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Fachhochschule Frankfurt am Main

Technik des
wissenschaftlichen
Arbeitens

3. Modul: Grundlagen der


Wirtschaftswissenschaften
BWL als Wissenschaft

Wissenschaft ist gekennzeichnet:


• Streben nach Erkenntnis (suche Wahrheit und Antworten),
• Konstituierung eines Erkenntnisobjekts und Erkenntnisziels,
• Anwendung spezifischer Forschungsmethoden,
• Bestreben alle Aussagen über das Erkenntnisobjekt in ihrer „Wahrheit“
zu sichern.

 Wissenschaft ist systematisiertes Wissen über ein Erkenntnisobjekt

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Erkenntnisobjekt der BWL

„Aufgabe der Betriebswirtschaftslehre ist es alles wirtschaftliche


Handeln, das sich im Betrieb vollzieht, zu beschreiben und zu
erklären und schließlich auf Grund der erkannten
Regelmäßigkeiten und Gesetzmäßigkeiten des Betriebsprozesses
wirtschaftliche Verfahren zur Realisierung praktischer
betrieblicher Zielsetzungen zu entwickeln.“
(Wöhe, G.. Einführung, 17. Aufl., S. 28)

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Methoden der BWL

Angewandte Betriebswirtschaftslehre Theoretische Betriebswirtschaftslehre

Erkenntnisziel: Beschreibung und Erkenntnisziel: Die „reine“ Erkenntnis


Beurteilung von empirisch vorgefundenen über das Seiende.
Entscheidungsprozessen sowie die Es wird an sich kein Zweck verfolgt.
Entwicklung neuer (Logische Seite)
Entscheidungsgrundlagen.
(Existenzielle Seite)

 Induktives Folgern Deduktives Folgern

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Induktives Vorgehen

Ausgehend von Erfahrungen und Beobachtungen werden durch


Abstraktion von mehr oder weniger belanglosen Einzelheiten zur
typischen Erscheinung vorzudringen und durch induktives Folgern
eine kausale Erklärung der Wirklichkeit versuchen.

Induktive Methode: Schluss vom Besonderen auf das Allgemeine.

 empirisch-realistische Betriebswirtschaftslehre.

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Empirisch-realistische Theorie

Problem des empirisch-realistischen Vorgehens:

-Es können nur einfache Ursachenkomplexe statistisch ausgewertet und erklärt


werden.

-Es gibt keine zwei Ursachenkomplexe die strenge Übereinstimmung zeigen. Es


gibt keine strenge Ursache-Wirkungszusammenhang.

- Wirtschaftliche Sachverhalte lassen sich nicht unter Laborbedingungen


wiederholen.

Folge: Es können keine Vorhersagen getroffen werden.

Das bedeutet:

Gleiche Wirkungen können unterschiedliche Ursachen haben.

Gleiche Ursachen können unterschiedliche Wirkungen haben.

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Deduktives Vorgehen

Die deduktive Methode versucht durch die logische Seite des


Erkenntnisobjektes zu erkennen indem sie von dem realen Dasein der
Gegenstände abstrahiert. Hierzu werden aus theoretischen
Prämissen logische Schlussfolgerungen abgeleitet.

Es werden denknotwendige Urteile mittels Deduktion gefällt.

An die Stelle von Experimenten treten „im Rahmen der exakten


Theorie“ Wirtschaftsmodelle.

Es wird eine vereinfachte Ausgangskonstellation „erdacht“ und mittels


rein logischer Deduktion bestimmte Relationen abgeleitet.

Deduktiven Methode: Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere


geschlossen.

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Ceteris-paribus-Methode

Bei der Ceteris-paribus-Methode untersucht man eine Einfluss einer Größe


(Ursache/Faktor) auf eine andere Größe (Wirkung), indem alle anderen
Größen konstant gehalten werden.

Beispielsweise wird untersucht wie sich die Kosten verändern, wenn die
Einsatzmenge eines Produktionsfaktors unter Annahme der Konstanz aller
anderen Faktoren, -qualitäten, preise usw. variiert wird.

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Deduktive Methode

Problem:

Die Prämissen, mit denen gearbeitet wird können zwar zum Teil aus der
Erfahrung abgeleitet werden, sind aber, da sie durch Abstraktion
gewonnen werden, in dieser reinen Form in der Realität nicht zu
beobachten.

Die Urteile der sog. exakten Theorie sind bei fehlerfreier Deduktion
immer richtig, aber nicht immer aktuell/wichtig/realitätserklärend.

1+1=2

Es stellt sich die Frage wie weit man die Abstraktion treiben kann, ohne
völlig „weltfremde Spekulation“ zu betreiben.

 Die Prämissen, aus denen deduziert wird, sollten aus der Erfahrung
stammen.

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Deduktive Methode

Prämissen werden idR durch die Methode der Reduktion gewonnen.

Es wird vom realen Dasein abstrahiert, dass heißt die historischen,


soziologischen, rechtlichen, technischen usw Aspekte
ausgeblendet.

Durch fortschreitende Abstraktion von den tatsächlich beobachteten


Einzelheiten wird versucht das herauszufiltern, was man für
wesentlich hält.

Es ist möglich nach und nach alle Faktoren wieder einzuführen.


Allerdings wird man feststellen müssen, dass der Grad der
Ungenauigkeit wieder zunimmt.

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Möglichkeiten und Grenzen der Modellbildung

Betriebswirtschaftliche Forschung ist bestrebt, mit Hilfe von Modellen


die komplexen Zusammenhänge der wirtschaftlichen Wirklichkeit
zu vereinfachen und überschaubar zu machen.

Modelle sind nichts anderes as ein Mittel, um sich an die


wirtschaftliche Wirklichkeit heranzutasten.

Ergenisse der Modellanalyse sind hypothetisch und gelten zunächst


nur in der logischen Sphäre.
 Zur Einschätzung der Brauchbarkeit bedürfen sie der empirischen
Überprüfung.

 Hypothesen haben solange Gültigkeit, bis sie widerlegt werden


(Falsifikation).

 „Exakte“ und empirisch-realistische betriebswirtschaftliche Theorie


stehen damit in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinander.

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Wilhelm Busch

Beruhigt
Zwei mal zwei gleich vier ist Wahrheit.
Schade, daß sie leicht und leer ist,
Denn ich wollte lieber Klarheit
Über das, was voll und schwer ist.
Emsig sucht ich aufzufinden,
Was im tiefsten Grunde wurzelt,
Lief umher nach allen Winden
Und bin oft dabei gepurzelt.
Endlich baut ich eine Hütte.
Still nun zwischen ihren Wänden
Sitz ich in der Welten Mitte,
Unbekümmert um die Enden.
(Aus: Schein und Sein)

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Friedrich Schiller

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