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Fachsprachen

„Wir verstehen unter Fachsprachen heute die Variante der


Gesamtsprache, die der Erkenntnis und begrifflichen
Bestimmung fachspezifischer Gegenstande sowie der
Verständigung über sie dient und damit den spezifischen
kommunikativen Bedürfnissen im Fach allgemein
Rechnung trägt.” (Möhn/ Pelka 1985: 26)
Die Basis fachsprachlicher Texte bzw. fachsprachlicher
Sprachhandlungen ist die Gemeinsprache. Jeder
fachsprachliche Text basiert im Wesentlichen auf den
Regeln und Gesetzmäßigkeiten, die auch für die
Gemeinsprache gelten. Auch kommt kaum ein Fachtext
ohne gemeinsprachliche Wörter aus, denn keine
Fachsprache verständigt sich ausschließlich mit
Ausdrücken, die es in der Gemeinsprache nicht gibt.
Klassifikation und Funktionen

Hoffmann unterscheidet 5 fachsprachliche Hauptschichten:

 die Sprache der theoretischen Grundlagenwissenschaften


 der experimentellen Wissenschaften
 der angewandten Wissenschaft und Technik
 der materiellen Produktion
 der Konsumption
Dieter Möhn/ Roland Pelka unterscheiden auch drei Grundfunktionen
der Fachsprachen:

• die direktive Funktion – bezieht sich auf Texte mit direkten


Aufforderungen zum Handeln; auffordernd (militärische Befehle,
Prüfung, Gesetzestext)
• die instruktive Funktion – auf Hinwiese für Handlungswissen und
Handlungsmöglichkeiten; anleitend (Kochrezepte,
Gebrauchsanweisung)
• die deskriptive Funktion – auf objektiozentrierte Fixierung eines
Gegenstands, es ist beschreibend (ärztliche Befunde)
Es gibt auch andere Funktionen:

• die metalinguale Funktion (sprachliche Äußerungen über die


Sprache – Wörterbücher)
• die kontaktive Funktion (Begrüßung, Small Talk)
• die expressive Funktion (ausdrückend; subjektive Einstellung
eines Sachverhaltes – Liebesbrief, Beifallsbekundungen)
• die isolative Funktion (Verständlichkeit auf eine Gruppe
bezogen / nur für eine Gruppe bestimmt – Gaunersprache)

 Sprachformen können mehreren Funktionen haben


 Der Fachwortschatz umfasst standarsierte und nicht-
standarsierte Termini (Wörter, deren Inhalt durch eine
Festgesetungsdefinition) und Fachjargonismen (Wörter, die
keinen Anspruch auf definitorische Genauigkeit erheben).
Die Fachsprachen unterliegen einer inneren
Diversifizierung, haben jedoch bezüglich des
wissenschaftlichen Stils gemeinsame Merkmale:
Sachlichkeit, Objektivität, Logik, Klarheit, Knappheit,
stilistische Neutralität usw.
Zum Verhältnis zwischen Fachsprachen
und Gemeinsprache

 Die Basis fachsprachlicher Texte bzw. fachsprachlicher


Sprachhandlungen ist die Gemeinsprache.
Einfluss von Fachsprachen auf die Gemeinsprache
 Massenmedien: v.a. Rundfunk, Fernsehen, Zeitungen und
andere leicht zugängliche Druckmedien, Internet u.a.
 Fach- und Sachbücher: Sie sorgen für die Verbreitung von
Fachsprachlichem in der Sprachgemeinschaft.
 Werbung: Die Werbung geschieht über die Massenmedien,
über Plakate, Produktpackungen, Etiketten etc.
Fachsprachen, die in die
Gemeinsprache eindringen:
a. Politik
b. Verwaltung
c. Wirtschaft
d. Wissenschaften
e. Sport
Das Sprachliche Funktionalstil
 Fachsprachen charakterisieren sich durch Wortschatz, Satzbau und Stil
bzw. Makrostruktur des Textes. In der deutschen Sprachwissenschaft wird
der Funktionalstil als "funktionsgerechte und situativ angemessene
Verwendung der Sprache in Texten verschiedener
Kommunikationsbereiche vor allem als Stil der Wissenschaft" untersucht.
 Fachsprachliche Syntax charakterisiert sich durch Spezifigierung,
Kondensierung und Anonymisierung.
 Fachsprachlichen Texte unterschieden sich von nicht-fachsprachlichen
lexikalisch, durch den Wortschatz und die Konzentration auf ein
bestimmtes Sprachpotential, und stilistisch, durch einen sachlichen
Fachstil.
 Die sprachlichen Merkmale der Fachsprachen:

Dominanz der Fachlexik (Fachwörter, Zusammensetzungen,


Ableitungen, Abkürzungen)

Bevorzugung der Substantive in einem Nominalstil


Fehlen von affektiven und wertenden Wörtern und
Wendungen

Fehlen von Dialogen

Vorkommen von Funktionsverbgefügen (z.B. zur Diskussion


stellen, in Betrach ziehen, zur Verfügung stellen)

Tendenz zur Sprachökonomie


 Formen der Sprachsökonomie (Kondensation)

 die Reduzierung von Nebensätzen auf Partizipialgruppen


und –konstruktionen
 Genitiverweiterungen
 präpositionale Wendungen,
 einfache und erweiterte Attribute,
 Ellipsen
 Aufzählungen.
 Die personenneutrale Rede:

 unpersölichen Pronomina (z.B. man, es)


 Passivkonstruktionen im Präsens
 Reflexivkonstruktionen
 Gefügen mit sein+zu+Infinitiv
 Präpositionalphrasen
 Partizipialkonstruktionen
 Infinitivkonstruktionen
 Nominalphrasen

 Es heißt, dass... ; Aus dem Zahlenwert ersieht man, dass…; Es wird


angenommen, dass...; Bei Ausschaltung des Lichtreizes...; Nach einem starken
Reiz...; Zur Codierung von Dezimalzahlen... usw.
Die fachsprachliche Wortbildung

 Die verschiedenen Sprachen haben die Eigenschaft, dass die

Sprachsysteme regelhafte Möglichkeiten zur Bildung von Wörter für

neue Termini enthalten, meistens aufgrund der bereits vorhandenen

Wörter und Wortbildungselemente.


1. Syntagmatische
Wortbildungsverfahren
Das meist verwendete Wortbildungsverfahren ist die Ableitung durch Suffigierung und
Präfigierung:
 Deutsche und fremde Präfixe bei Substantiven und Adjektiven kennzeichen oft eine
Negation oder eine Gegensätzlichkeit (z.B. Katode- Antikatode, mikroskopisch-
makroskopisch, kongruent- inkongruent)
 Verben sind oft nominalisiert durch Suffixe wie –ung, -keit (z.B. Codierung,
Formatierung (Informatik), Leistungsfähigkeit, Fruchtbarkeit (Biologie)
 Die Affiegierung kann auch nach Fachbereichen systenatisiert werden:
 z.B. in der Chemie: -ium für metallische Elemente (wie Clor, Bor, Flor) oder –on für
Edelgase (wie Radon, Neon, Argon)
 in der Biologie: -a, -een für Pflanzenfamilien oder –iden für Tierfamilien.
 In der Medizin: -itis für akute Enzündung (wie Bronchitis, Arthritis) oder –om für Tumor
(Melanom, Glaukom)
 In der Sprachwissenschaft: -em für abstrakte Einheiten wie Phonem, Lexem.
 In der Philosophie: -ismus: Existenzialismus, Strukturalismus
 Die häufigst vorkommene Suffixe beim Substantive sind: -e (Höhe, Spitze), -er
(Regler, Rechner), -ung (Mischung, Bohrung), -heit (Dehnbarkeit,
Stoßsicherheit), -tion (Induktion, Gravitation), -tät (Elastizität, Induktivität) usw.
 Adjektivsuffixen: -förmig (gleichförmig, kreisförmig), -dicht (wasserdicht), -
haltig (eisenhaltig), -arm (wasserarm, kohlenstoffarm), -al (diagonal, zentral)
usw.
 Verbpräfixen: aus- (auswärmen, aushärten), miss- (misslingen), zer- (zerfallen)
 Verbesuffixe: -en (fetten, lochen), -isieren (elektriesieren, krstallisieren), -ifizieren
(elektrifizieren, klassifizieren)
2. Wortzusammensetzungen

Das Substantiv gilt als wichtigsten Element der Komposita:


 Substantiv + Substantiv: Volumänderung, Geschwindigkeitsmesser
 Verbstamm + Substantiv: Drehkondensator, Grehvorgang
 Adjektiv + Substantiv: Schwerkraft, Dickstoff
 Adverb + Substantiv: Innenanlage, Querschnitt
 Zahlwort + Substantiv: Dreieck, Zweipol
 Abkürzung + Substantiv: HF-Gebiet, UHF-Gebiet
 Verbale Wortbildungsgruppen sind in der Sprache der
Metallverarbeitung sehr produktiv, z.B. Bildungen mit Adjektive,
Adverbien, Substantive und andere Verben (festschrauben,
kaltnieten, oberflächenhärten, stoßpressen)
 Adjektive als Komposita treten meistens als Partizipialbildungen auf:
 Substantiv + Partizip I (farbabwesend, feuerhemmend) oder
Substantiv + Partizip II (kugelgelagert, faserverstärkt)
 Adjektiv + Adjektiv: schwarzweiss, weichmagnetisch
 Substantiv + Adjektiv: dieselelektrisch, federleicht
 Verb + Adjektiv: tragfähig, verdrehsteif
Verkürzungen

 Wortkürzungen: mehrgliedrige Wörter werden am Anfang, Mitte


oder Ende gekürzt, z.B. Kraftfahrrad- Krad, Lokomotive- Lok,
Klemmenabdeckplatte- Abdeckplatte, Messwerkzeug- Messzeug.

 Akronyme (Abkürzungen): Wortteile werden durch Buchstaben


ersätzt, z.B. NATO, UNICEF, UFO, VW.
3. Semantische Terminologiesierung

 Ein Fachausdruck ensteht semantisch- inhaltlich durch die fachliche


Umdefinition eines Wortes (Lehnwortbildung, Lehnübersetzung,
Terminologiesierung als Bedeutungsfixierung, metaforische
Ausdrucksweise) oder durch Multifunktionallexeme.
 Fachsprachen wurzeln in der Gemeinsprache, so dass der erste
Schritt der Fachwortbildung innerhalb einer Sprache die
Terminologiesierung als Bedeutungsfixierung von Wörter der
Gemeinsprache ist.
 Auf einer Seite, die Begrifflichkeit der Benanntenist nicht nur mit
Fachwissen möglich, wie z.B. Menge (Mathematik), Kraft, Masse
(Physik, Technik)
 Die terminologiesierung ensteht auch durch de Gebrauch der
Metaphern, die auf die Ähnlichkeiten der Funktion, Form, Lage,
Bewegung u.a. verweisen.
 Z.B. Maus (der Tastatur), Feld (elektrischer Strom), Bett, Brücke , Tisch
(Funktions bzw. Lagemetapher) usw.

 Fachausdrücke (z.B. Technische und naturwissenschaftliche Termini)


sind nicht immer eindeutig, vielmehr, sie wisen Probleme der
semantischen Unklarbarkeit bei Polysemie, Homonymie und
Synonymie. Sie werden durch der Kontextualisierzng gelöst.
4. Fremdwörter

 Ein Merkmal der Fachsprache des Deutschen ist die hohe Frquenz
von Fremdwörter.

 Entlehnungen: in die deutsche Sprache wrden Fremdwörter aus


einer fremden Sprache unter mehr oder weniger anpassung an das
morphologisch- phonologische System übernommen.
 Z.B. Atom, Reaktor, Analyse, Laser, Modul, Hardware, Website,
Blackout, Recorder, Computer u.a.
 Es enstehen zahlreiche Mischbildungen oder hybride Bildungen, d.h.
Die Verbindung von Muttersprachlichen und fremden
Sprachelementen und die Vermischung fremder Wortelemente.
 Z.B. Infrarot, Atomspaltung, Laserstrahl, Periodenzahl, Face- to- Face-
Befragung, Multiple- Choice- Verfahren, Point- to- Point- Rennen.

 Lehnübersetzungen: die wortwörtliche Übersetzung der


Fremdwörter.
 Z.B. Luftbild aus englischen Air photo, Überschallgeschwindigkeit aus
engl. Supersonic velocity, Sauerstoff aus lat. Oxygenium, fr.
Oxygene.
Wissenschaftsprache

 Ist eine besondere Erscheinung der Sprache verstanden, die


Sprache der theoretischen Wissenschaft unter der Forschung in
ihrem gesellschaftlich- Kommunikativen Unterschied zur fachlich-
praktischen Sprache.
 Ein Untertyp der Fachsprache.

 Der Unterschied zwischen sie besteht darin, dass die


Wissenschaftsprache nicht auf eine bestimmte Disziplin beschränkt
ist, während sich die wissenschaftliche Fachsprache auf eine
Fachdisziplin bezieht.
Die Eigenschaften der Wissensprache sind:
 Intellektualisierung, bzw. Rationalisierung;
 Automatisierung und Deautomatisierung;
 Erweiterung des Wortschatzes;
 Komplexität der Denkprozessen;
 Syntaktische Komplexität.

Funktion de Wissenschaftsprache:
 Optimierung durch sprachliche Mittel der Darstellung von
Gegenständen und Sachverhalten der außersparchlichen Welt;
 Optiemirung der Wiedergabe und Verarbeitung von Kenntissen über
die Gegenstände und Sachverhalte der Wirklichkeit auf
syntaktischer und lexykalischer Ebene.
Danke für ihre Aufmerksamkeit!