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Fachhochschule Frankfurt am Main

Technik des
wissenschaftlichen
Arbeitens

3. Modul: Grundlagen der


Wirtschaftswissenschaften
Das Problem der Induktion

Die Wissenschaft akzeptiert eine Theorie oder ein Naturgesetz immer


nur vorläufig.
Neue Erkenntnisse können uns veranlassen eine Theorie zu
verwerfen oder aufzugeben.

 Solange eine Theorie die schwerste Prüfung besteht, die wir uns
ausdenken, wird sie akzeptiert; wenn nicht, wird sie verworfen.
 Aber: nur die „Falschheit“ einer Theorie kann aus empirischen
Tatsachen abgeleitet werden.
 Es ist nicht möglich eine Theorie aus Beobachtungssätzen abzuleiten.

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Das Problem der Induktion

Beim induktiven Schließen wird aus der Beobachtung von Sachverhalten


(zB gegenwärtige) auf nicht beobachtbare Sachverhalte (zB zukünftige)
geschlossen.

Induktive Schlüsse setzen voraus, dass die Zukunft aus der


Vergangenheit abgeleitet werden kann.

zB: Ich habe bisher nur weiße Schwäne gesehen.


 alle Schwäne sind weiß.

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Das Problem der Induktion

Jede menschliche Erkenntnis ist grundsätzlich nur vorläufiges


Vermutungswissen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind hypothetisch.

Theorien sind allenfalls „verblüffend gute Annäherungen“ an die Wahrheit.

Menschliches Wissen besitzt keine „End-Gültigkeit“.

 Es entsteht durch die Methode des Versuchs und der


Fehlerausmerzung.

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Das Problem der Induktion

Unsere Vermutungen sind „Versuchsballons“ und wir prüfen sie indem wie
sie
- kritisieren
- oder mit einer besseren Theorie zu ersetzen versuchen.

Die Wissenschaft funktioniert nach der Methode des Versuchs und der
Fehlerausmerzung.

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Das Problem der Induktion

Kübeltheorie vs. Scheinwerfertheorie des menschlichen Geistes:

Frage wie gelangen wir zu Erkenntnissen über die Welt?

Antwort des Induktivismus: Indem wir unsere Augen und Ohren öffnen.

 Unsere Sinne sind die wichtigsten, wenn nicht gar einzigen, Quellen
unserer Erkenntnis.

R. Popper nennt sie die Kübeltheorie des Geistes da sie durch folgende
Zeichnung zusammengefasst werden kann.
 Unser Geist gleicht einem Behälter mit Öffnungen – gleich einem
Kübel- in dem wir das Wissen ansammeln.
 Die Wahr“nehmung“ ist sozusagen der Rohstoff unserer Erkenntnis.
Die Sinneswarhnehmungen werden im Kübel sozusagen „verdaut“.

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Das Problem der Induktion

Grundsätzlich ist diese Ansicht „verführerisch“, da sie sehr einfach ist:

Alle Erkenntnis ist das Resultat vergangener Beobachtungen.

zB die Sonne geht morgen auf,


Alle Menschen müssen sterben,
Brot nährt usw.

Aber: Keine noch so große Zahl beobachtbarer Fälle hat für unbeobachtete
irgend ein Belang. Egal wie hoch die Anzahl der Wiederholungen bzw.
beobachteten Fälle ist.
 Erfahrungswissen rechtfertigt nicht zu Schlüssen und Vorhersagen.
(Weder mit Gewissheit noch mit Wahrscheinlichkeit).

Stimmen die alten Erklärungen nicht kommt es zu einer „Krise!“

Es scheint einen Wunsch nach Stabilität zu geben.

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Erkenntnisobjekt der BWL

Es ist nicht möglich von einem Einzelfall auf die Wahrheit eines Gesetzes/Theorie zu
schließen.

Aber es ist möglich von der Existenz eines Gegenbeispiels auf die Falschheit einer Theorie
zu schließen.

 Die Theorie: „Alle Schwäne sind weiß“ kann durch die Beobachtung eines nicht weißen
Schwans widerlegt werden.

 Die Logik zwingt uns, selbst die erfolgreichste Theorie im gleichen Moment
aufzugeben, wenn wir ein einziges Gegenargument akzeptieren.
 Ein Gegenbeispiel kann ein Gesetz widerlegen.

 Durch diese Widerlegung nähert sich die Wissenschaft an die Wahrheit an. Aber
jede Erkenntnis bleibt immer nur Vermutungswissen!
(Die Neugier muss größer sein als die Enttäuschung über die Unvollkommenheit des Bemühens)

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Erkenntnisobjekt der BWL

In der Wissenschaft spielt nicht sosehr die Wahrnehmung, als die Beobachtung eine
große Rolle.

Eine Beobachtung ist ein äußerst aktiver Vorgang. Sie wird planmäßig vorbereitet.
Wir haben sie nicht
 wir mach die Beobachtung

Der Beobachtung geht eine Interesse, eine Frage oder ein Problem voraus. Besser:
Eine Hypothese.

Jede Frage kann in Form einer Hypothese formuliert werden mit dem Zusatz: „Ist
es so? Ja/Nein“
 Jeder Beobachtung geht etwas Hypothetisches voraus.
 Beobachtungen sind immer selektiv.

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Erkenntnisobjekt der BWL
Aus Hypothesen werden Erwartungen formuliert.
Erwartungen kann man auch als Reaktionsbereitschaft beschreiben, als Vorbereitung einer
Reaktion.

Der Lernvorgang besteht zum größten Teil aus der Korrektur bzw. der Eliminierung von
(enttäuschten) Erwartungen.

Häufig werden wir uns der impliziten Erwartungen erst dann bewusst, wenn sie enttäuscht
wurden.

zB Wenn man auf dem Gehweg stolpert, ist man implizit davon ausgegangen, dass er eben
ist. Diese Erwartung wurde enttäuscht.

Beobachtung setzt immer eine Erwartung voraus!

 Die Beobachtungen können in Form einer Frage gefasst werden und die
Beobachtung wird benützt, die Erwartung zu bestätigen oder zu korrigieren.

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Erkenntnisobjekt der BWL

Popper bezeichnet diese Überlegung als „Scheinwerfertheorie“ des


menschlichen Geistes.
- Beobachtungen werden zu Fällen, an denen Hypothesen (kritisch)
geprüft werden.
- Wenn sie die Prüfung nicht bestehen, wenn sie falsifiziert sind, müssen
wir uns nach neuen Hypothesen umsehen.

 Der Gang der Wissenschaft besteht im: Probieren, Irrtum und


Weiterprobieren.

 Wissenschaft ist einen unendlichen Prozess! Angetrieben wird er


durch die kritische Methode.

Kritik öffnet den Weg zu neuen Entdeckungen: Die Widerlegung, die


Enttäuschung von Erwartungen, hat den Neubau von Theorien zur
Folge

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Erkenntnisobjekt der BWL

Popper veranschaulicht den Erkenntnisprozeß anhand eines vierstufigen


Schemas:

1. das (alte) Problem,


2. die Lösungsversuche,
3. die Elimination,
4. neues Problem.

„Probleme“ sind für Popper gar der Ausgangspunkt jeder Beobachtung:


 „Ohne Problem keine Beobachtung“.

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Erkenntnisobjekt der BWL

Durch die Falsifikation unserer Annahmen bekommen wir tatsächlich


Kontakt mit der „Wirklichkeit“.

Die Widerlegung unserer Irrtümer ist die positive Erfahrung, die wir aus
Wirklichkeit gewinnen.

Daher: Theorien müssen falsifizierbar sein. Durch ihre Falsifikation macht


die Wissenschaft fortschritte.

Nach Goethe gilt deshalb:

„Das Höchste wäre: zu begreifen, daß alles Factische schon Theorie


ist.“

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Erkenntnisobjekt der BWL

Theorien bilden Grundlagen unseres Handeln.

Ein Mensch muss immer zwischen verschiedenen Handlungsalternativen


wählen. Selbst das Nichthandeln stellt eine alternative dar.

1) Von einem rationalen Standpunkt aus gesehen können wir uns auf
keine Theorie „verlassen“. Denn keine Theorie ist als Wahr bewiesen
oder kann als Wahr bewiesen werden.
2) Man sollte aber die bestgeprüfte Theorie als Grundlage unseres
Handeln bevorzugen.

Es absolute Zuverlässigkeit, aber da wie handeln müssen, wird es


vernünftig sein, die bestgeprüfte Theorie zu wählen.
 Die Prüfung erfolgt durch kritische Diskussion.
 Es gibt für R. Popper nichts vernünftigeres als eine gut geführte
kritische Diskussion.

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