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1.

Autökologie: Umweltbeziehungen des Einzelorganismus


2. Ökologie inter-organismischer Beziehungen
2.1 Populationsökologie (intraspezifische Beziehungen)
2.2 Synökologie (interspezifische Beziehungen)
 
2.1 Populationsökologie
2.1.1 Populationsbegriff
2.1.2 Struktur der Populationen
Geschlechterdifferenzierung, Altersaufbau,
Individuenverteilung im Raum
 2.1.2 Dynamik der Populationen
Abundanzschwankungen, Regulationsmechanismen (z. B.
durch Konkurrenz)
2.1.4 Metapopulationen
2.1.5 Arten
Zum Artbegriff; Entstehung, Veränderung und Aussterben von
Arten
2.6 „Populationen als Superorganismen“
2.7 Areale
Überblick Mobilität (Phänomene des Ortswechsels)
2. Teil
warum wechseln Lebewesen überhaupt ihren Ort, was
sind die gemeinsamen Merkmale aller
Ortswechselvorgänge, wie können Fortbewegungsweisen
typisiert werden

- einige grundlegende Begriffe definieren und erläutern


-die hauptsächlichen Funktionen der Mobilität
(zugleich deren evolutionäre Ursachen)
-wichtigste Schritte in der stammesgeschichtlichen
Entwicklung der
Fortbewegungsweisen
-Prozess der Fortbewegung
-Die unmittelbaren Faktoren, die Ortswechsel auslösen,
orientieren und wieder beenden
-Unterscheidung von Typen der Fortbewegung danach,
Überblick Mobilität
2. Teil (vor allem Migrationen)

Die verschiedenen Ortsveränderungen werden


unterschieden danach, welches Verhältnis sie zum
normalen Aufenthaltsraum und zum Ziel haben
- Bewegungen innerhalb des „Heimatgebietes“
-Bewegungen, die aus diesem herausführen
(Migrationen):
- ziellose Flucht,
- Suche nach einem neuen Heimatgebiet
-Anstreben eines bereits festliegenden
Zielgebietes

Jeweils unterscheiden:
-Phänomene auf Individualebene (Fortbewegung,
In kaum einem anderen Gebiet der Ökologie ist man sich
vielleicht so uneinig über die begriffliche Ordnung wie in
dem der Mobilität

Verwendungsweisen der wichtigsten Termini unterscheiden


sich von Autor zu Autor,
meist abhängig von deren Spezialisierung
Definitionen von Migration (Wanderung)

„Einzelne Individuen verlassen Siedlungsraum oder


dringen in ihn ein“
(Schwerdtfeger)

„Periodische Wanderungen [auch ganzer Populationen],


die mit Rückkehr verbunden sind“ (Odum, ähnlich
Tischler)

„Gerichtete Bewegung einer großen Anzahl von


Individuen von einer Lokalität zur anderen“ (Begon,
Harper & Townsend)

Bewegung zwischen Fortpflanzungs- und Nicht-


Fortpflanzungsgebieten (Roshier und Reid)
Definitionen

Mobilität
Bewegung von Organismen überhaupt, worin
Veränderung der relativen Lage von Körperteilen
eingeschlossen: Motilität
Begriff der Mobilität bezieht sich sowohl auf die Fähigkeit
zum Ortswechsel (Vagilität) als auch auf seine
Realisierung

Begriff der mobilen Organismen bezeichnet


üblicherweise solche, die sich in den Lebensphasen, in denen
sie ökologisch aktiv sind,
aktiv fortbewegen können

Sessile Organismen
Definitionen

Ortswechsel kann aktiv sein (Lokomotion) oder passiv


(Transport)

Unterscheiden zwischen
-Fortbewegungsweisen (z. B. Fliegen, Laufen)
-entsprechenden Fortbewegungstypen von Organismen
(z. B. Flieger, Läufer)
-Typen raumzeitlicher Muster des Ortswechsels
(z. B. Nomadismus, Dismigration)
Begriff Ausbreitung (Dispergieren, engl. dispersal)
 
logischerweise nur auf der Ebene von Kollektiven sinnvoll
Impliziert: Individuen entfernen sich voneinander
Raum, den Kollektiv einnimmt, wird damit größer

Begriff Migration (Wanderung):


 
Ortsveränderungen, die aus normalem Raum
hinausführen
unabhängig davon, ob einzelne Individuen oder ganze
Gruppen Ort wechseln
 
Migranten entfernen sich aus Population oder
bestimmtem Raum: Emigration
Migranten dringen in einen Raum oder eine Population
ein:
(Zu Begriff Migration)

Ortswechsel findet im normalen Raum statt oder führt aus


ihm hinaus
 
Normaler Raum
- einer Population (Demotop)
- einer Art (Artareal),
- eines Individuums (Heimatgebiet, home range)
 

Biologischer Sinn der Unterscheidung normal – nicht-


normal:
 
Mit Überschreitung der Grenzen des normalen Raumes
werden Bedingungen diskontinuierlich ungünstig
 
Überblick
Mobilität (Phänomene des Ortswechsels)
1. Teil
- einige grundlegende Begriffe definieren und erläutern
-die hauptsächlichen Funktionen der Mobilität
(zugleich deren evolutionäre Ursachen)
-wichtigste Schritte in der stammesgeschichtlichen
Entwicklung der
Fortbewegungsweisen
-Prozess der Fortbewegung
-Die unmittelbaren Faktoren, die Ortswechsel auslösen,
orientieren und wieder beenden
-Unterscheidung von Typen der Fortbewegung danach,
in welchen „Medien“ sie erfolgen
Zu Funktionen der Mobilität
 

Vorbemerkung:

Alle Lebewesen müssen zu dem Ort, an dem sie sich


befinden, hingelangt sein

Umweltbedingungen ( Ökologie i. e. S.)


erklären nur Möglichkeit des Vorkommens

Ökologie (i. w. S.) muß sich auch mit (historischen)


Ortsveränderungen
befassen,
um Vorkommen von Organismen an bestimmten Orten zu
Funktionen und Evolution von Mobilität
Mobilität erfüllt bestimmte Funktionen im Leben des
Organismus 
Untersuchung dieser Funktionen:
Aufschluss über die evolutionären Ursachen der Mobilität

Funktionen sind ökologischer oder


fortpflanzungsbiologischer Art
(Letztere hier nicht Gegenstand, allerdings von großer
Bedeutung)

Ökologische Funktionen (bzw. evolutionäre Ursachen):

-Raumzeitliche Heterogenität der Umweltgunst (


Flucht, Suche)
-Intraspezifische Konkurrenz, insbesondere Eltern-
und Geschwisterkonkurrenz
Raumzeitliche Heterogenität der Umweltgunst
- Notwendigkeit von Flucht und Suche
-Viele Generationen bestehende Habitate: keine Ursache von
Abwandern

Intraspezifische Konkurrenz, insbesondere Eltern-


und Geschwisterkonkurrenz
-Semelpare: keine Elternkonkurrenz
-Scheinausnahmen z. B.: Insekten, die Eier verteilen,
wandernde Herden
-andere Möglichkeit als Mobilität: Konkurrenzkraft

Kompensation passiver Ortsveränderung


Überaus verbreitet (Wasser- und Luftströmungen)

Zwei Hauptfunktionen: Erhaltung und Wechsel der


Umwelt
Geschichte der Mobilität der Lebewesen

Älteste Form sicher passive Mobilität (Verdriftung mit Wasser)

Erste endogene Weise der Fortbewegung: aufgrund von Fließen


des Zellplasmas

Wesentlich effektiver: Geißeln, Flimmerhaare (Cilien)

Dieser Schritt ist nur einmal erfolgt

Dies war Stand der Evolution vor der Entstehung der


Mehrzeller und vermutlich auch noch lange Zeit danach
Aktive Bewegung nur über extrem kurze Distanzen möglich
Chaos
diffluens
Entstehung der Mehrzeller: völlig neue Phase
eingeleitet

Verbunden mit Entstehung der beiden


Hauptgruppen von Lebewesen:

Pflanzen und Tiere

Ausschlaggebend bei Unterteilung in Tiere und


Pflanzen vor allem
Art der Bewegung
Pflanzen bauten passive Art der Fortbewegung aus
Aktiver Fortbewegung nur
in bestimmten Phasen: Spermien

Mobilität, gemessen als insgesamt zurückgelegte Strecke,


bei „sessilen“ Lebewesen nicht geringer als bei den
mobilen Tieren (Sporen!)

Organismen vom Mobilitätstyp Pflanze ersparen sich


weitgehend den Energieaufwand für die Ortsveränderung:
Nutzung von Fremdenergie

Preis: hohes Risiko, an ungeeignetem Ort anzukommen


Für Tiere typische Fortbewegungsart entstand auf
Umweg über sessile Lebensweise:
Muskelfasern hatten zunächst Funktion, Tentakel zu
bewegen

nicht aus amöboider oder Cilien-Fortbewegung


(Geißel-“Tierchen“) entwickelt

Mobilitätstyp Tier:
Hauptcharakteristikum: Prinzip der Individuation ( unitare
Organismen) auf Mehrzellerebene
Unitarer Aufbau: Voraussetzung für Beweglichkeit mittels
Muskelfasern
Modularer Bautyp (Pflanzen, viele sessile Tiere) erlaubt
keine aktive Ortsveränderung (in vegetativer/adulter
Phase)
Tiere haben eine Reihe von biomechanischen
Typen der aktiven Fortbewegung entwickelt

Die Grundtypen entsprechen den Medien, in oder


auf denen sich die Tiere bewegen
Dabei ähnliche Strukturen in vielfacher Weise
konvergent entstanden

Große Entfernungen überwanden auch


mehrzellige und zu aktiver Fortbewegung fähige
Tiere lange ausschließlich passiv

Auch heute noch bei der Mehrzahl der Arten


Der Prozess der Fortbewegung

Jede Fortbewegung hat folgende Komponenten:

-Energie muss verfügbar sein


-es muss einen Auslöser der Ortsveränderung
geben
- diese hat eine Richtung und erfolgt mit
bestimmter
Geschwindigkeit
-sie endet, wenn eine bestimmte Entfernung
Energie

Passive Fortbewegung ursprünglicher und „primitiver“


Dennoch vermutlich auch heute noch wichtiger
(gemessen an zurückgelegten Strecken; gilt nur für die
weiteren Ortsveränderungen)

Gerade besonders auffällige Leistungen beziehen größten Teil


ihrer Energie von Luft- und Meeresströmungen

Beispiele:
- Wanderheuschrecken,
- ununterbrochene Flüge der Albatrosse um die Erde,
- Züge der Aale von der Sargasso-See in europäische
Bäche und zurück,
- Weißstörche (Segelflieger) zwischen Europa und dem
südlichen Afrika
Energie für die aktive Fortbewegung durch Verbrennung
von Stoffen

Kann in der Regel nicht während der Ortsveränderung


aufgenommen werden
(Ausnahmen mobile planktonfressende Wasserbewohner,
wenige Vögel)

i. a. setzt aktive Fortbewegung Phasen von (relativer)


Immobilität
voraus

Sehr weite Wanderungen:


Auslöser
Fortbewegung kann grundsätzlich auf drei verschiedene
Weisen ausgelöst werden:
(1) durch eben die Umweltfaktoren, denen zu entgehen
oder die zu erreichen die Funktion der Ortsveränderung ist
(2) durch Indikatoren dieser Umweltfaktoren
(3) rein endogen

Beispiel für (1): Wettervögel (Bussard)


Beispiel für (2): Instinktvögel (Mauersegler)
Beispiel für (3): Viele lebenszyklische Zustandsänderungen
Deren Eintreten zwar i. a. mit bestimmten
Umweltzuständen verbunden (meist saisonalen),
aber weder direkt noch über Signale von ihnen ausgelöst
Auf Orientierung wird unten anhand
verschiedener Beispiele näher
eingegangen,
vor allem am Beispiel der Zugvögel
Unterschied bezüglich Ziel:
 
-In irgendeine Region mit geeigneten
Umweltbedingungen
 
- Wiederfinden bestimmter
geographischer Orte
 
Bestimmung des Endpunkts der
Fortbewegung
 
1. Beendigung, wo zufällige Ankunft
Meist: Energie aufgebraucht
Energie des Transport-Agens oder Eigenenergie
(z. B. Ende der Flucht bei Erschöpfung)
 
2. Anpassung von Richtung und Fortbewegungs-
Energie an
feststehende Ziele
Z. B. Nutzung bestimmter Winde und Wasserströmungen,
von verbreitenden Tieren (phoretische Assoziationen),
Speicherung/Mobilisierung bestimmter Energiemengen
 
3. Beendigung, wenn Organismus auf günstige
Situation trifft
Z. B. Ende der Flucht, wenn keine Gefahr mehr;
Ressource gefunden
Auslassen:
- Geschwindigkeit
- Entfernung
- Biomechanische Typen der
Fortbewegung
- Bewegung mit Vektoren
- Ortsveränderung im
Heimatgebiet

Jetzt: Migrationen

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