Archaeologik – Erfahrungen mit einem

Wissenschaftsblog
DGUF, Tübingen 16.5.2015
Dr. Rainer Schreg

Institut für Ur- und Frühgeschichte und
Vorderasiatische Archäologie

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- Kurzvorstellung

archaeologik.blogspot.de

ISSN 2197-7283

„Archaeologik ist ein wissenschaftlich orientiertes Blog zu Themen
aus den Feldern Archäologie und Denkmalschutz. Das Augenmerk
gilt weniger sensationellen Neufunden, sondern einer kritischen
Archäologie, die sich mit methodisch-theoretischen,
wissenschaftspolitischen und gesellschaftlichen Aspekten der
Archäologie auseinandersetzt.“

Der Name Archaeologik greift einen von M.K.H. Eggert in Anlehnung
an ‚Historik‘ geprägten Begriff auf:
– Archäologik = die kritische und systematische Auseinandersetzung mit
der „disziplinären Matrix“, bzw. den Paradigmata des Fachs
• schließt explizit den Themenkomplex Archäologie & Öffentlichkeit
mit ein

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Der Anlass für den Start von
Archaeologik:
• Welt am Sonntag, 8.11.2010
Ludwig Thoma (ehem. RTL)
brüstet sich, ein Relief aus einem
Grab in Palmyra geraubt zu haben
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- die Anfänge

• Archaeologik startete aus einer spontanen Eingebung,
aus dem Gefühl heraus, dass Meldungen wie jene zu
Thoma eine öffentlich sichtbare Reaktion erfordern
• Archaeologik hatte zunächst kein Konzept in Bezug auf
Zielpublikum und Inhalte
– gewachsene Struktur
– war (und ist) eher ein Experimentierfeld

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- Stärker fachwissenschaftlich verortete Blogs

• Archaeologik funktioniert besser, als die ausschließlich
innerwissenschaftlich (wenn auch interdisziplinär)
konzipierten Blogs
– utmarks and medieval environments - http://
utmarkarchaeology.blogspot.de/
– The Black Death Network. Interdiscplinary approaches to the
14th century crises in Europe - http://bldeathnet.hypotheses.org/

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- Themenspektrum

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- Themen




Archäologisches Kulturgut
Archäologie und Öffentlichkeit
Archäologie und Politik
Kulturgüter
– Langjährige Serie zu Syrien und Irak

• kritische Archäologie
– methodisch-theoretische, wissenschaftspolitische und
gesellschaftliche Aspekte der Archäologie

• Kleinere eigene Forschungsarbeiten
• Beiträge aus Lehrveranstaltungen
• Reviews und Rezensionen
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- Rahmendaten
Monatliche Zugriffe








Online seit November 2010 (anfangs auf anderer Oberfläche, seit April 2011
auf Blogger)
derzeit 751 veröffentlichte Blogposts
derzeit ca. 6 Posts pro Monat
derzeit rund 350 Zugriffe am Tag (nach interner Blogger-Statistik)
zugehörige facebook-Gruppe
Verbeitung (z.Zt. eher nachlässig) über twitter und Google+
Zugriffe mehrheitlich über Google
Texte des Blogs unter
Creative Commons-Lizenz (OA)

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- Rahmendaten

• erreicht unterschiedliches Publikum
• bewusst derzeit keine institutionelle Anbindung
– Größere Authentizität
– Größere Glaubwürdigkeit
als persönliches Blog

• inzwischen mehrfach Gastautoren

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- Resonanz

Einladung zu wiss. Projekten
Inzwischen zahlreiche Presseanfragen



swr, wdr, Spiegel, ZEIT
TerraX – brainstorming für neue Staffel-Idee
vielfach Kontakte weiter vermittelt
erste Hintergrundinformationen für weitere eigene Recherchen der
Journalisten
– Cornelia Wegerhoff, wdr (Kairo): „Für uns sind Sie der Experte, weil sie
persönlich ein breites Spektrum an Themen ansprechen“ [sinngemäß]

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Enthält auch kleinere Forschungsarbeiten,
Reviews und Rezensionen
– Tendenziell stärker rezipiert als gedruckte Artikel
– Mehr feed-back und weiterführende Hinweise

vom blogpost zur gedruckten, peer-reviewed
Publikation (vergl. Habitus - vom Blog zur
'echten' Publikation. Archaeologik (5.12.2013) (
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- Resonanz


die meisten Kommentare zur Sondler-Problematik
(bislang) keine wirklichen shitstorms oder bösartigen Kommentare
wohl aber schwachsinnige – Nur: wo liegt der Fehler?

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- Erfahrungen mit einem Wissenschaftsblog

These 1: Der Archäologie mangelt es in ihrer
Außendarstellung an Glaubwürdigkeit
• Es fehlt ein öffentlich sichtbares Medium, das
Archäologie jenseits von Ausgrabung und High-Tech als
Wissenschaft darstellt und nicht nur Erfolgsgeschichten
verkauft.

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- Erfahrungen mit einem Wissenschaftsblog

Sondengänger
Hoher Anteil von Parawissenschaften

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- Erfahrungen mit einem Wissenschaftsblog

These 2: Es zeigen sich vielfältige Interessen an der
Vergangenheit, die sich mit denen der Archäologie als
Wissenschaft nur bedingt decken.




esoterisch
parawissenschaftlich
präwissenschaftlich, oft gefühlsbetont, um ‚Authentizität‘ bemüht
Rechtspopulistisch
kommerziell (Raubgräber, v.a. aber auch Politik und Industrie)

• Das ist nicht grundsätzlich neu. Die entsprechenden
Gruppen vernetzen sich heute aber anders und finden
Gehör/ haben Internetpräsenz.
• Es entsteht eine neue Konkurrenzsituation.
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- Erfahrungen mit einem Wissenschaftsblog

These 3: Diese Gruppen erreicht eine wissenschaftliche
Archäologie über ihre normalen Kanäle (Jahrbücher,
überhaupt: Printpublikationen, Ausstellungen) nur
bedingt – und wenn, spricht sie sie nicht an.

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- Erfahrungen mit einem Wissenschaftsblog

These 4: Social Media.
• Blogs können hier eine wichtige Rolle spielen. Sie sind –
von Wissenschaftlern kommend – eher geeignet
journalistisch wenig attraktive Themen der Archäologie
jenseits der Ausgrabung zu präsentieren.
• Gefunden werden: Blogs geraten mit den richtigen
Schlagworten in den Gesichtskreis der betreffenden
Interessensgruppen.

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- Fazit

• Archäologie muss als Wissenschaft dargestellt werden!
– d.h. die theoretischen Reflektionen des Faches (falls vorhanden!) müssen
ebenso Teil der Außendarstellung sein wie Fund, Ausgrabung und High
Tech
– ‚Medialisierung‘ und Sensationen wirken kontraproduktiv
– Klarheit über die Ziele! Reflektion darüber, was vermittelt werden soll, wie
Bezüge zur Gegenwart glaubhaft und nicht platt dargestellt werden können

• Dies kann nicht den Medien überlassen werden. Hier ergibt sich
eine Chance für Blogs o.ä. (nicht fb und twitter, die allenfalls
flankierend sinnvoll scheinen).
• Es ist v.a. wichtig, im thematischen Kontext leicht gefunden zu
werden.
• Wissenschaftliche Autorität durch persönliche Authentizität /
Glaubwürdigkeit
• aber auch Aufgabe insbesondere für Forschungsmuseen

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Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Besuchen Sie archaeologik.blogspot.de
Gast-Beiträge zu Themen der kritischen Archäologie sind willkommen:
schreg@rgzm.de
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