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1.

Autökologie: Umweltbeziehungen des Einzelorganismus


2. Ökologie inter-organismischer Beziehungen
2.1 Populationsökologie (intraspezifische Beziehungen)
2.2 Synökologie (interspezifische Beziehungen)
 
2.1 Populationsökologie
2.1.1 Populationsbegriff
2.1.2 Struktur der Populationen
Geschlechterdifferenzierung, Altersaufbau, Individuenverteilung im
Raum
 2.1.2 Dynamik der Populationen
Abundanzschwankungen, Regulationsmechanismen (z. B. durch
Konkurrenz)
2.1.4 Metapopulationen

2.1.5 Arten
Zum Artbegriff; Entstehung, Veränderung und
Aussterben von Arten
2.6 „Populationen als Superorganismen“
2.7 Areale
ARTBEGRIFF

Einleitung
Logischer Artbegriff
Typologisch-essentialistischer Artbegriff
Typologisch-nominalistischer Artbegriff nach Darwin
Biologischer Artbegriff
Zur Logik des Biospeziesbegriffes
Einwände gegen den Biospeziesbegriff
Überlegenheit des Biospeziesbegriffs?
Viele Artbegriffe zulassen?
Biospezies objektiv, typologische Arten subjektiv?
Was wird in Biologie unter „Art“ verstanden?
 
Terminus auf Gegenstände angewandt,
die völlig verschiedenen logischen Kategorien
angehören
 
Seit Jahrzehnten Auseinandersetzung,
welcher Artbegriff der "richtige"
bzw. was Arten "wirklich" seien
 
Oder aber:
Verschiedene Artbegriffe nebeneinander?
Denn jeder von ihnen beleuchtet vielleicht andere Aspekte
eines bestimmten Phänomens:
 
Daß in Natur nicht ein Kontinuum von Formen zu
finden
sondern:
diese bilden Gruppen,
Artbegriff der klassischen Logik
  
Art ist
"Bezeichnung für einen durch eine kennzeichnende
Eigenschaft (Differentia specifica) festgelegten
Teilbereich der nächsthöheren Gattung (Genus
proximum)"
(Meyers kleines Lexikon
Philosophie).
 
Artbegriff der Logik ist relativ:
Jede Stufe ist relativ zur nächst höheren, der
Gattung, eine Art
Abb. 23: Hierarchische Kategorien des taxonomischen Systems
(Beispiel Glockenblumen).
Artbegriff der Logik:

- Arten nicht raumzeitlich begrenzt


 
- Was man jeweils eine bestimmte Art
zu nennen hat,
hängt von der Merkmalsdefinition ab
Typologisch-essentialistischer Artbegriff
 
Die Art galt als etwas "Wesenhaftes“
Aufgabe war, die "wirklichen" Arten zu finden
 
 
Die Art als Wesen ist unveränderlich, in diesem Sinne
zeitlos
 
"Wesen" kein im modernen Sinne naturwissenschaftlicher
Begriff:
Kein Naturgegenstand ist unveränderlich
 
 
Dieser Artbegriff ist typologisch
 
Eine Art ist ein Typus, durch Merkmale definiert,
Typologisch-nominalistischer Artbegriff in der
Zeit nach Darwin
 
Typen galten zunächst als unveränderlich
 
Mit Darwin aber:
Veränderlichkeit der Lebewesen in der Folge der
Generationen allgemein anerkannt
àArten galten meist als durch Konvention festgelegte
Typen

Wal hätte auch zu Fischen gezählt werden können


(Konvention), aber:
zu viele und zu wichtige Merkmale mit Säugern
Zugleich sollte jetzt die Art (und ihre systematische
Einordnung)
realen Abstammungszusammenhang widerspiegeln
 
= vollkommen anderer Artbegriff
 

 
Mit neodarwinistischer Theorie:
Begriff der biologischen Art (Biospezies) setzte sich
Im folgenden nur den biologischen Artbegriff in einer
speziellen Auffassung:

der kladistischen

Prinzip der Kladistik:

allein Abstammungsverhältnisse beachten


Kladistik (Willi Hennig 1950)
konventionell:
Nicht allein Verwandtschaft, sondern auch morphologische
Ähnlichkeit ist Klassifikationskriterium:
Krokodile, Eidechsen und Schildkröten als Reptilien
zusammengefasst, von Vögeln getrennt

Dagegen Kladistik:

Klassifikation beruht ausschließlich auf


Abstammungszusammenhang,
sollte allein Verzweigungsmuster abbilden,
ohne Rücksicht auf morphologische und andere Ähnlichkeiten

Vögel und Krokodile gehörten in eine Gruppe


(gemeinsame Abstammung: Archosaurier)

Schildkröten und Eidechsen weniger eng verwandt mit Vögeln


und Krokodilen als diese untereinander
folie
(Überblick)
ARTBEGRIFF

Einleitung
Logischer Artbegriff
Typologisch-essentialistischer Artbegriff
Typologisch-nominalistischer Artbegriff nach Darwin

Biologischer Artbegriff
Zur Logik des Biospeziesbegriffes
Einwände
Überlegenheit des Biospeziesbegriffs?
Viele Artbegriffe zulassen?
Biospezies ist objektiv, typologische Arten sind subjektiv
Bedeutet der Biospeziesbegriff einen Fortschritt?
Biologischer Artbegriff
 
- Eine biologische Art ist kein Typus, sondern eine
Population
- Arten sind durch reproduktive Isolation definiert
Damit sind sie im Zeitlängsschnitt durch Entstehung
reproduktiver Isolation definiert
Die reproduktive Isolation muß vollständig sein

 
Speziation ist Entstehung reproduktiver Isolation
das heißt:
eine Art entsteht durch Aufspaltung einer Stammart
 
Stammart "überlebt" Aufspaltung nicht
Eine Art existiert nur von Aufspaltung zu Aufspaltung
Folie, folie, (und folie Overhead!)
Abb. 25: Speziation. Aufspaltung einer Stammart A in zwei
Tochterarten B und C. Der reproduktiven Isolation geht eine äußere
(geographische oder ökologisch bedingte) Aufspaltung (Separation)
voraus. Die sich anschließend entwickelnden biologischen
Isolationsmechanismen werden allmählich wirksam, was durch die sich
nach oben verringernde Dichte des Punktrasters angedeutet ist. Solange
die Isolation nicht voll wirksam ist, stehen sich die divergierenden
Populationen als Unterarten (ssp. a1 und a2) gegenüber. t = Zeitachse.
Biospezies entstehen nicht nur durch Teilung
sondern auch durch Hybridisierung
 
Kreuzung "echter“ Pflanzenarten (Biospezies)
àlebensfähige, aber unfruchtbare Bastarde
Deren Sterilität ist der Isolationsmechanismus

Nachfolgende Verdoppelung oder Vervielfachung der


Chromosomen (Allopolyploidie) fortpflanzungsfähige
Bastarde
Unfähig zur Kreuzung mit der Elternpopulation,
doch untereinander können sie sich erfolgreich paaren

In dem Moment, wo die Hybriden entstehen, bildet sich eine


reproduktiv gegen beide Stammarten isolierte neue Population
= biologische Art
 
Abb. 26: Artbildung durch Allopolyploidie. Aus den A1 und B1
entsteht durch Bastardierung die Art C. Nach der hier vertretenden
Auffassung bestehen Arten in erster Linie in Relation zu ihren
synchronen nächsten Verwandten. Daher müssen für alle an der
Aufspaltung beteiligten Populationenfolgen die Artgrenzen im
Entstehungszeitpunkt der neuen Art liegen. A1 ist eine Art vor allem in
Relation zu B1; dieses Verhältnis wird bei Entstehen der Art C durch
eine neue zwischenartliche Beziehung ersetzt: Die Beziehung
Zur Logik des Biospeziesbegriffes
 
Artbegriff der Logik: Arten sind Klassen
  bestehen aus Elementen (Einzelorganismen),
die aufgrund bestimmter Eigenschaften der Klasse
zugehören
Eigenschaften wurden definiert
d. h. (willkürlich oder begründet) als "Merkmale"
festgelegt
Elemente sind "Mitglieder" der Klasse

Biospezies aber sind Individuen


Individuen im Sinne der Logik und der Mengenlehre:
"Elemente der Grundstufe",
die ihrerseits nicht wieder Klassen oder Mengen von
Individuen sind
Individuen bestehen aus Teilen,
nicht wie Klassen aus Elementen, von denen
jedes ein „Mitglied“ der Klasse ist
 
Einzelnes Lebewesen ist kein Element einer
biologischen Art,
sondern ein Teil derselben
So wie Organ Teil eines Organismus,
oder Blatt Teil eines Buches
und nicht Element oder "Mitglied" des
Organismus/Buches

Das Verhältnis des Einzelorganismus zur


biologischen Art entspricht nicht dem
eines Steins zur Klasse der Steine,
sondern dem eines Steins zur Mauer
Wiederholung 3. Std Ök2 08/09

Metapopulationen
Dynamik der Einzelpopulation vollständig erfaßt
durch:
Geburts-, Sterbe-, Immigrations- und Emigrationsrate
Immigranten müssen aber aus anderer Population
kommen
àBegriff Metapopulation

Metapopulation im weiteren Sinne


Lokalpopulation, Matrix
Rettungseffekt, Quelle-Senke-Situationen

Metapopulation im engeren Sinne (Levins-


Metapopulation)
(Wiederholung)

Sind Metapopulationen häufig oder selten?

Welche Konsequenzen hat Metapopulationsstruktur für genetische


Vielfalt?
Negativ: Gründereffekt, Flaschenhalseffekt
Positiv: lokale Anpassungsprozesse

Wie wirkt sich Metapopulationsstruktur auf die


Überlebensfähigkeit aus?

Modelle von unterschiedlichen „Landschaften“ von


Metapopulationen

Bedeutung Metapopulation für Naturschutz:


Nicht dauerhaft besiedlebare Flächen und unbesiedelbare, aber
durchwanderbare Flächen werden wichtig

Bedeutung Metapopulation für Ökologie:


die entscheidenden Gesetzmäßigkeiten,
die das Verständnis von Dichteentwicklung und
(Wiederholung)

ART

Artbegriff

Artbegriff der Logik


Typologisch-essentialistischer Artbegriff
Typologisch-nominalistischer Artbegriff im Gefolge von
Darwin
Biologischer Artbegriff [Kladistik]

Zur Logik des Biospeziesbegriffes


Arten der Logik sind Klassen, bestehen aus
Elementen
Biospezies sind Individuen, bestehen aus Teilen

Verhältnis des Einzelorganismus zur biologischen


Art entspricht nicht dem eines Steins zur Klasse der
Ein bestimmtes Individuen (z. B. eine
Biospezies) ist nicht durch Festlegung der
Merkmale definierbar
 
Merkmal dient hier dem Erkennen des Individuums (der
Biospezies),
nicht dazu,
es als dieses Individuum zu definieren
 
Nicht Merkmale werden festgelegt,
sondern Grenzen gefunden

(Bei Beschreibung/Entdeckung der einzelnen Biospezies!


bei Festlegung dessen, was Begriff Biospezies bedeutet,
wird Merkmal „Reproduktiongrenze“ zur Definition
benutzt)

 
Einzelne Biospezies ist abgegrenzt,
kann nicht, wie eine Art der Logik, abgegrenzt (definiert)
Merkmalsgleichheit allenfalls (!) Indiz
für die Zugehörigkeit zur gleichen Art,
nicht Kriterium

Eigenschaften der Teile einer


biologischen Art
(= der individuellen Organismen)

können verschieden sein oder auch

gleich
Jede („vollständige“) biologische Art ist raumzeitlich
und funktional
(d. h. bzgl. der Reproduktionsmöglichkeiten)
begrenzt

 
Unerheblich, ob innerhalb dieser Grenzen die Merkmale
sich stark, wenig oder gar nicht ändern
Die Biospezies ist wandelbar, muß sich aber nicht
wandeln
 
Unerheblich, ob Unterschiede zu anderen Arten und
innerhalb der Art bestehen oder nicht
Haushunde –
Geschwisterarten/Zwillingsarten
 

 
Entstehung der biologischen Art ist ein plötzliches
Ereignis
Einwände gegen diesen Biospeziesbegriff
 

 
Wenn abgelehnt oder Kompromisse gefordert, dann
meist
 
-aus Praktikabilitätsgründen

z. B.: man kann nicht für jede Art


untersuchen, ob wirklich reproduktive
Isolation
 
- aus Gründen der (traditionsbedingten)
Einwand vom Typ „traditionsbedingte
Plausibilität“:

Biospeziesbegriff auf Pflanzen nicht


anwendbar

 
Viele Pflanzenarten kreuzen sich fertil,
selbst über Gattungsgrenzen hinweg
 
Damit Biospeziesbegriff aber für Pflanzen nicht
unbrauchbar, nur:
 
Die Zahl der biologischen Pflanzenarten
Einwand: Biospeziesbegriff auf uniparentale
Organismen
nicht anwendbar

Das ist richtig, aber ist es ein Einwand – und wenn: in


welchem Sinne?

Warum richtig?
Uniparentale paaren sich nicht
àBegriff der Biospezies als reproduktiv isolierte
Fortpflanzungsgemeinschaft gibt hier keinen Sinn
 
Denn:
Begriff der Artbildung durch reproduktive Isolation setzt
Biospeziesbegriff setzt also Möglichkeit
sexueller Fortpflanzung voraus

Nur dann gibt es Fortpflanzungsgemeinschaft,


und es hat Sinn zu sagen,
daß sich diese in voneinander isolierte
Gemeinschaften trennt
 
Sexualität ist kein ursprüngliches Phänomen
 
àFür Zeit vor ihrer Entstehung istBegriff der
Biospezies nicht anwendbar
(in dem Sinn: es gibt keine Biospezies; „leere Klasse“)
 
 
In dem Moment,
in dem erste reproduktiv isolierte Gruppe untereinander
paarungsfähiger Individuen entstanden,
und
alle anderen Organismen nach wie vor uniparental:
 
Von diesem Moment an Benutzung des
Biospeziesbegriffs sinnvoll,
weil es von diesem Moment an ein Objekt gibt,
auf das er angewandt werden kann
 
„Biospeziesbegriff auf uniparentale Organismen
nicht anwendbar“
als Einwand gegen Biospezies-Begriff gedacht,

Beruht auf Mißverständnis der Bedeutung des


Biospezies-Begriffs

Biospeziesbegriff sei schlechter, weil nicht auf alle


Lebewesen anwendbar

Aber:
Artbegriff der Logik ist allgemeines Ordnungsprinzip :
Biospeziesbegriff dagegen ist kein anderes (besseres
oder schlechteres Ordnungsprinzip,
sondern gar kein Ordnungsprinzip

Statt dessen ein Begriff, der bestimmte Phänomene


bezeichnet:
Individuelle Dinge: Systeme, die nur von manchen
Organismen durch eine bestimmte Art von Interaktionen
gebildet werden

Deshalb für Existenzberechtigung des Biospeziesbegriffs


belanglos,
ob es Organismen gibt,
die keiner Biospezies zugehören
Es wäre nicht einmal ein Einwand,
wenn der weitaus größte Teil der Organismen keiner
Einwand:

(kladistischer) Biospeziesbegriff beachtet nicht die


Unterschiede zwischen den Arten
 

Verbreitete Auffassung:

dem Sinn des Artbegriffs unangemessen,


daß
(kladistischer) Biospeziesbegriff nicht (morphologische,
ökologische usw.)
Verschiedenheit der Individuen der Populationen
berücksichtigt
 
àwenn schon morphologischer Artbegriff problematisch, weil
Willkür:

statt der Fortpflanzungsisolation


Existenz unterschiedlicher ökologischer Nischen als
zusätzliches Kriterium
(damit hätte man Auswahlkriterium der Merkmale)

 
Aber: ökologische Einnischung ergibt keinerlei
Kriterium für Zugehörigkeit zur gleichen Biospezies
(sondern ergibt z. B. „functional types“)

Nicht zusätzlich zur reproduktiven Isolation


anwendbar
Einwand: Biospezies hat keine
zeitliche Dimension
 
Vorherrschende Meinung:
 
Biospeziesbegriff wird in einem
wesentlichen Aspekt anerkannt:
 
Arten sind reproduktiv isolierte
Fortpflanzungsgemeinschaften
 
 
Aber: anwendbar nur im Zeitquerschnitt
Zwei Hauptargumente:
 
1) "Peters (1970: 29, Anm. L.T.) fragt,
ob die Art Haussperling aufhört zu existieren,
wenn eingeschleppte Haussperlinge auf einer entlegenen
Insel gegenüber anderen Populationen
Fortpflanzungsisolation erworben hätten.
Die Bejahung dieser Frage hält Peters für abwegig, und
wer möchte ihm da nicht folgen:
Es haben sich doch wegen einiger weniger
Inselsperlinge 'unsere' Haussperlinge nicht zu einer
anderen Art verwandelt" (Willmann, S. 170)
 
2) Zwischen Eltern und Kindern keine Isolation,
Fortpflanzungsgemeinschaft.
Aber zeitlich weit entfernte Glieder in
Abstammungslinie wären reproduktiv isoliert, wenn sie
zusammengebracht würden
Zu ersten Einwand:
 
Etwas ist eine Art im Verhältnis zur gleichzeitigen
nächstverwandten reproduktiv isolierten Population
 
Diese ist nach Abspaltung der Inselsperlinge eine andere
als vorher

 
Merkmalsverschiedenheit für Biospezies kein Kriterium,
darum Biospeziesbegriff auf Sperlingsbeispiel problemlos
anzuwenden
 
àKein Problem für den (kladistischen) Biospeziesbegriff

Aber
zwingt dazu, gewohnte Formulierungen zu vermeiden:
Man muß formulieren:
"Die Stammart von Inselsperling und heutigem
Haussperling ist in ihren Merkmalen nicht vom
Sätze wie:

"alle plazentalen Säuger stammen von Insektenfressern


ab" und:
"die Insektenfresser existieren heute noch“
nicht korrekt

 
Sondern:

Die heutigen plazentalen Säuger, darunter die


heutigen Insektenfresser, stammen von einer Art
ab,
die mit den heutigen Insektenfressern hohe
Merkmalsübereinstimmungzeigte
 
Stammart ist aber mit heutigen Insektenfressern
nicht näher verwandt als mit Menschen
Zum zweiten Einwand:

 
Zwar können sich Eltern und Nachkommen paaren
Aber:
nur möglich, weil bzw. wenn sie gleichzeitig leben
 

Begriff Fortpflanzungsgemeinschaft und damit


Fortpflanzungsisolation hat nur für gleichzeitig lebende
Populationen Sinn

Wichtige Konsequenz:
 
Strikt unterscheiden zwischen
Artveränderung und Artentstehung
 
Artveränderung geschieht innerhalb einer Art
Abb. 24: Artabwandlung: Transformation der Merkmale in einer Linie
(= Art) in der Zeit (t). Aufgrund der Merkmale ist nur eine willkürliche
Gliederung in verschiedene Chrono-Subspezies (zeitlich folgende
Unterarten) möglich. Artbildung: Zeitliche Begrenzung der Art C von
der Aufspaltung der Art A bis zur Auflösung durch Spaltung in die
Tochterarten D und E, der Art B bis zum nachkommenlosen Aussterben
und der Arten F und G bis zu ihrer Bastardierung (Fusion) und Auflösung
Einwand: Arten sind doch keine Individuen

 
Einen individuellen Organismus
würden wir als solchen erkennen durch Eigenschaften wie
räumlichen Zusammenhang der Teile untereinander:
 
Bei Biospezies natürlich nicht gegeben
 
 
Mögliche Zurückweisung:
 
Dies nicht unbedingt nötig,
vielmehr innere Integration entscheidend
(gemeinsamer Genpool) ?
(Alaska gehört zu USA, diese sind Individuum,
nicht Klasse)
 
Dagegen wiederum:
Innere Integration gibt es bei Arten nicht
Evolution beruhe auf Gegeneinander der
Einzelorganismen
Arten sind keine organischen Einheiten
 
 
Aber Missverständnis:
 
Biospezies dürfen nicht mit biologischen Individuen
(individuellen Organismen) gleichgesetzt werden
Biospezies nur logische Individuen
 
Das heißt nur :
 
Biospezies keine Klasse,
sondern "einzelnes Ding“
Von anderen Dingen durch Grenze getrennt,
nicht durch Merkmalsunterschiede
Überlegenheit des Biospeziesbegriffs?
 
Ist Begriff der biologischen Art Fortschritt?
Andere Gebrauchsweisen von „Art“ durch ihn
ersetzen?
Oder aber:
viele Artbegriffe zulassen?
 
 
These:
Biospeziesansatz ist den andern überlegen, denn
Biospezies ist objektiv, (typo-)logische
Arten sind subjektiv
 
Was heißt hier objektiv?
Für Biparentale ist Biospezies aber auch zum Zwecke der
Klassifikaktion verwendbar!

Frage: Soll man ihn dazu verwenden?


Denn:
Unpraktikabel (Feststellung der Reproduktionsgrenzen), zwingt zum
Aufgeben gewohnter Ordnungen ...

Antwort:

9) Reproduktionsgrenzen muß man nicht jedes mal feststellen, aber


sich bemühen, die Merkmale so zu wählen, daß sie
Reproduktionsgrenzen anzeigen

10)Biospezies bringt auch als Klassifikationsprinzip Vorteile


a) bildet relevanten Zusammenhang ab:
Abstammungszusammenhang
b) führt in bestimmtem Sinne zu objektiven Erkenntnissen
Nach Prinzip der Merkmalsunterschiede beliebig
viele (logische) Arten ausweisbar

Vergleiche der Artenzahlen z. B. in Kreidezeit


mit anderen Zeiten nicht möglich

„für mich sind es 1000 Arten – weil ich


bestimmte Merkmale zur Art-Definition
gewählt habe“
Statt „es sind (objektiv) 1000 Arten“

Aber wieso soll es nicht objektiv sein,


wenn man Zahl der Arten als Klassen bestimmt?
 
Merkmal "vier Kronblätter ",
(Artbegriff der Logik: Artdefinition durch
Merkmale)
gibt es ja auch objektiv
 
Es gibt in der Tat keine Objektivität,
die unabhängig wäre von Kriterien,
die das beobachtende Subjekt festlegt

 
Was kann Anspruch auf Objektivität bedeuten,
wenn es doch auch Sache der Definition ist,
was als Biospezies zu gelten hat?
Man hat ja Biospezies definiert:
durch Kriterium reproduktive Isolation
Auch wenn Biospezies Individuen sind:
Es ist doch auch von Definition abhängig,
wie viele einzelne Gebirge - logische Individuen - es auf der
Erde gibt:

Man kann Alpen als ein Individuum definieren oder aber das
Karwendelgebirge
Es ist subjektiv, welche Definition ich wähle

Unterschied: bei Biospezies wird nicht das einzelne


Individuum definiert
Biospezies (Begriff, nicht einzelne Biospezies!)
durch ein allgemeines Kriterium definiert
(reproduktive Isolation)

im Einzelfall ergibt sich


was eine Biospezies ist – die einzelne Art kann man
Dagegen:

Wenn ich einzelne Art im Sinne des Artbegriffs der


Logik bestimme,
dann ist das willkürlich (subjektiv):
ich setze Merkmale a, b, c ... einfach fest

Objektiv ist dann, welche individuellen Lebewesen


zu dieser Art gehören
(keine Wahlfreiheit)
Praktischer Vorzug:

Legt man Biospeziesbegriff zugrunde,


so hat es in der Geschichte des Lebens auf der Erde
(und in jeder Epoche)
eine genau festliegende Zahl von Arten gegeben:

von Aufspaltung zu Aufspaltung (bzw. Fusion)

XXXXXXXXXXX
Genau festliegende Artenzahl gäbe es aber auch, wenn
sich alle (willkürlich) auf ein System von Merkmalen
einigten

Was ist dann der Vorzug des Biospeziesbegriffs?


Vorzug Biospeziesbegriff bezüglich Ordnung der Lebewesen
und damit Frage nach objektiven Artenzahlen:

Biologischer Artbegriff beruht auf einer leistungsfähigen


Theorie:
Evolutionstheorie

Diese macht Aussagen über Mechanismen und Prozesse der


Bildung
der Biospezies
D. h. Aussagen über die Prozesse, in denen
morphologische Eigenschaften und ökologische Nischen,
die als Merkmale (Indikatoren) der Artzugehörigkeit
dienen,
überhaupt erst entstehen

Merkmale werden bei Biospezies so zugeordnet, wie


Evolutionstheorie es verlangt
Warum braucht man für Erklärung der Merkmalsentstehung
den Begriff der reproduktiv isolierten Einheit?

 
Indem Genfluß zu anderen Populationen unterbrochen,
entsteht
neue Einheit bzgl. der Anpassung an die Umwelt
 
Deren Genpool nicht immer wieder angeglichen an den
jener Organismen,
mit denen sie bisher eine Fortpflanzungsgemeinschaft
bildeten (Durchmischung)
 
 
Diese Einheit kann sich unabhängig in neue Richtung
entwickeln

Sie bringt neue Eigenschaften/Merkmale (und neue


Zusammenfassend:
Bedeutet der Biospeziesbegriff einen
Fortschritt?
 
 
Man bezieht sich mit ihm auf etwas völlig anderes als mit
dem Artbegriff der Logik bzw. dem typologischen
Artbegriff
 
 
In letzteren ordnet man Vielfalt eines prinzipiell
unendlich viele Einzelobjekte umfassenden
Gegenstandsbereiches
 
Dagegen Biospeziesbegriff:
Man beschreibt singuläre Objekte (Individuen)
unter bestimmten Fragen:
Welche reproduktiv voneinander isolierten
Populationen
Dennoch können beide „Artbegriffe“ nicht in jeder Hinsicht
nebeneinander bestehen
 
Denn
in gewissem Sinne streben sie doch das gleiche an:
 
Vielfalt der einzelnen Lebewesen auf eine möglichst
nicht-willkürliche und fruchtbare
Weise zu ordnen
 
So betrachtet:
Beide sind Methoden, ein gemeinsames Problem zu lösen

Hier wird Fortschritt durch Biospeziesbegriff


erkennbar
Aber: er kann Artbegriff der Logik nicht ersetzen:
nicht universell anwendbar
 
Für Biparentale aber gilt: In den typologischen und
klassifikatorischen Verfahren waren "immer schon"
die Biospezies gemeint
Gedankenexperiment:
 
Durch Technik (oder Zufall) entsteht Organismus,
der nicht mit den Organismen einer bestimmten
reproduktiv isolierten Fortpflanzungsgemeinschaft
verwandt
 
(stammt von keinem Organismus ab)
 
Kann sich aber mit den Organismen dieser
reproduktiven Einheit erfolgreich paaren
und nicht mit den Organismen irgendeiner anderen
reproduktiven Einheit
 
Reproduktive Einheit ("Art"),
die Organismen solcher Herkunft enthält,
wäre kein Individuum, sondern eine Klasse:
Jeder Organismus,
gleichgültig wann und wo er auftritt,
der das Merkmal der Paarungsfähigkeit allein mit den
"Mitgliedern" dieser reproduktiven Einheit aufweist,
wäre ihr einzuordnen
 
Solche Einheit könnte,
nach Aussterben aller derzeitigen "Mitglieder",
auch (als reproduktiv isolierte) wieder entstehen,
 
neue Ordnung der Dinge wäre entstanden,
in der etwas möglich ist, was für uns unmöglich scheint:
Verwandtschaft ohne gemeinsame Vorfahren

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