche, deren Arten interessieren, der
Gesellschaft)
 
= Versuch der naturwissenschaftlichen Formulierung von
„Vielfalt“ oder „Mannigfaltigkeit“
 
Bei gleicher Artenzahl:
-Die meisten Individuen gehören einer Art an,
einige verteilen sich auf mehrere Arten:
Vielfalt gering, „eintönig“
- Jedes Individuum gehört anderer Art an:
Vielfalt hoch
Shannon-Weaver-Gleichung:
 
s
HS = -  . ni . ln . ni
i=1 N N
 
n = Bedeutungswert des Elements, im allgemeinen
Individuenzahl
einer Art
N = Gesamtheit der Bedeutungswerte, im allgemeinen
Gesamt-Individuenzahl der Gesellschaft
S = Zahl der Elemente, im allgemeinen Artenzahl
 
H: bei gleicher Artenzahl am höchsten, wenn alle Arten gleiche
Individuenzahl
 

Äquität (evenness, E): Gleichmäßigkeitskomponente


E = HS
Shannon-Weaver/Wiener-Gleichung

 
Shannon: Informationstheoretiker

Wiener: Kybernetiker
 

Gleichung aus Informationstheorie


 

 
Was bedeutet hier „Information“?
Wenn alle Individuen einer einzigen Art angehören:
Diversität am geringsten
= geringster „Informationsgehalt“
 
d. h. Wahrscheinlichkeit am geringsten, bestimmtes
Individuum zu treffen, wenn man nur die Artzugehörigkeit
kennt und eines herausgreift
 

Wenn jedes einer anderen Art zugehört und man nur die
Artzugehörigkeit kennt, ist Wahrscheinlichkeit am größten,
bestimmtes Individuum zu treffen: 100 %
 
In diesem Sinne ist Informationsgehalt bei geringster
Diversität am geringsten
Informationsgehalt mit umgekehrtem Vorzeichen:
Entropie
 
 
Entropie zugleich: Maß für Gleichverteilung der
Energie
Keine Energie mehr zur Leistung von Arbeit
D. h. geringste Diversität = geringste verfügbare
Energie

Entropie zugleich: Maß für Unordnung


D. h. geringste Diversität nicht nur geringster
Informationsgehalt, sondern auch größte Unordnung

 
Auch andere informationstheoretische Maße (bit,
byte)
  Diversität „ist“
- Maß für Mannigfaltigkeit/Eintönigkeit Ästhetik
- Maß für bestimmte Vielzahl
- Maß für Informationsgehalt
-Informationstheorie ist allgemeine Systemtheorie, d. h.
anwendbar auf
alles: Maschinen, Nervensysteme, Gedichte ....
- Maß für Ordnung
- Physikalisches (thermodynamisches) Maß: Energie

 
Hoffnung, Diversitäts-Steigerung eines Ökosystems als
Steigerung des Informationsgehaltes, Entfernung von
Unordnung (Entropie ...) interpretieren zu können
 
Erklärt Karriere der Formel in Ökologie
Hoffnungen scheinen sich nicht erfüllt zu haben

Ursache vielleicht:

Informationstheorie rein formal


Befaßt sich nicht mit Inhalt der Information
Kommt aus Technik,
Fragen wie: wie viel „Information“ kann man durch bestimmte
Leitung schicken
 

„Information“ hier nichts Semantisches


d. h. ob über etwas informiert wird
 
Datei mit 100.000 bytes enthält in semantischen Sinn
nicht mehr Information als Datei mit 10.000 bytes
 
Informationsbegriff der Informationstheorie rein
quantitativ,
erlaubt nicht, zwischen seltenen Wahrheiten und seltenem
Unsinn zu unterscheiden
d. h. wenn hochdiverses Ökosystem hohen
Informationsgehalt hat, bedeutet das nicht, daß es über
etwas informiert ist

 
Biologische Bedeutung dessen,