Sie sind auf Seite 1von 18

Populationsgrößen dürfen nicht unter MVP sinken

Darunter würde Population sehr wahrscheinlich


verschwinden,
auch wenn der Faktor, der sie auf den niedrigen Wert
gebracht hat, nicht mehr wirkt

Grundsätzlich zwei Möglichkeiten, dies zu


verhindern:
r- und K-Strategie
(teleologische Redeweise)
(bionomische Strategien, Abundanzstrategien)

Habitate zwei Typen zuzuordnen:

r- selektierende und K-selektierende


Erste Möglichkeiten, den Risiken sehr geringer
Populationsdichte zu entgehen:
r-Strategie

Wenn Umweltbedingungen günstig:

r-Strategen erzeugen rasch große Zahl von


Nachkommen

à Populationen können relativ gefahrlos auf eine niedrige


Dichte sinken:
r-Strategen:
Energie muss darauf konzentriert werden, zahlreiche
Nachkommen zu produzieren (hohe Wachstumsrate r)
àkeine Energie für Zusatzfunktionen
z. B. für Schutzeinrichtungen vor Feinden, für lange Zeit
zwischen zwei reproduktiven Phasen (z. B. Vorratshaltung)

Im Extremfall ständig fortpflanzungsbereit

Wenn die Nachkommen zahlreich sein müssen,


kann jeder Einzelne von ihnen bei der Geburt nur klein sein
Da er rasch zum reproduktiven Zustand heranwachsen muss,
muss er auch relativ klein bleiben
Abb. 19: Beziehung
zwischen Zuwachsrate
und Generationszeit für
zahlreiche Organismen
mit den Diagonalen für
die R0-Werte von 2 bis
105. Nach Heron 1972
aus Southwood 1980,
verändert.
K-Strategie: Die Populationsgröße sinkt nicht auf
riskante Werte

Kann auf verschiedene Weisen geschehen:

Organismen sehr widerstandsfähig in dem Sinne, dass


zeitweise ungünstige Umweltfaktoren ihnen wenig anhaben
können

leben unter ständig günstigen Umweltverhältnissen

lebenunter vorhersagbar schwankenden


àfür K-Strategen nicht nötig, viele Nachkommen zu
haben

Nur so viele, wie erforderlich, um die wegen ihrer


Widerstandsfähigkeit oder der Umweltgunst
geringen Verluste auszugleichen

Idealfall: Geburtenrate ständig gleich der


Sterberate = Umweltkapazität K

Man spricht auch von Anpassungs-Strategie


Begriff Anpassung dabei allerdings nur auf die
Individuen bezogen:
Populationen der r-Strategen müssen nicht
weniger gut an ihre Umwelt angepasst sein, nur
ihre Individuen gehen rasch in großer Zahl
Eigenschaften von K-Strategen:

Hoher Aufwand für Anlegen von Energiereserven für


vorhersehbar ungünstige Zeiten

- In dauernd günstiger Umwelt verlangt K-Strategie hohe


Konkurrenzkraft:
Artgenossen und auch Angehörige anderer Arten finden
hier günstige Bedingungen Konkurrenz

Konkurrenzkraft wird im Allgemeinen (nicht immer) durch


Körpergröße begünstigt

Schutzeinrichtungen gegen Feinde (Panzer, Geschmack)


und
ungünstige Umweltfaktoren (z. B. Fell)

Schutz für Junge: Brutpflege


Langes Leben für K-Strategen sinnvoll:
nicht-reproduktive Phasen, nutzlos für die r-
Strategen,
Können aktiv überdauert werden

Nutzbar z. B. für weitere Größenzunahme,


Verbesserung von Widerstandsmechanismen

K-Strategen also im Allgemeinen große, gut


angepaßte, langlebige Organismen mit
Daß r-Strategen ihre Jungen in großer Zahl „opfern“, dagegen
K-Strategen langlebig: missverständlich

Sterblichkeit bei r-Strategen entsprechend den unregelmäßig


schwankenden Umweltbedingungen sehr variabel:
also manchmal niedrig, und meist bei Jungen niedrig:
Populationswachstum setzt im Allgemeinen unter günstigen
Umständen ein

Individuen erreichen relativ oft Erwachsenenalter,


denn:
Solange ihr kurzes Leben dauert, bleibt Umwelt (oft) günstig
Bei K-Strategen stirbt dagegen hoher Anteil der
Jungen
Nur Mortalität der Erwachsenen ist gering

Denn auch bei K-Strategen übersteigt Zahl der


Nachkommen weit die der Eltern

Nur kleiner Teil kann überleben


Populationen der K-Strategen definitionsgemäß immer
in der Nähe der Umwelt-Tragfähigkeit,
d. h. Ressourcen werden bereits relativ vollständig von
den älteren (konkurrenzstärkeren) Generationen
benötigt

Das heißt: Populationswachstum beginnt bereits in der


Nähe der Tragfähigkeitsgrenze
Diese wäre aber weit überschritten, wenn ein großer
r-Strategie ist älter
Dementsprechend bei niederen Tieren häufiger

Erfordert keine speziellen Anpassungen


z. B. durch besondere Eigenschaften, welche
Widerstandsfähigkeit erhöhen
Einfacher, Natalität in Evolution zu steigern,
als spezielle Anpassungen zu entwickeln
Denn Natalität zu steigern bedeutet, lediglich mehr von
dem zu erzeugen, was man bereits erzeugen kann
Spezielle Anpassungen dagegen erfordern lange
Prozesse des Ineinanderspiels von Mutation,
Rekombination, genetischer Drift und Selektion

Solange solche speziellen Anpassungen nicht in der


Evolution entstanden sind,
besteht der einzige Weg darin, Nachkommen zu
„vergeuden“
K-Strategen (als Individuen) definitionsgemäß besser an
Umwelt angepasst als r-Strategen
Frage: warum gibt es überhaupt noch r-Strategen?

Antwort:
K-Strategie unter Selektionsbedingungen eines
bestimmten Typs von Habitaten entstanden
In anderen Habitaten ist bessere Anpassung der K-Strategen
nutzlos

K-Strategen auf konstante oder doch vorhersagbar


wechselnde Umweltfaktoren eingestellt: diese nicht überall
vorhanden

Wiese: Abfolge ganz bestimmter Blühaspekte


Verfügbarkeit von Ressourcen recht gut prognostizierbar
Kiesbank in Fluss: sehr ungewiss, in fünf Jahren
Wo Umweltbedingungen nicht entweder konstant
sind oder sich vorhersehbar ändern, ist die K-
Strategie nutzlos

Auch K-Strategen haben Methoden, zeitweiliger Ungunst


der Umweltbedingungen zu begegnen (Anlegen von
Reserven)
Aber wenn nicht sicher genug vorhersehbar, dass zu
bestimmter Zeit Nahrungsmangel, bedeutet Anlegen von
Reserven Vergeudung

Bessere Strategie: allein während der günstigen Zeiten


aktiv zu sein
kann unter vorhersehbar ungünstigen
Umweltbedingungen auch im Rahmen der K-Strategie
geschehen (z. B. Winterschlaf)

Wenn Störungen zu stark / zu unregelmäßig, hilft


das nicht mehr
Wenn geeignete Habitate an anderem Ort wieder
entstehen
( ephemere Habitate): einziger Weg ist Emigration

Solche Situationen häufig als den typischen Fall von r-


Selektion dargestellt

Gründe:

(6) Vor Emigration hohe Produktion von (mobilen)


Nachkommen erforderlich,
denn neue Habitate meist nur von einem kleinen Teil
von ihnen erreicht

(2) In neuen ephemeren Habitaten anfangs oft Ressourcen


Fähigkeit zur Emigration an sich ist allerdings
nicht hinreichendes Merkmal von r-Strategen:

Auch die wenigen Nachkommen großer Tiere (K-


Strategen) verlassen in der Regel ungünstig gewordene
Habitate:
Konkurrenz der Eltern und Geschwister
Diesen Ort verlassen zu können, ist bei ihnen eine
Komponente guter individueller Anpassung
(oft verbunden mit Explorationsfähigkeit)

„Fugitiv“ zu sein also nicht immer zur r-Strategie zu


r-K-Begriffe im biogeographischen Zusammenhang
entwickelt

Organismen mit bestimmten Eigenschaften eher in der Lage,


Erstbesiedler von Inseln zu sein,
andere eher geeignet, sich auf dicht bevölkerten Inseln zu
halten
(MacArthur & Wilson)

70er Jahre: diese Theorien beherrschten das Denken der


Ökologen um Fragen des Verhältnisses von Lebenszyklen und
Populationsregulation
80er Jahre: Theorien galten als veraltet

Folge der Kritik weniger, dass man den Begriff nun nicht
Wichtigste Kritik an schematischer Verwendung der Begriffe r-
und K-Strategie:
Die als typisch für sie betrachteten Eigenschaften
müssen nicht immer die Ursachen haben, die von der
Theorie nahegelegt werden

z. B. Körpergröße:
Die meisten der kleinen und damit relativ schutzlosen
Organismen sind r-Strategen
Jedoch ist Größe nur sekundäres Merkmal
Entscheidend: auf hohen Zuwachs in kurzer Zeit zu setzen

Geringe Körpergröße selbst kann dem Schutz (durch


Verstecken) und nicht der raschen Vermehrung dienen

Schutz = K-Merkmal

Lediglich im Großen und Ganzen sind K-Strategen größer


Nicht zulässig, von einer Art zu behaupten: sie ist ein r-
Stratege
Sondern hinzufügen, im Verhältnis zu welchen anderen
Arten sie das ist

Viele Arten nicht ohne Weiteres einem der beiden


Strategietypen zuweisen,
weil sie in ihrem Lebensverlauf oder in der Abfolge ihrer
Generationen wechseln
K-Strategen können zur r-Strategie übergehen, um mit
einem Dichterückgang fertig zu werden
Beispiele:
- Nachbrüten
Blattläuse (Aphiden) in Zeit höchsten
Ressourcenangebotes
parthenogenetische Produktion zahlreicher
Nachkommen

Für modulare Organismen weniger geeignet: