Sie sind auf Seite 1von 25

Caspar D.

Friedrich:
Kreuz im Gebirge
(Teschener Altar,
Die Kunst als religiöse
„Ahndung“
Schließe dein leibliches Auge, damit du mit
dem geistigen Auge zuerst siehst dein Bild.
Dann fördere zu Tage, was du im Dunkeln
gesehen, dass es zurückwirke auf andere
von außen nach innen.
(Caspar David Friedrich)
Philipp Otto Runge (1777-
1810)
“Der Morgen” (1808)
Was ist romantisch?
Vieldeutigkeit des Begriffs

• 1. 18. Jh.: wie im Roman, erfunden, abenteuerlich,


fantastisch, irreal
• 2. für Goethe: „krank“
• 3. A. W. Schlegel: christlich, neuzeitlich vs.
klassisch-antik
• 3. Fr. Schlegel: das Poetische (im Roman=am
reinsten)
• 4. Novalis: Romantik=die Lehre vom Roman
Die Literaturepoche „Romantik“
• Ca. 1795-1830
• Wechselnde Zentren
• Anders als Goethe und Schiller: die
Romantiker fühlen sich als Vertreter ihrer
Strömung und als Ergänzung zur Klassik
• Philosophische Grundlagen (Fichte): das
Ich steht im Mittelpunkt; Fortsetzung des
Geniekults
Einteilung, chronologisch:
kritisch-philosophische Frühromantik (1795 bis 1804, vom ersten
Auftreten Wackenroders, Tiecks, Novalis‘, der Brüder Schlegel)
• politisch-nationale Hochromantik (etwa deckungsgleich mit
Eroberungskriegen und Niederlage Napoleons, 1805 bis 1812)
• Spätromantik (1813 bis etwa 1825, mit Ausläufern: Brentano † 1842,
Tieck † 1853, Eichendorff † 1857)
Einteilung, topographisch:
• (Göttingen ->) Jena und Berlin (1796-1804)
• (Göttingen ->) Heidelberg (1805-1807) und Berlin (1807-1811)
• später regionale Ausdifferenzierung

Einteilung nach Gruppen:


• die Freunde Wilhelm HeinrichWackenroder und Ludwig Tieck
(Göttingen 1793)
• die Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel
• dann diese zusammen mit Novalis (der schon 1801 stirbt)
• die Freunde Brentano und Arnim (seit Göttingen 1801)
Göttingen, Michaelishaus Göttingen, Alte SUB
Jenaer (Früh-)
Romantik
Heidelberger (Hoch-)
Romantik
Merkmale der romantischen
Dichtung
• Entdeckung des Unbewussten und Irrationalen
• Wiederbelebung des deutschen Mittelalters
• Bemühen um deutsches Volksgut (Märchen,
Sagen)
• Offene Formen, Fragment, Improvisation
• „progressive Universalpoesie“
• Interesse für fremde Länder und Sprachen
• Romantische Ironie
Ziel: Überwindung der vorausgesetzten Spaltung von
• Vernunft / Gefühl
• Ich / Welt
• Welt / Gott
• Poesie / Philosophie
verursacht
• durch die Naturwissenschaften,
• durch die erkenntniskritische Transzendental-Philosophie Kants,
• durch die sozialen und politischen Umwälzungen seit 1789,
• durch die ökonomischen Umwälzungen des Kapitalismus
Romantik: das Streben nach einer Synthese des Getrennten
Wichtige Autoren
• Friedrich Schlegel (1772-1829): theoretische Grundlagen;
mit A.W. Schlegel: Athenäum
• Novalis (1772-1801): Verehrer der Nacht; auch
Naturwissenschaftler
• E.T.A. Hoffmann (1776-1822): auch Maler,
Musiker;Themen: Konflikt zw. Künstler und Bürger,
Identität(sverlust), Wahnsinn
• Jakob (1785-1863) + Wilhelm Grimm (1786-1859):
Märchen, Sagen, Deutsches Wörterbuch, Deutsche
Grammatik
• Ludwig Tieck (1773-1853): Kunstmärchen
• Joseph von Eichendorff (1788-1856): Natur,
Ungebundenheit, Reisen
Autorinnen
• Freiraum für schreibende Frauen
• Literarische Salons
• Caroline Schlegel-Schelling (1763-1809),
Dorothea Veith-Schlegel (1764-1839),
Sophie Tieck (1775-1833), Bettina von
Arnim (1785-1859), Karoline von
Günderode (1780-1806)
Novalis 1793
„Die Welt muß romantisiert werden. […]
Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn,
dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles
Ansehn,
dem Bekannten die Würde des Unbekannten,
dem Endlichen einen unendlichen Schein
gebe so romantisire ich es.“
„Dichter und Priester waren
im Anfang Eins, und nur
spätere Zeiten haben sie
getrennt.“
Er sah nichts als die blaue Blume und betrachtete sie
lange mit unnennbarer Zärtlichkeit. (Novalis: Heinrich
von Ofterdingen)
Funktionen der Poesie (wie überhaupt der Kunst)
in der Romantik:

1. Kritik des Bestehenden als (ironische, satirische, sehnsüchtige)


Offenlegung seines Entfremdungscharakters.

2. Erinnerung der vergangenen Ganzheit und Vorschein ihrer


Wiederkehr.

3. Beitrag zu dieser Überwindung, zur Wiederkehr des verlorenen


Heilszustandes durch Änderung unseres Blicks: „Die Welt muß
romantisiert werden“ (Novalis).

4. Kunstreligion
Joseph von Eichendorff
Wünschelrute
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
Ludwig Tieck: „Der gestiefelte
Kater“
•Satire
•Parodie des Theaters
•Märchenstoff, romantische Ironie
„Wo Kinder sind, da ist ein
goldenes Zeitalter.“
(Novalis, 1798)
Ludwig Emil Grimm:
Rotkäppchen
Fazit. Auswirkungen der Romantik
auf die Nachwelt
Die Romantik führt den Paradigmenwechsel der
Aufklärung weiter
• Entdeckt die Macht des Unbewussten (
Psychoanalyse)
• Antizipiert das dekonstruktivistische Denken
des späten 20. Jh. (Schleiermacher, Fr.
Schlegel)
• Wichtige Impulse für die moderne
Sprachphilosophie (W. von Humboldt)